horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Moderator: jogiwan

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 16. Jun 2015, 18:47

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The Entitled - Ein "fast" perfektes Opfer
(The Entitled]
mit Kevin Zegers, Victor Garber, Laura Vandervoort, Devon Bostick, Dustin Milligan, Tatiana Maslany, Stephen McHattie, Ray Liotta, John Bregar, Anthony Ulc, Nola Augustson, Jim Codrington, Martin Doyle, Rosalba Martinni
Regie: Aaron Woodley
Drehbuch: William Morrissey
Kamera: David Greene
Musik: Robert Duncan
FSK 16
Kanada / 2010

Paul Dynan ist pleite, braucht aber Geld für seine Familie, weswegen er beschließt, drei junge reiche Sprößlinge zu entführen und Lösegeld zu kassieren. Da er den Coup nicht alleine durchziehen kann, braucht er Hilfe, doch seine Partner erweisen sich als brutale Psychopathen. Damit nicht genug, sind auch die Opfer nicht das, was sie zu sein scheinen. Es dauert nicht lange und Pauls perfekter Plan versinkt in Blut und Tod. Schon bald geht es für Paul um mehr als nur um Geld - es geht ums Überleben!


Es bewahrheitet sich doch immer wieder, das es zumeist die eher kleinen und unscheinbaren Produktionen sind die den Zuschauer am meisten positiv überraschen können. Nicht anders verhält es sich bei der schon 2010 erschienenen Produktion "The Entitled - Ein "fast" perfektes Opfer, mit dem Regisseur Aaron Woodley einen wirklich gelungenen Thriller präsentiert. Was sich in der Inhaltsangabe des Filmes noch recht vorhersehbar und nicht sonderlich innovativ anhört, entpuppt sich dabei mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu einem Szenario voller kleiner Wendungen und Überraschungsmomente, so das am Ende ein absolut gelungenes Gesamtwerk zu Buche steht, an dem man als Betrachter nur seine helle Freude haben kann.

Dabei beginnt die Chose noch nach dem handelsüblichen Strickmuster und es deutet relativ wenig darauf hin, das Woodley seine Erzählung mit etlichen kleinen Twists gespickt hat, die einem so manchen Aha Effekt bescheren. Und so entwickelt sich im Zusammenhang mit dem dramaturgisch äußerst gelungenem Spannungsaufbau ein sehr abwechslungsreiches Szenario, in dem einem auch die einzelnen Charaktere ziemlich gut näher gebracht werden. Unter den Protagonisten sind dann auch einige bekannte Gesichter zu erkennen, so gibt es beispielsweise ein Wiedersehen mit B-Movie Legende Ray Liotta (Flucht aus Absolom, Identität) oder auch Victor Garber, der vielen Leuten noch aus der Serie "Alias - Die Agentin" bekannt sein dürfte. Ganz generell kann man festhalten, das man es in vorliegendem Fall durchgehend mit sehr guten darstellerischen Leistungen zu tun bekommt, denn die Geschichte ist wirklich bis in die kleineren Nebenrollen mit äußerst überzeugenden Schauspielern besetzt, was dem Ganzen dann auch einen höchst glaubwürdigen Eindruck verleiht. Daneben fallen auch die ständigen Tempowechsel in der Erzählstruktur mehr als positiv ins Auge, denn obwohl das eigentliche Tempo der Ereignisse eher ruhig gewählt ist, werden zwischendurch immer wieder Passagen eingestreut, die durchaus für eine erhöhte Adrenalin Zufuhr sorgen.

Am positivsten fallen aber dennoch die eingebauten Wendungen ins Auge, denn wird man doch immer wieder mit dem Gefühl ausgestattet das sich sämtliche Abläufe durchschaubar präsentieren, so sorgt Mr. Woodley mit etlichen kleineren Richtungsänderungen immer wieder dafür, das "The Entitled" so manche Überraschung beinhaltet. Dieser Aspekt wertet das Gesamtwerk ungemein auf und stellenweise offenbart sich das Gesehene sogar als verhältnismäßig kreativ. Selbst die etwas dialoglastigen Momente der Geschichte verbreiten keinerlei Langeweile, denn insbesondere die Dialoge zwischen den Vätern der entführten Teenager sorgen in meinen Augen für einen hohen Qualitätsstandard und lassen ein extrem stimmiges Gesamtbild entstehen.

Letztendlich kann man "The Entitled - Ein "fast" perfektes Opfer" als in allen Belangen überzeugenden Thriller einstufen und gerade aus dieser Betrachtungsweise heraus ist es eher unverständlich, das es dieser Film erst fünf Jahre nach seinem Erscheinen bei uns in Deutschland zu einer Veröffentlichung gebracht hat. Ist aber im Endeffekt auch völlig egal, denn nun kann sich ja ein jeder sein eigenes Bild von dieser eher kleinen, dafür aber sehr feinen Produktion machen, für die man definitiv eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


Fazit:


Manchmal dauert es halt eine geraume Zeit bis auch echte Qualität bei uns in Deutschland veröffentlicht wird. Gerade in der heutigen Zeit wo eigentlich jeder filmische Müll auf DVD und Blu-ray gepresst wird, ist "The Entitled" als echter Geheimtip anzusehen, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Jun 2015, 00:49

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Starry Eyes
(Starry Eyes)
mit Alex Essoe, Amanda Fuller, Noah Segan, Fabianne Therese, Shane Coffey, Natalie Castillo, Pat Healy, Nick Simmons, Maria Olsen, Marc Senter, Louis Dezseran, Danny Minnick, Spencer Baik, Marcus Bradford, Bridget Colella
Regie: Kevin Kolsch / Dennis Widmyer
Drehbuch: Kevin Kolsch / Dennis Widmyer
Kamera: Adam Bricker
Musik: Jonathan Snipes
ungeprüft
USA / 2014

Tagein, tagaus schuftet Sarah als Kellnerin und träumt davon, eine berühmte Schauspielerin zu sein. Plötzlich macht ihr ein alter Hollywood-Produzent ein wahrhaft teuflisches Angebot: Sarah soll die Hauptrolle in einem Horrorfilm spielen. Doch im Gegenzug will er ihre Seele und verwandelt ihr Leben zur Hölle.


"Starry Eyes" dürfte wohl zu der Gruppe von neueren Horrorfilmen zählen, die momentan die unterschiedlichsten Meinungen bei den Fans ans Tageslicht bringen. Handelt es sich für die einen um eine eher gewöhnungsbedürftige Mixtur aus verschiedenen Genres, so eröffnet sich für andere eines der absoluten Highlights der letzten Zeit. Ich persönlich ordne mich dabei in die zweite Gruppierung ein, denn was das Regie-Duo Kevin Kolsch und Dennis Widmyer hier auf die Beine gestellt haben ist schon aller Ehren wert, auch wenn die Geschichte an sich nicht unbedingt vor innovativen Ideen strotzt. Es ist vielmehr die visuell beeindruckende Umsetzung des Ganzen, das laut der knappen Inhaltsangabe im Prinzip nicht sonderlich kreativ klingen mag. So mag man also mit durchaus geringen Erwartungen an diesen Film heran gehen der im ersten Drittel noch recht wenig auf einen echten Horrorfilm hindeutet und vielmehr wie ein waschechtes Drama beginnt, in dem sich eigentlich alles um die verzweifelte und junge Sarah dreht, deren Lebenstraum eine Karriere als Schauspielerin in Horrorfilmen ist. Das gerade Hollywood ein perfektes Pflaster für zerplatzte Träume darstellt wird dann auch ziemlich schnell ersichtlich, zudem ist die Szenerie in dieser Phase der Geschichte auch mit so ziemlich allen Klischees beladen, die man sich nur vorstellen kann. Ständige und erfolglose Castings und ein unbefriedigender Job in einem Fast Food Restaurant dienen so als Sarah's Tagesablauf, in dem sich die immer stärker manifestierende Depression und Hoffnungslosigkeit der jungen Frau glänzend wiederspiegelt. Insbesondere dieser Teilabschnitt der Geschichte dürfte den Horrorfans wohl am wenigsten zusagen, doch für den weiteren Verlauf der Geschehnisse ist die Einführung immens wichtig. Nur durch die in meinen Augen brillante Einführung in die folgenden Abläufe entsteht nämlich der Zusammenhang zu den Handlungen und Verhaltensweisen der Hauptfigur, die sie dann letztendlich offenen Auges in die Katastrophe laufen lassen.

