Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Nov 2017, 20:40

Space Truckers

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John ist ein resoluter, unangepasster und bauernschlauer Space Trucker, der bei keiner Gewerkschaft ist und immer dann zum Einsatz kommt, wenn eine dubiose Fracht oder halsbrecherischer Job zu erledigen sind. Als ihm eine Fuhre mit quadratischen Schweinen vom Mars unsanft abhandenkommt und er sich mit einer mächtigen Speditionsfirma anlegt und verhaftet werden soll, nimmt er gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Mike und der Kellnerin Cindy einen fragwürdigen Job an, bei dem er vermeintliche Sexpuppen binnen kürzester Zeit auf die Erde transportieren soll. Auf der Fahrt geraden die drei jedoch zuerst in einen tückischen Asteroidenschwarm, später in die Hand von Weltraumpiraten und auch die Fracht entpuppt sich bei näherer Betrachtung als wesentlich gefährlicher als ursprünglich angenommen.

Stuart Gordon ist ja schon ein Guter und eigentlich alle seine Werke entpuppen sich als solide, spannende und/oder spaßig und auch das augenzwinkernde Sci-Fi-Abenteuer „Space Truckers“ aus dem Jahr 1996 ist da keine Ausnahme. Im Grunde ist der Streifen ein Roadmovie im All mit einem resoluten und herzensguten Weltraum-Trucker, der nie um eine Idee verlegen ist, wenn es darum geht seinen Hals und den seiner Freunde zu retten. Diese durchaus lohnende Eigenschaft kommt John im Film ja gleich mehrfach zugute und das Drehbuch hat auch zahlreiche haarsträubende Einfälle parat. Dabei blitzt wie üblich ein schelmischer und schwarzer Humor auf, der zahlreiche Werke von Stuart Gordon begleitet und auch Dennis Hopper hat sichtlich Spaß auch einmal auf der Seite der Guten zu agieren. Der junge Stephen Dorf hingegen wird quasi als optischer Aufputz vorgeführt und darf ein Großteil seiner Rolle ohne Shirt und in Unterhosen absolvieren, wogegen ich persönlich ja auch nichts einzuwenden haben. Gängige Genre-Klischees aus Sci-Fi-Filmen finden ja bei Herrn Gordon nicht unbedingt Platz und auch wenn die Sache natürlich gut ausgeht, so ist der Weg dahin doch von allerlei brutalen und schwarzhumorigen Momenten geprägt, die ein George Lucas zum Beispiel niemals bringen würde. Wer Science-Fiction, Road-Movies und Action mit einem Augenzwinkern mag, ist hier durchaus an der richtigen Adresse und „Space Truckers“ ist meines Erachtens auch wesentlich unterhaltsamer und spaßiger als der etwas bescheidene Ruf, der ihm in der deutschen OFDB vorauseilt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Nov 2017, 20:43

Black Rainbow

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Das Medium Martha Travis tingelt mit ihrem alkoholabhängigen Vater von einem Nest zum anderen um dort in Kirchen eine Show für das zahlende Publikum abzuziehen und Kontakt zu Verstorbenen im Jenseits herzustellen. Doch Martha hat tatsächlich die Gabe Dinge zu sehen, die jedoch schrecklicher Natur sind und als sie eines Abends vor dem verstörten Publikum einen Auftragsmord haargenau voraus prophezeit und auch den Namen des Killer zu kennen scheint, wird nicht nur das Interesse des Reporters Gary, sondern auch das der Polizei und Auftraggeber des Mordkomplotts geweckt. Während Gary ahnt, dass der Killer nun auch hinter Martha her sein wird und sich diese von dunklen Vorahnungen gequält bereits ihrem Schicksal ergeben zu haben scheint, wiederholt sich am nächsten Tag vor Publikum ein ähnliches Szenario…

