Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Moderator: jogiwan

Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 18. Aug 2013, 12:48

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DVD/BD-Combo: BFI Flipside (GB)



The Black Panther (Großbritannien 1977, Originaltitel: The Black Panther)

Gnadenlos beschränkt, unbeschränkt gnadenlos?

Donald Neilson (Donald Sumpter) lebt mit Frau (Marjorie Yates) und Tochter (Sylvia O'Donnell) ein unauffälliges Leben. Hinter der Fassade knechtet der ehemalige Soldat seine kleine Familie, starr vor Angst werden kaum Fragen gestellt, regt sich kein Widerstand. Immer wieder plant Neison Raubzüge, hat es auf kleine Postämter in ländlichen Gegenden abgesehen. Trotz Planung kommt es zu fürchterlichen Zwischenfällen, Gegenwehr beantwortet der Räuber mit tödlicher Gewalt. Nach diversen Schreckenstaten gehört der "Black Panther" zu den meistgesuchten Verbrechern in Großbritannien, hingegen gestaltet sich die Beute aus seinen Überfällen eher überschaubar. Irgendwann beginnt Neilson seinen großen Coup zu planen, er will eine jugendliche Erbin entführen und £50,000 erpressen ...

Ian Merricks Film basiert auf wahren Begebenheiten, tatsächlich sorgten die Taten des "Black Panther" damals für jede Menge Aufregung. Donald Neilson wurde 1975 festgenommen, 1976 zu einer lebenslangen Freihheitsstrafe verurteilt, verstarb schließlich Ende 2011 in Haft. 1977 war der Fall noch immer in aller Munde, so regte sich heftiger Widerstand gegen Merricks Werk. Zunächst wurde die Premiere verschoben, später hagelte es beim Start im kleinen Stil erneut Proteste. Zu diesem Zeitpunkt hatte man bereits 300 Kopien für den offiziellen Kinostart angefertigt, zu dem es jedoch nicht kam, pleite und geprügelt verließ Ian Merrick das Land. Dabei geht der Streifen keineswegs exploitativ ans Werk, bleibt offenbar recht nahe an der Realität. Merrick gelingt der Spagat zwischen fast dokumentarischer Aufbereitung und angenehm unbequemer Unterhaltung, wenige Ausbrüche physischer Gewalt dienen stets der Erzählung.

Donald Neilson wird als Mensch mit wenig Mitgefühl gezeigt, geprägt durch seine Zeit beim Militär (diverse Flashbacks weisen auf diesen Lebensabschnitt hin), Frau und Tochter haben sich dem Drill gebeugt. Durchaus akribisch bereitet Neilson kommende Raubzüge vor, studiert Karten, markiert mögliche Fluchtwege und Rückzugspunkte, geht bis an die Zähne bewaffnet und ausgestattet zu Werk. Trotzdem laufen seine Unternehmungen fast immer aus dem Ruder, da er bei Gegenwehr rücktsichtslos zur Schußwaffe greift. Mangel an Empathie in Verbindung mit Selbstüberschätzung, im Fall von Donald Neilson eine explosive und tödliche Kombination. Merrick nimmt sich Zeit für Feinheiten, zeichnet den Protagonisten des Schreckens nicht als völlig entmenschten Unhold. Während einer rührseligen Szene im Fernsehen weint er, frelich fällt dies der Tocher auf, die daraufhin barsch abgebügelt wird. Auch die Entführung Lesley Whittles lässt Neilson nicht völlig unberührt, mehrfach fällt er in seine normale Stimmlage zurück. Gleichwohl siegt immer rücktsichtsloser Stumpfsinn, werden nahes Umfeld und die gesamte Umwelt für das eigene Scheitern verantwortlich gemacht. Donald Sumpter gelingt eine unglaublich intensive und glaubwürdige Darstellung Neilsons, beängstigend, befremdlich und nachhaltig! Neben Sumpter bleibt vor allem Debbie Farrington in Erinnerung, ihre Lesley Whittle schwankt zwischen Hoffnung, Angst und nackter Panik.

Sämtliche Vorwürfe gegen Ian Merricks Film erweisen sich letztlich als völlig haltlos. Unfähigkeit der Ermittlungsbehörden und Sensationsgier der Presse werden am Rande thematisiert. Dies mag eventuell zusätzlich den Unmut diverser Lokalpolitiker und Schreiberlinge geschürt haben, falls die Herrschaften den Film überhaupt gesehen haben. "The Black Panther" zeigt uns das England der siebziger Jahre von seiner tristen Seite, ansonsten liebliche Landschaften muten leer und grau an, sogar das Essen auf Neilsons Teller stimmt in den Chor allgegenwärtiger Tristesse ein. Selten wurde ein realer Kriminalfall derartig feinfühlig und gleichzeitig kraftvoll verfilmt, gespickt mit starken Nebendarstellern und einem überragenden Hauptakteur. Drehbuch, Kamera und Regie finden die perfekte Balance zwischen trockener Realität und stimmungsvoller Unterhaltung.

Das DVD/BD-Set des British Film Institute präsentiert "The Black Panther" in sehr guter Qualität, fachkundiger und respektvoller Umgang mit dem Material erfreuen den Zuschauer. Im Booklet findet der Leser interessante Beiträge, auf den Scheiben den sehr sehenswerten Kurzfilm "Recluse" von Bob Bentley als Bonus. Großes Kino, nun endlich in angemessener Form verfügbar, ganz dicke Empfehlung für diese Veröffentlichung!

