Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Aug 2017, 19:36

Sweet Sixteen

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Ich würde mit „Sweet Sixteen“ ja nicht so hart ins Gericht gehen und eine gewisse Durchschnittlichkeit muss in diesem Genre ja nicht automatisch immer etwas Schlechtes bedeuteten. In dem Slasher aus dem Jahre 1983 kommen mit Kleinkaff-Lolita, Indianer-Thematik, Selbstjustiz und psychosexuellem Motiv ja so einiges zusammen und weil das noch nicht reicht, hat man das Ganze noch mit zwei altklugen Kindern und einem pragmatischen Polizisten versehen, der trotz steigenden Leichen immer einen kühlen Kopf bewahrt und sich auch von eindeutigen Annäherungsversuchen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Dabei ist der Cast sicherlich respektabel und Jim Sotos hat für seinen kleinen Reißer auch ein paar Stars vor der Linse versammeln können. Leider bringt das eher schwache Drehbuch alles nur recht lose zueinander und was der deutsche Titel verspricht, sollte man sich besser gleich gar nicht erwarten. Die Morde halten sich wie die Tatverdächtigen in Grenzen und auch die Auflösung ist passabel und versucht der Geschichte am Ende noch rasch eine dramatische Note zu verpassen. Die Ländercode-freie US-Blu-Ray hat ja auch noch ein Interview an Bord, in dem sich Bo Hopkins und Aleisa Shirley sehr positiv an die Dreharbeiten und damaligen Drehpartner erinnern und auch Regisseur Jim Sotos kurz zu Wort kommt. Insgesamt hat man aus der Kiste ja schon viel Schlechteres gesehen – Besseres aber natürlich auch!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Aug 2017, 20:10

The Duke of Burgundy

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Evelyn arbeitet als Hausmädchen in einem geräumigen und verwachsenen Herrenhaus und ist den wechselnden Launen und ihrer Gebieterin Cynthia, einer Insektenforscherin, ausgesetzt. Doch der Beginn des Streifens führt den Zuschauer in die Irre und das Geschehen entpuppt sich rasch als Rollenspiel zweier Liebenden, die sich in der Abgeschiedenheit ihre eigene Realität geschaffen haben. Doch die empathische Cynthia leidet unter der ihr zugedachten Rolle als strenge und sadistische Hausdame, während sich Evelyn immer weitere Szenerien und Bestrafungen ausdenkt, in denen sie lustvoll ihrer unterwürfigen Sehnsüchten nachgehen kann. Als Cynthia Evelyn verdächtig, auch mit der Nachbarin ein Verhältnis zu führen und zunehmend von den strengen Vorgaben und Regeln ihrer Partnerin angewidert erscheint, droht das Spiel zu kippen und auch die konstruierte Scheinwelt des Pärchens zu zerbrechen…

Peter Stricklands Hommage an den (zahmen) Sexploitaton-Film der Siebziger ist ein hübsch anzusehendes Drama, das den Geist dieser Filme atmet und die beliebten Szenerien dieser Filme auf ansprechende Weise zu einem eigenen Süppchen verarbeitet, dass auch jeden Fan von Jean Rollin und Jess Franco (in seiner besten Schaffensphase) munden sollte. Dabei lebt das Kammerspiel von den beiden großartigen Darstellerinnen, der entrückt erscheinenden Drehorten und der Unwissenheit des Zuschauers, der sich bei dem Gezeigten nie sicher sein kann, ob es sich jetzt um wahre Gefühle oder um ein inszeniertes Spiel einer sadomasochistischen Beziehung handelt, die zunehmend destruktive Züge anzunehmen scheint. Alles sehr, sehr schön und ansprechend in Szene gesetzt, lässt „Duke of Burgundy“ zwar die körperliche Freizügigkeit dieser Filme vermissen, doch das braucht der wunderbare Streifen auch gar nicht und hat man sich erst einmal auf die Geschichte, die stimmigen Bilder und Sounduntermalung, sowie das langsame Erzähltempo eingelassen, wird man als Fan derartiger Werke auch reich belohnt. „Duke of Burgundy“ braucht dann auch keine plakativen Effekte oder Spannungsbogen um das Kopfkino rattern und den aufgeschlossenen Genre-Fan zufrieden und mit einem wohligen und heimeligen Gefühl zurück zu lassen. Ein Film wie eine warme Wolldecke an einem schon herbstlichen Sommerabend.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Aug 2017, 19:55

