Das Geheimnis der grünen Stecknadel - M. Dallamano (1972)

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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon horror1966 » 18. Jul 2011, 20:54

Nicht alle, aber es gibt reichlich Fans, die mit den letzten Titeln aus genannten Gründen nichts anfangen konnten. Ich persönlich empfinde den Film durchaus aus beiden Sichtweisen absolut sehenswert. :thup:
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon sid.vicious » 8. Aug 2011, 22:27

Alternativer Titel:
-School That Couldn't Scream, The
-Secret of the Green Pins, The
-Solange
-Terror in the Woods
-What Have They Done to Solange?
-What Have You Done To Solange?
-Who Killed Solange?
-Who's Next
Produktionsland: Deutschland, Italien
Produktion: Horst Wendlandt
Erscheinungsjahr: 1972
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Massimo Dallamano, Bruno Di Geronimo
Kamera: Aristide Massaccesi
Schnitt: Antonio Siciliano, Clarissa Ambach
Musik: Ennio Morricone
Länge: ca. 92 Minuten, Ungekürzt 102 Minuten
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Fabio Testi, Karin Baal, Joachim Fuchsberger


Henry Rossini, der Lehrer an einem Mädcheninternat, hat eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen, Elisabeth. Während eines Bootsausflugs beobachtet Elisabeth einen Mord. Rossini schenkt ihr keinen Glauben, bis am nächsten Tag der Mord in der Presse publik wird. Es kommt zu weiteren Morden innerhalb der Internatsgemeinde und Rossini gerät zusehends stärker unter Verdacht.

Das Geheimnis der grünen Stecknadel, ist eine deutsch-italienische Koproduktion unter der Regie von Massimo Dallamano, der zwei Jahre später mit Der Tod trägt schwarzes Leder, seinen wohl besten Film drehte. Warum so viel der Vorworte? Nun, da es sich um eine Edgar Wallace Geschichte handelt, die nach dem Giallo-Schema umgesetzt wurde. Eine Tatsache, die den Giallo-Liebhaber gefällt, aber das damalige Edgar Wallace Publikum aus den Kinos fernhielt.

Kein Wunder, denn das Schema hatte sich grundlegend geändert. Das Geheimnis der grünen Stecknadel zeigte, für einen Wallace-Film ungewohnte Erotikaufnahmen und auch eine gewisse Härte, die man aus den Alfred Vohrer Filmen nicht kannte. Demnach eine reichhaltige Fläche für gute Unterhaltung nach italienischem Muster.

Der Besetzungsstab ist mit deutschen und italienischen Darstellern ausgestattet. Innerhalb der Schauspielerschar, kommen Joachim Fuchsberger, Karin Baal und Fabio Testi zum Tragen, die ihre Parts routiniert runterspielen. Testi wird vom schmierigen Internatslehrer zum Privatdetektiv und Fuchsberger versucht einen Hauch von Maigret einzubringen.

Das Schöne an Das Geheimnis der grünen Stecknadel ist, dass man sich in den Bildern des Films schnell heimisch fühlt, demnach auch hier lobende Worte an den Kameramann Aristide Massacessi, besser bekannt als Joe D´Amato.

Fazit: Eine spannend inszenierte Wallace-Verfilmung, der zwar die italienische Beteiligung so richtig gut tut, sich allerdings den Vorwurf der ein oder anderen Ungereimtheit, gefallen lassen muss.



8/10
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon McBrewer » 7. Feb 2012, 01:58

Ein deutsch-italienischerKrimi Giallo, in dem lauter (halb)nackte Studentinnen herumlaufen bzw. auf grausame Weise unfreiwillig Ihr Leben beenden müssen KANN NIEMALS SCHLECHT sein. Erst recht nicht, wenn "Schmuckbeart" Fabio Testi mit von der Partie ist :D Das Geheimnis der grünen Stecknadel ist spannend bis zur letzten Sekunde, auch dank Kommissar Joachim Fuchsberger & die undurchsichtige Ehefrau Karin Baal

Und NEIN, eine typischer Edgar Wallace-Verfilmung ist das nicht...zu sehr ist der Film mit seiner Freizügigkeit & der Expliziten Gewaltdarstellung
die Morde bzw. die Abtreibungsszenne
im (italienischen) Exploitation verwurzelt. Nur der britische Handlungsort an der Themse erinnert weitläufig an die große Krimi-Serie...

Noch zur erwähnen wäre, das ja (wie ich in Hamburg zur DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER
-Aufführung erfahren durfte) Das Geheimnis der grünen Stecknadel Teil der "Schulmädchen"-Trilogie von Massimo Dallamano ist, zu der neben Der Tod trägt schwarzes Leder wohl auch noch Orgie des Todes zählt, zu dem Dallamano nur noch das Drehbuch verfassen konnte, bevor er infolge eines Autounfalls 1976 verstarb.

