Les Demoniaques – Jean Rollin (1973)

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Les Demoniaques – Jean Rollin (1973)

Beitragvon jogiwan » 22. Dez 2009, 08:56

Les Demoniaques – Jean Rollin

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Originaltitel: Les Démoniaques

Herstellungsland: Belgien / Frankreich / 1973

Regie: Jean Rollin

Darsteller: Lieva Lone, Patricia Hermenier, John Rico, Willy Braque u. A.

Story:

Eine handvoll skrupelloser Strandräuber lockt in einer stürmischen Nacht ein Schiff in eine Falle, welches kurze Zeit später an den Klippen zerschellt. Während die Räuber das angeschwemmte Gut aufsammeln, entsteigen auch zwei durchnässte Mädchen dem Meer. Doch die Kriminellen können keine Zeugen benötigen und die Mädchen werden verfolgt, vergewaltigt und schwer verletzt. Doch kurze Zeit später bekommen sie die Möglichkeit an den Verbrechern zu rächen...
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Re: Les Demoniaques – Jean Rollin

Beitragvon sid.vicious » 6. Aug 2010, 21:13

Les Démoniaques ist zweifelsohne ein sehr guter Film, dennoch hat er nicht die Klasse von Rollins Vampirfilmen. Mag sein, dass hier ein wenig zu sehr auf Theatralik der Darsteller gesetzt wird oder wie auch immer… Jedenfalls ist das mein erster Eindruck gewesen.

Der Film stellt erneut die Frage: Was ist das Gute und Was ist das Böse. Ist das Böse einfach nur gut oder das Gute abgrundtief böse. Interpretationen werden in allen Varianten zugelassen. Wer Rollins Filme mag wird auch hier wieder einige Zeit brauchen um das Gesehene zu verarbeiten bzw. sickern zu lassen und letztendlich dann erst sein Urteil fällen können. Rollin bietet Hinweise und Anspielungen zu Hauff, sie zu deuten ist Jedem selbst überlassen. Ich spiele hier z.B. auf die Szene an in der Tina unter der Jesus-Statur liegt und sich scheinbar im ersten Moment nicht mehr bewegen kann oder: Der weibliche Clown vor der Ruine. Sind meiner Meinung nach Clown die eigentlichen Vorboten des Bösen (Clowns sind nie lustig, sie haben was Diabolisches) so kommt auch hier die Gradwanderung zum Guten.

Rollin liefert keine Klischees, er stellt einfach nur alles in Frage. Der von den Dorfbewohnern gefürchtete Dämon ist eigentlich das genaue Gegenteil, ein Sachverhalt den einzig die Hellseherin Louise zu erkennen vermag. Louise gilt als das Bindeglied zwischen den gesamten Personen. Ihr Charakter ist ein geschickt gewählter zentraler Kern an dem sich die Bindfäden treffen. und auseinander laufen.

Das Ende von Les Démoniaques ist von einer kreativen Dramatik geprägt. Sinneswandel, fehl bzw. ferngesteuerte Gedanken führen dazu, dass Niemand den Film überlebt. Ausser das vermeintlich Böse, das eigentlich das Gute ist, thront am Ende über die Geschehnisse indem
es sich auf dem Hügel stehend das Drama ansieht.

Anderes als z.B. Kubrick, der über allen stand und Gottähnlich seine Fäden zog, bezieht sich Rollin auf kleine Individuen. Er zeigt deren Ängste, deren Triebe deren Wahn, deren Hilflosigkeit und deren Verschlossenheit und lässt den geeigneten Zuschauer wie immer allein vor dem Fernseher bzw. der Leinwand zurück. Alles danach ist das was Rollin erreichen will, die eigene Interpretation ob die in Verträumtheit, Romantik, Wahn oder Ablehnung ausartet ist dem Regisseur ziemlich egal.
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Re: Les Demoniaques – Jean Rollin

Beitragvon jogiwan » 15. Mär 2017, 07:31

Toller Film - ich freu mich drauf!

schnittberichte.com hat geschrieben:Dienerinnen des Satans als Deutschland-Premiere - Jean Rollins "Les Démoniaques" erscheint Ende März

Jean Rollins Les Démoniaques (1973) wurde nie in Deutschland veröffentlicht und bekommt am 31. März 2017 seine Premiere bei uns spendiert. Wicked-Vision Media gab ihm den Titel Dienerinnen des Satans. Im Ausland gibt es den Film bereits länger auf DVD und in den USA auch auf Blu-ray.