Schon während dieses Teilabschnittes werden die ersten Elemente des Okkult Horrorfilmes erkennbar, zu dem sich das Geschehen immer mehr entwickeln soll. Der Übergang wird dabei relativ fließend gestaltet und Kolsch / Widmeyer lassen nun visuelle Elemente in die Story einfließen, die das Ganze ungemein stark hervorheben. Nachdem Sarah nämlich einen Pakt mit dem Produzenten eingegangen ist soll sich ihr Leben auf eine grauenvolle Art verändern. Innerhalb kürzester Zeit wird sie von heftigsten Visionen geplagt und für den Zuschauer beginnt nun der spannendste Teil der Geschichte, da manstreckenweise die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr genau erkennen kann. Zu stark ist die Überflutung mit visuellen reizen und spätestens an diesem Punkt lassen sich dann auch etwaige Anlehnungen an Dario Argento's Meisterwerk "Suspiria" erkennen. Ganz generell sollte man jedoch anmerken, das "Starry Eyes" sich bei jeder menge bekannter Filme bedient hat, denn auch Ähnlichkeiten zu bekannten Werken wie "Shining", Rosemary's Baby" und etlichen anderen bekannten Filmen lassen sich keinesfalls von der Hand weisen. Dennoch bewahrt sich das Werk jederzeit seine Eigenständigkeit und erscheint definitiv nicht wie ein zusammen geklauter Klon des Genres. Zu geschickt haben die beiden Regisseure nämlich die Einflüsse anderer Filme mit ihrer eigenwilligen Mixtur überlagert, die sich aus den drei Genres Drama, Okkult Thriller und knallhartem Slasher zusammen setzt. Das zuletzt genannte Element beherrscht dann auch ganz eindeutig das letzte Drittel der Geschichte und sorgt so auch für eine ganz erhebliche Temposteigerung, die einem streckenweise die Luft zum atmen nimmt. Zeichnete sich das Geschehen bisher noch trotz aller vorhandenen Intensität durch eine eher ruhige Erzählweise aus, so ändert sich das im letzten Teil vollkommen.

Gleichzeitig zieht nun auch ein Härtegrad in die Abläufe ein, der den Betrachter nicht nur mit etlichen und teils äußerst blutig in Szene gesetzten Passagen, sondern ihn auch stellenweise mit der Wucht eines Keulenschlages trifft. Wurde das Geschehen bisher noch so aufgebaut das es in erster Linie seine Wirkung im Kopf des Zuschauers zur Geltung brachte, so konfrontieren einen die Macher von nun an mit brachial anmutender visueller Gewalt die einen so gut wie völlig unvorbereitet trifft. Bei diesem Aspekt bekommt die bisher fast ausschließlich auf der psychischen Ebene auftretende Intensität der Ereignisse eine ganz andere Qualität und setzt von nun an auch eine Bildsprache frei, die man in dieser dargestellten Brutalität wirklich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Nun werden dabei sicherlich keinerlei Szenen gezeigt die man noch nie gesehen hätte, doch die enthaltene Steigerung stellt schon fast einen Quantensprung dar, der zartbesaiteten Gemütern eventuell zu schaffen machen könnte. Und so ergibt sich dann mit "Starry Eyes" ein Film, der dem Zuschauer im Prinzip drei vollkommen unterschiedliche Drittel präsentiert, die sich in der Summe gesehen zu einem absolut stimmigen Gesamtwerk vereinigen. Das der Film dabei durchgehend von einer immer dichter werdenden Atmosphäre umrahmt wird erscheint dabei fast schon selbstverständlich und die dabei immer stetiger ansteigende Bedrohlichkeit der Ereignisse ist ein weiteres Indiz dafür, das an dieser Stelle wirklich ganz hervorragende Arbeit geleistet wurde. Kolsch und Widmeyer haben vielleicht kein innovatives Meisterwerk abgeliefert, durch ihre außergewöhnlich gute Mischung aus altbekannten Zutaten jedoch einen Horrorfilm auf den Weg gebracht, der für mich schon jetzt ein absolutes Highlight des Jahres darstellt.

Das mag natürlich jeder anders bewerten und es ist auch durchaus verständlich, wenn "Starry Eyes" vielleicht nicht jeden Geschmack trifft. Wer allerdings seine Freude an nicht alltäglichen Genre Mixturen hat und Filme mit enormen Steigerungspotential zu schätzen weiß, der ist hier genau an der richtigen Stelle. Drama, Okkult Horror und Slasher in einem, dazu noch der seelische und körperliche Verfall einer jungen Frau, die so ganz nebenbei auch noch die gesamte Geschichte fast im Alleingang stemmt und schon ist man bei einer Gesamtbewertung angelangt, die diesen Film weit oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedelt. Um noch einmal kurz auf die Hauptfigur zurück zu kommen, die junge Sarah wird von einer glänzend aufgelegten Alex Essoe dargestellt, die (welch diabolische Ironie) hier in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen ist. Das Schauspiel fällt dabei absolut glänzend aus und man stellt zudem auch sehr schnell fest, das die gute Frau sich wirklich in ihre Rolle hinein versetzt hat. Besonders beeindruckend werden dabei die Auswirkungen des seelischen und körperlichen Verfalls ins bild gesetzt und wenn man es nicht besser wissen würde müsste man annehmen, das hier tatsächlich eine echte Metamorphose eines jungen Menschen stattfindet, die außerdem durch ein herausragendes Make Up nachdrücklich im Gedächtnis hängen bleibt. Zuletzt sollte man noch erwähnen, das ganz sicher nicht jeder meine Begeisterung für dieses Werk teilen mag, doch eine faire Chance sollte man "Starry Eyes" auf jeden Fall geben, da man ansonsten vielleicht einen absolut großartigen Film verpasst.


Fazit:


Die reine Neugier aufgrund der unterschiedlichsten Meinungen hat mich dazu bewegt diesen Film anzuschauen und ich habe es definitiv nicht bereut. Die Geschichte und ihre nicht alltägliche Zusammensetzung trifft genau meinen Geschmack und so kann ich nur eine unbedingte Empfehlung für einen Film aussprechen, der meiner Meinung nach eine ausgezeichnete Mischung in sich vereint. Endlich einmal eine Story mit enorm viel Steigerungspotential, das im Laufe der Zeit auch unbarmherzig und bis zur Neige ausgeschöpft wird, so das am Ende keinerlei Wünsche offen bleiben.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Jun 2015, 16:41

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Good People
(Good People)
mit Sam Spruell, Michael Fox, Diarmaid Murtagh, Francis Magee, Omar Sy, Maarten Dannenberg, Kate Hudson, Orlando Burns-Tucker, Bertram Burns-Tucker, Anna Friel, Michael Jibson, James Franco, Waj Ali, Tom Wilkinson
Regie: Henrik Ruben Genz
Drehbuch: Marcus Sakey / Kelly Masterson
Kamera: Jørgen Johansson
Musik: Neil Davidge
FSK 16
USA / 2014

Als sie ein großes Haus in einem grünen Vorort Londons erben, ziehen Tom (James Franco) und Anna Wright (Kate Hudson) nach England. Um sich ihren Traum von einem gemütlichen Heim zu verwirklichen, nehmen sie einen Kredit auf und beginnen sofort mit der aufwendigen Renovierung. Drei Jahre später steht das Ehepaar jedoch kurz vor dem finanziellen Bankrott und auch ihre Ehe leidet unter diesem enormen Druck. Erst als der Mieter ihrer heruntergekommen Einliegerwohnung an einer Überdosis Heroin stirbt und 200.000 Pfund zurück lässt, scheint sich das Blatt zu wenden. Hin und her gerissen zwischen Richtig und Falsch, beschließen sie das Geld zu behalten. Doch der Drogendealer Khan (Omar Sy) und der skrupellose Kriminelle Jack Witkowski (Sam Spruell) sind ihnen bereits auf den Fersen. Tom und Anna bleibt keine Wahl: Gemeinsam müssen sie den Spieß umdrehen und die bösen Buben austricksen ...


