Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 10. Jan 2010, 16:04

The Texas Chain Saw Massacre (USA 1974, Originaltitel: The Texas Chain Saw Massacre)

Der Inhalt des Werkes dürfte bekannt sein. Fünf junge Leute sind mit einem Van unterwegs, machen Rast und ein Irrer will sie zu Mettgut verarbeiten...

Über "TCM" wurde schon so unfassbar viel geschrieben, dass ich meine Ausführungen diesmal sehr übersichtlich gestalten kann. Der Film zählt zu den grossen Klassikern des Horrorkinos, zu den wichtigsten Filmen der siebziger Jahre, dessen Einfluss noch heute in zahllosen Backwood-Horror Steifen überdeutlich spürbar ist. Sicher, Tobe Hooper war nicht der erste Regisseur, der einen derartigen Streifen aus die Beine stellte, doch ohne Zweifel ist die Wirkung des Kettensägenmassakers von extremer Nachhaltigkeit. Mit einfachen Mittel erschuf man einen packenden, fiesen Klumpen aus Blut, Dreck und Terror, der sich wie ein Urschrei aus der Höllensuppe erhob, gekocht aus Gedärm und Angst. Längst als Kunstwerk anerkannt, kämpft das kleine Meisterstück in Deutschland noch immer den Behörden, vermeintliche Jugendschützer stürzen sich wie feiste Schmeißfliegen auf den Film. Vielleicht findet irgendwann endlich ein Umdenken statt, doch unter der reaktionären Knute der momentanen Machthaber ist damit wohl nicht zu rechnen...

Ein paar Worte zu aktuellen Veröffentlichung von Turbine/NSM, die offiziell in Österreich auf den Markt gebracht wurde. In einem Digipak bekommt man drei Scheiben geliefert, der Film liegt jeweils auf DVD und BD vor, zusätzlich gibt es eine DVD mit zahlreichen Extras. Der Film präsentiert sich in erstklassiger Verfassung, das kann ich nach Sichtung der BD ohne Vorbehalte unterschreiben. Glücklicherweise hat man hier nicht durch unpassenden Filtereinsatz alles versaut, so sind besonders die Nachtszenen sehr körnig, Schärfe und Farben sind perfekt. Für Freunde steriler Hochglanzproduktionen -es soll ja Leute geben die Filmkorn unter "Bildfehler" einsortieren- ist der Streifen natürlich selbst als Blu-ray Auswertung ungeeignet. Der Daumen zeigt steil nach oben, eine bessere Veröffentlichung dieses Werkes hat der deutschsprachige Markt noch nicht gesehen. Klarer Kaufzwang für Freunde der Kettensäge!

"Eigentlich" darf man in diesem Fall nur die Höchstnote ziehen. Zwar bin ich ein grosser Verehrer des Films, aber es reicht dann doch nicht für 10/10, die meinen absoluten Lieblingen vorbehalten bleiben. Daher fette 9/10 (überragend) von meiner Seite, Verneigung inklusive!

Lieblingszitat:

"Bitte... ...rufen Sie die Polizei!"
"Ich habe kein Telefon hier."





Zombie Lake (Frankreich, Spanien, Portugal 1980, Originaltitel: Le lac des morts vivants)

Während des zweiten Weltkrieges rettet ein deutscher Soldat eine junge Französin. Die beiden werden ein Liebespaar, die kleine Helena wird geboren, doch die Geschichte der Liebenden nimmt einen tragischen Verlauf. Helenas Mutter verstirbt kurz nach der Niederkunft, ihr Liebhaber gerät mit seinen Kameraden in einen Hinterhalt des französischen Widerstands und wird erschossen. Die Leichen der deutschen Soldaten wirft man kurzerhand in den nahen See, schliesslich sollen die übrigen Besatzer keine Spuren des Gemetzels finden. Doch die Toten finden keine Ruhe. Einige Jahre sind ins Land gezogen, Helena ist inzwischen ein Schulkind, plötzlich kommt es zu unerklärbaren Todesfällen, die eindeutig in Zusammenhang mit dem See stehen. Bald offenbart das Grauen seine fiese Fratze, untote Soldaten erheben sich aus dem See und greifen die Dorfbevölkerung an. Der Bürgermeister (Howard Vernon) ist ratlos, doch die kleine Helena weiss Rat...

Jean Rollin ist der ungekrönte König des erotischen Vampirfilms, doch auch in anderen Bereichen tobte sich der gute Mann sich aus. Da seit den späten siebziger Jahren vermehrt die Zombies über die Leinwände ächzten, konnte sich auch Herr Rollin dieser Thematik nicht entziehen. Sein Beitrag "Die Foltermühle der gefangenen Frauen" (Les Raisins de la mort, 1977) wirkte ebenfalls recht eigenständig, entstand aber bekanntlich vor der grossen Zeit des Zombiefilms. Allerdings sollte man auch von "Sumpf der lebenden Toten" -der deutsche Titel von " Le lac des morts vivants"- keinen wüsten Reisser im Stil der italienischen Platzhirsche erwarten. Rollin bleibt sich selbst treu, er fügt romantische Momente, erotische Szenen, den zweiten Weltkrieg und Zombies zu einem eigenwilligen Werk zusammen. Die Aufmachung der Zombies wird viele Zuschauer gleich in die Flucht schlagen, vielleicht auch zu Lachanfällen hinreissen, man hat den Burschen lediglich ein wenig grüne Farbe auf die Fratzen geschmiert. Die Attaken der lebenden Leichen sehen eher nach Vampirbissen aus, wen wundert dies bei Rollin, wirklich blutig wird es sowieso nicht, Mettgut glänzt durch Abwesenheit. Immer wieder taucht Howard Vernon auf und verkündet seinen Sermon, mal mehr, mal weniger bedeutungsschwanger. Der Score passt sich dem bunten Treiben an, es gibt klassisch angehauchte Parts zu hören, die immer wieder von allerlei Geschwurbel ergänzt werden. Man kann den Streifen sich als völlig haltlosen, überflüssigen Schund abtun, mir hat dieses kleine Machwerk gut gefallen. Ich finde den Film einfach liebenswert. Selbst die alberne Optik der Zombies ist in diesem Fall egal, sogar die nach Swimmingpool aussehenden Unterwassen-Szenen sind irgendwie putzig. Ja, der Film mag bescheuert sein, ich finde das Teil sehr knuffig.

