Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

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Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

Beitragvon funeralthirst » 20. Jun 2010, 22:42

Neu hier angekommen, und schon gibts mein kleines aber feines Filmtagebuch. Meine Kritiken werden etwas länger ausfallen. Ich hoffe dennoch, dass sie euch gefallen werden.

Los gehts mit meinem zuletzt gesichteten und zuletzt grösser besprochenen Film und mit einem seltenen Abstecher ins Amateurgenre:

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Hey Ho - Let's Go - Welcome to Zombieville

Das Amateurgenre ist überfrachtet mit Zombieproduktionen meist überaus dilletantischer Art. Darunter etwas vernünftiges zu finden, was sich abseits ihrer Gewalteskapaden gut verpackt präsentiert und daneben den nötigen Ernst oder Humor vermissen lässt, geht meist unten durch. Warum Untot so wahnsinnig unbekannt unter deutschen Amateurfreaks ist, ist mir schleierhaft, schliesslich werden hier im Verlauf des Filmes über 100 Zombies auf detailreichste ,- und abwechslungsreichste Art und Weise getötet, wobei dort mehr als 750 Liter Kunstblut geflossen ist.

Klar ist Untot alles andere als ein Zombiefilm mit durchgängiger und eigentlicher Story im wesentlichen Sinne, denn auch wenn der Film von 4 Brüdern erzählt, die sich anno dazumals der Zivilisation entfernt und im Walde abgesetzt haben um dort zu leben, während sie im Filmgeschehen wieder dorthin zurück kehren, um festzustellen, dass die Welt nur noch aus Zombies besteht, geschieht dies Alles bloss um einen sogenannten Roadtrip mit ausufernden Splatterszenen zu zelebrieren. Während Zombie 90 von Andreas Schnaas eigentlich auch nichts Anderes ist als ein Feuerwerk an Schmoddrigkeit, gelingt es aber Untot, das Alles in ein Paket zu machen, dass fernab dieser stumpfhaften Inszenierung alias Splattermarathon niemals langweilt oder zu selbstzweckhaft dilletantisch ist, dass man gewillt ist abzuschalten.

Auch wenn Untot ganz sicher keine wirkliche Charakterzeichnung hat und Alles Mittel zum Zweck ist, ist man bereit mit diesen Brüdern mitzufiebern, sind sie im Gegensatz zu Schnaases Dorfprolls eben junge Tweenies, Metalfreaks, beinharte Gorologen mit Hang zum Kruden und Absurden, dass es einfach Spass macht den langhaarigen Zotteln bei ihrer Zombieschlachterei zuzusehen. Es sind einfach selbst beinharte Splatterfreaks, deren man die Ambition ansieht und ohne Zweifel zelebrieren sie das Alles ausufernd genial. Spannung und Atmosphäre wird zwar in der Tat geringfügig kleingeschrieben, doch dem Team gelingen dennoch absolut beeindruckende Bilder. Ob nun die ellenlangen Wälder, ja Untot ist sozusagen ein Wald und Wiesensplatter, oder eine Szene, in der ein blutbeschmierter Zombie inmitten einer Einkausstrasse wandelt, während die Passanten und rastenden Bürger aufgebracht schauen, hat schon dermaßen Stil und zeugt von dem Humor der Beteiligten, dass man dem Film viel verzeihen mag.

Da werden denn nämlich reihenweise Glieder abgetrennt, Bäuche aufgerammt, Köppe gesprengt, Finger abgeschnitten, reihenweise geköpft, Augen ausgehöhlt, ganze Menschen durch den Holzhäcksler gejagt, sodass das Kunstblut nur so spitzt, Menschen mit Freischneidern, Kettensägen, Äxten, Besen und sonstigen Untensilien bearbeitet, dass man eigentlich keine Zeit zum Luft holen bekommt. Das Alles ist eigentlich die grösste Sauerei der letzten Jahre und ist Alles so überfrachtet überspitzt, dass es eigentlich schon die Klasse von Braindead und Bad Taste erreicht. Zwar sind die Effekte in den meisten Fällen durchaus zu durchschauen, ist die meiste Glibbermasse wohl in rote Lebensmittelfarbe getränkter Backteig, aber in den meisten Fällen ist das trotzdem wunderbar eklig, und wird den Otto - Normal Filmkonsument, der den Film reeein zufällig sehen könnte, extrem übel aufstossen.

