Phenomena - Dario Argento (1985)

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

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Phenomena - Dario Argento (1985)

Beitragvon buxtebrawler » 28. Jan 2010, 23:14

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Originaltitel: Phenomena

Herstellungsland: Italien / 1985

Regie: Dario Argento

Darsteller: Jennifer Connelly, Daria Nicolodi, Dalila Di Lazzaro, Patrick Bauchau, Donald Pleasence, Fiore Argento, Federica Mastroianni, Fiorenza Tessari, Mario Donatone, Francesca Ottaviani, Michele Soavi u. A.

Jennifer (Jennifer Connelly), Tochter eines amerikanischen Filmstars, wird auf ein schweizer Internat geschickt, in dessen Nähe sich ein Mädchenmörder herumtreibt, der seinen Opfern die Köpfe abtrennt und die Leichen verschleppt. Die Polizei hofft, mit Hilfe eines behinderten Insektenforschers (Donald Pleasence), dem Mörder auf die Spur zu kommen. Tatsächlich hat Jennifer viel bessere Chancen, denn sie hat telepathischen Kontakt zu allen Arten von Insekten. Leider schlafwandelt sie auch, weswegen sie von den Mitschülerinnen nicht gerade geliebt wird. Auf Drängen des Professors macht sie sich mit einer Leichenfliege auf den Weg den Mörder zu suchen...


Quelle: www.ofdb.de

Ein weiterer Argento, der vielleicht beim ersten Schauen etwas seltsam wirkt, aber so schnell nicht wieder aus dem Gedächtnis verschwindet - allein schon aufgrund der bezaubernden Jennifer Connelly. Horror mit Fantasy-Anleihen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon dr. freudstein » 4. Feb 2010, 20:47

VHS Tape Deutschland
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon untot » 4. Dez 2010, 16:06

Auch ich war nach der ersten Sichtung etwas befremdet, aber der Film ging mir nicht mehr aus dem Kopf, also weitere Sichtung...
Heute gehört Phenomena zu meinen liebsten Italienern, der Streifen ist großartig, hammer Atmo, Story so abgefahren das eine wahre Freude ist, der landet in schöner Regelmäßigkeit in meinem Player, ne Art innerer Zwang! :mrgreen:

8/10
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon buxtebrawler » 4. Dez 2010, 21:24

Mit seinen bei Erscheinen des Films mittlerweile bekannten und bewährten, typischen Stilmitteln schuf Dario Argento ein modernes Horror-Märchen, das auf eigenwillige Atmosphäre anstelle von Gore-Eskapaden setzt und mit einer beeindruckenden Optik aufwartet. Die Hauptdarstellerin ist zuckersüß und setzt damit den Kontrastpunkt zur bedrohlichen Welt um sie herum, die sie in die Isolation treibt und zwingt, mithilfe ihrer Sensibilität dem Grauen selbst auf die Spur zu kommen, da von der Erwachsenenwelt keine Hilfe zu erwarten ist. Donald "Dr. Loomis" Pleasence passt perfekt in die Rolle des väterlichen Freundes, der sie dabei als Einziger unterstützt.

Zurücklehnen, Argentos Welt als gegeben hinnehmen und genießen - und nicht durch den plötzlich einsetzenden Metal-Soundtrack erschrecken lassen, der möglicherweise deplatziert wirkt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon Salvatore Baccaro » 13. Dez 2010, 18:26