"Good People" zählt zu der Art von Filmen, die aufgrund ihrer Mittelmäßigkeit nicht unbedingt nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. Dabei kann man dem Film von Henrik Ruben Genz noch nicht einmal riesige Defizite ankreiden, nur beinhaltet die Geschichte im Prinzip keinerlei Höhepunkte, an die man sich auch im nachhinein noch erinnern würde. Das gesamte Szenario bewegt sich auf einem durchaus soliden Niveau und die Umsetzung des augenscheinlich schlichten Drehbuches ist sogar als insgesamt gelungen zu bezeichnen. Trotzdem kommt bei der hier an den Tag gelegten Kombination aus Drama und Thriller selten echte Begeisterung auf, denn sämtliche Abläufe erscheinen zwar stets bemüht, doch ein echter Funke will zu keiner Zeit auf den Zuschauer überspringen. Zu vorhersehbar gestaltet sich das Ganze und lediglich die kühle Optik fällt wohlwollend ins Auge, wohingegen immer wieder auftretende Logiklöcher den Sehgenuss dann doch wieder ein wenig trüben.

Handwerklich gibt es im Prinzip kaum etwas zu bemängeln, dafür sollte man sich allerdings von Anfang an darüber im Klaren sein, das die ziemlich ruhige Geschichte in keiner Phase so richtig für Spannung sorgen kann. Dabei ist Genz durchaus bemüht, seiner Erzählung den richtigen Rahmen zu verpassen und sie gleichzeitig mit einer gelungenen Atmosphäre auszustatten, doch leider sind in dieser Beziehung zum Großteil lediglich gute Ansätze zu erkennen die nach relativ kurzer Zeit immer wieder im Sande verlaufen. Das Gleiche kann man auch vom dargebrachten Schauspiel der Protagonisten behaupten, denn auch wenn Kate Hudson und James Franco durchgehend routiniert agieren, fehlt es die ganze Zeit über an der nötigen Überzeugungskraft, als das man äußerst positiv beim Betrachter punkten könnte. Teilweise wird man bei "Good People" an ein Arbeitszeugnis erinnert, in dem einem das stetige Bemühen bescheinigt wird und das man damit keinen Blumentopf gewinnen kann dürfte wohl jedem bekannt sein.

So kann man dann auch nicht wirklich von einem echten Genuss sprechen, sondern vielmehr von einer Produktion, die man ohne Probleme einmal sichten kann, die aber keinesfalls zu einer wiederholten Sichtung einlädt. Mit etwas mehr Feingefühl hätte man das sicherlich verhindern können, so hätten einige Tempowechsel und ein straff gezogener Spannungsbogen den Gesamteindruck ganz bestimmt erheblich aufgewertet. Stattdessen wird man aber mit nicht immer nachvollziehbaren Handlungsweisen der Akteure konfrontiert und muss sich mit einer Erzählung zufrieden geben, die größtenteils seicht vor sich hin plätschert und zudem auch noch vollkommen vorhersehbar daher kommt.

Und so bleibt im Endeffekt ein lediglich durchschnittlicher Eindruck übrig, denn "Good People" ist alles andere als innovativ und behandelt zudem eine altbekannte Thematik, die schon unzählige Male weitaus besser in Szene gesetzt wurde. Höhere Erwartungen können hier definitiv nicht erfüllt werden, aber für eine einmalige Sichtung eignet sich diese Produktion auf jeden Fall.


Fazit:


Mit etwas mehr Hingabe und Liebe zum Detail hätte man eine Menge mehr bewerkstelligen können, doch in vorliegender Form ist "Good People" nicht mehr als ein Film ohne nachhaltige Wirkung. Eine durchaus solide Inszenierung, in der man jedoch keinerlei Wendungen oder Überraschungsmomente erwarten sollte.


5,5/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Jun 2015, 16:42

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Die Karte mit dem Luchskopf
(Die Karte mit dem Luchskopf)
mit Kai Fischer, Ursula Herking, Karl-Otto Alberty, Siegfried Schwarz, Immy Schell, Willy Harlander, Peter Parten, Annaluise Schubert, Reinhard Glemnitz, Jürgen Feindt, Heinz Pielbusch, Gerd Frickhöffer, Gerhart Lippert
Regie: Hermann Kugelstadt
Drehbuch: Kai Fischer / Wolf Neumeister
Kamera: Hans Kühle Sr.
Musik: Joe Dixie
FSK 12
Deutschland / 1963

Die junge und überaus attraktive Kai Fröhlich (Kai Fischer) hat ihre Ausbildung zur Detektivin abgeschlossen. Sie will sich in einem sonst von Männern dominierten Berufsfeld versuchen und richtet aus Kostengründen in der Wohnung ihrer resoluten und noch immer sehr vitalen Tante Viktoria von Porschwitz (Ursula Herking) ihr Büro ein. Ihre Visitenkarte ziert ein Luchskopf. Um ihre Kundschaft nicht zu verschrecken, gaukelt Kai ihren Auftraggebern vor, sie sei nur die Sekretärin des Unternehmens, das eigentlich von einem Mann geführt werde. Außerdem erweckt sie so den Eindruck, nur die naive Tippse zu sein und spielt auf diese Art ihre Gegner an die Wand. Um ihre Fälle zu lösen, muss die schlaue Detektivin in verschiedenste Rollen schlüpfen und manchmal sogar handgreiflich werden - also von wegen schwaches Geschlecht! Wenn Kai Fröhlich ermittelt, dann sitzen Betrüger, Diebe, Spione und Mörder am Ende garantiert hinter Gittern!


"Die Karte mit dem Luchskopf" ist eine kleinere TV-Serie der 60er Jahre, die wohl auch in der Hauptsache nur den eingefleischten Fans deutscher Krimis bekannt sein dürfte. In leider nur 13 Episoden a ca. 30 Minuten mimt Kai Fischer dabei eine junge und aufstrebende Detektivin, bei der Diebe und andere Banditen wenig zu lachen haben. Im typischen Stil der damaligen Zeit werden dem Zuschauer hier interessante Fälle präsentiert, in denen die junge Frau mit Charme und Intelligenz ermittelt und diesem Format damit ihren ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Eine Besonderheit dieser Serie ist sicherlich der Aspekt, das Kai ihre Mandaten immer über ihre Identität im Unklaren lässt, was ihr bei der Lösung der teils kniffligen Fälle einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschafft. Niemand hat die Frau wirklich auf dem Schirm, denn jeder Mandant wähnt sich in der Annahme, das die Detektei Luchs von einem Mann geführt wird, der selbstverständlich auch die einzelnen Fälle bearbeitet.

Durch diesen Punkt kommt gleichzeitig auch zum Ausdruck, das zur damaligen Zeit diverse Berufe noch eine absolute Männer Domäne waren, denn kaum einer konnte sich vorstellen, das Verbrechen durch Frauen aufgeklärt werden. Das mag zwar besonders aus heutiger Sicht nicht unbedingt politisch korrekt erscheinen, spiegelt aber andererseits durchaus den Zeitgeist wieder und verleiht dem Ganzen sehr viel Glaubwürdigkeit. Und so kann die gute Frau fast vollkommen unbehelligt ermitteln, wobei sie sich immer wieder geschickt ins Spiel bringt. zudem ist ihr manchmal beabsichtigtes und unbedarftes Verhalten fast schon eine Garantie dafür, das niemand in ihr eine Privatermittlerin vermutet. Das sorgt in etlichen Momenten auch für eine äußerst humorige Note, die dem Gesamteindruck dieses Formates gut zu Gesicht steht.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, das im Prinzip relativ schnell erkennbar ist, in welche Richtung die einzelnen Episoden tendieren. Die Verbrechen an sich und auch die Identität der Verbrecher sind verhältnismäßig schnell erkennbar, vielmehr steht die charmante Ermittlungsarbeit der Hauptfigur im Fokus der Ereignisse. Nun entwickelt "Die Karte mit dem Luchskopf" ganz sicher keine absolute Hochspannung, doch die gelungene Mischung in den einzelnen Folgen sorgt dafür, das der Betrachter hier mit wirklich unterhaltsamer Serien Kost versorgt wird.

Natürlich wird vor allem die jüngere Generation das ein wenig anders sehen, denn Freunde von jeder Menge Action und Tempo werden an dieser Stelle nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen. Nostalgiker und Liebhaber der alten Klassiker dürften aber auf jeden Fall ihre Freude an dieser kleinen, aber sehr feinen Serie haben, die ganz eindeutig auf ihre Hauptdarstellerin zugeschnitten ist. Ich persönlich finde es sehr schade das es hier lediglich 13 Episoden gibt, denn von den witzigen und äußerst charmanten Ermittlungen hätte man gern auch noch mehr zu Gesicht bekommen.


