Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano (1974)

Bava, Argento, Martino & Co. Schwarze Handschuhe, Skalpell & Thrills

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Santini » 28. Sep 2010, 23:19

Für mich ist schwarzes Leder der perfekte Hybrid aus Dschallo und Poliziesco - wobei ich ihn für myself gern dem Dschallo zuordne - aus rein egoistischen Gründen. 8-) :lol:

Zu guter Letzt ist die Genre-Zuordnung auch sekundär: Schwarzes Leder war, ist und bleibt einer meiner All Time Faves.
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 29. Sep 2010, 02:47

Demnächst wird endlich die bisher als verschollen geltende XXX-Version, von einem uns allen bekannten und allseits geschätzten Label veröffentlicht!

Standesgemäß wird diese Fassung folgenden Titel tragen:

Der Schwanz spritzt auf schwarzes Leder - Sündige Teeniehuren im Taumel der Notzucht
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon untot » 29. Sep 2010, 12:59

Da kann man jetzt drüber streiten, die einen sagen es ist ein Giallo mit Poliziesco - Einflüssen, die anderen sagen es ist ein Poliziesco mit Giallo - Touch.
Also was ist es nu??
Ich hab den zu meinen Gialli gestellt. ;) :mrgreen:
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon dr. freudstein » 1. Okt 2010, 07:30

DER TOD... ist der zweite Teil einer Trilogie nach Art "Schulmädchen in Angst"
Teil 1) DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL
Teil 3) ORGIE DES TODES

Ja, wirklich brisantes Thema rund um die Kinderprostitution, deren Freier auch noch aus den höchsten Schichten der Gesellschaft "kommen". In den 70ern wurden ja häufig Kinder und Sex gezeigt und heute würde das niemand mehr so machen wegen der Schwemme von Kinder-Pornos und Kindermorden. Schöne blutige Szenen hat er auch noch gehabt, für damalige Verhältnisse doch recht derb.

Ich muß mir den noch mal in Ruhe angucken, ohne quengelnde Begleitung.
Trotz offengebliebener Fragen fand ich den erstaunlich gut, auch wegen dem Zaundreck.
Die Identität des Mörders in Leder tat da wohl gar nicht zur Sache. Stirbt er, tritt ein anderer an seine Stelle, damit das Geschäft des Padophilen-Rings weiterhin florieren kann und nicht durch Widersacher gestört wird.


Leider auch keine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, vor allem daß da namhafte Politiker und andere Prominenz mit vollen Brieftaschen auf den Listen der Kunden stehen.
(Wie doof muß man eigentlich sein, da noch so genau Buch zu führen?)
Erst werden die Ermittlungen aus den oberen Dienststellen der Polizei mit massivem Nachdruck vorangetrieben und bei Bekanntgabe der darin verwickelten Namen wird der Öffentlichkeit eine verfälschte Ermittlungsarbeit übermittelt, um keinen Skandal zu offenbaren.

Verlogene Welt, aber leider auch traurige Realität, nicht nur im Film.
Mit genügend Geld und Einfluß kommt man aus beinahe jeder kriminellen Geschichte ungeschoren heraus.
Zuletzt geändert von dr. freudstein am 2. Okt 2010, 09:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 1. Okt 2010, 11:18

Spoiler bitte als Spoiler markieren. Danke. :)
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon horror1966 » 12. Jan 2011, 19:31

Es gibt nicht gerade wenige Leute, die bei vorliegendem Film einen waschechten Gialli erwarten, doch entpuppt sich "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch vielmehr als erstklaasiger italienischer Polizeithriller, der zwar durchaus Elemente des Gialli's erkennen lässt, doch stehen diese doch eher im Hintergrund der absolut faszinierenden Geschichte, die sich dem Zuschauer hier präsentiert. Es ist aber insbesondere diese Mischung, die vorliegendes Werk in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem macht. Deshalb ist es auch eher unverständlich, das dieses Meisterwerk des italienischen Kinos eigentlich nie die beachtung bekommen hat, die es eigentlich verdient hat. Offenbart sich dem Betrachter doch eine Story, die nicht nur äusserst atmosphärisch und extrem spannend umgesetzt wurde, sie beinhaltet zudem noch eine bitter-böse Thematik und offenbart Abgründe, die einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen und dem Geschehen einen sehr bitteren Beigeschmack verleihen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Ganz besonders hat mir der Aspekt gefallen, das die Identität des Mörders gar nicht einmal das Wesentliche ist, sondern vielmehr die Hintergründe und Motive, die hinter dem Ganzen stecken und Ausmaße annehmen, die erst ganz am Ende vollkommen offengelegt werden. Und so stellt sich auch ziemlich schnell heraus, das die eingeschlagene Richtung des Filmes ganz klar zum Polizeithriller tendiert, in dem sich mit der Zeit immer mehr an Spannung aufbaut. Zudem bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Ermittler, die auch selbst nicht vor Anschlägen auf ihr Leben verschont bleiben, nachdem sie der Lösung des Ganzen und insbesondere den Hintermännern zu nahe kommen.

