Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

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Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon jogiwan » 31. Jul 2010, 19:24

Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

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Originaltitel: Concerto per pistola solista

Alternativtitel: weekend murders / story of a crime / Konzert für eine Pistole

Herstellungsland: Italien, 1970

Regie: Michele Lupo

Darsteller: Anna Moffo, Ida Galli, Gastone Moschin, Peter Baldwin, Lance Percival, Giacomo Rossi-Stuart, u.a.

Story:

Zwecks Testamentseröffnung haben sich sämtliche Familienmitglieder in der Villa von Baron Henry Carter versammelt. Die Stimmung ist aber schnell getrübt als bekannt wird, daß einer von Ihnen den Löwenanteil erbt und andere wie Isabell (Ida Galli) leer ausgehen. Prompt meldet sich auch der Scotland Yard da in solchen Fällen ein Mord vorprogrammiert ist. Täter kann hier eigentlich nur derjenige sein der nichts geerbt hat aber die betreffende Person ist inzwischen auch schon tot. Ein komplizierter Fall für Inspector Grey (Lance Percival) bei dem das Motiv weiterhin rätselhaft bleibt, jedoch nicht für Sergeant Thorpe (Gastone Moschin) der mit seinen Scharfsinn die Stunde der Wahrheit immer näher rücken lässt... (Quelle: ofdb)
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon jogiwan » 16. Jan 2011, 17:41

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Kurz nach dem Ableben des zurückgezogen lebenden Barons Henry von Vale finden sich auf dessen geräumigen Landsitzes die verbliebenen Verwandten ein. Unter ihnen auch Barbara (Anna Moffo), die sich zu Lebzeiten um den exzentrischen Mann gekümmert hat, sowie auch dessen Tochter Isabell (Ida Galli), die mit ihrem Vater im Streit lebte, da sie mit Anthony (Peter Baldwin) einen nicht standesgemäßen Mann geheiratet hat. Aber auch seine Schwester Gladys (Marisa Fabbri) und ihr verhaltensauffälliger Sohn Georgie (Chris Chittell) machen sich, wie auch Playboy Ted (Giacomo Rossi-Stuart) und dessen Frau Pauline (Beryl Cunnigham), große Hoffnungen auf einen Teil des großen Vermögens.

Diese Träume zerplatzen jedoch wie Seifenblasen, als während der Testamentseröffnung bekannt wird, dass Barbara das gesamte Vermögen erben soll, während alle anderen Verwandten leer ausgehen sollen. Während Barbara die Nachricht schockiert zur Kenntnis nimmt, scheint der Rest der Familienmitglieder weniger begeistert und es kommt zum Streit. Als wenig später der Butler des Hauses tot aufgefunden, wird dieses von der versammelten Mannschaft zuerst als weiterer makaberer Scherz von Georgie abgetan. Der Butler ist jedoch tatsächlich mausetot und das ruft Inspektor Grey (Lance Percival) von Scotland Yard auf den Plan, der sich gemeinsam mit dem Dorfpolizisten Thorpe (Gastone Moschin) auf dem großzügigen Anwesen einfindet.

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Die gesammelte Mannschaft wird im Salon des Hauses von dem erfahrenen Inspektor verhört und gegenseitige Verdächtigungen innerhalb der Familie bleiben natürlich nicht aus. Als kurze Zeit später vor den Augen der beiden Polizisten auf Barbara auch noch ein Attentat verübt wird und nach der darauffolgenden Nacht ein weiteres Familienmitglied tot aufgefunden wird, macht sich langsam Panik unter den Besuchern breit und jeder fürchtet der nächste auf der Liste des mysteriösen Killers zu sein. Während Inspektor Thorpe jedoch trotz moderner Ermittlungsmethoden weiter im Dunkeln tappt und die Familienmitglieder weiter von Killerhand dezimiert werden, ist der schlaue Polizist Thorpe dem mysteriösen Mörder längst auf der Spur und schafft es mit einem Trick auch tatsächlich, die Identität des Killers zu enthüllen.

