Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Feb 2018, 21:31

Coraline

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Die elfjährige Coraline ist gerade mit ihren Eltern umgezogen und wenig darüber erfreut, dass sie ihre alten Freunde zurücklassen musste und nun eine neue Schule besuchen muss. Als ihre Eltern an einem regnerischen Tag wieder einmal keine Zeit für sie haben, macht sich Coraline im neuen Heim auf die Suche und findet im Wohnzimmer eine kleine und verriegelte Tür, aus der nachts kleine Tierchen kommen. Als sie in entgegengesetzte Richtung durch den schmalen Gang kriecht, entdeckt sie am anderen Ende eine Art Paralleluniversum, in der sich alles so präsentiert, wie es sich die Elfjährige eigentlich vorstellt. Die Eltern sind interessiert und haben Zeit, der nervige Nachbarjunge ist brav und die streunende Katze kann auf einmal sprechen. Zuerst ist Coraline auch hellauf begeistert von ihrer Entdeckung, doch schon wenig später mehren sich die Vorzeichen, dass mit dieser idealisierten Welt nicht stimmen kann…

Eigentlich erinnert der Inhalt des Stop-Motion-Animationsfilm „Coraline“ aus dem Hause Laika auf den ersten Blick ja schon etwas stark an „Chihiros Reise ins Zauberland“ und hier wie da geht es um ein junges Mädchen, dass nach einem Umzug aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird und sich erst wieder neu einfinden muss. Im Falle von „Coraline“ findet das Mädchen aber nicht eine Welt voller Magie, Geistern und sonstigen Fabelwesen, sondern eine Welt, die sich für das junge Mädchen mehr als perfekt präsentiert. Doch wie so oft, gibt es natürlich einen Haken und schon bald entpuppt sich das Paralleluniversum mit all seinen Zuwendungen als gar nicht mehr so toll. Die Geschichte ist für FSK6-Verhältnisse dabei vor allem im Finale eigentlich überraschend gruselig ausgefallen und bietet dennoch genügend Platz für jede Menge fantasievolle, farbenfrohe und exzentrische Settings am laufenden Band. Im Gegensatz zu den nachfolgenden Filmen von Laika und sonstigen Streifen aus der Ecke fehlt mir hier aber zum Highlight irgendwie dennoch die Herzlichkeit und obwohl der Streifen technisch sicherlich perfekt daherkommt, so schwingt doch immer auch ein erzieherischer Charakter mit, auf den man meiner Meinung nach gut und gerne verzichten hätte können. So bleibt dann zwar immer noch ein schön anzusehender Streifen, der mich aber inhaltlich nicht ganz überzeugt hat und so meines Erachtens auch hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurückbleibt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Feb 2018, 21:09

Eating Out 4: Drama Camp

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Zack und Casey drehen einen Genre-Kurzfilm unter der Regie ihres Freundes Jason, mit dem die drei einen Platz im angesehenen Schauspielcamp von Dick Dickey gewinnen. Dort wird in zwei Wochen alles über Schauspielerei und Regie gelehrt und als Abschluss soll eine fulminante Neuinterpretation eines Shakespeare-Stückes aufgeführt werden. Die Zeit im Camp ist jedoch sehr turbulent und die Beziehung von Zack und Jason wird durch hübsche und willige Boys auf die Probe gestellt, obwohl Dick Dickey den Teilnehmern des Camps ein striktes Sex-Verbot auferlegt. Trotzdem sprühen die Funken und vor allem Zack hat es auf seinen vermeintlich heterosexuellen Szenenpartner abgesehen, während auch Casey zunehmend Gefallen an seinem Zimmerkollegen findet. Am Ende eskaliert alles auf positive Weise und auf die Zuschauer der Abschlussvorstellung wartet ein ganz besonderes Stück, dass alle Anwesenden wohl nicht so schnell vergessen werden.