„Black Rainbow“ ist eigentlich mehr Drama als Okkult-Thriller und präsentiert dem aufgeschlossenen Zuschauer ein kaputtes Vater-Tochter-Gespann, das von Stadt zu Stadt fährt um dort mit einer Geisterstimmen-aus-dem-Jenseits-Nummer ein paar Dollars abzustauben. Dabei wirkt der eher ruhig und unspektakulär erzählte Streifen anfänglich so, als würde Martha und ihr Alko-Dad nur eine billige Show abziehen, während Regisseur Mike Hodges die Stimmung während eines Auftritts unvermittelt in Richtung Thriller kippen lässt. Dann wird „Black Rainbow“ auch ziemlich spannend und verzichtet dennoch auf jeglichen Hokus-Pokus oder Geisterbahn-Effekt, den man sich vielleicht aufgrund der Inhaltsangabe erwarten würde. Die kaputten Figuren und die ebenfalls etwas heruntergekommenen Settings passen jedenfalls ganz gut zum scheinbar ausweglosen Charakter der Geschichte und Hodges kreiert hier auch ein subtil-düsteres Szenario, dass sich auch eher auf die dramatische Komponente der Medium-Geschichte konzentriert. Die Figuren sind ebenfalls interessant gezeichnet, auch wenn hier letzten Endes doch sehr vieles der Fantasie des Zuschauers überlassen bleibt, wie er den Inhalt des Streifens deuten möchte. Durchaus interessanter, ruhig erzählter Vertreter aus der Mystery-Thriller-Ecke, der auch aufgrund seiner drei Hauptdarsteller durchaus einen Blick wert ist. Das Bild von Rosanna Arquette, die mit schwarzer Unterwäsche und dunklen Haaren in der Tür steht spukt ja auch schon sehr, sehr lange in meinem Kopf herum, seit ich es in sehr jungen Jahren damals in der Cinema (oder wars die Bravo?) gesehen haben - schön, dass ich knapp 28 Jahre später nun auch endlich den Film dazu gesehen habe.

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Nov 2017, 20:58

Manhunter

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Sehr stylisher, hypnotisch erzählter und herrlich unterkühlter Thriller aus den Achtzigern, in dem jede Einstellung und jeder Moment kunstvoll gestaltet und ausgeleuchtet ist. Die Geschichte eines Profilers in Ruhe und am Rande des Nervenzusammenbruchs, der von seinen alten Kollegen mit Indizien zu einem bizarren Mordfall wieder in seinen Beruf geködert wird, steht am Anfang des spannenden Films, dessen Titel „Manhunter“ sich ja gleich mehrfach auf die Figuren umlegen lässt. Wer in dem undurchschaubaren Treiben gerade die Fäden in der Hand hat, weiß man ja nie so genau und auch wenn der Streifen erzählerisch vielleicht nicht ganz rund wirkt und sein Spannungslevel in der Mitte für die Charakterisierung des Killers etwas unterbricht, so ist Michael Manns Streifen im Gesamten doch ganz großes Kino, bei dem man zwei Stunden lang wunderbare Achtziger-Ästhetik für die Augen und minimale Elektronik für die Lauscher bekommt. Sehr spannend fand ich neben der Puzzle-artigen Kriminalgeschichte und der Zerrissenheit des Profilers auch den Widerspruch zwischen den wunderbaren Bildern von Strand, intakter Familie und Sonnenauf- und -untergängen, denen die krassen Taten des Killer gegenübergestellt werden, die hier jedoch nur soweit angedeutet werden, damit der Zuschauer diese aufgrund der blumigen Schilderungen des Profilers mittels Kopfkino selbst in den grausigsten Formen ausmalen kann. Michael Manns Hochglanz-Thriller zählt wohl zu dem Besten, was die Krimi-Kiste aus den Achtzigern so hergibt und wirkt in Form und Inhalt auch für heutige Verhältnisse überhaupt nicht angestaubt, sondern überraschend zeitgemäß. Der Song von Iron Butterfly läuft auch schon im Hintergrund und wie Nello schon richtig anmerkte, mag man sich an so etwas wie „Manhunter“ eigentlich gar nicht satt sehen oder hören - Pflichtstoff!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Nov 2017, 21:17

