Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Sep 2017, 19:59

The Night Stalker

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Sensationsreporter Karl Kolchak ist der Mann fürs Grobe und immer dann zur Stelle, wenn er eine gute Story wittert. Als Las Vegas von einer Reihe von grausamen Morden erschüttert wird, bei denen jungen Frauen anscheinend das Blut aus dem Leibe gesaugt wurde, geht die Polizei von einem Psychopathen aus, während Kolchaks Verdacht in eine andere Richtung geht. Tatsächlich scheint es, als würde ein Vampir die Stadt unsicher machen, der nicht nur über übernatürliche Kräfte verfügt, sondern auch gegen Kugeln immun ist. Doch weder die Polizei, noch sein Verlegen sind von dieser waghalsigen Hypothese begeistert und so muss Kolchak nach einer allgemeinen Nachrichtensperre den Fall auch selbst in die Hände nehmen und begibt sich dabei nicht nur auf dünnes Eis, sondern auch in größte Gefahr.

Irgendwie komme ich momentan von Vampiren nicht los und auch in der amerikanischen TV-Produktion „The Night Stalker“ treibt wieder einmal ein Blutsauger sein Unwesen. Der Streifen entwickelte sich 1972 zum Quotenhit des Senders ABC und war so erfolgreich, dass die Figur des energischen, aber auch immer augenzwinkernd-sympathischen Sensationsreporter Kolchak später sogar noch einen weiteren Film namens „The Night Strangler“ und eine ganze Serie bekam, die im deutschsprachigen Raum als „Der Nachtjäger“ gelaufen ist. Dass es sich um eine TV-Produktion handelt, merkt man dem Streifen aber nicht unbedingt an und „The Night Stalker“ ist auch ein sympathisch-charmantes Filmchen mit Handlungsort Las Vegas, in dem der gruselige Blutsauger auch ein paar sehr gelungene Auftritte hat. Die Figur des Reporters wirkt hingegen mittlerweile aus der Zeit gefallen und ist auch mit seinem Sprüchen immer in der ersten Reihe um die Opfer zu fotografieren, der Polizei auf die Nerven zu gehen oder traumatisierte Zeugen zu befragen um daraus völlig frei von moralischen Bedenken eine gute Story zu basteln. Doch im Falle von „The Night Stalker“ wird die Gruselgeschichte gleichzeitig auch alles augenzwinkernd und spaßig präsentiert und der Vampir-Grusel mit dieser Prise Humor und den Macho-Allüren auf positive und unterhaltsame Weise aufgewertet, sodass es auch wenig verwunderlich ist, dass die ganze Sache später dann auch in Serie ging.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Sep 2017, 20:10

Blues Brothers

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Jetzt auch endlich im Rahmen meiner Musikfilm-Donnerstage gesehen ist „Blues Brothers“ wohl in allererster Linie ein großer Spaß für erwachsene Kinder, der mit seiner Erzählweise vorwiegend das männliche Publikum anspricht. Statt dem bei Musikfilmen eher üblichen Herzschmerz gibt es hier zwischen den zahlreichen Musiknummern eben (aufgesetzte) Coolness, Action und Abenteuer und nebenher es wird alles geschrottet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die mitgelieferte Doku ist schon etwas hilfreich zum Verständnis des seinerzeitigen Hypes und trotzdem lässt sich mit knapp vierzig Jahren Abstand der Erfolg der Band mit den beiden Komikern als Rampensäue ja trotzdem nicht mehr ganz nachvollziehen. Regisseur John Landis und Drehbuchautor Dan Aykroyd wildern sich mit großem Budget durch das Blaxploitation-Genre und setzt statt Sozialkritik, Realismus und starken Figuren lieber auf Stereotype, Comic-hafte Überzeichnung und permanenten Kollateralschaden. Sergio mag schon recht haben, dass mir Filme mit „glorreichen Helden“ und Western-artigen Befindlichkeiten grundsätzlich nicht so gefallen und auch im Falle von „Blues Brothers“ und ohne Nostalgie-Bonus riecht der Braten eindeutig nach Männerwitz und Stammtisch-Prahlerei und mit 148 Minuten ist der Streifen wohl auch um ein Drittel zu lange ausgefallen. Es soll sich hier aber bitte niemand der den Film sehr mag von meiner bescheidenen Meinung auf den Schlips getreten fühlen – schiebt es einfach auf meine generelle Western-Aversion und die Tatsache, dass ich statt R&B- auch eher ein Disco-Kind bin! :nick:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Sep 2017, 19:19