8/10 :thup:
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon dr. freudstein » 26. Apr 2012, 23:26

Grandioses Spitzenwerk. Erst zum Schluß werden die Motive des Täters klar. Einige sehr gialliske Bildeinstellungen werden hier geboten und insgesamt eine ziemlich nach und nach auflösende Story. Im Gesamtkonzept sicher höchstdotierend, im Vergleich reichte es bei mir allerdings nur zu

7,5/10

Allerdings Tendenz steigend
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon buxtebrawler » 3. Jun 2012, 03:22

„Da ist ein junges, blühendes Leben abgeschnitten worden wie eine welke Blume, gebrochen von einem Tier, das durch einen göttlichen Irrtum Menschengestalt angenommen hat.“

„Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ ist eine späte, auf dem Roman „Das Geheimnis der Stecknadel“ basierende Verfilmung des britischen Schriftstellers Edgar Wallace. Sie entstand im Jahre 1971 in deutsch-italienischer Koproduktion unter der Regie des Italieners Massimo Dallamano („Der Tod trägt schwarzes Leder“), ist der Auftakt zu dessen „Schulmädchen in Not“-Trilogie und hat viel mehr mit typisch italienischen Gialli gemein als mit den deutschen Edgar-Wallace-Krimis der 1950er und 1960er Jahre. Im Frühjahr 1972 kam er in die Kinos.

London: Enrico „Henry“ Rosseni (Fabio Testi, „Syndikat des Grauens“, „Racket“) ist Italienisch-Lehrer an einem katholischen Mädcheninternat und mit seiner deutschen Frau Herta (Karin Baal, „Die Halbstarken“, „Rosa Luxemburg“) verheiratet, die ebenfalls am Internat unterrichtet. Doch nebenher hat er eine Affäre mit seiner Schülerin Elizabeth (Cristina Galbó, „Das Versteck“, „Das Leichenhaus der lebenden Toten“) laufen. Als er sie eines Tages im Hyde Park trifft, wird sie Zeugin eines Mordes. Enrico schenkt ihr jedoch keinen Glauben und hält das für ein Ablenkungsmanöver Elizabeths aufgrund seiner sexuellen Avancen. Als er die schreckliche Wahrheit erfährt und weitere Schülerinnen umgebracht werden, gerät er unter Mordverdacht. Kommissar Barth (Joachim Fuchsberger, „Der Frosch mit der Maske“, „Der Mönch mit der Peitsche“) nimmt die Ermittlungen auf und auch Enrico und Herta ermitteln auf eigene Faust. Die Spuren führen zu einem Mädchen namens Solange (Camile Keaton, „I Spit On Your Grave“). Welche Rolle wird ihr in diesem mörderischen Puzzlespiel zuteil?

Bis auf seinen britischen Drehort und die zum Teil deutsche, aus vorausgegangenen Wallace-Filmen bekannte Besetzung wirkt „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ geradezu durch und durch italienisch: Da wäre zum einen die unverkennbare Kameraarbeit, mit der der berüchtigte, häufig zu Unrecht unterschätzte Aristide Massaccesi alias Joe D’Amato (Regie bei „Man-Eater“, „Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“ etc.) einmal mehr sein kinematographisches Geschick unter Beweis stellt, zum anderen der wunderbare Soundtrack von Maestro Ennio Morricone höchstpersönlich. Und natürlich der verschachtelte Aufbau der Handlung mit seinen typischen Giallo-Elementen, diesmal deutlich inspiriert von Dario Argento: Ein unschuldiger Ausländer gerät unter Mordverdacht und ist (mehr oder weniger) gezwungen, selbst zu ermitteln, jemand – hier Schülerin Elizabeth – kann sich an ein wichtiges Detail nicht mehr erinnern. Darüber hinaus bekommen wir es natürlich auch hier mit einer sexuell aufgeladenen Geschichte zu tun, deren visuelle Umsetzung mit ihren Nacktszenen gern den Weg Richtung Sleaze einschlägt; zudem war ein Mordinstrument selten so eindeutig als Phallussymbol zu erkennen wie in „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ – es wird den Opfern grausam in die Vagina gerammt.