Twilight - Biss zum Morgengrauen

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Die siebzehnjährige und eher schüchterne Bella wechselt während des Schuljahrs vom sonnigen Arizona in das wolkenverhangene Örtchen Forks, wo ihr leicht entfremdeter Vater der örtliche Sherriff ist. In der Schule findet sie auch rasch neue Freunde und doch gilt ihr Interesse besonders Edward, einem ebenfalls sehr introvertierten Mitschüler mit bleicher Haut und abweisenden Verhalten. Als Edward sie eines Tages mit scheinbar übernatürlichen Kräften vor einem Unfall bewahrt, erwächst aus dem gesteigerten Interesse Liebe, die vorerst aber scheinbar nicht erwidert wird. Bella beginnt über dessen Familie zu forschen und bekommt die Bestimmtheit, dass der Clan mit seinem mysteriösen Verhalten Nachkommen von Vampiren sind. Doch auch Edward hat sich längst in die latent todessehnsüchtige Bella verknallt, womit die Probleme für beide auch erst so richtig anfangen…

Natürlich ist es ein Leichtes, sich mit Gespött und Häme über „Twilight“ auszulassen und aus Genre-Sicht ist die Verfilmung des Bestsellers natürlich grober Mist, der den Vampir-Mythos mit Füßen tritt und daraus eine seichte Teenie-Romanze bastelt, die bestenfalls noch als Big-Budget-Trash durchgeht. Aus popkultureller Sicht ist „Twilight“ aber schon ein Phänomen, das durchaus interessante Aspekte bietet und wer kennt aus seinem persönlichen Umfeld nicht selbst junge Frauen, die sich in die falschen Männer verlieben, sich über diese definieren und dann voll und ganz in der Opferrolle aufgehen. Hier ist es die junge Bella, die sich in einen Vampir verliebt, die friedlich und sonderbar unter Menschen leben und die ihren Blutdurst unter Kontrolle haben und als absolute Sonderlinge in einer Kleinstadt auch so überhaupt nicht aufzufallen scheinen. Sieht man „Twilight“ mit einem Augenzwinkern ist der Streifen ja durchaus auf haarstäubende Weise unterhaltsam und alles, was einen Vampir-Film sonst eigentlich so ausmacht wurde entfernt und durch schmachtende Blicke und schier grenzenlosen Pathos ersetzt. Dabei ist alles auf die angepeilte Zielgruppe von jungen Mädchen ausgelegt und auch das etwas Action-lastigere Finale, das im letzten Viertel scheinbar willkürlich und unmotiviert aus dem Ärmel geschüttelt wird, entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Komik. Als Vampir-Film ist der harmlose „Twilight“ ja vollkommen zu vernachlässigen und auch als schwülstig-anämischer „Coming-of-Age“-Streifen lässt er kaum ein Fettnäpfchen aus und dennoch muss ich neidlos zugestehen, dass mir diese Zielgruppen-orientiere Teenie-Seifenoper in Form eines völlig überzuckerten und unfreiwillig komischen Fantasy-Liebesfilms doch auch viel Spaß bereitet hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Aug 2017, 19:56

