Das unheimliche Auge - Lamberto Bava (1987)

Bava, Argento, Martino & Co. Schwarze Handschuhe, Skalpell & Thrills

Moderator: jogiwan

Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon jogiwan » 15. Mär 2012, 19:45

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Ein Jahr nach dem Unfalltod des Erotik-Verlegers Carlo kehrt dessen dralle Frau und Ex-Erotik-Starlet Gloria (Serena Grandi) nach Rom zurück um gemeinsam mit ihrem kreativen Bruder Toni (Vanni Corbellini) und der Vertrauten Evelyn (Daria Nicolodi) das Männermagazin „Pussycat“ zu führen. Zu diesem Zweck finden auf dem geräumigen Anwesen von Gloria unter der Leitung des Fotografen Roberto (David Brandon) auch ein Fotoshooting mit der hübschen Kim und zwei weiteren Grazien statt, das als Titelblatt für die nächste Ausgabe verwendet werden soll. Als die hübsche Kim am selben Abend nach einem gemeinsamen Dinner das Haus verlässt, wird sie von einem maskierten Killer grausam ermordet.

Obwohl die Tat von dem körperbehinderten Nachbarn Marc (Karl Zinny) beobachtet wird und dieser die Tat auch seinem Schwarm Gloria berichtet, finden sich wenig später jedoch keine Hinweise auf eine Bluttat. Da Marc auch in der Vergangenheit bereits durch sein seltsames Verhalten und Stalking von Gloria aufgefallen ist, wird seinen Worten auch keinen Glauben geschenkt. Das ändert sich, als mit Erscheinen der neuen Ausgabe auch der Leichnam von Kim, sowie Fotos in der Redaktion eintrudeln, die das tote Fotomodel vor dem Plakat eines Erotikfotos aus Glorias Vergangenheit zeigen.

Die Polizei tappt im Dunkeln und auch Gloria ist ratlos, wer für den Mord ihres Fotomodells verantwortlich sein könnte. Der Mord sorgt aber für zusätzliche Publicity und die Auflage von „Pussycat“ muss aufgrund der starken Nachfrage sogar erhöht werden. Als auch ein weiteres Model namens Sabrina nach einem Shooting spurlos verschwindet und der Leichnam samt Fotos wenig später gefunden wird, ist Gloria überzeugt, dass es der Psychopath auch auf sie abgesehen haben könnte. Tatsächlich gerät die hübsche Verlegerin schon wenig später ins Visier des Killers und somit auch ihr persönliches Umfeld in größte Gefahr…

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Der am 03.April 1944 in Rom geborene Lamberto Bava hat ja als Filmemacher die etwas unglückliche Ausgangslage, dass er als Sohn von Regie-Legende Mario Bava natürlich auch stets an dem Schaffen seines Vaters gemessen wird. Während die Filme von Mario Bava jedoch – wenn auch mit etwas Verspätung - zu den Klassikern des fantastischen Films gezählt werden, stehen die Werke von Bava Junior aber eher in der Kritik und auch unter Italo- und Horrorfilmfans ist das Output von Lamberto nicht unumstritten.

Neben „A Blade in the Dark“, (1984) und „Midnight Killer“ (1985) ist „Le Foto di Gioia“ bzw. „Das unheimliche Auge“ der dritte Streifen von Lamberto Bava, der dem Giallo-Genre zuzurechnen ist, dessen Trademarks seinerzeit im Jahre 1964 von sein Vater erstmals in dem Streifen „Blutige Seide“ vereinigt wurde und in den Siebzigern seine Glanzzeiten hatte. In den Achtzigern hingegen war nicht nur das Publikum von derartigen Thrillern gesättigt, sondern auch gleich die gesamte italienische Kinolandschaft in der kreativen Krise.

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„Das unheimliche Auge“ kann daher dann natürlich weder optisch noch inhaltlich an die großen Klassiker des Genres anschließen. Dabei steht die Geschichte der drallen Verlegerin und Ex-Prostituierten Gloria in High-Society-Kreisen und die etwas haarsträubende Auflösung ja eigentlich in bester Giallo-Tradition und wird Fans auch sicher nicht enttäuschen. Die Krimi-Handlung im Umfeld des Erotik-Magazins bietet dann ja auch genügend Möglichkeit, die für ihre Erotik-Rollen bekannte Hauptdarstellerin Serena Grandi und andere Kolleginnen ins richtige Licht zu rücken.