Selbstverständlich fällt es bei einer Vielzahl gelegter Fährten auch schwer, den Mörder zu erraten, was in diesem Falle schlichtweg unmöglich ist, da der Zuschauer erst relativ kurz vor dessen Enthüllung die nötigen Informationen erhält. Bis es soweit ist, kann sich das Publikum aber an einem niveauvollen, in erstem Tonfall vorgetragenen Giallo erfreuen, der zeitweise, z.B. während der Gewitternacht, richtiggehend gruselig wird und generell eine unbehagliche Stimmung erzeugt. So ist es alles andere als einfach, nach dem ersten Mord eine Penetration nicht mit einer Messerattacke zu assoziieren, was den Erotikgehalt konterkariert. Der optische Härtegrad wird dabei verglichen mit anderen Gialli zumeist nicht überstrapaziert, hauptsächlich ist er inhaltlicher Natur und erzeugt die entsprechenden Bilder im Kopf des Rezipienten, ohne allzu viel zeigen zu müssen. Die Dialoge sind, passend zur Ernsthaftigkeit des Films, auf sprachlich recht hohem Niveau. Eine winzige komödiantische Einlage ist tatsächlich lustig, wenn auch etwas unpassend. Um den Film als Wallace-Giallo nicht ad absurdum zu führen, nimmt die Polizei genreuntypisch eine starke, dominante Rolle ein, ist nicht unfähig, sondern engagiert, was eine willkommene Abwechslung darstellt und der Dramaturgie der Handlung gut tut. Massaccesis Arbeit bietet subjektive Kameraführung, manch rasante Kamerafahrt, kreative und voyeuristische Perspektiven. Die grelle, in bunten Farben oder selbstzweckhaftem Stil gezeichnete Ästhetik anderer italienischer Thriller geht Dallamanos Film indes ab, der sich mit dem häufigen Gebrauch matter Farbtöne im nebelverhangenen England tendenziell eher dem klassischen Kriminalfilm verpflichtet zeigt.

Schönling Fabio Testi wird für seine Rolle mit einem Bart in der Tat so etwas wie Reife und Erfahrung verliehen, sein Schauspiel meistert er überraschend glaubwürdig und damit professionell und über Kritik erhaben. Ich kann mich nicht erinnern, Testi zuvor ähnlich stark gesehen zu haben. Karin Baal als seine Frau sieht selbst noch fast aus wie eine Teenagerin, durch das Drehbuch gewinnt ihre Rolle gegen Ende an Bedeutung und charakterlicher Tiefe. Generell bemühte man sich erfolgreich um facettenreiche, ambivalente Charaktere, die sich einfachen Schwarzweiß-Schemata entziehen. Bei aller entsetzlichen Dimension, die die Handlung nach und nach offenbart, fallen eindeutige Schuldzuweisungen schwer und sind nicht im Sinne der Autoren. Zudem zielt Dallamano nicht ganz so offensichtlich auf exploitative Panikmache im Zeitalter freizügiger Sexualität bereits junger Frauen ab wie im Quasi-Nachfolger „Der Tod trägt schwarzes Leder“, sondern reißt die biedere Fassade einer katholischen Lehranstalt und ihrer Doppelmoral ein. Seine jungen Protagonistinnen werden dennoch unverhohlen auf frühreife Früchtchen, die es faustdick hinter den Ohren haben, gezeichnet, von denen sich ausgerechnet diejenige, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, als die Harmloseste herausstellen wird. Das kann jedoch durchaus als Mahnung zum verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität und seinem Körper verstanden bzw. muss nicht zwangsläufig als konservative oder alibihafte Positionierung gegenüber sexueller Selbstbestimmung geschlechtsreifer Mädchen interpretiert werden. Dafür setzt sich Dallamano über weite Strecken zu sensibel und behutsam mit seinen Protagonisten auseinander und erzählt auf spannende Weise in idealem Tempo letztlich ein bewegendes, aufwühlendes Drama in tadelloser Giallo-Manier mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Wallace-erfahrenen Deutschland, das mit Joachim Fuchsberger eine Seriosität einbringt, die einerseits Kontrastpunkt zu all den kruden Versatzstücken der Mordserie ist, sich andererseits aber perfekt mit dem italienischen Kino ergänzt und „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ damit zu einem überaus starken, ernstzunehmenden Vertreter seiner Zunft macht – der vorzugsweise in seiner ungeschnittenen Fassung genossen werden sollte.

Für Giallo-Freunde ein Muss, für konservativere Wallace-Konsumenten eine interessante, im Optimalfall inspirierende Grenzerfahrung.
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 3. Jun 2012, 10:09

Aus dem Filmtagebuch des Schreckens (September 2010):


Das Geheimnis der grünen Stecknadel (Italien, Deutschland 1972, italienischer Titel: Cosa avete fatto a Solange?)

Im Januar 2010 entstand der folgende Kurzkommentar. Damals wurde die ungekürzte Version geschaut.
Cosa avete fatto a Solange? (Italien, Deutschland 1972, Originaltitel: Cosa avete fatto a Solange?)

