Deep Red - Dario Argento (1975)

Bava, Argento, Martino & Co. Schwarze Handschuhe, Skalpell & Thrills

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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon buxtebrawler » 13. Sep 2011, 11:21

purgatorio hat geschrieben:in wie fern "Feder"? "Von führenden Ärzten empfohlen" ist doch 'ne Floskel, oder? Gebastelt hab ich das aber, ja :D


Das meinte ich doch :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon ugo-piazza » 15. Sep 2011, 13:07

buxtebrawler hat geschrieben:
So hochwertig „Profondo Rosso“ in vielerlei Hinsicht ist, hat sich leider doch auch etwas eingeschlichen, das zur Abwertung führt – in Anlehnung an den äußerst fragwürdigen Humor aus Argentos Debüt nenne ich es das „Servus-Syndrom“. So durchzieht lobenswerterweise ein Subtext zum Thema Geschlechter bzw. Geschlechterkampf den Film, der sich im Finale offensiv entlädt – nur leider wurde dieser nicht subtil und zur Stimmung des Films passend eingewoben, sondern findet vor allem statt in Form fast schon dümmlicher Dialoge und Situationskomik zwischen Marcus und Gianna. Beide hegen ein verhaltenspsychologisch alles andere als uninteressantes Verhältnis zueinander, das Anlass gibt, um gängige Geschlechterklischees aufs Korn zu nehmen. Bedauerlicherweise wählte Argento dafür weitestgehend unlustigen Schenkelklopferhumor, der nicht nur nicht zur mystischen, düsteren Ausrichtung des Films passen will, sondern zu allem Überfluss auch noch als eine Art „Running Gag“ zu etablieren versucht wurde, der aber nach hinten losgeht. Erst mit „Tenebrae“ hatte Argento sein „Servus-Syndrom“ so weit domestiziert, dass es erträglich wurde und selbst ich Griesgram schmunzeln musste (aber John Saxon hatte nun mal auch einfach einen tollen Hut).


Dümmliche Dialoge? Also wirklich! Da baut Argento mal Anflüge amerikanischer Screwball-Comedys der 40er in einen Giallo ein, und niemand würdigt dies. Nicht zu fassen!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon DrDjangoMD » 16. Sep 2011, 16:05

buxtebrawler hat geschrieben:"nur" 8/10 ;)


:| Deine Kritik war ja spitze, deine Ansichten waren nachvollziehbar deine Argumentationen begreiflich und was du sonst über den Film zu sagen wusstest war mehr als profesionell...ABER! Wenn ich mal wieder über ein bisschen mehr Freizeit verfüge werde ich dich sowas von zutexten mit meterlangen Aufsätzen warum dieser Film die Höchstnote und nichts als die Höchstnote verdient hat :twisted: ;)
...bis dahin, ein paar Bildchen:

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Der Platz ist gar nicht mal so groß wie ihn Argento durch seine coole Vogelperspektive erscheinen lässt, sondern nur wirklich eine kleine Kreuzung mit zwei netten Brünnchen links und rechts, wobei der rechte im Film nie zu sehen ist. (Die beiden unteren sind übrigens vor mir...sie haben das selbe Lichtverhältnis und sind deshalb fast mit den Argentoesken zu verwechseln :) )

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Du weißt, dass du ein Profondo-Rosso-Fan bist, wenn du unsagbare Mühen auf dich nimmst um wärend der ärgsten Mittagshitze ein Schloss zu finden, welches gerade mal eine Sekunde am Bildschirm erschien und überhaupt keine Relevanz für die Handlung hatte ;) :thup:

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Leider war diese Villa nicht für die Öffentlichkeit zugängig. Um ein Bild ohne Zaun zu bekommen musste ich auf die Mauer klettern, mich mit einer Hand festhalten und mit der anderen den Photoapparat betätigen. Ich wäre ja im Namen des Forums für Detailaufnahmen über den Zaun geklettert, aber da hing ein Vorsicht-Hund-Schild und ich beschloss mich mit diesem Bild zufrieden zu geben. :nick:

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In das Theater selbst konnte ich leider nicht rein, aber ich habs zumindest gefunden und mir eine Innenaufnahme als Kühlschrankmagnet gekauft :D

...und weil ich keinen Bericht ohne Anekdote beenden kann: Als ich den Brunnen-Platz verließ war ich im Gespräch und da mir das Wort Turin nicht auf die Schnelle einfiel :palm: sagte ich einfach "Profondo-Rosso-Stadt". Ein fremder Italiener der vor mir ging bleibt plötzlich stehen und dreht sich mit einem breiten Grinsen um. Er hat von meinem Deutsch nichts verstanden außer die Worte "Profondo Rosso" und zeigt lachend auf den Platz von dem ich gerade komme...das hat mich im tiefsten Grunde meines Herzens erfreut :mrgreen:
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon buxtebrawler » 16. Sep 2011, 16:34

