Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf - Joe D'Amato (1979)

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

Moderator: jogiwan

Re: Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf - Joe D'Amato (1979)

Beitragvon karlAbundzu » 18. Okt 2017, 10:28

Ein reicher Hobby-Präparator verliert seine Verlobte und damit seinen letzten Anker in einer normalen Welt. Die Beziehung zu seiner toten Mutter, zu seiner Ersatzmutter- und Geliebten und sein Hobby lassen ihn immer mehr in den Wahnsinn abgleiten, befeuert von seiner Haushälterin in Tat und Magie.
Berüchtigt durch seine brutalen und fiesen Szenen, von denen es in der Tat einige gibt, die so richtig reinhauen (lebendig verbrennen, Maniküre etwas anders, Säurebad), leider nicht berühmt durch seine anderen Stärken (ich zähle die Goreszenen durchaus dazu).Atmosphärisch gefilmt, grandioser Score, und sehr gut gespielt. Zu erst hielt ich den Hauptdarsteller fehlbesetzt, einfach nur so ein junger Hübschling, aber wie er immer mehr in den Wahnsinn getrieben wird bzw. auch sich selbst treibt, ist spannend anzusehen. Auch sehr gut die beiden wichtigen Frauenrollen, dargestellt von Franca Stoppi als Übermutter, und Cinzia Monreale als Mädchen aus der realen Welt.
Der Score passt einfach super, obwohl es nur ein paar Melodiefetzen sind, die Goblin gekonnt variiert.
Dieses Ding auf großer Leinwand zu sehen war einfach ein Knaller, selbst so schmieriges wie die Joggerinnen-Szene wirkte gut.
Mir kam dabei ja auch immer PSYCHO in den Sinn, wahrscheinlich durch eine große Motivüberschneidung.
Meisterwerk!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf - Joe D'Amato (1979)

Beitragvon Canisius » 18. Okt 2017, 20:45

Schließe mich den Bremer Arthouse-Hooligans an: "Buio Omega" hat für mich auf der großen Leinwand mehr Wirkkraft als im Heimkino entwickeln können.

Nichts gegen Romy Schneider und Michel Piccoli, aber Kieran Canter + seine Verlobte und Franca Stoppi sind das wahre Trio Infernal!

Höllentoraufstoßende 9/10 :twisted:
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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Re: Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf - Joe D'Amato (1979)

Beitragvon buxtebrawler » 6. Jun 2018, 16:24

Nach zahlreichen Erotikbeiträgen entdeckte der berüchtigte Italo-Regisseur Joe D’Amato 1979 das Horrorgenre für sich wieder und schockierte mit „Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“ sein Publikum. Als Inspirationsquelle diente ihm der 1966 von Mino Guerrini gedrehte Psycho-Thriller/Früh-Giallo „Das dritte Auge“, wobei „Buio Omega“, so der Originaltitel D’Amatos Films, als sehr eigenständige und -willige Neuverfilmung durchgeht.

Frank Wyler (Kieran Canter, „Liebes Lager“) ist ein gutaussehender junger Mann und Erbe eines Adelsvermögens, der zusammen mit seiner Haushälterin Iris (Franca Stoppi, „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“) auf einem Südtiroler Schloss lebt und sich leidenschaftlich als Tierpräparator verdingt. Da Iris ihn jedoch für sich allein haben möchte, beraumt sie einen Voodoo-Zauber an, um Franks Verlobte dauerhaft unter die Erde zu bringen. Dies weiß Frank jedoch insofern zu verhindern, als er ihrer Leiche habhaft wird und sie ebenso ausstopft, wie er es zuvor bereits mit unzähligen Tieren getan hat. Den leblosen Körper legt er zu sich ins Bett und kann seiner großen Liebe so weiterhin nah sein. Doch damit hat Frank sich angreif- und erpressbar gemacht: Eine junge Tramperin, die er freundlicherweise mitgenommen hatte, muss grausam sterben, nachdem sie zu viel gesehen hat, ein Bestatter droht, ihm auf die Schliche zu kommen und Iris, die über alles Bescheid weiß, fordert als „Schweigegeld“ nicht weniger als die Eheschließung mit Frank. Doch dieser verfällt immer mehr dem Wahnsinn…