Müllers Büro

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Der abgeklärte wie abgebrannte Privatdetektiv Max Müller wird eines Tages mit einem delikaten Fall vertraut: er soll den verschwundenen Freund einer hübschen Auftraggeberin finden, die sich kurze Zeit später jedoch als vermeintlich ermordete Millionenerbin Bettina Kant entpuppt. Diese ist zwar augenscheinlich noch unter den Lebenden, allerdings auch in üble Machenschaften verstrickt, die Max und seiner Partner Larry ganz tief in die Wiener Unterwelt eintauchen lassen. Mit der richtigen Spürnase und Informanten kommen die Beiden aber rasch einem Komplott der wichtigsten Gangster Wiens auf die Spur, dass immer weitere Kreise zu ziehen scheint. Doch zwischen Ermittlungen, Puff-Besuchen und bleihaltigen Auseinandersetzungen mit bösen Gangstern ist für die beiden Schnüffler auch immer noch genug Zeit um ein paar Whiskeys zu kippen und Herzen zu brechen…

„Müllers Büro“ ist ja nicht nur einer der erfolgreichsten, österreichischen Kinofilme aller Zeiten, sondern hierzulande auch ein absoluter Kultfilm, der auch popkulturell nicht mehr aus dem Bewusstsein von Fans und Zuschauern wegzudenken ist. Hier wird der klassische und düstere Detektiv-Film aus US-Produktionen der 30er und 40er kurzerhand mit der naiven Glückseligkeit deutscher Schlagerfilm-Komödien aus den 50ern und 60ern kombiniert und herausgekommen ist ein trashiger, bunter, freizügiger und größtenteils mit Laien besetzter Krimi-Spaß, der sich mit Anlauf und Karacho zwischen alle Genre-Stühle setzt. Während die beiden Schnüffler in der Wiener Unterwelt nach dem Rechten sehen wird immer wieder und recht unvermittelt losgesungen, wobei sich die Lieder mit ihren deutschen Texten immer nahtlos in das Geschehen einfügen und somit neben den Hauptdarsteller eine gleichwertige Rolle spielen. Doch auch wenn viel gesungen wird, kommt auch der Rest nicht zu kurz und die Geschichte um drei konkurrierende Verbrechersyndikate und einem zwielichtigen Industriellen hätte man genauso gut als ernsthaften Thriller verfilmen können. Doch im Falle von Niki List ist es halt ein spaßiger, sexuell freizügiges und augenzwinkerndes Musical-Krimi-Buddy-Komödie geworden, bei dem kein Auge trocken bleibt und im Jahre 1986 Scharen von Zuschauern in die Kinos lockte und auch heutzutage noch immer gern gesehen wird. „Müllers Büro“ ist in der Filmlandschaft sicher ein einzigartiges Vergnügen und auch wenn der Film alles andere als perfekt ist und seine Schwächen, das Over-Acting und kleine Budget sehr offensichtlich zeigt bzw. sogar zelebriert, so zählt er hierzulande doch zum absolut unverzichtbaren Kulturgut.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Nov 2017, 20:28

