Karl or Karla goes to Cinema

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Moderator: jogiwan

Das finstere Tal

Beitragvon karlAbundzu » 22. Feb 2014, 15:50

gestern, 21 Uhr im lieblichen Cinema:
DAS FINSTERE TAL (2014),
Regie: Andreas Prohaska, D: Sam Riley, Paula Beer, Tobias Moretti, Clemens Schick, Martin Leutgeb, Florian Brückner, Hans-Michael Rehberg; Set: Claus Amler; Musik: Matthias Weber.
Austro-deutscher Western.
Eine redeunfreudiger Fotograf kommt in ein abgelegenes östereichesches Tal mit strengen Regime. Nach und nach sterben die Söhne der Chef-Famile.
Eigentlich eine ganz simple Story, Italo-Western-Kenner bestens bekannt, und da durch auch kaum überraschendes auf der Ebene, und wegen der Vor-Vorspann-Szene weiß man auch schon ungefähr, worum es ging.
Kommen wir erst zu den positiven: Sam Riley (Ian Curtis aus Control) und Paula Beer (deren Poll ich mir wohl doch mal anschauen muß) tragen auf der schauspielerischen Ebene den Film. Sam Riley, der den Fremden spielt macht das wie erartet immer mit Blicken, die schon das Geheimnisvolle darlegen, so dass klar ist, das er nicht nur fotografieren will. Paula Beer ist ganz großartig, fügt ihrer Typbesetzung noch einiges an interessanten Farben zu, manchmal auch nur in kleinen Gesten, wenn sie zum Beispiel ganz knapp vor ihrem Verlobten aufsteht. Da ich grad bei dem Thema bin schieb ich mal gleich eine Kritik ein. Anscheinend gefiel dem Regisseur Paulas Stimme auch so sehr, dass er viel über ihre Off-Stimme erzählen ließ, obwohl das meist unnötig war, man hatte teils den Eindruck, der hält uns nicht für so schlau, bzw. Hä? Er macht so große Bilder und muß sie dann noch erklären?? Hm...
Leider hat der Rest des Casts nicht viel zu tun. Selbst Tobias Moretti als Hauptsohn und Rehberg als Vater bleiben blaß; der irre lustige Sohn, von den ich noch einiges erwartet habe, stirbt leider schnell.
Apropos sterben: die ersten Morde sind ziemlich kreativ (Hallo Italien), das läßt dann noch, und es gibt viele explizite Shoot Downs. Eine Person in meiner Reihe wähnte sich wohl in einem Heimatfilm, versteckte sie doch städig bei sowas ihre Augen hinter den Händen...
Die Bilder im österreichischen Tal natürlich bombastisch, ist ja auch Winter, viel Schnee, langsame Kamera, cooles Licht. Dazu ein sehr gutes Set, verantwortlich hier der TV-erfahrene Claus Amler, der aber auch In drei Tagen bist du tot und Captain Berlin set-designt hat.
Die Musik gefiel auch, immer am Rande zum zu bombastischen und daher passend zu den Bildern. Zwei Songs tauchen auch auf, die ich sehr mochte. Obwohl ich anstatt "Sinner Man" zu erst Cinema verstand und mich in enem Meta-Film wähnte.
Erinnert wurde ich ob der Story und dem Winter-Schnee Setting ganz deutlich an meinem Lieblingswestern LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, und irgendwie auch an MÖRDERISCHER SOMMER: Nicht die schlechtesten Assoziationen.
Alles in allem nichts bahnbrechendes, aber schöne Genre Unterhaltung für Westernfreunde. Nix für Jogi.
Apropos Jogi: Es wurde die ganze Zeit im österischischen Dialekt gesprochen, außer vom Sam natürlich, der ja nen Ami spielt, aber so, dass ich alles gerade noch so verstand. Gut, dass der deutsch ko-produziert wurde.

