Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Apr 2018, 19:43

Auslöschung

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Ein Jahr nachdem Kane, der Mann der Biologin Lena zu einem Militärauftrag abgezogen wurde und spurlos verschwand, steht dieser eines Tages verändert wieder in der Wohnung. Die Freude über das Wiedersehen ist jedoch nur kurz, als Kane mit multiplen Organversagen kollabiert und gemeinsam mit Lena zu einem geheimen Stützpunkt der Armee entführt wird. Dort erfährt Lena von dem sogenannten „Schimmer“ , einer scheinbar außerirdischen Lebensform, die vor drei Jahren das erste Mal registriert wurde und ein bestimmtes Gebiet befallen hat, aus dem noch nie jemand zurückgekommen ist. Als Lena erfährt, dass eine Gruppe von weiblichen Forscherinnen in das Gebiet losgeschickt werden soll, meldet sie sich ebenfalls freiwillig für diese Reise ohne vermeintliche Wiederkehr um so auch zu erfahren, was mit Kane tatsächlich passiert ist.

Über „Auslöschung“ hat man in letzter Zeit ja schon so einiges gelesen, sei es die unrühmliche Veröffentlichungspolitik, die überschwänglichen Kritiker-Lobeshymnen, oder auch die Verrisse auf der IMDB von enttäuschten Zuschauern, die mit der philosophisch-existenziell angehauchten Geschichte und seiner langsamen Erzählweise nichts anfangen konnten. „Annihilation“ ist aber nichts anderes als einer dieser ungewöhnlichen, eher ruhigen und umso bildgewaltigeren Sci-Fi-Filme im Stil von „Solaris“ und „2001“, die das Genre maßgeblich prägen und Alex Garland ist ein nur auf den ersten Blick etwas sperriges Werk gelungen, dass meines Erachtens zu den besten Filmen der letzten Jahre aus dieser Kiste gehört. Die vielschichtige, hypnotische und existenzielle Geschichte über eine sonderbare Bedrohung, sowie Schuld, Selbstfindung und Aufopferung seiner Protagonisten ist spannend erzählt, bietet Zeitsprünge, unvorhersehbare Wendungen und eine wunderbare Optik, die einerseits organisch und dann doch wieder auf eine bedrohliche Weise entrückt wirkt. So einen ungewöhnlichen Streifen auf Netflix zu verheizen, anstatt diesen auf die große Leinwand zu bringen ist eigentlich unverzeihlich und kommt wohl dabei raus, wenn der Multiplex-Besucher darüber bestimmt, wie viel Anspruch einem Kinopublikum zuzumuten ist. Ein großes Pfui daher in Richtung Paramount, die hier herzlich wenig Mut bewiesen haben und dafür sorgen, dass der Film auch nur einem eingeschränkten Publikum zugänglich gemacht wird. Alle die dennoch die Möglichkeit haben, „Auslöschung“ zu sehen, sei dieser Film aber an dieser Stelle besonders ausdrücklich ans Herz gelegt. Tipp!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Apr 2018, 20:28

The Jacket

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John Starks wird im Irak-Krieg von einer Kugel getroffen und nach Hause geschickt. Dort leidet der stille Mann vermeintlich an einer posttraumatischen Belastungsstörung und wird an einem Mord schuldig gesprochen, den er nicht begangen hat. Doch auch da ist sein Leidensweg nicht zu Ende und er landet in der psychiatrischen Anstalt in den Fängen eines Mediziners, der mit bewusstseinserweiternden Drogen an ihm experimentiert. Doch dann geschieht das Unglaubliche: während der Behandlung findet sich John Stark auf einmal fünfzehn Jahre in der Zukunft und trifft auf die Kellnerin Jackie, die er kurz von dem vermeintlichen Mord schon einmal getroffen hat und ihm auch das genaue Datum seines Todes sagen kann, der zurück in der Zeit bereits in wenigen Tagen stattfinden soll…