El Bar - Frühstück mit einer Leiche

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Álex de la Iglesia galt ja lange Zeit als der „junge Wilde“ unten den spanischen Regisseuren und hat bei aller Liebe zum spanischen Film doch auch eine sehr durchwachsene Filmografie. Fulminante Werke wie „Aktion Mutante“, „El Dia de la Bestia“, „Allein unter Nachbarn“ und sein persönliches Meisterwerk „Balada triste de la Trompeta“ treffen da auf durchwachsene und weniger tolle Filme wie „800 Bullets“, „Witching and Bitching“ oder eben nun auch „El Bar“ der es nach einem fulminanten Start imho leider nicht schafft, seine Originalität bis zum Ende durchzuhalten. Der Regisseur wiederholt sich quasi auch selbst und wie schon in „Allein unter Nachbarn“ geht es in „El Bar“ um die unschönen Seiten der Menschen in Ausnahmesituationen und de la Iglesia geht ja mit einer ziemlichen Schadensfreude daran, seine Protagonisten in der abgesperrten Bar und der unklaren Gesamtsituation aufeinander losgehen zu lassen. Dabei erscheint der weitere Verlauf der Geschichte (der hier nicht verraten wird) leider nicht nur immer wieder mal arg unlogisch, sondern auch nicht sonderlich prickelnd und wenn man nicht selbst über einen bestimmten Grad an Boshaftigkeit verfügt wird das Geschehen rasch langweilig, uninteressant und auch etwas ermüdend. Trotz toller Darsteller und durchaus originellem Auftakt ist „El Bar“ als gesellschaftliche Bestandsaufnahme unserer Welt leider inhaltlich nicht sonderlich gelungen, sondern für mich eher ein Film für Personen, die sich aus sicherer Distanz gerne 100 Minuten am schwarzhumorigen Leid und Arschkarte anderer Leute ergötzen um dann noch den geistigen "Gefällt mir"-Button zu drücken.

Tonight She Comes

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Ashley und Kristy machen sich auf den Weg zu einem abgelegenen Haus am See, an dem sie eigentlich eine Freundin treffen wollen. Doch diese ist telefonisch nicht erreichbar und als die beiden feierfreudigen Mädchen dort ankommen, treffen sie auch nicht auf die erhoffte Freundin, sondern auf der Veranda den örtlichen Briefträger, der sich mit seinem hormongetriebenen Kumpel ebenfalls in der abgelegenen Gegend herumtreibt um Briefe zuzustellen. Wenig später ist der Kumpel ebenfalls verschwunden und es erscheint eine nackte, blutverschmierte Frau, die offensichtlich über übernatürliche Kräfte verfügt. Als die jungen Leute ins Haus flüchten wollen, ist dieses bereits von drei bewaffneten und religiösen Freaks besetzt und während die blutverschmierte Kreatur vor der Türe wartet, bricht drinnen der blutige Wahnsinn erst so richtig los.

Um als junger Genre-Regisseur auf sich aufmerksam zu machen gibt es viele Wege und man kann man z.B. eine gute Geschichte erzählen oder so eben abgeschmackt zu Werke gehen, dass sich wenigstens noch die unreflektierte Gore-Fraktion als garantiertes Zielpublikum die Hände reibt. Matt Stuertz wählt mit seinen Blutkanistern in „Tonight She Comes“ eindeutig den zweiten Weg und erzählt eine selten dämliche, holprige und aus bekannten Versatzstücken erdachte Okkult-Horror-Slasher-Geschichte mit gleichwertigen Charakteren, die sich im Finale selbst für Fans von extremeren und Massen-inkompatiblen Horror als ekelhafte Zumutung und Geduldsprobe entpuppt. „Tonight She Comes“ ist zwar erfrischend freizügig für einen amerikanischen Film und sieht auch gar nicht mal so übel aus, aber geht nach der Halbzeit so dermaßen in eine falsche Richtung, dass man nur noch staunen kann. So ein Film kommt wohl raus, wenn man in jungen Jahren zu viele "Freitag der 13."-Sequels und Filme von Ryan Nicholson gesehen hat und sein Faible für sexualisierte Gewalt, dämliche Figuren und Menstruationsblut teilt und glaubt, damit in die Fußstapfen großer Meister treten zu können. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt und neben Mitleid für die jugendlichen Darsteller, die sich für so etwas hergeben, ärgere ich mich eigentlich nur darüber, dass auch ich wieder einmal auf so einen Mist reingefallen bin und mir dafür sogar die ungekürzte DVD aus England bestellt habe. Unsympathisch abgeschmackter und hoffnungslos unstimmige Genre-Grütze für Gorehounds, die auf Figurenzeichnung und Story keinen Wert legen und sich hinterher dann selber abfeiern. Örks!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Nov 2017, 20:05