Im vierten Teil der „Eating-Out“-Reihe machen sich schon ein paar Abnutzungserscheinungen breit und statt Witz und einer augenzwinkernden Betrachtung des Gay-Lifestyles gibt es eine eher seltsam anmutende Entwicklungen, unglaubwürdige Figuren vom Reißbrett und sogar eine Musical-Nummer, bei der sich wohl ein größtmögliches LBGT-Publikum angesprochen fühlen soll. Augenscheinlich stand hier auch erstmals ein größeres Budget zur Verfügung und dennoch funzt das aber alles nur bedingt und die sympathische Herzlichkeit der ersten beiden Teile bleibt doch etwas auf der Strecke. Die Geschichte mit dem Drama-Camp ist zwar eigentlich ganz witzig und auch der „Psycho“-Spoof zu Beginn ist ja noch durchaus spaßig anzusehen, aber im weiteren Verlauf geht das schon alles in Richtung beliebige Teenie-Komödie mit nervigen Figuren, derben Zoten und überzeichneten Momenten, in die wenigstens noch ein bisschen nackte Männerhaut integriert wurde. Gänzlich daneben ist auch die in Auflösung befindliche Beziehungskiste mit Zack und Casey, die beim älteren Zuschauer auch eher Stirnrunzeln hervorrufen wird. „Eating Out 4: Drama Camp“ lässt sich dann zwar schon immer noch gucken, aber gut geht wohl definitiv anders und der Versuch ein größeres Publikum zu erreichen endet dann auch im bislang schlechtesten Teil der Reihe. Mal schauen, ob der zeitgleich gedrehte fünfte Teil da noch etwas besser wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Feb 2018, 21:10

I Remember You

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Der Psychologe Freyr ist ein innerlich gebrochener Mann, seit vor drei Jahren sein Kind spurlos verschwunden ist. Obwohl der Fall das ganze Land bewegt hat und sich hunderte Freiwillige an der Suche beteiligten, blieb der Junge unauffindbar und auch seine Ehe ging daraufhin in die Brüche. Als Freyr eines Tages zu einem bizarr erscheinenden Selbstmord einer alten Frau in einer Kirche gerufen wird, weist zuallererst nichts darauf hin, dass dieser Fall etwas mit dem Verschwinden seines Sohnes zu tun haben könnte, doch schon wenig später legt sich die Vergangenheit des Psychologen wie ein dunkler Schatten über Freyr, der sich weiter an den Ermittlungen beteiligt und dabei einen immer manischeren Eifer an den Tag legt.

Hui, große Überraschung! Sehr atmosphärisches und düsteres Drama mit übernatürlichen Einschlag und mehreren Erzählebenen, der mir wirklich ausnehmend gut gefallen hat. Das liegt neben der spannenden Geschichte und den interessanten Figuren vor allem an der kargen und winterlichen Landschaft Islands, die hier in wunderbaren Bildern eingefangen wurde. Lange Zeit wird man förmlich eingelullt von wunderbar kargen Landschaften, verschneiten Fjorden, idyllischen Küstenstädten und eisigen Winternächten, während die Geschichte im Umfeld des Psychologen Freyr zunehmend mysteriöser und verworrener wird. Zu viel möchte ich an dieser Stelle ja wie üblich nicht verraten und ich bin froh, dass ich mich im Vorfeld gleich gar nicht über „I Remember You“ informiert habe. Nur so viel: wer ungewöhnliche Genre-Slow-Burner wie Janathan Glazers „Under the Skin“ oder düster-unterkühlte, nordische Thriller-Ware generell zu schätzen weiß, sollte nicht länger suchen, sondern sich schleunigst diesen überaus gelungenen und hübsch konstruierten Thriller aus Island besorgen und wird es sicherlich nicht bereuen. Tipp!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Mär 2018, 20:24

The Sinner [Netflix]

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An einem sonnigen Tag und ohne jegliche Vorwarnung ersticht die Cora an einem Baggersee und vor den Augen ihres Ehemannes und anderen entsetzten Anwesenden einen jungen Mann mit ihrem Obstmesser. Als sie blutüberströmt festgenommen wird, kann Cora jedoch offensichtlich kein Motiv für ihre Tat nennen und auch das Opfer scheint ihr ebenfalls nicht bekannt. Dennoch glaubt der ermittelnde Beamte nicht so recht an eine Zufallstat im Affekt und erwirkt trotz Geständnis und Schuldbekenntnis von Cora einen richterlichen Aufschub um die Hintergründe einer ansonsten unerklärlichen Tag zu erforschen, die im zunehmenden Verlauf immer weitere Fragen aufwirft.

