Ein total versautes Wochenende - Martino, Campanile, u.A.

Klamauk, Satire & jede Menge Gags

Moderator: jogiwan

Ein total versautes Wochenende - Martino, Campanile, u.A.

Beitragvon DrDjangoMD » 4. Jun 2012, 15:38

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Originaltitel: Sabato, domenica e venerdì

Land: Italien, Spanien

Jahr: 1979

Regie: Sergio Martino, Pasquale Festa Campanile, Franco Castellano, Giuseppe Moccia

Darsteller: Adriano Celentano, Edwige Fenech, Barbara Bouchet, Salvatore Baccaro,...
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Re: Ein total versautes Wochenende - Martino, Campanile, u.A

Beitragvon DrDjangoMD » 4. Jun 2012, 15:39

Handlung:
Am Samstag soll der angestellte Nicolo, der sich auf ein schönes Wochenende mit seiner Verlobten gefreut hat einen japanischen Firmenpartner vom Flughafen abholen. Als sich dieser jedoch als bildhübsche Frau (Edwige Fenech) herausstellt, fängt der Ärger erst richtig an…Am Sonntag hofft der übermüdete Lastwagenfahrer Mario endlich ein wenig Schlaf zu finden, doch seine suizidale Nachbarin (Barbara Bouchet) überredet ihn, sich als ihr Verlobter auszugeben um seine vermeintlichen Schwiegereltern zu beeindrucken…Am Freitag will der große Constantin (Adriano Celentano) eine Revue zusammenstellen, doch seine wichtigste Tänzerin ist durchgebrannt um einen Mafioso zu heiraten…

Kritik:
Ich bin ja kein sonderlicher Freund von Episodenfilmen, durch die kurze Spieldauer bekommen die meisten Geschichten nicht genug Zeit ihre Charaktere genügend einzuführen und gewisse Momente ausreichend auszukosten. Und ich bin ja auch kein Freund von italienischen Komödien, da ihr unsinniger Klamauk nach einer halben Stunde einfach nur noch unerträglich ist. Aber wie haben wir alle in der Schule gelernt: Minus mal Minus ergibt Plus…außerdem bin ich faul und muss mir keine komplexe Langkritik überlegen, weil ich zu den einzelnen Segmenten ein paar Worte verlieren kann…
„Sabato“ (Regie: Sergio Martino): Die Gags in diesem Abschnitt bestehen zwar großteils aus der üblichen Klamauk-Routine, alberne Situationen und Charaktere die mit dummen Grimassen darauf reagieren, ABER Martino macht es richtig! Er übertreibt die Blödeleien nicht und versorgt uns, was noch viel wichtiger ist, mit zwei liebenswerten Hauptcharakteren. Nicolo ist ein gutmütiger kleiner Angestellter, der gerade an einem Punkt im Leben angekommen ist, an dem er sowohl von seinem Arbeitgeber als auch von seiner fürchterlichen Verlobten drangsaliert wird. Gerade an diesem Punkt lernt er die traumhafte Tokimoto (Edwige Fenech) kennen, die sich auch noch in ihn verliebt. Wir gönnen den beiden sympathischen Menschen ihr Glück und hoffen wirklich, dass weder Nicolos Chef noch seine Verlobte den beiden Turteltauben einen Strich durch die Rechnung machen. Edwige Fenech hat sichtliche Freude damit, eine klischeehafte Japanerin zu verkörpern und tappst fröhlich auf kleinem Fuß durchs Bild. Zusätzlich haben wir einen tollen Auftritt von Salvatore Baccaro, der Nicolos Verlobte umwirbt, die ihn, um Nicolo eifersüchtig zu machen, wie den Traummann schlechthin beschreibt.7/10
„Domenica“ (Regie: Pasquale Festa Campanile): Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, diese Episode entstammt entweder der Serie „Herzbube mit zwei Damen“ oder der Feder von Neil Simon. Auf kleinen Schauplatz (großteils ein Appartement) beschränkt bietet sich uns hier herrliche Situationskomik. Das bewährte Formular von einem Protagonisten, der sich für jemand anderen ausgibt, wird hier perfektioniert. Das Tempo ist rasant, die Witze zahlreich und der Weg unseres Helden steinig, denn ständig kommt es zu Momenten, die seine Verstellung auffliegen lassen könnten und dabei will der bedauernswerte Tausendsasser einfach nur eine Mütze Schlaf nehmen. 8/10
„Venerdi“ (Regie: Franco Castellano und Giuseppe Moccia): Castellano? Moccia? Wo habe ich diese beiden Namen schon mal gehört?…Oh, die Typen die „Onkel Addi“ gemacht haben…ohhhh :| . Und ratet mal, wir bekommen wieder Hauptcharaktere die nicht die geringste Identifikation zulassen. Der große Constantin ist ein selbstgefälliger Multimilliardär und das einzige was wir über Tänzerin Jacqueline wissen ist, dass sie ein aufmerksamkeitsgeiles Flittchen mit dem hässlichsten Lächeln seit dem Plakat für Tobe Hoopers „The Funhouse“ ist. Bevor sich nun die „Warum sind dir sympathische Charaktere eigentlich so wichtig“-Front zu Wort meldet, erlaubt mir einen kleinen Test: Oft kommt die Spannung eines Filmes doch daher, dass wir uns fragen, wie es wohl ausgehen wird…hier sind die potentiellen Ausgänge von „Venerdi“:
Variante a): Constantin bringt Jacqueline dazu den Mafioso zu verlassen und alle sind glücklich; von mir aus. :|
Variante b): Constantin versagt, sucht sich eine neue Tänzerin und ist glücklich; von mir aus. :|
Variante c): Constantin versagt, findet keine neue Tänzerin, die Revue wird ein Misserfolg und Constantin verliert ein wenig Geld; geschieht dem selbstgefälligen Bastard ganz recht. :|
Variante d): Constantin versagt, aber der Gangster liebt Jacqueline wirklich und beide werden glücklich; von mir aus :|
Variante e): Constantin versagt, der Gangster liebt Jacqueline jedoch nicht und sie endet in Betonschuhen am Grund irgendeines Sees; von mir aus, ich trauere nicht um sie. :|
In den ersten beiden Segmenten wird dadurch Spannung erzeugt, weil wir hoffen, dass der gute Nicolo seine geliebte Tokimoto bekommt und im zweiten gönnen wir dem guten Mario so richtig sein geliebtes Bettchen und Barbara Bouchet als kleinen Bonus. Hier gibt es diese Spannung nicht, da uns die Charaktere egal sind.
Allerdings muss ich Castellano und Moccia wenigstens ein bisschen loben: Constantin ist zwar ein egozentrischer Mistkerl, aber ist wenigstens kein frauenmordender SS-Offizier, außerdem kann Adriano Celentano solche Rollen einfach wirklich gut verkörpern, ich frage mich nur, warum man ihn dann zum Helden und nicht zu einem spaßigen Antagonisten machen könnte. Viele Witze funktionieren nicht (Constantin ist reich, haha), aber hier und da gibt es schon mal einen Lacher, langweilig wird es auch nicht und die Kostüme fand ich recht witzig, besonders, dass man Constantin die verschiedensten Nobelanzüge in immer den gleichen Blautönen gestrickt hat war nett zu bemerken. Alles in allem also nicht gut, aber man kann es sich schon mal ansehen. 4/10
Fazit: Martino hat eine üblichen Italo-Klamauk-Komödie ein wenig besser als gewohnt inszeniert, Campanile bringt uns herrlichste Situationskomik, allerdings werde ich wohl nie ein Fan von Castellano und Moccia werden. Insgesamt: 6/10
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