Nurse Jill

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Krankenschwester Jill wird seit der Trennung von ihrem Freund von unbestimmten Angstzuständen gequält und ist deswegen in psychiatrischer Behandlung. Als sie sich eines Tages auf dem Nachhauseweg wieder einmal verfolgt fühlt, ermordet sie im Dunklen ihrer Wohnung jedoch nicht den mysteriösen Fremden mit Maske, von dem sich Jill gestalkt fühlt, sondern eine Freundin die nach ihr sehen wollte. Als sie daraufhin in ihrer Panik versucht, den Leichnam im Wald loszuwerden, wird sie jedoch niedergeschlagen und erwacht mit entstellten Gesicht und in Gefangenschaft in dem Haus einer freakigen Familie, die offensichtlich nichts Gutes mit Jill im Schilde führen. Doch ist das überhaupt Realität oder ein weiterer, aus Jills kranker Seele entsprungener Alptraum, der vielleicht auch noch lange nicht zu Ende ist?

„Nurse Jill“ ist der durchaus originelle und nicht uninteressante Versuch von Peter Romeo Lambert so Dinge wie Slasher, Queer-Film und surreales Psychodrama auf Lowest-Budget- und undergroundige Weise zusammenzubringen. Um Kosten zu sparen und vermutlich auch andere Defizite zu überdecken, gibt es in dem Streifen neben Musik und Geräuschen auch keine Dialoge, sondern Texttafeln und mitten im Film wird aus der Hauptdarstellerin eine andere, ehe im letzten Drittel dann eine andere Figur in den Fokus des Filmes gerückt wird. Die oftmals sehr augenscheinlichen Schwächen derartiger Produktionen werden aber angenehm überdeckt und neben dem typischen Over-Acting und einer sehr sprunghaften Erzählweise, die nicht immer zu Ende geführt wird, hat „Nurse Jill“ für diese Ecke aber durchaus gelungene Momente. Vor allem die heruntergekommenen Locations, die Darsteller mit Mut alles zu zeigen und der unkonventionelle Inhalt erinnerten mich an undergroundige, US-amerikanische Explotation-Filme aus den Siebzigern, auch wenn hier natürlich alles ein paar Stufen kostengünstiger realisiert ist und vor allem in Punkto Schauspielerei (und Perücken) doch ein paar Abstriche gemacht werden müssen. Insgesamt betrachtet ist „Nurse Jill“ aber mitsamt seinem Twist durchaus gelungen und präsentiert seinen Macher als ambitionierter Regisseur, der sein Ding auf unkonventionelle Weise durchzieht und auf den ich wohl auch in Zukunft ein Auge haben werde.

The Perfect Husband

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Nach einer Fehlgeburt ist die Beziehung von Viola und Nicola arg zerrüttet und ein Wochenende in einer abgelegenen Berghütte, soll das Gefühlsleben der beiden Eheleute nach dem traumatischen Verlust des gemeinsamen Kindes wieder geraderücken. Zuerst läuft auch alles nach Plan und Nicola verwöhnt seine Viola, während diese aber von einem unbestimmten Gefühl verfolgt wird und wenig später bewusstlos im Wald zusammenbricht und von einem Ranger gefunden wird. Wenig später kippt auch die Szenerie und Nicola entpuppt sich als chronisch eifersüchtig und gewaltbereit und unterstellt seiner Frau während eines Liebesspiels mit Handschellen eine außereheliche Affäre mit ihren Boss. Als Nicola auch noch handgreiflich wird und Viola den Ernst ihrer Lage erkennt, kommt es zum blutigen Katz- und Mausspiel, bei dem es im Verlauf einer Nacht noch weitere Opfer geben wird.