Natürlich hat das meistens mehr Masse wie Klasse und Einiges wiederholt sich auch, aber insgesamt muss man dem Projekt, dass aberwitzig gross erscheint (5 Jahre Entstehungszeit mit einem Budget von 2500 €) absoluten Respekt zollen, denn es schafft es neben solch gleichgestrickten Filme wie Zombie 90 und Zombie: The Resurrection, ansatt zu nerven absolut zu unterhalten. Und auch technisch ist da absolut nichts zu bemängeln. Die Schnitte sind professionell und aufwendig gesetzt, die Kameraarbeit ist in den meisten Fällen bahnbrechend, an einigen Drehorten, zb. in einem leerstehenden Hochhaus sogar brilliant und der Film legt ein Tempo für eine solche Produktion vor, dass man echt den Hut ziehen muss, wenn man bedenkt, dass hier absolute Laien am Werk waren.

Fazit:
In allen Belangen ein Pflichtfilm von absoluten Freaks für absolute Splatter ,- Zombie,- und Amateurfilmfreaks. Eine absolut symphatische Produktion von durchgeknallten Metalheads, die es schaffen trotz schmaler Story durchweg zu unterhalten, während Alles irgendwie bloss ein reinstes Splattermassaker ist.

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Re: Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

Beitragvon Santini » 20. Jun 2010, 22:50

funeralthirst hat geschrieben:Meine Kritiken werden etwas länger ausfallen. Ich hoffe dennoch, dass sie euch gefallen.


Na logen, gib Gas. ;)

"Stoss das Tor zur Filmwelt auf" - sehr geil übrigens. 8-) :lol:
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Re: Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

Beitragvon funeralthirst » 30. Jun 2010, 17:33

Es gibt mal wieder etwas neues, das Genre bleibt gleich: Amateur. Aber ein Werk abseits von einfältigen Wiesenschnetzeleien.

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Herr der Ringe a la Amateur

Amateurfilmer fühlen sich ja bekanntlich zu Waldszenarien hingezogen, können sie dort ohne fremde und schockierte Blicke ihre Sauereien zelebrieren. Wenn wir mal Ittenbachs Anfänge in Muttis Heim ignorieren, begann wohl so gut wie jeder aufsteigende Homehobbyregisseur seine "Karriere" in deutschen Wäldern. Schnaas, Taubert, Marius Thomsen, Rohnstock, Rose, Ude und die Camp Blood Reihe aus den USA begründeten und erschufen mehr unfreiwillig wie freiwillig ein Genre, dass wohl vordergründig im Amateursektor anzutreffen ist: Der Wald ,- und Wiesensplatter. Nun mag das einfältig klingen und man möge meinen, dass man diese Ergüsse alle über einen Kamm scheren kann, doch es mag neben Zombie 90, Piratenmassaker, The Butcher, Violent Shit 1-3 und Knochenwald noch ambitionierte Projekte geben, die sich fernab dieser einfältigen Schlachterei bewegen.

Eines dieser ambitionierten Projekte ist Die Waldbewohner, der Name sagt es zwar, er spielt im Wald, geht aber in eine komplett andere Richtung als die meist storylosen 0815 Schmodderprojekte.

Was kann man also von diesem Film erwarten, der uns in eine Szenerei wirft, die Anfangs eine vollkommen heile Welt zelebriert. Ein Pärchen samt Kinderwagen stolziert über einen Feldweg. Die Sonne scheint und sie beschliessen noch Blümchen zu pflücken. Den Kinderwagen kurz aus den Augen gelassen, und schon ist das Kind weg. Die Illusion von einem perfekten Familienleben geplatzt. 24 Jahre später:

Eine junge Frau, scheinbar das Baby von dazumals hechtet mit Freudensprüngen, als käme sie gerade von Woodstock über eine Wiese. Sie sammelt Blumen und Kräuter, sie heisst Sanjonara und nennt sich Kräuterfee und Zauberkundige, und sieht unterdessen so aus, als würde sie aus der Einsiedlerzeit stammen. Was ist also passiert? Zwar klärt uns der Film leider nicht auf, wieso sie plötzlich frohlocket durch den Wald hüpft, wo sie hier eigentlich ist, wieso sie so aussieht, eine Kräuterkundige ist und nicht mehr in der Zivilisation wohnt, aber blitzschnell wirft uns der Film damit in eine Fantasywelt, wie wir sie bestens aus Herr der Ringe kennen. Der Fehler dabei ist allerdings, dass der Zuschauer nicht weiss, welche Mission die junge Dame eigentlich hat und was hier eigentlich passiert. Der Film versucht gewollt ein kleines Pathos zu sein, weiss dabei aber selten seine eigentliche Intention.