Da die deutsche DVD von X-Rated recht teuer ist, habe ich kurzerhand zur DVD aus Großbritannien gegriffen. Die Scheibe aus dem Hause Arrow Films bietet leider keinerlei Extras, doch die Bildqualität ist -bis auf ein paar Momente- sehr, sehr gut ausgefallen! Die englische Synchronisation ist solide, eine Alternative steht nicht zur Verfügung. Die DVD bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung, obwohl die Ausstattung sehr bescheiden ist, liegt der Film in sehr ansprechender Qualität vor und die Scheibe ist für kleines Geld zu haben. Ich schrieb es schon weiter oben, dieser Flick unterscheidet sich deutlich von seinen Kollegen aus Italien. Wer Werke wie "Woodoo" und "Zombies unter Kannibalen" liebt, wird sich nicht automatisch für diese Sause erwärmen können! Meine Zuneigung ist dem Film sicher, daher setzt es 7/10 (gut).

Lieblingszitat:

"Now i understand, why the lake has got such a strange Name..."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 12. Jan 2010, 16:25

Friday the 13th - Remake / Extended Cut aka Killer Cut (USA 2009, Originaltitel: Friday the 13th)

Auch in diesem Fall dürfte die Handlung bekannt sein. Jungvolk treibt sich im finsteren Wald herum, dabei wird gesoffen, gekifft und gerödelt. Jason Voorhees kommt vorbei und verarbeitet einen nach dem anderen zu Mettgut...

Das Original aus dem Jahr 1980 zählt zu meinen Lieblingsfilmen im Bereich Slasher, die zahlreichen Fortsetzungen können mich ebenfalls erfreuen. Natürlich konnte ich mir das Remake nicht entgehen lassen, dazu bin ich einfach viel zu "slashergeil". Regisseur Marcus Nispel hat 2003 -unter der Knute von Produzent Michael Bay- das Remake von "Texas Chainsaw Massacre" eingetütet. Damals liefen meine Alarmsiren heiss. Um Satans Willen.... ....lasst nicht zu, dass sich ein Michael Bay an diesem Stoff vergreift. Doch Nispel gelang ein sehenswerter Neuaufguss, auch wenn das Original natürlich überdeutlich verfehlt wurde. Bei "Freitag der 13." sieht es ähnlich aus. Die liebenswerten Qualitäten des Originals werden teils kopiert und es gibt jede Menge Anspielungen, doch der Spassfaktor und die Atmosphäre der Vorlage werden um Lichtjahre verfehlt.

Die Schauspieler machen genau das, was man in einem Slasher von ihnen erwartet. Sie füllen die üblichen Klischees mit -mehr oder weniger- Leben auf, die Damen zeigen ihre Auslage vor. Es gibt den unsympathischen Oberarsch, den "Helden", den Kiffer, den Spassvogel, die notgeilen Damen, die züchtige Dame und Begleiterin des Helden usw.. Mit Danielle Panabaker (bekannt aus der TV-Serie "Shark") und Amanda Righetti (bekannt aus der TV-Serie "The Mentalist") gibt es sogar zwei vertraute Gesichter zu sehen. Die beiden Schauspielerinnen haben die Rollen der "guten Mädchen" inne, ergo ziehen sie nicht blank, den Job überlassen sie ihren Kolleginnen. Zum Ablauf der Geschehnisse ist zu vermerken, dass das Remake quasi die ersten drei Teile der alten Reihe zusammenfasst. Der Film beginnt mit dem Ende des ersten Ur-Freitag, dann durchlebt Jason seine "Kopfkissenbezug-vor-der-Fratze-Phase". Nach etwas mehr als 40 Minuten findet er dann seine geliebte Eishockeymaske, wird sind in Teil 3 angekommen. Was mir am neuen Jason nicht sonderlich gefällt, ist sein zu eindeutig menschliches Verhalten und seine völlig normalen Bewegungaabläufe. Sicher, man wollte damit für frischen Wind sorgen, der Figur mehr Persönlichkeit verleihen, aber dies ging schon bei Rob Zombies Remake von John Carpenters "Halloween" nach hinten los. Figuren wie Jason Voorhees und Michael Myers beziehen ihren Reiz gerade aus der nahezu völligen "Entmenschtheit", egal ob wir uns im Jahr 1980 oder 2010 befinden.

