Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

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Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon ugo-piazza » 30. Mai 2010, 21:19

Wie, gibt es noch keinen Thread zu diesem Film? :shock:


Nachdem die DVD schon ewig bei mir rumsteht, habe ich mir den Film gestern nun endlich mal angesehen, nachdem ich mal wieder Lust auf einen Western verspürte.

Bei dem Film handelt es sich ja eine Variante von Shakespeares Hamlet, die in den Western verlegt wurde. Junger Mann kommt nach dem Bürgerkrieg nach Hause, stellt fest, dass sein Vater zwischenzeitlich umgelegt wurde und seine Mutter gleich seinen Onkel geehelicht hat, der offenbar mit dem Tod seines Bruders zu tun hat.

Jener Onkel wird gespielt von Horst Frank, der wieder einmal sehr überzeugend agiert. Bei dem Film habe ich das Problem, das ich ihn mit KEOMA vergleiche, und da kann "Johnny Hamlet" nur verlieren.

Die Koch-DVD bringt den Film vollständig, die ehemals fehlenden Szenen sind untertitelt, wobei die Hauptfigur dabei konsequent "Django" genannt wird, auch wenn ständig nach einem gewissen "Johnny" gerufen wird... ;)

Eine interessante Featurette mit Enzo, Franco Nero und Komponist de Masi gibt's auch.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon Onkel Joe » 30. Mai 2010, 21:31

Ein guter Film würde ich sagen, die Geschichte halt mal anders umgesetzt.Aber ich würde ihn komischer weise keinem Western Fan an Herz legen der noch nicht so viel gesehen hat.Eher ein Film dem man locker einem anspruchsvollerem Publikum zeigen könnte.7/10 und ich bin froh die DVD von Koch zu haben ;) .
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castella

Beitragvon sid.vicious » 8. Jul 2011, 23:11

Alternativer Titel: Johnny Hamlet, That Dirty Story of the West
Produktionsland: Italien
Produktion: Ugo Guerra, Elio Scardamaglia
Erscheinungsjahr: 1968
Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Tito Carpi
Kamera: Angelo Filippini
Schnitt: Tatiana Casini Morigi
Spezialeffekte: Gino Vagniluca
Musik: Alessandro Alessandroni, Francesco De Masi, Audrey Nohra
Länge: ca. 91 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Andrea Giordana, Gilbert Roland, Horst Frank, Ennio Girolami, Ignazio Spalla, Françoise Prévost, Stefania Careddu, Manuel Serrano, Franco Latini, Giorgio Sammartino, Gabriella Grimaldi, John Bartha, Franco Leo, Fabio Patella



Django kehrt aus dem Krieg zurück zurück. Sein Vater wurde angeblich, lt. Aussage von Djangos Onkel Claudio, von dem Desperado Santana ermordet. Claudio hat nach dem Ableben von Djangos Vater, Djangos Mutter geheiratet und den Familienbesitz für sich vereinnahmt. Einer von vielen Gründen, der bei Django Zweifel an der Geschichte seines Onkels aufkommen lässt. Demnach macht er sich auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass man innerhalb eines Italo-Westerns, die Grundidee aus einem klassischen Bereich verwendete. So war dieses z.B. bei Tessaris „Ringo kehrt zurück“, welcher sich an Homers "Odyssee" oder „Mit Django kam der Tod“, der sich an Bizets Oper „Carmen“ orientierte, der Fall. „Django - Die Totengräber warten schon“ fand sein Vorbild in Shakespeares „Hamlet“. Der damaligen Django-Welle ist es zu verdanken, dass die deutsche Titelschmiede der Hauptfigur Johnny Hamilton, den Namen Django aufdrückte.

Die Vorlage, sprich Shakespeares „Hamlet“ lässt einiges an Handlungsbezogenen Gemeinsamkeiten, innerhalb Castellaris Western, erkennen und somit ein gut durchdachtes Gesamtschema erscheinen. Weiterhin bedient sich Castelleri in zwei kurzen Szenen, eines gewissen Surrealismus, welche dem Film sehr gut tun.

Neben den sehr guten Landschaftsaufnahmen, gelingt es dem Regisseur eine Szene, in der Django an zwei gekreuzten Pfählen angebunden wird, sehr religiös wirken zu lassen. Die Kamera fängt den Moment so ein, dass man an die Kreuzigung Christi erinnert wird. Nichts Ungewöhnliches innerhalb eines Italo-Westerns, da auch Corbucci mit „Leichen pflastern seinen Weg“ einen solchen Moment sehr authentische erscheinen ließ. Ein Film, der übrigens im gleichen Jahr, wie „Django - Die Totengräber warten schon“ erschien.

Auch im Punkto Hauptakteure gibt es bei diesem Film absolut Nichts zu mäkeln, da alle ihre Parts sehr gut vermitteln. Andrea Giordana nimmt man die Rolle, des nach der Wahrheit suchenden Johnny Hamilton, jederzeit ab. Das Gleiche gilt für seinen Gegenspieler Horst Frank, in der Rolle des Claudio.