Der Italiener Enrico Rosseni (Fabio Testi) und seine deutsche Frau Herta (Karin Baal) arbeiten in London. Beide sind Lehrer an einer kirchlichen Mädchenschule, besonders Enrico ist bei den Schülerinnen sehr beliebt. Doch damit nicht genug, der Lehrer trifft sich ständig mit der Schülerin Elizabeth (Cristina Galbó). Während eines gemeinsamen Ausflugs per Boot macht Elizabeth eine erschreckende Beobachtung, Enrico glaubt ihr allerdings nicht, er hält die Aufregung für einen Vorwand um weitere Zudringlichkeiten seinerseits zu verhindern. Am nächsten Morgen berichtet man im Radio von einem Leichenfund. Rosseni sucht von Hektik getrieben die Stelle auf, an der er Tags zuvor mit seiner Schülerin unterwegs war. Der leitende Ermittler Inspector Barth (Joachim Fuchsberger) findet bald Spuren die in Richtung der Lehrkraft weisen, doch der clevere Ermittler hält sich alle Optionen offen und konzentriert sich nicht lediglich auf eine Person. Weitere Schülerinnen werden ermordet, Enrico unternimmt mit Hilfe seiner Frau eigene Ermittlungen. Dabei stösst Enrico auf den Namen Solange, doch wer ist Solange und was ist ihr zugestossen...???

Massimo Dallamano -der leider 1976 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam- verdanken wir prächtige Filme wie: "La polizia chiede aiuto" (Der Tod trägt schwarzes Leder, 1974) und "Quelli della calibro 38" (Kaliber 38 - Genau zwischen die Augen, 1976). "Cosa avete fatto a Solange" (Englischer Titel: "What have you done to Solange?") wurde in Deutschland unter dem Titel: "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" veröffentlicht und der Edgar Wallace Reihe zugeordnet. Doch trotz deutscher Beiteiligung ist "Solange" durch und durch ein Kind des italienschen Genrekinos, mehr noch, ein Giallo der Spitzenklasse! Die deutsche Fassung wurde erheblich gekürzt, auf diese werde ich in den nächsten Wochen näher eingehen. Dieser Kurzkommentar bezieht sich also ausdrücklich auf die italiensche/internationale Version! Fabio Testi und Karin Baal agieren als Ehepaar sehr überzeugend, besonders die von Baal verkörperte Figur Herta zeigt im Lauf des Films interessante Facetten, vermag den Zuschauer zu überraschen. Joachim Fuchsberger ist die Rolle des Ermittlers wie auf den Leib geschrieben. Hier darf er sich ab und an auch bissig zeigen, bei Bedarf seine Mitarbeiter ordentlich anranzen. Cristina Galbó verdreht ihrem Lehrer den Kopf, einige Mitschülerinnen zeigen sich abgründig. Natürlich dürfen nackte Tatsachen nicht gänzlich fehlen, schliesslich müssen Umkleidekabinen vom perversen Lehrkörper bespannt werden. Bezüglich Gewalt wird "Solange" nicht ausufernd, meist sind die Taten nur angedeutet bzw. es gibt das Ergebnis ansatzweise zu sehen. Zur durchweg gelungenen Atmosphäre tragen Kamera und Musik einen erheblichen Teil bei. Das wundert nicht, denn hinter der Kamera war Aristide Massaccesi (Joe D'Amato) tätig, für den Score zeichnet Ennio Morricone verantwortlich, beide Herren sind bekanntlich Meister ihres jeweiligen Fachs.

Ein Giallo wie aus dem Bilderbuch, ich kann keine nennenswerten Kritikpunkte feststellen. Sehr gute Schauspieler, eine kurzweilige und interessante Inszenierung, herrliche Kameraarbeit und ein wunderschöner Score! Die Auflösung hinterlässt Spuren, man fühlt mit, ich kann wegen akuter Spoilergefahr leider nicht weiter darauf eingehen. Die ungekürzte Fassung des Films, wurde unter dem Titel "What have you done to Solange?" in Großbritannien und den USA auf DVD veröffentlicht. Ferner gibt es eine Scheibe aus Italien, welche die eindeutig beste Bildqualität bietet -bei einem derartig schön gefilmten Werk nicht unwichtig- und neben dem italienischen Ton auch eine englische Tonspur enthält, zusätzlich sind italienische und englische Untertitel enthalten. Der englische Ton schwächelt ein wenig, doch die Ohren gewöhnen sich recht schnell daran, von daher kann man mit dieser kleinen Unzulänglichkeit gut leben. Alternativ bietet sich der italienische Ton an, dank der englischen Untertitel durchaus eine Option. Wer dem Giallo zugeneigt ist, wird an diesem Prachtstück von Film nicht vorbeikommen!