Der Film hat seine Schwächen. Mir sagt der "echte" Jason einfach mehr zu, die Atmosphäre der Vorlagen ist ebenso weitaus besser gelungen. Doch trotz diverser Kritikpunkte hat mich das Remake gut unterhalten, meine Skepsis wurde mit jeder Minute kleiner, am Ende gammelte ein zufriedener, alter Mann auf dem Sofa vor sich hin. Wer sich den Film anschauen möchte, sollte auf jeden Fall zum "Extended Cut" aka "Killer Cut" greifen. In Deutschland hat man diese Fassung leider nicht veröffentlicht, es liegt lediglich ein DVD-Bootleg vor. Da die britische Blu-ray zum fairen Preis gehandelt wird -knapp 10£ bei Amazon.co.uk.- habe ich zu dieser Scheibe gegriffen. Die erweiterte Version enthält etwas mehr Gewalt und Handlung, vor allem aber mehr Möpse! ...und glaubt mir, die Damen packen wirklich knackige Fruchtkörbe aus! Besonders eine gewisse Julianna Guill hat mir in dieser Disziplin sehr zugesagt! In technischer Hinsicht gibt es an der BD nichts zu meckern, der Film liegt in schöner Qualität vor, ein paar nette Extras werden geboten.

Erwartet man keine Innovationen und Tiefenpsychologie, kann man mit diesem Streifen durchaus Freude haben. Natürlich braucht "eigentlich" kein Mensch diesen Film, denn die Originale sind eindeutig überlegen. Mir hat diese Betrachtungsweise des Stoffes aber weitgehend zugesagt, ich bekomme nie genug von Slashern. Aber ich bin ja schon längst kein Mensch mehr, sondern eher eine Art ranzige Sofakartoffel, vorwiegend festkochend. Gut = 7/10

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 13. Jan 2010, 21:22

Lakeview Terrace (USA 2008, Originaltitel: Lakeview Terrace)

Chris (Patrick Wilson) und seine Gattin Lisa (Kerry Washington) haben sich ein hübsches Anwesen in einem ruhigen Stadtteil von Los Angeles gekauft. Gleich nebenan wohnt Abel (Samuel L. Jackson) mit seinen beiden Kindern. Zunächst scheint Abel lediglich ein etwas verschrobener Typ zu sein, doch bald macht er Chris bei einem abendlichen Spaziergang ziemlich deutlich klar, dass er nicht viel von seinen neuen Nachbarn hält. Vor allem scheint Abel sich daran zu stören, dass Chris weiss ist, während Ehefrau Lisa eine Schwarze ist. Aus kleinen Sticheleien werden ausgewachsene Boshaftigkeiten, die Stimmung heizt sich immer weiter auf, die Eskalation scheint nicht mehr aufhaltbar zu sein. Doch damit nicht genug, denn durch den Druck von ausserhalb kommt es auch zwischen Chris und Lisa zu Spannungen, während Abel einfach keine Ruhe geben kann und ahnt wo der Hebel anzusetzen ist. Das gestresste und entnervte Ehepaar steht dem Nachbarn nahezu machtlos gegenüber, denn zu allem Überfluss ist Abel ein erfahrener, mit allen Wassern gewaschener Streifenpolizist...

Da ich Samuel L. Jackson immer sehr gern sehe, wanderte "Lakeview Terrace" nach kurzer Überlegung in unsere kleine Sammlung. Auch diesmal liefert Jackson wieder eine feine Leistung ab, man nimmt ihm den mehr und mehr austickenden, frustrierten Psychopathen jederzeit ab. Richtig leid tun kann einem Patrick Wilson, der sich hier gleich an etlichen Fronten aufreiben muss. Nicht nur der durchgedrehte Nachbar drangsaliert die Figur Chris, auch der Vater seiner Gattin Lisa ist nicht sonderlich glücklich über deren Verbindung zu einem Weissbrot. Die Krone wird dem Treiben aber von der holden Dame aufgesetzt. Sie setzt -gegen alle Absprachen- die Pille ab, entscheidet damit eigenmächtig über die Familienplanung, zeigt dabei keinerlei Unrechtsbewusstsein. Einen schlimmeren Vertrauensbruch innerhalb einer Beziehung kann ich mir kaum vorstellen. Besagte Lisa wird von Kerry Washington solide gespielt, im Vergleich zu Jackson und Wilson steht sie gar nicht so übel da. Den tragenden Figuren verleiht man eine angemessene Portion Tiefgang, so erfährt der Zuschauer nach und nach einige brisante Details aus der Vergangenheit des Cops. Zusätzlich wird der berufliche Alltag Abels thematisiert, der letztlich ebenfalls zum Fehlverhalten und vermehrten Austicken des Charakters beiträgt.

Schauspielerisch ist bei "Lakeview Terrace" alles im grünen Bereich. Der Film ist überwiegend ruhig erzählt und hält den Zuschauer problemlos über die gesamte Laufzeit von 110 Minuten bei der Stange. Lediglich im Finale stellt sich der Streifen selbst ein Bein. Hier hat man leider einen sehr einfallslosen und flachen "Ausweg" gewählt, der das ansonsten durchweg positive Gesamtbild des Werkes deutlich beschädigt. So bekommt das stimmige Erlebnis letztlich unnötige Schrammen verpasst, schade! Mir liegt der Film auf Blu-ray vor. Die Bildqualität ist sehr ansprechend, das Bonusmaterial fällt nicht besonders üppig aus. Eine Sichtung von "Lakeview Terrace" lohnt auf jeden Fall, vielleicht stösst das Ende nicht jedem Zuschauer so sauer auf, wie es bei mir der Fall ist.