8,5/10 (sehr gut bis überragend)


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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 20. Aug 2013, 13:05

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 147 - Entlassen Sie diesen Mann nicht! (Deutschland 1986)

Das alte Leid ...?

Dr. Anna Kerwien (Reinhild Solf) fürchtet um ihr Leben, in ihrer Not wendet sie sich an Derrick. Einst wollte Dr. Kroll (Pinkas Braun) seine damalige Gattin erwürgen, nach fünf Jahren gilt seine Schizophrenie als geheilt, obschon zuvor eine dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet wurde. Vorsorglich sucht Derrick den Leiter der Einrichtung auf, laut Professor Schenker (Paul Hoffmann) geht von Dr. Kroll keine Gefahr mehr aus. Diese Ansicht untermauert der behandelnde Arzt Dr. Kraus (Wolf Roth), er ermöglicht ein Gespräch zwischen dem Oberinspektor und dem kurz vor der Entlassung stehenden Wissenschaftler. Kroll zeigt sich von einer freundlichen und friedlichen Seite, dennoch beschleicht Derrick ein ungutes Gefühl. Offenbar ignoriert Dr. Kroll gewisse Tatsachen, so scheint Annas neuer Ehemann Karl Kerwien (Günter Mack) für ihn nicht zu existieren. Derweil sorgt Dr. Kraus weiterhin für seinen Patienten, nimmt ihn im eigenen Haus auf. Niemand kann Anna Kerwiens Angst lindern, Kontaktversuche seitens Kroll sorgen für zusätliche Panik. Bald ist im Kreise der Familie Kerwien ein Todesfall zu beklagen ...

Besondere Freude bereitet das Wiedersehen mit Pinkas Braun, einem der stilvollsten Bösewichter des legendären Edgar Wallace Kosmos. Zwanzig zusätzliche Jahre stehen Braun gut zu Gesicht, verleihen ihm noch mehr Charakter. Seine dämonische Aura kommt regelrecht aus dem Bildschirm gekrochen und greift nach dem Zuschauer, großes Kino im Rahmen einer TV-Produktion! Teils hektischen Fanatismus legt Wolf Roth an den Tag, welcher -auch abzüglich kleiner Übertreibungen seitens der Maskenbildner- eine gute Figur macht. Andererseits sorgt der Einsatz des Kajalstifts für gewisse Erheiterung, es poltert in der Schublade irrer Irrenärzte. Paul Hoffmann zeigt uns einen klapprigen Professor, ausgebremst durch viele Jahre auf dem Buckel. Dr. Kroll, Dr. Kraus und Professor Schenker eint Arroganz, letztlich Vorlagen für clevere Konter unseres Lieblingsermittlers. Für die Eheleute Kerwien bleibt die Rolle verstörter und überforderter Lämmer, Reinhild Solf darf uns Anna Kerwien lediglich als nahezu hilfloses Wrack zeigen, während sich Günter Mack mit der undankbaren Rolle des farblosen Ersatzgatten plagt. Michael Hinz spielt den Schwager der ängstlichen Reinhild Solf, seine Darbietung mutet etwas hölzern an. Marilene von Bethmann ringt als Haushälterin mit Loyalität und Ehrlichkeit, schwere Lasten für Frau Schlehdorf.

Für die Regie dieser Folge zeichnet Horst Tappert verantwortlich, er inszeniert "Entlassen Sie diesen Mann nicht!" auf kurzweilige Art. Freilich füllen die Charaktere in erster Linie Schablonen, bewegen sich aber leichtfüßig auf den ausgetretenen Pfaden. Sogar der direkte Blick in die Kamera wird als Mittel zur Kontaktaufnahme mit dem Betrachtet genutzt, sicher nicht allzu feinsinnig, dennoch -oder deswegen- effektiv. Noch einmal muß ich meine Begeisterung für Pinkas Braun aus der Kiste holen. Ehrlich, der Mann könnte stumm auf einer Bank sitzen, ich würde ihm jederzeit Lord Satan abnehmen. Kommt jedoch zusätzlich Brauns markante Stimme ins Spiel, scheinen sich endgültig sämtliche Schlünde ewiger Verdammnis zu öffnen, ich liebe es! Wolf Roth stemmt sich schauspielerisch mit allem was er hat dagegen, so ergibt sich eine verdammt interessante Konstellation, Satans verlängerter Arm im Rausch. Tatsächlich sorgt Tapperts Regie für frischen Wind! Es ächzt im Gebälk, manchmal gerät Sand ins Getriebe, am Ende bleibt wundervolle, charmante und unkaputtbare Unterhaltung, da jazzt sogar der Fernschreiber in Münchens Amtsstube fröhlich mit!