„The Jacket“ ist ein etwas sonderbarer Streifen, der nicht nur über einen eindrucksvollen Cast verfügt, sondern es auch inhaltlich sehr gut mit dem Zuschauer meint. Die völlig überladene und wirr erzählte Geschichte eines Kriegsveteranen, einem verrückten Wissenschaftler, Zeitreisen und allerlei sonstigen Dingen wirkt so, als hätte man „Jacob’s Ladder“, „Donnie Darko“, „Butterfly Effect“ und „Einer flog über das Kuckucksnest“ miteinander verquirlt und dazu noch ein paar andere Sachen addiert. Das alles wird dann irgendwie völlig umständlich und lückenhaft erzählt und irgendwie hat man das Gefühl, dass sich Regisseur John Maybury ja gleich mehrfach verzettelt, oder sich zumindest stets auf die falschen Dinge konzentriert. Anfänglich empfand ich „The Jacket“ auch sehr unsympathisch bzw. zu bemüht und wenn dann auch noch das Zeitreise-Dingens und eine schlampinöse Keira Knightley ins Spiel kommt, geht die ganze Sache dann endgültig durch die Trash-Decke. „The Jacket“ möchte wohl anspruchsvoll, mysteriöse, vertrackt und dramatisch sein und scheitert doch in seinem Bestreben, alles unter einen Hut bringen zu wollen. Zwar ist das Endergebnis mit etwas Wohlwollen und für den Zeitreise-Fan schon guckbar und am Ende bekommt der holprig-unstimmige „The Jacket“ doch noch etwas die Kurve, aber unterm Strich passt hier doch einfach nichts zusammen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Apr 2018, 20:11

Die Zeitfalle

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Geschichtsprofessor Scott McKenzie interessiert für alles aus dem Wilden Westen und ersteigert eines Tages bei einer Auktion gemeinsam mit seinem Kumpel eine Kiste, in der sich unter anderem auch ein Foto aus dem Jahr 1886 befindet. Darauf entdeckt der Mann jedoch eine Waffe, die erst hundert Jahre später hergestellt wurde. Scott forscht genauer nach und entwickelt daraufhin eine Theorie zu Zeitreisen und wird dafür von seinen Studenten jedoch eher belächelt. Kurz darauf tritt Georgia Crawford in sein Leben, die ebenfalls eine unglaubliche Geschichte zu erzählen hat. Sie selbst stammt aus dem Jahr 2586 und ist auf der Suche nach dem Mann, der ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist und bei dem es sich um einen gemeingefährlichen Wissenschaftler handelt, der nicht umsonst ausgerechnet in dieses Jahr zurückgereist ist. Ehe sich Scott versieht ist der mutige Mann daher schon mittendrin in einem wahnwitzigen Abenteuer, bei dem auch wenig später das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht.

Im Gegensatz zum Geschichtsprofessor ist der Wilde Westen ja so überhaupt nicht mein Dingens, aber in Kombination mit Zeitreisen sind sogar schießwütige Männer, Kavallerie und ominöse Postkutschentransporte eigentlich sehr erträglich. „Timestalker“ bzw. „Die Zeitfalle“ bekommt ja auch nett die Kurve zwischen 1886, 1986 und 2586 und bietet eine sympathische Geschichte, der man (fast) gar nicht mal so anmerkt, dass es sich um eine TV-Produktion aus den Achtzigern handelt. Klaus Kinski gibt in einer seiner letzten Rollen wieder einmal den Bösewicht, Lauren Hutton die Sympathieträgerin aus der Zukunft und mittendrin gibt es einen Geschichtsprofessor, der nicht so recht weiß, wie ihm geschieht und trotzdem immer das Richtige tut. Die Geschichte ist zwar vorhersehbar, aber macht Spaß, es wird eifrig in der Zeit herum gehüpft und alles wird sehr hübsch und halbwegs spannend erzählt. Die billigen Spezialeffekte fand ich jedenfalls wie Kinskis Wutausbruch sehr spaßig und vom Western-Anteil sollte man sich ebenfalls nicht abschrecken lassen. ;) Alles in allem ein nettes, kleines Zeitreise-Abenteuer mit Charme, 700 Jahren Handlungsspielraum und für einem verregneten Nachmittag, dass aus seiner Geschichte und dem überschaubaren Budget auch das Beste macht. Nicht mehr – nicht weniger.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Apr 2018, 20:12

