Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano (1974)

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Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano (1974)

Beitragvon Onkel Joe » 4. Dez 2009, 21:07

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Originaltitel: La Polizia chiede aiuto

Herstellungsland: Italien / 1974

Regie: Massimo Dallamano

Darsteller:, Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger, Marina Berti u. A.

Story:

Genialer Italo-Krimi über Schulmädchen, die als Prostituierte mißbraucht werden. Durch den Selbstmord eines dieser Mädchen wird die Polizei auf den Fall aufmerksam. Doch ein motorradfahrender Killer in schwarzer Lederkluft und Fleischerbeil räumt Zeugen und Mitwisser aus dem Weg.
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Onkel Joe » 22. Dez 2009, 23:26

Hier die beiden limitierten Cover:

Cover A:

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Cover B:

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon jogiwan » 23. Dez 2009, 09:39

Für mich persönlich ist ja das Erst-Cover unerreicht. Dieses rote Dings ist einfach nur geil! (um es in den Worten von Blap zu beschreiben) ;)

Ach ja, sollte das Motiv jemals als Plakat rauskommen, wäre es so gut wie gekauft!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon buxtebrawler » 28. Sep 2010, 12:18

„Der Tod trägt schwarzes Leder“ von Massimo Dallamano, veröffentlicht 1974, ist eine außergewöhnliche Symbiose aus Giallo und Poliziesco, die mitnichten von einer in Lack und Leder gehüllten Femme fatale handelt (wie es angesichts des Titels meine erste Assoziation war), sondern die Geheimnisse um einen mordenden, lederoveralltragenden Mopedfahrer mit Hackebeilchen zum Thema hat. Dabei beginnt der Film etwas unvorteilhaft mit einer aufgeknüpften Leiche eines pubertierenden Mädchens, die ohne Schwierigkeiten als Plastikpuppe zu erkennen ist. Die sich nach und nach offenbarende Geschichte um einen Callgirlring minderjähriger Mädchen sowie der Umstand zartbusiger weiblicher Nacktheit lässt eine bedenkliche spekulative Richtung erahnen, die das Drehbuch aber überraschend zugunsten polizeilicher Ermittlungsarbeiten inkl. einer emanzipierten Staatsanwältin und politisch-kritischen Kommentaren verlässt – denn während auf der Straße junge Rebellen wüten, führt die Spur in die Oberschicht… Dadurch erhält Dallamanos Film einen gewissen inhaltlichen Anspruch, der ihn von reine Schauwerte präsentierenden Gialli oder gewaltverherrlichenden Poliziesci wohltuend abhebt. Der Killer indes ist wenig zimperlich und sorgt für manch wohldosierte Blutspritzerei, während ein genialer Soundtrack fast schon für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Die schauspielerischen Leistungen sind ordentlich, Mario Adorf bekommen wir in einer ungewöhnlichen Nebenrolle als emotional aufgewühlten Polizisten zu sehen, lediglich die jungen Mädchen wirken etwas hölzern. Letzteres mag aber auch mit der deutschen Synchronisation zusammenhängen, die ich auch bei den abgespielten Tonbandaufnahmen von sexuellen Handlungen bis hin zu Vergewaltigungen als etwas befremdlich empfand. Mich vermutlich auf dem falschen Fuß erwischt hat das Finale des Films, das vollkommen giallountypisch ausfiel, also entgegen meiner Erwartungshaltung keinen ausgeklügelten respektive an den Haaren herbeigezogenen Plottwist anbietet. Bei näherer Betrachtung mag aber gerade darin der Clou, die Pointe liegen. Ein (Halb-)Giallo wäre natürlich kein (Halb-)Giallo, wenn sich nicht auch hier ein paar Logiklücken (und Goofs) eingeschlichen hätten. In Anbetracht der gelungenen Inszenierung, die auf allzu künstlerisches Geschwurbel verzichtet und einer Dramaturgie, die keine Langeweile aufkommen lässt und sich zeitweise sogar recht rasant gibt, fallen ein paar Kleinigkeiten aber nicht weiter ins Gewicht. Somit ist „Der Tod trägt schwarzes Leder“ sicherlich ein empfehlenswerter Italo-Thriller, der nicht nur Die-Hard-Giallo- oder Poliziesco-Freaks anspricht.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 28. Sep 2010, 13:24