Dort kam eine längere Filmversion heraus, die von der kommenden deutschen Veröffentlichung aber noch um drei Minuten übertroffen wird. Der Film wurde vom Originalnegativ restauriert und das Label spendierte ihm auch eine deutsche Synchronisation, im Video unterhalb zu sehen.
Es wird drei Mediabooks mit DVD und Blu-ray geben, die auf je 500 Stück limitiert sein werden.



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quelle: schnittberichte.com
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Re: Les Demoniaques – Jean Rollin (1973)

Beitragvon Adalmar » 15. Mär 2017, 13:44

Ist das jetzt eigentlich Film Nr. 1 einer Rollin-Edition von X-Rated? So was war doch, meine ich, mal angekündigt.
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Re: Les Demoniaques – Jean Rollin (1973)

Beitragvon Arkadin » 15. Mär 2017, 14:28

Adalmar hat geschrieben:Ist das jetzt eigentlich Film Nr. 1 einer Rollin-Edition von X-Rated? So was war doch, meine ich, mal angekündigt.


Das ist jetzt die Nummer 3 der Rollin-Reihe von Wicked Vision Media.
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Re: Les Demoniaques – Jean Rollin (1973)

Beitragvon Arkadin » 30. Jun 2017, 09:26

Der war immer einer meiner liebsten Rollin-Filme, allerdings lag die erste (und zugleich letzte) Sichtung bestimmt 25 Jahre zurück. Die Wiederbegegnung war nun eine kleine Enttäuschung. Ich liebe ja Filme, die am Meer spielen, am besten in kleinen Küstenstädten. So olle Piraten-Pistolen mag ich in der Regel auch. Wenn das alles noch mit Mystery garniert wird - perfekt. Und genauso hatte ich "Dienerinnen" im Gedächtnis. Sehr atmosphärisch, unglaublich sexy und blutig. Ja, stimmt schon, aber das überdeckt die Schwächen leider nicht. Hauptproblem ist, dass gerade eine der Stärken des Filmes, diesen ziemlich torpediert: Joëlle Coeur. Mein Gott, was für ein Weib! Rrrrrr... Die pumpt einem bei jedem Auftritt ordentlich das Blut in den Unterleib. Hölle! Vielleicht ganz gut so, denn dadurch fehlt es einem im Oberstübchen und man kriegt nicht ganz so mit, was für eine brutal schlechte Schauspielerin das ist. Einige potentielle Höhepunkte des Filmes funktionieren gar nicht, weil sie diese überhaupt nicht glaubwürdig rüberbringen kann (Stichwort: Mord an der hellsichtigen Kneipenbesitzerin). Gottseidank wurde eine Sexszene zwischen ihr und dem von John Rico gespielten Kapitän rausgeschnitten (auf der WV-Bluray als Extra vorhanden). So etwas unglaubwürdiges, lächerliches, langgezogenes und nicht gerade erotisch anmutendes Gerangel habe ich selten gesehen. Überhaupt der Rico. Als Rollin "Dienerinnen" im Vorspann einen "expressionistischen" Film nannte, muss er an Rico gedacht haben, dessen Spiel extrem.. naja... expressionistisch ist. Ganz schlimm seine letzte Szene, in der er dramatisch ertrinken soll. So etwas unbeholfenes habe ich selten gesehen. Das nimmt dem ganzen tragischen Ende vollkommen die Kraft. Wie generell das ganze Finale ein ziemlicher Antiklimax ist.
Aber auch wenn es gerade so klingt: Es ist natürlich nicht alles schlecht an "Dienerinnen". Im Gegenteil, ich mag den Film immer noch sehr. Die beiden "Demoniacs" sind klasse, die typische Rollin-Stimmung, der Einsatz der Musik, die Szenen am Strand und vor allem in einer riesigen, verfallenen Kathedralsruine. Aber er ist halt bei weitem nicht das Meisterwerk, als das ich ihn in Erinnerung hatte.
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