Der Streifen zählt dann auch definitiv nicht zu den Highlights des Genres, macht aber mit ein paar Einschränkungen durchaus Laune und erfreut sich aufgrund einiger netter Einfälle und erhöhtem Sleaze-Anteil auch durchaus großer Beliebtheit. „Le Foto di Gioia“ bietet ja dann auch ein paar durchaus erinnerungswürdige Szenen und das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern wie Daria Nicolodi, Capucine und George Eastman und eben auch Serena Grandi und Sabrina, zu Mitte der Achtziger auch als absolute Sexsymbole galten und dementsprechend die Fantasien der Männerwelt beflügelten.

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„Das unheimliche Auge“ hat auch zweifelsfrei ein paar großartige Momente, wie zum Beispiel den Mord an Kim, der aus der verzerrten Sicht des psychopathischen Killers gezeigt wird und wohl auch bei der deutschen Titelgebung ein Wörtchen mitzureden hatte. Auch die Ausleuchtung mit intensiven Rot und Blautönen erinnert an die Werke von Lambertos Erzeuger und werden dem aufgeschlossenen Italo-Fan, der sich an der etwas gewöhnungsbedürftigen Achtziger-Optik nicht stört, sicherlich auf Gegenliebe stoßen.

Für Leutchen, die mit den Achtzigern aber so ihre Problemchen haben, ist Bavas 1987 entstandener „Das unheimliche Auge“ schon eine ziemliche Herausforderung sein. Das Interior ist mit PVC-Möbeln und grauenvollen Wohnzimmer-Einrichtungen in einem Farbspektrum von weiß bis beige nahezu skandalös und auch die Outfits der handelnden Personen inklusive mint-farbenden Kostümchen, toten Tieren, Schulterpolstern und Dauerwelle einfach nur grottig. Dazu gesellt sich dann auch ein für die Zeit typischer Sound-Dreck von Simon Boswell, der mich ebenfalls nicht zu Begeisterungsstürmen animiert.

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Bei den Darstellern hingegen gibt es nicht viel zu meckern und die Rolle der Gloria ist Serena Grandi dann auch perfekt auf den etwas üppigen Leib geschrieben. Auch schauspielerisch ist ihre Leistung ganz solide und auch Daria Nicolodi sieht man als Italo-Nerd ja immer wieder gerne. Auf der männlichen Seite glänzt George Eastman in einer kleinen Rolle als Frauenheld Alex, David Brandon als schwuler Fotograf Robert („Stagefright“) und Charaktergesicht Lino Salemme („Dämonen“) als Inspektor Corsi.

Unterm Strich bleibt ein sleaziger, spaßiger und durchaus auch etwas trashiger Spät-Giallo von Lamberto Bava mit netter Geschichte, lustiger Auflösung und jeder Menge nackter Haut von Achtziger-Schönheiten, die im Gegensatz zur heutigen Zeit mit viel Natürlichkeit punkten. Technisch gibt es ebenfalls nicht viel zu meckern und auch wenn Mario Bavas Werke auf aufgrund ihrer Entstehungszeit in einer anderen Liga spielen, so hat der Sohnemann doch viel von visuellen Talent seines Vaters gelernt und nach den Möglichkeiten seiner Schaffensperiode umgesetzt. Der sympathische und gut-gelaunte Cast rettet ebenfalls einiges und so gibt’s an dieser Stelle dann auch ohne Italo-Fanbrille gerne 7 von 10 Punkten!

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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon buxtebrawler » 16. Mär 2012, 00:00

Danke für die ausführliche Vorstellung, jogi. Wenn Lamberto-Fan freudstein sich den holt, guck ich den mal mit 8-)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon dr. freudstein » 16. Mär 2012, 00:12

buxtebrawler hat geschrieben:Danke für die ausführliche Vorstellung, jogi. Wenn Lamberto-Fan freudstein sich den holt, guck ich den mal mit 8-)



Ach, ich soll wieder in die Tasche (mit großem Loch) greifen :( (ich nörgel). Und mir dann die ganze Zeit das Gejammer anhören :palm: (er nörgelt). Aber der fehlt mir natürlich noch der Film, ein Umstand, den ich ändern muß. Der Mensch braucht Ziele, nun hab ich eins 8-)
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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon buxtebrawler » 16. Mär 2012, 00:22

dr. freudstein hat geschrieben:Ach, ich soll wieder in die Tasche (mit großem Loch) greifen :( (ich nörgel). Und mir dann die ganze Zeit das Gejammer anhören :palm: (er nörgelt). Aber der fehlt mir natürlich noch der Film, ein Umstand, den ich ändern muß. Der Mensch braucht Ziele, nun hab ich eins 8-)