DrDjangoMD hat geschrieben: :| Deine Kritik war ja spitze, deine Ansichten waren nachvollziehbar deine Argumentationen begreiflich und was du sonst über den Film zu sagen wusstest war mehr als profesionell...ABER! Wenn ich mal wieder über ein bisschen mehr Freizeit verfüge werde ich dich sowas von zutexten mit meterlangen Aufsätzen warum dieser Film die Höchstnote und nichts als die Höchstnote verdient hat :twisted: ;)


Danke für die Blumen und auf deine Aufsätze freue ich mich jetzt schon :prost:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon Adalmar » 16. Sep 2011, 16:47

DrDjangoMD hat geschrieben:
buxtebrawler hat geschrieben:"nur" 8/10 ;)


:| Deine Kritik war ja spitze, deine Ansichten waren nachvollziehbar deine Argumentationen begreiflich und was du sonst über den Film zu sagen wusstest war mehr als profesionell...ABER! Wenn ich mal wieder über ein bisschen mehr Freizeit verfüge werde ich dich sowas von zutexten mit meterlangen Aufsätzen warum dieser Film die Höchstnote und nichts als die Höchstnote verdient hat :twisted: ;)


Für deine Bilder kriegst du jedenfalls die Höchstnote! :thup: Sogar die Kleidung passt ...

...und weil ich keinen Bericht ohne Anekdote beenden kann: Als ich den Brunnen-Platz verließ war ich im Gespräch und da mir das Wort Turin nicht auf die Schnelle einfiel :palm: sagte ich einfach "Profondo-Rosso-Stadt". Ein fremder Italiener der vor mir ging bleibt plötzlich stehen und dreht sich mit einem breiten Grinsen um. Er hat von meinem Deutsch nichts verstanden außer die Worte "Profondo Rosso" und zeigt lachend auf den Platz von dem ich gerade komme...das hat mich im tiefsten Grunde meines Herzens erfreut :mrgreen:


Herrlich! Zeit, Turin umzubenennen.
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon jogiwan » 19. Jan 2012, 19:43

ich bin letztens zufällig im Netz über das stylische Bild gestolpert...

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Hat jemand eine Ahnung, ob das wirklich jemals verwendet wurde, ist das eine Fan-Art-Geschichte?
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon purgatorio » 19. Jan 2012, 19:50

während der Fred also in seelenruhe die riesigen Bilder vom Dottore Nummero Duo zu laden beabsichtigte, fiel mir doch glatt auf wie erschreckend stark der Wasserdruck im Brunnen im Laufe der Jahre abgebaut hat :nick:

DrDjangoMD hat geschrieben:
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:?

Jogi, ich hab keinen Plan. In der Tat ist's aber ein sehr schönes Poster :thup:
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon igore » 25. Jan 2012, 20:25

erscheint nun auch als bd/dvd kombo von xt/nsm:
http://shop.dtm.at/product_info.php?products_id=47078
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon jogiwan » 25. Jan 2012, 20:45

thx für die Info - schon im Kalender ergänzt! :)
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Re: Deep Red - Dario Argento

Beitragvon horror1966 » 28. Okt 2012, 18:56

Nachdem Dario Argento gleich mit seinen ersten 3 Regie-Arbeiten das Sub-Genre des Giallo bereichert hat und damit gleichzeitig seine sogenannte Tier-Rrilogie schuf, entstand 1975 mit "Profondo Rosso" einer der besten Giallo's überhaupt, der auch bis in die heutige Zeit die meisten Fans regelrecht in Verzückung versetzt. Dabei gibt es nicht wenige Menschen, die hier eine teilweise nicht ganz logische-und fragwürdige Geschichte erkennen und in einigen Punkten mag das wohl auch durchaus der Fall sein. Nichtsdestotrotz ändert das überhaupt nichts an der vorhandenen Klasse eines Filmes, der in seiner Gesamtheit immer wieder aufs Neue fasziniert und dem Zuschauer ein extrem interessantes Szenario bietet, das insbesondere durch die unglaubliche Bildgewalt überzeugt, die hier durchgehend sehr stark zur Geltung kommt. Einmal mehr ist es Argento's Spiel mit den Farben, das einen fast unweigerlich in den Bann zieht und stellenweise schon eine fast hypnotische Wirkung hinterlässt. Erstklassige Kamerafahrten tun dabei ihr Übriges, um den Betrachter immer tiefer in das größtenteils mysteriöse Geschehen hineinzuziehen, so das man sich letztendlich in einem sogartigen Strudel wiederfindet, aus dem es beim besten Willen kein Entkommen gibt. Auch wenn die Geschichte einige vielleicht nicht ganz sinnvolle Momente beinhaltet, offenbart sie insgesamt gesehen absolut hochklassige Filmkost aus Italien, denn die Abläufe der Ereignisse bieten einem ein wunderbares Puzzle, das man mit zunehmender Laufzeit immer weiter zusammensetzen kann.