Sehr gut bis überragend = 8,5/10

Lieblingszitat:

...but you are hiding something... ...and i don't like it!"


***

Inzwischen habe ich die deutsche Version geschaut, die leider um einige Minuten erleichtert wurde. Erwartungsgemäß wurden die Gewaltszenen entschärft, doch weitaus schwerer wiegen die zahlreichen Handlungsschnitte, die dem Film einiges von seiner Atmosphäre rauben, die den Charakteren einen Teil ihrer Tiefe entziehen.

Trotz der Kürzungen funktioniert der Film, verliert aber einen nicht unerheblichen Teil seiner Faszination. Wer einen klassischen Wallace Film erwartet, wird hier nicht die passende Spielwiese finden, denn mit den Filmen von Vohrer, Reinl und Co., hat dieses Werk von Massimo Dallamano nicht mehr viel gemein. Für Giallo Fans gehört "Solange" ohne Frage zum Pflichtprogramm, ich möchte den Film zu erweiterten Kreis der Genrespitze zählen. Schon allein die wundervolle Kameraarbeit von Aristide Massaccesi (Joe D'Amato), und der herrliche Score von Ennio Morricone sorgen für grösste Glückgefühle.

Fuchsberger als ernster Kommissar, wenn (selten) ein wenig Humor aufblitzt, dann auf sehr angenehme und dezente Art. Fabio Testi, der bereits in der frühen Phase seiner Karriere überzeugend aufspielt... ...es wäre müßig nun die Vorzüge des Films erneut aufzuzählen.

Meiner bescheidenen Meinung nach, sollte man durchaus beide Versionen gesehen haben. Schon allein deswegen, weil es sehr interessant anzusehen ist, welche Szenen man bei der Kürzung offenbar für verzichtbar hielt. Da die ungekürzte Fassung in sich absolut stimmig ist, verliert der Film durch die Kürzungen deutlich, gehört aber auch in dieser Form noch zu den besseren Streifen der Wallace Reihe von Rialto. Der Vergleich mit den älteren Rialto Produktionen hinkt sicher gewaltig, denn ausser dem aufgedrückten Stempel "Edgar Wallace", sind kaum Gemeinsamkeiten zu entdecken, auch wenn ein paar bekannte Gesichter am Start sind.

Da ich den Giallo liebe und ein Verehrer der Wallace Filme bin, bereitet mir "Stecknadel" grosse Freude. Die italienische DVD wurde bereits im zitierten Beitrag erwähnt, die deutsche Fassung findet man in der "Edgar Wallace Edtion 8". Dort sind ferner enthalten:

• Der Mann mit dem Glasauge
• Das Gesicht im Dunkeln
• Die Tote aus der Themse
• Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Die Sichtung von "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" steht unmittelbar bevor. "Halbmond" findet man auf der DVD in der gekürzten Fassung, aber erfreulicherweise auch in der ungeschnittenen Variante. Doch dazu folgt demnächst mehr...

"Cosa avete fatto a Solange?" bewertete ich mit 8,5/10 (sehr gut bis überragend). Für die deutsche Fassnung "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" bleiben diese Sphären unerreichbar, zu sehr setzen die Schnitte dem Film zu. Trotzdem (was für ein fieses Wort) ist auch die gekürzte Fassung noch immer sehr sehenswert, ich ziehe aus voller Überzeugung 7,5/10 (gut bis sehr gut). Ich wiederhole mich gern, man sollte beide Versionen gesehen haben!

Lieblingszitat:

"Da ist ein junges, blühendes Leben abgeschnitten worden. Wie eine welke Blume. Gebrochen von einem Tier, das durch einen göttlichen Irrtum Menschengestalt angenommen hat."
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon buxtebrawler » 3. Jun 2012, 12:34

Blap hat geschrieben:Lieblingszitat:

"Da ist ein junges, blühendes Leben abgeschnitten worden. Wie eine welke Blume. Gebrochen von einem Tier, das durch einen göttlichen Irrtum Menschengestalt angenommen hat."