PS: Bei dem Titel erwartet ich viele religiöse Untertöne christlicherseits. Aber bis auf einer Kreuzigungsszene und einem bigotten Pfarrer viel mir nix auf, und das waren auch eher Obertöne.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 4. Mär 2014, 15:11

in hiesigen IrgendwasXX-Kino, am 3.3. um 19:40 mit circa 20 anderen:
AMERICAN HUSTLE (2013)
Regie: David O. Russel, Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Jeremy Renner, Louis C. K., Robert De Niro, Musik: Danny Elfman, Drehbuch: Eric Warren Singer.
Gestern gings zum großen Oscar-Verlierer, was den FIlm gleich sympatsch machte!
Eine fast schon klassisch zu nennende "Betrüger betrügen hin und her"-Story, raffiniert aufgebaut, schön erzählt, manchmal überraschend, manchmal mit diesem "Tu das nicht"-Gefühl, manchmal wohlfühlend vorraussehbar, aber immer spannend.
Ein Betrüger (Christian Bale) hat es sich einigermassen eingerichtet. Geliebte und Mit-Betrügerin (Amy Adams) funkt auf der selben Wellenlänge, Ehefrau (Jennifer Lawrence) mit Kind funktioniert auch so einigermassen. Die Geschäfte in verschiedenen Bereichen laufen. Bis sie bei einem Kreditbetrug erwischt werden. Der ermittelnde FBI-Typ (Bradley Cooper) bringt sie dazu, mit ihm zusammenzuarbeiten, um größere Fische zu erwischen. Und die Fische, die ins Spiel kommen, werden immer größer und größer. Von Größenwahn getrieben und von einem erfolgsgeilen Staatsanwalt unterstützt geht der FBI-Typ immer höhere riesigen ein, während sich der Betrüger mit dem hineingeratenen Bürgermeister (Jeremy Renner) anfreundet. Dann kommt auch noch die Mafia mit einem ihrer höchsten Vertreter (Robert de Niro) mit ins Spiel und es wird wirklich brenzlig....
Bemerkenswert vor allem, der Cast und was der spielt. Klar, von Bale ist man Höchstleistungen gewohnt, aber wie er hier wieder seine Rolle bis ins kleinste Detail, in kleinste Bewegungen definiert, ist Filmschauspielkunst Note 1+. Ausserdem mal ein Lob an die Maske! Wie der aussieht... Auch Amy Adams als seine Mitbetrügerin haut einen um. Auch in den Nebenrollen vibrieren die Spieler schon fast vor Spiellust, immer zwischen Komödie und Spannungsfilm sich bewußt sein und beides zugleich spielen! Jennifer Lawrence hier in einer Rolle, die vor einiger Zeit Juliette Lewis gespielt hätte. Von Bradley Cooper und Jeremy Renner hät ich ja nix erwartet, aber so? Hallo!
Sogar mittlere Nebenrollen wie der Chef vom FBI Agenten Louis CK und der Staatsanwalt bleiben haften! Eigentlich brauch man da den kleinen Auftritt von de Niro kaum erwähnen. Nicht nur jeder für sich allein spielt toll, auch zusammen ist das eigentlich ein aufregender Cast-Film. Da jeder noch mit jedem anderen sein eigenes Ding laufen hat und jeder das bei jedem auch ahnt, ist das zwischen den einzelnen super vom Cast, Story, Kamera und Regie gelöst, kleine Blicke oderauch mal deutliches, kurze Berührungen oder eben nicht usw....
Ansonsten: alles schön ausgestattet, die Best of 70er laufen, die Kamera macht auch hervorragendes, immer passende und trotzdem oft überraschende Einstellungen und hübsches 70er Licht.
Empfehlung!!!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 17. Mär 2014, 11:21