Sieht man „Solo-Konzert für eine Pistole“ a.k.a. „Concerto per pistola solista“ von Regisseur Michele Lupo zum ersten Mal, erinnert die ganze Sache nur wenig an vertraute Gialli aus italienischen Landen. Das liegt daran, dass „Weekend Murders“ zur Blütezeit der erfolgreichsten Agatha Christie-Verfilmungen entstand und der Streifen daher auch auf dieser Erfolgswelle mit schwimmen wollte. So wurden die Drehorte in die tiefste englische Provinz verfrachtet und in einem Schloss-artigen Anwesen „on location“ gedreht. Unter den Schauspielern wurden neben italienischen Darstellern auch zahlreiche englisch-sprachige Darsteller gecastet, sodass eigentlich nur wenig an herkömmliche Gialli erinnert.

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Auch das von Sergio Donati verfasste Drehbuch über die Alleinerbin, die mitsamt ihrer habgierigen Verwandtschaft ins Visier eines mysteriösen Killers gerät, erinnert eher an die große englische Krimiautorin, als an die konstruierte Dinge, die italienische Drehbuchautoren in dieser Art von Thriller normalerweise der unbedarfte Zuschauerschaft zumuten. Neben der eigentlichen Kriminalgeschichte ist auch immer Platz für spaßige Momente und gesellschaftskritische Untertöne und auch die Figuren der beiden Ermittler sind durchaus humorvoll angelegt und haben die Sympathien auf ihrer Seite. Natürlich steckt hinter der Geschichte dann auch etwas mehr, als es die ersten Vermutungen zulässt und auch die Auflösung sorgt für einen netten Aha-Moment.

Bei den Darstellern glänzt natürlich vor allem die weibliche Belegschaft, insbesondere die von mir sehr verehrte Ida Galli in der traurigen Rolle als Isabell. Aber auch die mir eher unbekannte Anna Moffo, die ihre Erfolge eher in den Sechzigern hatte, ist durchaus apart anzusehen und meistert ihre Rolle mit Bravour. In der Rolle des Ermittlers hat man mit Lance Percival einen erfolgreichen, englischen Komödianten angeheuert, der als Mini-Hercule-Poirot seine Sache ebenfalls sehr gut macht und für humorvolle Momente sorgt. Peter Baldwin ist wie Giacomo Rossi-Stuart sowieso immer gern gesehen und auch Marisa Fabbri als konservative Tante ist ideal besetzt.

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Unterm Strich ist „Weekend Murders“ ein sehr solider und äußerst hübsch in Szene gesetzer Streifen, der zwar mit eigeschränkten Bodycount und Sleaze-Faktor stärker an Agatha Christie als herkömmliche Gialli erinnert, aber dank sympathischen Cast und netten Wendungen trotzdem großen Spaß macht. Im Grund seines Herzens halt gediegene und launige Krimi-Unterhaltung, der sich nicht nur an Genre-Fans wendet und bei der man sich fragen muss, warum er noch nicht auf deutscher DVD ausgewertet wurde. Die qualitativ-hochwertige Ami-DVD von Code Red ist aber bis dahin ein würdiger Ersatz und hat auch noch ein Interview mit Peter Baldwin an Bord, der recht interessant aus dem Nähkästchen plaudert. Insgesamt gesehen ein kurzweiliger Streifen mit doppelbödiger Geschichte, Oldschool-Flair und zahlreichen Genre-Stars, der Krimifans und Italo-Fraktion auch uneingeschränkt empfohlen werden kann: 7-8/10

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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon Arkadin » 17. Jan 2011, 10:37

jogiwan hat geschrieben:Im Grund seines Herzens halt gediegene und launige Krimi-Unterhaltung,


Das trifft es sehr gut. Ich habe den auch als sehr sympathisch in Ernnerung und habe vor vielen Jahren dies dazu geschrieben:

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Reviews 1998-2002

Während eines Golf-Spiels wird in einer Sandgrube ein weiblicher Leichnam gefunden. Dies ist bereits der dritte Mord in einer Woche. Alles begann mit der Verlesung des letzten Willens eines reichen Lords. Zu diesem Ereignis reiste die untereinander zerstrittene und ziemlich schräge Verwandtschaft des Lords an und blieb für einige Tage. Schon bald geschah der erste Mord...

