Blutspur im Park - Duccio Tessari (1971)

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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon sergio petroni » 5. Jul 2013, 16:34

Adalmar hat geschrieben:@DrDjangoMD
Deine Kritiken lesen sich sehr unterhaltsam, weiter so!


Dem kann ich mich nur anschließen. :thup:
Ein "Filmbericht" ebenso unterhaltend wie das Werk selbst;
zwingt geradezu zu einer Neusichtung.
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon DrDjangoMD » 5. Jul 2013, 18:34

sergio petroni hat geschrieben:
Adalmar hat geschrieben:@DrDjangoMD
Deine Kritiken lesen sich sehr unterhaltsam, weiter so!


Dem kann ich mich nur anschließen. :thup:
Ein "Filmbericht" ebenso unterhaltend wie das Werk selbst;
zwingt geradezu zu einer Neusichtung.


:oops: :oops: :oops: Danke euch :prost:
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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon ugo-piazza » 5. Jul 2013, 23:28

Adalmar hat geschrieben:@DrDjangoMD
Deine Kritiken lesen sich sehr unterhaltsam, weiter so!
Für mich kein Genrefavorit, aber schon ein für den Fan sehr zu empfehlender Beitrag, der sich dadurch hervorhebt, dass Polizeiarbeit und Justiz deutlich ernster genommen werden als sonst üblich (so habe ich es zumindest in Erinnerung).


Würde ich unterschreiben. Sehr schön übrigens, wenn der Kommissar die Qualität der Aufnahme eines Klavierkonzerts von Tschaikowsky lobt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon dr. freudstein » 6. Jul 2013, 02:31

Nello Pazzafini hat geschrieben:Bild


Das Plakat hab ich auch, nur den Film noch nicht :oops:
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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon buxtebrawler » 6. Nov 2015, 22:16

Zwischen seinen beiden Gialli „Das Grauen kam aus dem Nebel“ und „Der Mann ohne Gedächtnis“ drehte der italienische Genre-Regisseur Duccio Tessari im Jahre 1971 „Das Messer“ alias „Blutspur im Park“, der ebenfalls dem gelblichen Genre der heimtückischen behandschuhten Morde zuzurechnen ist, sich dabei jedoch wesentlich stärker als andere Genrevertreter dem klassischen Kriminalfilm verbunden zeigt.

Im Stadtpark in Bergamo wird die junge Französin Françoise Pigaut (Carole André, „Von Angesicht zu Angesicht“) erstochen. Die Indizienlage scheint eindeutig, der populäre Fernsehmoderator Alessandro Marchi (Giancarlo Sbragia, „Komm, süßer Tod“) wird verhaftet und für schuldig befunden. Dennoch folgen weitere Morde mit ganz ähnlicher Vorgehensweise, die Zweifel an Marchis Schuld aufkommen lassen. Spielt es evtl. eine Rolle, dass Marchis Anwalt Giulio Cordaro (Günther Stoll, „Der Pfarrer von St. Pauli“) ein Verhältnis zu dessen Frau (Ida Galli, „Der schöne Körper der Deborah“) unterhält? Welche Rolle spielt Marchis Tochter (Wendy D'Olive, „Priester, du sollst nicht ohne Liebe leben“) dabei? Hat eventuell der junge Giorgio (Helmut Berger, „Die Verdammten“) etwas mit den Morden zu tun?

Nach seinem eröffnenden Mord, der unmittelbar die hübsche Françoise dahinrafft, erscheint „Blutspur im Park“ lange Zeit wenig gialloesk: Beinahe zwei Drittel der Handlung spielen sich vornehmlich im Gerichtssaal ab oder zeigen die polizeiinterne Ermittlungsarbeit in Person Inspektor Berardis (Silvano Tranquilli, „Dracula im Schloss des Schreckens“). In Form von Rückblenden jedoch wird das Leben Françoise Pigauts beleuchtet und die Dame im Zuge dessen charakterisiert, wodurch sie zu einem Opfer mit einer wirklich Identität wird, zu einem, das einen wirklich interessiert. Die gesamte Zeit über kommt Tessaris Film auch mit nur drei Morden aus, die wenig spektakulär inszeniert, geschweige denn ausgewalzt werden. Nach einer knappen Stunde jedoch reichert Tessari seinen Justizkrimi umso kräftiger mit Giallo-Ingredienzien an: Sexualität tritt in den Vordergrund und psychische Abgründe tun sich auf.

