Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Jan 2018, 19:13

Prosit 2018: :prost:

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Sie tötete in Ekstase

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Jess Francos Version von „Die Braut trug schwarz“ in Form eines stylishen Design-Bilderreigens, der vor allem voll und ganz auf seine wirklich sehr hübsche Hauptdarstellerin Soledad Miranda zugeschnitten ist. Ich bin ja keine Franco-Fanboy und sehe seine Werke, vor allem die späteren ja auch durchaus kritisch, aber bei den Werken aus den Sechzigern und Siebzigern hat er sich ja noch durchaus Mühe gegeben und auch „Sie tötete in Ekstase“ hat neben seiner hübschen Ausstattung auch ein paar ausnehmend hübsche Bildkompositionen, die das Werk mühelos aus der unüberschaubaren Masse an Jess Franco-Filmen herausragen lassen. Zwar könnte man etwas bekritteln, dass der Film das zeigt, was er andeuten sollte bzw. nur andeutet, was er eigentlich zeigen sollte, aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler in einem Streifen, der die Schönheit der spanischen Architektur, der Costa Blanca, dem iberischen Design und seinem weiblichen Gen-Pool zelebriert. Dazu rockt und flockt die Musik von Manfred Hübler und Sigi Schwab und sogar Horst Tappert ist als Inspektor kurz mit von der Partie. Hier hat Franco meines Erachtens auch noch alles richtig gemacht und präsentiert seine Trademarks wie nackte Haut, seinen Hang zu Schmuddel und eine entrückte und traumartige Atmosphäre auch auf die – wie es mir erscheint - bestmögliche Weise.

Vampyros Lesbos

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„Vampyros Lesbos“ zählt ja nicht umsonst zu Jess Francos besten und bekannten Filmen in einem schier unüberschaubaren Output, in dem Licht und noch viel mehr Schatten zusammentreffen. In dem 1971 gedrehten Streifen macht Franco aber eigentlich alles richtig und nimmt die die bekannte Geschichte des Grafen Dracula, verlegt diese nach Istanbul und Anatolien und lässt die wunderbare Soledad Miranda als verführerische Vampir-Gräfin in eine amerikanische Anwältin verlieben. Das wechselseitige Verlangen, die angedeutete sexuelle Hörigkeit und Unsterblichkeit sind meines Erachtens sehr ansprechend gelöst, während andere Dinge aus dem Vampir-Kosmos gänzlich unberücksichtigt bleiben, die den traumartigen Erzählfluss nur hemmen würden. Herausgekommen ist ein sommerliches und beschwingtes Space-Age-Märchen für Erwachsene, das die Schönheit der Weiblichkeit zelebriert und seine wunderbar entrückte Stimmung über seinen Inhalt stellt und bei dem man auch gerne übersehen kann, dass ihm im letzten Drittel etwas die Puste ausgeht, wenn Franco erzählerisch wieder etwas konventionellere Genre-Wege beschreitet. „Vampyros Lesbos“ ist ein wunderbares und unverzichtbares Werk aus den Siebzigern, dass irgendwo zwischen experimentellen Kunstfilm, klassischem Horror, Exotik und Erotik verortet ist und auch heutzutage noch inklusive stimmigen Soundtrack mühelos begeistert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Jan 2018, 19:14

