Blutige Seide - Mario Bava (1964)

Bava, Argento, Martino & Co. Schwarze Handschuhe, Skalpell & Thrills

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Blutige Seide - Mario Bava (1964)

Beitragvon jogiwan » 18. Dez 2009, 10:22

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Originaltitel: Sei donne per l'assassino

Herstellungsland: Italien / 1964

Regie: Mario Bava

Darsteller: Cameron Mitchell, Eva Bartok, Thomas Reiner, Ariana Gorini, u.a.

Story:

Die Contessa Christiana führt zusammen mit ihrem Geschäftsführer Max eine erfolgreiche Modeagentur. Allerdings wird das quirlige Arbeitsleben der Models von dem Mord an ihrer Kollegin Isabella getrübt. Die Ermittlungen in diesem Fall übernimmt Inspektor Silvestri, aber weder in der Agentur noch bei Isabellas Liebhaber, dem Antiquitätenhändler Franco finder er brauchbare Hinweise, geschweige denn ein Motiv für den Mord. Das Model Nicole entdeckt zufällig Isabellas Tagebuch. Das bedeutet aber für sie das Todesurteil, denn Stunden später wird auch sie von dem Killer brutal ermordet. Silvestri tappt weiterhin im Dunkeln, verdächtig sind irgendwie alle, die in irgeneiner Beziehung zu den Mädels standen. Und der Mörder ist noch lange nicht fertig mit seiner Arbeit ...

Mario Bavas Pionierwerk des Giallo zeigt eine Welt voller Dekadenz und verborgener Obsessionen. Ein stilistisches Meisterwerk und der Ur-Film der modernen Horrorkinos.
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon Zombiebunker » 12. Jun 2010, 21:58

Finde ich total großartig!
Habe ihn vor kurzem zum ersten Mal gesehen. War auch gleichzeit mein erster Giallo und ich war komplett sprachlos.
Nachdem ich dann wieder zu Worten fand, hab ich diese dann auch direkt in die Tasten gehauen (nachzulesen auf meinem Blog)
Vor allem der Anfang hat mir sehr gut gefallen und die großartigen Farben!
Wird mir als erster Giallo sicher noch lange in besonderer Erinnerung bleiben :)

Eine Neuauflage mit dem italienischen Cover würde ich mir auch wünschen!
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon Zombiebunker » 13. Jun 2010, 09:01

Ich hau die Besprechung mal direkt hier rein :mrgreen:


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Blutige Seide gilt als einer der ersten Giallo-Filme. Giallo (Plural Gialli), was ist das? Menschen, die des Italienischen mächtig sind, werden sofort mit Inbrunst schreien "GELB!". Korrekt. Giallo ist das italienische Wort für gelb. Was hat die Farbe gelb nun mit diesem Film zu tun? Als Laie kann man lediglich die knalligen Farben, unter denen sich auch das grelle Gelb befindet, anführen. Taucht man dann etwas tiefer in die Materie ein, findet man heraus, dass frühere italienische Kriminalliteratur im Heftchenformat mit gelben Umschlägen veröffentlicht wurde. Allerdings galt diese Form der Literatur in den 30er bis 60er Jahren, aber auch darüber hinaus, als Schund.
Wir haben es also im weitesten Sinne mit einem Kriminalfilm, der auch aus der Feder von Edgar Wallace hätte stammen können, zu tun. Der Killer bringt auf blutrünstige Weise Frauen aus einem Modesalon um. Hier haben wir dann auch schon das zweite Merkmal eines Giallos. Die Morde stehen im Mittelpunkt und werden für die Zeit entsprechend explizit und gewalttätig dargestellt (how done it?). Aber im Gegensatz zu normalen Kriminalfilmen ist nicht die Frage nach dem Mörder die wichtigste (who done it?), sondern eher das Motiv (why done it?). So ist es auch in diesem Film der Fall. Obwohl der Mörder eine ziemlich coole Rorschachmaske trägt, wird das Geheimnis um seine Identität relativ früh gelüftet.

