Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Mär 2017, 20:23

Houses of Terror

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Filmstudent Bobby beschließt mit vier Freunden rund um Halloween dem amerikanischen Phänomen der sogenannten „Horror Houses“ auf die Spur zu kommen. Das sind zu Geisterbahnen ummodifizierte Gebäude, in denen der Besucher von Monstern, schrecklichen Requisiten und allgemeinen Terror-Feeling ordentlich erschreckt wird und das Gruseln lernen soll. Die ersten Ausflüge in derartige über das Bundesgebiet verstreute Häuser sind auch ganz unterhaltsam und die Reise im gemeinschaftlichen Wohnwagen ebenfalls ganz spaßig. Als sich die fünf Freunde jedoch auf die Suche nach dem legendären „Blue Skeleton“-House machen, dass an jährlich wechselnden Standorten und auch nur an Halloween geöffnet hat, geraten die abenteuerlustigen Leutchen jedoch offensichtlich ins Visier von richtigen Horror-House-Freaks, die auch vor wenig zurückschrecken um Angst und Schrecken zu verbreiten...

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Videoaufnahmen eines Filmstudenten und dessen Freunden, die sich auf die Suche nach legendären „Horror-Houses“ machen, die sich in den Staaten rund um Halloween großer Beliebtheit erfreuen. Schon zu Beginn lässt Regisseur mit Texttafeln und einem kurzen Ausblick auf das Finale aber keine Gelegenheit aus, das Ende seines 2014 entstandenen Streifens bereits im Vorfeld zu spoilern und das ist nicht nur ziemlich kontraproduktiv und nimmt dem Streifen auch unnötig an Spannung, sondern entpuppt sich spätestens am tatsächlichen Ende auch noch als dramaturgischer Fehlgriff. Anscheinend hat man hier aus Kosten- ähm Authentizitätsgründen auch an tatsächlichen „Horror-Houses“-Locations gedreht, sodass man sich auch noch etwaige Sets und Kostüme der Komparsen sparen konnte und verknüpft dieses mit Interview-Aufnahmen, die dem Zuschauer dann auch nochmals Hinweise auf das Ende geben. Spätestens da wäre es spannender gewesen, dass noch auf irgendeine andere Weise aufzulösen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Das kann man sich aber von der Backe putzen und dennoch kommt „Houses of Terror“ nie so richtig in Fahrt und neben seinen eher unsympathischen Figuren, langweiligen Entwicklungen und etwas Halloween-Geisterbahn-Atmosphäre aus der Diskont-Ecke nervt Bobby Roes Streifen auch mit einer unnötig wackeligen Kameraführung, die statt vermeintlichen Terrorfeeling zu verbreiten auch wohl eher die Ideen- und Humorlosigkeit überdecken soll, unter der dieser lahme Vertreter aus der „Found-Footage“-Ecke generell leidet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Mär 2017, 20:23

Suspiria

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Zum Film selbst gibt es ja von meiner Seite nicht mehr viel zu sagen und so komme ich an dieser Stelle auch gleich zur italienischen Blu-Ray, die den Streifen in einer neu-restaurierten Fassung präsentiert. Ich bin ja beileibe kein Pixelzähler oder streitbarer Farbton-Experte, aber ich liebe bunte Farben abseits von Schwarz und Weiß und war schon regelrecht geplättet, wie gut der Film und vor allem die Farbgebung in dieser neuen Fassung aussehen. Dabei haben mich gar nicht so sehr das satte Rot oder tiefe Blau fasziniert, sondern vor allem die Szenen, die von Argento in einer Perlmutt-artigen Farbgebung komponiert wurden. Damit ist vor allem der Auftakt und erste Mord im M.C. Escher-Hotel gemeint, die mich total umgehauen haben. Hier leuchten der Schirm und das Geschehen förmlich in irisierenden Farben und Menschen, Räume und Objekte schillern und schimmern je nach Kamerawinkel auf wunderschönste Weise, als würden sie selbst eine Lichtquelle darstellen. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben, aber was ich da gestern erblicken durfte war wohl wirklich ein absolutes Kunstwerk an Farbkomposition, ohne dabei zu künstlich und unnatürlich zu wirken. Diese restaurierte Fassung ist der Hammer, ein Geschenk für alle Fans dieses Films, die hier förmlich in eine Welt der Farben eintauchen und sich treiben lassen können. Alle anderen Fassungen kann jetzt auch wirklich getrost in die Tonne kippen und mit der restaurierten Fassung wurde imho wirklich das absolute Maximum rausgeholt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Mär 2017, 21:34

Chronicle - Wozu bist du fähig?

