Perversione / La encadenada - Manuel Mur Oti

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Perversione / La encadenada - Manuel Mur Oti

Beitragvon jogiwan » 27. Mär 2010, 19:10

Perversione / La encadenada - Manuel Mur Oti

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Alternativ-Titel: Diary of an erotic murderess

Regisseur: Manuel Mur Oti

Entstehungsland: Italien / Spanien (1975)

Darsteller: Marisa Mell, Richard Conte, Anthony Steffen, Carmen Maura, u.a.

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Mark (Juan Ribo) ist der durchgeknallte Sohn des reichen Industriellen Alexander (Richard Conte) und spricht seit dem Tod seiner geliebten Mutter kein Wort mehr. Als er eines Tages wieder einmal körperlich auf seine Gouvernante losgeht und auch die anderen Hausangestellten attackiert, schmeißt diese entnervt ihren Job und Mark wird aufgrund der Unkontrollierbarkeit seiner Aggressionsschübe in eine Art Gummizelle gesteckt, der für diese Zwecke hergerichtet wurde. Doch auf Dauer ist das natürlich keine Lösung und so heuert Alexander die hübsche Psychologin Gina an, damit diese den Ursachen der seltsamen Persönlichkeitsstörungen des Jungen auf die Schliche kommt.

Gina versucht auch sogleich mit ihrer verständnisvollen Art den Jungen für sich zu gewinnen. Doch Mark fühlt sich von Gina an seine Mutter erinnert, die er wie eine heilige idealisiert hat und dreht völlig durch. Doch auch Gina hat ein düsteres Geheimnis von dem vorerst niemand weiß. Sie ist eigentlich gar keine Psychologin, sondern eine verurteilte Diebin namens Elizabeth, die mit falscher Identität versucht, vor ihrem gewalttätigen Ehemann Richard (Anthony Steffen) zu flüchten. Als dieser seiner abtrünnigen Gattin auf die Schliche kommt und bemerkt, in welchem Umfeld sie sich bewegt, startet der kriminelle Zuhälter einen Erpressungsversuch in dem er droht, die wahre Identität der vermeintlichen Psychologin zu enttarnen.

Die dadurch erpressbare Gina findet eines Tages durch Zufall im Zimmer von Mark das geheime Tagebuch der verstorbenen Mutter. Darin beschreibt diese ihr Ehemartyrium und auch einen perfiden Plan für die Ermordung des besitzergreifenden Gatten. Die attraktive Gina beschließt diese Erkenntnisse für sich zu nutzen um rasch an Geld zu kommen und sich so ein für alle Mal von Richard zu trennen. Der Plan wird in die Tat umgesetzt und schon bald gibt es den ersten Toten auf dem luxuriösen Anwesen. Doch damit fangen die Probleme für Gina erst so richtig an und als Richard das große Geld wittert, Mark vollkommen durchdreht und auch noch dessen Halbbruder plötzlich auf der Matte steht, verstricken sich alle Beteiligten immer mehr in einem Netz aus Lügen, Habgier, Sex und Mord…

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„Perversione“, „La Encadenada“ bzw. „Diary of an erotic murderess“ des spanischen Regisseurs Manuel Mur Oti ist eigentlich einer jeder Filme, bei denen man sich als Filmfreund schon fragen muss, warum sie es bisher nicht auf Silberling geschafft haben. Egal warum, an der Qualität der 1975 entstandenen Italo-spanischen Co-Produktion kann es jedenfalls nicht liegen. Der spannende und kurzweilige Streifen mit einer grandiosen Marisa Mell in der Hauptrolle und einer hübsch haarsträubenden Story über menschliche Habgier und ihre Auswirkungen ist eigentlich ein richtig kleines Filmjuwel und hier besteht wirklich Handlungsbedarf, den Film endlich ungekürzt und in einer würdigen Form unter die Leute zu bringen.