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Dabei führt uns der Film durch nebelverquollene Wälder, finstere Herrenanwesen und gotische Kellergewölbe. Der Filmfreund mit Neigung zu gespenstischen Drehorten kommt also visuell vollends auf seine Kosten. Die schönen bunten Farben konstrastieren dann auch noch die Szenen und erzeugen so wunderbar individuelle Stimmungen durch die Farbkompositionen und Schattenspiele.
Im Gegensatz zu der sehr kalt wirkenden Optik von z.B. "Der Frosch mit der Maske" (1959), spielt Meisterregisseur Mario Bava mit der weichen Farbgebung. Überhaupt fällt bei "Sei donne per l‘assassino" auf, wie großartig die Narration des Mediums Film genutzt wird. Allein schon das phantastische Intro mit den stillstehenden Schauspielern nebst Modellpuppen oder die Kamerafahrt durch das abreißende Schild im Eingangsportal, beeindrucken den Zuschauer von Anfang an.

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Ja, es dürfte sicherlich nicht vermessen sein, diesen italienischen Film als absolutes Meisterwerk und Wegbereiter zu sehen. Vielleicht mag man hier auf der Suche nach dem Ursprung des Slasherfilms einen Anfangspunkt markieren können. Auf die Handlung möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht weiter eingehen, da der Film trotz aller optischer Opulenz durch sie zu überzeugen weiß.
Anders als bei späteren Gialli, bei denen die Handlung auf das Nötigste reduziert und sich fast ausschließlich auf den Akt der Gewalt konzentriert wird.

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Mario Bava beweist mit "Sei donne per l‘assassino" sein Gespür für tolle Optik und hinterlegt einen zum Teil sogar sozialkritischen Beitrag im Regal der Meisterwerke.
Der Film darf auf gar keinen Fall in einer Filmsammlung fehlen und ich peste mich selbst, dass ich diese Perle erst jetzt entdeckt habe. Denn es existiert eine pornöse Luxusedition von Anolis in Kollabortion mit dem geheimnisvollen Filmclub Buio Omega. Die Standardversion hat jedoch auch ein sehr gutes Bild, allerdings fehlen alle Extras, wie der Audiokommentar von Kessler und Zion, sowie geschnittene Szenen und das Interview mit Carlo Rusticelli.
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Wer mir 200€ schenken möchte, darf dies gerne zweckgebunden für die seidenumzogene Luxus Edition tun!
Sehr beeindruckt und in tiefer Demut stelle ich das Meisterwerk dann auch wieder zurück ins Regal und sage "Adieu, bis zum nächsten Mal"!

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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon italofreak1970 » 13. Jun 2010, 09:23

Auch für mich persönlich einer der besten und schönsten Giallos. Den kann man sich auch mehrmals anschauen und man erfreut sich immer wieder an die exzellente Kamerabeit und das schöne Farbspiel von Bava. Großartiger Film.
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon jogiwan » 13. Jun 2010, 10:26

Der Klassiker schlechthin und es ist schwer angesichts des Filmes nicht gleich mit Superlativen um sich zu werfen. Wer "Blutige Seide" guckt wird unweigerlich vom Giallo-Virus gefangen genommen und danach gibt es kein zurück mehr! Was hier an Farben auf den Zuseher hereinbrechen muß man einfach gesehen haben und die Geschichte über die Dekadenz der feinen Gesellschaft und deren Abgründe ist mehr als passabel. Highlights sind natürlich das ähm... "asiatische Model" Tao-Li und "Nicole - das eiskalte Stück!" :D Ganz, ganz und sowas von großartig!
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon dr. freudstein » 17. Aug 2010, 22:06

Und hier etwas Bildmaterial vom Bonus der DVD auf ANOLIS - HÄNDE WEG! Edition (nur die DVD im Besitz)

Lobby Cards Deutschland

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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon dr. freudstein » 17. Aug 2010, 22:12

Locadinas und Plakatmotive
(Quelle siehe bevor)


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Filmprogramm:

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Zuletzt geändert von dr. freudstein am 15. Jan 2011, 19:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon dr. freudstein » 22. Aug 2010, 15:02

Da gebe ich aktuell 9/10 Punkte für. Evt. zuvor abgegebenes Feedback revidiere ich hiermit.