GRAND HOTEL BUDAPEST (2014) am Freitag, den 14. März, 21:15, Schauburg, großes Haus und proppenvoll.
Regie: Wes Anderson, Darsteller: Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Saoirse Ronan, Adrien Brody, Willem Defoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Tom Wilkinson, Bill Murray, Edward Norton, Tilda Swinton, Owen Wilson, Jason Schwartzman undundund.., Musik: Alexandre Desplat.
Wes Anderson ruft, und alle kommen! Doch entgegen der Erwartungen ist dies kein Ensemblefilm im engeren Sinne, eher eine Geschichte zwischen Schüler und Lehrer, also dreht es sich vor allem um Tony Revolori als Lobby Boy und Götz George, äh, Ralph Fiennes als Conicerge.
Die Story ist hübsch abgedreht am Vorabend eines großen Krieges in einem erfundenen Land zwischen Mittel- und Osteuropa, passenderweise in Görlitz, Dresden und Babelsberg gedreht. Der Concierge ist ein wenig wie von einer alten Garde, kümmert sich um die älteren Damen besonders, erbt und wird verfolgt. Der im Rückblick erzählende jetzige Besitzers des Hotels war der Lobby Boy, aus dessen Sicht wird alles berichtet.
Die ganze andere GArde Hollywoods hat allesamt mittelange bis kürzest Auftritte, was den Spaß keinen Abbruch tut. Denn das machen sie alle ohne besonders sich hervorheben zu wollen und sich der Sprache des Filmes anzupassen. Diese ist komödiantisch, aber nicht zum Schenkelklopffen, sondern zum Lächeln und Grinsen, es geht manchmal ins Slapstickhafte, manchmal ins liebevoll Melancholische, ab und an ins Derbe, und dann auch mal wieder taurig. Sie schaffen es, dass man fast alle liebhat. Ausser natürlich Willem Dafoe als fiesen ZZ-Killer (mit einem ähnlichen Rollennamen wie Goblin) und Adrien Brody als gemeinen Erbfolger. Aber auch die sind natürlich super überdreht. Saorsi Ronan, die mir schon in Wer ist Hanna? gefiel, hat eine größere Rolle und glänzt.
Ich muß sie nicht alle durchexerzieren, es geht halt von einem Satz wie bei Owen Wilson bis hin zu einem längeren Handlungszusammenhang wie bei Keitel oder immer wieder auftauchend wie bei Norton. Lustig auch viele deutsche Schauspieler der TV-B-Liga in stummen bis dreiwörtrigen Kleinstrollen, so dass man den Eindruck hat, man kennt sie alle...
Der Film erinnert mich vom Habitus und vom Hotel im Schnee erstaunlichweise an "Tanz der Vampire". Es gibt noch andere Andeutungen, ein wenig Hitchcock, ein wenig Wilder, aber vor allem viel viel Anderson. Was ich ja bei Moorise Kingdom und Mr. Fox ein wenig vermisste, hier läuft er zur Hochform auf.
Die Kulissen und Kostüme sind auch Quitschbunt oder kitschig schwarz, das ist alles mit Augenzwinkern, ebenso die Musik, eingespielt mit verschiedenen Balalaika-Orchestern. Achte auf den kleinen Russen im Abspann.
Ich wünsch euch viel Vergnügen!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 21. Mär 2014, 16:57

20. März, 20 Uhr, Cinespace, mit 15 Leuten im Publikum
MONUMENTS MEN - UNGEWÖHNLICHE HELDEN (D, USA 2014)
Regie: George Clooney, Darsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Bob Balaban, Hugh Bonneville, Cate Blanchett, Dimitri Leonidas, Justus von Dohnany, Michael Brandner, Musik: Alexandre Desplat

"Stupid German Money"-Wochen? Nach dem Grand Budapest Hotel gab ich mir auch Monuments Men, beide viel in Deutschland gedreht, beide mit Bill Murray und Bob Balahan, beide mit Musik von Alexandre Desplat, beide mit deutschen TV-Darstllern in allen möglichen Rollen. Beide scheinen Ensemble - Filme zu sein. Für GBH hab ich ja schon berichtet, dass dem nicht so ist. Und so hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Den dies hier ist ein lupenreiner Ensemblefilm, und mit was für 'nem Haufen: wirklich fein ausgesucht und immer wieder in kleinen Teams zusammengesetzt, so dass sie schön miteinander spielen können. Da macht es wirklich Spaß und Vergnügen zuzusehen.
Leider isses dann auch schon fast, denn WIE hier erzählt wird und mit was für einem schwachen Drehbuch, ist leider kein Vergnügen. Clooney muß Zwischendurch immer wieder den Zeigefinger heben, um seine Botschaft rüberzubringen, erzählt wird manchmal doch recht sprunghaft, wahrscheinlich an den echten Begebenheiten engelehnt, die Todesfälle passieren so eben so, wenn auch mit Musik und Stille angekündigt. Die Musik, nebenbei, ist toll, den Vielkomponierer Desplat muß man sich mal merken. Das Drehbuch ist schwachbrüstig und es wird trotz der selbstironischen, leicht überheblichen Dialoge doch immer wieder sehr ami-patriotisch. Man überlege nur, wie die Russen, hier ja Alliierte, dargestellt werden... Sehr hübsch ein fast operettenhafter Auftritt von Justus von Dohnany und Udo Kroschwald, allein schon wegen dieser (Fantasie-?) Uniformen. Neben diesen machen auch Holger Handtke und Michael Brandner ihre Aufgabe sehr gut, mehr als im Hotel-Film sind die deutschen Schauspieler nicht nur Stichwortgeber (obwohl es die hier auch gibt).
Alles in allem eher mau, und dies liegt nicht an die durchaus diskutierbare Aussage/Botschaft des Filmes.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon buxtebrawler » 21. Mär 2014, 18:34

karlAbundzu hat geschrieben:(...) dies liegt nicht an die durchaus diskutierbare Aussage/Botschaft des Filmes.