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„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form eines Videotagebuchs bzw. aus der Perspektive von einem gemobbten Schülers und Außenseiters aus zerrütteten Elternhaus, der durch Zufall mit zwei Freunden in einem Erdloch einen (vermutlich außerirdischen) Gegenstand findet, der telekinetische Fähigkeiten verleiht, die mit der Zeit größer werden. Dabei liegt es natürlich auf der Hand, das sich durch diese Fähigkeiten das Leben und auch das Wesen des ehemaligen Mauerblümchens verändert und diese neue Macht in Ausnahmesituationen auch nicht nur zum Guten verwendet wird. Regisseur Josh Trank hat dabei den Vorteil, dass er sich zwar der kostengünstigen Found-Footage-Stils bedient, für sein Werk aber offensichtlich ein recht großes Budget zur Verfügung hatte und durch einen Trick bzw. Drehbuch-Idee auch noch auf das strenge Regelkonzept der Handkameraführung verzichten kann. Den Fan wird das aber nicht stören und statt wackeliger Bilder und Low-Budget gibt es hier dann auch ganz ansehnliche Tricks und ein Action-lastiges Superhelden-Finale, in der halb Seattle in Trümmer gelegt wird. Interessant ist auch der durchaus düstere Ton, den der Streifen nach der eher unbeschwerten ersten Hälfte anschlägt und die Tatsache, dass Superheldenfilme nicht nur in der Hochglanz-Variante und als Bombast-Effektkino funktionieren. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer, aber in seiner Figurenzeichnung doch auch etwas vorhersehbarer Film, der mit einer Mischung aus „Coming-of-Age“ und „X-Men“ im Found-Footage-Stil auch am besten beschrieben ist und dabei durchaus unterhaltsam ausgefallen ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Mär 2017, 21:25

8 Frauen

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An einem Weihnachtsmorgen in den Fünfzigern wird in einem französischen Landhaus der wohlhabende Industrielle und Hausherr Marcel mit einem Messer in seinem Rücken tot in seinem Zimmer aufgefunden. Zu dem Zeitpunkt befinden sich sieben weibliche Familienmitglieder und Angestellte in dem geräumigen und abgelegenen Haus, welches sie aufgrund anhaltend starker Schneefälle nicht verlassen können. Schnell ist jedoch der Schock über das Ableben des Hausherrn verdaut und die Damen kommen aufgrund einiger Umstände zu dem Entschluss, dass nur eine von Ihnen die Mörderin sein kann. Im weiteren Verlauf des Tages beginnt ein Spiel aus gegenseitigen Verdächtigungen und Anschuldigen, in dessen Verlauf immer mehr gut gehütete Geheimnisse ans Licht kommen. Als dann auch noch überraschend die Schwester des Ermordeten auf der Bildfläche erscheint, dauert es nicht lange, bis auch noch die letzten unschönen Charakterzüge der Anwesenden aufgedeckt werden.

