Martyrs - Pascal Laugier (2008)

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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon Onkel Joe » 18. Mär 2010, 22:51

Die Meinungen gehen ja meilenweit auseinander, ich glaube ich lass mir da noch etwas Zeit mit der sichtung der DVD.
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon Blap » 18. Mär 2010, 23:04

Onkel Joe hat geschrieben:Die Meinungen gehen ja meilenweit auseinander, ich glaube ich lass mir da noch etwas Zeit mit der sichtung der DVD.


Gerade diese Meinungsvielfalt sollte die Neugier steigern!
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon Santini » 3. Mai 2010, 23:27

Folgendes sagen unsere Freunde von Filmtipps.at ;)
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon horror1966 » 7. Jun 2010, 15:54

Frankreich, Anfang der 70er Jahre, ein verlassenes Industriegebäude. Keine Menschenseele ist zu sehen, als sich die zehnjährige Julie schreiend und bkutend durch die staubigen Strassen schleppt, dem Wahnsinn nahe, auf der Flucht vor unbekannten Peinigern. Als sie endlich aufgefunden wird, weist ihr geschundener Körper die Merkmale monatelanger Entbehrungen auf, aber keinerlei Anzeichen sexueller Gewalt. Das Mädchen wird in ein Krankenhaus eingewiesen. Täter und Motiv bleiben im Dunkeln. 15 Jahre später klingelt es an der Tür einer vierköpfigen Familie.Als der Herr des Hauses öffnet, sieht er sich Julie gegenüber - und dem todbringendem Lauf eines Jagdgewehrs.


Ich empfinde es als einen sehr gelungenen Schachzug, das diese Inhaltsangabe auf der Rückseite des DVD Covers lediglich einen ziemlich kleinen Teil dessen verrät, was den Zuschauer in diesem Film erwartet. Denn nur so ist es möglich, das sich das hier gezeigte Geschehen so richtig im Kopf des Betrachters entfalten kann. Und die hier erzählte Geschichte ist der absolute Hammer und frisst sich mit einer beängstigenden Intensität in die Eingeweide des Zuschauers, ohne das es auch nur im geringsten zu verhindern wäre. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel an Härte und Brutalität gesehen, doch hier ist selbst mir manchmal die Luft weggeblieben, denn das Geschehen ist so extrem hart, das es teils schwerfällt, den Film bis zum bitteren Ende anzusehen.

Wer der Meinung ist, das Filme wie "Saw" oder "Hostel" brutal und hart wären, der kann "Martyrs" noch nicht gesehen haben, denn gegen diesen Film wirken andere Terror-Filme viel eher wie ein netter Kindergeburtstag. Vor allem die extreme Härte, die dieser Film auf die Psyche des Betrachters ausübt, dürfte selbst hartgesottenen Genre-Freunden stark an die Substanz gehen. Denn gerade, wenn man im Laufe des Films mehr über die Motive erfährt und wer hinter dem Ganzen steckt, wirkt die gesamte Szenerie noch um ein Vielfaches härter und intensiver, als sie von Haus aus schon ist. Dafür sind aber auch die fantastischen Darsteller verantwortlich, dir durch die Bank so überzeugende Leistungen abliefern, wie man bei weitem nicht in jedem Film zu sehen bekommt. Ausdrucksstärke und Autenzhität sind hier das Aushängeschild eines wirklich erstklassigen Schauspieler-Ensembles.

Besonders die sich hier entfaltende Stimmung ist kaum in Worte zu fassen, das muss man wirklich selbst erlebt haben. Man ist geschockt, kann seine Blicke aber dennoch zu keiner Zeit vom Gesehenen abwenden, eine gewisse Faszination zwingt einen förmlich, die Augen weiterhin auf den Bildschirm zu richten. Vielleicht liegt es allein an der eigenen Fassungslosigkeit über den hier extrem auftretenden Sadismus, der einfach keine Grenzen kennt. Verzeweifelt sucht man nach irgendeiner Rechtfertigung für die Dinge, die sich hier abspielen, findet aber noch nicht einmal den Ansatz einer Rechtfertigung, was einen umso betroffener macht. Ein Gefühl der vollkommenen Beklemmung macht sich breit, dessen man sich einfach nicht erwehren kann, selbst wenn man es wollte.

Und obwohl man sich beim hier Gezeigten spürbar nicht wohl in seiner Haut fühlt, in gewissen Phasen des Films sogar ein Würgegefühl nur mühsam unterdrücken kann und auch so manchen Schweissausbruch erdulden muss, ist man auf der anderen Seite wie gebannt und der unheimlichen Faszination von "Martyrs" hilflos ausgeliefert. Man leidet richtiggehend mit und hat nicht selten das Gefühl, das man körperlich ausgezehrt ist. Doch am härtesten ist hier ganz eindeutig der psychische Druck, der nur schwer auszuhalten ist, wofür insbesondere die autenthische Darstellung der Härte verantwortlich zeichnet. Und Härte gibt es in diesem Werk mehr als nur genug, das steht absolut ausser Frage. Und da frage ich mich ganz automatisch, wie dieser Film bei uns in Deutschland ungeschnitten auf DVD erscheinen kann, was mich persönlich natürlich sehr freut, aber gerade beim momentanen Schnittwahn irgendwie nicht logisch nachvollziehbar ist. Vielleicht wollte man ja auch einfach einmal den Liebhabern des genres eine echte Freude machen.