Frank, der in ländlicher Idylle auf einem ausladenden Anwesen mit seiner Haushälterin allein lebt, ist ein zwar reicher, jedoch furchtbar einsamer junger Mann. Iris dient ihm nicht nur als Angestellte, sondern auch als Mutterersatz und gibt sich ihm sexuell hin. Als sie ihn schließlich ganz für sich allein haben will, verkraftet Frank den Verlust seiner Verlobten nicht. Dieser Verlust ist keine Option, also konserviert er sie und glaubt, sie dadurch weiterhin besitzen zu können. Bis hierhin erinnert „Sado – Stoß das Tor zur Hölle“ mit seinem Voodoo-Prolog, seinen Friedhofszenen und seinem Drehort noch stark an klassischen (Gothic-)Horror, tendiert anschließend jedoch immer stärker zu einer Mischung aus Psycho-Thriller und Splatter-/Gore-Horror, wie sie die Welt bis dahin noch nicht zu sehen bekommen hatte. In D’Amatos atmosphärisch unbehaglichen, auch viel von seiner morbiden Stimmung lebenden Film mischen sich Ausweidung, Extremmaniküre, Säurebad, Einäscherung und Gulaschverzehr, naturalistisch bis realistisch inszeniert, von der ruhigen Hand an der Kamera ausführlich und ausgiebig eingefangen. Und so übertrieben und die Figuren überzeichnend diese Szenen auch sind, so sorgfältig wurden sie tricktechnisch aufbereitet, sodass sie keineswegs so unauthentisch und schluderig wirken wie in manch anderem Genrewerk und dadurch ihre Wirkung auf Ethikzentrum und/oder Magengegend des Zuschauers nicht verfehlen.

Diese Momente stehen jedoch gleichberechtigt neben tiefen Einblicken in psychische Abgründe, die das auf Ed Gein & Co. beruhende und seit „Psycho“ cineastisch etablierte Motiv des derangierten Serienmörders mit Ödipuskomplex aufgreifen und variieren – und in eine spannende Handlung eingewoben wurden, die trotz allem mit Frank bisweilen mitfühlen, ja, regelrecht mitleiden lassen. Entscheidenden Anteil daran hat Kieran Canter, hinter dessen Engelsgesicht sich das kalte Grauen verbirgt. Er schafft es, seiner Figur die nötige Ambivalenz zu verleihen. Franca Stoppi mit ihren strengen Gesichtszügen brilliert in ihrer Rolle als im Gegensatz zu Frank gewissermaßen permanent emotionslose, gefühlskalte Haushälterin und Verschwörerin, in der jedoch Verschlagenheit, Habgier und Eifersucht brodeln, nicht minder, zwischen beiden entwickelt sich eine fatale, für den Film ideale Chemie. Cinzia Monreale („Silbersattel“) in einer Doppelrolle spielt dann tatsächlich so etwas wie ein Final Girl, was den Film ein weiteres Stück in Richtung klassischen Genrehorrors rückt. Goblins Prog-/Synthie-Rock-Soundtrack verleiht dem Film zusätzliche Dynamik, aber auch Entrücktheit, vor allem aber Charakter und zählt zu den Euro-Horror-Stücken mit dem höchsten Wiedererkennungswert.

„Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“ wurde in einem gialloesken Umfeld angesiedelt, dessen Protagonisten sich vornehmlich über Besitz definieren und einen hohen Grad innerer Verkommenheit aufweisen, dadurch zur Gefahr für normale Mitmenschen werden. D’Amato nährt zudem die Angst vor einem Typ Mensch, dessen Sensibilität in Bezug auf die eigene Gefühlswelt dazu führt, diese nicht adäquat verarbeiten zu können und gegenüber anderen in mit kalter Präzision durchgeführte, brutale Gewalt umschlägt. Er hätte auch ohne Gore-Anteil und die Ausflüge in die Phantastik zu Beginn und am Ende funktioniert, doch gerade diese krude Melange trägt zum Status dieses Films, der als D’Amatos gelungenster gilt, bei, zur von ihm ausgehenden Faszination und natürlich zur Kontroverse um ihn – ohne würde er wohl kaum im bekannten Ausmaße provozieren und polarisieren.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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