Mit „8 Frauen“ hat der französische Regisseur François Ozon einen Streifen geschaffen, der in vielerlei Hinsicht eigentlich ganz großartig ist. Er beginnt ganz in der Tradition verkitschter Hollywood-Romanzen mit einem Setting, dass auch ganz eindeutig als Studio-Kulisse erkennbar ist und vereint in weiterer Folge Witz und Drama in einer Geschichte, die auch von Agathe Christie stammen könnte. Und während im Verlauf des kammerspielartigen Films ein Geheimnis nach dem anderen aufgedeckt wird, dass so gar nicht zum konservativen Bild der gutbürgerlichen Familie passt, darf jede der großartigen acht Schauspielerinnen in bester Musikfilm-Tradition auch einen auf ihren Charakter zugeschnittenen Chanson zum Besten geben. Grandios ist natürlich vor allem die Besetzungsliste, die das Who-is-Who der französischen Schauspielerinnen vor der Kamera versammelt. Catherine Deneuve als ewige Diva der unterkühlten Sorte, Fanny Ardant als impulsiv-emotionales Gegenteil und Isabelle Huppert darf als hysterische Augustine ebenfalls so richtig abgehen. Zwar wirkt die Inszenierung manchmal etwas arg altbacken, aber die Geschichte selbst bleibt voller Überraschungen und so ist es auch wenig verwunderlich, dass diese kurzweilige Mischung aus Kitsch, Kommerz und Anspruch mit viel Musik auch den Nerv des Publikums getroffen hat und in den Kinos vollkommen verdient ein großer Erfolg war und seinen Regisseur nach Werken wie „Sitcom“ und „Tropfen auf heiße Steine“ auch außerhalb der LBTG-Community bekannt machte und einen ordentlichen Popularitätsschub verpasste.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Mär 2017, 20:16

The Canal

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Eigentlich hätte ich mir bei „The Canal“ einen Genre-Film aus der Found-Footage-Ecke erwartet, doch gefundenes Filmmaterial spielt in dem irischen Streifen aus dem Jahr 2014 nur eine untergeordnete Rolle. Filmarchivar David zieht mit seiner hübschen Frau in ein Haus, das durch mehrere Verbrechen vorbelastet ist und als der Mann im Zuge seiner Arbeit auf Polizeifilme stößt, die diese Morde und schwarze Messen thematisieren, nimmt das Unglück neuerlich seinen Lauf. Ivan Kavanghs Streifen ist dabei aber mehr Drama als Horror und wie schon in „The Babadook“ und ähnlichen Werken dient hier das Übernatürliche auch eher als Sinnbild für persönliche Krisen und Befindlichkeiten, die sich wie ein dunkler Schatten über das Familienglück legen. Außerdem ist das Erzähltempo arg langsam und die Geschichte bietet aufgrund der geringen Personen auch nicht allzu viele Möglichkeiten und kämpft ziemlich damit, alle Personen, Ereignisse und Handlungsfäden doch noch irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Normalerweise mag ich ja diese Art von ruhigen und eher dramatischen Streifen, aber in dem irischen Vertreter dreht sich in der ersten Stunde irgendwie alles im Kreis und die Handlung kommt trotz Geistererscheinungen und allgemeiner Verzweiflung nicht vom Fleck. So richtig begeistert haben mich an „The Canal“ dann auch nur die Darsteller, die teils recht hübsche Ausleuchtung und das kompromisslose Ende, während mir der durchschnittliche Rest für einen Grusler doch etwas zu lahm und langweilig war.

Exists

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Die beiden Brüder Brian und Matt fahren gemeinsam mit drei weiteren Freunden in die Hütte ihres Onkels, die sich irgendwo in einem abgelegenen Waldstück in Texas befindet. Doch schon die Anfahrt steht unter keinem guten Stern und während im Auto gescherzt wird, kollidiert Matt im Dunklen mit einem Tier, dass auch Spuren am Auto hinterlässt. Auch die Hütte präsentiert sich in keinem guten Zustand, sodass die erste Nacht im Auto verbracht wird, während von Draußen seltsame und undefinierbare Laute zu hören sind. Am nächsten Tag sind etwaige Geschichten über Bigfoot und Co aber schon wieder fast vergessen und man übt sich in Optimismus, als weitere Dinge geschehen, die auf ein äußerst übellauniges und gewaltbereites Wesen aus dem Wald hindeuten, dass es auch auf die feiernden Freunde abgesehen hat…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen aus Video- und Go-Pro-Kameras von sportlichen Freunden, die im Wald ein paar DuRöhre-Clips drehen wollen und dabei auf einen Bigfoot stoßen. Dabei fand ich es ganz interessant, dass der Streifen sich nicht wie üblich in Zurückhaltung übt und die Ursache der Bedrohung bis zum Ende offen lässt um dann im Finale ein paar wackelige Bilder eines haarigen Wesens zu präsentieren, sondern das Viech auch gleich von Anfang an immer wieder zu sehen ist. So konzentriert sich der Streifen des „Blair Witch Project“-Regisseurs Eduardo Sànchez statt Wald- und Wiesenwanderei mehr auf ein Belagerungszenario in der abgelegenen Waldhütte, welches durchaus gut eingefangen wurde, auch wenn „Exists“ doch als übergroßer Werbespot für Go-Pro-Kameras angelegt ist, die auch bei jeder Gelegenheit zu sehen sind. Zwar ist der Bigfoot jetzt auch nicht unbedingt mein Lieblingswesen aus der Urban-Legend-Ecke, aber der Streifen ist aber durchaus knackig und temporeich inszeniert und bleibt auch bis zum Ende spannend. Während Herr Sánchez in „BWP“ ja bewiesen hat, dass man mit wenig wirtschaftlichen Aufwand und noch weniger inhaltlichen Ereignissen einen durchaus sehr erfolgreichen Film gestalten kann, zeigt er hier eine Action-lastigere Spielart des Genres und wer „Found-Footage“-Filme mag, wird hier meines Erachtens dank netter Ideen auch 80 Minuten lang bestens bedient.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Mär 2017, 21:20

