Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima (1967)

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Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima (1967)

Beitragvon buxtebrawler » 19. Jan 2011, 14:14

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Originaltitel: Faccia a faccia

Herstellungsland: Italien / Spanien (1967)

Regie: Sergio Sollima

Darsteller: Tomas Milian, Gian Maria Volonté, William Berger, Jolanda Modio, Gianni Rizzo, Carole André, Ángel del Pozo, Aldo Sambrell, Nello Pazzafini, José Torres, Federico Boido, Guy Heron u. A.

Der todkranke Professor Fletcher (Gian Maria Volonté) begegnet auf einer Reise dem flüchtigen Banditen Bennet (Tomas Milian). Dieser nimmt Fletcher als Geisel. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine Freundschaft. Mit der Zeit lernt Fletcher die Vorzüge des Banditenlebens kennen...


Quelle: www.ofdb.de

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon untot » 19. Jan 2011, 16:22

Handlung klingt mal echt gut, is notiert! :popcorn:
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon Arkadin » 19. Jan 2011, 16:27

untot hat geschrieben:Handlung klingt mal echt gut, is notiert! :popcorn:


Klingt nicht nur gut. IST gut! :opa:
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon Blap » 19. Jan 2011, 17:45

Mein Liebling von Sollima, ein Fall für meine Italowestern Top10. Ich habe einen älteren Ultrakurzkommentar gefunden, der allerdings einer Überarbeitung bedarf.


Von Angesicht zu Angesicht

Professor Brett Fletcher (Gian Maria Volontè) ist ein gebildeter und kultivierter Mensch. Da er an einer schweren Krankheit leidet, macht er sich zur Genesung auf den Weg nach Texas. Unfreiwillig verhilft er dem Gauner Beauregard Bennet (Tomas Milian) zur Flucht. Zunächst Geisel, wird Flechter zum Freund und Mitstreiter Bennets. Dieser will seine zerschlagene Truppe "Wilde Horde" wieder auf die Beine stellen. Je länger Fletcher sich in seinem neuen Umfeld aufhält, umso mehr entdeckt er die Wildsau in sich. Doch auch ein eifriger Mitarbeiter der Pinkerton-Agentur (William Berger), mischt eifrig bei der Verteilung der Karten mit...

Der zweite von drei Filmen, aus der tollen "Sergio Sollima Italo-Western-Box" von Koch Media. Ein weiterer Volltreffer! Tomas Milian ist eine Legende, Gian Maria Volontè kennt man bestens aus Leones Dollar Klassikern. William Berger erinnert in diesem Streifen ein wenig an Henry Fonda, was ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist. Regie, Kamera, Darsteller, Musik, alles im absolut grünen Bereich. Auch die Wandlung des Charakters von Gian Maria Volontè gelingt überzeugend. Ein Klassiker mit Tiefgang!

Für den Italowestern-Fan unverzichtbar!

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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon ugo-piazza » 19. Jan 2011, 17:48

Arkadin hat geschrieben:
untot hat geschrieben:Handlung klingt mal echt gut, is notiert! :popcorn:


Klingt nicht nur gut. IST gut! :opa:


BLEIBT gut! 8-)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon buxtebrawler » 20. Jan 2011, 14:49

„Es gibt keine Gerechtigkeit!“

Sergio Sollimas zweiter Italo-Western aus dem Jahre 1967 überbietet seinen Vorgänger „Der Gehetzte der Sierra Madre“ noch einmal in seiner Intelligenz und Tiefgründigkeit. Die Hauptrollen übernahmen der Sollima-Stammschauspieler Tomás Milián, der in Sollimas anderen beiden Western erstklassig den mexikanischen Strauchdieb Cuchillo mimte, und Gian Maria Volonté, der aus Sergio Leones „Dollar“-Filmen bekannt ist. Eine größere Nebenrolle nimmt der Österreicher William Berger ein, für eine vielversprechende Besetzung ist also gesorgt. Untermalt von den herrlichen Klängen des Filmmusik-Genies Ennio Morricone treffen einmal mehr zwei eigentlich grundverschiedene Charaktere aufeinander: Fletcher (Volonté) ist ein Mann des Geistes, ein moralistischer Intellektueller, geprägt von humanistischen Überzeugungen. Bennet (Milián) hingegen ist ein verruchter Ganove und Outlaw, der scheinbar ohne jedes Ideal und getrieben vom reinen Überlebensdrang sich instinktiv durchs Leben schlägt und schießt und mit seiner ehemaligen Bande, der Wilden Horde, für Angst und Schrecken sorgte. Fletcher ist todkrank, gibt nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg seine Tätigkeit als Lehrer im Norden auf und geht wegen der besseren Luft in die Südstaaten, wo er auf Bennet trifft. Als der ihn als Geisel nimmt, entwickelt sich eine Art Männerfreundschaft, innerhalb derer beide voneinander zu lernen und Verständnis füreinander zu entwickeln scheinen. Fletchers Moralvorstellungen regen Bennet zum Nachdenken an, während Theoretiker Fletcher mit der harten Realität des Alltags Bennets konfrontiert wird, an dem er seine Überzeugungen messen lassen muss. Dabei kommt es natürlich zu Konfliktsituationen…