Fazit:


"Die Karte mit dem Luchskopf" ist typische deutsche Krimikost der 60er Jahre, die sich selbst in der heutigen Zeit noch gut anschauen lässt. Natürlich sollte man dabei das Alter des Formates nicht vergessen, denn für manch einen mag das Ganze doch eher etwas angestaubt erscheinen.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 23. Jun 2015, 14:21

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The Dead Lands
(The Dead Lands)
mit James Rolleston, Lawrence Makoare, Te Kohe Tuhaka, Xavier Horan, Raukura Turei, George Henare, Rena Owen, Pana Hema Taylor, Calvin Tuteao, Jamus Webster, Bianca Hyslop, Isabella Rakete, Matariki Whatarau
Regie: Toa Fraser
Drehbuch: Glenn Standring
Kamera: Leon Narbey
Musik: keine Information
FSK 16
Neuseeland / 2014

Lange bevor mit Captain Cook der erste Weiße seinen Fuß auf neuseeländische Erde setzt, befehden sich zwei Maori-Stämme. Als die Häuptlinge den Streit beenden wollen, schickt der eine seinen Sohn mit Gefolge zum anderen. Hongi, Filius des zweiten Häuptlings, ahnt, dass die Feinde was im Schilde führen, doch es ist zu spät: Sein ganzer Clan wird niedergemacht. Hongi aber muss sie alle rächen, sonst finden die Toten keine Ruhe. So folgt er den Feinden auf dem Fuß die düsteren Deadlands und paktiert mit einem mystischen Kannibalenkrieger.


Im Grunde genommen könnte man "The Dead Lands" als simplen Rachethriller einordnen, doch damit würde man es sich letztendlich doch ein wenig zu leicht machen. Es handelt sich viel eher um eine Mischung aus einem mit Testosteron angefülltem Action Abenteuer für Männer und einem Einblick in die Kultur der Maori, der zugleich auch eine leicht mystische Beinote beinhaltet. Allein diese Mixtur dürfte doch beim Zuschauer schon für Interesse sorgen, zudem gibt es meines Wissens auch nicht unbedingt viele Werke die sich mit dem indigenen Volk Neuseelands beschäftigt. Der bekannteste Beitrag aus dieser Ecke dürfte wohl der 1994 erschienene Film "Die letzte Kriegerin" sein und auch wenn sich die vorliegende Geschichte keinesfalls mit der von Lee Tamahori vergleichen lässt, so muss sie sich in Sachen Qualität keinesfalls hinter dieser verstecken. Optisch und von der Struktur her kommen hier fast selbstverständlich Ähnlichkeiten zu Mel Gibsons "Apocalypto" auf und so kann man sich also bildhaft vorstellen, welche Art von Film hier auf einen zukommt. Regisseur Toa Fraser hat seine Erzählung mit echten Maori besetzt und im Zusammenspiel mit den großartig ausgewählten Locations sorgt das fast zwangsläufig für ein Höchstmaß an Authentizität, die gleichzeitig auch eine der größten Stärken des Szenarios darstellt.

Allein schon die grandiose Mimik und Gestik der Akteure hinterlässt einen bleibenden Eindruck, so wird man mit den für die Maori typischen Gebärden konfrontiert die man zumindest schon einmal gesehen haben sollte, wenn man sich für Rugby interessiert. Rausgestreckte Zungen, markige Schreie und eine ganz generell äußerst intensive Körpersprache sind dabei an der Tagesordnung und absolut notwendige Zutaten für die glaubwürdig in Szene gesetzten Ereignisse. Für manch einen mag sich das nun eher etwas banal und befremdlich anhören, doch im Zusammenspiel mit anderen Elementen der Maori Kultur entwickelt sich so ein relativ guter Einblick in die Traditionen des Volkes. Zwar fällt dieser eventuell nicht so tief aus wie manch einer sich das gewünscht hätte, doch Fraser reißt die Dinge immerhin intensiv genug an und lässt so beim Betrachter immer größeres Interesse für die Thematik aufkommen. Man bekommt einen guten Eindruck für Dinge wie Stolz, Tradition und Ehrgefühl, sieht sich aber gleichzeitig auch mit Verrat, Hinterlist und kompromissloser Brutalität konfrontiert, die in erster Linie in den grandios umgesetzten Kampf Sequenzen zum Vorschein kommt.

Dabei tritt ein durchaus ordentlicher Härtegrad zu Tage, denn die einzelnen Fights und kleineren Schlachten werden mit einer unglaublichen Intensität geführt, die sich an etlichen Stellen auch visuell zu erkennen gibt. Nun sollte man aber keinesfalls ein überzogenes Splatter Spektakel erwarten, doch die entsprechenden Passagen sind sehr gut über den ganzen Film verteilt und beinhalten zudem auch einen nicht zu unterschätzenden Blutanteil. Am wichtigsten erscheint mir dabei jedoch der Aspekt, das die Kampfszenen absolut authentisch wirken, was dem gewonnenen Gesamtbild auch extrem zu gute kommt. Fraser hat nicht den Fehler gemacht und ein überladenes Mainstream Szenario kreiert, sondern ganz augenscheinlich sehr viel Wert darauf gelegt, dem Zuschauer eine Geschichte zu präsentieren die in der vorliegenden Form auch glaubwürdig dargestellt wird. Das ist ihm dann auch besonders gut gelungen, denn "The Dead Lands" kommt in der Gesamtbetrachtung ungemein stimmig daher und legt keinerlei Wert darauf, durch das Einfügen unpassender Elemente eventuell eine größere Zielgruppe anzusprechen. Dafür legt sich der Fokus des Ganzen mit zunehmender Laufzeit immer mehr auf seine beiden Hauptfiguren Hongi, Wirepa und Te Tupua, wobei die drei Männer rein charakterlich kaum unterschiedlicher sein könnten. Ist da einerseits der junge und noch absolut unerfahrene Maori (Hongi), der fast blind vor Wut den Massenmord an seinem Stamm rächen will, so wird sein Gegenpart (Wirepa) zum Sinnbild für falsch verstandene Ehre und Hinterlist aufgebaut. Die wohl interessanteste und gleichzeitig prägendste Figur dürfte ganz eindeutig der als Ungeheuer bezeichnete Te Tupua sein, der in den sogenannten "Dead Lands" förmlich ein Eremiten Dasein fristet.

Den guten Mann umgibt von Beginn an eine geheimnisvolle Aura und im Laufe der Zeit kristallisiert sich auch immer stärker heraus, das sich wirklich ein Rätsel um seine Person rankt, das Fraser aber bis kurz vor dem Ende sorgfältig im Dunkeln hält. Te Tupua ist es dann auch der hier für die stärksten Kontraste sorgt, denn während die beiden anderen Männer von Dingen wie Ehre, Rache und Ruhm geleitet werden, stellt er diese Dinge in etlichen Dialogen immer wieder kritisch an den Pranger und hinterfragt so auch gleichermaßen die Berechtigung der Maori Traditionen. Man dürfte also merken, das "The Dead Lands" viel mehr ist als ein banaler Actionfilm mit Rache Thematik und gerade dieser Punkt hebt das Werk auch so wohlwollend vom ansonsten üblichen Einheitsbrei ab. Es präsentiert sich ein insgesamt stimmiges und äußerst atmosphärisches Gesamtwerk, in dem sämtliche enthaltene Zutaten gleichsam zur Geltung kommen. Tolles Schauspiel, eine interessante Geschichte und ein ordentliches Tempo ergeben im Zusammenspiel mit den teils heftigen Action Sequenzen ein durch die Bank überzeugendes Szenario, das man nur wärmstens weiter empfehlen kann.


Fazit:


Toa Fraser hat mit "The Dead Lands" einen absolut tollen Beitrag abgeliefert, der jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt ist. Gerade das zeichnet diese neuseeländische Produktion aus und sorgt dafür, das ein durchaus nachhaltiger Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers zurück bleibt. Wer gern auch einmal einen Blick außerhalb der üblichen Hollywood Schmiede riskieren möchte ist hier definitiv an der richtigen Adresse und dürfte großen gefallen an diesem eindrucksvollen Abenteuer haben.