Denn während Sanjonara ihren ersten Verbündeten trifft, einen Fährtenleser, kommen die ersten komödiantischen Aufschwünge auf, die so gar nicht in das Geschehen passen wollen, sind diese Einlagen nur allzu banal und grenzen an Klamauk. Bestes Beispiel ist dort der Verzehr eines Krauts namens Schwellkraut, dass dem Fährtenlesen einen Dauerständer verpasst und aufgrund seiner Gelüste gezwungen ist, den Baum zu penetrieren. Wir nehmen es hin, warten ab und freuen uns zumindest mal, dass das Werk zumindest versucht eine Geschichte zu erzählen, denn scheinbar, so wird es erzählt, lauern in den Wäldern herrschsüchtige Waldbewohner, die den normalen "Menschen" den Gar ausmachen wollen.

Doch nicht nur sie sind die Gefahr, wird Sanjonara auf ihrer Reise ins Unbekannte noch andere Gefahren kennenlernen: ein mafiosiähnlicher Dämon, der Seelen will, und dabei in seinem gewollten Overacting abermals Zwiespalt für das Filmerlebnis stiftet, Untote in der ewigen Ruhe, eine Nichts nur mit schwarzer Dunkelheit, die von einer niedergeschmetterten Königin regiert wird und hübsche Amazonen, die mörderisch sind, aber mit Sex zu bestechen sind.

Kämpfe gibts dabei viele, und dass choreographisch gar nicht mal schlecht, darf dabei auch ganz gerne mal das Kunstblut fliessen. Den übermäßigen Splatter sollte man allerdings nicht erwarten, denn Die Waldbewohner punktet eher für Wald und Wiesenamateurverhältnisse mit gekonnten Kameraeinstellungen, einem glasklaren Bild, guter Vertonung, aber eher laienhafteren Sprechern, aber im Gegenzug mit schönen Kostümen, guten Einfällen wie dem Ort der ewigen Ruhe und dem mehr schlecht als recht aufgestellten Händlerdorf mitten auf einer Lichtung. Ja, das Alles wirkt sehr symphatisch, aber leider wissen wir immer noch nicht so recht, was hier die tatsächliche Mission ist. Ein Genickbruch für die Spannung ist das leider ohnehin, aber es wirkt ohne Zweifel wie in interaktives Rollenspiel von dem PC, denn wenn Sanjonara zum Angriff pfeift, leuchtet rechts unten im Bild ein Manabalken auf. Nett, nett, auch wenn das Alles in seiner Gesamtkonstruktion zu überfrachtet wird.

Die Waldbewohner geht in viele Richtungen, kann sich dabei aber selten wirklich für eine Dominante entscheiden. Fantasy, Abenteuer, Komödie, Horror, Splatter und Trash, alles ist vertreten, doch diese Suppe aus Genres verdirbt so einiges, was das ambiotionierte und innovative Werk zerstört. Da werden Zitate ausgespuckt wie "Du kommst hier nicht vorbei" und die volle Messlatte an Mysterie und Charaktären bedient, doch das Gesamtergebnis bleibt mittelmäßig, auch wenn das Ende ein paar beantwortet, doch wieder zuviele neu bildet. Parallelwelt, Realitätszuflucht, ein Sog? Man weiss es nicht.

Fazit:
Die Waldbewohner ist ein symphatisches und ambitioniertes Projekt von Ralf Kemper, dass aber an vielen Ecken und Enden zu überfrachtet und gewollt daherkommt und die Frage "Wieso?" schlichtweg nicht beantworten kann. Spass macht der Film doch irgendwo, aber zuviele Zutaten verderben leider wie so oft jede Suppe. Wer im Amateurgenre aufgeschlossen ist, kann sich Die Waldbewohner aber trotzdem ohne Bedenken ansehen.