(Fast) gut = 6,5/10

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"Bruder? Wir sind doch keine Brüder! Wird sind nicht mal in der selben Ursuppe geschwommen!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 15. Jan 2010, 01:49

Der Frosch mit der Maske (Deutschland, Dänemark 1959, Originaltitel: Der Frosch mit der Maske)

In England geht die Angst um. Ein skrupelloser, stehts maskierter Verbrecher raubt mit seiner Bande im grossen Stil alles was im in die Finger kommt. Der Frosch mit der Maske ist in aller Munde, jeder fürchtet den Gauner und seine Schergen. Auch die Mitglieder der Verbrecherorganisation haben grossen Respekt vor ihrem Boss, wer nicht spurt oder sich gar als Verräter erweist, wird ohne Gnade gekillt. Sogar vor Polizisten und Zivilisten macht der Bösewicht nicht Halt, etliche Personen wurden vom Frosch und seinen Helfern ermordet, der politische und gesellschaftliche Druck auf den zuständigen Ermittler wächst beständig. Der ein wenig verschrobene Inspektor Elk (Siegfried Lowitz) ist ein alter Fuchs, doch noch fehlt ihm die entscheidende Spur, er kann den Frosch einfach nicht dingfest machen. Der wohlhabende Erbe Richard Gordon (Joachim Fuchsberger) ist ein aufgeweckter Lebemann, der während seiner ausgiebig vorhandenen Freizeit gern auf eigene Faust ermittelt. Der Inspektor ist von den Umtrieben des jungen Burschen wenig angetan, doch Richard ist ein naher Verwandter des Vorgesetzen von Elk, geniesst also nahezu Narrenfreiheit. Bei seinen Nachforschungen lernt Richard die hübsche Ella (Elfie von Kalckreuth aka Eva Anthes) kennen, in die er sich umgehend verguckt. Damit begibt sich der junge Mann in grosse Gefahr, denn auch der Frosch mit der Maske hat ein Auge auf Ella geworfen. Durch geschickte Manipulation gerät Ellas unsteter Bruder Ray (Walter Wilz) in die Fänge des Kriminellen. Elk ermittelt stoisch weiter und lässt sich nicht unter Druck setzen, während auch Richard dem Frosch gefährlich nahe kommt. Wer wird am Ende die Oberhand behalten, wer kann den Frosch mit der Maske enttarnen und stoppen...???

Diese Edgar Wallace Verfilmung aus dem Jahr 1959 gehört zum Urgestein deutscher Kriminalfilmunterhaltung. Niemand wird bestreiten wollen, dass sich dieses Werk den Rang eines Klassikers redlich verdient hat. Auch nach etlichen Sichtungen macht der Film immer wieder Freude. Die Geschichte ist kurzweilig erzählt, die Atmosphäre oft angenehm düster, die Riege der Schauspieler grandios! Blacky Fuchsberger sehe ich immer gern, schon vor seinen zahlreichen Auftritten in den Wallace Filmen erfreute er mich als Hauptdarsteller der "08/15" Trilogie. Hier ist er selbstverständlich nicht als Soldat Asch unterwegs, doch die Rolle des pfiffigen Lebemannes steht ihm ebenso ausgezeichnet! Siegfried Lowitz gehört durch die legendäre TV-Serie "Der Alte" sowieso zum Urgestein deutscher Filmkunst, wobei die Serie natürlich erst etliche Jahre später an den Start ging. Die gesamte Besetzung spielt grossartig auf, besonders Walter Wilz bringt die innerliche Zerissenheit und Verzweiflung seines Charakters sehr gelungen rüber. Elfie von Kalckreuth darf einfach knuffig sein, während Eva Pflug für die laszive Dame geben darf. Der kantige Fritz Rasp kann herrlich böse aus der Wäsche schauen, die Rolle von Eddi Arent ist hier noch nicht ganz so ausufernd albern angelegt, wie es in den folgenden Wallace Filmen häufig der Fall ist. Die recht finstere Atmosphäre erwähnte ich bereits, erstaunlich ist der gebotene Härtegrad. Eine blutige Rasiermesserattacke fehlt ebenso wenig wie die sadistische Erschiessung einer wehrlosen, gefesselten Frau. Sicher, solche Szenen bietet heute jeder Tatort oder Freitagskrimi, doch vor gut fünfzig Jahren war dies recht starker Tobak. Selbst nach all den Jahren verfehlen diese Einstellungen nicht ihre Wirkung, hat der gesamte Film nichts von seiner Faszination eingebüßt, eher das Gegenteil ist der Fall!

Lässt man die Filme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg aussen vor, stellt "Der Frosch mit der Maske" den Auftakt der erfolgreichen Edgar Wallace Verfilmungen dar. Bis in die frühen siebziger Jahre sollten sich die -überwiegend von Rialto Film produzierten- Streifen in den Kinos behaupten, ihr Einfluss ist noch heute erkennbar und prägte auch die Filmlandschaft anderer Staaten. Der italiensche Giallo -eines der schönsten und faszinierendsten Genres überhaupt- ist eindeutig von den Wallace Verfilmungen beeinflusst, späte Wallace Filme sind teils deutsch-italiensche Co-Produktionen, stellen quasi eine Art Bindeglied zwischen den Wallace Streifen und dem Giallo dar. Von diesen Werken gibt es teilweise unterschiedliche Fassungen, doch darauf werde ich in den Kurzkommentaren zu den entsprechenden Titeln eingehen, wenn ich mich dem Genuss dieser Perlen hingegeben habe.