Zwar bekommt man auch in „Von Angesicht zu Angesicht“ die typischen Genre-Zutaten serviert, doch das eigentlich Interessante ist Sollimas subtile Charakterstudie: Je mehr sich Fletcher für Bennets Outlaw-Dasein begeistert und seine theoretischen Erkenntnisse infrage stellt bzw. relativiert oder gar widerlegt sieht, desto mehr gesundet er auch körperlich. Seine körperliche Genesung geht allerdings mit weit tiefgreifenderen charakterlichen Veränderungen als im Falle Bennets einher: Während Bennet sich irgendwann zunehmend versucht, dem aussichtslosen, destruktiven Strudel der Gewalt zu entziehen, streift Fletcher seine alte, unbefriedigende Existenz weitestgehend ab und wird zu einem zynischen Machtmenschen, der seine Gefolgsleute, die Wilde Horde, deren eigentlicher Anführer Bennet von der Justiz aus dem Verkehr gezogen wurde, malträtiert und in seine Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus trifft, sondern eiskaltes Kalkül walten lässt. Als die Strafverfolgung sich ebenfalls in Menschenverachtung übt und ein Massaker an den eigentlich recht harmlosen Banditen plant, spitzt sich die Situation zu, in der auch Siringo (Berger), „Pinkerton“-Detektiv und eine Art V-Mann, der sich in die Bande einschleusen wollte, eine wichtige Rolle einnimmt und es letztendlich zu einem finalen Showdown zwischen dieser Dreierkonstellation voller Gänsehautmomenten und Symbolkraft kommt. Sollima prangert mit „Von Angesicht zu Angesicht“ nicht nur eine Verbrechensbekämpfung an, die letztlich verbrecherischer handelt als die gejagten Spitzbuben, sondern liefert auch ein Bild intellektuell und moralisch vermeintlich über den Dingen stehender „Gutmenschen“, das nichts an Aktualität eingebüßt hat und buhlt um Verständnis für die Ausgestoßenen und Gesetzlosen, die im Prinzip ums Überleben kämpfen und keine von Grund auf schlechten Menschen sein müssen – wobei er Klischees vermeidet und sich angenehmerweise nicht eindeutig und plakativ auf eine Seite schlägt, also nicht den Fehler begeht, selbst zum Moralisten zu werden. Gängige Gut/Böse-Schemata verwischen (wie in anderen intelligenten Italo-Western auch), Schwarzweiß-Malerei findet man woanders. Damit es Sollima wesentlich näher an der Realität als andere Regisseure mit ihren Filmen, seine Geschichte lässt sich problemlos auf andere geschichtliche Epochen bzw. Ereignisse und die Gegenwart übertragen und verrät viel über menschliche Abgründe. Vermutlich ließe sich „Von Angesicht zu Angesicht“ auch einfach als „normaler“ Genrebeitrag genießen, denn die typischen Ingredienzien finden sich auch hier und wissen gut zu unterhalten. Unter dem western-atmosphärischen Gesichtpunkt gefiel mir zwar Sollimas „Der Gehetzte der Sierra Madre“ etwas besser, doch die Handlung hinterlässt einen bleibenden Eindruck und dürfte zum Besten gehören, was das Genre zu bieten hat(te).
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon untot » 30. Mär 2011, 00:30

Ein sehr guter Sollima, der es auf Anhieb in meine Spaghetti-Western Favoriten Liste schafft, mir gefällt zwar "Der Gehetzte der Sierra Madre" noch ne ganze Ecke besser, aber deswegen ist das hier trotzdem ein verdammt guter Western.
Einer mit einer etwas außergewöhnlichen Handlung, gerecht wird ungerecht, niederträchtig anständig und gesetzestreu straffällig und zum Schluß findet jeder seine eigene Art von Gerechtigkeit.
Wirklich großes Kino, das einem hier geboten wird, Gian Maria Volontè, spielt zum niederknien, Milian, gewohnt lässig und auch William Berger macht seine Sache großartig und wird einem am Schluß sogar sympathisch, so wie sich hier alles im Laufe des Filmes umkehrt.
Ein Film mit Charakter, Prädikat sehenswert!