Die US-amerikanische Serie „The Sinner“ nach einer Buchvorlage der deutschen Schriftstellerin Petra Hammesfahr führt den Zuschauer in acht Teilen geradewegs in die Abgründe der menschlichen Psyche und erzählt in acht Episoden die abgeschlossene Geschichte einer jungen Frau und einem getriebenen Polizisten, der die Hintergründe eines Mordes aufrollen möchte. Dabei startet „The Sinner“ ganz spannend und dem Zuschauer werden häppchenweise Informationen und Erinnerungsstücke zugeworfen, die immer neue Facetten auf eine anfänglich scheinbar unerklärliche Tat werfen. Dabei ist „The Sinner“ immer hübsch düster, unaufgeregt und dennoch packend erzählt und das Schicksal der jungen Frau ist auch sehr bewegend, auch wenn die tatsächliche Auflösung nicht mit dem mithalten konnte, was ich mir bereits im Vorfeld bzw. im Geiste ausgemalt hatte. Dennoch ist die Serie natürlich sehr empfehlenswert, stimmig und hübsch gemacht und mit seiner Grundkonstellation, Erzählweise und den interessanten Figuren sticht „The Sinner“ auch positiv aus der Masse vergleichbarer Werke heraus, ohne dabei zu übertrieben, konstruiert oder unglaubwürdig zu wirken. Durchhänger gibt es in den acht Folgen ebenfalls keine und auch keinen Cliffhanger am Ende, sodass ich wie Paco die Serie auch jeden ans Herz legen kann, der sich für derartige Formate interessiert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Mär 2018, 20:55

Resurrection - Die Auferstehung

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Der eigenbrötlerische und bei seinen Kollegen nicht sonderlich beliebte Detective Prudhomme wird eines mit seinem Partner Hollinsworth mit einer bizarren Mordserie konfrontiert. Ein Serienkiller schleicht durch das verregnete Chicago um seinen Opfern auf qualvolle Weise Gliedmaßen abzutrennen um danach seltsame Ziffern auf ihren Körpern zu hinterlassen. Rasch stellt sich heraus, dass die Taten im Zusammenhang mit einem christlichen Eifer begangen werden und der Täter konsequent nach einem bestimmten Plan vorgeht. Der vom Leben selbst arg gebeutelte Prudhomme entwickelt dabei ein besonderes Verständnis für das Vorgehen des Täters, ohne zu ahnen, dass er diesem bei seinen Ermittlungen schon näher gekommen ist, als er eigentlich ahnt. Ein Umstand, der auch für das Umfeld des Polzisten mit bitteren Konsequenzen verbunden ist.

Düsterer Psycho-Thriller in bester „Sieben“-Tradition nach einer Geschichte von Christopher Lambert (!), der hier auch gleich in der Hauptrolle zu sehen ist und unter der Regie von Russell „Highlander“ Mulcahy als gebeutelter Ermittler durch ein verregnetes Chicago stöckeln darf um verstümmelte Leichen aufzusammeln. Grundsätzlich wäre „Resurrection“ vermutlich gar nicht so übel, würde man sich nicht so stark an David Finchers Vorlage orientieren, ohne dabei dessen Intensität zu erreichen. Die Geschichte hat ja neben einer merkwürdigen Figurenzeichnung ja gleich in einigen Momenten ein grundsätzliches Glaubwürdigkeitsproblem und weil man das offensichtlich wusste, hat man als Ausgleich einfach die Gore-Schraube etwas höher aufgedreht. Außerdem nervt der Streifen auch etwas mit seinen optischen Mätzchen, mit denen Mulcahy wohl das Seelenleben seiner Protagonisten versinnbildlichen wollte und die ich auf Dauer doch störend empfand. Andererseits lässt sich der Streifen mit einigen Abstrichen sicherlich gut gucken und wenn man über die haarsträubend konstruierte Handlung hinwegsehen kann, bekommt man einen durchschnittlichen Thriller im oberen Härtegrad präsentiert, der Fans von derartigen Werken dank seiner passablen Darsteller und soliden Regie zwar nicht sonderlich begeistern, aber auch nicht wirklich enttäuschen wird.