Blues Brothers 2000

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Als Elwood Blues nach 18 Jahren Gefängnis entlassen wird, muss er zu seinem Entsetzen erfahren, dass sein Bruder Jack verstorben ist, die Blues Brothers Band aufgelöst wurde und auch das Waisenhaus nicht mehr existiert, dessen ehrenvolle Rettung ihn seinerzeit überhaupt erst hinter Gittern gebracht hat. Von der ehemaligen Aufseherin erfährt er vom unehelichen Sohn seines ehemaligen Ziehvaters und bekommt einen Waisenjungen an seine Seite, wodurch der Sonnenbrillenträger wieder neuen Mut fast. Später plant er die Band wieder zusammenzubringen und macht sich auf die Suche nach den ehemaligen Mitgliedern, die mittlerweile alle in bürgerlichen Berufen leben. Ehe sich Elwood versieht ist er daher auch mit neuen Wegstreitern an seiner Seite wieder mitten im Schlamassel, legt sich von der Polizei bis zur Russenmafia neuerlich mit den Falschen an und endet schlussendlich bei einem Bandwettbewerb bei einer schönen, wie mächtigen Voodoo-Königin mitten in der Heimstädte des Blues.

Wenn man nach 18 Jahren einem beliebten Kultfilm ein Sequel verpasst, bei dem noch dazu einer der seinerzeitigen Hauptdarsteller verstorben ist, sind die Vorzeichen wohl nicht die Allerbesten und die Gefahr groß es sich mit den Fans des Originals gewaltig zu verscherzen. John Landis und Dan Aykroyd haben es trotzdem gewagt und 1998 „Blues Brothers 2000“ gedreht, der fast alle noch lebenden Darsteller von damals wieder mit ins Boot holt und auch jede Menge Musik, Action und Humor bietet. Die Fans haben es trotzdem nicht goutiert, was ich angesichts der gestrigen Sichtung nicht ganz verstehen kann. Der Geist des Originals wird auf hübsche Weise in die moderne Zeit übertragen und zahlreiche Elemente, Locations und Begebenheiten des Originals aufgegriffen und auf humorvolle Weise variiert oder fortgeführt. Die von mir offensichtlich eher negativ besetzte Figur des Jake Elwood ist mir persönlich ja nicht abgegangen, die restlichen Charaktere wirken nicht nur äußerlich gereifter und auch die Ereignisse sind dieses Mal weniger überzeichnet ausgefallen. Eine tiefergehende Charakterisierung gab es ja auch im Vorgänger nicht und auch hier muss man aufgrund der zahlreichen Figuren darauf verzichten, mehr über die Band und seine neuen und alten Mitglieder zu erfahren. Ich hätte mir ja eigentlich schon im Original schon gewünscht, dass Aretha Franklin „Respect“ singt, was sie hier in einer nicht ganz geglückten Weise nachholt und für das Finale hat man dann auch wirklich das „Who is who“ des R’n B vor die Kamera geholt, die auch sichtlich ihren Spaß haben, gemeinsam mit der Blues Brothers Band auf der Bühne zu stehen. Isaac Hayes und Erykah Badu gibt es auch und selbst wenn ich damit vermutlich alleine dastehe, fand ich „Blues Brothers 2000“ spaßig und unterhaltsam und insgesamt eine liebevolle und sympathische Verbeugung vor dem 18 Jahre zuvor entstandenen Vorgänger, bei dem sich wohl auch alle Beteiligten im Klaren waren, dass sich der Kult und Hype schon aufgrund geänderter Zeiten und Lebensjahre nicht nochmals wiederholen lässt.