Forenregel Nr. 789: Für Lamberto-Filme ist dr. freudstein zuständig, damit auch der bux einmal in ihren zweifelhaften Genuss kommt Bild

Wie schneidet der denn im Vergleich zu "A Blade in the Dark" ab?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon DrDjangoMD » 16. Mär 2012, 10:33

Ja, wieder so eine schöne Kritik mit so schönen Bilderchen...wenn ich "Das unheimliche Auge" irgendwo sehe, werde ich es kaufen :thup: (nicht, dass ich das nicht sowieso getan hätte :pfeif: )
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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon reggie » 17. Mär 2012, 17:55

Hey hab ich vorgestern auch angesehen....

Ich frage mich da weshalb der gute Lamberto der Frau das dieses grosse Auge verpasst hat und der anderen den Bienenkopf???? Was sollte das :lol: Ich fand dass passte gar nicht richtig in den Film rein....


Ja ein netter Spätgiallo dem etwas weniger Trash besser gestanden hätte finde ich!

Für die meisten sind ja der hauptsichtungsgrund eh die drallen Möpse der Grandi ;)
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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon jogiwan » 17. Mär 2012, 18:04

reggie hat geschrieben:Ich frage mich da weshalb der gute Lamberto der Frau das dieses grosse Auge verpasst hat und der anderen den Bienenkopf???? Was sollte das :lol: Ich fand dass passte gar nicht richtig in den Film rein....


Also ich empfand diesen Blickwinkel des psychopathischen Killers auf seine Opfer als durchaus stimmig, weil sich ja auch die Farbgebung ändert. Ich mochte das...
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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon ugo-piazza » 17. Mär 2012, 20:57

jogiwan hat geschrieben:Titelblatt


Tittelblatt! :opa: :D


Ja, der ist schon seeeehr 80er. Der Bux wird ihn lieben.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon buxtebrawler » 17. Mär 2012, 23:09

ugo-piazza hat geschrieben:Ja, der ist schon seeeehr 80er. Der Bux wird ihn lieben.


Abwarten. Es gibt geil-80er und scheiße-80er.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das unheimliche Auge - Lamberto Bava

Beitragvon Blap » 22. Mär 2012, 00:31

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Kleine Hartbox von CMV (Cover B)


Das unheimliche Auge (Italien 1987, Originaltitel: Le foto di Gioia)

Lust auf Brust? Immer!

Vor einem Jahr kam ihr Gatte bei einem Autounfall ums Leben, doch inzwischen hat Gloria (Serena Grandi) sich mit dem unerwarteten Verlust abgefunden. Zur Erbmasse zählt nicht nur eine luxuriöse Villa, auch das erotische Magazin "Pussycat" gehört nun dem ehemaligen Fotomodell, Gloria denkt sogar ernsthaft über ihre Rückkehr vor die Kamera nach. Lediglich die merkwürdigen Anrufe ihres im Rollstuhl sitzenden Nachbarn Mark (Karl Zinny) nagen ein wenig an den Nerven der Schönheit. Ständig belästigt sie das Bürschlein mit seinen sexuellen Phantasien, beobachtet darüber hinaus ihr Anwesen per Teleskop. Nach einem vom ihm aus der Ferne begafften Fotoshooting in Glorias Pool, macht der aufdringliche Nachbar am Abend eine grauenvolle Beobachtung. Kim (Trine Michelsen), ein junges und attraktives Model, wird von einer unbekannten Person auf bestialische Weise ermordet, ihr Körper durch den brutalen Angriff in den Swimmingpool geschleudert. Gloria mag dem aufgeregt anrufenden Mark zunächst keinen Glauben schenken, wirft schliesslich aber einen Blick auf den angeblichen Tatort. Zorn steigt in der Hausherrin empor, denn von Kim ist nichts zu sehen, Gloria geht von einem geschmacklosen Scherz aus. Wenig später erscheint die neue Ausgabe ihres Magazins, Kim ziert das Titelblatt. Als Fotos der offenbar tatsächlich getöteten Blondine auftauchen ist das Entsetzen gross! Für zusätzliche Panik sorgt der für die Fotos benutzte Hintergrund, ein altes Bild von Gloria! Inspektor Corsi (Lino Salemme) übernimmt die schwierigen Ermittlungen, der Kriminalist kann die in den Fall involvierten Personen nur mühsam beruhigen, denn es mangelt an einer ersten heissen Spur, einem klar erkennbaren Motiv. Gloria sucht Halt bei ihrem Bruder Tony (Vanni Corbellini), der sich wie ihre Mitarbeiterin und Freundin Evelyn (Daria Nicolodi) um sie kümmert. Ein wenig Trost und Ablenkung kündigt sich in Form von Alex (George Eastman) an, mit dem Gloria vor ihrer Ehe Tisch und Bett teilte. Derweil steht dem Killer der Sinn nach weiteren Untaten...