Terminator

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Im Jahre 2029 ist nach einer atomaren Verwüstung die künstliche Intelligenz so weit entwickelt, dass diese die Menschheit zu ihrem Feind erklärt und diese vernichten möchte. Doch ein Mann wagt es sich den Maschinen entgegen zu stellen und schafft so für einen Funken Hoffnung in einer Zeit, in der es nur noch wenig Menschliches gibt. Um dieses zu verhindern wird jedoch vom übermächtig erscheinenden Gegner ein teuflischer Plan geboren und ein Terminator-Cyborg wird ins Jahr 1984 zurückgeschickt um die Mutter dieses Mannes zu töten, von der nur Name und Wohnort bekannt ist. Diese Kampfeinheit macht sich auch erbarmungslos ans Werk und die letzte Hoffnung der Frau ist ein Mann, der ebenfalls den Weg aus der Zukunft in das heutige Los Angeles gefunden um das Leben der Frau zu beschützen, dessen noch ungeborenes Kind das Leben in der Zukunft maßgeblich verändern wird.

Über „Terminator“ muss man ja wohl nicht mehr viel sagen und der Action- und Zeitreise-Klassiker von James Cameron hat ja nicht nur Schwarzenegger zum Star gemacht, sondern auch gleich das ganze Genre maßgeblich geprägt und ein ganzes Franchise angestoßen. Der erste „Terminator“ ist aber auch wirklich sehr gut gemacht und die durchdachte Geschichte passt irgendwie so gar nicht zu den sonstigen Hauruck-Patriotismus-Werken aus der Kiste und den Achtzigern, sondern mahnt auf visionäre Weise zu den Themen künstliche Intelligenz und atomarer Bedrohung und vermischt dieses mit einem „war-wäre-wenn“-Gedankenspiel über rückwirkende Änderungen im Lauf der Geschichte. Alles sehr effizient, flott und glaubhaft zusammengetragen, kommt auch der Action- und Sci-Fi-Anteil nicht zu kurz und auch bei den Darstellern hat sich Schwarzenegger mit seinem furchtbaren Englisch und seinem „Eil bi bägg“ mit steirischem Dialekteinschlag als Glücksgriff bzw. Idealbesetzung erwiesen. Der stiehlt den beiden eigentlichen Hauptdarstellern Biehn und Hamilton als gefühlslose Killermaschine ja auch ziemlich die Show und sein Spruch aus dem Streifen wurde nicht umsonst zu seinem Markenzeichen. Zwar merkt man dem „Terminator“ vor allem bei den FX im Finale seine Erscheinungszeit doch deutlich an, aber ich bin ja auch der Meinung, dass sich gerade bei Limitierungen das wahre Genie eines Regisseurs zeigt und diese überdeckt der Streifen ja auch scheinbar mühelos mit seiner packenden Geschichte, die auch knapp 34 Jahre später nichts von ihrem Reiz verloren hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Apr 2018, 19:38

Lola rennt

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Als die junge Lola einen Anruf ihres verzweifelten Freundes Manni erhält, ahnt sie noch nicht, dass die nächsten zwanzig Minuten das Leben gleich einiger Menschen ändern wird. Der Teilzeitgangster hat nach einem zwielichtigen Deal mit dem Ganoven Ronnie eine große Menge Geld in der U-Bahn zurückgelassen und will in seiner Not nun einen Supermarkt ausrauben. Doch Lola will Manni helfen, ihn vor dieser unüberlegten Tat abhalten und dazu bleiben ihr genau zwanzig Minuten, in denen Lola zu Manni sprintet und dabei versucht, das Schicksal ihrer Beziehung in eine positive Bahn zu lenken – mit jeweils höchst unterschiedlichen Ausgang.