Huch - zwei Stühle, eine Meinung :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon Blap » 3. Jun 2012, 13:41

Dennoch im Detail unterschiedlich zitiert. ;)
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon Vinz Clortho » 23. Mai 2013, 12:04

Erstsichtung. Leider spottet die Qualität der mir vorliegenden "Deluxe Collector's Edition" jeder Beschreibung. Deluxe ist hier tatsächlich nur die Beschissenheit des Bildtransfers. Die Tonqualität ist mindestens ebenso unterirdisch und schmälert den Filmgenuss in jeder nur erdenklichen Weise. Unterm Strich eine einzige Frechheit, zumal jedes mittelmäßige VHS-Tape hier locker mithalten kann. Der Film selbst bietet einen ausgeklügelten, clever verschachtelten Plot, der zahlreiche falsche Fährten legt und die Spannungsschraube bis zum überraschenden Finale anzieht. Fuchsberger gewohnt routiniert, zur Abwechslung mal etwas tougher und deutlich weniger verschmitzt als in deutschen Wallace-Produktionen - lediglich sein Hairstylist lässt eine gewisse Sorgfalt vermissen. Hauptdarsteller Fabio Testi hingegen als notorisch übellauniger Unsympath, der jegliche Identifikation des Zuschauers mit seiner Figur erfolgreich zu verhindern weiß. Ein vermeintliches Manko, das sich jedoch im weiteren Verlauf des Films als stilistisches Mittel erweist, um den Fokus des Betrachters stärker auf das Schicksal des titelgebenden Charakters zu lenken. Hervorzuheben wäre sicher noch Karin Baal als betrogene Gattin, die hier von allen Beteiligten die stärkste Leistung abliefert. Ansonsten ein durch und durch solider Vertreter des Giallo-Genres, der zwar weniger stylish ausfällt, aber dafür mit umso mehr lüstern verklemmter Schulmädchen-Optik aufwartet, was einerseits die voyeuristischen Neigungen einiger Verdächtiger reflektiert, andererseits den männlichen Kinogänger anno '72 enorm gefreut haben dürfte. Irgendwo zwischen "Reifeprüfung", behandschuhter Giallo-Ikonografie und einschlägigen Wolf C.Hartwig-Produktionen. Nicht überragend, aber durchaus lohnenswert.

6,5/10
Noch Sand und schon warm drauf.
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Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel - Massimo Dallamano

Beitragvon Prisma » 14. Sep 2014, 21:14



Joachim Fuchsberger   Fabio Testi   Karin Baal   in

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DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL / COSA AVETE FATTO A SOLANGE? (1971)
mit Claudia Butenuth, Günther Stoll, Rainer Penkert, Camille Keaton, Pilar Castel, Giovanna Di Bernardo und Christina Galbó
ein Rialto Film Preben Philipsen | Italian International Film | Clodio Cinematografica | im Constantin Filmverleih
ein Film von Massimo Dallamano


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»Ich werde mich um einen ordinären Ton bemühen!«


Die Schülerin eines katholischen Mädchenpensionats wird tot im Londonder Hyde Park aufgefunden. Sie wurde auf äußerst bestialische Weise ermordet und vom Täter fehlt bislang jede Spur. Lediglich eine grüne Stecknadel wird am Tatort aufgefunden, die für Inspektor Barth (Joachim Fuchsberger) zunächst jedoch noch keine heiße Spur darzustellen scheint. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden, und zwar der Italienisch-Lehrer Enrico Rossini (Fabio Testi), der sich zur Tatzeit mit seiner Geliebten Elizabeth (Christina Galbó) in einem Boot in unmittelbarer Nähe des Verbrechens befunden hat. Elizabeth ist ebenfalls Schülerin im Internat und konnte den Mord mit ansehen. Als ein weiteres Mädchen der Schule auf die gleiche brutale Weise getötet wird liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Serienmörder handeln dürfte. Doch nach welchem Motiv handelt er? Um sich von dem bestehenden Verdacht zu befreien, macht Enrico sich selbst auf die gefährliche Suche nach dem Unbekannten...

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Für die kurz vor dem Ende stehende Wallace-Reihe ist Gast-Regisseur Massimo Dallamano mit "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ein bemerkenswert unter die Haut gehender Thriller entstanden und man kann wohl ohne größere Diskussion von einer Art Auslese im Rahmen der langjährigen Serie sprechen. Anders als bei "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" spürt man hier trotz zeitgemäß-progressiver Inhalte noch die eindeutigere Orientierung in Richtung der Wallace-Wurzeln, vor allem in den Bereichen Schauplätze und Besetzung, aber auch die Besinnung, dass es einfach an der Zeit war, neue Impulse mitgeben zu müssen. Im Endeffekt bleibt das Prädikat echt aber genau so gerechtfertigt, wie bei jedem anderen Film der Reihe auch. Die Verbindung zwischen der neuen italienischen Marschrichtung und Grundsätzen des klassischen Konzepts ergibt nicht nur einen erfrischenden Stil, sondern es tauchen nahezu revolutionäre Ansätze auf, die unglücklicherweise nicht lange weiter geführt wurden, weil die Serie eingestellt wurde.

