Der Panther 2 - José Pinheiro (1988)

Moderator: jogiwan

Der Panther 2 - José Pinheiro (1988)

Beitragvon sid.vicious » 22. Mär 2012, 13:54

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Alternativer Titel: Der Panther 2- Eiskalt wie Feuer
Produktionsland: Frankreich
Produktion: Daniel Champagnon, Alain Delon
Erscheinungsjahr: 1988
Regie: José Pinheiro
Drehbuch: Alain Delon
Kamera: Richard Andry, Raoul Coutard
Schnitt: Jennifer Augé
Spezialeffekte: René Albouze
Musik: Pino Marchese
Länge: ca. 97 Minuten
Freigabe: Indiziert (FSK 16 um ca. 13 Minuten geschnitten)
Darsteller: Alain Delon, Michel Serrault, Roxan Gould


Drogenbosse und Zuhälter werden hingerichtet. Ein Fall der Kommissar Grindel auf den Plan ruft. Bei seinen Ermittlungen findet Grindel heraus, dass eine Organisation für die Morde verantwortlich ist, die ausschließlich aus Polizeibeamten besteht. Kein einfaches Unterfangen, denn die Organisation macht vor Niemanden Halt.

José Pinheiros „Ne réveillez pas un flic qui dort“ orientiert sich natürlich stark am Dirty Harry Thema, wie auch am italienischen Polizeifilm. Zweitgenanntem Genre will Pinheiro mit seiner Art der Gewaltdarstellung scheinbar in die Schranken weisen. Demnach geht es auch gerade zu Beginn knallhart und kompromisslos zur Sache. Hierbei erreicht der Film allerdings nie die Intensität die ein italienischer Polizeifilm aus den 70ern aufweist. Pinheiros Bilder sind eher lapidar und erinnern an einen schlechten Actionfilm der harten Machart aus den USA der 90er Jahre.

Die Idee ein Polizeikommando loszulassen um die Straßen von Verbrechern zu säubern ist ja nichts Neues, aber auch kein negativer Aspekt. Eher muss man Pinheiro vorwerfen, dass er mit seinen Mittel fast keine erwähnenswerten Situationen schaffen kann.

Nach einem sehr harten Start wird der Film eher etwas ruhiger und versucht den Zuschauer mit sinnigeren Dialogen einzubinden. Alain Delon ist in der Rolle des Kommissar Grindel der jenige, der den Film zu einer gewissen Aufwertung bringt. Grindels klare Stellungnahmen gegen Verbrechen und Faschismus stehen auf der einen Seite, Delons Präsenz auf der anderen. Somit sind zwei Seiten vorhanden die ein recht plattes Bild in halbwegs reguläre Bahnen lenken kann.

Der Film steigert sich in seinem Verlauf und das eher sehr negative Urteil zu Beginn wird etwas entkräftet. Pinheiro versucht Faschismus wie Selbstjustiz anzuprangern. Leider bleibt es eher beim Versuch, da er diese Bestandteile eher als Aufhänger für die Story nutzt. Ohne Delon würde der Film sehr schnell in die Richtung: absolute Belanglosigkeit abdriften, allerdings gelingt es dem französischen Ausnahmeschauspieler diese Talfahrt zu verhindern.

„Ich könnte nur Kotzen, aber mich hält der Hass aufrecht“ so Kommissar Grindel. Eine Aussage die das Thema des Films reflektieren lässt.

Fazit: Ein eher dürftig inszenierter französischer Film, der allein von seinem hervorragenden Hauptdarsteller lebt.

...ach so, wer lässt sich so einen dämlichen Titel wie "Eiskalt wie Feuer" einfallen?

5,5/10
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Re: Der Panther 2 - José Pinheiro

Beitragvon Nello Pazzafini » 5. Apr 2012, 23:28

man sieht dem film schon seinen jahrgang an, wäre der 5-10 jahre vorher gedreht hätten wir einen perfekten harten Delon Krimi, auch bei den franzosen ist das alles eine zeitgeist frage. Delon trägt den film vollends und ich würd dem schon noch ein paar punkte mehr geben aber ich versteh schon was der sid meint. für alle die alain in diesen rollen mögen trotzdem pflichtprogramm.

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Re: Der Panther 2 - José Pinheiro

Beitragvon untot » 2. Apr 2013, 14:57

Also den Titel "Eiskalt wie Feuer" fand ich schon wieder irgendwie philosophisch, während der Film leider etwas zu sehr in die Belanglosigkeit abdiftete.
Was wohl daran lag das hier kein Charakter und kein Handlungsstrang konsequent ausgearbeitet und auch dargestellt wurde.
Delon's Figur wirkt blass und seelenlos, auch sonst fehlte es dem Film irgendwie an Glaubwürdigkeit und Tiefe.
Trotzdem ist es immer noch ein spannender Thriller, der gut guckbar ist, aber im Vergleich zu anderen Delon Filmen wurde hier einiges an vorhandenem Potential verschenkt, schade.