Fazit: Ein intelligenter und kurzweiliger Italo-Western, dem es gelingt den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln. Ein Italo-Western, der in seinem Genre, ganz weit oben mitspielt.


9,5/10
Zuletzt geändert von sid.vicious am 9. Jul 2011, 22:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castella

Beitragvon Italo-West-Fan » 9. Jul 2011, 12:45

Quella sporca storia nel West - Die Seltsame Geschichte des Westens
Finde den Streifen absolut HAMMER !!
Der Score ist extemst genial !!!
Seh den immer wieder gern und Giordana ist auch immer gern gesehen. Schade das er nicht viele Western drehte.
Quanto costa morire find ich noch ne ecke besser, ist aber sehr knapp.
Hier gebe ich 8 von 10 Punkten.

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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castella

Beitragvon sid.vicious » 9. Jul 2011, 22:09

Italo-West-Fan hat geschrieben:Seh den immer wieder gern und Giordana ist auch immer gern gesehen. Schade das er nicht viele Western drehte.


Stimmt, richtig gut der Mann. Mir fällt als weiterer Western auch nur noch "Die im Staub verrecken" ein. Andrea Giordana hat mich ähnlich begeistert, wie Richard Harrison in "Fünft blutige Stricke".
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castella

Beitragvon Italo-West-Fan » 10. Jul 2011, 09:08

Ja, hat ja leider nur 4 Westen gemacht, Keinen Cent für Ringos Kopf, Johnny Hamlet, Die im Staub verrecken und Quanto costa morire, den ich am besten finde wegen der geilen Winter Locations, super Story, starbesetzung und dem Super Score :D
Leider nicht in deutschalnd erschienen
http://www.spaghetti-western.net/index. ... sta_morire
Filmausschnitt:
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Titelscore!! Erstklassig - Unbedingt anhören !!!!
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon dr. freudstein » 6. Aug 2013, 23:34

Bild

Originaltitel: Quella sporca storia del west

Herstellungsland: Italien / 1968

Regie: Enzo G. Castellari

Darsteller: Andrea Giordana, Gilbert Roland, Horst Frank. Enzo G. Castellari, Ignazio Spalla,
Françoise Prévost, ,Manuel Serrano, Franco LatiniGiorgio SammartinoGabriella Grimaldi

Story:
Als Johnny (Andrea Giordana) nach Hause zurückkehrt, erfährt er, dass Banditen seinen Vater ermordet haben. Seine Mutter hat inzwischen Claudio (Horst Frank), den Bruder ihres Mannes, geheiratet. Und diesem damit den gesamten Familienbesitz zugespielt. Da erfährt Johhny, dass sein Vater von Claudio ermordet wurde...

http://www.ofdb.de/film/35148,Django--- ... rten-schon
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon dr. freudstein » 7. Aug 2013, 02:20

Ich kenne Shakepears HAMLET nicht, das mag man bei mir ungebildeten Burschen auch nicht wunderlich finden. Demzufolge gehe ich hier also recht unbefangen rein, d.h. ohne hier iwelche Vergleiche zu suchen. Bestimmt förderlich, allerdings denke ich kaum, das bei einem Meisterstück wie diesen hier mich das sonderlich stören würde. Allenfalls versuchte ich, diesen mit Castellaris KEOMO zu messen. Aber in den meisten Fällen unterlasse ich generell direkte Vergleiche und Ansprüche, sondern schaue mir nur den grad vorliegenden Film an. Auch habe ich hier keinen weiteren DJANGO erwartet, denn da hätte ich vergeblich drauf warten können.

Natürlich ist auch das hier ein Rachwestern. Der Sohn sucht nach dem Mörder seines Vaters, wird auf eine falsche Fährte gelockt und mithilfe eines wohlgesonnenen Freundes entlarvt er auch den wahren Täter. Der mutmaßliche Täter scheint begraben zu sein, wie man sich dank Entweihung des Grabes auch zu überzeugen versucht. Doch ist dieser Santana (die Perserkatze meiner Mutter hieß genauso) wirklich tot?

Johnny alias Django begibt sich also auf die Suche nach dem wahren Mörder mit wirklichen Motiven. Liest sich ja eher nach einem Krimi, begangen aus Habgier. Ist es meines Erachtens auch, nur spielt dieser eben in den USA des 19. Jhd., allerdings muss sich hier noch der Zivilbürger um die Aufklärung des Falles kümmern. Polizei gibt es hier nicht und selbst einem Sheriff konnte man sich nicht anvertrauen. Man war auf sich allein gestellt. Damals begab man sich auf die Tätersuche noch ganz ohne bürokratische Ermittlungen, sondern zog einfach zielstrebend durchs Land und vertraute auf die Reaktionen der im engen Kreis befindlichen Verdächtigen, um daraus seine Sch(l)üße zu ziehen.