Dabei hat Regisseur Massimo Dallamano auch ein hervorragendes Gespür für das Erzähltempo des Filmes bewiesen, das streckenweise seine temporeichen und durchaus rasanten Passagen hat, andererseits aber auch immer wieder durch eher ruhigere, aber äusserst intensive Phasen auffällt, die dem Geschehen einen sehr realistischen und authentischen Eindruck verleihen. Es ist ganz einfach alles absolut perfekt aufeinander abgestimmt, denn auch die hier angetretene Darsteller-Riege hätte man nicht besser auswählen können. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist jeder einzelne Charakter perfekt besetzt und sämtliche Darsteller liefern eine eindrucksvolle Kostprobe ihres Könnens ab. So kommt man insbesondere als Freund des Cinema Italiane eigentlich nicht drum herum, diesem Klassiker eine uneingeschränkt positive Bewertung zu geben, beinhaltet "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch alle Zutaten, die einen Film dieser Art so absolut sehenswert machen und sorgt so für ein erstklassiges Filmerlebnis.

Es gibt nicht besonders viele Genrefilme, an denen es im Prinzip rein gar nichts auszusetzen gibt und dieses Werk von Massimo Dallamano gehört ganz eindeutig in diese kleine Gruppe von Filmen. Dramaturgisch gesehen mit einem herausragenden Spannungsbogen versehen, entfaltet sich innerhalb kürzester Zeit eine äusserst dichte Grundstimmung, deren Faszination sich zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Durch seine im Bezug auf das Erzähltempo variable Erzählstruktur entfaltet sich dabei eine ungeheure Intensität, die nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Diese wird durch die beinhaltete und sehr böse Botschaft der Geschichte noch zusätzlich hervorgehoben, verleiht dem Ganzen allerdings auch einen äusserst bitteren Beigeschmack, der sich noch lange im Kopf des Betrachters festsetzt. Denn nur zu authentisch erscheinen die Ereignisse, die leider auch heutzutage immer wieder aktuell sind und für ein sehr beklemmendes und betroffenes Gefühl sorgen, wenn man von solchen Fällen hört.


Fazit:


"Der Tod trägt schwarzes Leder" zählt sicherlich zu den besten Filmen, die das italienische Kino hervorgebracht hat. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Szenario sorgt ganzzeitig für absolut erstklassige und extrem spannende Unterhaltung. Ein Film, der auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder sehenswert ist und auch überhaupt nichts von seinem Reiz verloren hat. Hier kann man nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, die auch nicht nur an die Liebhaber des italienischen Kinos gerichtet ist.


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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Onkel Joe » 12. Jan 2011, 19:33

Nun hat dich aber der Italo Virus gepackt lieber Horror1966, oder :mrgreen: ???
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon horror1966 » 12. Jan 2011, 19:46

Onkel Joe hat geschrieben:Nun hat dich aber der Italo Virus gepackt lieber Horror1966, oder :mrgreen: ???



Du das ist schon länger so, jedenfalls bei Gialli's. Mir fehlen aber etliche und das italienische Kino ist für mich bis auf die alten Horrorfilme doch noch ziemliches Neuland.
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon Santini » 17. Jan 2011, 00:47

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder - Massimo Dallamano

Beitragvon DrDjangoMD » 13. Jan 2012, 19:23

Handlung:
Ein Mädchen im Teenageralter wird erhängt aufgefunden. Anfangs glaubt die Polizei noch an einen Selbstmord, doch als sie Beweise für Fremdverschulden entdecken, stoßen sie auf ein unschönes Geheimnis der Toten. Bald offenbart sich den fleißigen Ermittlern ein weiteres Problem, denn eine skrupellose Gestalt mit Hackebeilchen macht grausame Jagd auf Zeugen und Schnüffler. Sie bringt den Tod und sie trägt…schwarzes Leder! :o