Dabei wirft „Blutspur im Park“ eine Frage nach der anderen auf, verleitet zum Miträtseln, treibt das klassische Whodunit? auf die Spitze – bleibt dabei trotz allem bzw. gerade wegen dieser Sorgfalt im Spiel mit dem Zuschauer überraschend, nun ja, seriös, hält sich mit übertriebenen Überzeichnungen ebenso zurück wie mit hanebüchenen Unwahrscheinlichstkeiten, rückt derweil wenig vertrauenserweckende Personen ins Licht, von denen eine abgründiger als die andere erscheint. Und so gelingt es Tessari im Gegensatz zum einen oder anderen Genrekollegen dann auch tatsächlich, am Ende das Puzzle zu vervollständigen, ohne noch einmal mit der Schere an die Einzelteile heranzumüssen. Die Auflösung erscheint für Giallo-Verhältnisse nachvollziehbar und schlüssig, die gestreuten roten Heringe stinken nicht gen Himmel, das Ende gleicht einem Aha-Erlebnis und wurde zudem eindrucksvoll inszeniert.

Atmosphärisch bewegt sich „Blutspur im Park“ ebenfalls auf gehobenem Niveau und profitiert für seine Melancholie und sein subtiles, diffuses, doch stetes Unbehagen von Gianno Ferrios Filmmusik, die auf einem Klavierkonzert Tschaikowskis basiert, weshalb man auf quasi jegliche Effekthascherei verzichten kann. Aufgelockert wird diese Stimmung durch das sich wiederholende Witzmotiv zwischen dem Kaffee verabscheuenden Inspektor und seinem ihm immer wieder einen anbietenden Assistenten (Peter Shepherd). Auch schauspielerisch erlaubt man sich keine Ausreißer und die internationale Besetzung samt deutsch(sprachiger) Beteiligung lässt aufhorchen. All diese positiv hervorzuhebenden Eigenschaften entschuldigen in gewisser Weise dafür, dass „Blutspur im Park“ letztlich dann doch für meinen Geschmack etwas zu bieder geriet, zu selten expressiv aus seiner vorgefertigten Bahn herausbricht, irgendwie zu zurückhaltend und brav bleibt, zudem den Zuschauer zu lange auf Distanz hält, ihn zum unbeteiligten Beobachter degradiert, der sich erst langsam Zugang zu den Charakteren verschafft. Mit all seinen klassischen Kriminalfilm-Versatzstücken in Kombination mit seinen Giallo-Elementen erinnert „Blutspur im Park“ dabei interessanterweise gewissermaßen an Tessaris „Ringo“-Western, die wiederum wie Hybriden aus US- und Italo-Western wirkten.

Einem Publikum mit entsprechend angepasster Erwartungshalt eröffnet Tessari mit „Blutspur im Park“ nichtsdestotrotz einen sehenswerten, gerade dank seines raffinierten Finales gut gelungenen, spannenden und unterhaltsamen Film mit düsterer, trauriger Note, der am besten unabhängig von allzu engen Genre-Schubladen betrachtet werden und als das genossen werden sollte, was er ist.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari

Beitragvon jogiwan » 6. Mai 2016, 18:09

:o

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Hier kommt eine Überraschungsankündigung -- aus Timing-Gründen dieses Mal ohne Quiz: Wir werden in Zusammenarbeit mit Arrow Video Duccio Tessaris grandiosen Giallo UNA FARFALLA CON LE ALI INSANGUINATE (BLUTSPUR IM PARK aka DAS MESSER) von 1971 auf Blu-ray und DVD herausbringen. Die Extras werden üppig sein, unter anderem eine von Freak-O-Rama und uns produzierte Doku über Tessaris Gesamtwerk mit vielen Interviews.


quelle: camera obscura @ fb

Wow! :prost:
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari (1971)

Beitragvon ugo-piazza » 6. Mai 2016, 22:29

:thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Blutspur im Park - Duccio Tessari (1971)

Beitragvon Paco » 31. Okt 2016, 09:33

Nachdem der hochgeschätzte Forenkollege Dr. Django MD mir während unseres Forentreffens den Film ausdrücklich ans Herz gelegt hat, konnte ich mir "Blutspur im Park" unlängst endlich zu Gemüte führen - die Blu-ray lag schon eine Weile bei mir herium und wartete auf Sichtung. Natürlich waren meine Erwartungen nach den Lobeshymnen des Dottore entsprechend hoch gesteckt, was sich aber beim Anschauen des Films nicht als Nachteil erwies: Wir haben es hier tatsächlich mit einem Meisterwerk zu tun, sowohl inhaltlich als auch formal. Neben der hervorragenden Story und den durch die Bank sehr guten darstellerischen Leistungen hat mich der Film auch auf rein handwerklicher Ebene total begeistert: visuell und schnittechnisch absolut auf Augenhöhe mit den Giallos von Argento, ohne jedoch den Meister zu kopieren. Im Vergleich kommt Argentos Stil verspielter und etwas eleganter, Tessaris Stil dafür präziser, ohne dabei aber jemals wie ein Dokumentarfilm zu wirken.

Ich bin wirklich froh, diesen Film endlich gesehen zu haben, und freue mich bereits jetzt auf das nächste Mal.

Und einen großen Dank an Dr. Django für seinen Tip und die Begeisterung, die er in mir für den FIlm entfacht hat :thup:
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