Fear Itself: EP 7 "Vorort zur Hölle / Community"

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Bobby und Tracy sind ein junges Ehepaar, das eine Familie gründen möchte, aber dafür eine zu kleine Wohnung in einer der nicht geraden besten Gegenden der Stadt hat. Von Freunden bekommen sie den Tipp es bei einer geschützten Wohnsiedlung am Rande der Stadt zu versuchen, die sich selbst als fürsorgliche und nach bestimmten Parameters ausgesuchten Gemeinschaft bezeichnet, die ideal für angehende Eltern ist und sich auch prompt dafür entscheidet, dass junge Paar aufzunehmen. Doch schon wenig später kippt die Situation und Bobby fühlt sich zunehmend im neuen Eigenheim überwacht und auch als das Babyglück auf sich warten lässt, wird ihnen von der Gemeinschaft ebenfalls Druck auferlegt, der weit über ein normales Maß hinausgeht…

In Mary Harrons „Vorort zur Hölle“ wird ja wieder einmal die urbane Urangst junger Menschen bedient, dass der Wegzug aus der pulsierenden Stadt in die ruhigere Vorstadt zum absoluten Fiasko und Stolperstein der Beziehung wird. Und das tut es auch für das junge Pärchen, die eine Familie gründen möchte und ein Haus bezieht um zu entdecken, dass sich die Nachbarn etwas zu sehr für private Ereignisse interessieren und auch nicht die Absicht haben, dass jungen Pärchen einfach so wieder gehen zu lassen. Dabei ist das Szenario jetzt ja nicht sonderlich originell und wirkt durch ein paar hölzerne Darsteller auch nicht ganz authentisch, aber die „American Psycho“-Regisseur bastelt aus der Geschichte einen hübschen Bobo-Alptraum, bei dem man auch gerne bis zum Ende dabei bleibt. Etwas mehr Augenmerk auf das eigentliche Paar hätte trotzdem nicht geschadet und die knapp 40 Minuten reichen dann auch nicht aus, dass Umfeld so zu beschreiben, dass insgesamt alles glaubhaft erscheint. So bleiben doch ein paar offene Fragen und eine Episode zurück, die sich abermals im Mittelfeld einpendelt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Sep 2017, 19:44

Evil Ed

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Der Cutter Edward schneidet normalerweise beschauliche Arthouse-Filme, als er eines Tages für einen aus dubiosen Gründen verunglückten Kollegen einspringen soll um für den zwielichtigen Horrorproduzenten Campbell dessen Horrorserie „Loose Limps“ für den europäischen Markt von zu ausufernder Gewalt zu befreien. Die blutigen und schrecklichen Bilder von Sex und Gewalt haben auf das zarte Gemüt von Edward jedoch drastische Auswirkungen und nach einigen Halluzinationen beschließt der eher introvertierte und ruhige Ed seine ganz eigene Mission gegen Gewalt in Filmen zu starten, bei dem ihm ebenfalls jedes Mittel recht ist.

Ich hatte „Evil Ed“ ja eigentlich auch ganz okay in Erinnerung, wobei die gestrige Sichtung dieses doch ziemlich revidiert hat. Der Witz an der ganzen Geschichte ist ja leider nach einer halben Stunde ziemlich durch und der Rest in diesem Horror fehlt dann leider Humor, Tempo und leider auch noch vieles andere, was eine kleine Indie-Perle ausmachen sollte. Klar bietet der schwedische Streifen als Hommage an die großen Splatter-Klassiker ein paar gelungene Masken und Effekte für den Gore-Freund, aber subjektiv und insgesamt betrachtet macht „Evil Ed“ doch viel zu viele Fehler und verschenkt auch größtenteils die Möglichkeit sich als Mediensatire ironisch über Zensurrichtlinien und das Genre Gedanken zu machen. Das Drehbuch taugt nicht wirklich was und auch bei der Figurenzeichnung setzt man auf allen Seiten auf maßlose Übertreibung und setzt auch auf zahlreiche Zufälle um die Geschichte am Laufen zu halten. Genützt hat es aber nicht viel und vor allem das Finale im Spital wirkt doch arg in die Länge gezogen und der Western-artige Showdown hat mir persönlich dann noch den Rest gegeben. Insgesamt betrachtet eine leider ganz schön lahme Angelegenheit, die außer der originellen Idee dann auch nicht mehr zu bieten hat, als den Splatterfan neunzig Minuten lang häppchenweise mit Gewalt zu bedienen.