Die da wäre?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon purgatorio » 21. Mär 2014, 19:20

historisch ist die Nummer wohl auch nur lose an den tatsächlichen Suchaktionen um die NS-Beutekunst angelehnt. Also insgesamt auch auf dieser Ebene kein Tipp wert :|
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- kein Sonnenlicht
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 23. Mär 2014, 12:24

buxtebrawler hat geschrieben:
karlAbundzu hat geschrieben:(...) dies liegt nicht an die durchaus diskutierbare Aussage/Botschaft des Filmes.


Die da wäre?

Menschenleben zu riskieren, um wichtige Kulturgüter zu retten, ist okay.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 28. Mär 2014, 18:12

die wunderbare weird xperience Reihe zeigte am gestrigen Donnerstag, den 27. um 20:30 im city46
BLUTGLETSCHER
A,2013, Regie: Marvin Kren, D: Gerhard Liebmann, Edita Malovcic, Tinnitus, Brigitte Kren, Wolfgang Pampel, Musik: Stefan Will, Marco Dreckkötter
Inhalt: Klimakaastrophe fand bereits statt, die Gletscher schmelzen und ein Forschungsteam, bestehend aus drei Wissenschaftlern und einem Ingenieur mit Hund forschen in den Bergen halt so rum. Dann finden sie einen von Lebewesen rotgefärbten Gletscherteil und einen toten Fuchs, der trotzdem den Hund beißt.
Es entstehen Mutationen aus zwei verschiedenen Tieren, und am nächsten Tag kommt auch noch die Ministerin mit der Ex vom Ingenieur....
Das ist alles sehr spannend, sehr gut gefilmt, mit toller Musik und gutem Cast, bis auf eine Ausnahme, die zwar auch die unglückliche Rolle der wissenschaftlichen Erklärerin hat (das ist ja bei diesem pseudonaturwissenschaftlichem Kram immer so eine Sache), aber sie fällt auch so ungut auf. Ganz hervorragend ist der Hauptdarsteller Gerhard Liebermann, der hier den frustrieten grummeligen gibt, aber aus seiner Rolle viel Tiefe rausholt. Ansonsten sind es von den Charakteren her sehr klischeeige Rollen, aber die SchauspielerInnen überzeugen in diesen, manchmal mit hübschen Kleinigkeiten. Nicht Klischee-mäßig die Rolle der Politikerin, die hier eine zupackende strapazierbare Frau mit Herz und Härte gibt. Hervorragend. Auch diese Musik, und hier könnte ich mal mit den Vorbildern anfangen. Carpenter ist hier vor allem das Vorbild (an das vielversprochene THING hab ich mich gar nicht so erinnert gefühlt.). Die Musik wird wie in den Carpentern eingesetzt, kleine Melodiefetzen, auch oft keine Musik, dann wieder schleichend und ab und zu ausbrechend, wenn nötig.
Ansonsten viel Alien, inklusive Facehugger, leider auch eine andere Sache, die mich auf der Meta-Erzählebene störte. Etwas böswillig könnte man den Film eine Anti-Abtreibungs-Einstellung zuschustern, die durch eine Geburtsszene am Ende unterstützt wird. Diese Geburtsanleihen sind klar von ALien 4 inspiriert, aber dort halt viel viel besser gelöst.
Eine weitere Paralelle sehe ich übrigens zu einer tollen aktuellen Comicserie SWEET TOOTH von Jeff Lemire, bei der es eben um Halbwesen zwischen Mensch und Tier geht, der auch irgendwie im EIs anfing, und zu dem der Film ein Prequel darstellen könnte.
Zur Kamera: toll gemacht, angelehnt an 80er Horrorfahrten, also TANZ DER TEUFEL und folgende. Hier auch besonders schön, dass bis zum Auftauchen der ersten Gefahren die Kamera sozusagen dem Hund folgt, der Hund dementsprechend durch die Story und die Bergwelt führt. Wenn man dann noch ans Ende denkt, passt das sehr gut!
Als alter Monsterfreak (Gab es eigentlich schon mal einen österreichischen Creature Feature?) noch was zu eben diesen:
Handgemacht Puppenaction, aber sehr gut im Deatail schön mit den Tierzwischenwesen, dass es manchmal fast schon schade war, das die Action mit diesen schnell und wacklig gedreht worden, ich hätte sie mir gerne länger angesehen, aber immerhin fange sie ja eine Fuchs-Assel!
Doch wichtiger als den Monstern war den Filmemachern wahrscheinlich die beklemmende düstere und immer gefährliche mit latenter Gewalt einhergehende Stimmung in der Einsamkeit vor dem Ende der Menschheit.
EMPFEHLUNG!
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon karlAbundzu » 1. Apr 2014, 14:08