TV-Tod live - Kamikaze

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Der brillante Fernsehtechniker Albert ist einsam und verbittert und hat sich über die Jahre die Welt zum Feind erklärt, die ihn so schlecht behandelt. Als er wegen Einsparungsmaßnahmen auch noch seinen Job verliert sind es in erster Linie sein Neffe und dessen Gattin, die seinen Frust zu spüren bekommen. Wenig später entwickelt Albert jedoch ein Gerät, dass über Fernsehwellen möglich macht, Menschen zu töten, die live im Fernsehen auftreten und als Erstes trifft es eine verhasste TV-Ansagerin, die vor den Augen der entsetzten Zuschauer getötet wird. Als ein weiterer Moderator auf diese Weise verstirbt und sich Panik unter den TV-Studios ausbreitet, wird die Angelegenheit zur Staatssache erklärt und der Ermittler Romain versucht mit Spezialisten aus aller Welt dem Verbrecher mit seiner perfiden Tötungsmaschine auf die Spur zu kommen, was sich jedoch als nicht so einfach entpuppt.

„TV-Tod live – Kamikaze“ ist schon irgendwie ein sehr seltsamer Streifen, der im Jahr 1986 wohl irgendwie die Angst vor fortschreitender Technik und Entwicklung thematisieren sollte. Die Geschichte über einen Techniker, der aus Hass auf Gott und die Welt unschuldige Ansagerinnen und Moderatoren mit seltsamen Strahlen auf dem Bildschirm ermordet ist natürlich hochgradig skurril und sogar noch seltsamer umgesetzt, als es sich in der obigen Beschreibung anhört. Spätestens wenn die Oberkörper der Opfer in bester „Astaron“-Manier zerfetzt werden und Blut und Gedärm auf die Studiorequisiten spritzt, bleibt aber kein Zweifel offen, dass es Regisseur Didier Grousset mit seinem Technik-Thriller mit einer Prise Verschwörungs-Thematik durchaus ernst meinst und seine schräge Sci-Fi-Story auch bis zum bitteren Ende durchzieht. Leider wirken die Figuren aber teils aber etwas blass und Kommissar Zufall hat seine Finger ebenfalls mehrfach im Spiel, sodass der Streifen zumindest auf der Thriller-Ebene nicht so ganz funktionieren mag. Der Rest ist aber obskures, unkonventionelles und vergessenen Euro-Exploitation-Kino, das sich dem Auge des aufgeschlossenen Zuschauers durchaus interessant präsentiert und vor allem auch mit seiner Besetzung überraschen kann. Wer sich so wie ich für obskure Filme interessiert kann durchaus einen Blick riskieren, auch wenn „TV-Tod live – Kamikaze“ für heute Verhältnisse als Technik-Thriller etwas altbacken wirkt und mit seiner etwas konfusen Erzählweise wohl eher nicht die breite Masse ansprechen wird.