Fazit: "Der Frosch mit der Maske" ist der sehr gut gelungene Auftakt einer wundervollen Filmreihe. Die DVD Präsentation ist solide und empfehlenswert. Liebhaber lassen die Einzelveröffentlichungen unbeachtet und greifen zu den schönen Boxsets, letztlich schont diese Maßnahme auch den geschundenen Geldbeutel. Der Frosch ist -logischerweise- in der ersten "Edgar Wallace Edtion" zu finden, die ferner folgende Titel enthält:

- Der rote Kreis
- Die Bande des Schreckens
- Der grüne Bogenschütze

In der Bucht und auf Börsen findet man die Boxen schon für rund 20€, ein sehr fairer Preis für diese kleinen Filmschätzchen!

Für den maskierten Frosch setzt es 8/10 (sehr gut)

Lieblingszitat:

"Ihr müsst euch eben einen Mann suchen, der die Frösche beizeiten quaken hört."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 16. Jan 2010, 00:43

Them (Frankreich, Rumänien 2006, Originaltitel: Ils)

Die Französin Clémentine (Olivia Bonamy) arbeitet in Rumänien als Lehrerin an einer französischen Schule. Zusammen mit ihrem Freund Lucas (Michaël Cohen), einem Schriftsteller, bewohnt sie ein grosszügies Anwesen vor den Toren der Stadt. Eines Nachts wachts Clémentine auf, sie hat von irgendwo her seltsame Geräusche bemerkt. Leicht beunruhigt weckt sie Lucas auf, der sich im Haus kurz umsehen will. Ein Albtraum aus blanker Angst und gnadenlosem Terror bricht über das Paar hinein, ein Kampf auf Leben und Tod nimmt seinen Lauf. Doch wer greift das junge Paar an und aus welchem Grund...???

"Them" ist ein wirklich packender kleiner Bastard von Film. Gleich zu Beginn verbreitet der Film Angst und Schrecken, bevor er nach dieser kurzen Einleitung in die Haupthandlung einsteigt. Es wird weniger Wert auf Mettgut und ausufernde Gewalt gelegt, Spannung und Terror führen hier das Regiment. Die beiden Hauptdarsteller liefern eine starke und überzeugende Leistung ab, die übrigen Figuren sind nur am Rande zu sehen, die Angreifer bleiben unerkannt bis schemenhaft, lediglich im Finale werden sie etwas greifbarer. Wer das Paar drangsaliert wird zwar ein wenig zu schnell klar, doch dafür zieht man den Verlauf der Erzählung bis zu einem konsequenten Ende durch. Zwar mildern ein paar Texttafeln die bittere Erkenntnis ein wenig, doch ein recht ungutes Gefühl bleibt nach dem Genuß des Films auf jeden Fall zurück. Ein klein wenig unglaubwürdig finde ich die anfängliche Passivität der Opfer, die erst nach und nach zaghafte Gegenwehr zeigen. Von daher war es sicher klug "Lehrkraft" und "Schriftsteller" auf die Fahnen der Figuren schreiben, verbindet man mit diesen Berufen doch nicht unbedingt ramboeske Charaktereigenschaften.

Nach knapp über 73 Minuten ist das finstere Treiben auch schon vorbei. Die Macher haben den Kunstgriff geschafft den Film trotzdem nicht hektisch wirken zu lassen, die Hauptfiguren sind sogar mit einer "ansatzweisen" Tiefe ausgestattet worden. Die Kulisse ist gut gewählt, ein grosses, altes Haus in einer einsame Waldrandlage, herrlich! Wer Lust auf ein paar Momente des Erschreckens hat darf sich den Film zu Gemüte führen. Dabei aber auf jeden Fall den Raum völlig verdunkeln und den Lautstärkeregler aufdrehen, denn die Geräusche unterstützen die Atmosphäre ganz prächtig, verkommen aber glücklichwerweise nicht zum nervigen Surroundkrawall. Die DVD ist für kleines Geld zu haben und sollte überall ohne Schwierigkeiten erhältlich sein, klare Kaufempfehlung!

Unterhaltsam, gut = 7/10
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon buxtebrawler » 16. Jan 2010, 00:51

Blap hat geschrieben:Them (Frankreich, Rumänien 2006, Originaltitel: Ils)

(...)

Unterhaltsam, gut = 7/10


Den hab ich schon ewig auf meiner "Zu-gucken"-Liste und ich glaube, dein Posting hat jetzt den Ausschlag gegeben, mir den endlich mal zu besorgen. :)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 17. Jan 2010, 17:42

Lohnt sich!

***

Piranha II - Fliegende Killer (Italien, USA 1981, Originaltitel: Piranha Part Two: The Spawning)

Zwei Taucher sind in einem Schiffswrack unterwegs und werden von unbekannten Angreifern zerfleischt. Die Tauchlehrerin Anne Kimbrough (Tricia O'Neil) hegt einen grausigen Verdacht, doch man nimmt ihre Warnungen nicht ernst. Ihr getrennt lebender Gatte Steve (Lance Henricksen) ist der örtliche Gesetzeshüter und zunächst ebenfalls skeptisch. Die erschreckende Wahrheit lauert jedoch darauf unter der Meeresoberfläche hervorzubrechen. Die Piranhas sind zurück, diesmal mit Flügeln ausgestattet und verdammt gierig nach Fleisch und Blut. Während einer Veranstaltung für Touristen kommt es zum Desaster, wer kann die Killerfische stoppen...???