Lamberto Bava war laut eigenen Angaben nie ein grosser Fan des Giallo. Umso erfreulicher mutet es daher an, dass seine Beiträge zu diesem wundervollen Genre von durchaus gelunger Natur sind. Da wäre z. B. "A Blade in the Dark" aka "Das Haus mit dem dunklen Keller" (La casa con la scala nel buio, 1983), der mit einfachen Mitteln eine intensive Atmosphäre zu erzeugen vermag, nicht zu vergessen der unterhaltsame "Midnight Ripper" (Morirai a mezzanotte, 1986). Sicher, die grosse Zeit des Giallo waren die siebziger Jahre, die grosse Zeit des italienischen Genrekinos neigte sich in den Achtzigern dem Ende zu, zog auch den Giallo langsam aber sicher ins Grab. Damit nicht genug, immerhin ist Lamberto der Sohn des genialen Mario Bava, der unbestritten zu den ganz grossen Meistern seiner Zunft zählte. Obschon er sich in einem schwierigen Umfeld behaupten musste, sind Lambertos Filme meist gelungen, eine Gurke wie den unsäglichen "Der Monster-Hai" (Shark rosso nell'oceano, 1984) verzeihe ich gern, Entschädigungen sind nicht nur im Form der bereits erwähnten Gialli vorhanden, auch Streifen wie "Dämonen 2" & "Dämonen" (Demoni & Demoni 2, 1985/86) und "Blastfighter" (1984) können sich meiner Zuneigung sicher sein. Liebe Nörgler, gebt Lamberto eine Chance, die Werke des kleinen Bava sind viel besser als ihr Ruf!

Ich nehme mir immer erfolglos aufs Neue vor, in Kurzkommentaren zu Filmen von Lamberto nicht dessen Vater Mario zu erwähnen. Ein Unterfangen ohne Erfolgsaussicht, denn Lamberto hat sich viel bei seinem Vater abgeschaut, stellt in seinen Arbeiten eindeutig Bezüge zu dessen Werk her. Er bewegt sich oft auf den Spielwiesen des alten Herrn, fröhnt dem Giallo und dem Horror, spielt gern mit Schatten und Farben. Ja, die Farbgestaltung ist ein grosses Thema, allzu gern taucht Lamberto die Kulissen in kühle Blautöne, bissiges Rot oder die nahezu steril anmutende Helligkeit der achtziger Jahre. Ist das grosse Kunst, ist das grobschlächtige Effekthascherei? Ehrlich, mir ist es egal. Für manchen Betrachter mag diese "pralle Dosis Achtziger" (inklusive entsprechendem Soundtrack) schwer verdaulich sein, ich kann inzwischen mit entspanntem Wohlwollen auf dieses Jahrzehnt zwischen schrillen Farben, quietschigen Keyboards und Angst vor dem Atomkrieg zurückblicken. "Das unheimliche Auge" bietet mehr als nur jede Menge Achtziger! Das Drehbuch streut hier und da Verdachtsmomente, zugegebenermaßen manchmal auf recht plumpe Art, es gibt irre Einfälle zu bestaunen, spürbare Durchhänger leistet sich die Sause nicht. Die wichtigste Zutat trägt jedoch einen äusserst klangvollen Namen: Erotik!