7,5/10 (gut bis sehr gut)
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 23. Sep 2013, 15:07

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DVD: filmArt (Giallo Edition #002)



Der Schwanz des Skorpions (Italien, Spanien 1971, Originaltitel: La coda dello scorpione)

Anita & George im Nahkampf

Lisa Baumer (Ida Galli) verliert ihren Ehemann durch einen Flugzeugabsturz. Auf die attraktive Frau wartet ein üppiges Trostpflaster, sie erhält eine Million US-Dollar aus der Lebensversichrung ihres verschiedenen Gatten. In Athen lässt sich unsere lustige Witwe die gesamte Summe in bar aushändigen. Bald trübt sich die Stimmung deutlich ein, Lisa wird von der resolut auftretenden Lara Florakis (Janine Reynaud) massiv unter Druck gesetzt, soll die Hälfte des Geldes abliefern. Kurz darauf fällt Lisa einem brutalen Mörder zum Opfer, das Geld ist verschwunden. Versicherungsdetektiv Peter Lynch (George Hilton) arbeitet eifrig an der Aufklärung der Vorgänge, ebenso interessiert befasst sich Journalistin Cléo Dupont (Anita Strindberg) mit dem Fall. Während der zuständige Inspektor Stavros (Luigi Pistilli) Peter Lynch für verdächtig hält, mit Unterstützung des Interpol-Ermittlers und John Stanley (Alberto de Mendoza) Nachforschungen anstellt, kommen sich Peter und Cléo langsam näher. Weitere Morde geschehen, wer steckt hinter den grausamen Taten ...???

Unbestritten war die erste Hälfte der siebziger Jahre die große Zeit des Giallo. Sergio Martino gehört zu den wichtigsten Regisseuren dieser Epoche, lieferte in dieser frühen Phase seiner Karriere fünf relevante Beiträge zum Genre ab. Es folgt eine kurze Übersicht der Werke neben "Der Schwanz des Skorpions":

• Der Killer von Wien (Lo strano vizio della Signora Wardh)
• Die Farben der Nacht (Tutti i colori del buio)
• Your vice is a locked room and only I have the key (Il tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave)
• Torso - Die Säge des Teufels (I corpi presentano tracce di violenza carnale)

"Der Killer von Wien" erfeut (nicht nur) das Auge mit überschäumender Sinnlichkeit und herrlichen Wendungen. "Die Farben der Nacht" punktet mit okkult-pulsierender Schlagseite, während sich Grenzgänger "Your vice ..." -auf Poe-Fundament- in prickelnd-bedrohlicher Dreiecksbeziehungskistensuhle (und viel mehr) aalt. "Torso" lebt (teils) von boshaft-sadistischen Momenten, ist fraglos einer der wichtigsten Proto-Slasher neben Bavas "Im Blutrausch des Satans" (Reazione a catena). So mutet "Skorpion" auf den ersten Blick fast ein wenig unscheinbar an, vermeintlich fehlen ganz besondere Momente. Mit jeder Sichtung offenbart der Streifen mehr Potential! Sergio Martino beschränkt sich hier zwar auf bewährte Strickmuster, präsentiert uns diese jedoch nahezu formvollendet, garniert mit kleinen Spielereien und Höhepunkten. Martino mag kein Genie des Kalibers Mario Bava oder Dario Argento sein, ihn jedoch lediglich als geschäftstüchtigen Handwerker zu bezeichnen scheint mir unangemessen, viel Liebe zum Detail wird dem aufmerksamen Zuschauer nicht entgehen, mindestens Handwerkskunst lasse ich gelten. Freilich darf die hervorragende Kameraarbeit von Emilio Foriscot nicht unerwähnt bleiben, gleiches gilt für den grandiosen Score aus der Feder des zuverlässigen Bruno Nicolai.

Auch das Ensemble wird bei Freunden des italienischen Genrekinos für Begeisterung sorgen, nicht nur die Hauptrollen wurden mit bekannten und geschätzten Gesichtern besetzt. George Hilton darf den smarten Schnüffler geben, natürlich erliegt die weibliche Hauptrolle seinem Charme, wir dürfen Hilton und Strindberg in vielen gemeinsamen Szenen genießen, packendes Finale inklusive. Immer wieder begeistert mich die kühle Schönheit der Schwedin Anita Strindberg, hinter deren nordischer Edelfassade es verlockend brodelt. Ein Blick hier, eine Geste da, trallala. Luigi Pistilli liefert erwartungsgemäß hohe Qualität. Leider gelang dem großartigen Schauspieler nie der ganz große Durchbruch, obschon in Italien ebenso als Theaterdarsteller geschätzt, sein Leben endete 1996 durch Selbstmord. Alberto de Mendoza gibt den gönnerhaft angehauchten Interpol Mitarbeiter, Ida Galli dominiert die Aufwärmphase, Janine Reynaud sorgt für fiese Momente, unterstützt durch Luis "Fratzengeballer" Barboo. Leider bleibt nicht viel Raum für die wunderschöne Lisa Leonardi, deren Filmographie unerfreulicherweise nur wenige Einträge aufweist.

Wir bekommen einen Killer in schwarzen Klamotten und schwarzen Handschuhen zu sehen, Martino zeigt uns Morde voll blutroter Schönheit, gibt sich allerdings nicht allzu ausufernden Gewaltszenen hin, ähnliches gilt für die erotischen Momente. Unbeschwert wird Hitchcock aus der Schublade geholt, stilsicher gewählte Schauplätze sind sowieso garantiert, Einsatz von Zeitlupe und ungewöhnlichen Kameraperspektiven würzen das ohnehin schmackhafte Menü zusätzlich. Geldgier und Verdorbenheit lassen gierige Geiferlinge aus dem Boden sprießen, der Mensch ist eine Sau. Die Lösung des Falls setzt Martinos stilsicherer Inszenierung die Krone auf. "Der Schwanz des Skorpions" mag nicht mein Liebling im Giallo-Kosmos sein, er ist auch ich nicht mein Favorit aus dem Schaffen Sergio Martinos. Dennoch schaue ich mir den Film immer wieder sehr gern an, kann mich an jeder Sekunde dieser gekonnten Zielgruppenbedienung erfreuen. Bestens für Einsteiger geeignet, dicke Empfehlung!