Mittelprächtiger und sehr offensichtlich auf den internationalen Markt zugeschnittener Horrorfilm aus Italien über ein zerrüttetes Ehepaar, das nach einer Totgeburt mit einem romantischen Wochenende in den Bergen wieder zueinander finden möchte. Der Titel und das Cover suggerieren aber bereits im Vorfeld, dass dieser Plan nicht so wirklich funktioniert und nach 50 eher lahmen Minuten entpuppt sich Nicola auch prompt als gewaltbereiter Psychopath, der sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde benimmt und dabei wohl auch den Scheidungsrichter umgehen möchte. Doch „The Perfect Husband“ kommt irgendwie dennoch nie so richtig in die Gänge und auch die Chemie zwischen den beiden, etwas unglücklich gecasteten, Eheleuten wurde für mich nicht so stimmig transportiert, als dass man am Schicksal der Beiden teilhaben möchten und vor allem Violas Leiden wirken doch sehr soapig übertrieben und wenig glaubhaft. Irgendwie wirkt auch die gesamte Szenario sehr konstruiert, der Gewaltausbruch völlig unvermittelt und selbst der finale Twist rettet die aktuelle Italo-Produktion nicht vor der Durchschnittlichkeit und dem Verdacht, dass man die ganze Sache doch wesentlich spannender auch hätte erzählen können. Bleibt also noch die Gewalt, die hier wenigstens im letzten Drittel ein moderates Maß hat und die handgemachten Effekte erinnern dann auch an bessere Zeiten, die jedoch hier nicht annähernd erreicht werden. Die ebenfalls auf der Blu mitgelieferte Kurzfilm-Variante mit dem Titel „Il Marito Perfetto“ hat mir da schon etwas besser gefallen, da die den unnötigen Ballast weglässt und insgesamt auch von den Personen und Machart trotz geringerem Budget doch stimmiger erscheint, als die arg durchwachsene Langfilm-Variante.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Nov 2017, 20:10

Vaiana

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Moana lebt mit ihrem Maori-Stamm auf einer paradiesischen Insel und hat sein klein auf einen besonderen Bezug zum Meer, obwohl ihr Vater als Stammeshäuptling seinen Leuten streng verboten hat, weiter als bis zum nahen Riff zu segeln. Als die fruchtbare Insel jedoch von Fäulnis bedroht wird und auch der Fischfang stagniert, erfährt Moana von ihrer Großmutter von einer alten Legende, in der die Göttin der Fruchtbarkeit von einem Halbgott ihres Herzens beraubt worden ist und seitdem die Dunkelheit nach den Lebenden greift. Als Moana auch noch entdeckt, dass ihre Vorfahren das Meer überquert haben, beschließt sie gegen den Willen ihres Vaters das Herz zurückzubringen um die Menschen der Insel vor dem sicheren Untergang zu bewahren und beginnt so auch den Trip ihres Lebens, der Moana zu Piraten, Ungeheuern, Halb- und richtigen Göttern führen wird…