6/10
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Re: Der Panther 2 - José Pinheiro

Beitragvon buxtebrawler » 10. Apr 2014, 20:39

„An dir wird ein Exempel statuiert!“

Wieder einmal schlug der eigensinnige deutsche Verleih zu und suggerierte, dass der französische Action-Thriller mit dem Originaltitel „Ne réveillez pas un flic qui dort“ die Fortsetzung des 1985 entstandenen Films „Der Panther“ wäre. Tatsächlich steckt hinter dem 1988 veröffentlichten Film dasselbe Team um Regisseur José Pinheiro und in der Hauptrolle findet sich ebenfalls der französische Genrefilm-Star Alain Delon wieder. „Der Panther II“ basiert auf dem Buch „Clause de style“ von Frédéric Fajardie.

Die Spur einer mörderischen Selbstjustizserie führt Kommissar Grindel (Alain Delon) in die eigenen Reihen: Die Polizei ist unterwandert von Faschisten, die mit einer Todesschwadron in Paris kurzerhand lynchen, was ihrer Meinung nach kein Recht zu leben hat. Einer von Grindels engsten Mitarbeitern ist selbst Mitglied jener Geheimorganisation, in deren Visier bald auch Grindel landet…

„Die Latrine ist schon des Öfteren der Beichtstuhl gewesen!“

Offenbar thematisch beeinflusst vom zweiten „Dirty Harry“-Film „Callahan“ und sich stilistisch an den harten Vertretern der Polizei-Thriller orientierend, knöpft sich „Der Panther II“ den beliebten Selbstjustiz-Diskurs von der intelligenteren Seite her vor: Anstatt die Mär von ach so machtlosen Polizisten zu nähren, werden die Gefahren, die von dieser Form von Selbstjustiz ausgehen, aufgezeigt, die bei kaltblütigem Mord anfangen und bis zum Staatsstreich und dem Errichten einer Diktatur reichen. Dabei bedient man sich jedoch einer stark auf den Unterhaltungsmarkt zugeschnittenen Bildsprache, die neben viel Action diverse grausame Morde verhältnismäßig explizit darstellt – mal kurios in Form solch ungewöhnlicher Waffen wie einer Cyankali-Wumme oder Pfeil und Bogen, mal derart sadistisch, dass es einem die Sprache verschlägt: Da wird ein Gangster überfallen, ihm die Wohnung auseinandergenommen und schließlich bei lebendigem Leibe verbrannt; ein anderer wird zwangskastriert etc. Generell wird kurzer Prozess gemacht, ein Informant z.B. noch während seines Telefonats mit Grindel erschossen. Auch „Kollateralschäden“ werden in Kauf genommen: In der grandios inszenierten, bereits erwähnten und wahrhaft schockierenden Pfeil-und-Bogen-Szene wird ein Freund Grindels auf einem Karussell sitzend hingerichtet, zückt im Sterben noch seinen Revolver und schießt in die Menge, u.a. auf Kinder!

„Ich könnte nur kotzen, aber mich hält der Hass aufrecht!“

Soviel zum beunruhigenden Gewaltlevel des Films. Eine digitale Datums- und Zeitanzeige verschafft anfänglich einen genauen Überblick über die Vorgänge und große Probleme, zu folgen dürfte der Zuschauer ohnehin nicht haben, denn dass Kommissar Roger Scatti (Michel Serrault, „Ein Käfig voller Narren“) hinter all dem steckt, daraus macht der Film von vornherein keinen Hehl. Jener Scatti hat die Organisation 20 Jahre lang aufgebaut, „gegen Kommunismus“, wie er behauptet und damit einen Bezug zum kapitalistischen Antikommunismus herstellt, der seit jeher Steigbügelhalter des Faschismus ist. An der Rolle des ihm treu ergebenen blonden Jungfaschos Lutz (Xavier Deluc, „Her mit den kleinen Französinnen“) lässt das Drehbuch ebenfalls keinerlei Zweifel und eben dieser Lutz ist es ausgerechnet, der an der Seite Grindels und dessen Assistenten Pèret (Patrick Catalifo, „Wilde Kinder“) der Verschwörung das Handwerk legen soll. Kurzzeitig Hochspannung kommt auf, als Gendarmen angeben, die gesamte Gendarmerie infiltrieren zu wollen, Scatti jedoch dagegen ist, da er Machtverlust befürchtet. Doch anstatt hiervon ausgehend die drohende Infiltration eines ganzen Systems exemplarisch zu verarbeiten, gehen auch die ambitionierten Gendarmen den Weg alles Irdischen. Fortan macht sich bemerkbar, dass „der Panther II“ dramaturgisch nicht ganz geglückt ist, da der Zuschauer einen hohen Wissensvorsprung hat und fast alle Personalien kennt. Dennoch hat auch dieser Film etwas Unberechenbares und überrascht immer wieder mit Action- und Gewalteinlagen, nimmt zudem Bezug auf reale politische Ereignisse wie die argentinischen Todesschwadronen oder terroristische Bombenleger, hat manch markigen Spruch zu bieten und verfügt sogar über etwas Humor.