8,5/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 5. Jul 2015, 15:05

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The Punisher
(The Punisher)
mit Dolph Lundgren, Louis Gossett Jr., Jeroen Krabbé, Kim Miyori, Bryan Marshall, Nancy Everhard, Barry Otto, Brian Rooney, Zoshka Mizak, Kenji Yamaki, Hirofumi Kanayama, Larry McCormick, Todd Boyce, Lani John Tupu
Regie: Mark Goldblatt
Drehbuch: Boaz Yakin
Kamera: Ian Baker
Musik: Dennis Dreith
ungeprüft
Australien / USA / 1989

Frank Castle war früher Polizist. Seine Familie wird im Auftrag eines Gangsterbosses ermordet. Auch Frank sollte dran glauben, doch er überlebt als einziger den Anschlag, wurde aber für tot erklärt. Nun lebt er in der Kanalisation und schwört Rache. In den Nachrichten ist er als das Phantom "Punisher" gekannt, weil er einen nach dem anderen auf brutalste Weise tötet - 125 Morde in 5 Jahren gehen auf sein Konto. Gianni Franco will als oberster eines Clans die Kontrolle ergreifen. Der asiatischen Mafia Yakuza passt das überhaupt nicht und sie kidnappen die Kinder der Gangster aus Francos Familie. Nun kommt der Punisher zum Zug und kämpft um das Leben der Kinder. Unterstützt wird er dabei von Franco, dem Mann, der seine Familie auf dem Gewissen hat...


Gerade in den goldenen 80er Jahren hatte das Genre des Actionfilms absolute Hochkonjunktur und der Markt wurde phasenweise regelrecht mit B-Movies überschwemmt. Natürlich gab es darunter auch etliche Rohrkrepierer, doch "The Punisher" dürfte wohl ganz eindeutig zu den Höhepunkten des Jahrzehntes gehören. Nun hat der von jeher nicht mit überragendem Schauspieltalent ausgestattete Mime Dolph Lundgren nicht nur überzeugende Werke in seiner Filmografie stehen, doch die Rolle des Frank Castle erscheint ihm geradezu auf den Leib geschneidert. Mit einer stoischen Mimik performt der alte Schwede diesen Charakter des gnadenlosen Rächers und Bestrafers der in der Unterwelt aufräumt und dabei unzählige Bösewichte über den Jordan befördert. Würde man im Normalfall das geradezu minimalistische Schauspiel der Hauptfigur beanstanden, so trägt es in vorliegendem Fall doch viel eher zu einer glaubhaften Skizzierung eines desillusionierten Mannes bei, der nur noch von seinen Rachegedanken am Leben gehalten wird. Vielleicht interpretiert man mit dieser Ansicht sogar schon ein wenig zu viel in die simple Geschichte hinein, denn vom Prinzip her zählt bei diesem Werk einzig und allein der Unterhaltungsfaktor. Und dieser ist wahrlich hoch angesiedelt, denn von der ersten bis zur letzten Minute lässt Regisseur Mark Goldblatt keinerlei Zweifel daran, in welche Richtung das Geschehen letztendlich tendieren wird.

Der geneigte Fan kommt voll auf seine Kosten und wird mit unzähligen und absolut sehenswerten Action Passagen konfrontiert, die streckenweise auch noch ziemlich derbe ins Bild gesetzt wurden. Selbst nach heutigen Maßstäben geht es hier ordentlich zur Sache und manch ein Actionfilm der heutigen Zeit könnte sich noch ein Beispiel an "The Punisher" nehmen, denn die kompromisslose Art und Weise wie hier die visuelle Brutalität gezeigt wird, hat auch im Laufe der Jahre rein gar nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Freunde spektakulärer CGI Effekte werden das eventuell ein wenig anders sehen, denn in vorliegendem Fall wird noch nach der alten Schule gearbeitet und der Zuschauer sieht sich so auch nicht einem regelrechten Gewitter aus künstlichen Effekten gegenüber, sondern kann sich vielmehr an handgemachter Ware erfreuen. Das verleiht dem Ganzen auch diesen unvergleichbaren Charme, der ganz generell die Filme dieser Dekade auszeichnet und sich auch heute noch größter Beliebtheit erfreut.

Mit einem ordentlichen Tempo ausgestattet nimmt die zugegebenermaßen dünne Rahmenhandlung ihren Lauf und befriedigt dabei eher die etwas niederen Bedürfnisse des Betrachters. Laute Explosionen, jede Menge Nahkämpfe und etliche Tötungen reihen sich förmlich aneinander und manch einer mag sich eventuell die Frage nach dem Sinn eines solchen Szenarios stellen, das doch über keinerlei inhaltliche Substanz verfügt. Diese Gruppe von Leuten sollte aber lieber gleich die Finger von diesem Film lassen, alle anderen werden mit gut 90 Minuten Action Unterhaltung konfrontiert, die man kaum besser hätte in Szene setzen können. Rein auf das Genre bezogen ist "The Punisher" ein echtes Brett und meiner persönlichen Meinung nach auch gleichzeitig Lungrens bester Film, wobei sicherlich nicht jeder diese Meinung teilen dürfte. Mittlerweile gibt es ja nun schon drei Verfilmungen zu der Geschichte die auf den berühmten Marvel Comics beruht, doch obwohl das Remake mit Thomas Jane aus dem Jahr 2004 und auch das 2008er Werk "Punisher: War Zone" mit Ray Stevenson in der Hauptrolle sicherlich sehr gute Adaptionen sind, so steht das hier besprochene Original immer noch an der Spitze der Nahrungskette.

Nie wieder ging der Bestrafer so hart und kompromisslos zur Sache, zudem dürfte auch Dolph Lundgren die höchste Identifikation beim Zuschauer auslösen, wenn er den Namen "Punisher" hört. Natürlich ist das wie immer Geschmackssache und auch nicht jeder dürfte seinen Gefallen an einem derartigen Konzeption der Geschehnisse haben, in der die Rache Thematik derartig in Szene gesetzt wurde, das lediglich die Gier nach atemloser und gut gemachter Action befriedigt wird. Tiefer gehende Gesichtspunkte werden dabei zwar nicht berücksichtigt, doch dafür ist ein Film dieser Art auch überhaupt nicht ausgelegt. Wenn einem das nichts ausmacht wird man mit einem regelrechten Feuerwerk belohnt, alle anderen sollten sich lieber anderen Werken zuwenden, in denen der Rache Gedanke auch ausführlicher beleuchtet wird als es in dieser Geschichte der Fall ist. Wie dem aber auch sei, Mark Goldblatt hat mit dieser ersten filmischen Umsetzung von "The Punisher" einen der unterhaltsamsten und härtesten B-Movies der 80er Jahre geschaffen, der auch nach nunmehr schon über 25 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat und immer wieder bestens unterhalten kann.


Fazit:


Dolph Lundgren hat sich noch nie durch übermäßig vorhandenes Schauspieltalent ausgezeichnet ist allerdings für eine Rolle wie die des Frank Castle nahezu prädestiniert. Seine begrenzten darstellerischen Fähigkeiten und seine stoische Mimik kommen ihm hier sogar zu Gute und verleihen der Hauptfigur ein Höchstmaß an Authentizität. Damit drückt er dem Film seinen ganz persönlichen Stempel auf und sorgt gleichzeitig dafür, das Goldblatt's filmische Adaption in nachhaltiger Erinnerung bleibt.


Auf das Genre bezogene 10/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 8. Jul 2015, 15:12

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Frequencies
(Frequencies)
mit Daniel Fraser, Eleanor Wyld, Owen Pugh, Dylan Llewellyn, Georgina Minter-Brown, Tom England, Charlie Rixon, Lily Laight, Ethan Turton, David Broughton-Davies, Emma Powell, David Barnaby, Doris Zajer
Regie: Darren Paul Fisher
Drehbuch: Darren Paul Fisher
Kamera: James Watson
Musik: Blair Mowat
FSK 12
Australien / Großbritannien / 2013


Die junge Marie ist geradezu ein Wunderkind, derart hoch ist ihre Frequenz. Das genaue Gegenteil von ihr ist Zak, dessen Frequenz schon fast rekordverdächtig niedrig ist. Da das Zusammentreffen von Menschen mit extrem gegensätzlichen Frequenzen in dieser Welt gefährliche Einflüsse auf die Umwelt ausübt, ist eine romantische Verbindung zwischen beiden schon von Natur aus nicht möglich. Doch ausgerechnet in die gefühlskalte Marie verliebt sich Zak so sehr, dass er es zu seiner Lebensaufgabe macht, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Tatsächlich scheint er nach Jahren eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie er die Naturgesetze umgehen und mit Marie zusammen sein kann. Doch wie es Frequenzen so an sich haben, wirken Manipulationen wellenartig und viel weitreichender als bedacht. Hat Zaks Liebe zu Marie wirklich eine Chance? Und gefährdet er, wie man ihm Glauben machen will, tatsächlich die Existenz seiner Welt?