Alienkiller

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Ein außerirdischer Mörder wird auf die Erde verbannt, wo der Alien als Strafe für seine Taten fortan als Mensch in einer für ihn unterentwickelten Zivilisation weiterleben soll. Der menschliche Körper erweist sich jedoch anfällig für Verletzungen aller Art, sodass der Außerirdische gezwungen ist, mehrfach seinen Körper und Kopf zu wechseln um zu überleben. Dieses resultiert in bizarren Mordfällen zu denen die Polizistin Diana und ihr Partner hinzugezogen werden und zuerst ist es ein Wilderer, danach ein Obdachloser, der unliebsame Bekanntschaft mit dem Außerirdischen machen. Der Fall erweist sich aber nicht nur für die Pathologen als ziemliches Rätsel, sondern auch die Zeugenaussagen sind für die ermittelnden Beamten alles andere als schlüssig, während der Alien mit seinen geborgten Körpern weiter die Straßen und Vororte von Chicago unsicher macht.

Wenn ein Regisseur wie John „Henry – Portrait of a Serial Killer“ Naughton mit der berüchtigten Cannon-Schmiede gemeinsame Sache macht, muss wohl so etwas herauskommen, wie der doch etwas seltsam anmutende und schwarzhumorige Sci-Fi-Horror-Streifen „Alienkiller“. Dieser wirkt einerseits wie ein etwas trashiger Sci-Fi-Streifen, streift aber mit seiner Geschichte über die abgeklärte Ermittlerin Diane und dem Alien auch ernste Themen der sozialen Unterschicht und präsentiert Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat. Dieses wird dann noch mit den Taten eines Sexualstraftäters kombiniert, der mit der Polizistin Diane noch eine offene Rechnung hat und im Verlauf des Streifens auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Irgendwie kann sich „Alienkiller“ aber auch nicht entscheiden, ob er lieber unterhaltsames Popcorn-Kino, oder düsteres Horrordrama sein möchte und dass muss er ja auch nicht, solange dabei ein unterhaltsam schräges Frühneunziger-Genre-Werk herauskommt, das neben tiefschwarzen Humor auch mit seinen herben Effekten punkten kann. Bei den Alien-Mensch-Mutationen hat man sich ja hübsch Mühe gegeben und der Alien schmoddert sich hübsch durch die Gegend, während man sich beim zweiten Handlungsstrang mit dem Sexualstraftäter eher in Zurückhaltung übt. Anscheinend hätte das Teil ja ursprünglich noch herber ausfallen sollen, was dann aber durch einige unschöne Entwicklungen im Hintergrund verhindert wurde. Schade eigentlich, auch wenn sich „Alienkiller“ auch so durchaus sehen lassen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Mär 2017, 21:32

Tesis

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Wenn man bedenkt, dass Alejandro Amenábar gerade einmal 23 Jahre alt war, als er sein Langfilm-Debüt realisierte und der Streifen mittlerweile auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist „Tesis“ schon ziemlich beeindruckend geworden. Der Thriller über sogenannte „Snuff“-Filme begleitet die Studentin Angela, die sich für ihre Dissertation wohl nicht ganz uneigennützig das Thema Gewalt in den Medien ausgesucht hat und in einer Mischung aus Abscheu und Neugier ebenfalls der Faszination gefilmter Brutalitäten erliegt. Das kennt wohl jeder hier und Amenábar hält dem Zuschauer auch etwas den Spiegel seiner eigenen Befindlichkeiten vor, in dem er immer wieder mit dessen Erwartungshaltung spielt. In der zweiten Halbzeit rückt die Kritik am „Schneller-höher-weiter“ aber in den Hintergrund und entwickelt sich mehr in Richtung Thriller, der meines Erachtens ebenfalls sehr gut funktioniert. Neben den interessanten und ambivalenten Figuren und der Thematik begeistert „Tesis“ aber vor allem durch seine drei Hauptdarsteller und die nüchterne Art und Weise, wie das Thema angegangen wurde. Vielleicht ist der spanische Thriller aber mit knapp zwei Stunden etwas zu lang ausgefallen und wie üblich wird vom Regisseur auch etwas viel ins Debüt gepackt, aber ich halte „Tesis“ schlicht und ergreifend für einen der besten Filme aus den Neunzigern.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Mär 2017, 20:17