Cinco De Mayo

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Humberto Valdez wird von allen nur „El Maestro“ genannt und ist Lehrer am College einer amerikanischen Kleinstadt, wo dieser seinen Schülern in Kursen die mexikanische Volkskultur näher bringen möchte. Als er eines Tages gefeuert und beim Psychiater aufmarschieren muss, wird dem sensiblen Mann auf drastische Weise klar, dass seine Volkskultur im Bewusstsein der amerikanischen Bevölkerung maximal belächelt wird und generell keine große Bedeutung hat. Völlig aufgelöst und von den Socken wird Humberto zum Killer und zuerst trifft es seinen nichtsnutzigen Nachbarn, den er in Verdacht hat, dass dieser seine Fahnen im Vorgarten abfackelt. Doch das ist erst der Auftakt einer Reihe von weiteren Morden und schon wenig später trifft es auch noch andere Personen, die mexikanische Traditionen seiner Meinung nach mit Füßen treten…

„Cinco De Mayo“ ist wohl der x-te Versuch mit sehr geringen Mitteln einen Slasher-Film mit Feiertags-Bezug zu basteln, der mittlerweile wohl auch als Kommentar zur Trump’schen Außenpolitik gegenüber Mexiko durchgehen würde. Das Budget als sehr bescheiden zu bezeichnen wäre ja noch sehr untertrieben und um aus einem harmlosen (Māori-?) Volkskundelehrer eine mexikanische Killermaschine zu machen, bedarf es doch ein paar sehr haarsträubenden Entwicklungen, die eher Stirnrunzeln hervorrufen. Damit man überhaupt erst auf 71 Minuten kommt, hat man dem Streifen ja vorneweg und mittendrin ein Retro-Notstalgie-TV-Inserts und einen Zombie-Trailer angetackert, was aber nur mäßig gelungen ist und insgesamt hält sich die Freude über das Teil auch arg in Grenzen. Die Darsteller sind Laien und präsentieren sich auch so, die Settings sind private Häuser und Wohnungen des Teams und bei den billigen Effekten aus dem Saucen-Regal des örtlichen Supermarkts hat sich niemand mit Ruhm bekleckert. Sicherlich hat „Cinco De Mayo“ abseits von dem abgenudelten Nickelback-Gag auch ein paar Momente, die durchaus okay sind und auch die weiße Maske des Killers geht klar – aber insgesamt schafft es Regisseur Paul Ragdsdale kaum, sich mit seinem Werk positiv von anderen Amateur-haften Werken und Fan-Projekten aus der Ecke abzugrenzen oder auf sonstige Weise nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Sep 2017, 19:35

Boy

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Neuseeland, 1984: der elfjährige Maori Boy ist ein großer Fan von Michael Jackson und lebt gemeinsam mit seinem kleineren Bruder und einer Ziege im Haus der Oma, wo der Junge gemeinsam mit Cousins und Cousinen unter ärmlichen Verhältnissen an der Ostküste Neuseelands aufwächst. Als die Oma eines Tages wegen eines Begräbnisses eine Woche das Haus verlässt und Boy die Verantwortung überlässt, steht auf einmal der leibliche und frisch aus dem Gefängnis entlassene Vater mit zwei Kumpels auf der Matte. Zuerst ist die Freude groß und die Person, die Boy in den letzten Jahren auf verklärte Weise zum Helden idealisiert hat, ist cool, unkonventionell und hat für alles im Leben eine scheinbar passende Antwort parat. Doch wenig später muss Boy erkennen, dass sein Vater nichts weiter als ein Taugenichts ist, der sich und alle in seinem Umfeld ständig in Schwierigkeiten bringt, nur seine persönlichen Interessen verfolgt und auch mit der Rolle des Vaters hoffnungslos überfordert ist.