Dallamanos Spielfilm wird immer wieder mit einer eigenartigen Kritik aus Wallace-Fankreisen konfrontiert, die der Verlauf mit klarer Kompetenz und Wallace-Prosa aber locker wegzustecken weiß. In diesem Zusammenhang ist vielleicht die ungewohnt harte Gangart zu erwähnen, die Schocks versetzt und dies auch tun möchte, um den gewollt realen Charakter der Geschichte herauszuarbeiten. Deutsche, beziehungsweise eher klassische Anteile gehen eine sehr ausgewogene Allianz mit italienischer Herangehensweise ein, so dass der Wallace-Kosmos in einem späten und ungewohnten Glanz erstrahlen kann. Überhaupt kann man sich in den Bereichen Spannung, Tempo, Tragik und sogar weitgehend bei der Logik überhaupt nicht beklagen. Wenn man den Film insbesondere als Beitrag der Edgar-Wallace-Reihe betrachtet, ist dieses offensive Aufsprengen von alten Strukturen eine weitere, hoch interessante Komponente. Im Grunde genommen war diese Strategie auch der einzig mögliche Weg, denn nach x-Vohrer-Beiträgen en route musste die Serie am Zuschauer orientiert, und zeitgemäß reanimiert werden.

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Die Besetzungsliste vereint Teile der Wallace-Stammfraktion mit sehr überzeugenden, neuen Gesichtern. Joachim Fuchsberger als Inspektor Barth verblüfft mit einer vollkommen ungewohnten Stilrichtung hinsichtlich bekannter Strickmuster und auch im Rahmen seines eigenen Darbietungsstils. »Aber aus beruflichen Gründen muss ich mich um einen sachlichen Ton bemühen« bekommt man von ihm bei einer Befragung zu hören, die für jeden Kriminalisten die unbequemste Aufgabe darstellen müsste. Ein junges Mädchen wurde ermordet und er muss den verzweifelten Eltern nicht nur unsensible Fragen stellen und ihnen sachdienliche Antworten entlocken, sondern sie auch noch mit schrecklichen Details konfrontieren. Was generell keine leichte Aufgabe darstellt, wird durch eben die brutalen Tatumstände verschärft und Joachim Fuchsberger sieht man in einer beispiellosen Art und Weise von seiner kontrollierten und über-sachlichen Seite. Eine ungewohnte Situation für den Zuschauer, stattete er seine Figuren ausgleichsweise doch immer mit etwas Witz und leichtfüßigem Charme aus. In keinem anderen Wallace-Auftritt wird auch seine Ermittlungsarbeit derartig strukturiert geschildert und das gängige Zufallsprinzip bei der Lösung von diversen Fällen wurde hier beinahe vollkommen ignoriert.

Zwar wurde erneut ein Privatmann, beziehungsweise ein Verdächtiger mit integriert, der der Polizei wichtige Schützenhilfe leisten wird, doch man hat letztlich den Eindruck, dass Inspektor Barth und seine Mannschaft maßgeblich an der Auflösung beteiligt waren. Die unterschiedliche Präsentation der Polizei, der in diesem Zusammenhang komplette Verzicht auf unangebrachten Humor und die nüchterne Zeichnung Barths vermitteln eine hohe Glaubwürdigkeit und klassische Protagonisten-Rollen. Für Joachim Fuchsberger gilt also auch, oder vor allem hier, dass er nicht nur stets der Anforderung entsprechend, sondern auch flexibel in alle Himmelrichtungen agieren konnte. Großartig! Die Zeiten, eine hilfsbedürftige Partnerin zu suchen und neben der Hauptaufgabe amourösen Nebenbeschäftigungen nachzugehen waren also beendet, so dass man als Danebenstehender noch intensiver den Eindruck vermittelt bekommt, dass der Beruf die Berufung und außerdem die Priorität darstellt. Das Prinzip Intensivierung durch Relativierung geht vollkommen auf.

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Das persönliche Empfinden weist hier eigentlich Fabio Testi die tatsächliche Hauptrolle zu, Joachim Fuchsberger somit eher die nominelle, doch es entsteht keineswegs der Eindruck eines Revierkampfes, da die Anlegungen der Rollen deutlich unterschieden werden und empfindlich voneinander abgegrenzt sind. Fabio Testio überzeugt mit einer Art Metamorphose, vom Lehrer Enrico Rosseni der seine Schülerin verführt, über den für die Polizei dringend Tatverdächtigen, bis hin zum ebenbürtigen Protagonisten. Groteskerweise fallen hier Eindrücke positiv ins Gewicht, die normalerweise vielleicht Anlass zur Kritik geben. Testi wirkt recht ausdruckslos und darstellerisch unbeweglich, hinzu kommt dass er Zweifel an seiner Integrität nie beseitigen kann, doch aufgrund seiner privaten Ermittlungen macht er einiges an Boden gut. Man fragt sich zwar, ob er dies auch getan hätte, wenn er nicht gerade dazu gezwungen wäre, aber dennoch funktioniert es und der weitere Verlauf und das Drehbuch gehen freundlich mit ihm um. Möglicherweise liegt es auch an Partnerin Karin Baal, dass er beim Zuschauer Verständnis für sein Handeln hervorruft, denn die Berlinerin kommt zunächst in einer überaus verwirrenden Silhouette daher, sprich, es könnte einem glatt das Blut in den Adern gefrieren.