Die Geschichte über die verfolgte Diebin, die sich unter falscher Identität das Vertrauen des schwerreichen Industriellen und dessen Sohn erschleicht und danach vom gewalttätigen Ehemann erpresst wird, ist eigentlich ganz nett ausgefallen, auch wenn sie der Logikprüfung bei näherer Betrachtung wohl nicht standhalten würde. Aber obwohl auch Mario Siciliano („Blutige Magie“) seine Finger beim Drehbuch im Spiel hatte, ist die Story dennoch halbwegs plausibel ausgefallen und versteigt sich nicht in surrealistische Momente. Warum man aber unbedingt auch noch den heiligen Gral und eine Handvoll Nonnen in die Geschichte packen musste, lässt sich jedoch nicht unbedingt nachvollziehen. Laut Internet-Recherche hat „La encadenada“ in seiner ursprünglichen Fassung jedoch fast eine halbe Stunde länger gedauert und wurde für die mir vorliegende amerikanische VHS-Version plump zusammengeschnitten, was an den ruppigen Übergängen und Tonfehlern auch bemerkbar ist. Sollte also jemand über eine längere Fassung Bescheid wissen oder gar verfügen, bitte dringend beim Verfasser dieser Zeilen melden.

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„La encadenada“ ist aber auch ein Film, der natürlich zu 100 % auf seine Hauptdarstellerin Marisa Mell zugeschnitten ist und es wird neben „Danger: Diabolik“ wohl keinen weiteren Film geben, in dem die laszive Schauspielerin derart attraktiv in Szene gesetzt wurde. Die Schönheit der österreichischen Schauspielerin mit Geburtsjahr 1939, die in ihrer Karriere auf die verführerische, aber stets etwas zwielichtige Femme Fatal abonniert war, kommt in dem Streifen ja fast schwelgerisch zur Geltung. Und auch wenn sie vielleicht heutzutage nicht den Status einer Barbara Bouchet, Gloria Guida oder Edwige Fenech hat, so kann man sich der hochmütigen Unberührbarkeit und unüberwindlichen Aura der Schönheit (O-Ton der Jugendfreundin Erika Pluhar) wohl kaum entziehen.

Auch bei den anderen Darstellern hat man nicht viel falsch gemacht. Anthony Steffen agiert wieder einmal als Ekelpaket und unsympathischer Frauenschläger und auch der amerikanische Schauspieler Richard Conte steht ihm mit seinem seltsamen Frauenbild in seinem vorletzten Film vor seinem Tod durch Herzinfarkt um wenig nach. Aber auch Carmen Maura, ihres Zeichens die Muse des frühen Pedro Almodovar ist in einer klitzekleinen Rolle als Nonne zu sehen, wobei hier jedoch der Verdacht nahe liegt, dass einige ihrer Szenen der Schere zum Opfer gefallen sein könnten. Doch neben Maria Mell verblassen sie ohnehin alle.

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Manuel Mur Oti ist mit „Diary of an erotic murderess“ ein tolles Psychodrama mit Giallo-Anleihen und kleinem, fiesen Ende gelungen, dass Italo-Fans garantiert nicht enttäuschen wird. Ein Film mit einer bisweilen etwas seltsamen Geschichte voller unerwarteter Wendungen, der komplett auf seine attraktive Hauptdarstellerin zugeschnitten ist und die dafür dann auch mit vollem Körpereinsatz agiert. Für Fans von Marisa Mell und alle die es noch werden wollen ist „la encadenada“ natürlich Pflichtprogramm und auch Giallo-Fans sollten sich die tolle Italo-spanische Co-Produktion ebenfalls auf keinen Fall entgehen lassen. Und so beschließe ich meine Lobeshymne auf diesen feinen Film und die wohl schönste, interessanteste und wohl einzige Schauspielerin mit Weltruhm, die die Alpenrepublik jemals hervor gebracht hat, mit einer ebenfalls sehr wohlwollenden Bewertung von 8/10 Punkten, mit einer Option nach oben für eine etwaige ungekürzte Version.

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