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Re: Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

Beitragvon funeralthirst » 30. Jul 2010, 21:53

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Ärger am Set

Ein Film der UNRATED heisst und aus der bluttriefenden Feder von solchen Amateurgrössen wie Timo Rose und Andreas Schnaas stammt, muss doch eigentlich grundlegend genial sein, verbünden sich damit zwei Männer, der eine schrieb Geschichte mit Violent Shit, begründete mit Ittenbach den Amateurfilm in Deutschland, der eine ein etwas nachziehender Ambitionist, der aber eben auch einen genauso steinigen Weg hatte. Es sollte wie gesagt das Treffen der widerlichsten und goreleckenden Titanen werden, eine lange ausstehende Wiedergeburt von Karl the Butcher, zuletzt dagewesen in Nikos the Impaler und ein Plot, wie wir ihn treffender nicht kennen.

Das reißt uns auch allesamt, alle jene die sich dem Film hingeben, in eine Ausgangssituation, die wir irgendwie schon lange kennen. Es mutet wie eine Mischung aus Tanz der Teufel und The Massacre an, denn eine Gruppe wilder, knappgekleideter Ischen rudelt samt Filmmacheruntensilien mit einem verträumten und idiotenhaften Möchtegernregisseur durch die wäldlerische Pampa, um just dort mittendrin, in einer baufälligen und uralten Holzhütte nen Film zu drehen. Schon dort zeichnet sich der eigentliche Grundtenor und Ausrichtung des Filmes ab, denn Rose bzw. Schnaas versuchen nur allzu deutlich, meistens auf Teufel komm raus, und absolut unpassend, einen humoristischen, nahezu fast schon satirischen Unterton zu bilden, lassen sie ihre Darsteller TROMA - like agieren, um in besonderen Momenten Cartoonsounds a la Tom & Jerry einzustreuhen. Das ist nicht nur irgendwie lächerlich, sondern auch spätestens dann aufgesetzt, wenn die Ankunft in der Hütte zunehmend ernster wird.

Rose und Schnaas nehmen sich nämlich ab dort ungewöhnlich viel Zeit für Charakterzeichnung. Zumindest in dem Maße, wie es Filme dieser Art nötig haben. Aber leider ist das in den meisten Fällen schlichtweg banal, schliesslich erwartet man bei einem solchen Produkt bloss stereotype Vollpfosten, die man abgeschlachtet sieht, anstatt mit ihnen mitzufiebern oder sie zu bemitleiden. Aber immerhin zeichnen sich dadurch die typischen Klischees ab, wie auch schon erwartet. Magdalena Kalley, die Blonde aus La petite mort mimt wie immer das toughe aber genauso naive Dummenblondchen, eine weitere, den abgehalfterten Star, die sich allen anderen überlegen sieht, aber von den Anderen bloss frevelhaft Face-Surgery-Zombie genannt wird. Der Regisseur ist ein Trottel hoch zehn, filmt seine gelangweilten und von der schäbigen Kulissen entnervten Damen völlig sinn ,- und zusammenhanglos und wichst sich nebenher einen auf Andreas Schnaas. Was das soll, ist zwar fraglich, ergibt aber den ersten komischen Beigeschmack. Wiedermal ein Zeichen, dass der werte Herr abgehoben zu sein scheint?

Ein einziges Glanzlicht bildet da die bildhübsche und am einzigsten symphatische Eleanor James ( gefallener Engel aus Forest of the damned), deren Heldenrolle so gut wie vorgeschrieben ist, aber genauso wenig die Belanglosigkeit des Geschehens retten kann, denn der Film zereitet sich immer mehr in einen Bastard aus ernsthaftem Film, Satire und oberpeinlichstem Klamauk, sodass man sich fragt, was das eigentlich Alles soll. Zwischendrin wechselt man zwar mal zwischen dem sogenannten World of the Mortals und The Hell, in der Manoush (La petite mort) ähnlich wie in Goblet of Gore die böse Priesterin mimt, doch das ergibt genauso wenig Sinn, wie es auch aufgesetzt und zusammenhanglos daherkommt. Aber immerhin zeichnet sich dadurch ab, auch vorallem nach dem unerwarteten Aufkommens des Book of dead (Tanz der Teufel grüsst abermals), was in den Folgeminuten passieren mag oder könnte. Immerhin beginnt alles recht flockig mit einer etwas dämlichen Eigeninterpretation der Mann an Leine einer Frau - Szene aus 120 Tage von Sodom, aber spätestens wenn Vivian Schmitt, die olle Pornouschi ihre Titten kreisen lassen darf, darfs rund gehen, bittet nämlich auch Karl the Butcher zum Tanz. (Minute 45)