Sing Street

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Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Zeiten im Irland der Achtzigerjahre muss der 15jährige Conor in Dublin von einer Privat- in eine allgemeine Schule wechseln, in der er als Außenseiter den Anfeindungen von Mitschüler und Lehrkörper ausgesetzt ist. Um ein Mädchen aus der Nachbarschaft zu beeindrucken und auch den Streiteren seiner Eltern aus dem Weg zu gehen, gründet er mit dem Rat seines kiffenden Bruders Brendan mit Mitschülern eine Band, die sich an erfolgreichen Popbands dieser Zeit orientiert. Die auf den Namen „Sing Street“ getaufte Band wird zu so etwas wie einer Ersatzfamilie in der sich Conor mit seinen neuen Freunden kreativ entfalten kann und in schwierigen Zeiten Zuversicht fasst und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt.

John Carneys dritter Streifen nach „Once“ und „Can a Song save your life?“ ist eine Mischung aus Musikfilm und „Coming of Age“ und entführt den Zuschauer geradewegs zurück in die Achtziger, wo der fünfzehnjährige Conor mit seinen Freunden eine Band gründet, die sich am Sound von Bands wie Duran Duran, The Cure oder auch Hall & Oates orientiert. Der liebevoll gestaltete und authentisch anmutende Streifen ist dann auch gleichfalls ein Hit und bietet gleich eine Vielzahl von wunderbaren Aha-Erlebnissen und einen ungemein tollen Soundtrack. Das erste Mal hat mich Carney beim Refrain und Basslauf von ersten Band-Song „Riddle of the Model“ erwischt, der so ungemein „catchy“ ausgefallen ist, dass man weiß „okay, das wird was!“. Dann der Cure-lastige Song „A Beautiful Sea“, wo man sich bereits sicher ist, dass auf Conor und sein Kumpanen wohl noch eine große Zukunft warten wird. Dabei findet „Sing Street“ auch den scheinbar idealen Weg zwischen dramatischeren und leisen Momenten und Feelgood-Movie, ohne irgendwie aufgesetzt oder auf andere Weise künstlich zu wirken. Im Falle von John Carney fühlt sich das weder retro-verklärt, sondern authentisch und gut an und der Fuß wippt ebenfalls im Takt der Musik und lässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl und schmunzelnd zurück. Eigentlich der perfekte Film für einen gelungenen Musikfilm-Donnerstag. Empfehlung!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 26. Aug 2017, 19:20

Twilight - Biss zur Morgenstunde

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Trotz kleinerer Startschwierigkeiten sind die Sterbliche Bella und der Vampir Edward mittlerweile ein Paar, das sich in gegenseitigen Liebesbekundungen, Anstarren und Anschmachten ergeht. Als es am 18. Geburtstag von Bella zum Eklat kommt, beschließt Edward seine Freundin aus Schutz vor den Vampiren seiner Familie zurückzulassen und aus Bellas Leben spurlos zu verschwinden. Bella ist am Boden zerstört und schafft es erst mit der Hilfe ihres Jungendfreundes Jacob wieder langsam Fuß zu fassen. Doch auch Jacob hat ein düsteres Geheimnis und auch Edward ist nicht gänzlich aus dem Leben der todessehnsüchtigen Schülerin verschwunden, sondern wird aus der großen und unerfüllten Liebe ebenfalls zu einer Verzweiflungstat getrieben…