"Piranha" (1978) von Joe Dante ist ein kleiner, unverzichtbarer Tierhorror-Klassiker. Die Fortsetzung fällt deutlich ab, das Regiedebüt von James Cameron fällt ein wenig unrund aus, was vermutlich auch an Querelen mit dem Produzenten lag. Doch obwohl die Sause sicher kein Höhepunkt des Genres ist, macht das sinnlose Treiben durchaus Spass und sorgt für gute Laune. Schon allein die Idee mit den mutierten Piranhas ist herrlich, die Erklärung haarsträubend. Man hat Piranhas mit fliegenden Fischen gekreuzt, dabei kamen seewassertaugliche Fleischfresser heraus, auf deren Flugkünste so mancher Vogel neidisch wäre. Zusätzlich scheinen die Untiere auf Kehle dressiert zu sein, denn einmal in der Luft, beissen sie ihren Opfern gern in die saftigen Hälse. Das hat durchaus trashiges Potential, was ich als sehr erfreulich einstufen möchte. Die Schauspieler machen ihren Job, Lance Henricksen ist -wie eigentlich immer- ein wenig mürrisch, was solls, er ist das Gesetz. Steve Marachuk darf einen etwas undurchsichtigen, recht glatten Charakter geben, Frau O'Neil ist die grosse Heldin. Ab und an zeigen junge Damen ihre Möpse vor, die allerdings meist ein wenig zu klein ausfallen.

Wer "Piranha" mag, wird nicht automatisch mit dieser grotesken Fortsetzung glücklich werden. "Eigentlich" ist der Film schon fast zu kaputt und beknackt für den "Mainstreamfreund", ich rate ausdrücklich zur Vorsicht! Mir hat der Film recht gut gefallen, daher ziehe ich hier 6,5/10 (fast gut, oberste Mittelklasse). Die DVD ist leider ein echtes Saustück von Scheibe. Das Bild ist nur mäßig und das Format stimmt nicht. Ich fordere Nachbesserung, vor allem beim Format!

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 18. Jan 2010, 11:48

Cosa avete fatto a Solange? (Italien, Deutschland 1972, Originaltitel: Cosa avete fatto a Solange?)

Der Italiener Enrico Rosseni (Fabio Testi) und seine deutsche Frau Herta (Karin Baal) arbeiten in London. Beide sind Lehrer an einer kirchlichen Mädchenschule, besonders Enrico ist bei den Schülerinnen sehr beliebt. Doch damit nicht genug, der Lehrer trifft sich ständig mit der Schülerin Elizabeth (Cristina Galbó). Während eines gemeinsamen Ausflugs per Boot macht Elizabeth eine erschreckende Beobachtung, Enrico glaubt ihr allerdings nicht, er hält die Aufregung für einen Vorwand um weitere Zudringlichkeiten seinerseits zu verhindern. Am nächsten Morgen berichtet man im Radio von einem Leichenfund. Rosseni sucht von Hektik getrieben die Stelle auf, an der er Tags zuvor mit seiner Schülerin unterwegs war. Der leitende Ermittler Inspector Barth (Joachim Fuchsberger) findet bald Spuren die in Richtung der Lehrkraft weisen, doch der clevere Ermittler hält sich alle Optionen offen und konzentriert sich nicht lediglich auf eine Person. Weitere Schülerinnen werden ermordet und Enrico unternimmt mit Hilfe seiner Frau eigene Ermittlungen. Dabei stösst Enrico auf den Namen Solange, doch wer ist Solange und was ist ihr zugestossen...???

Massimo Dallamano -der leider 1976 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam- verdanken wir prächtige Filme wie: "La polizia chiede aiuto" (Der Tod trägt schwarzes Leder, 1974) und "Quelli della calibro 38" (Kaliber 38 - Genau zwischen die Augen, 1976). "Cosa avete fatto a Solange" (Englischer Titel: "What have you done to Solange?") wurde in Deutschland unter dem Titel: "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" veröffentlicht und der Edgar Wallace Reihe zugeordnet. Doch trotz deutscher Beiteiligung ist "Solange" durch und durch ein Kind des italienschen Genrekinos, mehr noch, ein Giallo der Spitzenklasse! Die deutsche Fassung wurde erheblich gekürzt, auf diese werde ich in den nächsten Wochen näher eingehen. Dieser Kurzkommentar bezieht sich also ausdrücklich auf die ialiensche/internationale Version! Fabio Testi und Karin Baal agieren als Ehepaar sehr überzeugend, besonders die von Baal verkörperte Figur Herta zeigt im Lauf des Films interessante Facetten und überrascht den Zuschauer. Joachim Fuchsberger ist die Rolle des Ermittlers wie auf den Leib geschrieben. Hier darf er sich ab und an auch bissig zeigen, bei Bedarf seine Mitarbeiter ordentlich anranzen. Cristina Galbó verdreht ihrem Lehrer den Kopf, einige Mitschülerinnen zeigen sich abgründig. Natürlich dürfen nackte Tatsachen nicht gänzlich fehlen, schliesslich müssen Umkleidekabinen vom perversen Lehrkörper bespannt werden. Bezüglich Gewalt wird "Solange" nicht ausufernd, meist sind die Taten nur angedeutet bzw. es gibt das Ergebnis ansatzweise zu sehen. Zur durchweg gelungenen Atmosphäre tragen Kamera und Musik einen erheblichen Teil bei. Das wundert nicht, denn hinter der Kamera war Aristide Massaccesi (Joe D'Amato) tätig, für den Score zeichnet Ennio Morricone verantwortlich, beide Herren sind bekanntlich Meister ihres jeweiligen Fachs.