„Lola rennt“ hat im Jahr 1998 ja auch perfekt den Zeitgeist und den Nerv des Publikums getroffen und Tom Tywker hat hier mit seinen beiden Hauptdarstellern Franka Potente und Moritz Bleibtreu auch eine temporeiche Mischung aus Action, Drama und „Was-wäre-wenn“-Zeitschleife geschaffen, der mit derselben Ausgangslage seinen Verlauf auf drei unterschiedliche Weisen über die Bühne bringen lässt. Dabei wird auch nicht viel Zeit verschwendet und „Lola rennt“ startet auch quasi von Null auf Hundert und Franka Potente sprintet sich die Seele aus dem Leib um ihren Loverboy Manni vor bösen Gangstern und schlechten Entscheidungen zu retten. Dabei begegnet sie unterschiedlichsten Menschen, deren weiterer Lebensverlauf in kurzen Collagen präsentiert wird. Dazu gibt es kurze Animationen, schnelle Bildfolgen, einen treibenden Elektronik-Soundtrack und hübsche Ansichten von Berlin, die hier auch ein hübsches Gesamtbild ergeben, auch wenn der Streifen inhaltlich vielleicht nicht ganz so originell erscheint. „Lola rennt“ ist aber nicht nur kurz, sondern auch knackig und vergeudet keine Zeit mit Leerlauf und ist auch zwanzig Jahre nach Erscheinen noch immer ein spannender, Puls-beschleunigender und packender Film, der Spaß macht und als modernes Märchen auf hübsche Weise die Unberechenbarkeit des Lebens zum Thema macht.

Bill & Ted's verrückte Reise in der Zeit

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Die beiden unbedarften Knallchargen Bill und Ted träumen von der Karriere in einer gemeinsamen Band, die jedoch davon bedroht ist, dass die beiden College-Kids bei einer bevorstehenden Geschichts-Referat mit Bomben und Granaten durchzurasseln drohen und Ted von seinem Vater in die Militärakademie gesteckt werden soll. Doch zum Glück ist Rettung nahe und ein Zeitreisender aus der Zukunft stellt den Beiden eine Zeitmaschine in Form einer Telefonzelle zur Verfügung um den Verlauf der Zukunft nicht zu gefährden und mit der sich geschickt in der Zeit herumreisen lässt. Und so reisen Bill und Ted eifrig in der Zeit herum um all die geschichtsträchtigen Personen für ihr Referat persönlich zu treffen und ins Jahr 1989 mitzunehmen, was natürlich nicht ohne jede Menge Chaos von statten geht.

„Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit“ ist ja meines Erachtens ein völlig missverstandenes Werk, das sich nur vordergründig als durchgeknallte Proll-Komödie gibt, denn in Wirklichkeit zeigt der der turbulente Streifen ein treffendes, respektloses und dennoch augenzwinkerndes Bild des amerikanischen Geschichtsverständnisses. Sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen wird hier ja auch eher als notwendiges Übel und unliebsame Sache dargestellt, das einem hedonistischen Lebensstil seiner Figuren im Wege steht, die lieber ihre eigenen Fehler begehen, als aus dem Lauf der Menschheitsgeschichte etwas mitzunehmen. Dennoch ist der Streifen bei all seiner Kritik aber auch ein Heidenspaß, wenn auf scheinbar völlig unbedarfte Weise geschichtsträchtige Figuren im wahrsten Sinne des Wortes aufgegriffen und in die Neuzeit gebracht werden. Da mutiert Beethoven zum Metal-Fan, Dschingis Khan rollt mit dem Skateboard durch die Shopping-Mall und Napoleon gibt sich im Wasserpark die Kante. Geschichtsträchtigkeit trifft hier auf amerikanischen Lebensstil der Gegenwart in einer Culture-Clash-Komödie der besonderen Art, bei der vor allem im Finale kein Auge trocken bleibt. Es bedarf schon viel kreativer Energie sich auf intelligente Weise dumm zu stellen und das ist Stephen Herek mit seinem gut gelaunten Cast auch auf vortreffliche Weise gelungen. Doch die ganz große Kunst ist es diese offensichtliche Kritik an allgemeiner Verdummung und der Weigerung sich mit Geschichte auseinanderzusetzten dann auch noch in einer Komödie zu verpacken, bei der sich jeder das mitnehmen kann, dass er möchte. Und zwar volle Kanne, Hoschi!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Apr 2018, 20:07