In Deutschland erfuhr "Der Schwanz des Skorpions" bereits einige Auswertungen auf unterschiedlichen Formaten, die neue DVD von filmArt deckelt vorherige Veröffentlichungen. Im Vergleich zur DVD aus dem Hause X-Rated wurde die Bildqualität verbessert, neben der Videosynchronisation befindet sich nun auch die Kinosynchronisation an Bord. Ferner wird italienischer Ton angeboten, dazu ein interessantes Interview mit Sergio Martino, diverse Trailer, alternativer Vor- und Abspann, Vergleich zwischen 35mm und 16mm, abgerundet durch ein lesenswertes Booklet. Auch Besitzer älterer Ausgaben dürfen zugreifen, Einsteiger sowieso, klarer Kauftipp!

Es bleibt bei dicken 8/10 (sehr gut)!


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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 26. Sep 2013, 13:37

Im Ultrakurzformat:


• Wake Wood (Großbritannien, Irland 2011) - Nach dem tragischen Tod ihrer kleinen Tochter Alice, haben sich Patrick und Louise in das ländlich gelegene Wake Wood zurückgezogen. Dennoch steht die Ehe kurz vor dem Ende, Louise will ihren Gatten verlassen. Plötzlich eröffnet sich den Eheleuten eine unfassbare Option, offenbar kann Alice für drei Tage ins Leben zurückkehren ...

Unterhaltsamer Mix aus "Friedhof der Kuscheltiere" und "The Wicker Man", getragen durch Atmosphäre und ein sehr starkes Ensemble. Gern hätten Drehbuch und Regie tiefer schürfen dürfen, dennoch zeigt der Daumen insgesamt nach oben. Vorhersehbarer Verlauf, allerdings sorgt die fiese Poin­te für ein kleines Ausrufezeichen. Mir liegt die solide BD von Atlas Film vor, Gruselfans dürfen zugreifen.

6,5/10



• Angkor - Das Tor zur Hölle (Italien, Thailand 1982) - US-Journalist Andrew Cameron will seine Geliebte aus den sadistischen Fängen der Roten Khmer befreien, gerät dabei immer wieder in höchste Lebensgefahr. Bei der Truppe des abtrünnigen Militärschädels MacArthur hofft er auf Hilfe. Ein Trugschluss, doch immerhin gewinnt er mit dem alten Recken Woody einen treuen und schlagkräftigen Kampfgefährten.

Munteres Treiben zwischen Kriegsdrama, Liebesschnulze und Exploitation. Während Hauptdarsteller Robert Walker Jr. eher blass anmutet, sorgen Woody Strode und Christopher George in Nebenrollen für gesteigerten Wiedererkennungswert. Auf der DVD aus dem Hause Motion Picture befindet sich die ungekürzte Fassung, die deutsche Kinoversion ist im Bonusbereich enthalten.

6/10


... und viele Sausen mehr, aber keine Zeit für Getippe ...
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 4. Okt 2013, 14:39

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DVD: Arrow (Großbritannien)



Midnight (USA 1982, Originaltitel: Midnight)

Liebt der Deibel Blut und Mettgut?

Nancy (Melanie Verlin) wird von ihrem betrunkenen Stiefvater Bert (Lawrence Tierney) belästigt, kann sich dem Übergriff des Polizisten jedoch rechtzeitig entziehen. Angewidert ergreift das siebzehnjährige Mädchen die Flucht, will sich von der Ostküste per Anhalter nach Kalifornien zu ihrer Schwester durchschlagen. Sie trifft auf zwei junge Burschen namens Tom (John Hall) und Hank (Charles Jackson), diese sind mit ihrem Van zwar nicht Richtung Kalifornien unterwegs, immerhin scheint Florida nicht die schlechteste Alternative. Da es an Geld für Benzin und Nahrung mangelt, beschaffen sich Tom und Hank die nötigen Lebensmittel per Ladendiebstahl. Diesmal wird es verdammt eng für die kleine Truppe, nur knapp entgeht man dem Zugiff der Polizei. Allzu lange hält die Freude nicht an, am nächsten Morgen wartet eine schreckliche Überraschung auf die Rumtreiber ...

Regie und Drehbuch John Russo? Hm? Ja, Herr Russo war am Drehbuch zu George A. Romeros Klassiker "Night of the living dead" (1968) beteiligt. Mit "Midnight" präsentiert uns Russo einen kantigen Horrorstreifen, der sein geringes Budget (rund 70.000$) nicht leugnet, mit einfachen Mitteln eine trostlose und gleichermaßen intensive Atmosphäre erzeugt. Pittsburgh und Umfeld, geprägt von Wirtschaftskrise und Strukturwandel, tristes Stadt- und Landleben, Land und Gesellschaft im Zerfall. Am Rande der Zivilisation tummeln sich irre Teufelsanbeter, macht eine durchgeknallte Familie Jagd auf alle greifbaren Zweibeiner. Russo lässt kein Wohlgefühl zu, zerstört ohne Gnade kurzzeitig aufkommende Lagerfeuerromantik. Immerhin freunden wir uns problemlos mit Tom, Hank und vor allem Nancy an, umso schmerzhafter trifft uns die fiese Grätsche der örtlichen Satanisten. Slasher mit Okkulteinlage, so sieht die Marschrichtung aus.