a day at the FANTASY FILM NIGHTS, 30.3.14 in Hamburg, diesmal im hübschen Savoy mit bequemen Klappsessel, zum Glück Nähe Hauptbahnhof, so dass der letzte Zug bequem zu erreichen war.
Los ging es um 15 Uhr mit
GREEN INFERNO
USA, 2013, R: Eli Roth, D: Kirby Bliss Blanton, Lorenza Izzo, Ariel Levy, Aaron Burns, Magda Apanowicz, Sky Ferreria; M: Manuel Riveiro
EIne Studentin verknallt sich in einen Aktivisten, will auch mal was politisches machen, und fliegt, um so was zu üben, mit einem Haufen naiver StudentInnen nach Südamerika, um Bulldozer zu stoppen, die u.a. ein unberührtes Dorf plattmachen wollen. Nach fast schiefgeganger Aktion stürzen sie auf dem Rückflug ab und werden von eben dieser Urbevölkerung gefangengenommen und nach und nach verspeist.
Eli Roth zeigt hier eine Hommage an die alten Kannibalenfilme. Er inszeniert dieses aber als Komödie: Er nimmt keinen Charakter ernst, dass sind alles Abziehbilder in ihrer Naivität und/oder Korrumpierbarkeit oder Egoismus. Die einzige, die eine Entwicklung durchmacht (und die nach und nach auch Kontur ausserhalb ihres Klischees bekommt) ist der Hauptcharakter Justine (in dem Umfeld gut dargestellt von Lorenza Izzo). Und so bleibt alles auch ein Witz: Die Gewalt ist übertrieben und wird explizit gezeigt, man hat halt kein Mitleid mit den meisten, ein paar der szenischen Einfälle Roth sind wirklich lustig, man bekommt Lust, sich wieder ein paar der alten Italiener anzusehen. Leider ist es auch kaum mehr als ein langer ordentlicher Witz, den uns der komische Onkel erzählt, den wir ganz witzig, aber auch sonderbar finden.
An neuem aktuellen ist eigentlich nur die Thematik der Frauenbeschneidung drin, und das Ende kommt erstaunlich moralisch daher...
Gefilmt ist das alles natürlich sehr gut, das fängt schon mit dem Vorspann an, Kamera und Farben toll, Musik sehr ordentlich. Die Bauten, nun ja, das Einheimischendorf fand ich ja viel zu sauber und die aufgespießten Köpfe und was so zu einem Kannibalen - Hort gehört wirkten deplaziert, bzw. hindrapiert. (nebenbei: bei einigen Szenen nur mit den Dorfbewohnern flog mir Werner Herzog durch den Kopf, den hat sich Eli Roth wohl auch genauer angesehen).
Und die beiden Chef-Dörfler, die Schamanin und so eine Art Obergeneral sahen nicht nur total anders und merkwürdig auch, sondern die sollten wohl hemmungslos overacten; paßte zu einem Witz ja auch gut, aber die Schamanin hat sich wohl vor allem an Johnny Depp in Lone Ranger orientiert. Aber zu den sonst originären besetzten Statisten passte das nun gar nicht.
Im Abspann verrät uns Roth noch, wo er alles abgekupfert hat, netter Service für die Leute, die nicht so in der Thematik drin sind.
Ich stehe den alten Kannibalen Filmen so gegenüber wie vielen anderen Genres, es gibt da großartiges und es gibt da mittelmäßiges und es gibt da Quatsch. Eli Roth hat scheints keinen Ernst genommen und somit eher eine Parodie als eine Hommage geschaffen, mit ekligen Schauwerten und sich über naive liberale besserwisserische US-Amis sich lustig zu machen ist wohl auch immer ok. Nur auch ein bißchen arrogant, grad wenn man seine Message am Ende dann doch noch mit reinhaut.

Um die Filme in der Nachschau besser wieder zu finden, mach ich gleich nen neuen Eintrag auf.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitragvon purgatorio » 1. Apr 2014, 14:30

hui, das klingt ja ersteinmal ganz gut. Da freue ich mich auf die Sichtung 8-)
Machst du noch einen Thread für den Film auf? Oder haben wir schon einen :?
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- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
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