Dem Eindruck nach zehn Jahre älter aussehend, kehrt sie beruflich, als auch privat die Lehrerin heraus. Ihr unterschwelliger Zynismus und ihre Eiseskälte offenbaren einen gedemütigten und zutiefst verletzten Charakter, ihre Abwehrmechanismen sollen sie vor weiterem Schaden schützen. Auch Herta Rosseni erfährt im Verlauf eine nicht nur optische, sondern auch emotionale Wandlung, so dass das Gefüge als Paar doch noch funktionieren kann, obwohl es dem Anschein nach alles etwas zu schnell und zu einfach für ein universelles Vergeben und Vergessen ging. Karin Baal macht jedenfalls einen hervorragenden Eindruck. Ein weiterer Wallace-Veteran zeigt sich im Lehrer-Kollegium in Form von Günther Stoll. Seine drei vorher gegangenen, recht kontrastreichen Rollen geben ihm einen Hauch von Undurchsichtigkeit, jedoch beweist er in wichtigen Situationen auch Solidarität, Sachlichkeit und einen kühlen Kopf. Bei den Schülerinnen des Colleges sind im Besonderen Claudia Butenuth und Christina Galbó hervorzuheben, die nicht nur ihre körperlichen Reize zur Verfügung stellen können, sondern über die auch harte Schocks gesetzt werden. Aus vermeintlicher Stärke wird Todesangst, aus unbekümmerter Lebensfreude wird Tragik pur.

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Man kann "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" also in einer gewissen Art und Weise als Film der Umkehrreaktionen betrachten, denn der Zuschauer wird oftmals auf falsche Spuren und in dunkle Winkel der Psyche geführt. Der Aufbau von Massimo Dallamanos Beitrag ist sehr klar, erfreulich sind die durchgehend erkennbare Struktur und die recht hoch gelegte Messlatte im Sinne von diversen Qualitätsansprüchen. Egal was man in dieser Produktion sehen mag, oder vermehrt verspüren wird, sie funktioniert sowohl als italienischer Film mit deutscher Seele, oder eben als deutscher Film mit italienischem Gewand, was im übertragenen Sinne nur bedeuten soll, dass die Betrachtung als Gesamtergebnis Film hier unbedingt im Vordergrund stehen sollte. Das Thema: Wallace ja oder nein ist hier vollkommen ohne Belang und falls es doch zum Thema wird, trifft man ihn nicht auf einer sinnvollen Ebene und verpasst Einiges. Neben den erwähnten Darstellern zeigt das Drehbuch seine Stärken und die schockierenden Elemente sind zunächst schwer zu ordnen, deuten aber eine Art Realwert an und zwar insofern, dass die Polizei mit schrecklichen Verbrechen konfrontiert ist, und eben nicht mit Märchenfiguren.

Wenn, und vor allem wie der Mörder zuschlägt, wirkt schon ziemlich verstörend und der sich langsam erschließende Hintergrund der Taten wirkt nach dem Finale, beziehungsweise nachdem sich die Thematik gesetzt hat, ernüchternd und tragisch. Der psychologische Hintergrund wird in seiner straffen Erklärungsweise auf ein Minimum an dienlichen Informationen reduziert und der Plot wirkt schlussendlich nicht überfrachtet, lediglich das Finale wirkt etwas hastig konstruiert und manche Personen scheinen aus heiterem Himmel an irgendwelche Informationen gekommen zu sein, was nicht genügend durchleuchtet wird. Die traumhaft-melancholische Score von Ennio Morricone ist ein Genuss und wird dem Charakter des Filmes entsprechend jede Situation hervorragend unterstützen. Im Bereich der Bildkompositionen und der Settings werden jegliche positive Eindrücke abgerundet und es bleibt unterm Strich nur zu sagen, dass man es mit einem bemerkenswerten Film zu tun hat, der nicht nur spannend ist, sondern der auch spürbare Berührungspunkte mit geneigten Zuschauern finden wird. "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" packt von Anfang bis Ende und Scheuklappen sollte man besser direkt an der Garderobe abgegeben.
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