Melanie Verlin mutet zunächst wie eine eher unscheinbare Protagonisten an, erweist sich jedoch schnell als Glückgriff. Nancy hat keine gute Zeit, zunächst vom Stiefvater bedrängt, wenig später von durchgeknallten Mettgutproduzenten drangsaliert. Verlin bietet mehr als übliche Final Girl Klischees, zeigt uns Nancy als greifbaren und liebenswerten Charakter. John Hall kommt als zukünftiger Lover in Frage, Charles Jackson darf als Hank skeptisch bleiben, mutiert angehmerweise nicht nur Nervensäge. Mit diesem Trio würde ich gern einen Trip durch die USA unternehmen, sofern wir nicht im Umland Pittsburghs unterwegs sind. Bekanntestes Gesicht im finsteren Treiben ist Lawrence Tierney, dem ich den schäbigen Stiefvater zu jeder Sekunde abnehme. Er taucht im späteren Verlauf des Streifens erneut auf, sorgt für Überraschungen. John Amplas kennen Romero Fans aus "Martin" (1976), diesmal sorgt er als Teil der teuflischen Familie für Angst und Schrecken. Ich verzichte auf kurze Anmerkungen zu allen Beteiligten, freut euch auf Bedienung diverser Schublader, fettes und debiles Familienmitglied in Latzhose inklusive.

Auf Druck des Verleihs wurde "Midnight" mit einem weniger bitteren Ende ausgestattet, nötigte man Russo diverse Szenen nachträglich anzufertigen. Vermutlich hätte mir das ursprünglich angedachte Finale gemundet, doch auch mit der vorliegenden Fassung kann ich mich anfreunden. Russos Werk schürft in einiger Hinsicht tiefer als der Slasher-Mainstream, eignet sich kaum zur lockeren Unterhaltung im Partyumfeld. "Midnight" bietet grimmige Momente, taumelt hier und da grotesk umher. Liebhaber etwas abseitiger Sausen werden sich in dieser "unbehaglichen Behaglichkeit" wohlfühlen, Wonnen der Tristesse. Träume vom leichten Leben im sonnigen Kalifornien enden irgendwo am Arsch der Welt im Dreck, ausgeliefert den Klauen teuflischer Bestien ohne Gnade. Nebenbei bekommen Kirche, Polizei und Rassisten eins auf die Mütze, alles ein Aufwasch, mitten in die Fresse. Tom Savini steuerte die FX bei, war lediglich beim nachträglich gedrehten Finale nicht verfügbar.

Arrow bietet "Midnight" auf einer ansprechend ausgestatteten DVD feil. Zwar muß der Filmfreund bezüglich Bildqualität Abstriche machen, indes nimmt die Stimmung des Streifens dadurch keinen Schaden, wird vielleicht gar verstärkt. Im Bonusbereich finden wir u. a. Interviews mit interessanten Ausführungen von John Russo und John Amplas, vor allem die Anmerkungen Russos offenbaren wissenswerte Details zu den Produktionsumständen von "Midnight". Dem Fan bietet das Set weiterhin angenehme Hardware, dazu gehören ein lesenswertes Booklet, Poster und Wendecover für Spielkälber. 1982 steht übrigens für das Jahr des Kinostarts, die Dreharbeiten fanden bereits 1980 statt.

Slasher, satanische Hinterwäldler, jede Menge Atmosphäre = Meine Suhle! Ich ziehe dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)! Beachtet: Kein Film für Einsteiger, hier sind Liebhaber gefragt!


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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 6. Okt 2013, 13:26

Im Ultrakurzformat:



• Heroes of the East (Hongkong 1978) - Da ihre Väter seit langer Zeit gute Geschäftsbeziehungen unterhalten, werden ein junger Chinese und eine junge Japanerin verheiratet. Glücklicherweise ist sich das Paar tatsächlich zugeneigt. Bald ziehen Wolkem am Horizont auf, die japanische Gattin treibt gern Kampfsport, wird aber von ihrem Ehemann in die Schranken gewiesen, reist gekränkt zurück nach Japan. Per provokanter Botschaft möchte der junge Mann seine Frau anlocken, bekommt es jedoch mit diversen Meistern japanischer Kampfsportarten zu tun ...

Auch im Hause der Shaw Brothers beschäftigte man sich geschäftstüchtig mit dem alten Konflikt zwischen China und Japan. Diesmal geht es jedoch nicht um Kämpfe auf Leben und Tod, vielmehr wird versucht die Ursache für ständige Streitigkeiten aufzudecken. Unkenntnis fremder Sitten, unangebrachter Hochmut etc.. Freilich besiegt der Held aus China seine Gegenspieler, demonstriert die Überlegenheit chinesischer Kampftechniken, vermittelt den Japanern nebenbei gute Manieren. Mit Gordon Liu wurde die Hauptrolle angenehm besetzt, durch den gesamten Film zieht sich -zwischen plump und fein pendelnder- Humor, vielleicht werden Japaner den Streifen nicht ganz so lustig und unterhaltsam finden.

