Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri (1969)

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Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri (1969)

Beitragvon Santini » 10. Feb 2010, 11:52

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Originaltitel: Il Dolce corpo di Deborah

Herstellungsland: Italien / Frankreich / 1969

Regie: Romolo Guerrieri

Darsteller: Carroll Baker, Jean Sorel, Ida Galli, Luigi Pistilli, Renato Montalbano, George Hilton u. A.

Story:

Um das Geld seiner Frau zu erlangen, ist dem teuflischen Ehemann jedes Mittel recht. Er heuchelt ihr "die große Liebe" vor, und während er mit seiner Frau schläft, überdenkt der "feine" Ehemann bereits seinen raffinierten Mordplan...


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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Santini » 3. Sep 2010, 13:50

Cover der schwedischen DVD vom Label "Fin De Siecle Media":

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Ton: Engl. - mit schwedischen UT (leider nicht ausblendbar)

Diese VÖ dürfte bisher die einzige offizielle DVD des Films sein.

Format: Anamorphic, PAL , Region: 2
Aspect Ratio: 2.35:1 Run Time: 92 minutes


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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon ugo-piazza » 28. Nov 2010, 00:47

Marcel (Jean Sorel) kehrt frisch verheiratet mit der Amerikanerin Deborah (Carroll Baker) nach Genf zurück. In einem Nachtclub trifft er zufällig seinen Freund Philippe (Luigi Pistilli), der offenbar nichts mit ihm zu tun haben will. Er nennt Marcel gar einen Mörder, macht er ihn doch für den Tod von Marcels Ex Suzanne verantwortlich, die offiziell Opfer eines Autounfalls wurde. Marcel recherchiert in der Angelegenheit, schon bald ereilt Deborah ein Anruf, sie solle demnächst als Rache für Suzanne sterben.

So mietet man sich eine Villa, hat dort aber einen dubiosen Nachbarn (George Hilton), der sich etwas zu sehr (nach Marcels Ansicht) für Debbie interessiert. Und auch Philippe hat den Aufenthaltsort von Marcel und Deborah herausgefunden, doch Regisseur Romolo Guerrieri hat auch noch eine Überraschung für den Zuschauer - oder auch zwei - oder drei...

Ein wunderschönes Giallo-Frühwerk aus der Luciano Martino-Produktion, natürlich nur echt mit Gastaldi-Script und einem Score von Nora Orlandi. Jean Sorel hatte seinerzeit einige Gialli-Auftritte, Luigi Pistilli zählt zu den großen ewigen Nebendarstellern des Italo-Kinos. Carroll Baker darf den titelgebenden schönen Körper gern auch unbekleidet der Kamera präsentieren (was 1967 sicherlich noch kein Standard war, im katholischen Italien schon gar nicht), die Tatsache, dass Ms. Baker schon bald Luciano Martino zu teuer wurde, dürfte er dennoch nicht bereut haben: Er entdeckte Edwige Fenech als neue Giallo-Heroine und verließ für sie gleich noch seine Familie! George Hilton brachte er aus diesem Film gleich noch aus Filmpartner für Edwige mit. Es wird ja häufig behauptet, dass der vorherige Westernheld aus Uruguay stamme, was aber von ihm selbst publizierte Lüge ist, da er sich seine Abstammung schämte. Tatsächlich gehört der gute George nämlich zum Hilton'schen Hotelclan und ist der Vater der nichtsnutzigen Partymädels Paris und Nicky Hilton. Man kann halt nicht immer Glück haben... ;) Schließlich ist von der Darstellerriege noch Evelyn Stewart aka Ida Galli zu erwähnen, die leider entschieden storybedingt zu wenig screentime hat, sich dabei aber für die Verbreitung von Lackoutfits einsetzt.