Taiki Waititis „Boy“ ist ein Streifen, bei dessen Inhaltsangabe man vermuten könnte, dass es sich um einen tieftraurigen „Coming-of-Age“-Streifen handeln könnte, der sich mit der ärmlichen Situation und tristen Lebensperspektiven von Maori-Kindern in den Achtzigern beschäftigt. Statt einem dramatischen Film hat Regisseur Waititi hier aber einen wunderbar herzerwärmenden Streifen geschaffen, der auf scheinbar selbstverständliche Weise die Waage zwischen Komödie und Drama, bzw. erheiternd und ernüchternd hält. Zwar ist die Ausgangslage der Kinder wirklich alles anderes als gut, doch die jungen Menschen machen einfach das Beste aus ihrer Situation, lassen ihrer Fantasie freien Lauf und lassen sich dabei auch von westlicher Popkultur begeistern, die es bis in den fernsten Zipfel der Welt geschafft hat. Auf jeden tragischen Moment kommen mindestens zwei haarsträubend witzige und allein schon das Intro in der Boy sich und sein Umfeld beschreibt hat mehr Lacher, als so manch andere Komödie aus der Ecke. Und wo sieht man sonst schon mal einen maorischen Haka-Tanz, der von Michael Jacksons „Thriller“ inspiriert ist und Kinder, die nach amerikanischen TV-Serien benannt sind. Wie schon "Wo die wilden Menschen jagen" vom leisen Moment bis zur Comic-haften Übertreibung alles vollkommen großartig und daher wie schon so oft mein Unverständnis über die Tatsache, dass es dieser tolle und schwer unterhaltsame Streifen leider wieder einmal nicht bis in den deutschsprachigen Raum geschafft hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Sep 2017, 19:56

Das letzte Einhorn

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In einem Wald des ewigen Frühlings lebt ein Einhorn, dass eines Tages von einem Schmetterling erfährt, dass es das letzte seiner Art sein soll, da böser König namens Haggard alle anderen Einhörner von seinem roten Stier verfolgen und einfangen lässt. Als das Einhorn den Wald verlässt wird es vorrübergehend von einer Hexe gefangengenommen und trifft auch den unbeholfenen Zauberer Schmendrick, der gemeinsam mit einer weiteren Gefährtin beschließt, dem Tier zu helfen. Als die drei in die Nähe des Schlosses von Haggard kommen, wird das Einhorn aber ebenfalls attackiert und Schmendrick verwandelt das Tier in der Not ausgerechnet in einem Menschen um vor der Attacke des Stieres geschützt zu sein. Doch in der menschlichen Gestalt verliert das Tier nicht nur seine Magie, sondern auch schleichend die Erinnerung an die frühere Existenz und das eigentliche Ziel seiner Mission zunehmend aus den Augen…