Außergewöhnliche Filme zeichnen sich in der Regel nicht unbedingt durch ein hohes Budget oder großartige Effekte aus, sondern beinhalten vielmehr ein gutes Drehbuch und erzählen gleichzeitig eine Geschichte, die den Zuschauer auch zum nachdenken anregt. Nun liegt mit dem vorliegenden "Frequencies" nach dem kürzlich erschienenen "Coherence" schon das zweite Werk vor, in der sich die Elemente des Mystery und SCI/FI Filmes miteinander paaren und die jeweiligen Regisseure auf eine wissenschaftliche Art und Weise die Existenz des Menschen und dessen Handlungsweisen an den Mann zu bringen. Dabei bedient sich Darren Paul Fisher in seiner Erzählung im Prinzip einer schnöden Liebesromanze, doch die Umsetzung des Ganzen erscheint dabei gleichermaßen skurril wie auch genial. Im Mittelpunkt der leicht futuristisch angehauchten Story stehen dabei Marie und Zak die schon im frühen Kindesalter ihre erste Begegnung haben und sich auf eine bestimmte Art zueinander hingezogen fühlen. Da beide aber aufgrund ihrer verschiedenen Frequenzen in ihrer Welt scheinbar nicht kompatibel sind steht die heranwachsende Liebe unter keinem guten Stern, denn in der hier dargestellten Welt werden Menschen aufgrund ihrer Frequenzen in verschiedene Gruppen eingeteilt. Vereinfacht könnte man sagen, das Wunderkinder nicht mit geistig minderwertigeren Menschen zusammen passen und obwohl der Regisseur diesen Punkt keinesfalls so drastisch formuliert, kommt die enthaltene Botschaft dennoch genau so beim Betrachter an. Nun kann man über diesen Film sicherlich hoch philosophische Diskussionen führen, denn eben dieser Aspekt kommt innerhalb der Geschichte auch immer stärker zum tragen, doch eigentlich sollte man das Ganze doch viel eher in vereinfachter Form besprechen, damit auch wirklich ein jeder den Sinn dieses großartigen Werkes versteht.

Im Prinzip erzählt "Frequencies" nichts anderes als die Geschichte einer typischen Zweiklassengesellschaft, die man auch im eigenen Leben immer wieder zu spüren bekommt. Wird diese im realen Leben hauptsächlich durch Reichtum und Armut als Gegensätze in den Mittelpunkt gerückt, so nimmt sich Fisher das Thema der Intelligenz zum Vorbild. Das Außergewöhnlich an der Sache ist die streckenweise höchst skurrile Umsetzung der Abläufe, wobei in etlichen Momenten schon eine fast groteske Situationskomik Einzug in das Szenario hält. Als Indiz dafür gelten insbesondere die Gespräche zwischen Marie und Zak die vor allem zu Beginn nie länger als eine Minute dauern, da ansonsten irgendein Unglück geschieht. Ebenso rückt immer mehr der Punkt in den Vordergrund, das Menschen mit einer extrem hohen Frequenz augenscheinlich darunter leiden, das sie keine echten Gefühle empfinden können und dieser Umstand belastet leider auch die junge Marie. Erst im Laufe der Zeit und unter der Mithilfe von Zak gelingt es dem Mädchen, ihre eigene Empathie ans Tageslicht zu befördern, was ihr aber gleichzeitig den Zorn der Gesellschaft einbringt. Näher sollte man an dieser Stelle jedoch nicht auf die einzelnen Abläufe eingehen, da man ansonsten doch einige überraschende Momente und Gedankenansätze des Regisseurs vorwegnehmen würde.

Fisher's Film ist ganz sicher jenseits des üblichen Mainstreams angesiedelt und eignet sich auch keinesfalls als Filmerlebnis, das man eben einmal auf die Schnelle anschaut. Diese Geschichte sollte man in aller Ruhe begutachten, denn nur so kann man sich auch auf die Ereignisse einlassen, die streckenweise das berüchtigte Kopfkino beim Zuschauer in Gang setzen. "Frequencies" ist also alles andere als leichte Kost, sondern vielmehr ein gut durchdachter und qualitativ hochwertiger Beitrag, der einen auch noch lange nach der Sichtung beschäftigen wird. Allein durch diesen Umstand wird der Film auch keinesfalls die breite Masse ansprechen, handelt es sich doch keinesfalls um seichte Filmkost. Gleichzeitig sollte man auch von Beginn an dazu bereit sein sich diesem filmischen Hochgenuss zu öffnen und dabei auch über den normalen Tellerrand hinaus zu schauen. Nur dann ist man auch dazu in der Lage den Stoff zu verarbeiten und einen wirklichen Sinn in dem Ganzen zu erkennen, doch gerade in diesem Aspekt beinhaltet die Story ihren außergewöhnlichen Reiz. Man kann viele Dinge hinterfragen, entwickelt ganz eigene Interpretationen der Ausgangslage und setzt sich gleichzeitig auch mit den philosophischen Ansätzen auseinander, die über die gesamte Laufzeit verteilt immer wieder in den Vordergrund rücken.

Letztendlich wird dieses Werk ganz bestimmt die Meinungen spalten und längst nicht jeder wird seinen Gefallen an dieser grandios erzählten Geschichte finden. Wer jedoch auf das Außergewöhnliche steht und sich dabei auch noch am großartigem Schauspiel der überzeugenden Akteure erfreuen möchte, der ist bei "Frequencies" definitiv an der richtigen Stelle. Am Ende sollte man eventuell noch erwähnen, das dieses Werk nur schwerlich einem bestimmten Genre zuzuordnen ist, denn die Zusammensetzung aus den verschiedensten Genres gestaltet sich doch recht manigfaltig. Eine Potion SCI/FI in Kombination mit Mystery Elementen, dazu ein gehöriger Schuss Liebesromanze und Anleihen an ein Drama lassen eine originelle wie auch intelligente Story in einem prächtigen Gesamtwerk erstrahlen, dem man das eher niedrige Budget kaum anmerkt. Ich persönlich möchte diesen Film als einen echten Geheimtip einstufen, den man vor allem den Freunden des außergewöhnlichen Filmes besonders ans Herz legen kann.


Fazit:


Nicht immer sagt eine pompöse Ausstattung etwas über die Qualität eines Filmes aus, was man bei diesem eher schlichten Beitrag unheimlich gut erkennen kann. Wenn man sich dem Szenario öffnet dann wird man mit einem eindrucksvollen und erstklassigen Seherlebnis belohnt, das auch lange nach der Sichtung noch im Gedächtnis haften bleiben dürfte.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 8. Jul 2015, 19:17

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Morbidia - Der Tod ist erst der Anfang
(Zai shi zhui hun)
mit Ray Lui, Kent Cheng, Linda Lau, Kwong Leung Wong, Kai Man Tin, Veronica Yip, Sap-Yat Leung, Cheng Chong, Chun Hung Cheung, Shu Gei Chan, Chi-Hung Chan
Regie: Siu-Hung Leung
Drehbuch: Sin-Wa Cheung / Vincent Kok
Kamera: keine Information
Musik: keine Information
ungeprüft
Hongkong / 1992

Blanker Terror erschüttert das Leben des Elite-Cops Lui. Genau in dem Moment, als seine Frau Zwillinge gebar, erschoss er im Rahmen einer todesmutigen Polizeiaktion, zwei Bankräuber, die jüngeren Mitglieder eines wahnsinnigen Geschwistertrios. Der dritte und ältere Bruder, ein brutaler Massenmörder, wurde in eine Hochsicherheitsanstalt für geisteskranke Kriminelle eingeliefert. Es scheint, dass der Psychopath auf irgendeine unheimliche Weise mentalen Kontakt zu seinen toten Geschwistern hat, die offenbar in Luis Kindern wiedergeboren wurden. Mit Entsetzen stellen Lui und seine Frau dämonische Veränderungen an ihren geliebten Zwillingen fest. Das Grauen erreicht seinen Höhepunkt, als der gemeingefährliche Bruder aus der Anstalt ausbricht und auf blutige Rache sinnt.