Natürlich ist es ein Leichtes, sich mit Gespött und Häme über „Twilight“ auszulassen und aus Genre-Sicht ist die Verfilmung der Bestsellers natürlich grober Mist, der den Vampir- und Werwolf-Mythos mit Füßen tritt und daraus eine seichte Teenie-Romanze bastelt, die bestenfalls noch als Big-Budget-Trash durchgeht. Teil zwei ist ja noch schmalziger als Teil 1 und bringt jetzt auch erstmals die Werwölfe als die Beschützer der Menschheit vor Vampiren ins Spiel. Nun ja, die Werwolf-Jungs dürfen wenigstens ohne Shirt herumlaufen, während alles andere das mit Sex im Entferntesten zu tun haben könnte, konsequent ignoriert und ausgeblendet wird. Bella und Edwards Liebe ist ja auch so groß, dass so etwas Triviales wie Sex wohl keine Rolle mehr spielt und die Trennung zu ihrem Vampir zieht der lethargischen Schülerin auch mehr als nur den Boden unter den Füßen weg. Nach einer Stunde Teenie-Trauer (im Film natürlich gleich mehrere Monate) kommt der Streifen dann aber endlich etwas in die Puschen und präsentiert Werwolf-Action und ein Italien-Vampir-Finale, dass sich recht dreist an „Romeo & Julia“ orientiert und dramaturgisch im Schnelldurchlauf abgewickelt wird. Sich nach einem Vampir in einen Werwolf zu verlieben ist natürlich die doppelte Arschkarte und dennoch ist somit garantiert, dass die leidende und vom Schicksal ach so hart geprüfte Bella mit einer gehörigen Portion Selbstmitleid weiter ihrer offensichtlichen Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann, während man als männlicher und erwachsener Zuschauer fassungslos mitverfolgen kann, mit welchen zusammengeschusterten Mystery-Stuss und unsympathischen Figuren man offensichtlich Millionen weiblicher Teenager an den Rand der Zurechnungsfähigkeit (und darüber) bringen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 27. Aug 2017, 19:14

Eclipse - Biss zum Abendrot

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Nachdem Edward und Bella nach ihrem kleinen Italien-Ausflug wieder zusammengekommen sind und Bella der fixen Idee erliegt, selbst ein Vampir zu werden, versucht ihr untoter Gefährte sie mit allen Mitteln von diesem Vorhaben abzubringen. Auch Werwolf Jacob ist wenig begeistert von der Reunion der Beziehung und funkt seinerseits dazwischen und versucht Bella von den Vorteilen des menschlichen Lebens zu überzeugen. Und weil das alles noch nicht reicht, plant auch Vampirin Victoria Rache an dem selbstsüchtigen Teenie und stellt zu diesem Zwecke eine Armee an Jung-Vampiren auf, die von ihrem neuen Gefährten für eine unausweichliche Schlacht trainiert werden.

Nachdem der zweite Teil der Saga ja eher schwer erträglich war und die Fremdschäm-Skala in lichte Höhen schnellen ließ, ist der dritte Teil unter der Regie von David Slade („Hard Candy/30 Days of Night“) wieder etwas besser und auch die Mischung zwischen Schmalz und Fantasy ist hier besser verteilt und das Geschehen nicht ganz so harmlos wie in den Vorgängern. Zwar bietet auch „Eclipse“ auch wieder himmelhoch jauchzende und dann wieder zu Tode betrübte Einblicke in die Seelenwelt eines egozentrischen Teenies, aber zwischendurch gibt es sogar so etwas wie eine düstere Stimmung und die wohl unfreiwillig komischste Camping-Szene, die jemals auf die große Leinwand gezaubert wurde. Am verklemmten Zugang zum Sex hat sich nichts geändert, auch wenn versucht wird, diese konservativen Ansichten als „altmodisch“ im besten Sinn zu verkaufen und man als Zuschauer permanent „Fickts endlich“ in Richtung Fernsehen schreien möchte. Die hübschen Naturbilder und das Action-lastige Finale können sich aber durchaus sehen lassen und stellen zum Vorgänger eine wesentliche Steigerung in die richtige Richtung dar, sodass man auch als Ü-14jähriger nicht ständig den Kopf schütteln muss. Zwar ist die Geschichte noch immer haarsträubend und keine Ahnung, was alle Welt an Bella findet um ständig das eigene Leben für das Gör zu riskieren, aber irgendwie muss die Sause ja auch am Leben erhalten werden. Sind ja auch nur noch zwei Teile, die ich jetzt auch noch schaffen werde.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 28. Aug 2017, 19:40