Nachdem ja in den letzten Monaten wieder einmal der totale Hype bzw. Einhorn-Overkill über uns hereingebrochen ist und von der Schultasche, über den Energy-Drink bis zum aufblasbaren Badeutensil mittlerweile alles in Form dieser Fabelwesen unter die Leute gebracht wird, muss die Mission unseres „letzten Einhorns“ ja doch sehr erfolgreich gewesen sein. Die Fabel-Viecher haben ja offensichtlich auch eine immense Anziehungskraft auf Personen, die sich abseits tagesaktueller Geschehnisse nach etwas Magie im tristen Alltag sehnen und so ist es auch wenig verwunderlich, dass der 1982 entstandene Streifen wie auch seine titelgebende Figur aus der eigenen Kindheit her meist noch positiv besetzt ist. Ich hab den Streifen - wie wohl viele andere hier - ja auch vor hundert Jahren das letzte Mal im TV gesehen und irgendwie doch ganz anders in Erinnerung. So wusste ich gar nicht mehr, dass so viel gesungen wird und die Geschichte über unerfüllte Liebe, Tod und das unausweichliches Schicksal im Verlauf doch gar nicht mal so harmlos ist, wie man vielleicht gemeinhin annehmen würde. Von der technischen Seite her ist der Streifen ja nicht sonderlich spektakulär ausgefallen (was ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss), aber auch die teils doch arg verkitschte Geschichte und Figurenzeichnung offenbart im Erwachsenenalter doch auch ein paar dramaturgische Mängel und ist in der zweiten Hälfte zudem auch noch holprig erzählt. „The Last Unicorn“ ist dann auch eher auf ein sehr junges, nicht ganz so kritisches Publikum zugeschnitten, während man sich als erwachsene Zuschauer zumindest noch am wunderbar melancholischen Folk-Soundtrack der Truppe „America“ und im Original (und natürlich auch in der deutschen Fassung - danke, Arkschi!) an der Stimme von Christopher Lee erfreuen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Sep 2017, 19:18

Shredder

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Anstelle eines gemeinsamen und romantischen Wochenende mit seiner Freundin Kimberly, hat der Snowboarder Cole auf einmal einen ganzen Haufen Wintersportler an der Backe, die ganz wild darauf sind, die Hänge eines eigentlich geschlossenen Skigebiet zu befahren, dass Kimberlys Vater über eine Investorengruppe gekauft hat. Dort angekommen trifft man nicht nur auf etwas Einheimische mit Vorurteilen gegenüber Boardern, sondern auch noch auf den Europäer Christopher, der kurzerhand zum Partywochenende mitgenommen wird. Dieser kennt ebenfalls die Legende von rücksichtlosen Snowboardern, einem Unfall auf der Piste und einem Mörder, der dafür grauenvoll Rache nehmen soll. Was von den jungen Leuten zuerst noch als „urbane Legende“ belächelt wird, entpuppt sich wenig später als durchaus reelle Gefahr und statt Abfahrt, Party und Spaß steht wenig später Überlebenskampf am Sportprogramm…

Mit „Shredder“ hat Regisseur Greg Huson einen kurzweiligen, weil auch kurzen Slasher im Snowboarder-Milieu gezaubert, der zwar in Punkto Originalität keinen Blumentopf gewinnen würde, aber ansonsten problemlos als passabler Genre-Snack durchgeht. Die Geschichte über eine Handvoll Jugendlicher, die in einem geschlossenen Skigebiet ins Visier eines schifahrenden Killers geraten ist samt unglaubwürdiger Auflösung natürlich eher zu vernachlässigen und auch bei den Figuren bekommt man vom kiffenden Snowboarder, über den Video-Nerd bis hin zum dauergeilen Flittchen auch wieder nur die üblichen Stereotypen serviert. Doch beim Rest gibt es nicht viel zu meckern und neben viel roten Lebenssaft wird das Geschehen auch immer wieder durch ironischen Momente aufgelockert, die den Zuschauer auch schmunzelnd über ein paar größere Plotholes und die Tatsache hinwegsehen lassen, dass die Snowboard-Momente nicht sonderlich dynamisch eingefangen wurden und die winterlichen Locations zwischendurch schon arg nach Spät-Nachsaison und Frühlingsbeginn aussieht. Insgesamt auch kein verkanntes Meisterwerk, aber solide, blutige und vor allem unterhaltsame Ware für Zwischendurch, die Slasher-Fans mit seiner Mischung aus Twen-Klischees, trashigem Täter-Motiv und passablen Bodycount auch zufriedenstellend munden sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Sep 2017, 20:00