Das die Asiaten bei der Umsetzung ihrer filmischen Ideen so manches Mal etwas eigenartige Wege beschreiten ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr und so überrascht es dann auch nicht wirklich, das auch "Morbidia - Der Tod ist erst der Anfang" mit einer eher sehr abwegigen Thematik aufwartet. So liegt dem Szenario dann die Seelenwanderung zweier toter Killer in zwei Neugeborene zu Grunde, was allerdings in vorliegendem Fall für relativ harte Horrorkost Sorge trägt. Diverse Ähnlichkeiten zu diversen Genre Vertretern sind dabei unübersehbar, doch Regisseur Siu-Hung Leung hat zumindest eine interessante, wenn auch nicht gänzlich überzeugende Geschichte zusammen geklaut, die zumindest für Fans des asiatischen Horrorfilms absolut sehenswert sein dürfte. Dennoch beinhaltet das Werk auch diverse unübersehbare Schwachpunkte, so wirkt der stellenweise eher unfreiwillig komische Anstrich einiger Passagen ein wenig befremdlich. Ist der asiatische Humor phasenweise schon ganz generell sehr gewöhnungsbedürftig, so erscheint er doch insbesondere in einem eher ernst gestalteten Film richtiggehend befremdlich.

Kein Wunder also, das man diverse Momente während der Ereignisse dann auch eher skeptisch beobachtet, die zu allem Überfluss auch noch von einem gewissen Overacting der Akteure begleitet werden. Die dadurch zum Vorschein kommende Theatralik innerhalb des Schauspiels beeinflusst auch die Grundstimmung des Ganzen, denn immer wenn das Geschehen eine gewisse Bedrohlichkeit aufbaut, fällt diese auch sogleich wieder wie ein Kartenhaus zusammen. Das nimmt dem Film dann auch einiges von seiner Kraft und durchaus sehenswerte Ansätze verlaufen stellenweise im Sand. Aber auch wenn sich das nun im ersten Moment eher negativ anhört, beinhaltet "Morbidia" auch jede Menge starke Momente, die sich jedoch größtenteils auf den visuellen Härtegrad beschränken. Fairerweise sollte man jedoch anmerken, das der übliche Rahmen zu keiner Zeit überschritten wird und ganz generell kann man auch bei diesem Beitrag aus der berüchtigten CAT III Reihe feststellen, das diese keinesfalls so hart ausfällt wie manch ein Zuschauer sie zu sehen scheint. Trotzdem kann sich der geneigte Fan an mehreren netten Effekten erfreuen, sollte jedoch keinesfalls ein brutales Spektakel erwarten.

Rein inhaltlich bewegt man sich wie schon kurz angedeutet eher im Reich der Fantasie und die gefundene Kombination aus Action, Horror und Fantasy Elementen wird sicherlich nicht nur Freunde finden. Man sollte also schon ein Freund des asiatischen Filmes sein und sich zudem auch nicht an diversen fernöstlichen Eigenarten stören, die in der vorliegenden Story ziemlich eindeutig zu erkennen sind. Wenn einen das nicht stört wird man gut unterhalten, nur sollte man keinesfalls zu hoch angesetzte Erwartungen in den Film stecken. Mich persönlich haben zumindest zwei Defizite wirklich gestört und das waren die leider nie konstant in Erscheinung tretende Atmosphäre und der hohe Anteil an darstellerischer Theatralik. Besonders das kaum glaubwürdige Auftreten der Polizisten fällt dabei ganz besonders ins Auge und schmälert den Sehgenuss doch recht erheblich.

Wie dem auch sei, ein jeder mag das anders sehen, doch mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und überzeugenderen Schauspielern wäre weitaus mehr drin gewesen. So aber reicht es dann in meinen Augen lediglich zu einer Einstufung knapp oberhalb des normalen Durchschnitts, denn wirklich nachhaltig wird dieses Werk nicht in Erinnerung bleiben.


Fazit:


Eine abwegige Grundidee und mangelnde Charakterzeichnungen sind zu verschmerzen, aber einige andere Mankos sorgen leider dafür, das "Morbidia - Der Tod ist erst der Anfang" nicht unbedingt der Knaller ist den man eventuell erwartet hat. Vielleicht waren auch meine eigenen Erwartungen zu hoch angesetzt, was aber im Endeffekt kein Grund dafür ist, das hier jede Menge an Potential verschenkt wurde.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 14. Jul 2015, 15:17

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Maps to the Stars
(Maps to the Stars)
mit Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Robert Pattinson, Kiara Glasco, Sarah Gadon, Dawn Greenhalgh, Jonathan Watton, Jennifer Gibson, Gord Rand, Justin Kelly, Niamh Wilson
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
Kamera: Peter Suschitzky
Musik: Howard Shore
FSK 16
Deutschland / Frankreich / Kanada / USA / 2014

Hollywood: Eine in die Jahre gekommene Diva kämpft um die Rolle, mit der ihre vor Jahren in einem Feuer gestorbene Mutter berühmt geworden ist. Ein aufstrebender Schauspieler-Schrägstrich-Drehbuchautor hält sich mit dem Fahren von Limousinen über Wasser und hofft, einen Kunden zu fahren, dem er sein Zeug andrehen kann. Ein zynischer Kinderstar, der sich nur über die Einspielergebnisse seiner letzten hohlen Kiddie-Komödie definiert. Seine Mutter, die in Verhandlungen eiskalt ist, aber innerlich wegen ihres kaputten Lebens schreien will.


Regie Ikone David Cronenberg hat sich eigentlich recht selten um die üblichen Mechanismen der Filmwelt geschert und hat mit seinen meisten Werken einen höchst eigenen Weg eingeschlagen. Besonders ist dies wohl in seinen Horrorfilmen zu begutachten, denn sein berühmt berüchtigter "Body Horror" ist nun wirklich nicht jedermanns Sache. Mit "Maps to the Stars" ist nun der nächste Regiestreich des Regisseurs zu bewundern und auch in der vorliegenden Geschichte ist ganz sicher die persönliche Note Cronenbergs zu verspüren. Thematisch dreht es sich in dieser Mischung aus Drama und bitter-böser Satire um eine Abrechnung mit Hollywood, wobei dieser Aspekt an sich ganz bestimmt nichts Außergewöhnliches darstellen dürfte.

Und so sollte man auch keine sonderlich innovative Story erwarten, vielmehr präsentieren sich dem Zuschauer die üblichen Klischees der dunklen Seite einer Glemmerwelt, hinter deren Fassade es ordentlich bröckelt. Das die vorhandenen Klischees dabei nur allzu sehr der Wahrheit entsprechen weiß man nicht erst seit heute und so ist insbesondere die schonungslos zynische Abrechnung Cronenbergs als absolutes Highlight einzuordnen. Dabei beleuchtet der gute Mann die Schattenseiten höchst eindrucksvoll und lässt dies auch sehr stark in etlichen Dialogen zum Ausdruck kommen. Exemplarisch dafür dürfte eine Passage sein, in der sich einige abgehobene Jung Stars im verbalen Gossen Jargon über ihre Mitmenschen auslassen und dabei mit Kraftausdrücken nur so um sich werfen. Zynismus, Sarkasmus, aber auch feine Ironie prägen ganz generell die vorhandenen Dialoge, in denen es streckenweise tiefgründig, aber auch jederzeit extrem bissig zur Sache geht. Es ist aber nicht nur eine wahre Freude den wunderbaren Wortgefechten zu folgen, denn die ganz große Stärke dieses Filmes sind sicherlich die schauspielerischen Leistungen der Akteure, die durch die Bank mit erstklassigen Performances aufwarten.

Besonders sollte man dabei wohl Julianne Moore und Jung Schauspieler Evan Bird hervor heben, denn während die eine in der Rolle einer abgewrackten Schauspielerin zu glänzen vermag, so dürfte der andere mit seiner Darstellung des abgehobenen und Drogen erfahrenen Jung Darstellers ganz nahe an der Perfektion sein. Aber auch dem gesamten Rest der Darsteller Riege muss man ein Kompliment aussprechen, denn "Maps to the Stars" ist bis in die kleinste Nebenrolle absolut brillant besetzt. Um die Bandbreite seines Dramas noch etwas auszuweiten, hat David Cronenberg sich aber nicht nur auf die übliche Beleuchtung von großen Träumen und deren schneller Zerstörung fokussiert, sondern hat seiner Erzählung auch noch einige dunkle Familiengeheimnisse eingefügt. In diesen werden Dinge wie Missbrauch, Inzest und psychische Erkrankungen thematisiert, wobei diese dann auch noch durch das Einfügen diverser surreal erscheinender Momente zusätzlich verstärkt werden.