Time Bandits

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Der junge und von seinen Eltern vernachlässigte Kevin wird eines Tages von sechs Zwergen überrascht die durch ein Zeitloch in den Kleiderschrank seines Kinderzimmers geraten sind. Diese arbeiten normalerweise für Gott und seine Schöpfung, sind aber mit einer Karte mit eigezeichneten Zeitlöchern ausgebüxt um mit ihrem Wissen über Zeitsprünge erfolgreiche Ganoven zu werden. Da keine Zeit bleibt, folgt Kevin den kleinen Männern und landet so in einem turbulenten Abenteuer mit geschichtsträchtigen Figuren, mysteriösen Fabelwesen und finsteren Bösewichten, in dem Kevin seinen ganzen Mut beweisen muss um seine neuen Freunde vor allerlei skurrilen und gefährlichen Situationen zu bewahren.

Bei einer Retrospektive von Zeitreise-Filmen darf natürlich auch „Time Bandits“ nicht fehlen, der ja fast allen hier bekannt sein dürfe, aber dessen magere Beitragsanzahl ja auch irgendwie für sich sprechen. Terry Gilliams Streifen ist zwar sehr schräg, skurril und quillt über vor schrägen Ideen, aber sonderlich überzeugt hat mich „Time Bandits“ aber nichts. Abgesehen davon, dass der sehr episodenhafte Streifen mit knapp zwei Stunden einfach viel zu lange ist, haben mich auch immer wieder Momente gestört, die wohl witzig sein sollen, aber meines Erachtens so gar nicht funzen. Hier sei vor allem die Episode mit Robin Hood gemeint, die ich ja so gar nicht prickelnd fand. Auf der anderen Seite hat Gilliam aber wieder sehr schöne Momente geschaffen, die zeigen, was hier alles möglich gewesen wäre, wenn man den Streifen etwas runder, herzlicher und weniger überladen und überdreht gestaltet hätte. So wollte man wohl die eierlegende Wollmilchsau des skurrilen Abenteuerfilms für die ganze Familie machen, der letzten Endes aber einfach wie ein üppiges Menü zu rasch ein Sättigungsgefühl erzeugt. Gilliam-Fans mögen mir in diesen Punkt widersprechen, aber meines Erachtens setzt sich „Time Bandits“ einfach zu sehr zwischen die Stühle und wirkt bisweilen auch wie der Zusammenschnitt einer Serie, die als Format der Geschichte und dem Drehbuch wohl eher entgegen gekommen wäre.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Apr 2018, 19:46

Tomb of Torture

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Am selben Tag als zwei furchtbar entstellte Frauenleichen gefunden werden, kehrt auch der Arzt Dr. Darnell in ein kleines Dorf zurück, das in der Nähe des verlassenen Schlosses von Gräfin Elizabeth liegt. Dort ist vor Jahren auch Gräfin Irene spurlos verschwunden, die Anna, der Tochter des Arztes, auch zum Verwechseln ähnlich sieht, die wiederum von grauenvollen Alpträumen gequält wird, die im Zusammenhang mit Irenes vermeintlichen Tod stehen könnten. Daher vermutet nicht nur ihr Vater, sondern auch die anderen Verwandten, dass es sich bei Anna um die Reinkarnation der verstorbenen Gräfin handeln könnte und das Grauen nimmt seinen weiteren Verlauf, als Anna durch ihre immer schlimmer werdenden Alpträume auch kurz davor ist, den Mörder und sein Motiv zu enttarnen.