Stranger Things 2

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Prinzipiell ist „Stranger Things“ auch in der zweiten Staffel noch immer ein tolles Serienereignis und hübsch gemacht, aber der heimelige „Wohlfühlfaktor“ während der Sichtung der ersten Staffel, wollte sich bei mir bei der zweiten Runde nicht mehr so wirklich einstellen. Durch den extremen Hype waren die Erwartungshaltung an die zweite Staffel auch sehr groß, aber vieles was meines Erachtens den besonderen Charme der ersten Staffel ausmachte, wurde in der zweiten Staffel durch noch bombastischere Effekte bzw. noch mehr Charaktere verdrängt und der „Coming-of-Age“-Freundschaftsfaktor der ersten Staffel bleibt zugunsten der wilden CGI-Geisterbahnfahrt und einer immer weiter ausufernden Geschichte mit soapigen Zügen vielfach auf der Strecke. Winona Riders streckenweise etwas nervige Figur wurde massiv ausgebaut, während die jugendlichen Darsteller und deren schwer sympathisches Freundschaftsverhältnis viel zu weit in den Hintergrund rücken und irgendwie wirkt die Geschichte und ihre Entwicklungen teils auch etwas arg ausgefranst und nicht mehr ganz so harmonisch wie im Vorgänger. Sicherlich erwartet sich der Großteil der Zuschauer eine Steigerung, aber ich fand es etwas schade, dass man diese anscheinend nur noch mit einem herkömmlichen CGI-Bombast-Finale erlangen kann, anstatt sich auf Dinge, wie z.B. die tollen Figuren zu konzentrieren, mit der sich „Stranger Things“ eben von gleichartigen Werken abgrenzte. Teils wird sich zu offensichtlich bei anderen Werken bedient und hatte ich bei der ersten Staffel noch das unbestimmte Gefühl, die Geschichte und seine Figuren auf seltsame Weise bereits zu kennen, wirkte das alles bei Staffel 2 wesentlich bemühter und hatte auch nicht mehr dieselbe Selbstverständlichkeit. Andererseits lässt sich so ein Überraschungserfolg auch schlecht wiederholen und nachdem Staffel 1 ja bereits alles richtig gemacht hat und größtenteils in sich abgeschlossen war, ist Staffel 2 halt einfach das berühmt-berüchtigte und selbstreferenzielle Sequel-Ereignis mit all seinen zu erwartenden Schönheitsfehlern und Entwicklungen, das zwar nicht mehr ganz so begeistert, aber sich trotzdem immer noch gut gucken lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Jan 2018, 19:29

Ètoile

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Claire und Jason sind zwei junge Amerikaner, die sich zufällig in der Lobby eines Budapester Hotels über den Weg laufen. Sie ist Tänzerin, die sich bei einer örtlichen Ballett-Aufführung bewerben möchte und Jason ist mit seinem cholerischen Onkel in der Stadt um historische Uhren bei Auktionen zu erwerben. Aus der zufälligen Begegnung zweier Seelenverwandten wird mehr, doch eines Morgens ist Claire aus dem Hotel verschwunden und lässt ihrem Freund lediglich die kurze Nachricht zurück, überstürzt wieder in die Staaten gereist zu sein. Als Jason wenig später im Park zufällig wieder auf die Tänzerin trifft, behauptet diese jedoch Natasha Horvath zu heißen, in einem Theater als Primaballerina zu tanzen und sich auch nicht an den jungen Mann erinnern zu können. Doch Jason bleibt hartnäckig, heftet sich an die Fersen der jungen Frau und findet sich wenig später in einem alptraumhaften Szenario wieder, in dem Ballett, Realität und Traum zunehmend zu verschwimmen scheinen.

„Ètoile“ ist ein leider hierzulande scheinbar nahezu gänzlich unbekannter Streifen aus italienischer Produktion, bei dem neben anderen Werken wohl vor allem Argentos „Suspiria“ als geistiger Pate fundierte, auch wenn Regisseur Peter Del Monte dabei einen anderen Weg beschreitet und kein Tropfen Blut in dem Streifen zu sehen ist. Statt Horror und Hexen stehen in dem 1989 entstandenen „Ètoile“ neben der gemeinsamen, ebenfalls sehr traumartigen und entrückten Atmosphäre mit Gothic-Einschlag auch eher Mystery und abgründiges Psychodrama am Programm und für den Zuschauer kommt erschwerend dazu, dass Del Monte den Inhalt seines Streifens mit einer zauberhaften Jennifer Connelly auch bewusst sperrig, surreal und in mehrere Richtungen offen hält. Seinerzeit ist „Ètoile“ wohl aufgrund seiner ungewöhnlichen Mischung diverser Genres wohl ziemlich gefloppt und die ebenfalls bizarr anmutende Veröffentlichungsgeschichte des Streifens zeigt, dass viele mit dem Werk nichts anfangen können. Der Nerv des breiten Publikums wurde auch aufgrund des männlichen Hauptdarstellers hier wohl definitiv nicht getroffen und dennoch ist es für den Fan italienischer Werke spannend zu sehen, wie harmonisch, vielschichtig und doch beiläufig sich „Ètoile“ in die Welt thematisch von Dario Argentos Werken einfügt, den Geist vergangener Kinojahrzehnte atmet und dabei doch auf hübsche Weise eigenständig bleibt, wenn man sich auf den eher ruhigen Erzählfluss und seine Figuren einzulassen vermag. Schön auch, dass die Welt italienischer Filme auch immer noch so hübsche und vor allem so unerwartete Überraschungen bereithält und dieser ungewöhnliche Streifen zählt für mich jetzt schon zu den großen Entdeckungen des bislang noch so jungen Jahres.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Jan 2018, 19:57