Mir liegt der Film auf einer Scheibe aus den USA vor. Dragon Dynasty präsentiert das Werk in solider Qualität, obendrauf gibt es eine beachtliche Dosis Bonusmaterial. Lust auf ein etwas zahmeres Werk aus dem Shaw-Kosmos? Zugreifen!

7/10 (gut)



• Zombie 5: Killing Birds (Italien 1987) - Nach dem Vietnamkrieg verarbeitet ein Heimkehrer seine Familie zu Mettgut. Viele Jahre später sucht eine Gruppe Studenten nach einer bedrohten Vogelart, muss notgedrungen eine Nacht auf dem verlassenen Anwesen des Schreckens verbringen ...

Man nehme eine Prise Vietnam, menge Tierhorror und Geisterhaus bei, schmecke das Treiben mit ein paar Zombies ab, werfe eine Gruppe talentfreier Darsteller in den Ring, setze einen bekannten Namen (Robert Vaughn) obendrauf, fertig ist die Laube. Mich machen Horror-Sausen aus der späten Phase des italienischen Genrekinos durchaus an. Als Beispiele möchte ich das herrliche Fulci-Mattei-Fragasso Flickwerk "Zombie 3", den haltlosen Unfug "Zombie 4 - After Death" von Fragasso, Umberto Lenzis knuffigen Schlurfer "Black Zombies" anführen, die mir immer wieder Stunden wohlig-bek(n)ackter Unterhaltung schenken. Leider gelingt dies "Killing Birds" nur ansatzweise, zu belanglos die jungen Aushilfsfratzen (vor allem Lara Wendel geht mir teils gewaltig auf die Nerven, nicht nur in diesem Film), immerhin sorgt der ab und an durchs Bild staksende Robert Vaughn für Erheiterung, gibt es hier und da eine Dosis Hackpeter zu bewundern. Für den Zuschauer kommt die Dezimierung der "Forscher" einer fortschreitenden Erlösung gleich.

Shriek Show bietet das Machwerk in brauchbarer Verfassung an. In meiner Sammlung steht ein Set mit dem klangvollen Titel "The Zombie Pack", dort sind neben "Killing Birds" auch "Zombie 3" und "Zombie 4" enthalten, daher spreche ich sehr gern eine klare Kaufempfehlung aus. "Killings Birds" schleppt sich auf knappe 5/10, weniger lässt mein Herz für Schund nicht zu.
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 8. Okt 2013, 14:18

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 148 - Mädchen in Angst (Deutschland 1987)

Harry unter Druck

In seiner Freizeit eilt Harry Klein einer jungen Frau zu Hilfe, bewahrt sie vor weiteren Schlägen des brutalen Kriminellen Franz Belter (Henry van Lyck). Anja Ruland (Sona MacDonald) verbringt die Nacht in Kleins Wohnung, verschwindet jedoch wortlos am nächsten Morgen. Freilich lässt Harry das Schicksal des Mädchens keine Ruhe, nach kurzer Suche findet er Anja in einem abgelegenen Büro der Ganoven. Plötzlich taucht Belter mit seinem Kumpel Rotter (Stefan Behrens) im Schlepptau auf, Harry kassiert eine schmerzhafte Abreibung. Zurück im Revier macht Harry eine erschreckende Entdeckung, seine Dienstwaffe ist verschwunden! Flugs eilt unser emsiger Inspektor zurück zum Ort der Prügelstrafe. Dort findet er jedoch nicht seine Waffe, er stößt auf Belters Leiche, drei Kugeln pusteten das Lebenslicht des Ganoven aus. Unangenehm, denn Rotters Aussage belastet Harry schwer, nun ist nicht nur Stephan Derricks unerschütterbare Freundschaft gefragt ...

Normalerweise steht dieser Absatz im Zeichen der Gastdarsteller. Diesmal muss ich jedoch mit Horst Tappert und Fritz Wepper beginnen. Zunächst dominiert Wepper mit einer überzeugenden Leistung die Folge, dann tritt Tappert ins Zentrum der Geschehnisse. "Mädchen in Angst" zeigt -einmal mehr- die enge Bindung zwischen den Hauptfiguren der Reihe auf. Sollte sich Harry ungestüm vergaloppieren, er kann sich auf seinen Freund Stephan verlassen, selbstverständlich ebenso auf dessen präzisen Spürsinn. Monumental ragt Leuchtturm Stephan Derrick auf dem Ozean des Schreckens hervor, schwebt unnachgiebig und mit Adlerauge über feindlichen Sumpfgebieten, rettet das Gute aus Minenfeldern und Höllenschlunden, stets väterlich und weise, wickelt nebenbei den Staatsanwalt locker um den Finger. Nachdem der Plot Harry im späteren Verlauf leicht ausbremst, darf Sklave Berger brav hinter Meister Derrick herstiefeln, teils sogar mit (eingeschränkter) Spracherlaubnis. Henry van Lyck und Stefan Behrens sorgen für Münchens fiese Fratze, van Lyck punktet mit angeborener Ekelhaftigkeit, Behrens gibt den überheblichen Widerling, Ohrfeigengesichter gehobener Güteklasse. Weniger ansprechend Sona MacDonald, deren Vorstellung eher für unfreiwillige Lacher sorgt, ein Opferlämmchen für den Order des Vergessens. Joachim Bissmeier taucht als Vater des Mädchens auf, füllt die Rolle des unscheinbaren Durchschnittsbürgers glaubwürdig aus. Gisela Trowe darf nicht ohne Erwähnung bleiben, eine alte Dame mit Herz, ringend mit kleinen Defiziten.