Lovesick: Sick Love

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Um die Drogensucht ihres Musiker-Freundes Istvan zu finanzieren, arbeitet die vorbestrafte Julia tagsüber als Zimmermädchen in einem Hotel und abends in einer Bar. Trotzdem fehlt es an allem und als Istvan auch noch von brutalen Geldeintreibern verfolgt wird, lässt sich Julia in einem Hotelzimmer auf eine unüberlegte Tat ein, der prompt die Kündigung folgt. Als sie in derselben Nacht ihren ehemaligen Arbeitgeber Michael sturzbetrunken in der Stadt begegnet, kommt sie auf eine folgeschwere Idee und spielt dem vereinsamten Mann eine gemeinsam verbrachte Liebesnacht voller sexueller Leidenschaft vor, die den verbitterten Mann aufblühen lässt. Von einer gemeinsamen Zukunft überzeugt ermöglicht Michael seiner Angestellten ein angenehmes Leben, deren Herz jedoch in Wirklichkeit noch immer an Istvan hängt, der zwischenzeitlich von Geldgebern weiter bedrängt wird. Auch Michaels strenge Mutter ist von der Beziehung wenig begeistert und so dauert es auch nicht lange, bis die Ereignisse in dem beschaulichen Strandhotel völlig aus dem Ruder laufen…

Wolfgang Bülds „Penetration Angst“ ist ja ein etwas seltsamer Film, der mit seiner Mischung aus Sex, Trash und Gewalt aber durchaus kurzweilig ausgefallen ist und auch mit seiner unkonventionellen, aber herrlich ernst durchgezogenen Geschichte einer männerverzehrenden Vagina punkten konnte. Mit den beiden Hauptdarstellern hat der deutsche Regisseur ein Jahr darauf und neuerlich mit englischen Handlungsort auch seinen nächsten Streifen „Lovesick: Sick Love“ inszeniert, der mir aber leider weit weniger gemundet hat. Die dramatisch angehauchte Geschichte über ein eher unsympathisch gezeichnetes Zimmermädchen, dass von einer ungesunden Beziehung in die nächste tappt ist leider so gar nicht prickelnd und statt Sex und Gewalt steht hier auch eher Verklemmtheit und Langweile am Programm. Alles was Büld in „Penetration Angst“ eher richtig gemacht hat, wird hier vergeigt und von katastrophaler Figurenzeichnung, schlechten Schauspieler-Leistungen bis hin zu unglaubwürdigen und dennoch lahmen Entwicklungen bietet „Lovesick: Sick Love“ eigentlich alles, was man in derartigen Filmen eigentlich nicht mehr sehen möchte. Büld schafft es auch nicht, dem Zuschauer die sexuellen Abgründe, sowie die Gefühlswelten seiner Figuren glaubhaft oder authentisch nahezubringen und selbst die abermals sehr gelungene Kameraarbeit kann nicht darüber hinweg täuschen, dass hier auch nichts so richtig zueinander passen mag. Im Vergleich zu „Penetration Angst“ geht es hier wie zwei, drei Schritte in die falsche Richtung und ich hoffe, dass „Psycho Sisters“ als Abschluss von Bülds Fiona Horsey-Trilogie wieder etwas mehr Begeisterung auslösen kann. So ist das leider nix!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Mär 2017, 21:05