Muppet Movie

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Kermit der Frosch sitzt eines Tages Banjo-spielend in seinem Sumpf, als ihn ein zufällig vorbeirudernder Hollywood-Agent von seinem Star-Potential überzeugt. Als sich der grüne Frosch daraufhin auf den Weg nach Los Angeles macht, trifft er in einer heruntergekommenen Bar auf den Komiker Fozzy, der gerade von seinem Publikum ausgebuht wird. Gemeinsam kann man die Gäste aber doch noch überzeugen und so beschließen die Beiden gemeinsam mit Fozzys altem Studebaker nach Los Angeles zu fahren um dort groß rauszukommen. Doch der Weg ist nicht nur weit und mit vielen Abenteuern verbunden, sondern Kermit und seine vielen, neu gefundenen Freunde müssen sich auch einem aufdringlichen Fastfood-Besitzer erwehren, der mit dem Frosch nichts Gutes im Schilde führt.

Der erste abendfüllende Muppet-Film unter der Regie von James Frawley ist natürlich ein großer musikalischer Spaß und ein richtiges Road-Movie in dem sich neben Jim Hensons Puppen ja halb Hollywood ein Stelldichein gibt. So agieren von James Coburn über Mel Brooks bis hin zu Bob Hope ja jede Menge bekannter Gesichter und dennoch ist es eindeutig geklärt, wer hier die Stars des ganzen Films sind. Der Witz im ersten „Muppet Movie“ besteht ja vor allem darin, dass vieles sehr, sehr wörtlich genommen wird („Drinks on the House…“) und die Muppets im Original ja absolut furchtbare Sänger sind, was die Puppen aber dennoch nicht davon abhält, bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Liedchen aus der Feder von Paul Williams zu trällern. Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit allen Sympathieträgern und außerdem erfährt der Zuschauer auch, wie sich der kleine grüne Kerl und Miss Piggy eigentlich kennengelernt haben. Zwar wirkt das „Muppet Movie“ über weite Strecken auch sehr episodenhaft und die Geschichte über den bösen Fastfood-Chef und die Reise nach Hollywood dient ja nur als loser Aufhänger für jede Menge Puppen-Action, aber den Muppets verzeiht man das ja gerne und wer so wie ich ein Fan der Truppe ist, kommt mit dem spaßigen Film auch voll auf seine Kosten und darf sich darüber amüsieren, wie Frösche mit dem Rad fahren, Schweine sich mit Karate erwehren und sich gestandene Schauspieler wie Orson Welles und Elliot Gould freiwillig zum Affen machen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Jan 2018, 19:51