Für mich ist PHENOMENA Argentos "romantischster" Film. In keinem andern Werk nimmt die Natur eine derartig bedeutende Rolle ein (hilft gar in Form von Insekten mit, den Kriminalplot aufzulösen), Jennifer selbst scheint mir eine typische romantische Figur zu sein, sensibel und nahezu völlig ihrem Seelenleben ausgeliefert, zudem verweist Argento damit, dass er den Film zumindest in einem deutschsprachigen Land ansiedelte und das Internat nach Richard Wagner benannte, immerhin indirekt auf die Epoche der Romantik. Ganz im Sinne der progressiven Universalpoesie Novalis und Schlegels lässt Argento PHENOMENA, meiner Meinung nach, mehr noch als sämtliche seiner vorherigen Filme zu einer Art Collage werden: wo bspw. TENEBRAE oder SUSPIRIA für mich geschlossene Kunstwerke darstellen, deren Stil sich von der ersten bis zur letzten Minute ohne weitere Brüche entfaltet, ist PHENOMENA vergleichsweise voller Irriationen: man denke nur daran, dass bei Jennifers Ankunft im Internat sich völlig unerwartet eine Erzählerstimme aus dem Off einschaltet, die danach allerdings nie wieder Verwendung findet, dass, was wohl von den meisten als Störfaktor aufgenommen wird, einige Szenen mit eher unpassendem Heavy Metal von Iron Maiden etc. unterlegt worden sind, oder dass Argento zwar einerseits einen weltfremden Mikrokosmos darstellt, eine Berg- und Waldlandschaft fernab der Zivilisation, und andererseits eifrig Zitate zur Popkultur einflechtet (wozu auch die eingespielten Metal-Songs zählen würden, oder die Tatsache, dass Jennifers Vater als beliebter Schauspieler selbst auch ein Teil der Popkultur ist). Nicht zuletzt behandelt Argento auch Thematiken wie das Zusammenspiel von rationaler Wissenschaft und subjektivem Gefühl, und bedient sich freimütig im reichen Repertoire der Schauerliteratur, der Rassiermesser schwingende Affe bspw. ist eine eindeutige Reminiszenz an Poe usw. Neben SUSPIRIA ist PHENOMENA für mich Argentos persönliches Meisterwerk.
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon Arkadin » 14. Dez 2010, 11:06

Hallo Salvatore. Hochinteressanter Deutungsansatz. Dass die Natur in diesem Film eine bedeutende Rolle spielt, sieht man ja an den immer wiederkehren Bildern wogender Graswiesen und Bäume. Der Wind ist ja quasi eine der Hauptfiguren in "Phenomena". Von daher kann man wohl unterschreiben, dass Argento hier einen naturverbunden Film im Sinne der Romantik gemacht hat. Das mit dem Richard-Wagner-Internat war mir gar nicht aufgefallen, würde in diesem Zuammenhang aber duchaus Sinn machen. Auch die mutwillige Fragmentierung des Filmes, um dem Zuschauer jegliche filmische Sicherheit zu nehmen, kann ich nachvollziehen. Der Affe ein Bezug auf Poe? Wäre mir zunächst nicht eingefallen, da es bei Poe ja ein massiger Orang-Utan war und kein kleiner Schimpanse. Würde sich aber gut in Deine These einfügen, da Poes Geschichte ja zur selben Zeit entstand, als in Europa die Hochromantik stattfand. Wäre spannend herauszufinden, ob es da noch mehr Querverbindungen gibt. Mir würde spontan nur Brückner/Bruckner einfallen. Was beim Richard-Wagner-Institut ja Sinn machen würde.
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon Salvatore Baccaro » 14. Dez 2010, 21:33

Stimmt. Die gute Frau Brückner ist mir noch gar nicht eingefallen! Aber ja... durchaus...!

Indes: ein Hauptmotiv in PHENOMENA ist Somnambulismus (und zumindest ich fragte mich beim ersten Anschauen: wieso muss denn Jennifer nun unbedingt eine Schlafwandlerin sein?) Über den Hegel sinngemäß schreibt, dass in ihm die Schranken zwischen Zeit und Raum aufgehoben werden, dass er allerdings nicht als Handwerkszeug der Erkenntnisphilosophie genutzt werden könne, da der schlafwandelnde Mensch was seine Sinne, seinen Verstand betrifft noch unter das Niveau eines Tieres herabsinke, in ihm sozusagen nur die allernötigsten Mechanismen funktionieren, und alles Bewusstsein ausgeschaltet sei. Unter dem Gesichtspunkt finde ich die Odyssee, die Jennifer bei ihrem ersten Schlafwandelanfall durchmacht ziemlich witzig: erst wird sie Zeugin eines Mordes (oder eben nicht, da ihre Sinneswahrnehmungen ja verschlossen sind), dann lesen sie zwei junge Männer auf, die sie schließlich im Wald liegen lassen, nachdem sie sich aus deren Auto stürzte, wo sie dann das Äffchen trifft und Prof. McGregor kennen lernt - witzig deshalb, da ihre Odyssee damit beginnt, dass sie als Somnambulistin auf eine Stufe mit den Insekten rutscht, mit denen sie kommuniziert, quasi ihr Mensch-Sein abstreift, und am Ende quasi im Schoß der Wissenschaft ankommt, für die Prof. McGregor stellvertretend steht, also das höchste Mensch-Sein, das es gibt, erreicht (im Sinne von: dass der Mensch sich mittels Wissenschaft die Natur Untertan macht, und seine Wahrnehmung über sie stülpt), nachdem sie zwischenzeitlich den Mord streifte. Das alles ist ja reichlich absurd und Argento hätte sie den Professor ja auch auf völlg konventionellem Wege kennen lernen lassen können: bspw. bei einem Spaziergang, bei dem ihr der Schimpanse über den Weg läuft usw. Da ich Argento mal unterstelle, dass zumindest in den durchkomponierten Meisterwerken seiner Hochphase kein Detail nicht zuvor durchdacht wurde und er nicht einfach wahllos drauflos drehte und wirre Szenen aneinanderreihte wie z.B. Fulci, komme ich nicht umhin, dieser Szene einen beträchtlichen Symbolcharakter zu unterstellen.