In unzureichender Ultrakurzform, verzapft 2007:


Der Tod trägt schwarzes Leder

Die Leiche eines jungen Mädchens wird in einem Dachgeschoss aufgefunden. Da sich der zunächst vermutete Freitod bald als Mord herausstellt, gehen die Ermittlungen von Kommissar Valentini (Mario Adorf) an Kommissar Silvestri (Claudio Cassinelli) über. Silvestri erhält dabei tatkräftige Unterstützung der jungen Staatsanwältin Vittoria Stori (Giovanna Ralli, lecker). Der Verdacht erhärtet sich, dass die Ermittler es mit einem besonders widerwärtigen Fall von Kinderprostitution zu tun haben. Doch vermeintliche Verdächtige und Zeugen werden von einem brutalen Killer geschnetzelt...

Die Regie ist nicht immer absolut souverän, aber Massimo Dallamano bekommt noch rechtzeitig die Kurve (Nachtrag: Was zum Geier will uns der Verfasser damit sagen? Ich weiss es nicht!). Die Schauspieler sind klasse, Mario Adorf kann in seiner Nebenrolle glänzen. Der leider zu früh verstorbene Claudio Cassinelli spielt seinen Part ebenfalls sehr solide. Dallamano hat mit "La Polizia chiede aiuto" einen feinen Polizeithriller mit leichter Giallo-Schlagseite inszeniert. Es gibt zwar ein paar derbe Gewaltausbrüche, doch das Grauen kommt nicht durch die grafische Gewalt zum Ausdruck, sondern durch die Thematik des Filmes und die erstklassigen Leistungen der Schauspieler!

Wieder eine sehr gute Veröffentlichung von Koch Media. Der Film wurde ordentlich aufbereitet, die Verpackung (Digipak im Schuber) ist sehr ansehnlich, ein kleines Booklet liegt bei. Für Italofans auf jeden Fall ein klarer Pflichtkauf!

8/10

***

Diese Prachtperle hätte ohne Zweifel eine ausführlichere Vorstellung redlich verdient. Zumidest das Fazit bleibt bestehen, der Film ist für jeden Italofan Pflicht, könnte darüber hinaus auch für das "normale" Thrillerpublikum von Interesse sein.

8/10 (sehr gut) scheint mir fast eine etwas zu geringe Bewertung. Die Tendenz weist in Richtung "überragend".
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon untot » 28. Sep 2010, 13:39

Dieser Giallo ist herausragend finde ich, vor allem weil man etwas "Polizeiermittlungsarbeit" mit eingebaut hat, ist mal was anderes wie ich finde.
Auch mag ich Mario Adorf gerne und bin froh, das man ihn in nicht nur einem Italo Film bewundern kann! :)

8/10
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon buxtebrawler » 28. Sep 2010, 14:06

Blap hat geschrieben:Die Regie ist nicht immer absolut souverän, aber Massimo Dallamano bekommt noch rechtzeitig die Kurve (Nachtrag: Was zum Geier will uns der Verfasser damit sagen? Ich weiss es nicht!).


:lol:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Reinifilm » 28. Sep 2010, 16:28

Lustigerweise der einzige Giallo, den meine Freundin richtig gut fand... und auch einer der wenigen gelben Streifen, der vom Dr.Acula bei Badmovies (der das Genre ebenfalls nicht so dolle liebhat) eine Top-Wertung bekommen hat... Scheinbar der ideale Giallo für Leute, die Gialli nicht mögen! :mrgreen:
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon ugo-piazza » 28. Sep 2010, 19:05