Angriff der Lederhosenzombies

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Der amerikanische Snowboarder Steve ist gemeinsam mit seinem skandinavischen Kollegen Josh mit Aufnahmen zu seinem Snowboard-Video in den österreichischen Alpen beschäftigt, als der Sportler mit seinem seltsamen Sinn für Humor die Aufnahmen vergeigt und sich auch den Zorn seiner Freundin Branka zuzieht. Als die drei auch noch die letzte Abfahrt verpassen und in der Hütte der resoluten Wirtin Rita zur Saison-Abschlussparty bis zum nächsten Morgen ausharren müssen, kann es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen. Tut es aber, als sich auch noch ein paar Zombies ins Geschehen mischen und sich die sogenannte Gaudi-Hütten rasch in einen Ort des Grauens verwandelt. Doch die Snowboarder sind natürlich mit allen Wassern gewaschen und gemeinsam mit Rita stellen sie sich am Berg den Untoten entgegen, dessen Schnee schon bald blutrot gefärbt ist.

Eigentlich ganz sympathischer Splatter-Streifen aus österreichischer Produktion, der mit internationalen Cast und mehrsprachig gedreht wurde und nach eigener Aussage auf den Pfaden von „Shaun of the Dead“ und „Braindead“ wandelt. Mit den beiden Vorbildern hat sich Regisseur Dominik Hartl aber zwei übergroße Vorbilder ausgesucht, dessen Qualität aber nicht annähernd erreicht wird und „Angriff der Lederhosenzombies“ ist vielmehr eine kleine Indie-Produktion, die zwar ein paar nette Lacher hat, aber bei aller Liebe auch nicht viel mehr bietet. Für die ohnehin kurze Laufzeit von knapp 75 Minuten wirkt die Geschichte einfach viel zu unausgegoren und man wird als Zuschauer auch das Gefühl nicht los, dass hier viel mehr möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht nur auf eine Handvoll gelungener Splatter-Momente und das Finale konzentriert hätte. Die Möglichkeit den normalen Wahnsinn des Aprés-Ski-Betriebes zu persiflieren wird ja großzügig vermieden und auch die Ansätze über Tourismus-Wahn in Ösien verpufft nach den ersten Minuten in der Bedeutungslosigkeit. Was bleiben ist ein Film eines jungen Regisseurs, den ich als Zombie-, Indie- und Austrofilm-Fan gerne besser bewerten würde, aber der einfach viel zu sehr hinter seinen eigenen Möglichkeiten und meinen Erwartungen zurückbleibt. Nett, aber leider nicht mehr - schade!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Mär 2018, 20:16