A Cure for Wellness

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„A Cure for Wellness“ ist wohl so etwas wie der inoffizielle Nachfolger zu Del Toros „Crimson Peak“ und zaubert auf ähnliche Weise absolut wunderbare und fast schon etwas übertrieben wirkenden Bilderwelten auf die Leinwand, die auch über die jeweilige Geschichte mit Gothic-Horror-Anleihen gestellt werden. In Gore Verbinskis Werk ist es eine schweizerische Kurklinik mit düsterem Geheimnis, dem ein ambitionierter, geschäftstüchtiger und eingangs auch sehr gewissenloser junger New Yorker auf der Suche nach einem verschwundenen Vorstandsmitglied seiner Firma auf die Spur kommt. Dabei ist auch lange nicht klar, in welche Richtung sich der Streifen bewegt, doch wie der Hauptdarsteller spürt auch der Zuschauer, dass in der kitschigen Idylle, dem besorgten Personal und bei den fröhlichen Patienten irgendwas nicht stimmen kann. Und das tut es dann natürlich auch, selbst wenn sich Herr Verbinski dafür recht lange Zeit lässt und „A Cure for Wellness“ vielleicht dabei auch manchmal so wirkt, als hätte man ein trashiges Gothic-Horror-B-Movie aus vergangenen Jahrzehnten mit viel zu großem Budget verfilmt. Der Freude tut das aber keinen Abbruch, von mir aus hätte der Streifen auch noch etwas länger dauern können und auch das Finale fand ich toll gemacht, auch wenn man die zahlreichen Kritikpunkte hier ebenfalls nachvollziehen kann. Mit etwas Wohlwollen aber eine sehr lohnenswerte und schöne Sache, die im Kino sicher ganz grandios kommt, aber mir auch zuhause einen sehr schönen Abend mit ansprechenden Bildern und wohligem Schauer bereitet hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2018, 19:08

Forest of the Lost Souls

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In den „Wald der verlorenen Seelen“ gehen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihrem Leben ein Ende setzen wollen. So auch der depressive Familienvater Ricardo, der aufgrund eines Ereignisses aus der Vergangenheit den Boden unter den Füßen verloren hat und sich emotional weit von seiner Frau und Tochter entfernt hat. Als er sich mit seinem Rucksack, einem Messer und seinen Selbstmordgedanken in dem weitläufigen Areal auf den Weg macht trifft er auf die junge Carolina, die ebenfalls lebensmüde ist und sich als durchaus redselig und ambitioniert herausstellt. Ricardo und Carolina gehen ein Stück gemeinsam und der Mittfünziger versucht noch das Mädchen von ihrem Vorhaben abzubringen, doch nur einer der Beiden spricht auch die Wahrheit und die scheinbar zufällige Begegnung im „Selbstmord-Wald“ hat bald auch bittere Konsequenzen für weitere Menschen.

José Pedro Lopes‘ 2017 entstandener „Forest of the Lost Souls“ wird ja als kleine Festival-Sensation angekündigt und besticht durch seine hübschen Schwarzweiß-Bilder und Darsteller vor allem auch mit der Thematik eines Selbstmord-Waldes, dass dieser Tage durch einen sensationslüsternen Youtuber ebenfalls wieder zu trauriger Berühmtheit in den Fokus einer breiteren Masse gerückt ist. Doch Lopes schlachtet die Schicksale seiner Protagonisten nicht aus, sondern präsentiert diesen auch nur als Aufhänger für seine Geschichte, die nach dieser Einleitung dann auch in eine andere Richtung geht. Zu viel möchte man ja nicht verraten, aber nach dem durchaus spannenden Auftakt mit seinen beiden lebensmüden Charakteren geht „Forest of the Lost Souls“ aber meines Erachtens ziemlich die Puste aus und der Film wandelt auch dramaturgisch doch eher auf sehr dünnen Beinen. Den weiteren Verlauf und die Auflösung fand ich ja auch nicht sonderlich überraschend und am Ende blieb für mich insgesamt doch auch ein etwas unausgegorener und auch unbefriedigender Eindruck zurück. Als Indie-Drama mit Mystery- und Slasher-Einschlag ist der knapp siebzigminütige Streifen schon okay, aber der Ruf der dem Streifen vorauseilt ist meines Erachtens trotz "poetisch düsterer Bilder" doch eher nicht gerechtfertigt.