Ein Giallo wie aus dem Bilderbuch, ich kann keine nennenswerten Kritikpunkte feststellen. Sehr gute Schauspieler, eine kurzweilige und interessante Inszenierung, herrliche Kameraarbeit und ein wunderschöner Score! Die Auflösung hinterlässt Spuren, man fühlt mit, ich kann wegen akuter Spoilergefahr leider nicht weiter darauf eingehen. Die ungekürzte Fassung des Films, wurde unter dem Titel "What have you done to Solange?" in Großbritannien und den USA auf DVD veröffentlicht. Ferner gibt es eine Scheibe aus Italien, welche die eindeutig beste Bildqualität bietet -bei einem derartig schön gefilmten Werk nicht unwichtig- und neben dem italienischen Ton auch eine englische Tonspur enthält, zusätzlich sind italienische und englische Untertitel enthalten. Der englische Ton schwächelt ein wenig, doch die Ohren gewöhnen sich recht schnell daran, von daher kann man mit dieser kleinen Unzulänglichkeit gut leben. Alternativ bietet sich der italienische Ton an, dank der englischen Untertitel durchaus eine Option. Wer dem Giallo zugeneigt ist, wird an diesem Prachtstück von Film nicht vorbeikommen!

Sehr gut bis überragend = 8,5/10

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 19. Jan 2010, 16:29

Die Liebeshexen vom Rio Cannibale (Italien, Spanien 1980, Originaltitel: Femmine infernali)

Irgendwo in den Regenwäldern Südamerikas. Straftäterinnen werden in einem Lager zu Zwangsarbeiten herangezogen. Der neue Kommandant (Luciano Pigozzi) stellt sich schnell als perverser Sadist heraus. Seine Wachen sind sowieso nicht besser, lediglich der ständig besoffene Doctor Farell (Anthony Steffen aka Antonio De Teffè) kümmert sich als Lagerarzt ein wenig um die Frauen, behandelt sie nicht wie Tiere. Prügel, Schändung und sonstige Bestrafungen sind an der Tagesordnung. Nach einer erneuten Eskalation beschliesst eine kleine Gruppe zu fliehen, die Damen bitten Farell um Unterstützung. Der Weg durch den Dschungel ist voller Gefahren, die Bluthunde sind den Flüchtigen dicht auf den Fersen. Gibt es ein Entkommen aus dieser Hölle auf Erden...???

"Femmine infernali" von Regisseur Edoardo Mulargia ist ein typischer Women in Prison/Foltercamp Streifen. Die Wachen und der Chef sind durch die Bank widerwärtige Einzeller, der Doc die gute Seele des Camps, die Damen ziehen häufig blank. So sind hier natürlich Sex und Gewalt die Attraktionen, es wird allerdings nicht zu wild und ausufernd. Klar, die Peitsche klatscht gern auf das geschändete Fleisch, die Wächter rapen sich emsig durch die Reihen der Insassinnen, Blut und sonstige Körpersäfte fliessen aber nur als kleines Rinnsaal. Die Mitwirkenden machen ihre Arbeit durchaus ansprechend, die Wärter werden von herrlich fiesen Fratzen dargestellt. Die Fresse von Obermotz Luciano Pigozzi wird jedem Italo-Fan aus diversen Western und anderen Werken bekannt sein. Herr Steffen war bis in die frühen siebziger Jahre hinein einer der gefragtesten und coooolsten Helder etlicher I-Western, danach nahm seine Karriere einen eher gedämpften Verlauf. Nun taumelt er vollgesoffen durch den Dschungel, einer muss den Job ja machen. Die Damenfraktion bietet keine besonderen Highlights. Natürlich kennt jeder Exploitation-Freak Ajita Wilson -das transgenitale Spiel-Plätzchen für aufgeschlossene Liebhaber dunkler Schokolade- die hier eifrig ihre Auslagen präsentiert. Eine Massenduschszene darf selbstverfreilich nicht fehlen. Glücklichweise sieht man dabei viele Damen nur von hinten, denn die Ärsche lassen schlimmstes vermuten, da verzichtet man gern auf die dazugehörigen Bären (die an anderer Stelle von geeigneteren Teilnehmerinnen vorgestellt werden). Auch wenn es dem Film ein wenig an wirklich derben Härten fehlt, so kann er doch mit seiner sehr "authentischen" Optik punkten. Egal wer gerade durchs Bild läuft, taumelt oder gepeitscht wird, alle Gestalten sind dreckig, verschwitzt und schmierig. Man glaubt fast, dass der Gestank gleich aus der Glotze kriechen wird und die verbliebenden Reste des Hirns völlig vernebelt.

