Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

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Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

Beitragvon jogiwan » 16. Apr 2018, 07:22

Nocturama

Bild

Originaltitel: Nocturama

Herstellungsland: Frankreich, Belgien, Deutschland / 2016

Regie: Bertrand Bonello

Darsteller: Finnegan Oldfield, Vincent Rottiers, Hamza Meziani, Manal Issa

Story:

Eine Gruppe von Jugendlichen aus den unterschiedlichsten, gesellschaftlichen Schichten und ethnischen Hintergründen findet sich eines Tages zusammen um an vier neuralgischen Stellen der französischen Hauptstadt Paris Autos und Gebäude in die Luft zu jagen um damit ein Zeichen zu setzen. Dazu greift jedes Rädchen in das andere und der Plan ist perfekt durchchoreografiert. Das Vorhaben gelingt und im allgemeinen Trubel beschließt die bunte Truppe die Nacht in einem Nobelkaufhaus zu verbringen um am nächsten Morgen anonym in der Menge abzutauchen. Doch etwas geht immer schief und während zwei Leute der Truppe aus unbekannten Gründen den Weg in das Kaufhaus nicht schaffen, verhält sich der Rest ebenfalls zunehmend auffällig, panisch und die Anonymität des gewaltbereiten Kollektivs aus Jugendlichen und Minderjährigen droht aufzufliegen.
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Re: Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

Beitragvon jogiwan » 16. Apr 2018, 07:26

„Nocturama“ ist ein Film, der mich gestern doch ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Das liegt aber weniger am durchaus kontroversen Inhalt, in dem Jugendliche losziehen um scheinbar wahllos Gebäude und Sehenswürdigkeiten in die Luft zu jagen, sondern an der Tatsache, dass der Film nach einer fulminanten und spannenden ersten Halbzeit so gehörig die Luft ausgeht, dass man nur noch staunen kann. Als Inspiration für die zweite Hälfte dienten ja Carpenters „Der Anschlag“ und Romeros „Dawn of the Dead“ was ja für einen funktionalen Genre-Film durchaus nachvollziehbar ist. Weniger logisch sind jedoch der ganze Plan nach den Anschlägen, sowie die Tatsache, dass sich die Jugendlichen im Kaufhaus ja völlig dämlich benehmen. Weiters werden dem Zuschauer auch die Motivation der Gruppe größtenteils verwehrt und es bleibt offen, wie und mit welchem Ziel die unterschiedlichen Jugendlichen zueinandergefunden haben. Auf dem Papier liest sich die Idee zum Drehbuch vielleicht noch super und Aufmerksamkeit sollte bei dem Thema in Frankreich bzw. Europa ja ebenfalls gewiss sein, aber irgendwie funzt „Nocturama“ mit seinem Ansatz jegliche Fragen bewusst offen zu lassen so überhaupt nicht und das bittere und natürlich ungemein konsequente Ende ist da auch schon wurscht. Den Vorsatz einen anspruchsvollen, diskussionswürdigen und ungewöhnlichen Genre-Film mit interessanten Charakteren zu schaffen hat man meines Erachtens nur begrenzt geschafft und so spannend und bedeutungsschwanger der Auftakt auch sein mag, so sehr nerven mit zunehmender Laufzeit die offenen Fragen, Logiklücken, seltsames Verhalten und sonstige Ungereimtheiten, die „Nocturama“ gerade bei dem sensiblen Thema Terrorismus letzten Endes auch für mich sehr unbefriedigend erscheinen lassen.
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Re: Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 16. Apr 2018, 22:49

Oha! Den hätte ich mir am Wochenende beinahe angeschaut, mich dann aber für einen anderen zeitgenössischen französischen Film - Assayas' PERSONAL SHOPPER - entschieden.
Ich schätze, wir sollten nun der Gerechtigkeit halber die Filme tauschen... ;-)
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Re: Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

Beitragvon jogiwan » 17. Apr 2018, 18:30

Salvatore Baccaro hat geschrieben:
Oha! Den hätte ich mir am Wochenende beinahe angeschaut, mich dann aber für einen anderen zeitgenössischen französischen Film - Assayas' PERSONAL SHOPPER - entschieden.
Ich schätze, wir sollten nun der Gerechtigkeit halber die Filme tauschen... ;-)


Zu "Nocturama" würde mich deine Meinung schon sehr interessieren, der bekommt ja ansonsten auch überall nur sehr gute Kritiken.

PS: Zwei Szenen haben mir "Nocturama" ja rückblickend besonders vergrämt...

das gemeinsame und schweigsame Tanzen in der Wohnung zu sphärischen Billig-Elektrobeats als "Moment der völligen Unbeschwertheit" im Kontrast zum Rest und die Szene, in der sich das Kind am Ende die goldene Maske überstülpt um in einer Mischung aus Verzweiflung und Einsicht wohl Distanz zu der Welt symbolisieren möchte, die es noch nicht verstehen kann. Vollkommen pathetisch, vollkommen sinnfrei, unglaubwürdig und doch so bedeutungsschwanger. Ächz!
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Re: Nocturama - Bertrand Bonello (2016)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 18. Apr 2018, 13:04

jogiwan hat geschrieben:Zu "Nocturama" würde mich deine Meinung schon sehr interessieren, der bekommt ja ansonsten auch überall nur sehr gute Kritiken.


Die wird zeinah bekanntgegeben... ;-)
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