Howl

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Zugebegleiter Joe hat gerade erfahren, dass aus seiner Beförderung zum Supervisor nichts wird und dass er auch noch für einen ausgefallenen Kollegen einspringen muss und daher ist auch seine Stimmung nicht gerade gut, als er in einer Vollmondnacht nach Mitternacht in einer Londoner Station den letzten Zug in Richtung Provinz betritt. Auch die wenigen Fahrgäste wirken müde und abgekämpft und wollen eigentlich nur schnellstmöglich nach Haus, als der Zug aus unerfindlichen Gründen mitten im Nirgendwo aufgehalten wird. Als auch noch der Lokführer spurlos verschwindet und die Truppe von einem unbekannten Wesen angegriffen wird, muss Joe auch allen Mut zusammennehmen um in der undurchsichtigen Lage einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was als humorvolles „Creature-Feature“-Mitternachtsmovie mit Humor angekündigt wird, entpuppt sich im Falle von „Howl“ leider als ziemlich lahmes Filmchen aus englischer Produktion, das so überhaupt nicht in die Puschen kommt und sich stattdessen eher als Ärgernis entpuppt. Statt Fell-sträubender Werwolf-Action gibt es auch eher unsympathische Figuren, die sich gegenseitig das Leben schwermachen und ein paar Computer-generierte Monster, die eigentlich total dämlich aussehen. Weder mit seiner Geschichte, noch dem Tempo oder seinen Effekten kann „Howl“ überzeugen und obwohl ich Werwolf-Filme normalerweise mag, kann ich mich nicht erinnern, dass ich mich seit langem so durch einen Film aus dieser Ecke kämpfen musste. Im Falle von „Howl“ ist das leider alles nix und der Streifen ist weder überzeugend, noch witzig, geschweige denn irgendwie unterhaltsam. Da doch lieber hundertmal einen Film mit dem „Hombre Lobo“ als so einen schalen und neumodischen Genre-Aufguß mit Versatzstücken des Genres, die auf so derart unbeholfene, unsympathische, seelenlose und lediglich Effekt-orientierte Weise zusammengefügt und präsentiert werden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Jan 2018, 20:04

Kubo - Der tapfere Samurai

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Der einäugige Kubo lebt mit seiner apathischen Mutter, die sich vor der Dunkelheit fürchtet in einer Höhle und verdient sein Geld damit, in dem er den Leuten des nahen Dorfes aufregende Geschichte erzählt, denen er mit seiner Laute, einem Stapel Papier und seiner speziellen Gabe eine besondere Lebendigkeit verleiht. Doch als er eines Tages zu später nach Hause kommt, wird er von finsteren Wesen aus dem Himmel attackiert, vor denen ihn seine Mutter in ihren wenigen, lichten Momenten immer wieder gewarnt hat. Diese hilft zwar Kubo mit ihrer Magie zur Flucht, doch wenig später erwacht dieser in einer fernen, schneebedeckten Gegend mit seinem zum Leben erwachten Talisman, der ihn darauf einstimmt, dass ihn seine Mutter vor bösen Mächten beschützt hat, die es nun zu bekämpfen gilt…

„Kubo – Der tapfere Samurai“ ist ein absoluter Glückfall von einem animierten Abenteuer und erzählt im Stil von Studio Ghibli-Werken wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ eine wunderbare, von japanischen Geister- und Samurai-Geschichten inspirierte „Coming-of-Age“-Geschichte über einen kleinen Jungen mit magischen Geheimnis. Dabei ist nicht nur die komplexe Geschichte absolut wunderbar, sondern auch noch der Stop-Motion-Look in Kombination mit CGI so unglaublich fantasievoll und farbenfroh, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt und ich auch fast nicht glauben kann, dass es sich dabei um eine amerikanische Produktion aus dem Hause Laika („Coraline“) handelt. Ich würde auch soweit gehen, dass „Kubo“ genauso gut von Hayao Miyazaki stammen könnte, was ja in der Kiste der Animationsfilme einem Ritterschlag gleich kommt, auch wenn Kubos Reise für die Altersfreigabe von FSK 6 für mein Empfinden teils doch etwas zu düster erscheint. Spätestens wenn durch Origami und Papierschnitzel angedeutete Blutfontänen aus japanischen Filmen, Geisterwesen mit weißen Gesichtern und so manch anderes Monster erscheint (unbedingt daher auch am Abspann dranbleiben) steht einem als asiatischer Genre- und Anime-Fan wohl ohnehin der Mund offen und trotzdem zeigt „Kubo – Der tapfere Samurai“ bis zum Ende keinerlei Ermüdungserscheinungen. Ganz im Gegenteil – das Ende toppt dann nochmal alles und hat für den Zuschauer auch noch eine absolut berührende Botschaft. Absolut wunderbar und alles richtig gemacht!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Jan 2018, 18:51