Breaking Dawn: Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 1

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Endlich ist Bellas großer Tag gekommen und vor den Augen ihrer Freunde und Familie heiratet sie ihren Edward bei einem kitschigen Hochzeitsfest, bei der auch keiner der Anwesenden auf die Idee kommen würde, die mittlerweile achtzehnjährige Jungfrau vor diesem überhasteten Schritt zu warnen. Danach geht es auch gleich in die Flitterwochen, wo auch erstmalig der Akt der Liebe vollzogen wird, der für die Beiden nicht ohne Folgen bleibt. Neben ein paar Schrammen ist Bella auch schwanger und ein Fötus wächst rasend schnell in ihrem schmächtigen Körper heran und zerrt sie zunehmend aus. Edward, krank vor Sorge um seine Frischangetraute besteht auf eine Abtreibung, doch Bella beharrt darauf das Kind auf die Welt zu bringen und bringt mit dieser Entscheidung nicht nur sich, sondern auch die Vampir-Familie ihres Mannes in große Gefahr.

Was für ein Schmonz und immer wenn man glaubt, die kitschige Teenie-Vampir-Saga bekommt endlich die Kurve, bekommt man als Zuschauer einen weiteren Teil vor die Linse geknallt, der einen fassungslos zurücklässt. Mit „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht -Teil 1“ verlässt man über weite Strecken nun endgültig das Fantasy-Genre und watet nun knietief im Schmalz von Seifenopern. Der Teil mit der Hochzeit inklusive Flitterwochen nimmt gleich eine Stunde des entbehrlichen Werks ein und entpuppt sich auch bald als Belastungsprobe für den erwachsenen Zuschauer. Dabei ist natürlich alles so verkitscht ausgefallen, wie sich ein pubertierendes Mädchen wohl ihre Traumhochzeit mit ihren Prinzen vorstellen würde und dieses wird auch bis zum absolut Äußersten ausgereizt. Prompt wird Bella in den Flitterwochen auch gleich bei ihrem ersten Mal schwanger und danach folgt eine „Rosemarys Baby“-light-Variante, die ebenfalls Fremdschämen neu definiert und nebenher auch noch wirr und unlogisch erzählt wird. Eigentlich hätte ich mir nicht gedacht, dass es noch schlechter als Teil 2 kommen könnte, aber „Breaking Dawn – Teil 1“ ist auf so vielen Ebenen verstörend und nur noch Ärgernis, dass sich wohl jeder Fantasy-Fan mit Grauen abwenden müsste und auch die große Frage „wie so etwas nur erfolgreich sein kann“ ebenfalls in neue Sphären katapultiert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Aug 2017, 19:42

Tag

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Eine mysteriöse Windböe zerteilt den Bus und auch die Klassenkameradinnen von Mitsuko auf dem Weg zum Schulausflug in zwei Hälften, während die etwas verträumte Schülerin durch einen Zufall unverletzt bleibt. Als auf ihrem Weg zurück in die Stadt weitere Menschen zerstückelt werden, flüchtet das Mädchen in Panik nur um wenig später wieder in einer Gruppe von Schülerinnen zu landen, die sich als ihre Klassenkameradinnen zu erkennen geben und so tun, als wäre nie etwas Sonderbares geschehen. Während die verstörte Mitsuko zunehmend an ihrer Wahrnehmung zweifelt, geschehen aber erneut sehr merkwürdige Dinge und der kurze Besuch in der vermeintlich neuen Schule endet abermals im Massaker, nur um das Mädchen kurz darauf erneut in eine vollkommen neue Realität zu katapultieren…