Damned Forest

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Sandra fährt mit ihrer Freundin in Urlaub. Wohin ist egal, Hauptsache raus aus der Stadt mit der ausgeborgten Karre, die nach wenigen Kilometern und dem Besuch an der Tankstelle mitten im Nirgendwo den Geist aufgibt. Während Sandra daraufhin zu Fuß zurück zur Tankstelle geht um Hilfe zu holen, erhält Rebecca Hilfe von einem freundlichen Mechaniker, der den Wagen soweit fahrbereit macht, dass auch Rebecca wieder zur Tankstelle zurückkehren kann. Dort angekommen bleibt ihre Freundin jedoch verschwunden und als Rebecca sich auf die Suche macht, bleibt sie mit dem anscheinend schrottreifen Wagen neuerlich in der Nähe einer verlassenen Militärsiedlung liege. Und dieses Mal wartet kein freundlicher Tankwart, sondern ein psychopathischer Killer auf sie…

Normalerweise halte ich mich in Punkto schlechter Filme ja für ziemlich abgehärtet, aber diese belgische Low-Budget-Slasher-Produktion ist ja so ziemlich das schlechteste, das mir in den letzten Monaten vor die Linse gekommen ist und – wenn überhaupt und sehr wohlwollend betrachtet – als missglückte Parodie auf Suspense-Filme durchgeht. Regisseur Marc Ickx orientiert sich an US-Vorbildern aus den Achtzigern und versemmelt auf stümperhafte Weise einfach alles, was es zu versemmeln gibt. Den Titel-gebenden Wald sucht man wie Logik, Spannung, blutige Effekte oder nachvollziehbare Ereignisse ja eher vergeblich und die Darsteller, die mir persönlich leidtun, mühen sich sichtlich durch mühsam in die Länge gestreckte und vermeintliche Spannungsmomente, die allesamt dilettantisch und vollkommen spannungsfrei in Szene gesetzt wurden. Die Geschichte ist kompletter Mist, der Soundtrack irgendein Speedmetal-Dreck, die Locations irgendwelche Feldwege oder Keller und weil das alles noch nicht reicht, gibt es auch noch eine deutsche Synchro zum Fremdschämen, die alles noch eine Spur unerträglicher erscheinen lässt. Sofern man es als Zuschauer bis zum Ende durchhält, riskiert man neben schlechter Laune aufgrund des permanent notwendigen Kopfschüttelns auch ein Peitschenschlagsyndrom und „Junior“, „Engine Problem“ oder eben „Damned Forest“ bewegt sich auch auf die schlechtest erdenkliche Weise ständig zwischen Geduldsprobe, Ärgernis und absoluten Genre-Desaster.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Sep 2017, 19:28

Subconscious Cruelty

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Fragmentarische Einblicke in die Abgründe menschlicher Seelenwelten und unterbewußte Ängste: eine nackte Frau wird mit Dingen konfrontiert, die sie mit sich herumträgt. Ein junger und gedemütigter Mann plant in einem heruntergekommenen Haus grausame Dinge mit seiner hochschwangeren Schwester um dem Schöpfungsprozess in Frage zu stellen. Mutter Natur wird bildhaft von ihren Nachkommen vergewaltigt und bei einem weiteren Mann manifestieren sich die Dämonen einer übersexualisierten Welt und fallen wie Furien über ihn und einen weiteren Mann her, der an den bekanntesten Märtyrer des christlichen Glaubens erinnert.