7,5/10
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon Adalmar » 31. Aug 2012, 20:52

Faccia a Faccia - Von Angesicht zu Angesicht (Sergio Sollima) Italien 1967

Viele Westernfilme sind in der Konzeption ihrer Figuren berechenbar, wenn nicht durchgängig festgelegt. Aber in Sollimas tragischer Geschichte zweier gegensätzlicher Männer sieht es anders aus. Wenn dann auch noch hochklassige Darsteller dazukommen, dann verfliegen gewohnte Westernklischees wie Wüstenstaub. Gian Maria Volonté als todkranker, humanistisch eingestellter Gelehrter Brad Fletcher trifft auf den Gauner "Beauregard" Bennett, der von Tomas Milian gespielt wird. Milians Figur ist letztlich doch nicht ganz klischeefrei und eine typische Milian-Rolle. Der charmante Verbrecher, der zwar Menschen zum eigenen Vorteil tötet, aber letztlich immer wieder als vermeintlich sympathisches Schlitzohr durchgeht.

Die eigentliche Überraschung ist somit auch weniger Bennett als vielmehr Professor Fletcher, der unter dem Eindruck eines freien gesetzlosen Lebens auf einmal seine Kenntnisse der Menschheitsgeschichte auspackt und in ihr die Vorlage zu einem neuen Leben als Bandenchef findet, der im Gegensatz zu Bennett laut eigener Aussage "weiß, was er tut". Schon am Anfang wirkt er bei der Verkündung seiner menschenfreundlichen Botschaften an seine Schüler enttäuscht und man kann aus seinem Verhalten ablesen, dass er sich nicht damit abfinden kann, trotz seines Wirkens im Interesse der Versöhnung und einer besseren Welt nunmehr mit einer tödlichen Lungenkrankheit gestraft zu sein.

Seine folgende Entwicklung hat Züge eines Paktes mit dem Teufel, da er auf wundersame Weise von seiner Krankheit kuriert scheint, aber all seine Ideale verliert und neue, verhängnisvolle Stärken an sich entdeckt. Durch taktische Überlegenheit kann er einen viel stärkeren, aber ungeschickten Gegner besiegen - dessen Freundin Maria (eindrucksvoll: Jolanda Modio) hat er schon zuvor mit Gewalt unter seine Kontrolle gebracht. Der lachende Dritte beim Wandel des Verhältnisses von Bennett und Fletcher ist ein Spitzel der berüchtigten Pinkerton-Detektei, Siringo (William Berger, erneut eine Bereicherung), der ebenso wie Bennett im Lauf der Geschichte über seine Rolle in dieser Welt und seine Verantwortung ins Grübeln gerät.

Dies gedankenreiche und herausfordernde Geschichte wurde von Sergio Donati und Sollima geschrieben und von letzterem mit symbolischen Bildern realisiert. Ein Beispiel: Volonté, noch ganz in seiner Rolle als Humanist, bewirft eine Eidechse mit Steinen und schon bekommt sein Bild einen Sprung. Dass er Bennett rettet, indem er ihn mit Wasser tränkt und so die Aufmerksamkeit der Bewacher unterläuft, kann man unter diesem Aspekt schon fast für so etwas wie Absicht halten. Auch wenn das sein Vorgesetzter, der Schuldirektor (John Karlsen), bestimmt nicht meinte, als er sagte, Fletcher habe sein Leben viel zu passiv verbracht, scheint er ihm damit die Augen für die Möglichkeit eines amoralischen Lebens geöffnet zu haben. Eine Botschaft, die am traurigen Ende von Fletcher noch einmal aufgegriffen wird. Ein tragisches Schicksal: Moralisch unanfechtbar bleiben und dahinsiechen, oder seine Werte über Bord werfen und endlich erfahren, wie man das Leben für sich ausnutzen kann.

Ennio Morricone stiftete dem Film eine Musik, mit der es ihm die Stimmung des Films kongenial zu vermitteln gelang, unter anderem indem sie mit verschiedenen Instrumenten den Rhythmus der Pferdehufe nachahmt. Darüber legt sich eine überirdische Sopran-Vokalise, gesungen von der legendären Edda dell'Orso - ein Traum! Auch mit Emilio Foriscot (Kamera) und Eugenio Alabiso (Schnitt) begegnen Namen, die für künstlerischen Rang im italienischen Genrefilm stehen.

8/10
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon buxtebrawler » 10. Sep 2012, 21:29

Erscheint am 12.10.2012 bei Explosive Media auf DVD:

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Extras:
- 24-stg. Booklet mit Informationen zu Film und Darsteller
- Dokumentation über den Film mit Interviews (Sergio Sollima, etc.)
- Diverse Trailer und Vorspänne zum Film
- Super-8-Fassung des Films (ca. 33 Minuten)
- Fotogalerien
- Soundtrack (ca. 50 Min.)
- Fotoroman (ca. 15 Min.)

Quelle: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassun ... &vid=40220
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Re: Von Angesicht zu Angesicht - Sergio Sollima

Beitragvon Bonpensiero » 27. Aug 2014, 08:31

Ein paar Artworks zum Film:

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