Late Phases

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Nach dem katastrophalen „Howl“ der nächste Werwolf-Streifen ohne Biss, wobei „Late Phases“ wenigstens noch probiert, irgendwie originell zu sein bzw. dem Genre auf seine Weise etwas hinzuzufügen. Hier ist es ein erblindeter, sturer und unangepasster US-Veteran, der in der Siedlung für den Lebensabend auf allerlei seltsame Leute und eine haarige Bestie trifft und sich trotz seiner Handicaps zur Wehr setzt. Leider verzettelt sich das Drehbuch aber in zahlreichen anderen Sachen und macht so verbissen auf Drama über das Altern, dass beim Zuschauer keine so rechte Freude aufkommen mag und „Late Phases“ zieht sich auch ziemlich dahin. Nicht jeder aktuelle Werwolf-Film muss unbedingt humorvoll oder Action-lastig um die Ecke biegen, aber etwas trockener Humor und mehr Pep hätte diesem Streifen sicher nicht geschadet. So wirkt das Ganze doch ziemlich aufgesetzt, unglaubwürdig umgesetzt und als Statement zum Umgang unserer Gesellschaft mit älteren Menschen taugt „Late Phases“ ebenfalls kaum. Insgesamt ein eher lahmes Vergnügen mit ein paar bekannte Gesichtern, dass zwar gute Ansätze zeigt, aber diese dann nicht zu verwerten weiß und sich auch nicht entscheiden kann, ob er doch lieber Drama oder Genre-Streifen sein möchte und sich dann natürlich prompt zwischen beide Stühle setzt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Jan 2018, 19:43

The Immoral Mister Teas

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Mr. Teas ist ein durchschnittlicher Junggeselle von nebenan, der sich in unserer übersexualisierten Welt sein Geld als Lieferant für zahnärztliche Utensilien verdient. Wenn Mr. Teas mit seinem roten Overall und Fahrrad durch die Stadt fährt und sich zwischendurch einen freien Tag am Strand gönnt, ist er jedoch ständig erotischen Reizen ausgesetzt und er lässt sich auch gerne von den tiefen Ausschnitten und prallen Hintern von Kellnerinnen, Zahnarztgehilfinnen und Sekretärinnen von dem eher monotonen Alltagsereignissen ablenken. Als er sich immer mehr auf die Suche nach sexuellen Reizen begibt und sich in seinen Tagträumen voller diesbezüglicher Andeutungen verliert, sucht er Hilfe von psychiatrischer Seite, doch auch das ist keine große Hilfe, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als seine voyeuristischen Neigungen auf humorvolle Weise zu akzeptieren.

„The Immoral Mr. Teas“ ist der erste abendfüllende Film von Russ Meyer, der hier ein eher braves Sexploitation-Frühwerk über einen Mann abliefert, der sich – wohl als Alter Ego des Regisseurs – ganz begeistert von großen Brüsten seiner näheren Umgebung zeigt. Die Figur des Herrn Teas ist dabei als Durchschnittstyp von Nebenan angelegt, für den die hübschen Frauen die er begegnet auch eher unerreichbar scheinen, was ihn jedoch nicht davon abhält, sie in seinen blumigen Tagträumen zu entkleiden und ausgiebig ihren weiblichen Rundungen zu huldigen. Dabei ist der Dialog-freie Streifen neben Big-Band-Sound mit einem süffisanten Voice-Over-Kommentar unterlegt, der zu den Bildern einen pseudowissenschaftlichen Kommentar zur Lage der Gesellschaft abgibt, der durch die gezeigten Bilder aber dann stets ironisch gebrochen wird. Hauptdarsteller Bill Teas war laut IMDB ein Kriegsfotografen-Kollege des Regisseurs und Russ Meyer himself gibt sich als begeisterter Besucher einer Strip-Show ebenfalls die Ehre, während jedoch in dem sechzigminütigen Werk ohnehin die holde Weiblichkeit in ihrer körperlichen Form im Vordergrund steht. Dabei ist „The Immoral Mr. Teas“ aber angesichts seines Entstehungsjahrs eher züchtig ausgefallen, heutzutage wirkt das ganze Geschehen angesichts seiner präsentierten Rollenbilder auch auf sympathische Weise antiquiert und so wohl auch ein guter Einstieg in die Welt des Russ Meyer, die hoffentlich noch ein paar cineastische Überraschungen bereithält.