Die Filme von Sion Sono mag ich ja eigentlich wegen ihrer Unvorhersehbarkeit und der erfrischend unbekümmerten Herangehensart, die sich um keine Genre-Grenzen kümmern. Im Falle von „Tag“ hat mich der fleißige Viel-Filmer aber nicht so wirklich überzeugt und nach dem Auftakt mit dem Paukenschlag, geht der Streifen wie schon sein „Suicide Circle“ mehr und mehr in eine seltsame Richtung, die auch mehr Fragen aufwirft, als er letzten Endes beantworten kann und versucht, dieses mit hektischen und gorigen Momenten zu überdecken. „Tag“ ist wohl als augenzwinkerndes und blutiges Statement zu strengen Gesellschaftsordnungen, japanischen Geschlechterbilder und dem Versuch mit fragwürdigen Mitteln daraus auszubrechen zu sehen, aber die Form wie dieses auf die Leinwand gezaubert wird, ist leider meines Erachtens nicht gänzlich geglückt. Das Erzähltempo wirkt vollkommen überhastet, die Geschichte wenig gehaltvoll und auch die Gore-Effekte kommen größtenteils aus dem Rechner und sehen leider auch so aus. Sono hat wohl auch den Drohnen-Flug für sich entdeckt und filmt seine weiblichen Darstellerinnen, wie sie munter durch die herbstliche Gegend flüchten aus der Luft, während ein Großteil des Film überhaupt keine männlichen Darsteller auftauchen und am Ende der Selbstmord wieder einmal auf fragwürdige Weise glorifiziert wird. Zurück bleibt aber neuerlich die Frage nach dem Warum, bzw. ob der Streifen, der im Original-Trailer intensiv um ein weibliches Teenie-Schülerin-Publikum buhlt, thematisch nicht doch etwas zu unreflektiert übers Ziel hinausschießt. Mittelprächtig!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Aug 2017, 19:43

Walter Bockmayers Geierwally

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Die resche und resolute Wally wird seit einem Kampf mit einem Geier um ein Ei von allen Leuten im Dorf nur noch Geierwally genannt. Gemeinsam mit ihrem strengen Vater und ihrer exaltierten Tante lebt sie auf einem großen Bauernhof in den Alpen und ist im Geheimen in den Schützenkönig Josef verliebt, der den Spitznamen Bärenjosef trägt. Dummerweise hat der Vater für seine Wally aber eine andere Zukunft im Auge und hat die angehende Bäuerin bereits dem Erbschleicher Vinzenz versprochen, der die junge Frau auch mehrfach bedrängt. Als es deswegen zum Streit kommt, wird Wally von ihrem Vater vom Hof verstoßen und bezieht mit ihrem Geier ein kleines Hütterl in den Bergen, ehe sie nach dessen Ableben und von der Liebe getrieben ins Dorf zurückkehrt um Vinzenz vom Hof zu kicken und sich während des alljährlichen Schützenfestes endlich ihren Josef zu schnappen.

Salvschis Gesuche zu den historischen Geierwally-Verfilmungen hat mich ja auch wieder an dieses kleine (und von ihm offensichtlich verschmähte) Filmchen aus deutschen Landen aus dem Jahr 1988 erinnert, dass der Geschichte der resoluten Jungbäuerin neue Facetten verleiht und daraus ein trashiges Queer-Heimatfilm- Musical-Drama zaubert, dass die Stallwände und Berggipfel nur so wackeln. Hier werden die Folklore zur Farce und die Geschichte über die mutige Jungbäuerin zur poppig-bunten und hoffnungslos überzeichneten Groteske mit allerlei seltsamen Figuren, die auch nie um blöde Sprüche, seltsame Kostüme, Fake-Dialekt und gnadenloses Overacting verlegen sind. Regisseur Walter Bockmayer macht auch von Beginn an keinen Hehl daraus, wohin die Reise geht und ein verklärter Blick auf den auch heutzutage wieder so populären „Heimat“-Begriff wird gnadenlos durch den Trash-Fleischwolf gedreht und mit beißenden Spott überschüttet. Herausgekommen ist ein überdrehter, hysterischer und nicht immer geschmackssicherer Streifen mit viel Musik und lustigen Ideen, in dem die idyllischen Drehorte mit allerlei subversiven Humor konterkarikiert werden und bei dem auch die einheimischen Komparsen wohl nicht so genau wussten, wie ihnen eigentlich geschieht. Zwar sitzt im Verlauf der turbulenten neunzig Minuten nicht jeder Gag und manchmal wird es mit Gekreische, Schwuchteleien und offensichtlicher Improvisation auch etwas zu viel des Guten, aber „Walter Bockmayers Geierwally“ bietet nicht nur Veronica Ferres in ihrer ersten Kinorolle als „dicke Magd“, sondern auch ansonsten jede Menge Überraschungen, die jeden Gabalier-Fan mühelos und nachhaltig in den moralischen Grundfesten erschüttern sollten. Das Prädikat „Kult“ ist hier jedenfalls durchaus gerechtfertigt und angebracht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 31. Aug 2017, 19:45