Hübsch gemachter Disney-Animationsstreifen über eine maorische Legende, die hier zu einem äußerst turbulenten und farbenfrohen Abenteuerstreifen über Naturgötter und sonstigen Wesen verarbeitet wird. Die Figuren sind wie üblich natürlich sehr sympathisch und liebenswert gestaltet und die junge Moana wächst natürlich im Verlauf des Streifens über sich hinaus, während ihr mit einem kleinen Hahn und einem etwas größeren Halbgott auch zwei witzige Sidekicks zur Seite gestellt werden. Diese sorgen dann neben den Kokosnuss-Piraten auch für allerlei Lacher und ein paar schmissige Songs gibt es natürlich auch. Auffällig ist auch der Look des Streifens und die Unterwasserwelten sind mit fluoreszierenden Farben gestaltet und auch das Meer, das mit der Hauptdarstellerin kommuniziert, ist auch ausnehmend hübsch gemacht. Insgesamt also ein sehr unterhaltsamer Film für die ganze Familie, bei dem sowohl Kinder, als auch die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen und bei dem ich auch wohlwollend übersehe, dass sich der technisch perfekt erscheinende „Vaiana“ doch sehr an Werken von Hayao Miyazaki orientiert, auch wenn hier wie üblich auch noch ein Klamaukfaktor, überdrehtes Tempo und Musik hinzu addiert wird. Macht ja nichts, solange das alles sympathisch und spaßig bleibt und man 107 Minuten lang bestens unterhalten wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Nov 2017, 19:59

Ich weiß, wer mich getötet hat

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Aubrey ist eine junge Schülerin mit blühender Fantasie, die sich in ihrer Freizeit dem Schreiben von Geschichten widmet, Klavier spielt und auch ansonsten der ganze Stolz ihrer Eltern ist. Eines Tages wird Aubrey jedoch von einem Serienmörder entführt, der die Gegend seit längerem in Atem hält und junge Frauen bei lebendigem Leibe grausam verstümmelt und sterbend zurücklässt. Als Wochen später ein verstümmelter, aber noch lebender Körper am Straßenrand gefunden wird, ist die Erleichterung bei den Eltern groß, doch die gefundene Frau, die wie Aubrey aussieht, behauptet felsenfest eine Stripperin namens Dakota zu sein, die sich auch nicht daran erinnern kann, wie sie zu ihren Verletzungen kam und einer Aubrey nie begegnet ist. Während die Ermittler und Eltern davon ausgehen, dass Aubrey sich diese neue Identität zum Schutz vor dem Grauen ihrer Entführung geschaffen hat, ist die junge Frau aber von ihrer Version der Geschichte überzeugt und das seltsame Verhalten, dass so gar nicht zu Aubrey passt, lässt sich ebenfalls nicht so einfach erklären…

Über „Ich weiß, wer mich getötet hat“ liest man ja auch generell nichts Gutes und abgesehen von der eher merkwürdig besetzten Hauptdarstellerin ist es vor allem das wirre Drehbuch, das hier vollkommen berechtigt der breiten Kritik ausgesetzt ist. Der mehr als haarsträubende Mix aus Mystery, Psychodrama, Thriller und Torture-Porn ist eigentlich totaler Quark und hier passt wirklich nichts zum anderen, während Regisseur Chris Sivertson damit beschäftigt ist, die vor Logiklöchern strotzende Geschichte und seine unglaubwürdigen Figuren mit einem fast schon Giallo-esken Farbenlook und seltsam anmutenden Poledance-Einlagen zu übertünchen. Geholfen hat das aber alles nichts und nach herkömmlichen Gesichtspunkten ist „Ich weiß, wer mich getötet hat“ auch eine mittlere Katastrophe, die kein Fettnäpfchen auslässt, die sich im Verlauf der zusammengeschusterten Story bereitwilig ergibt. Andererseits macht der Streifen gerade wegen seiner ganzen und auch sehr offensichtlichen Mängel schon auch wieder Spaß und als Trash-geeichter Mensch kommt man angesichts des Finales und manch anderer Momente ja aus dem Staunen eigentlich nicht mehr raus. In Erwartung eines mehr als merkwürdigen Thrillers mit Fehlbesetzung und Torture-Porn-Einlage und in der richtigen Runde ist der unfreiwillig erheiternde Streifen aber sicher ein Gewinn und ich bin überzeugt, dass in einigen Jahren so etwas wie „Ich weiß, wer mich getötet hat“ als fast schon klassisches B-Movie in entsprechenden Kreisen auch richtig abgefeiert werden wird.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Nov 2017, 19:50