Kritik:
Massimo Dallamano hat schon mit den beiden äußerst empfehlenswerten Filmen „Bandidos“ und „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ bewiesen, dass er einen gewissen Hang zur Tragik hat, die er meisterhaft ergreifend in Szene zu setzen versteht…Diese beiden Meisterwerke sind in meinen Augen jedoch GAR NICHTS gegen „Der Tod trägt schwarzes Leder“, eine Perle des Italokinos, die uns bewegt und ängstigt, während sie uns mit Action unterhält.
Dallamano schafft es dadurch uns mit den späteren Geschehnissen zu schockieren, indem er das Publikum anfangs auf eine falsche Fährte lockt. Der Film beginnt nämlich recht gemütlich. Sicher die splitternackte Erhängte mit dem grotesk verzerrten Gesicht (@Bux: Und wenn es eine Schaufensterpuppe ist, so ist es wenigstens eine verdammt unheimliche :opa: ) lässt eine handvoll Schauer über den Rücken laufen, doch danach kommen ein paar dialogreichere Passagen in denen wir mal die Charaktere näher kennen lernen. Dies gibt uns Zeit uns mit den Protagonisten anzufreunden, versetzt uns jedoch nicht in Langeweile, da wir nach so einem aufsehenerregenden Leichenfund gleich zu beginn, sofort in die Handlung hineingezogen werden.
Unter den Ermittlern gibt es drei, die uns in den nächsten 85 Minuten die meiste Zeit als Identifikationsfiguren und Sympathieträger dienen werden: Der erste ist Inspector Claudio Cassinelli, der einen aufopferungsvollen Beamten spielt, welcher unter dem korrupten System zu leiden hat, wodurch wir einerseits eine menschliche Figur bekommen, die sich, wenn sie mit der Ungerechtigkeit der Welt konfrontiert sieht, schnell auch in einen coolen Bad-Ass-Cop verwandeln kann.
Dann haben wir Staatsanwältin Giovanna Ralli, die das Kunststück vollbringt eine erfolgreiche emanzipierte Frau zu spielen, ohne diese Rolle zu übertreiben. Sie hat typische Eigenschaften einer Heldin, ist mutig, stark und klug, bleibt dabei aber auch menschlich. Ihre Reaktionen auf die furchtbaren Geschehnisse, die später folgen, sind weder die einer klischeehaften schwachen Frau noch die eines klischeehaften Mannweibes, sonder natürliche Reaktionen die 100% nachzuvollziehen sind.
Der dritte im Bunde ist Inspecor Mario Adorf, der einen äußerst gutmütigen liebenswürdigen Polizisten gibt, welcher sich leider zur Trauer aller Zuseher nach zirka zehn Minuten für eine Weile aus dem Film verzieht. Doch keine Angst, er wird früh genug mit einem herrlich gespielten Dialog wieder in das Geschehen eintauchen.
Diese drei Charaktere begleiten uns also durch diesen netten kleinen Krimi, forschen mal hier ein wenig nach, fragen mal dort ein bisschen aus…und finden plötzlich eine zerstückelte Männerleiche, die uns Dallamano in allen Einzelteilen aus diversesten Perspektiven vor die Kamera rückt. :o :angst: Diese Wendung ist einfach brillant! Wir waren so überzeugt einen durchschnittlichen kleinen Krimi geboten zu bekommen, dass uns die plötzliche Brutalität wie ein Donnerschlag trifft und wir müssen uns eingestehen, dass nun alles geschehen könnte, der Film hat seine Berechenbarkeit total verloren und das macht einen Grossteil der Spannung aus.
Noch dazu ist Dallamano, was den kameratechnischen Aspekt angeht äußerst begabt. Er weiß nicht nur, wie er die Perspektive zu setzen und wann er zu schneiden hat, um Spannung zu erzeugen; er weiß auch vor allem, wann er NICHT zu schneiden hat. Damit meine ich, dass es in dem Film einige Szenen gibt, die so schockierend sind, dass sie unmöglich durch eine kunstvolle Schnittfolge noch mehr unter die Haut gehen könnten. Dallamano weiß das und schneidet daher in diesen Szenen überhaupt nicht. Wenn beispielsweise das Zimmer voller Blut gefunden wird oder wenn das Tonband mit den Verführen der Mädchen abgespielt wird bekommen wir keine Cuts, die uns ablenken würden, nichts, was uns irgendwie distanzieren könnte, Dallamano zwingt uns förmlich uns mit dem Inhalt dieser Szenen auseinander zu setzten.
Der Film ist also durch diese Gründe schon mitreißend genug, doch um dem noch eins draufzusetzen wird die Figur des schwarzgewandeten Killers eingefügt, der mit seinem gigantischem grobschlächtigem Hackebeil eine unglaublich unheimliche Erscheinung abgibt. Bevor wir jedoch ihn sehen, sehen wir mit der zerstückelten Leiche seine Tat und nachdem er selbst damit angegeben hat, wissen wir wozu dieser Psychopath fähig ist und werden in den folgenden Minuten durch die beunruhigende Vorstellung, er könnte irgendeinem von unseren liebgewonnenen Charakteren das selbe antun, nahezu gefesselt.
Fazit: Der Film behält einen gesellschaftskritischen, düsteren und teilweise schockierenden Grundton, durch welchen er das Publikum emotional mitreißt, während liebenswerte, gut gespielte und exzellent charakterisierte Hauptpersonen und Action am laufendem Band uns auch auf eine angenehmere Art in das Geschehen hineinversetzen. 10/10 :thup:
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 13. Jan 2012, 19:38, insgesamt 1-mal geändert.
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