Ästethisch ist die etwas angefressene Silikontante zwar nicht, aber immerhin gehts dem Regisseur mal dank Karl an die Klöten. Ab da an wird UNRATED zum Wiedersehen alter Kollegen, denn dank des Buches, Manoush, Vivian Schmitt als Hundeführerin, wird die sogenannte Army of the dead erwacht.
Nicht nur der Melting Man (Planet Saturn lässt schön grüssen), sondern auch ein untoter Templer (Die reitenden Leichen), sowie FAT ZOMBIE (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies / Zombie 2 / GLI Ultimi Zombie) machen sich auf, den Rest der Bagage, die wir mittlerweile als totnervend empfinden, abzuschlachten. Schnaas und Rose gelingen dort freilich tolle Bilder, und auch die Maskenarbeit kann sich sehen lassen. Das Alles hat Schundcharme hoch zehn, wirkt alles verdammt unbedarft und nasty, aber genauso wollten wir das ja auch. Da werden formschön Köpfe geschmolzen, Körperhelften getrennt und Bäuche aufgerissen bis die Schwarte kracht, wobei das auch qualitativ echt schön anzuschauen ist.

Und wenn dann nichts mehr übrig ist, bekommen wir den süffigsten Showdown, wie soooo lange vorher gewünscht, schliesslich muss sich einer der Allen als Retter in der Not erweisen. Aber bitte bloss in Tanga und mit MP 40. Danke du allerschönste Eleanor James, dass du den Film noch mit deiner zwar plumpen und sehr nackigen Darbietung retten konntest, aber ich denke dabei waren sich auch die Herren Schnaas und Rose bewusst. Es siffert jedenfalls wie Sau, kann aber im Gesamteindruck nicht darüber hinwegtäuschen dass die Ungereimheiten in Sachen Filmausrichtung nervten, der gewollte Charakteraufbau eher störend für einen Amateursplatter ist, und das gewolltes TROMA - Acting a la (Schrei lauter und Hexenhaus - Blut für die Zombies) meist daneben ist.

Technisch kann man UNRATED allerdings nichts ankreiden, ausser eben, dass ich es wie immer nicht verstehen kann, dass ein deutscher Amateurfilm auf Englisch gedreht wird, und bei DVD VÖ auf Laser Paradise nichtmal deutsch synchronisiert erscheint. Aber da scheint den Herren internationaler Erfolg mal wieder wichtiger zu sein, als das Wohlergehen der Fans im eigenen Lande. Aber ehrlich: sofern man mindestens 3 Jahre Englisch in der Schule hatte, wird man die belanglosen und genauso doofen Dialoge auf Schulniveau verstehen. Das ist wie immer sehr gewollt, passt aber irgendwie besser als zu professionell, und immerhin hat es doch wo seinen Charme, vorallem weil es das Gefühl erweckt, die Darsteller hätten etwas drauf.

Fazit:
Wer auf Vivian Schmitts Hütten steht und gerne 45 Minuten bis zum Schmodder abwarten kann, für den ist UNRATED eine volle Empfehlung. Wer allerdings eine Hommage an 70er Jahre Goremovies mit Biss und vorallem mit passender Ausrichtung sehen will, ist mit UNRATED an eher falscher Adresse, auch wenn die Auftritte ganz symphatisch sind. Sie bilden immerhin, natürlich neben der wunderschönen Eleanor James die Höhepunkte. Wie immer ein Dumpfbackenamateurschmuddelkäse ohne Sinn und Halt, aber so solls auch sein.

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Re: Sleaze, Trash & Geschmodder - Stoss das Tor zur Filmwelt auf

Beitragvon funeralthirst » 30. Jul 2010, 22:03

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Julchen und Jettchen lassen sich bilden.