Bullet Ballet

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Goda ist ein erfolgreicher Werbefilmer Ende Dreißig, der eines Tages unvermittelt aus seinem beschaulichen Leben gerissen wird, als seine Langzeit-Freundin Selbstmord begeht, in dem sie sich im Badezimmer eine Kugel durch den Kopf jagt. Da Japan eines der restriktivsten Waffengesetze der Welt hat, stellt sich für Goda daher nicht nur die Frage nach dem Warum, sondern auch wie seine Freundin in den Besitz einer Waffe kam. Als Goda daraufhin eine ungesunde Obsession für Waffen entwickelt und auf illegalen Weg eine erwerben möchte, ist das der Beginn eines kontinuierlichen und für seinen Protagonisten doch auf bizarre Weise befreienden Abstieg in eine Welt aus Jugendkriminalität, Bandenrivalität, Mord und Totschlag.

Auch in Tsukamotos „Bullet Ballet“ geht es wieder um Metamorphose, auch wenn dieses Mal die körperliche Veränderung in den Hintergrund rückt und sich der Regisseur mehr auf das Seelenleben seiner Figur Goda konzentriert. Dieser ist ein Mittdreißiger und erfolgreicher Mann, der durch den Selbstmord seiner Freundin aus seinem täglichen Trott gerissen und sucht daraufhin die Nähe einer kriminellen Bande bzw. einer jungen Frau, die ebenfalls über eine latente Todessehnsucht verfügt. Die dramatisch gehaltene Geschichte ist dabei in Schwarzweiß und mit Handkamera eingefangen und wie üblich ist diese auch wieder ganz nah bei den Figuren, wenn diese durch Hinterhöfe hetzen oder aufeinander losgehen, während Goda zuerst nur die Rolle des Beobachters einnimmt und sich erst später aktiv ins Geschehen mischt. Eines der interessanten Aspekte an „Bullet Ballet“ bzw. den Werken des Regisseurs ist für mich wieder einmal die Tatsache, wie abstrakt die abgekämpften Figuren und die düstere Welt gestaltet sind, für die man sich trotzdem interessiert, auch wenn ich bei mir persönlich einen weit weniger guten Zugang als bei anderen Filmemachern feststellen kann. Doch die Werke von Tsukamoto sind einerseits spannend und interessant gestaltet, wirken fremdartig entrückt, lassen dem Zuschauer auch kaum Zeit für Verschnaufpausen und am Ende ist man geplättet – schon wieder!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Nov 2017, 21:08

The Ward - Die Station

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Lange hingeschoben und jetzt entpuppt geguckt, entpuppt sich „The Ward“ leider wirklich nicht als sonderlich großer Wurf und obwohl der Streifen okay ist, erwartet man sich – oder zumindest tu ich das – bei dem Namen John Carpenter doch etwas mehr als diese bewusst etwas altmodisch inszenierte Geschichte über junge Frauen in einer etwas sonderbaren und geschlossenen Abteilung, in der es nicht mit rechten Dingen zu geht. Als Genre-erfahrener Zuschauer weiß man aber bald einmal, wohin der Hase läuft und irgendwie ist die Thematik im Jahre 2017 ja nach etlichen Filmen mit derselben Auflösung nun ja auch schon endgültig durch. Inszeniert ist „The Ward“ aber durchaus solide und schnörkellos, die Darsteller sind okay und wer sich an den ständigen und etwas unmotiviert erscheinenden Schreckmomente nicht stört, bekommt einen annehmbaren Genre-Snack ohne nennenswerte Höhepunkte oder Spannung serviert, der meines Erachtens weder sonderlich in die positive oder negative Richtung tendiert. Etwaige Trademarks von Carpenter sucht man aber vergeblich und so könnte „The Ward“ genauso gut auch von einem weit weniger erfahrenen Regisseur stammen und fällt im Vergleich zu den Klassikern und vorangegangenen Werken doch sehr spürbar ab.
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