Der Hang zum schlechten Geschmack ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Genuss von WIP/Foltercamp Sausen. Dann machen die bebenden Obstkörbe, die abstossenden Fratzen, die unfassbaren Dialoge und die geballte Perversion richtig Laune. Wem bereits diese Zeilen Schmerzen bereiten, sollte sich die Sichtung solcher Titel lieber verkneifen. Die DVD Auswertung wird Technokraten und Pixelfetischisten sowieso gleich in die Flucht schlagen. Mehr als VHS-Qualität ist hier nicht drin. Man hat den Streifen aus unterschiedlichen Quellen zusammengefügt, diese waren offensichtlich schlecht und teils sehr schlecht. Bei manchen Filme ist eine solche Qualität nicht zu tolerieren, hier trägt sie aber sogar zur Atmosphäre bei (Wobei ich das Bild einer abgenutzten Kinorolle bevorzugt hätte, Kratzer und Knacksen herrschen über "VHS-Feeling"). Die Scheibe aus dem Hause X-Rated kommt in einer grossen Hartbox, es sind unterschiedliche Covermotive erhältlich. Darunter auch eine Box mit dem Titel "Die schwarze Nymphomanin 3 - Escape from Hell", deren Cover ich allerdings unpassend finde. Die "Liebeshexen" Varianten sind IMHO eindeutig besser gelungen, aber beim grossen X ist man bekanntlich nie vor merkwürdigen Auswüchsen sicher. Bezüglich Boni geizt die Scheibe leider, die entsprechende Sektion fällt sehr mau aus.

Mir hat dieser kleine Drecksack von Film gut gefallen. Ergo setzt es 7/10.

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitragvon Blap » 20. Jan 2010, 21:40

Nightwatch (Dänemark 1994, Originaltitel: Nattevagten)

Um nebenher ein wenig Geld zu verdienen, nimmt der Student Martin (Nikolaj Coster-Waldau) einen Job als Nachtwächter an. Eigentlich keine aufregende Sache, doch der junge Mann verrichtet diese Nebentätigkeit in der Pathologie. So erscheinen die langen, einsamen Nächte unheimlich, jedes Geräusch sorgt in dieser Umgebung für Gänsehaut. Zu allem Überfluss wird die Stadt momentan von einem Serienkiller drangsaliert, der es auf junge Frauen absehen hat. Die unglücklichen Opfer landen in der Kühlkammer, die auch Martin auf seinen nächtlichen Rundgängen überprüfen muss. Seltsame Dinge gehen vor, plötzlich scheint gar ein Opfer des Killers kurzzeitig erwacht zu sein. Bald hält man den Studenten für einen Spinner mit perversen Neigungen. Glücklicherweise ist der Kriminalbeamte Wörmer (Ulf Pilgaard) clever und verständnisvoll, er hält Martin nicht für einen Perversling oder Serienkiller. Tatsächlich deuten aber mehr und mehr Hinweise auf den Studenten. Selbst seine Freundin Kalinka (Sofie Gråbøl) verliert langsam den Glauben an ihren Lebengefährten. Erst recht nachdem sie Besuch von einer völlig verängstigten Prostituierten bekommt, die offensichtlich von Martin für bizarre Spiele bezahlt wurde. Steckt eventuell Martins guter Freund Jens (Kim Bodnia) hinter den Vorfällen? Ist der leicht durchgeknallte Kumpel der gesuchte Killer? Die Lage spitzt sich zu, die Wahrheit ist ein Schock für alle Beteiligten...

Auf die Dänen ist immer Verlass. "Nattevagten" nimmt den Zuschauer zunächst recht sanft und fast ein wenig schüchtern an die Hand, ungeduldige Filmfreunde werden vermutlich ihre Probleme mit dem Film haben, steigert die Spannung aber beständig und gipfelt in einem tollen Herzschlagfinale. Die Schauspieler liefern durch die Bank sehr überzeugende Leistungen ab. Hauptdasteller Nikolaj Coster-Waldau nimmt man die zunehmende Verzweiflung jederzeit ab. Kim Bodnia ist sowieso der König des skandinavischen Kinos, Ulf Pilgaard zieht als Kriminalist alle Register und beeindruckt besonders gegen Ende des Streifens enorm! Die Damen werden ein wenig an den Rand gedrängt, können sich aber recht tapfer behaupten, was in besonderem Maße für Rikke Louise Andersson gilt, die in der Rolle der Hure Joyce zu sehen ist. Regisseur Ole Bornedal hat einen packenden Thriller auf die Beine gestellt, der mit einigen Horrorelementen veredelt wurde. Der Film lebt von der Spannung, Gewalt und Blut spielen nur eine untergeordnete Rolle. Wenn es ein wenig zur Sache geht, dient dies jederzeit zur Stärkung der Atmosphäre, keinesfalls als stumpfer Selbstzweck. Hier und da scheint die Logik kleine Löcher aufzuweisen, den hohen Unterhaltungswert des Werkes bremst diese Tatsache aber nicht aus.

1997 drehte Bornedal in den USA ein Remake seines Films. Die Neuauflage kommt meist weniger gut weg, ich habe sie leider noch nicht gesehen, was ich aber auf jeden Fall ändern werde. US-Zweitverwertungen gehen oft in die Hose, ich bin sehr darauf gespannt, wie sich "Nightwatch" in dieser Hinsicht aus der Affaire zieht. Für das dänische Original zeigen beide Daumen steil nach oben, ich wurde rund 100 Minuten sehr ansprechend unterhalten. Die DVD von Kinowelt gibt es für kleines Geld, ergo kann man trotz magerer Ausstattung ohne Bedenken zugreifen!

Gut bis sehr gut = 7,5/10

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