Tief ineinander verschachtelt werden dem Zuschauer immer kleine Häppchen hingeworfen, die erst kurz vor dem Ende einen Überblick über die Gesamtzusammenhänge offenbaren, wodurch sich der dramaturgisch erstklassig aufgebaute Spannungsbogen bis zur letzten Minute aufrecht erhalten kann, ohne dabei irgendwelche Einbrüche erkennen zu lassen. Selbst einige auf den ersten Blick scheinbar belanglose Einstellungen wirken wie einzigartige Mosaiksteinchen, die ein absolut herausragendes Ganzes erkennen lassen. Lediglich der von Argento an einigen Stellen eingebaute Humor mag auf den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, doch selbst dieser Aspekt ist meiner Meinung nach eine absolut perfekte Ergänzung einer Story, die einen von der ersten bis zur wirklich letzten Minute vollkommen fesselt. Untermalt wird alles von einem grandiosen Score, für den einmal mehr die Band Goblin verantwortlich zeichnet, deren Musik einfach absolut unverwechselbar erscheint. Dabei ist insbesondere die immer stärker anschwellende Musik in den Spannungs-Passagen ganz besonders hervorzuheben, unterstützt sie doch zusätzlich die von Haus aus schon grandios dichte Atmosphäre der Geschehnisse und löst auch beim Betrachter ein äußerst intensives Gefühl aus, da man förmlich auf die Entladung der dadurch aufgebauten Spannung hinfiebert. Argento zögert diese Momente sehr gekonnt hinaus und versetzt einen damit phasenweise in einen Zustand, das man es kaum noch aushalten kann, die dabei entstehende Intensität kann man nicht wirklich in Worte fassen, man muss sie einfach selbst erleben.

In schauspielerischer Hinsicht hat "Profondo Rosso" auch eine ganze Menge zu bieten, denn mit David Hemmings (Blow Up) und Daria Nicolodi (Shock, Phenomena) hat man vor allem die beiden Hauptrollen nahezu perfekt besetzt. Die teilweise stattfindenden Neckereien der beiden untereinander lockern das Szenario streckenweise ein wenig auf und sorgen dafür, das man wenigstens für einige kleinere Momente einmal durchatmen kann, bis man sich gleich darauf wieder auf die geheimnisumwitterten Abläufe konzentriert, die einen ganzzeitig mit einer Art Bannstrahl an sich binden. Zu der vorhandenen Faszination der kräftigen Bildsprache des Filmes tragen sicherlich auch die wunderbaren Schauplätze bei, ich möchte hier nur an die Einstellung erinnern, in der sich Carlo und Marc in einem meterweiten Abstand voneinander auf einem großen Platz darüber unterhalten, welche Beobachtungen Marc in der Wohnung der Ermordeten gemacht hat und sich nun nicht mehr erinnern kann. Das Aufziehen der Kamera und die damit verbundene Großeinstellung der Location hinterlässt einen gigantischen Eindruck und verbleibt nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters. Solche Momente gibt es wirklich in großer Anzahl und diese sind in meinen Augen zu den absoluten Höhepunkten dieses Werkes zu zählen.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier wohl um eine der mit Abstand besten Arbeiten von Dario Argento, der mit "Profondo Rosso" einen zeitlosen Klassiker geschaffen hat, der im Laufe der Jahre rein gar nichts von seinem einzigartigen Reiz eingebüßt hat. Ganz egal wie oft man sich diese Geschichte auch anschaut, sie schafft es immer wieder spielend, einen von der ersten Einstellung an in ihren hypnotischen Bann zu ziehen. Nicht umsonst wird dieser Film von etlichen Fans regelrecht verehrt und besitzt vollkommen zu recht den Status, zu den allerbesten Vertretern seiner Art zu zählen. Zu den etlichen bisher erschienenen Veröffentlichungen hat sich vor Kurzem auch eine Version von Ascot Elite gesellt, die zwar leicht gekürzt, aber dennoch durchaus zu empfehlen ist. Erstens handelt es sich um eine Kürzung von gerade einmal knapp 15 Sekunden, zum anderen sind die Schnitte gut gesetzt und für Neueinsteiger nicht zu erkennen. Gerade für diese erscheint diese DVD empfehlenswert, denn wenn man einmal für kleines Geld in das Genre hineinschauen möchte, ergibt sich hier die Möglichkeit dazu. Echte Sammler werden selbstverständlich nicht darauf anspringen, müssen aber auch einen höheren Preis für ein paar Sekunden mehr bezahlen.


Fazit:


Rein filmisch handelt es sich hier um eine echte Granate, auch wenn die Geschichte vom Logischen her eventuell diverse Fragen nicht beantwortet. Ich persönlich kann locker darüber hinwegsehen und mich jedesmal wieder an einem farbenprächtigen Giallo ergötzen, den jeder Fan in der Sammlung haben sollte. Argento zieht hier wirklich alle Register und präsentiert eine Gesamt - Komposition, vor der man sich nur ehrfurchtsvoll verneigen kann.


9,5/10
Bild Big Brother is watching you
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