Ganz bestimmt wird dieser Film die Meinungen spalten und dabei längst nicht alle Geschmäcker treffen, aber wer Interesse an einer eingehenden und phasenweise tiefgründigen Beleuchtung der dunklen Seite Hollywoods hat ist hier bestens aufgehoben. Wenn man das Ganze dann auch noch in der Cronenberg typischen Art serviert bekommt ist die Freude doppelt so groß, denn auch in diesem Werk ist die ganz eigene Handschrift des kanadischen Regisseurs zu erkennen. Ob sich der Film für eine mehrmalige Sichtung eignet muss ein jeder für sich selbst entscheiden, doch zumindest einmal sollte man sich diese toll erzählte Geschichte schon anschauen.


Fazit:


Mir persönlich hat "Maps to the Stars" außergewöhnlich gut gefallen, denn auch wenn die Erzählung nicht unbedingt neue Gesichtspunkte aufzeigt, ist eine altbekannte Thematik eindrucksvoll bebildert worden. Im Zusammenspiel mit dem erstklassigen Schauspiel und den teils deftigen Dialogen ergibt sich so ein Gesamtpaket, das man letztendlich als überdurchschnittlich gut ansehen kann.


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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Jul 2015, 16:28

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Class of Nuke 'Em High
(Class of Nuke 'Em High)
mit Janelle Brady, Gil Brenton, Robert Prichard, Pat Ryan, James Nugent Vernon, Brad Dunker, Gary Schneider, Théo Cohan, Gary Rosenblatt, Mary Taylor, Rick Howard, Lauren Heather McMahon, Chris McNamee, Anthony Ventola
Regie: Richard W. Haines / Lloyd Kaufman
Drehbuch: Lloyd Kaufman / Richard W. Haines / Mark Rudnitsky
Kamera: Michael Mayers
Musik: Ethan Hurt / Michael Lattanzi
ungeprüft
USA / 1986

Lesen, Kiffen, Rechnen, Töten, Schreiben, Ficken…das ist ein höllisch verstrahlter Stundenplan!

Willkommen in der Tromaville High School, der wildesten und bizarrsten Schule in ganz Amerika. Was hier abgeht ist unfassbar. Seit die kleine grüne Giftwolke aus dem nahe gelegenen Kraftwerk durch das Fenster des Klassenzimmers kam, haben sich die Schüler dort merklich verändert! Aus den ehemals so strebsamen und braven Schülern sind wahre Monster geworden. Unschuldige Studenten mutieren zu sexverrückten Psychopathen, der akkurate Klassenrat hat sich in perverse, fleischfressende Kretins verwandelt und das riesige schleimige Monster, das die Flure entlang schleicht ist NICHT der Direktor!



Filme aus der berühmt - berüchtigten Troma Schmiede hatten schon immer ihren ganz besonderen Reiz, dürften jedoch gleichzeitig auch nur einer ganz bestimmten Zielgruppe zugänglich sein. Man muss nämlich schon eine ganz besondere Vorliebe für den schlechten Geschmack haben, ansonsten wird man mit den teils grandiosen Trash Granaten nicht sehr viel anfangen können. Wer also schon einmal vom "Toxic Avenger" oder "Terror Firmer" gehört hat dürfte ganz genau wissen, welche Art von Film den Zuschauer bei "Class of Nuke 'Em High" erwartet, denn an der High School von Tromaville sind die Ereignisse dermaßen skurril und abstrus, das man es kaum in Worte fassen kann. Schuld daran ist selbstredend das Atomkraftwerk der Stadt und die von Haus aus schon nicht gerade pflegeleichten Schüler dürfen die Sauerei natürlich ausbaden. Das es dabei zu oft hanebüchener Situationskomik kommt versteht sich fast von selbst und so kann man sich getrost auf ein höchst vergnügliches Filmerlebnis einstellen, das einem phasenweise die Tränen in die Augen treibt. Gleichzeitig erinnert die Geschichte aber auch in Teilen an Mark L. Lesters 1982 erschienenen "Die Klasse von 1984", denn diverse Anlehnungen an diese zur damaligen Zeit noch fast als düstere Zukunftsversion an amerikanischen Schulen geltende Story sind unübersehbar.

Auch hier werden die Schüler von einer gewaltbereiten Gang terrorisiert und es ergeben sich in manchen Passagen fast 1:1 übernommene Momente, die in vorliegendem Fall allerdings weitaus humorvoller in Szene gesetzt wurden. Wie bei Troma üblich, fallen einem zuerst schon einmal die vollkommen schrägen und höchst überzeichneten Figuren auf. Die Frisuren und Klamotten sind grell bunt und die Zeichnungen der jeweiligen Charaktere fallen extrem übertrieben aus. Gerade das macht aber gleichzeitig auch den unglaublichen Charme dieses Filmes aus, der sich nahtlos in die Riege mehrerer Troma Klassiker einreihen kann. Auch der bekannte Fäkalhumor ist ausreichend vorhanden, zudem ist das Szenario mit unendlich vielen Szenen ausgestattet, die den Zuschauer an den Rand der eigenen Ekelgrenze führen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch Kenner der Szene wissen ganz genau, das insbesondere diese Aspekte ein untrügliches Markenzeichen des Labels sind. Die vorhandenen Effekte passen sich nahtlos dem nicht vorhandenen Niveau an und wirken streckenweise äußerst künstlich. Auch in dieser Beziehung bekommt man also die gewohnte Kost geboten und dürfte also genau das geboten bekommen, was man sich von einem Film dieser Art erwartet.

Ein wenig Geduld muss man aber im Bezug auf die enthaltene Härte aufbringen, denn anders als in etlichen anderen Werken von Troma gibt sich diese hauptsächlich im letzten Drittel der Geschichte zu erkennen. Bis dahin ist bis auf kleinere Ausnahmen nicht viel zu erwarten, dafür reihen sich dann aber im letzten Teil die Szenen förmlich aneinander, so das man als bekennender Fan voll auf seine Kosten kommt. Wie nicht anders zu erwarten ist die Geschichte selbstverständlich auch mit etlichen sexuellen Anspielungen garniert, zudem bekommen vor allem die Herren der Schöpfung einige hübsch anzusehende Mädchen zu Gesicht und auch das ein oder andere Stück nackte Haut ist zu sehen. Man merkt also, das auch "Class of Nuke 'Em High" die üblichen Troma Zutaten beinhaltet, die wie fast immer zu einem sehr unterhaltsamen Gesamtpaket zusammen gerührt wurden und dem geneigten Trash Liebhaber allerbeste Unterhaltung anbietet. Skurrile Typen, wahnwitzige Situationskomik, dämliche Dialoge und eine absolut hanebüchene Story ergeben den ersten Teil einer High School Geschichte, die man nicht so schnell vergessen wird.

Mir persönlich hat dieser erste Teil der mittlerweile vier Filme umfassenden Reihe äußerst gut gefallen, wobei der "Toxic Avenger" aber dennoch das Maß aller Dinge bleiben wird. Toxie ist nämlich noch einen Zacken abgedrehter und vor allem härter und dieser Punkt ist dann auch der einzige den man eventuell überhaupt beanstanden kann. Vom reinen Trash Gehalt her ist "Class of Nuke 'Em High" nämlich durchaus eine absolute Granate, nur hätte ein wenig mehr Härte in der ersten Hälfte dem Film sicherlich ganz gut getan. Aber auch in der vorliegenden Form ist das Werk auf jeden Fall zu den Troma Klassikern des schlechten Geschmacks zu zählen und lässt das Herz eines jeden Fans in die Höhe schnellen.


Fazit:


Auch ohne größere Vorkenntnisse erkennt man schon nach wenigen Minuten, das es sich hier um eine waschechte Troma Produktion handelt. Nicht ganz so gut wie die "Toxic Avenger" Reihe erzählt "Class of Nuke 'Em High" die vollkommen abgedrehte Geschichte einer High School, die phasenweise auf humorige Art an Mark L. Lesters "Die Klasse von 1984" erinnert.


8/10
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