„Tomb of Torture“ ist ja entgegen der eher verhaltenen Meinungen auf der IMDB ein durchaus solider Gothic-Grusler aus italienischer Produktion, der zwar nicht ganz die Klasse von Bava und Freda erreicht, aber dem italophilen Zuschauer dennoch viel Spaß bereitet. Das liegt vor allem an der völlig haarsträubenden Geschichte irgendwie zwischen buckligen Kellermonster, Folterkeller, Reinkarnation und Telekinese, die als Teil der Geschichte völlig unbedarft miteinander verrührt werden. Die etwas vorhersehbare Handlung über habgierige Menschen, Reinkarnation und Rache aus dem Jenseits sollte man wohl besser nicht genauer hinterfragen und spaßig ist es auch, wenn hier im turbulenten Showdown im titelgebenden Folterkeller auch zwei Meerschweinchen als Ratten verkauft werden sollen. Was dem Drehbuch und der Geschichte aber an Klasse fehlt, wird auf der anderen Seite mit hübschen Locations, sympathischen Darstellern und netten Tricks ausgeglichen und vor allem beim Monster und beim Finale hat man sich doch Mühe gegeben. Außerdem geht es für das Entstehungsjahr auch durchaus hübsch zur Sache und so gibt es auch von meiner Seite nicht viel zu meckern. Wer es in Punkto Gothic-Horror auch mal eine Stufe trashiger mag, ist hier sicher an der richtigen Adresse und bekommt einen kurzweiligen Streifen präsentiert, der zwar nicht sonderlich harmonisch daherkommt, aber sich dank spaßiger Ideen auch durchaus unterhaltsam präsentiert.

The Snake God

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Paola ist mit dem schwerreichen und wesentlich älteren Industriellen Berard verheiratet, der die junge Frau mit Luxus und Reichtum überschüttet und gemeinsam mit ihr in die Karibik zieht. Doch die attraktive Paola ist gelangweilt von ihrem Leben im goldenen Käfig und der Tatsache, dass ihr vielbeschäftigter Mann kaum Zeit für sie hat. Als sie auf die lebenslustige Stella trifft, ist das aber ein Wendepunkt in ihrem langweiligen Leben und die Lehrerin erzählt Paolo von dem Glauben der Einheimischen, vom Schlangengott Djamballá und nimmt diese sogar mit zu seltsamen Ritualen, in denen sich zu Tieropfern in Trance getanzt und getrommelt wird. Die zivilisierte und aufgeschlossene Paola ist fasziniert von den alten Riten und Gebräuchen der Inselbewohner und lässt sich daraufhin auf ein gefährliches Spiel aus Lust, Verführung und Aberglauben ein, bei dem es für die hübsche Frau bald kein Zurück mehr gibt.

„The Snake God“ ist einer dieser zahlreichen Film aus den Siebzigern, in denen Mondo-Doku mit Spielfilmhandlung kombiniert wird und Erotik und Exotik gleichermaßen dem staunenden Publikum gleichermaßen präsentiert wird. Hier ist es die ausnehmend hübsche Nadio Cassini, die gelangweilte und sexuell unterforderte Industriellengattin auf einer Karibik-Insel in die Fänge eines ominösen Schlangengottes gerät und dabei die uralte und auf Aberglauben basierende Kultur des Landes auf eindrucksvolle Weise näher kennenlernt. Dabei ist der vermeintliche Horroranteil bis auf etwas Tier-Snuff in Form eines Opferungsrituals eher zu vernachlässigen und „The Snake God“ präsentiert sich auch eher als bizarres Selbstfindungsdrama im Voodoo-Ambiente, in dem stets auch großes Augenmerk auf die nackte Haut seiner zwei Darstellerinnen Nadia Cassini und Beryl Cunningham gelegt wird. Doch auch der Rest kann durchaus überzeugen und Regisseur Piero Vivarelli präsentiert karibische Postkarten-Idylle und Einheimische, dessen Leben immer noch von Aberglaube und uralten Riten geprägt ist. Doch anstatt den moralischen Zeigefinger auszupacken und den westlichen Fortschritt als den besseren Lebensentwurf zu präsentieren, geht man hier abermals den anderen Weg und „The Snake God“ ist dann so etwas wie der geistige Zwilling von meinem Lieblings-Sleazinger „Emanuelle für immer“, in dem sich ebenfalls eine jungen Frau in einer exotischen und erotischen Reise aus den Zwängen der Zivilisation befreit um in triebhafter Lust als neuer Mensch wiedergeboren zu werden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Apr 2018, 19:19