Apropo Schüsse, so viele sind es hier gar nicht wie gewohnt. Lediglich am Anfang und Ende vernahm man einige, im Mittelteil musste man sich eher mal mit Prügeleien begnügen, denn insgesamt kommt dieser Film eher ohne Gewalt- und Tötungsdelikte aus, zumindest gemessen an den vielen anderen Western. Dennoch vernimmt der Zuschauer hier meines Erachtens zu keiner Zeit Durststrecken und spannungsarme Momente. Im Gegenteil, hier wird mehr auf inhaltsreiche Details geachtet als auf Lückenfüller wie Schiessereien und Prügeleien, die man andernorts zuhauf bekommt.

Chinesen, Ureinwohner und Mexikaner gibt es hier auch, so das die frühgeschichtliche amerikanische Geschichte hier halbwegs komplett ist (dunkelhäutige Sklaven fehlen), natürlich auch inklusive der rassistischen aber zurückhaltenden Äußerungen und Handlungen diesen gegen übern. Der Chinese bspw. ist hier halt als Barkeeper einigen unterdrückenden Handlungen und Sprüchen ausgesetzt, nicht jedoch verbal, sondern eher der stumme zurückhaltende Diener, der sich nicht zur Wehr setzt.

Dennoch kommt man natürlich auch hier nicht ohne Friedhof aus, aber interessanterweise, vor allem optisch, befindet sich dieser hier in einer Höhle. Apropo Optik, die muss ich hier besonders hervorheben. Verstehe mich nun nicht unbedingt gut darin, Kameraoptik professionell zu erläutern, aber diese hier zog mich wirklich in ihren Bann. Sowohl bei Landschaftsaufnahmen als auch bei vielen anderen Szenen ist diese absolut erhaben und bemerkenswert. Dies mag auch auf viele andere Italowestern zutreffen, aber hier sind sie noch als das Sahnehäubchen zur Geschichte und Spannungsverlauf zu verstehen. Erwähnt man dann noch den absolut stimmigen Score, der auch ohne Film bestens funktioniert, mit Film aber zum Gesamtwerk punktefördernd zu beiträgt, dann hat man es hier schon mit einem Italowestern der oberen Riege zu tun (Horst Frank liess ich bislang unerwähnt, aber da sagt der Name ja schon alles). Aufgrund der starken wie auch eigenen Konkurrenz ist dieses herausragende Gesellenstück zwar überaus lobenswert, dennoch nicht das Nonplusultra und als Empfehlungsstück für Neueinsteiger oder warum man das Genre Italowestern so liebt, auch nicht so geeignet, um bei Anfängern nicht in Erklärungsnot zu geraten.

Dazu erscheint mir der Spät-Nachzügler KEOMA vom selbigen Regisseur besser geeignet. Inhaltlich von der Grundstory her ist der zwar ähnlich angesiedelt (wie wohl die meisten Italowestern mit Rachestory), aber atmosphärisch, darstellertechnisch wie auch soundtrackmässig überwiegt KEOMA nach Längen, sollte aber Neueinsteiger und Skeptiker mehr überzeugen wie schon dieser glanzvoll inszenierte Western, der aber für Fortgeschrittene und Profis Pflichtprogramm darstellen sollte.

An durchgehender Spannung, begleitend durch stimmungsvollem Soundtrack, gepaart mit grandioser Kameraoptik mangelt es hier nicht. Allenfalls Neueinsteiger dürften hier noch ihre Probleme mit haben, da wären andere Empfehlungen gewinnbringender, um neue Fans in die Gemeinde aufnehmen zu können. Aber als unverzichtbar für erfahrene Italowesternfreaks sollte dieser Film Pflichtprogramm sein, auch oder gerade weil er sich mit Schiessereien und Prügelorgien etwas zurückhält und mehr als Krimi einer längst vergangenen Epoche daherkommt.

Wer aber auf den Geschmack wegen Italowestern oder auch Castellari gekommen ist, wird früher oder später sowieso zu diesem Werk finden, wie ich auch.
Leicht augenzwinkernd muss ich abschliessend sagen, ein wahres Goldstück dieser Movie.

8/10
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon DrDjangoMD » 7. Aug 2013, 08:40

:thup: :prost: Tolle Kritik!!! Volle Zustimmung von mir und vergnüglich zum lesen war sie auch, aber...

dr. freudstein hat geschrieben:Ich kenne Shakepears HAMLET nicht


:o :( Welch ein Meisterwerk ist der Freudschi! Wie edel durch Vernunft, wie unbegrenzt an Fähigkeiten. In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig; im Handeln wie ähnlich einem Engel; im Begreifen wie ähnlich einem Gott! Die Zierde der Welt, das Vorbild der Lebendigen...Und doch, was ist mir diese Quintessenz vom Staub, wenn er nicht mal "Hamlet" kennt...
:kicher:
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Re: Django - die Totengräber warten schon - Enzo G. Castellari

Beitragvon Die Kroete » 7. Aug 2013, 21:41

Eine echte Genre-Perle und zusammen mit Colonel Blake vielleicht der Beste Genre-Beitrag Castellaris !! :thup:

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