Was den Affen betrifft: natürlich ist das Tierchen bei Poe ein Orang-Utan und nicht ansatzweise so positiv konnotiert wie hier, allerdings wird es Argento gehen wie mir: bei einem Affe mit einem Rasiermesser in der Pfote denkt man sogleich an Poe... ;-)

Unterm Strich kann ich mir PHENOMENA bestens als literarischen Text vorstellen, sagen wir: von einem italienischen E.T.A. Hoffmann, verfasst um 1817 herum... allein dieses ständige Verwischen von Traum und Realität, die Nachtseiten der Psyche, die Kind-Mutter-Thematik bzw. die Untertöne, die um Jennifers sexuelles Erwachen kreisen: reichlich Futter für Freud.
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon dr. freudstein » 21. Feb 2011, 22:24

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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon dr. freudstein » 1. Mai 2011, 23:41

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Das New Vision Tape, irrtümlich mit "1984" datiert.
Grosse Hartbox, Schweizer Adresse.

Ein Film, den ich in der 2. Hälfte der 80er gesehen habe und zunächst als Teenie mehr auf Härte und Gore fixiert war, so blieb mir als denkwürdigste Szene auch das Bad im Leichenpool behaftet, bis heute. Brrrr.....
Die Songs von MOTÖRHEAD ( :thup: ) und IRON MAIDEN ( :) ) mögen mich schon erfreuen, aber die anderen Tracks sind weitwohl passender, dieses orchestrale erinnert an frühe ARGENTO's, ebenso viele Passagen/Bilder wie z.B. in den Traumsequenzen mit dem weissen, erhelltem Haus und viele Kameraperspektiven.
DONALD PLEASENCE ist hier zwar nicht dominierend, aber denke mal, da er in dem Stadium schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet war, wollte man ihn auch nicht überfordern. Den hätte ich gerne als Großpapa gehabt.
So ein Hausaffe/-diener wie Inge hätte ich auch gerne, aber der buxtebrawler will bei mir nicht einziehen :cry:

ARGENTO hat hier zwar nicht seine Tochter eingesetzt, zur Freude vieler, aber ich finde, die CONELLY hat ihre Sache sehr gut gemacht, auch optisch vermochte sie gut in diese Rolle passen.
Mag man von ARGENTOS späteren Werken halten, was man will, hier blieb er seinem Stil noch sehr treu, aber natürlich auch zeitmässig angepasst bzw. mitgegangen.

sehr gut
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Re: Phenomena - Dario Argento

Beitragvon kinski » 20. Jan 2012, 16:52

PHENOMENA zählt zu meinen Argento-Lieblingen. Ebenenso wie "Suspiria" hat auch der Streifen eine ganz eigene Atmosphäre, die sich mit kaum einen von Argento's anderen Werken vergleichen lässt. Den Soundtrack - der von vielen Kritrikern angeprangert wird - ist für mich als alter Metaller natürlich erste Sahne. Schon alleine deswegen landet der Film auch heutzutage noch oft in meinem Player. :mrgreen:

Die Besetzung der Hauptrollen mit Jennifer Connelly und Donald Pleasence ist die Krönung. Wobei die Nebenrollen aber auch nicht zu verachten sind. Eigentlich fällt bei diesem Streifen keiner der Darsteller negativ auf ... inklusive des Affen.

PHENOMENA hat einige besonders starke Szenen, die sich mir gleich beim ersten Angucken vor 20 Jahren ins Gedächtnis gebrannt haben (Jennifers "Badeszene", die Affen-Action etc.). Der Film legt von Anfang an ein rasantes Tempo vor, ohne zwischendurch auch nur ein einziges Mal zuu schwächeln oder dem Zuschauer Zeit zum Luft holen zu geben. Für mich ein klarer Kandidat für die Höchstwertung !

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