Nocturama

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Eine Gruppe von Jugendlichen aus den unterschiedlichsten, gesellschaftlichen Schichten und ethnischen Hintergründen findet sich eines Tages zusammen um an vier neuralgischen Stellen der französischen Hauptstadt Paris Autos und Gebäude in die Luft zu jagen um damit ein Zeichen zu setzen. Dazu greift jedes Rädchen in das andere und der Plan ist perfekt durchchoreografiert. Das Vorhaben gelingt und im allgemeinen Trubel beschließt die bunte Truppe die Nacht in einem Nobelkaufhaus zu verbringen um am nächsten Morgen anonym in der Menge abzutauchen. Doch etwas geht immer schief und während zwei Leute der Truppe aus unbekannten Gründen den Weg in das Kaufhaus nicht schaffen, verhält sich der Rest ebenfalls zunehmend auffällig, panisch und die Anonymität des gewaltbereiten Kollektivs aus Jugendlichen und Minderjährigen droht aufzufliegen.

„Nocturama“ ist ein Film, der mich gestern doch ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Das liegt aber weniger am durchaus kontroversen Inhalt, in dem Jugendliche losziehen um scheinbar wahllos Gebäude und Sehenswürdigkeiten in die Luft zu jagen, sondern an der Tatsache, dass der Film nach einer fulminanten und spannenden ersten Halbzeit so gehörig die Luft ausgeht, dass man nur noch staunen kann. Als Inspiration für die zweite Hälfte dienten ja Carpenters „Der Anschlag“ und Romeros „Dawn of the Dead“ was ja innerhalb des Genres durchaus nachvollziehbar ist. Weniger logisch sind jedoch der ganze Plan nach den Anschlägen, sowie die Tatsache, dass sich die Jugendlichen im Kaufhaus ja völlig dämlich benehmen. Weiters werden dem Zuschauer auch die Motivation der Gruppe größtenteils verwehrt und es bleibt offen, wie und mit welchem Ziel die unterschiedlichen Jugendlichen zueinandergefunden haben. Auf dem Papier liest sich die Idee zum Drehbuch vielleicht noch super und Aufmerksamkeit sollte bei dem Thema in Frankreich bzw. Europa ja ebenfalls gewiss sein, aber irgendwie funzt „Nocturama“ mit seinem Ansatz jegliche Fragen bewusst offen zu lassen so überhaupt nicht und das bittere und natürlich ungemein konsequente Ende ist da auch schon wurscht. Den Vorsatz einen anspruchsvollen, diskussionswürdigen und ungewöhnlichen Genre-Film mit interessanten Charakteren zu schaffen hat man meines Erachtens nur begrenzt geschafft und so spannend und bedeutungsschwanger der Auftakt auch sein mag, so sehr nerven mit zunehmender Laufzeit die offenen Fragen, Logiklücken, seltsames Verhalten und sonstige Ungereimtheiten, die „Nocturama“ gerade bei dem sensiblen Thema Terrorismus letzten Endes auch für mich sehr unbefriedigend erscheinen lassen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Apr 2018, 20:52

Cave of the Living Dead

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Inspektor Frank Dorin ist immer dann zur Stelle, wenn es darum geht, einen kniffligen Fall auf elegante Weise zu lösen und dabei auch noch die Herzen aller Frauen zu brechen. Als er eines Tages in ein osteuropäisches Dorf geschickt wird, wo in den vergangenen sechs Monaten sechs junge Frauen auf mysteriöse Weise verstorben sind, trifft der aufgeklärte Mann auf eine verängstigte und abergläubische Dorfgemeinschaft. Die eher einfachen Menschen glauben, dass Vampire für die Morde verantwortlich sind, die vom ansässigen und resoluten Arzt allesamt als natürliches Ableben deklariert wurde. Doch während Frank weder an das eine, noch an das andere glaubt, hat dieser eher den ominösen Professor von Adelsberg in Verdacht, der ebenfalls vor sechs Monaten seine Zelte in dem Ort aufgeschlagen hat und auf dessen persönliche Sekretärin er zufälligerweise bereits ebenfalls ein Auge geworfen hat.