Mit den Filmen aus Onkel Lucianos Giallo-Fabrik liegt man eigentlich nie falsch, so auch hier. Ärgerlich an der deutschen VHS aus dem Haus Michael Jäger ist allerdings die Änderung des Titels auf das pseudoenglische "Married to kill" (eine furchtbare Unsitte, ab Mitte der 80er einsetzte) und das Backcover, das entschieden zu viel von den finalen Überraschungen verrät (wenn auch nicht alle).
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Santini » 6. Mär 2011, 23:34

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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon jogiwan » 6. Mär 2011, 23:44

ugo-piazza hat geschrieben:Es wird ja häufig behauptet, dass der vorherige Westernheld aus Uruguay stamme, was aber von ihm selbst publizierte Lüge ist, da er sich seine Abstammung schämte. Tatsächlich gehört der gute George nämlich zum Hilton'schen Hotelclan und ist der Vater der nichtsnutzigen Partymädels Paris und Nicky Hilton. Man kann halt nicht immer Glück haben... ;)


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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Marcus Daly » 11. Feb 2012, 01:37

THE SWEET BODY OF DEBORAH (Romolo Guerrieri, 1968): Kleiner Giallo-Klassiker, der schon alleine Dank Carroll Bakers an die frühen Leni-Gialli erinnert, dessen twistreiches Gastaldi-Skript jedoch bereits in Richtung auf die späteren Martino-Gialli weist. Der Streifen besticht insbesondere durch seine tolle Atmosphäre. Einziger Kritikpunkt: Wie fast alle Gialli aus dieser Epoche, braucht auch die schöne Deborah recht lange, um so richtig in Wallung zu geraten (8/10).
http://www.dvd-delirium.de/
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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Paco » 11. Feb 2012, 11:25

Hmm, das hört sich je sehr interessant an:
Erstens ein Giallo, den ich noch nicht kenne - und dann sind meine geschätzten Forenkollegen alle mehr oder weniger voll des Lobes. Wenn das kein Grund ist, den Film mal unter die Lupe zu nehmen!

GIbt es in der Zwischenzeit eigentlich noch Alternativen zur sicher nicht ganz billigen skandinavischen DVD?

Ich habe gerade bei amazon.it geschaut, dort ist der Film sehr günstig zu erwerben (kostet gerade mal 7 Euro) , jedoch dürfte nur italienischer Ton vorliegen...
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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Nello Pazzafini » 11. Feb 2012, 18:33

jogiwan hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Es wird ja häufig behauptet, dass der vorherige Westernheld aus Uruguay stamme, was aber von ihm selbst publizierte Lüge ist, da er sich seine Abstammung schämte. Tatsächlich gehört der gute George nämlich zum Hilton'schen Hotelclan und ist der Vater der nichtsnutzigen Partymädels Paris und Nicky Hilton. Man kann halt nicht immer Glück haben... ;)


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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon Adalmar » 26. Feb 2012, 12:30

Meine Rezension:

"Il dolce corpo di Deborah" von Romolo Guerrieri kam bereits März 1968 in die italienischen Kinos und ist damit ein wichtiger Wegbereiter des Giallo. Anders als die Genrebeiträge von Antonio Margheriti ist er nicht dem Gothic Horror verpflichtet, sondern erzählt eine moderne, unheimliche Geschichte von Liebe und Intrige, die sich mit der Verunsicherung einer jungen Frau beschäftigt, die am Ende waghalsig-doppelbödig ausklingt.

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Für die meisten seiner Darsteller war er das Genredebüt. Während Jean Sorel nicht zuletzt durch seine Rolle in Bunuels Liebes-Satire "Belle de jour" beflügelt wurde, kamen Ida Galli (als Evelyn Stewart kreditiert), Luigi Pistilli und George Hilton damals vor allem vom Italowestern. Hauptdarstellerin Carroll Baker hingegen, 1931 in den USA als Karolina Piekarski geboren, hatte mit Marco Ferreris "L'harem" gerade ihr Italien-Debüt hinter sich. Beginnend mit "Deborah" drehte sie nun eine Handvoll Gialli, die meisten unter der Regie von Umberto Lenzi, unter so klangvollen Titeln wie "Orgasmo" und "Paranoia". Dieser Film gehört ganz der hübschen polnisch-amerikanischen Darstellerin, die in den USA bereits mit einigen der bekanntesten Stars zusammen vor der Kamera gestanden hatte.