Erotik? Sexappeal? Lust? Die Antwort auf diese Fragen: Serena Grandi! Hölle, was für ein unglaublich scharfes Vollweib, mir läuft noch immer der Geifer aus dem Mundwinkel! Diese Kurven, dieser Blick, dieser Gang! Ich möchte mit Anlauf in die Glotze springen, um mich an Serena Grandis Früchten zu verlustieren. Diese Sexgöttin ist die nahezu perfekte Verkörperung meines Beuteschemas (ich ringe um Fassung. Bevor mein Geschwurbel nun völlig ausser Kontrolle gerät, beende ich meine Ausführungen über die Vorzüge der Frau Grandi). Serena überzeugt nicht nur (was heisst hier "nur"?) auf erotischer Ebene, ihre schauspielerischen Fähigkeiten sind keinesfalls peinlich oder unfreiwillig komisch. Bleiben wir bei den Damen. Daria Nicolodi sehen wir als mütterliche Freundin der Hauptfigur, diese Rolle ist ihr quasi perfekt auf den Leib geschneidert. Nicolodi wirkt bekanntlich oft eher brav und bieder, vor allem neben der teuflisch heissen Serena Grandi (es geht schon wieder los). Trine Michelsen darf sich zu Beginn im Pool räkeln, wird allerdings schnell aus dem Spiel genommen. Nett anzuschauen ist die Dame, gegen Frau Grandi stinkt sie dennoch gnadenlos ab (es reicht jetzt!). Erinnert sich noch jemand an das schlappe Trällerchen namens "Boys", Miserabler Europop aus dem Jahr 1987, dargeboten von einem Mädel namens Sabrina? Der Song war ein Griff ins Klo, doch der Videoclip zählte zu den sinnlichen Höhepunkten des Jahres! Sabrina ist in einer Nebenrolle am Start, unter ihrem vollständigen Namen Sabrina Salerno. Angenehmerweise dürfen wir ein paar Blicke auf ihre Auslagen geniessen, Sabrinchen turnt als Model durch die Kulissen. Wenn Serena Grandi auf meiner persönlichen Skala der Gier 100% erreicht, steigt der Pegel beim Anblick der scharfen Sabrina immerhin auf 95% (das Chauvischwein kann die fälligen Taler kaum noch in sich aufnehmen). Ranziges am Rande, Capucine macht uns den Gegenpol zu Grandi und Salerno. Trockenobst am Abgrund, Erdung aller Lüstlinge garantiert, bei dem Anblick flüchtet jede harte Rute freiwillig ins Lattenheim! Die Herren werden -zumindest in meinem kranken Hirn- zu Statisten, mir bleibt George "Man-Eater" Eastman in Erinnerung, den ich um sein Bad mit Serena beneide (Serena war übrigens in "Man-Eater" auch an Bord, das nur am Rande). Vanni Corbellini und David Brandon spielen solide, Karl Zinny dient als Verdächtiger mit psychotischen Zügen, Lino Salemme gibt den üblichen "unfähigen Giallo-Bullen".

"Das unheimliche Auge" macht keine Gefangenen! Während der Opening credits gibt es erotische Bilder auf die Augen, Serena Grandi bringt den Puls auf Touren! Der "Killersicht" verdanken wir groteske Masken, unbeschreiblich! Besondere Huldigung verdient das Finale. Freilich lässt Lamberto Bava den Zuschauer bereits zuvor immer wieder an Serena Grandis Vorzügen teilhaben, doch ihre "Entkleidung" während der Konfrontation mit dem Bösewicht ist ein echter Brüller! Die Klamotten fliegen wie alte Fetzen vom Leib, selbstverständlich weiss Frau Grandi was sich gehört, die Dame von Welt trägt Strapse drunter. Anschauen und geniessen! Wer den Streifen verdammen will, der wird jede Menge Ansatzpunkte finden. Wer sich aber auf diesen herrlichen Spass einlassen kann, der wird mit extrem liebenswerter Unterhaltung beschenkt. Der Giallo hat auch abseits seiner Meisterwerke und Standards viel zu bieten! Lamberto Bavas "Le foto di Gioia" ist ein kleines Schnuckelchen für aufgeschlossene Liebhaber, für Filmfreunde die nicht zum Lachen in den Keller gehen müssen.

CMV bietet "Das unheimliche Auge" in mittelprächtiger Qualität an, in erster Line schwächelt die Schärfe immer wieder. Im Bonusbereich gibt es Trailer zu sehen, dazu eine Bildergalerie und den alten "enterotisierten" Vorspann der deutschen Version. Die Scheibe kommt in einer kleinen Hartbox ins Haus, es stehen zwei unterschiedliche Covermotive zur Auswahl bereit. Keine perfekte Veröffentlichung, insgesamt kann ich aber mit der DVD leben.

7/10 (gut)

Lieblingszitat:

"Dieses Miststück wirbt uns das beste Pferd ab!"
Zuletzt geändert von Blap am 23. Mär 2012, 17:09, insgesamt 1-mal geändert.
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