Conspirators of Pleasure

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Sechs einsame Menschen in einer Großstadt auf der Suche nach Befriedigung: Ein schüchterner Mann hat bastelt sich ein Hahnen-Kostüm, mit der er das Puppen-Ebenbild seiner drallen Nachbarin dominiert - die ihrerseits im Domina-Kostüm dasselbe tut - mit ungeahnter Konsequenz. Eine Briefträgerin rollt ständig kleine Kugeln aus Brotteig um sich diese zu verinnerlichen und ein anderer Mann bastelt sich aus technischen Geräten eine Apparatur, mit der er autoerotisch seiner geheimen Liebe zu einer TV-Moderatorin frönen kann. Diese wiederum empfindet Lustgewinn durch ganz ungewöhnliche Art, während der von ihr entfremdete Ehemann aus Haushaltsgeräten und gestohlenen Dingen Werkzeuge bastelt, mit dem er sich selbst die Zärtlichkeiten von Berührungen beibringen kann. Sie alle sind auf der Suche nach Lust und werden sich im Verlauf des Films gegenseitig begegnen und einander inspirieren.

Nach seiner wunderbaren „Faust“-Interpretation drehte Jan Svankmajer den nicht minder ungewöhnlichen Streifen „Spiklenci slasti“ der sechs Menschen und ihre Fetische jenseits zwischenmenschlicher Kopulation thematisiert und lose auf den Thesen von Sacher-Masoch, Freud und anderen Psychoanalytikern basiert, die sich in vergangenen Jahrzehnten mit sexuellen Vorlieben und Abgründen der Menschheit beschäftigten. Der 1996 gedrehte Streifen präsentiert sich auf den ersten Blick auch abermals sehr ungewöhnlich und Svankmajer verzichtet auf sämtliche Dialoge, was sich im Film aber nicht als experimentell, sondern als völlig normal entpuppt. Der Sehgenuss wird durch das Fehlen von Worten in keiner Weise eingeschränkt und die kleinen, lose miteinander verwobenen Geschichten, die hier präsentiert werden, benötigen auch keine großen Erklärungen um zu vermitteln, um was es den Protagonisten geht. Dabei schwankt Svankmajer in seinen Bildern gewohnt zwischen Realismus und Surrealismus, vermischt teils trostlos erscheinende Bilder mit Tagträumen und Stop-Motion-Effekten und in einer Geschichte umreißt der Regisseur sogar das Phänomen, dass mittlerweile unter dem Titel ASMR auf DuRöhre omnipräsent ist. Wer sich für ungewöhnliche Filme interessiert bekommt hier wieder einen ungewöhnlichen, unvorhersehbaren und erfrischend unkonventionell und unverklemmten Streifen präsentiert, der sich in keine Schublade stecken lässt und als Gesamtkunstwerk auch jedem aufgeschlossenen Zuschauer ebenfalls Lustgewinn bereiten sollte.
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