The Pyramid - Grab des Grauens

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Während den politischen Unruhen in Kairo im Jahr 2014 entdeckt ein paar hundert Kilometer davon entfernt ein amerikanisches Archäologen-Team, welches von einem Kamera-Team begleitet wird, die Spitze einer ominösen, dreiseitigen Pyramide gigantischen Ausmaßes, die jedoch völlig vom Sand bedeckt ist. Als von Regierungsseite der unmissverständliche Auftrag kommt, die Ausgrabungsstätte aus Sicherheitsgründen zu verlassen, nutzen die Leutchen vor Ort die verbleibenden Stunden um einen ausgeborgten High-Tech-Roboter der NASA in die Pyramide zu schicken um erste Aufnahmen zu machen. Dieses Gerät wird jedoch wenig später von einem Tier angegriffen und das Team beschließt allen Warnungen zum Trotz die Pyramide selbst zu betreten um den sündteuren Roboter aus dem Eingangsbereich zu bergen. So kommt es wie es kommen muss und die Pyramide erweist sich nicht nur als Labyrinth, sondern als Ort eines noch viel größeren Grauens, dass auch wenig später über die Archäologen und Doku-Filmer hereinbricht…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen eines zweiköpfigen Doku-Teams, dass drei Archäologen bei der Erforschung einer bislang unentdeckten Pyramide begleiten. Natürlich entpuppt sich der bislang unerforschte Ort prompt als Todesfalle und die Forscher stoßen auch im Innern auch noch auf weitere Dinge, die man wohl selbst als Ägyptologen-Fan (der ich aber nicht bin) kaum für möglich halten würde. Regisseur Grégory Levasseur kennt man ja ansonsten eher als Drehbuchschreiber von Alexandre Aja und sein Regie-Debüt „The Pyramid“ ist als Mischung aus „Found-Footage“, Abenteuerfilm, Indie-Jones-Schnitzeljagd und Horrorfilm auch nicht gerade ein Musterbeispiel an Spannung oder Innovation. Der Regisseur und Autor bedient sich ja nicht nur sehr unverblümt an irgendwelchen ägyptischen Mythologien, sondern präsentiert auch noch sehr vorhersehbare – wenn auch funktionale - Ereignisse, eine etwas unglaubwürdige Charakter-Entwicklung und kostengünstige Effekte aus dem Rechner. „Found Footage“-Fans könnten auch bekritteln, dass hier die Aufnahmen des Doku-Teams mit den Bildern und Sound-Untermalung eines gewöhnlichen Spielfilms kombiniert werden, was mich persönlich aber nicht störte. Herausgekommen ist ein funktionaler „Found-Footage“-Snack für Zwischendurch, der zwar mit einem ungewöhnlichen Handlungsort punkten kann, aber ansonsten nichts Altbekanntes und Bewährtes auslässt, was nicht schon in vielen, vielen anderen Filmen aus der Ecke bis zum bitteren Ende durchgekaut wurde.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Mär 2017, 20:48

The Collection - The Collector 2

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Marcus Dunstan ist ja so etwas wie eine Lichtfigur des Tortureporn und hat als Autor nicht nur die Drehbücher für die ekelhafteren „Saw“-Teile 4 – 7 geschrieben, sondern als Regisseur mit „The Collector“ auch gleich sein eigenes Franchise geschaffen, dass sich auch ganz unverblümt an der Reihe und am Jigsaw-Killer bedient. Während der Jigsaw mit seinen Fallen ja aber noch ein erzieherisches Motiv im Hintergrund hatte, ist der „Collector“ aber ein purer Sadist mit derselben Lust am Fallen basteln, der sich seine entführten Menschen bzw. deren geschundene Leiber ohne nähere Begründung als Trophäe quasi ins Regal stellt. Teil 2 der Reihe bietet dann auch inhaltlich nicht viel mehr als tödliche Fallen in einem abgeschlossenen Handlungsraum und Menschen die darin ihr Leben lassen, während nach einer entführten jungen Frau gesucht wird, die nach einem herben Disco-Massaker vom Collector entführt wurde. Die Spannung in dem anspruchsbefreiten „The Collection“ besteht dann auch lediglich darin zuzusehen, wie einer nach dem anderen in kreativen Fallen hops geht, während so etwas wie Logik, ein Motiv oder die tiefergehende Charakterisierung in der Zwischenzeit vor der Türe wartet. Mit knapp 80 Minuten ist die Streifen auch eher kurz ausgefallen und Dunstan war sich wohl durchaus bewusst, dass die Geschichte nicht viel mehr hergibt. Der Härtegrad wie erwartet im oberen Bereich und über die ganze Laufzeit verteilt, sodass zumindest in diesem Punkt nicht viel Langeweile aufkommt und wenn ganz am Ende auch noch die Präparationsflüssigkeit ins Spiel kommt, kann man immerhin ein bissl schmunzeln. Hirn ausschalten und kräftig dahinsplättern – dann kann so etwas Mittelprächtiges wie „The Collection“ mit seinen reißerischen wie bluttriefenden Gorespitzen an bestimmten Tagen des Lebens auch durchaus okay sein.
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