Eva and the Handyman

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Die dralle Eva folgt und beobachtet in bester Detektiv-Manier einen namenlosen Hausmeister, der sich während seines aufregenden Arbeitsalltags in allerlei abenteuerliche Moment manövriert um drallen Frauen in den Ausschnitt zu gucken. Eva wird Zeuge, wie dieser seinen alten Wagen zum Laufen bringt, Toiletten schrubbt, in scheinbar lichten Höhen Fenster reinigt und auf unorthodoxe Weise ein Bäumchen pflanzt. Doch während Eva ihre Gedanken zu den schier heldenhaften Taten des Hausmeisters formuliert wird klar, dass diese mit dem Mann noch etwas Besonderes im Schilde führt.

Auch der zweite Film von Russ Meyer handelt wie „The Immoral Mr. Teas“ von einem eher unscheinbaren Durchschnittstypen, der während seiner Tätigkeiten von einer mysteriösen Frau beobachtet wird und dazu ihren humorvollen Kommentar abgibt. Dabei wirken die Episoden im Leben des Mannes wie verfilmte Herrenwitze und das ganze Geschehen ist inklusive seinem eher kuriosen Finale auch stets sehr augenzwinkernd in Szene gesetzt. Natürlich bietet der harte Arbeitsalltag eines sogenannten „Mann für alles“ auch zahlreiche Möglichkeiten dem anderen Geschlecht näher zu kommen und der namenlose Mann lässt sich auch nur allzu gerne von weiblichen Reizen ablenken. Als mysteriöse Eva gibt es das ehemalige Pin-Up-Girl und damalige Gattin des Regisseurs zu sehen, die hier gleich mehrere Rollen übernimmt und von Herrn Meyer auch sehr verführerisch in Szene gesetzt wird. Insgesamt betrachtet ist der in San Francisco rasch heruntergekurbelte „Eva and the Handyman“ aber kein sonderlich auf- oder erregender Streifen, sondern eher ein kleiner Vorgeschmack auf spätere Werke und eine humorvolle Angelegenheit mit viel Zeit- und Lokalkolorit für Fans und für Zwischendurch.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Jan 2018, 18:59

Wild Gals of the Naked West

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Einst war der Westen der Vereinigten Staaten mit seinen Städten wie Las Vegas und San Francisco eine tatsächlich wilde Gegend, in der gleich eine Vielzahl von Gefahren auf die Bewohner von einer kleinen Stadt wartete, die so verrucht war, das sie nicht einmal einen Namen trägt. Diese Kleinstadt ist mittlerweile zur Geisterstadt verkommen und ein alternder Trinker erzählt neugierigen Fremden blumige Episoden auf vergangenen Jahrhunderten und von trinkfesten Bösewichten, schweigsamen Helden, drallen Mädchen, Indianern auf dem Kriegspfad und sonstigen Personen, die dem „Wilden Westen“ zu einer Gegend machten, das diesen Namen auch durchaus verdient getragen hat.