Da die Vorredner ja schon so viel drüber gesagt haben und auch schöne Screens gepostet haben, bleibt mir eigentlich auch nicht viel mehr, mich diesen anzuschließen.
Der buxtebrawler hat den Wunsch geäußert, meine Meinung kundzutun, weil mein Filmtagebuch da nicht viel hergab.
Wäre ich der erste Schreiber gewesen, wäre mir sehr viel eingefallen.
So kann ich mich nur wiederholen:
Fantastische Farben und eindrucksvolle Szenen, die sich einbrennen.
Wie schon gesagt, was der Maler mit dem Pinsel macht, das macht der BAVA mit Kamera, Kostümen, Requisiten etc.

Die Geschichte selbst erinnert wirklich an einige WALLACE/art-like Filme, aber mit sehr eigener Note.
Die Morde werden für damalige Verhältnisse ziemlich deutlich gezeigt, besonders wo die Frau ertränkt wird.
Auch wenn man sehr früh erfährt, wer der Mörder ist, bleibt es immer spannend und fesselnd, zumal dann ja noch ein weiterer Mörder hinzukommt.
Die Szenensequenzen sind natürlich wieder einzigartig mit der roten Puppe, der baumelnde Telefonhörer usw.

Schöner Gruselkrimi mit deutlicher Härte, aber nie übertrieben.
Ein Kunstwerk, dessen Bilder das Laufen gelernt haben.

Hätte zwar noch gerne gewusst, ob der Kommissar wirklich beim RAUMPATROUILLE ORION mitgespielt hat, aber das muss ich wohl selbst recherchieren.

Ein Film, den ich mir öfter an sehe.
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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon buxtebrawler » 7. Sep 2010, 13:32

Mit „Blutige Seide“ erschuf der italienische Ausnahmeregisseur 1964 den Prototypen des Giallos. Die unheimliche Mordserie in der Model- und Modeszene Roms wurde von Bava in eine Ästhetik gebettet, die exakt zum Milieu passt: Künstlich, unwirklich, dekadent. Er inszenierte den Film, als wollte er die Möglichkeiten des Farbfilms komplett ausreizen und tauchte die Sets in knallige Farbthemen, wie man es zuvor aus Hollywood gewiss noch nicht kannte, vollführte schnittfreie Kamerafahrten und ungewöhnlich Einstellungen und machte seine Zuschauer zu faszinierten Voyeuren (und legte damit den Grundstein für spätere filmische Eskapaden z.B. eines Dario Argentos). Diese Durchästhetisierung, innerhalb derer die Morde für die Entstehungszeit ungewöhnlich explizit dargestellt und genüsslich ausgekostet werden, stellt den eigentlichen Inhalt, ob bewusst oder unbewusst, in den Hintergrund; der Star ist hier sozusagen die Verpackung. Bei den Charakteren scheint es sich um allesamt degenerierte Personen zu handeln, die ihre persönlichen Abgründe hinter einer schillernden Fassade aus Pomp und Schick zu verstecken versuchen, sich dabei aber in einer vernichtenden Spirale aus Misstrauen, Missgunst und letztlich Gewalt befinden, die zu ihrem Schicksal wird. Durch diesen Subtext in Kombination mit Ausstattung und Inszenierung schlägt Bava die oberflächliche Scheinwelt quasi mit ihren eigenen Waffen. Das Finale wartet selbst nach der Enttarnung des Mörders noch mit einem unerwarteten Plottwist auf, übertreibt es dabei genretypisch und lässt spätestens hier eine subtile Karikatur reißerischer, herbeikonstruierter Geschichten vermuten. Mit seinem malerischen Kunstwerk „Blutige Seide“ war Bava seiner Zeit voraus, als erster Vollblut-Giallo war der Film Einfluss auf und Vorreiter für ganze (Sub-)Genres und ist nach wie vor, betrachtet mit den Augen eines Filmästheten, ein wahrer Genuss.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Blutige Seide - Mario Bava

Beitragvon Onkel Joe » 16. Sep 2010, 19:39

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Anolis bringt den Film nochmals in einer auf 750 stk. limitierten Hartbox auf den Markt.
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