Prey

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„Prey“ ist für mich ja – entgegen der weitläufigen Meinung von anderen Fans - noch immer ein kleines, progressives Lehrstück aus den Siebzigern, das zwar vielleicht nicht die Erwartungen der Horrorfans erfüllt, aber dafür auf einer anderen Ebene punkten kann. Interessant sind hier ja vor allem das Spiel mit Geschlechterrollen, alternativen Beziehungsformen, und die Tatsache, dass hinter manch harmloser Fassade ziemliche Abgründe lauern. Im Falle von „Prey“ ist es ein lesbisches Pärchen, dessen Beziehung durch Kontrollzwang, Abhängigkeit, gesellschaftlicher Isolation, Männerhass und eventuell sogar Mord an der Kippe steht und das eines Tages mit einem jungen Mann mit düsteren Geheimnis konfrontiert wird. Dieser ist hinter seiner harmlosen, verletzt und desorientiert wirkenden Fassade ein Alien mit einem bestimmten Auftrag und aus dieser originellen Grundkonstellation beginnt eine interessante Jagd, bei der nie so genau klar ist, wer am Ende die Oberhand behalten wird. Dabei spielt Warren auch geschickt mit seinen mehrfachen Bedrohungszenarien (vegetarische und radikal-femnistische Lesben & Aliens) für die gutbürgerliche Gesellschaft, den Zuschauererwartungen und lullt den Zuschauer mit einer eher dramatischen und Kammerspiel-artigen Inszenierung ein, die immer wieder durch unerwartete Gewaltspitzen durchbrochen wird. Alles eher kostengünstig, aber dennoch hübsch eingefangen steht „Prey“ auch eher in der Tradition dramatischer Werke mit einer Prise „Gay-Interest“, als in der Horror-Ecke. Wer ungewöhnliche Filme aus den Siebzigern mag, die nicht der gängigen Erwartungshaltung entsprechen ist hier ja sicher an der richtigen Adresse, wer sich hingegen Alien-Horror erwartet, sollte es hingegen wohl eher bei Warrens „Insemnoid“ versuchen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Mär 2018, 20:55

Mächte des Lichts

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Um seine Macht zu festigen hat der böse Zauberer Traigon den Göttern das Versprechen gegeben, seinen Erstgeborenen den dunklen Mächten zu opfern. Doch die Götter erlauben sich einen Spaß und schenken ihm die Zwillingsmädchen Mira und Mara, die nach dem beherzten Einsatz des guten Zauberers Krona ihrem eigentlichen Schicksal entkommen und einer anderen Familie übergeben werden. Dort wachsen sie zu jungen Kriegerinnen heran, die zum Schutz vor bösen Mächten und ihrem Umfeld als Jungen ausgegeben werden. Als Traigon durch einen Zauber wieder seine alte Stärke erlangt, befiehlt er seiner Armee Ausschau nach den Zwillingen zu halten um sein Versprechen nachzuholen und so bleibt auch Mira und Mara trotz der Unterstützung der Mächte des Lichts und anderer Weggefährten nichts anderes übrig, als selbst in den abenteuerlichen Kampf zu ziehen um Traigons böse Herrschaft zu beenden.

Zünftiger Fantasy-Trash nach einen Drehbuch von Jim Wynorski mit allerlei lustigen Ideen für ein aufgeschlossenes Publikum, das mit seiner Machart eigentlich auch genauso gut aus italienischer Barbaren-Produktion stammen könnte. Die Geschichte ist ein haarsträubender Mix aus bewährten Fantasy-Elementen, die hier teils augenzwinkernd, teils überzogen ernsthaft präsentiert werden und die ganze Sause wurde offensichtlich recht kostengünstig im Mexico mit dem Material aus dem Reste-Fundus bzw. ausgeborgten Styropor- und Holzkulissen aus anderen Filmen realisiert. Nach herkömmlichen Umständen ist „Sorceress“ natürlich eine unterirdische Trash-Produktion aus der Corman-Schmiede und dennoch macht „Die Mächte des Lichts“ unter den richtigen Umständen natürlich großen Spaß und wird den Fantasy-Fan auch kaum enttäuschen. Die Story bietet lustige Wendungen am laufenden Band, die Darsteller haben sichtlich Spaß an den zahlreichen Albereien und auch bei den Kostümen hat man sich durchaus Mühe gegeben. Ehe man sich versieht, ist der kurzweilige Streifen auch schon wieder zu Ende und man hat 82 Minuten kurzweiligen Trash hinter sich, dessen Wirkung in der richtigen Runde und mit der richtigen Getränkewahl wohl noch potenziert wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Mär 2018, 21:02

Blood Beat

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Die etwas sensible Künstlerin Cathy lebt zusammen mit dem eher grobschlächtigen Jäger Gary in einem abgelegenen Haus in Wisconsin, wo sie ihre Atelier abstrakte Bilder malt. Als um Weihnachten herum ihre beiden Kinder Dolly und Ted zu Besuch kommen, hat der Sohn auch seine neue Freundin Sarah in Gepäck, die sich jedoch im Haus durch die Bilder von Cathy und den Gewohnheiten der Familie bedroht fühlt. Von Weihnachtsfriede ist wenig zu spüren und auch Cathy spürt, dass mit Sarah etwas nicht stimmt. Diese verhält sich nicht nur sehr sonderbar, sondern hat offensichtlich auch schreckliche Visionen, die sich schon wenig später auf blutige Weise bewahrheiten.