Horst Tappert nahm erneut auf dem Regiestuhl Platz. Während "Entlassen Sie diesen Mann nicht!" (Folge 147) in charmanter Unbeholfenheit erstrahlte, geht "Mädchen in Angst" diese überwiegend Eigenschaft ab, dirigiert solides Handwerk das Treiben vor der Kamera. Sicher kann man über Tapperts Qualitäten als Regisseur streiten, gleichermaßen darüber, ob es sinnvoll erscheint den Hauptdarsteller als Regisseur zu verpflichten. Ich bleibe dabei, Tappert sorgt auf eigentümliche Art für frischen Wind, obschon mir seine Regie in Folge 147 mehr zusagte. Noch ein paar Worte zum Drehbuch. Der Auftakt lässt auf einen Sprung in die Tiefen Münchens nächtlicher Halbwelt hoffen, inklusive schäbiger Bars, Absteigen, Nutten und illegaler Betäubungsmittel, sorgen Reizworte wie "Drogen und Prostitution" für Geifer in meinen Mundwinkeln. Leider dreht sich der Wind, anders als der Titel schmackhaft suggeriert, kommt "Mädchen in Angst" als Denkmal für die übergroße Freundschaft zwischen Derrick und Klein auf den Bildschirm, immerhin mit feinem Humor garniert. Ja, ich bin eine alte Sleaze-Sau. Dennoch wurde ich gut unterhalten, Nichtbefriedigung gieriger Erwartungshaltungen kann durchaus Freude bereiten. Nicht mein Liebling im Derrick-Kosmos, gleichwohl unverzichtbar.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 8. Okt 2013, 20:20

Im Mega-Ultrakurzformat:


Was für eine herrliche Horrornacht! Hatchet (2006) fand ich bei der Erstsichtung vor ein paar Jahren lediglich nett, vorgestern hat mich der Streifen nachhaltig gepackt! Wunderbare Zitatesammlung mit übertriebenen FX, gekrönt durch einen Unhold mit Kultpotential. Freue mich nun umso mehr auf den zweiten Teil, Blu-ray wurde bereits aus Großbritannien angefordert.

Danach gab es mal wieder den bewährten Wrong Turn (2003), der sich äusserst lustvoll in blutigen Schablonen suhlt. Bitte den englischen Ton genießen, Eliza Dushku wurde eine unerträgliche Synchronstimme verpasst! Erstaunlich die Alterfreigabe ab 16, da es mehrfach durchaus rustikal zu Fleische geht.

Für einen gelungenen Abschluss sorgte "The hills have eyes 2" (2007), den ich auch nach erneuter Sichung für deutlich unterbewertet halte! Etliche Lacher, vielleicht gewollt, vielleicht unfreiwillig. Anwärter auf die Szene/das Zitat des Jahres, DIXI sei Dank!

"Who was that guy?"
"Shitman the Barbarian!? I have no idea!"


3 x 8 = 24 Zentner Mettgut!
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 10. Okt 2013, 14:18

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DVD: Columbia Tristar (USA)



Relentless 2 - Dead On (USA 1992, Originaltitel: Dead On: Relentless II)

Liebesgrüße aus Moskau?

Sam Dietz (Leo Rossi) konnte den Sunset-Killer zur Strecke bringen, leidet seitdem jedoch unter Albträumen. Zu allem Überfluss steht seine Ehe mit Carol (Meg Foster) auf der Kippe, eine räumliche Trennung wurde bereits vollzogen. Freilich interessiert sich das Böse nicht für solche Befindlichkeiten, ohne Gnade löscht ein eiskalter Killer (Miles O'Keeffe) die Leben seiner Opfer aus. Sam stürzt sich auf den Fall, muß sich allerdings mit Bundesagent Kyle Valsone (Ray Sharkey) abgeben, offenbar verfolgt das FBI den Mörder bereits seit einiger Zeit quer durch die USA. Zunächst scheint die Zusammenarbeit halbwegs zufriedenstellend abzulaufen, bald geraten Dietz und Valsone massiv aneinander. Dietz behelligt seinen Vorgesetzten (Dale Dye) mit gewagten Thesen, begibt sich damit auf gefährlich dünnes Eis. Tatsächlich scheint der Fall mindestens eine Nummer zu groß für den Detective ...

"Relentless" lebte von seinem gut aufgelegten Ensemble, nicht zuletzt von der atmosphärisch dichten Regie seitens Bill Lustig. Diesmal nahm Michael Schroeder auf dem Regiestuhl Platz, der zwar nicht Lustigs Gespür für Stimmungen, Locations und Terror im Angebot hat, sich aber mit einer insgesamt soliden Arbeit zu behaupten vermag. Erneut kennen wir die Identität des Killers, aber seine Motive liegen zunächst nicht offensichtlich auf der Hand, werden nach und nach durch kleine Flashbacks angedeutet. Zusätzlich haut uns das Finale -etwas mühselige- Wendungen um die Ohren. So wurde Teil 2 zwar mit einem etwas komplexeren Hintergrundgeschehen ausgestattet, überzeugender bleibt dennoch der gradlinigere Plot des Vorgängers. Pluspunkte sammeln Kamera und Schnitt.