Etwas unentschlossen ist die Charakterisierung Grindels, der wohl auch so etwas wie einen harten Hund darstellen soll, der sich dennoch nicht bis in faschistoide Abgründe hinabbegibt – außer eben, seine Ermittlungen erfordern es, um eben jene aufzudecken. Zum Finale hin jedenfalls kommt er den hohen Herren immer weiter auf die Spur und muss mitansehen, wie ernst es den Faschisten ist, die lieber den Märtyrertod wählen, statt sich vor dem Gesetz verantworten zu müssen: Da wird sich beispielsweise aus dem Fenster gestürzt oder Harakiri begangen. Auch mit diesen Szenen punktet der Film, denn damit hat er einmal mehr das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Am Ende wird aus einem fahrenden LKW auf Grindel geballert und die Action somit auf die Straße verlagert. Man stellt man sich gegenseitig Fallen, bis doch noch eine bisher unbekannte Verwicklung enttarnt wird. Inwieweit Grindels Pointe dann die Aussage des Films unterhöhlt, in ihrer Form die eigentliche Aussage darstellt oder schlicht als befriedigungsstiftender Faktor für das Publikum integriert wurde, darf dann gern Gegenstand auch über das Abspannende hinausgehender Überlegungen sein. Unterm Strich ein guter, meines Erachtens unterbewerteter Film, der sich zwischen ein paar Stühle setzt und die eine oder andere Schwäche nicht verleugnen kann, jedoch durchaus geeignet ist, mein Interesse am französischen Polizei-Thriller ein Stück weit zu wecken.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Panther 2 - José Pinheiro

Beitragvon sergio petroni » 24. Jun 2017, 17:42

Kommissar Scatti (Serrault) führt eine kleine Schattenarmee. Das Ziel: Lyon von Verbrechern zu säubern.
Und zwar ohne Gerichte, so "wie in Argentinien". Da werden natürlich die üblichen Verdächtigen
wie Drogendealer und Zuhälter die ersten Opfer. Doch schnell wird klar, daß Scatti hier
nicht Halt macht. Zuwider sind ihm auch Schausteller, Schwule und vor allem
Kommunisten, die er allesamt am liebsten unter die Erde bringen möchte.
Hierbei geht sein Team extrem sadistisch vor. Gefangene werden keine gemacht.
Kommissar Grindel wird vom Polizeipräfekt auf die sich häufenden Todesfälle angesetzt.
Zunächst ahnt er nicht, daß die Täter ganz in seiner Nähe zu suchen sind.
Nachdem ihm dies aber klar wird, beginnt er gnadenlos aufzuräumen.

"Der Panther 2" war nun der vierte Film aus der "Alain-Delon-Collection 2", den ich mir zu Gemüte
geführt habe. Die Story ähnelt der, des ersten "Der Panther", obwohl der Hauptakteur einen
anderen Namen trägt. In Frankreich war hier auch kein Fortsetzungsfilm angedacht.
Wieder führte Pinheiro Regie und wieder war Delon Produzent. Eine Widmung ergeht
an Jean Gabin.

Das Overacting der Killertruppe läßt keine emotionale Verbundenheit zu dem Werk entstehen.
Delon steht wie immer über den Dingen und wird dieses Mal auch nicht von seiner Partnerin
abgelenkt, denn diese verreist und kommt erst am Ende des Films zurück.
Komische Details am Rande wie ein kotzender Jogger, oder ein Waldmeistereis
essender Scatti steigern den Kuriositätsfaktor ebenso wie Tötungsgeräte
der Selbstjustiztruppe. Hat man solch eine riesige Beißzange schon mal gesehen??

Schnellebiges Futter für zwischendurch.
5,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Der Panther 2 - José Pinheiro

Beitragvon Arkadin » 12. Feb 2018, 12:36

Ich war etwas überrascht, dass Delon sich hier tatsächlich etwas zurückhält. Okay, er hat wieder ein Top-Model als Freundin, aber ansonsten ist er hier tatsächlich mal nicht der Supermann, der jede und jeden flach legt (also die Männer vorzugsweise mit der Wumme aus Metall). Lustig, wenn der bekennde LePen-Freund in seiner Rolle meint, die Rechtsextremen wären ihm sehr suspekt. Ansonsten gibt besonders Michel Serraut als mordgieriger Aushilfs-Himmler Vollgas und die Szene, in der ein durch eine Armbrustpfeil getroffenes Opfer mit den letzten Zuckungen noch Frauen und Kinder über den Haufen schießt ist extrem geschmacksunsicher. Auch sonst geht es blutig, aber nicht besonders logisch zur Sache. Das Ende ist dann auch ziemlich holprig und wenn Delon dann einen Bösen förmlich exektuiert, befindet sich auch eher im Widerspruch zu seiner vorhergehenden Einstellung contra Selbstjsutiz. Solide und recht harte Unterhaltung, die man nicht besonders ernst nehmen sollte.
Früher war mehr Lametta
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