Schräge Low-Budget-Filme gibt es ja immer wieder, aber so etwas wie „Blood Beat“ bekommt man wohl auch nicht alle Tage vor die Linse. Hier wird ja inhaltlich wieder einmal jegliche Obskur-Skala gesprengt und die Geschichte eines Samurai-Geistes, der unter Waffen-begeisterten Republikanern ein übernatürliches Blutbad anrichtet ist ja nur ein Teil der ganzen Geschichte, die mit zunehmendem Verlauf völlig aus der Bahn gerät. Zu viel will man ja wieder nicht verraten, aber die letzte halbe Stunde ist eigentlich völlig gaga, aber gleichzeitig krude, farbenfroh und unterhaltsam gemacht, dass ich die schlechten Stimmen zu „Blood Beat – Pulsschlag des Todes“ ja nicht so recht nachvollziehen kann. Hier werden ja ziemliche Geschütze aufgefallen und Regisseur. Komponist und Drehbuchautor Fabrice A. Zaphiratos nimmt auf Logik, Seh- und Hörgewohnheiten auch wenig Rücksicht und vermischt seinen übernatürlichen Hinterwäldler-Horror mit Slasher- und Psi- und Drama-Elementen und lässt am Ende alles auf hübsch merkwürdige Weise aus dem Ruder laufen. Wer ein Herz für ungewöhnliche Indie- und Low-Budget-Horrorfilme aus den Achtzigern hat, kann jedenfalls durchaus ein Auge riskieren und die Blu-Ray-Disc aus dem Hause Vinegar Syndrome bringt „Blood Beat“ auch in durchaus annehmbarer Qualität. Dieser Streifen hier zwar nichts für Leute, die eine logische Geschichte mit konventionellen Figuren und Erklärungen schätzen, aber die Welt bräuchte ja eigentlich noch viel mehr von diesen eher unbekannten, unterschätzten und auf bizarre Weise unterhaltsamen WTF-Hirnrunzerln.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Mär 2018, 20:29

Fog² - Revenge of the Executed

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Jenny und Philipp fahren mit ihren Freuden Lukas, Tom und Lisa gemeinsam nach Dänemark um am Strand ein Häuschen zu mieten und ein paar entspannte Tage zu verbringen. Als die fünf nach mehreren Stunden Autofahrt in den kleinen Ort ankommen, ist dort jedoch tote Hose und die ersten Versuche ein Ferienhaus zu bekommen scheitern ebenfalls. Statt Gastfreundschaft steht Abweisung am Programm und die Erholungssuchenden werden forsch von den Einheimischen aufgefordert, wieder nach Hause zu fahren. Dennoch lassen sich Jenny und Co. Nicht so einfach entmutigen und wenig später klappt es auch mit dem Ferienhaus. Doch schon der erste Ausflug an den Strand entwickelt sich nicht wie geplant und als auch noch eine ominöse Nebelbank aufzieht, wird langsam klar, dass die fünf Urlauber geradewegs in einem Alptraum gelandet sind.