Der Film beginnt... und der verwunderte Italo-Fan reibt sich die Augen. Häh? Das soll ein Giallo werden? Stimmung, Kostüme und überhaupt die ganze Kulisse ist so 100 % britisch, dass der Film unmöglich von heißblütigen Italienern gemacht sein kann! Nein, dieser Film hat den Namen "Agatha Christie" fett aufgestempelt bekommen. Doch wer nur auf Miss Marple & Co. steht und sich nun wohlig zurück lehnt, der bekommt plötzlich auf fiese Art und Weise den Dolch in den Rücken gestossen. Denn so unglaublich leicht und spielerisch wechselt der Film zwischen good ol' english Mystery und klassischem Giallo hin und her, dass es eine wahre Freude ist! Unterstützt wird der Film dabei von einem großartigen Ensemble. Ganz vorne dabei: Gastone Moschin als scheinbar leicht trotteliger Dorf-Gendarme. Unglaublich, dass dieser sympathische Mann noch im selben Jahr den knallharten Gangster in DiLeo's Meisterwerk "Milano Kaliber 9" gab. Wenn ich es nicht wüsste, dann würde ich nie auf den Gedanken kommen, den selben Schauspieler vor mir zu haben. Aber auch der Rest der Besetzung macht seine Sache sehr gut. So gibt es beispielsweise ein erfreuliches Wiedersehen mit der wunderschönen Eveline Steward. Der Film schafft es zwischen Spannung und Humor die Balance zu halten und die Auflösung ist nun wahrlich einer Agatha Christie würdig. Sehr schön! Hervorhebenswert ist auch die hervorragende Filmmusik, die ein echtes "Solo-Konzert für eine Pistole" ist.
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon Onkel Joe » 17. Jan 2011, 10:43

Lupo ist mir als Director in den ganzen Jahren immer mehr und mehr an Herz gewachsen, seine Filme bürgen meist für gute Unterhaltung die man sogar normal Sterblichen durchauszeigen kann.Solo-Konzert für eine.. hat mich bei der ersten sichtung etwas durcheinander gebracht aber mittlerweile kann ich dem Film etwas abgewinnen.Nur die sichtweise(einstellung im Hirn :mrgreen: )muste umgeschaltet werden, schon komme ich auf gute 6/10.
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon reggie » 25. Jan 2012, 13:54

Hat von diesem Film eigentlich jemand die TV Aufnahme?

Einer meiner liebsten Giallos mit einem Grandiosen Score. Und tollen szenen, wie die auf dem Golfplatz als die Hand auftaucht!
Und der Typ (aka Ugo P.) der den Provinzbullen gibt ist echt ne wucht!!! Würde ich so gerne mal auf Deutsch sehen :nick:
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon Onkel Joe » 25. Jan 2012, 15:58

reggie hat geschrieben:Hat von diesem Film eigentlich jemand die TV Aufnahme?


Da suche ich schon Jahre nach, nichts, nirgends und überhaupt, keine TV Aufnahme :( in sicht.
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon jogiwan » 25. Jan 2012, 16:04

ich hätt den auch gern in Deutsch, aber ich kenne niemanden, der diese Fassung jemals zu Gesicht bekommen hätte... Unser Quoten-Ossi ist da ja wohl auch noch zu jungspundig dafür... :(
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon Onkel Joe » 25. Jan 2012, 16:06

Ich hab da schon einige Jungs abgekolpft, da war nie etwas zu bekommen, leider :( .
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon purgatorio » 25. Jan 2012, 17:01

jogiwan hat geschrieben:ich hätt den auch gern in Deutsch, aber ich kenne niemanden, der diese Fassung jemals zu Gesicht bekommen hätte... Unser Quoten-Ossi ist da ja wohl auch noch zu jungspundig dafür... :(


moi? :? "Quoten-Ossi" verbitte ich mir! :opa: Das klingt ja, als dürfte ich nur der Quote wegen hier bleiben :(
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Re: Solo-Konzert für eine Pistole - Michele Lupo (1970)

Beitragvon untot » 25. Jan 2012, 17:25

Mir kommt das Filmplakat so bekannt vor, auch die Screenshots, gesehen hab ich ihn wohl schon mal vor ewigen Zeiten, also muss er doch schon mal auch im Wessi-TV gelaufen sein. :?
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