Desweiteren ist die Story viel komplexer, als es die Inhaltsangabe aussagt. Man sollte schon einigermaßen konzentriert sein, um den Sinn des Filmes auch zu verstehen, denn es geht meiner Meinung nach um mehr, als nur darum, die gezeigten SFX in sich aufzusaugen. Und gerade zum Ende hin, wenn man weiss, worum es eigentlich wirklich geht, kommt dann dieses echte "Hammer-Ende", das einen erst einmal mit offenem Mund zurücklässt und Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Ein offenes Ende, das hier aber nahezu einen perfekten Schlusspunkt unter einen extrem verstörenden und brutalen Film setzt, der einen auch noch lange nach dem Abspann nicht wirklich abschalten lässt, weil er dafür ganz einfach zu viele Eindrücke vermittelt hat, die man erst einmal in Ruhe verarbeiten muss.


Letztendlich ist "Martyrs" ein weiterer schockierender Film aus unserem nachbarland Frankreich, das ja in den letzten Jahren schon mit Werken wie "High Tension" oder auch "Inside" zu überzeugen wusste und uns hier den nächsten vollkommen kompromislosen Terror-Schocker präsentiert. Ein Film, der zartbesaiteten Leuten nicht unbedingt zu empfehlen ist, aber für jeden Genre-Freund ein absoluter "Must See Film" sein dürfte.


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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon sid.vicious » 7. Jul 2010, 19:28

Einer der brillantesten Filme seit langem. Martyrs spaltet sie Lager, zum einen Ablehnung, zum anderen Begeisterung. Knallhartes und intelligentes französisches Kino, bei dem selbst Hartgesottene den Vorführaum beim Fantasy Filmfest verlassen haben.

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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon Seth_LCF » 21. Mär 2011, 20:15

sid.vicious hat geschrieben:Einer der brillantesten Filme seit langem. Martyrs spaltet sie Lager, zum einen Ablehnung, zum anderen Begeisterung. Knallhartes und intelligentes französisches Kino, bei dem selbst Hartgesottene den Vorführaum beim Fantasy Filmfest verlassen haben.
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Hätte ich nicht besser beschreiben können. Hier ist der Titel Programm!
Wenn man den Film übersteht fühlt man sich selbst wie ein (kleiner) Martyrer.

Allerdings ist dies auch ein Film den ich nicht nochmals sehen möchte!
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon untot » 21. Mär 2011, 21:08

Nicht meine Art von Film, für mich einfach nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Grausamkeiten, verpackt in eine hanebüchene Story!
Einmalige Sichtung reichte für mich!

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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon purgatorio » 30. Mai 2011, 07:17

Verstehe irgendwie nicht, warum als großer Kritikpunkt immer der Transzendenz-Twist angeführt wird (Marcus Stiglegger zum Beispiel sieht eben dieses in seinem Essay "TerrorKino", im übrigen recht lesenswert ;) , als die Spitze des modernen Horrorfilms - so weit würde ich jetzt nicht gehen, aber es zeigt doch wie die Meinungen auseinander driften). Es ist einfach nur ein filmischer Kniff, der - je nach Geschmack - eine mehr oder weniger gute Erklärung für das Gezeigte abliefert. Gezeigt wird im Endeffekt nichts, was ich persönlich nicht auch im Keller irgendwelcher Nachbarn erwarten könnte - die Realität ist per se immer grausamer als der Film! Nur das die Realität sich für gewöhnlich eine Erklärung ersparrt. Das ist unerträglich!
Das Martyrium bei "Martyrs" trifft am ehesten auf den Betrachter zu - alles andere ist eine filmisch inszenierte, intensive Grenzerfahrung für die einen (wegen mir auch genauso hahnebüchen wie Sci-Fi-Filme - ich meine: bei "ALIEN" hat sich doch ob der Spannung auch keiner beschwert, dass es zu wenig real ist), die Spitze des zeig- und zumutbaren für die anderen (bis "a serbian film" das Licht der Welt erblickte).
"Martyrs" ist ein erstklassig gespielter, sehr harter Film, den ich persönlich immer wieder gerne sehe. Ich fühl mich deswegen jetzt nicht als kranker Mensch - ich mag eben intensive Streifen :D
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon purgatorio » 31. Jul 2012, 14:34

MARTYRS ist in diesem Juli doch tatsächlich nach über 3 Jahren mit SPIO/JK-Segen tatsächlich A-indiziert worden :shock:

:arrow: http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=3984

langsam mahlen die Mühlen der Justiz... aber sie mahlen :|
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Re: Martyrs - Pascal Laugier

Beitragvon morbidart » 6. Aug 2012, 12:31

MARTYRS ist kein Splatter/Terror/Horror-Film und hat doch nichts mit "normalen" Unterhaltungsfilmen wie High Tension, Inside, Frontier(s) u. Co, zu tun!!!

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