Oliver Krekel zählt ja sicher zu den polarisierenden Figuren der deutschen Genre-Landschaft, dessen Versuche als Regisseur ja ebenfalls nicht unbedingt ein guter Ruf vorauseilt. An Selbstbewusstsein und Konfliktscheue hat es ihm aber offensichtlich nie gemangelt und so nimmt er sich für „Fog² - Revenge of the Executed“ ja auch gleich Carpenters Klassiker zur Brust, um mit einer großen Portion „Zombie Lake“ seine eigene Version davon zu drehen. Wer die Scheibe in den Player schiebt, weiß aber natürlich was ihn erwartet und ich müsste lügen, wenn ich nicht ein Stück weit neugierig gewesen wäre, wie sehr die ganze Sache an die Wand gefahren wird. Ein sehenswerter Film ist Krekel hier aber natürlich nicht gelungen und „Fog²“ versprüht auch die ganze Zeit den Charme eines Urlaubsvideos, der mit ein paar langatmigen Traumsequenzen und durchschaubaren und visuellen Tricks aufgepeppt wurde. Die Laienschauspieler wurden offensichtlich alle mit bekannten Stimmen nachsynchronisiert und auch die Nebelbank ist im Falle von Krekel kein meteorologisches Ereignis, sondern eher eine angehauchte Linse. Wer so wie ich fast allen Dingen etwas Positives abgewinnen kann und auch der deutschen Amateur-Kiste nicht gänzlich abgeneigt ist, bekommt hier 60 Minuten rasch realisierte Durchschnittsware aus der Ecke serviert, das zwar keine eigenen Ideen, aber zumindest eine halbwegs passable Inszenierung bietet. Die Mischung aus Unvermögen und Fremdschämen, die auch ein Stück weit den Reiz an solchen Werken ausmacht ist natürlich auch hier gegeben und dennoch ist der Streifen zumindest aus technischer Sicht kein Total-Verhau. Aus der Ecke habe ich persönlich jedenfalls schon schlechtere Werke gesehen und Otto Normalzuschauer wird so etwas wie „Fog² - Revenge of the Executed“ ja auch ohnehin nie vor die Linse bekommen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Mär 2018, 20:58

9 Songs

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Laut Wörterbuch-Definition ist Pornografie „jede Form bildlicher oder sprachlicher Darstellung von Sexualität, die sich einseitig auf die körperlichen Vorgänge konzentriert und die psychischen Aspekte ausklammert“. Insofern hat Michael Winterbottom mit „9 Songs“ neben den Konzert-Momenten einen rein p0rnografischen Film geschaffen, da seine körperliche Bestandsaufnahme eines Pärchens dem Zuschauer Einblicke in alles andere verwehrt. Als Zuschauer erfährt man eigentlich nur, dass es sich bei dem Mann um einen britischen Klimaforscher und bei der Frau um eine umtriebige US-Studentin handelt, die für kurze Zeit gemeinsam die Konzertszene und Betten unsicher machen. Leider ist das Gezeigte aber weder interessant, noch sonderlich erotisch oder gut gemacht und auch die in den Film integrierten Konzertszenen haben den Charme eines Handy-Konzertvideos auf DuRöhre. Es gehört ja meines Erachtens ja schon viel Unvermögen dazu, die Konzertauftritte von Bands wie Franz Ferdinand, Super Furry Animals und Elbow so derart undynamisch einzufangen, lahm zu schneiden und sich dafür auch noch die miesesten Songs der jeweiligen Band auszusuchen. Auch den realen Sex des Pärchens fand ich alles andere als leidenschaftlich und auch wenn inklusive Penetration, Muschilecken und Abspritzen alles gezeigt wird, scheint meines Erachtens die Chemie zwischen den Beiden so überhaupt nicht gepasst zu haben. Eine Geschichte im herkömmlichen Sinn wird auch nicht erzählt, sodass „9 Songs“ für mich dann auch nicht die Kriterien eines Spielfilms erfüllt. Normalerweise habe ich ja nichts gegen Hardcore, Hardcore-Szenen in Filmen, eine gepflegte Knatterei und einen Konzertbesuch inklusive Schweiß, Ohrensausen und Muskelkater, aber im Falle von „9 Songs“ wirkt das alles so unmotiviert, lahm und willkürlich zusammengerührt, dass einem die Lust auf alles vergeht. Der sehr scheinheilige Streifen ist mit seinem 50 % Konzertfilm-Anteil dann auch ideal für Leutchen, die aus irgendwelchen tiefenpsychologischen Gründen für sich selbst eine Rechtfertigung parat haben müssen, wenn sie irgendwie eine feuchte Möse oder einen steifen Schwanz erblicken. Hier ist ja auch alles in einem künstlerischen Kontext. Nein, ist es nicht!
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