Dietrich, Franco, D'Amato, Rollin und wie sie alle heissen. Alle haben sie etwas gemeinsam, denn sie prägten die 70er und 80er Jahre mit ihren schlüprigen und meist sehr exploitativen Sexfilmchen und schufen damit ein Genre, dass wie keines andere mehr ausgeschöpft wurde, denn neben Gewalt ist wohl Sex der grösste kommerzielle Ritt, den der Film an sich beschreiten kann. Sexploitationfilme gehen dabei verschiedene Richtungen, denn während ein D'Amato immerzu Sex und oftmals Hardcoreanleihen mit massig Gewalt und Sadismus, bzw. auch viel Horrorthematik darin verwendete, bestritt jemand wie Dietrich eher die Klamotte, waren seine Sexfilmchen oftmals mit viel pubertärem Humor gefüllt.

So auch in Julchen und Jettchen, in dem wir uns in einer Ausbildunsstätte für Apothekerinnen befinden. Natürlich ist das dann der weltfremde und herrliche naive Sleaze mit Friede - Freude Eierkuchen, wie es ein komödiantischer und ästhetischer Sexfilm braucht. Langsame und verträumte Bilder und Kamerafahrten über herrlich vegetative Landschaften, alte Bauten und Kanzane in der Blüte, während schülerisch neckige Mädchen frohlockend über die Wiese hüpfen und sich totlachen. Das ist alles sowas von naiv abgefilmt, dass es eigentlich kein Wunder mehr ist, wenn im Biologieunterricht die Körperorgane an lebendigen Objekten studiert werden. Da dürfen die sehr reizvollen Damen gerne ihre Hüllen fallen lassen, wenn die Brustknospen unter die Lupe genommen werden, die Lehrerin auch gerne mal ihr Röckchen hebt, um den vaginalen Aufbau zu erklären und das Julchen ein gewillten Mann bestellt, um der ganzen Klasse die männlichen Vorzüge informativ zu erklären.

Das Alles, in dem die beiden sehr lieblichen Schwestern Julchen und Jettchen (Brigitte Lahaie) im Vordergrund stehen, wirkt wie eine Sexklamotte vom Feinsten, aber leider nie so wirklich mit dem nötigen Biss um durchgehend begeistern zu können. Natürlich sind die Damen allesamt recht respektvoll bei ihren Sexszenen gefilmt worden, und Dietrich schafft es, auch mit seiner komödiantischen Ausrichtung das sinnlich und ästhetisch in Szene zu setzen, aber wirklich spannend ist der Film dadurch auch nicht unbedingt. Ein vielleicht treibender Faktor mag der Sprecherkommentar sein, der während eines Zweitplots ironische Bemerkungen über ein Päarchen mit einer eingeschlafenen Liebe zum besten gibt. Das bildet mitunter den humorvollsten Teil der Grundstory, und mündet natürlich darin, dass sich der Grundplot der zwei Schwestern in ihrer Ausbildung mit diesem Zweitplot vereint, und die Moral von der Geschichte beweist, dass Apothekerinnen wohl die besten Liebesengel sind. Da hat sich der Anatomieunttericht doch noch gelohnt.

Die Sexszenen sind natürlich alle bloss als normale Softerotik zu entlarven, denn Julchen und Jettchen ist kein Hardcoreporno, wie ihn D'Amato, Franco und Rollin ab und an mal drehten. Bieder ist das aber keineswegs, denn genug gespreizte Beine bekommen wir schon zu Gesicht, wär da nicht der meist unrasierte Mittelpunkt. Aber ein Lehrinternat mit willigen Nachwuchsapothekerinnen hat schon seinen Reiz, ja freilich.

Fazit:
Recht hübsch abgefilmte Sexklamotte, die seine Höhepunkte und komödiantischen und überzeugenden Momente hat, aber nicht durchgehend überzeugen kann. Wer bei einer solchen Story innovative Schübe erwartet liegt falsch, aber wer Brigitte Lahaie mag, für den ist Julchen und Jettchen eine kleine Sexperle für die Kurzweil zwischendurch. Und manchmal hat soviel sleazige Naivität auch mal ihren Reiz.

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