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In einem Verwirrspiel aus der Feder von Ernesto Gastaldi, unter Beteiligung von Luciano Martino, wird ihre Figur Deborah vom jungen Eheglück in den Flitterwochen an den Rand der Vernichtung geführt. Bereits der Besuch eines Strip-Lokals in Genf wirkt wie eine Art Unschuldsverlust und führt zu einem schönen Dialog; Deborah fragt, während eine dunkelhäutige Tänzerin sich zu Buschtrommel-Untermalung entkleidet, provokant lächelnd: "Gefällt sie dir?", worauf Marcel ebenso lächelnd entgegnet: "Würdest du mir glauben, wenn ich Nein sagte?" Eine hier noch übereinstimmende Kommunikation weicht im Folgenden einer überaus unklaren Lage, in der bald keiner mehr weiß, ob ihm der andere etwas vormacht. Ein Foto, ein Musikstück, Telefonanrufe sind die Elemente, die zu wachsender Verunsicherung führen, bis die Protagonisten irgendwann in Lebensgefahr geraten.

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Der Film erfuhr eine beachtliche internationale Auswertung und führte dazu, dass die erfolgreiche Gastaldi-Rezeptur unter anderem unter der Regie von Sergio Martino noch mehrmals zur Anwendung kam, in dessen Klassikern wie "Der Schwanz des Skorpions" oder "Der Killer von Wien" man ähnliche Elemente findet. Die visuelle Finesse des letztgenannten Films kommt in Guerrieris Film noch nicht vor, dafür ist Nora Orlandis Filmmusik in ihren besten Momenten so intim, wie Filmmusik nur sein kann. Zu psychedelischen Hammondorgel-Klängen ist eine verlorene Frauenstimme zu hören, vermutlich die der Komponistin selbst, was in Szenen, in denen Deborah allein zu sehen ist, wie ein in Musik gefasster innerer Monolog der Figur klingt: Wer bin ich? Was bringt mir die Zukunft? Zusammen mit der zarten, nachdenklichen Erscheinung der Darstellerin machen diese Klänge Momente, in denen Deborah am Strand den Wellen nachsieht, zu den ausdrucksvollsten des Films.

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Im Folgenden bildet sich ein fragiles Viereck mit Ehemann Marcel (Sorel) sowie den schwer einzuschätzenden Nebenfiguren Philippe (Pistilli), der dem Ehepaar aus undeutlichen Motiven nachstellt, und Robert (George Hilton), der sich als neugieriger Nachbar in Deborahs Leben drängt. Dazu kommt eine Verstorbene, Suzanne (Ida Galli), die dennoch stets im Leben von Marcel und Deborah auftaucht wie ein ruheloser Geist. Die ständige Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart ist letztlich das vorrangige Thema des Films und stellt immer wieder wortlos die Frage, ob man das Gewesene nicht einfach ruhen lassen und sich der Zukunft widmen soll.

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Wer Gastaldi kennt, ahnt jedoch schon, dass hinter der fein gewobenen Mysterienstimmung möglicherweise eine Auflösung wartet, die den Schleier unsanft zerreißen wird. Während Kamera (Marcello Masciocchi) und Ausstattung (Amedeo Fago) sich elegant, aber lange nicht so manisch-ausschweifend geben wie in vielen späteren Genrevertretern, sind vor allem das Handlungskonstrukt und Filmmusik bereits auf der Höhe der Giallokunst. Das macht Guerrieris Werk zu einem Film, den der Genrefreund kennen sollte.
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Re: Der schöne Körper der Deborah - Romolo Guerrieri

Beitragvon jogiwan » 26. Feb 2012, 12:52

Schöner Text zu einem schönen Film, dessen Sichtung auch schon wieder längst überfällig ist. "Der schöne Körper der Deborah" hab ich auch als sehr gut in Erinnerung und der tolle Cast braucht auch keinen weiteren Kommentar! Toller Film!
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