Russ Meyers „Wilde Mädchen des nackten Westens“ ist weniger Spielfilm, als eine turbulente Parodie auf amerikanische Westernfilme, die sich den Formen einer Dokumentation und gemalten Kulissen (!) bedient und dabei hoffnungslos überzeichnete Figuren und Episoden aus dem Wilden Westen zeigt. Eigentlich ist der Streifen für jemanden, der das gesamte Genre ohnehin mit kritischen Augen sieht, ja dann auch ein großer Joke und Russ Meyer und sein Ensemble hatten wohl ebenfalls großen Spaß sich über die Filme, das Genre und seine Fans lustig zu machen, auch wenn die normalerweise wenig Spaß verstehen. Lose zusammengehalten von einer Rahmenhandlung mit einem alternden Trinker wird hier nicht der völlig verklärte Geist vergangener Jahrhunderte beschwört, sondern allerlei aberwitzige Momente kreiert, die komplett über das eigentliche Ziel hinaus schießen. Die Westernhelden sind hier ja völlig überzeichnet und auch die Mädels im Saloon nicht nur optischer Aufputz, sondern mit vollen Eifer und ohne Oberteile vorne dabei, wenn es darum geht, mit Lasso einen Mann ins Bett zu bekommen. Natürlich gibt es auch den finsteren Bösewicht, einen schweigsamen Helden, zahlreiche andere Stereotypen und sogar ein Gorilla hat hier seinen Auftritt. Dabei werden sämtliche Western-Klischees augenzwinkernd, spaßig und auf frivole Weise durch den Kakao gezogen und ich fühlte mich tatsächlich nicht nur bestätigt, sondern auch verdammt gut unterhalten, auch wenn das ernsthafte Western-Freunde vermutlich anders sehen werden. Interessant ist aber sicherlich auch der ungewöhnliche Prolog, wo von Russ Meyer nur anhand von kunstvoll aneinander montierten Natur- und Stadtbildern und ungewöhnlicher Geräuschkulisse kurz die Geschichte der amerikanischen Zivilisation angerissen wird und sein Talent als Dokumentarfilmer und Cutter aufblitzen lässt.

Lorna

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Die junge und überaus attraktive Blondine Lorna lebt in einem Kuhdorf und ist gelangweilt von ihrem Leben, ihren schäbigen Haus, ihrem Gatten der tagsüber schwer schuftet und abends zu müde für partnerschaftliche Aktivitäten ist und zu allem Überfluss auch noch den Jahrestag der gemeinsamen Hochzeit vergisst. Als Lorna beim Sonnenbaden von einem ausgebrochenen Gewalttäter beobachtet wird, der sich wenig später wie ein Tier auf die Blondine stürzt, ergibt sich Lorna dem Geschehen und erlebt einen hemmungslosen und sexuell überaus befriedigenden Akt mit dem namenlosen Fremden. Später nimmt sie den Verbrecher mit nach Haus und kauft ihm sogar mit ihrem mühsam ersparten Geld Whiskey in der Stadt. Doch wenig später steht auch der reumütige Gatte zum Hochzeitstag verfrüht auf der Matte und Lorna und ihr Leben steuert geradewegs auf eine Tragödie zu.

Mit „Lorna“ widmet sich Sexploitation-Regisseur Russ Meyer abermals den „einfachen“ Menschen bzw. ihren Problemen und zeigt den tristen Alltag einer hübschen Frau in einer amerikanischen Kleinstadt der Sechzigerjahre. Während ein bärtiger Prediger zu Beginn voller religiösem Eifer von Moral und Anstand erzählt, wird der Zuschauer aber wenig später Zeuge einer versuchten Vergewaltigung ohne Konsequenz und auch danach verhalten sich die Protagonisten natürlich so, wie man es eigentlich nicht machen sollte. Lorna stürzt sich in ein außereheliches und sexuelles Abenteuer mit einem ausgebrochenen Gewalttäter, während der treusorgende Gatte sie vor seinen Kollegen verteidigt und am Ende gibt es natürlich einen Sieg der Moral über die Sünde mit bitteren Konsequenzen für alle Beteiligten. Dabei ist „Lorna“ eigentlich eher dramatisch erzählt und nackte Haut rückt hier auch eher in den Hintergrund. Den Humor und Herrenwitz früherer Werke sucht man hier ebenfalls vergeblich und die Richtung geht insgesamt schon eher in „Faster Pussycat. Kill! Kill!“ der ein Jahr darauf entstand. Insgesamt betrachtet schon ein kurioses Werk irgendwo zwischen spekulativer Sexploitation und Kleinstadt-Beziehungs-Drama mit moralischem Einschlag, das aber durchaus interessant und kurzweilig ausgefallen ist und am Ende für den Zuschauer sogar noch eine kleine surreale Szene mit Bibelbezug bereithält.
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