buxtebrawler hat geschrieben:„Der Tod trägt schwarzes Leder“ von Massimo Dallamano, veröffentlicht 1974, ist eine außergewöhnliche Symbiose aus Giallo und Poliziesco, die mitnichten von einer in Lack und Leder gehüllten Femme fatale handelt (wie es angesichts des Titels meine erste Assoziation war), sondern die Geheimnisse um einen mordenden, lederoveralltragenden Mopedfahrer mit Hackebeilchen zum Thema hat. Dabei beginnt der Film etwas unvorteilhaft mit einer aufgeknüpften Leiche eines pubertierenden Mädchens, die ohne Schwierigkeiten als Plastikpuppe zu erkennen ist. Die sich nach und nach offenbarende Geschichte um einen Callgirlring minderjähriger Mädchen sowie der Umstand zartbusiger weiblicher Nacktheit lässt eine bedenkliche spekulative Richtung erahnen, die das Drehbuch aber überraschend zugunsten polizeilicher Ermittlungsarbeiten inkl. einer emanzipierten Staatsanwältin und politisch-kritischen Kommentaren verlässt – denn während auf der Straße junge Rebellen wüten, führt die Spur in die Oberschicht… Dadurch erhält Dallamanos Film einen gewissen inhaltlichen Anspruch, der ihn von reine Schauwerte präsentierenden Gialli oder gewaltverherrlichenden Poliziesci wohltuend abhebt. Der Killer indes ist wenig zimperlich und sorgt für manch wohldosierte Blutspritzerei, während ein genialer Soundtrack fast schon für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Die schauspielerischen Leistungen sind ordentlich, Mario Adorf bekommen wir in einer ungewöhnlichen Nebenrolle als emotional aufgewühlten Polizisten zu sehen, lediglich die jungen Mädchen wirken etwas hölzern. Letzteres mag aber auch mit der deutschen Synchronisation zusammenhängen, die ich auch bei den abgespielten Tonbandaufnahmen von sexuellen Handlungen bis hin zu Vergewaltigungen als etwas befremdlich empfand. Mich vermutlich auf dem falschen Fuß erwischt hat das Finale des Films, das vollkommen giallountypisch ausfiel, also entgegen meiner Erwartungshaltung keinen ausgeklügelten respektive an den Haaren herbeigezogenen Plottwist anbietet. Bei näherer Betrachtung mag aber gerade darin der Clou, die Pointe liegen. Ein (Halb-)Giallo wäre natürlich kein (Halb-)Giallo, wenn sich nicht auch hier ein paar Logiklücken (und Goofs) eingeschlichen hätten. In Anbetracht der gelungenen Inszenierung, die auf allzu künstlerisches Geschwurbel verzichtet und einer Dramaturgie, die keine Langeweile aufkommen lässt und sich zeitweise sogar recht rasant gibt, fallen ein paar Kleinigkeiten aber nicht weiter ins Gewicht. Somit ist „Der Tod trägt schwarzes Leder“ sicherlich ein empfehlenswerter Italo-Thriller, der nicht nur Die-Hard-Giallo- oder Poliziesco-Freaks anspricht.


Die Tonbandaufnahmen kommen in der Tat etwas befremdlich an, aber ansonsten hab ich an diesem Polizeifilm-Giallo-Crossover nichts auszusetzen. Claudio Cassinelli überzeugt wieder einmal als pflichtbewusster Polizist (schaut euch "Killer Cop" von Luciano Ercoli an!) und die junge Sherry Buchanan, die hier noch weit von Zombies und Kannibalen entfernt war, hat hier einen ihrer ersten Leinwandauftritte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 28. Sep 2010, 22:36

Reinifilm hat geschrieben:Lustigerweise der einzige Giallo... ...Scheinbar der ideale Giallo für Leute, die Gialli nicht mögen!


untot hat geschrieben:Dieser Giallo...


Mhmm... Es mag zwar Erbsenzählerei sein, doch ich möchte den Film nicht als Giallo bezeichnen. Für mich ist "Der Tod trägt schwarzes Leder" ein Polizeifilm, der durch diverse "Giallo-Momente" prächtig ergänzt wurde.

Hm... Gewissermaßen, irgendwie... :?
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