Amuck - Silvio Amadio (1972)

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Re: Amuck - Silvio Amadio (1972)

Beitragvon sergio petroni » 7. Okt 2017, 13:23

Greta (Barbara Bouchet) hat eine Stelle als Sekretärin des Schriftstellers Richard Stuart
(Farley Granger) angenommen. Auf dessen nur per Schiff zu erreichendem luxuriösen
Anwesen bei Venedig wird Greta von Stuarts Ehefrau Eleanora (Rosalba Neri) begrüßt.
Auf dem abgelegenen Grundstück tummelt isch auch noch der hünenhafte und leicht
debile Fischer Rocco sowie der Hausdiener Giovanni (Umberto Raho).
Greta geht es nicht um die Stelle bei Stuart, sie ist auf der Suche nach ihrer
Lebensgefährtin Sally (Patrizia Viotti), die zuletzt ebenfalls bei Stuart arbeitete
und seit einem halben Jahr spurlos verschwunden ist. Diesem Fall geht auch
Kommissar Antonelli (Nino Segurini) nach, der versucht, mit Greta Kontakt zu knüpfen.
Die Stuarts führen eine offene Ehe und auch ansonsten bleibt der verschrobene
Villenalltag Greta ein Rätsel. Dann versuchen nacheinander Eleanora und Richard Greta zu
verführen. Alles nur ein Vertuschungsmanöver, um die Wahrheit über Sallys Verschwinden
zu verschleiern?

In der Fassung von Camera Obscura ist der Film ja nicht wiederzuerkennen! Wer "Amuck"
auch nur ein bißchen etwas abgewinnen kann, steht demzufolge schon fast unter Kaufzwang.
Die recht leicht zu durchschauende Handlung mit den paar mehr oder weniger überraschenden
Twists steht hier wahrlich nicht im Vordergrund. Hier trifft das Bonmot "Style over Substance" zu.
Unter Silvio Amadios Regie und unter Begleitung des traumhaften Scores von Teo Usuelli
bieten die Darsteller ein elegantes Spektakel, in dem man sich als Giallo-Liebhaber
geradezu genüßlich versinken lassen kann. Für den männlichen Zuschauer bieten
die beiden leicht exhibitionistisch veranlagten Granaten Bouchet und Neri ein
zusätzliches Schmankerl. Ich kam voll auf meine Kosten!

Im Bonusmaterial bekommen wir Interviews mit der Bouchet, der Neri und dem Sohn
Amadios geboten, die allesamt sehr informativ sind. Der Sohn gibt sehr interessante
Einblicke in das Schaffen seines Vaters. Die zwei Damen erinnern sich an den Film
und ihr erstes Aufeinandertreffen.
Während hingegen Bouchet Amadio als sanften und angenehmen Zeitgenossen beschreibt,
erinnert sich Neri an ihn als eine recht unangenehme Person. Genau so verhält es sich
mit beider Einschätzungen zu Farley Granger. Sehr interessant!
Auch das Booklet von Marcel Barion ist gelungen und vergleicht "Amuck" mit
Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche".
7/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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