Leo Rossi darf abermals kräftig auf die Pauke hauen, als angeschlagener Sam Dietz kommt er noch streitlustiger und fanatischer rüber. Alles droht in ein privates und berufliches Debakel zu münden, da dem Detective inzwischen der warmherzige Heimathafen überwiegend abhandengekommen ist, vielleicht für immer verloren geht. Meg Foster kämpft um ihre Ehe, eine Frau wie Carol Dietz wünscht sich vermutlich fast jeder gestresste Gesetzeshüter, gute Vorstellung der Dame mit den unheimlichen Augen. Ray Sharkey wurde in die Form des überheblichen FBI-Drecksacks gepresst, legt Kyle Valsone irgendwo zwischen Schießbudenfigur und Dampfkessel an, kann sich neben dem großartigen Leo Rossi kaum behaupten. Zugegeben, Sharkey hat keinen allzu dankbaren Part erwischt. Über die schauspielerischen Qualitäten von Miles O'Keeffe gibt es nicht viel zu berichten, als wortkarge Tötungsmaschine erledigt er seinen Job immerhin routiniert, darf pünktlich zum Finale sogar einen Hauch Menschlichkeit zeigen. Dale Dye ist als Captain Rivers am Start, Chefchen gönnt sich gern ein paar Runden auf dem Sportplatz oder im Schwimmbecken, wer will schon ständig in muffigen Büros abhängen!? Mindy Seeger kennt der Zuschauer bereits, erneut flirtet Dietz die hilfsbereite Francine an, versteht sich gut mit der Seele des Reviers. Ebenso bekannt John F. Goff als Psychologe Dr. Park, bereits zuvor als Seelenklempner mit dem Willen zur rustikalen Lustigkeit präsentiert.

"Relentless 2" geht als unterhaltsame Fortsetzung durch, vor allem weil Leo Rossi sich zu keiner Sekunde lumpen lässt, Sam Dietz zu einer Institution erhebt. Dichte und Fiesheit der Erstlings werden verfehlt, immerhin verkommt der Nachfolger nicht zur müden Blaupause, streut kernigen Humor ein. Mich hat das Wiedersehen mit Sam Dietz und diversen Nebencharakteren ansprechend unterhalten, Teil 3 & 4 werden demnächst den Weg in meine Sammlung finden.

Auf dem deutschen Markt wurde die Reihe bisher nicht in digitaler Form ausgewertet, daher holte ich die US-DVD ins Haus. Geboten wird brauchbare Qualität und karge Ausstattung, Thriller-Fans dürfen zugreifen. Wer nicht auf die deutsche Synchronisation verzichten möchte, sollte sich um das Tape "Der Sunset-Killer 2 - Dead On" bemühen.

Dank Leo Rossi reicht es für knappe 7/10 (gut)


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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 13. Okt 2013, 19:30

Im Ultrakurzformat:



• Eyes of a stranger (USA 1981) - Ein perverser Vergewaltiger und Serienkiller geht gnadenlos seinem blutigen Handwerk nach. Jane Harris (Lauren Tewes) macht zufällig eine merkwürdige Beobachtung, nun glaubt die Journalistin dem Killer auf der Spur zu sein. Ihr Umfeld nimmt den Verdacht zunächst nicht allzu ernst, doch Jane ist dem Mörder tatsächlich weitaus näher als zunächst vermutet ...

Regisseur Ken Wiederhorn verwöhnt uns mit einem sehr kurzweiligen Mix aus Thriller mit Hitchcockeinfluss und ruppigem Slasherfilm, bewegt sich auf beiden Feldern stilsicher. Auch das Ensemble sorgt für Freude. Zunächst mutet Lauren Tewes in der Rolle der Nachrichtensprecherin etwas unscheinbar an, doch sie darf Jane Harris als interessanten und leidenschaftlichen Charakter darstellen, fernab stumpfsinniger Gier nach Sensationen. Jennifer Jason Leigh sehen wir als kleine Schwester der Heldin, fraglos ein großes Ausrufezeichen innerhalb ihrer Karriere. John DiSanti gibt den Schlächter auf erschreckende und nachhaltig wirkende Art. So sieht der unscheinbare Typ von gegenüber aus, Durchschnittsbürger mit Auto in der Garage und Pornoheften im Schrank.

Bewährte Zutaten in nahezu perfekter Symbiose, Spannung trifft auf rustikale Schauwerte, gekrönt durch großartige Leistungen der Schauspieler. Leider liegt in Deutschland bisher keine offizielle Auswertung auf DVD oder BD vor. In meiner Sammlung steht ein Set von Warner, der US-Import bietet vier Filme auf vier DVDs an:

• Deadly Friend (Wes Craven, 1986)
• The Hand (Oliver Stone, 1981)
• Someone's Watching Me! (John Carpenter, 1978)

... und den hier kurz vorgestellten "Eyes of a Stranger", für den ich dicke 8/10 (sehr gut) ziehe!
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