„Cave of the Living Dead“ bzw. “Der Fluch der grünen Augen” ist ein beschwingt unterhaltsamer Genre-Mix aus deutsch-jugoslawischer Produktion, der auf durchaus passable Weise versucht, den Flair der beliebten Edgar Wallace-Filme mit dem blutigen Horror von englischen Hammer-Produktionen zu verbinden, die sich zu dieser Zeit ja auch großem Zuspruch erfreuten. Herausgekommen ist ein etwas konfus wirkender, aber stets sympathisch erzählter Grusel-Streifen mit einem smarten Adrian Hoven in der Hauptrolle, der um keinen Lösungsansatz verlegen ist, wenn es darum geht in einem osteuropäischen Kuhdorf eine ominöse Mordserie aufzuklären. Dabei ist auch relativ schnell klar, dass es sich dabei entgegen dem US-Titel nur um Vampire handeln kann, die aber herzlich wenig von den herkömmlichen Beschränkungen ihrer Spezies halten. Zwar wirkt der Streifen bis zu einem gewissen Grad schon sehr naiv und die vorhersehbare Vampir-Geschichte inklusive Aberglaube und Alltagsrassismus ist im Grunde vermutlich nichts Besonderes, aber besticht immer wieder durch lustige Einfälle, den heruntergekommen erscheinenden Locations und durch seine kontrastreichen Bildkompositionen, die an „Nosferatu“ und andere expressionistische Meisterwerke aus der Stummfilmzeit erinnern. Deutsche Genre-Produktionen aus der Zeit haben bei mir ja sowieso einen Stein im Brett und wer sich für Deutschploitation interessiert, kommt an dem spaßigen Streifen ja ebenfalls nicht vorbei.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Apr 2018, 19:23

Meet the Feebles

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„Meet the Feebles“ ist natürlich ganz klar der Gegenentwurf zu den vermeintlich braven Muppets und in Peter Jacksons Frühwerk gibt es hinter der glitzernden Fassade einer Varieté-Truppe ja haufenweise Abgründe und vom drogenabhängigen Frosch, dem dauergeilen Karnickel bis hin zur Fleischfilm-produzierenden Ratte ist hier auch alles vertreten, was man bei Jim Hensons Truppe natürlich niemals erwarten könnte. Leider vergisst Jackson aber bei seinem turbulenten bis sehr hektischen Verlauf aber darauf, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen und so ist „Meet the Feebles“ dann auch eher eine episodenhafte Ansammlung von sehr skurrilen, schwarzhumorigen bis ekeligen Momenten mit fulminanten Showdown, dass aber trotzdem irgendwie nicht rund erscheint. Bei der Erstsichtung vor knapp zwanzig Jahren fand ich diese grelle und technisch gut gemachte Farce ja noch wesentlich spaßiger aber mittlerweile frage ich mich schon, ob man mit den spannenden Figuren, den schmissigen Songs und Jacksons Ansatz hier politisch völlig unkorrekt ans Werk zu gehen, nicht irgendwie einen unterhaltsameren und vor allem stimmigeren Film hinbekommen hätte. So wirkt „Meet the Feebles“ mit seinen bitterbösen Momenten eher wie eine Abrechnung und ich vermisse bei dem ganzen Zynismus auch so etwas wie eine augenzwinkernde Herzlichkeit, die ich mir bei einem Puppenfilm auch zu einem gewissen Grad erwarten würde.
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