„Subconscious Cruelty“ eilt ja auch der Ruf eines sehr kontroversen Kunstfilms voraus und Regisseur Karim Hussain hat in jungen Jahren und mehrjähriger Arbeit einen sehr herben und wütenden Underground-Streifen geschaffen, der sich Collagen-artig mit Themen wie Leben, Tod, menschliche Grausamkeit und Religion beschäftigt. Dabei verbindet der interessante Streifen diese Themen nicht linear in einer Handlung, sondern lässt dem Zuschauer viel Spielraum für etwaige Interpretationen, wie metaphorischen Momentaufnahmen voller, teils sexualisierter Gewalt zu deuten sind. „Subconscious Cruelty“ erinnert mit seiner Darreichungsform der cineastischen Grenzüberschreitung auch mehr an politische Kunstfilme der Siebziger und Achtziger und wirkt dabei weder bemüht, noch so, als wäre die Provokation und der Tabubruch wie so oft bewusst als Mittel zum Zweck eines Skandals und der damit verbundenen Aufmerksamkeit gewählt worden. Zwar ist der Streifen schon sehr herb ausgefallen und für den Mainstream-Zuschauer ist das natürlich alles nichts, aber ich als mündiger Zuschauer habe schon den Eindruck, dass es Herrn Hussain stets um ein Statement, als um Aufmerksamkeit geht. Entgegen meiner eigentlichen Erwartung empfand ich die Sichtung auch nicht anstrengend wie andere Werke aus der Kiste, sondern als gelungenes, polarisierendes und kompromisslos gemachtes Underground-Ereignis der herben Art und für Zuschauer, die sich zum Themenkreis bereits so ihre eigenen Gedanken gemacht haben und als zusätzliches und filmisches Input auch etwas aushalten können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Sep 2017, 20:33

Women in Cell Block 7

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Obwohl Interpol undercover in den Deal involviert ist, gelingt es einem italienischen Mafia-Clan zwanzig Kilo Heroin von New York nach Italien zu schmuggeln. Doch dort kommt es am Flughafen zu unerwarteten Turbulenzen und das Paket landet in der Hand eines Gauners, der wenig später auf der Flucht vor Mafia und Polizei bei einem Unfall verstirbt, während die Drogen unauffindbar bleiben. Als dessen ahnungslose Freundin Daniela als vermeintliche Mitwisserin ins Frauengefängnis gesperrt wird, interessieren sich daher gleich eine Handvoll Personen für die junge Frau bzw. den Aufenthaltsort des Kokains. Doch Daniela mimt die Ahnungslose, der anscheinend nicht nur der harte Gefängnisalltag, sondern auch das Doppelleben ihres Freundes zusetzt und als die Informationen ausbleiben, setzten auch die Spitzel auf härtere Maßnahmen, die für alle Beteiligten nicht ohne Folgen bleiben…

Der 1973 in italienisch-amerikanischer Produktion entstandene Streifen „Mädchen im Knast“ stellt ja nicht nur das Regie-Debüt von Regisseur Rino de Silvestro dar, sondern markiert auch den ersten italienischen Film aus der „Women-in-Prison“-Ecke, dem ja in den Jahren darauf noch ein paar ganz unrühmliche Kracher folgen sollten. „Women in Cell Block 7“ ist aber vergleichsweise noch harmloser Natur und erzählt einerseits vom nüchternen und unaufgeregten Alltag der weiblichen Gefängnisinsassinnen inklusive Erstuntersuchung, kleinen Lesbeleien, Freund- und Feindschaften, sowie von Mafia-Machenschaften in einem zweiten Handlungsstrang. Vorwiegend erfreut de Silvestro den männlichen Zuschauer aber natürlich vor allem mit viel nackter Haut, Fummeleien und Catfights, wobei es hier neben Anita Strindberg gleich eine ganze Reihe von bekannten Gesichtern aus der zweiten Reihe des italienischen Films zu entdecken gibt. Zwar kann „Mädchen im Knast“ nicht das Tempo des Beginns halten, aber der Film ist im Großen und Ganzen auch ganz solide inszeniert und bietet eine knackig inszenierte Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines kleinen Ortes. Der ansonsten obligatorische Ausbruch bleibt im Falle von „Mädchen im Knast“ zwar aus, dafür gibt es eine kleine Meuterei und eine durchwegs trost- und hoffnungslose Grundstimmung, die auch bis zum überraschend bitteren Ende konsequent durchgezogen wird.
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