Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2017, 19:06

We are the Flesh

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Mariano ist ein durchgeknallter Einsiedler in einer postapokalyptischen Welt, der in einem heruntergekommenen Gebäude haust, aus Abfällen Schnaps herstellt und sich daran berauscht. Eines Tages erscheinen Luciano und Fauna auf der Bildfläche, die auf der Suche nach Nahrung und einer sicheren Unterkunft sind und auch bleiben, obwohl Mariano alles andere als vertrauenswürdig erscheint. Er nötigt die Beiden sich seinen bizarren Wertevorstellungen und Bedingungen zu unterwerfen und zu dritt verwandelt sich ein Raum des Gebäudes in etwas, dass an einen weiblichen Unterlaib erinnert. Doch das ist erst der Anfang aus einem Alptraum aus Sex, Tod und Wiedergeburt, in dem menschliche Moralvorstellungen und sonstige Konventionen längst keine Rolle spielen…

Hui, es gibt sie ja doch noch… die Filme die sich nichts scheißen und dem Zuschauer völlig auf Konfrontationskurs begegnen. Der mexikanische Streifen „We are the Flesh“ ist zwar inhaltlich nicht ganz perfekt und wirkt als Debüt eines ambitionieren Regisseurs leicht überfrachtet, aber ansonsten macht der Streifen keine Gefangenen und erinnert an herbe und mutige Siebziger-Arthouse-Schocker, die den Zuschauer mit unangenehmen Fragen und Bildern konfrontieren und sich mit ihrem sperrigen und entrückten Inhalt mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten ihrer Zeit auseinandersetzen. Obwohl Emiliano Rocha Winter im Film etwaige Erklärungen verweigert und dem aufgeschlossenen Zuschauer – zugegeben - sehr plakativ mit Sex und Gewalt konfrontiert ist hier nicht einfach nur ein möglichst abstraktes Szenario gewählt wurde, sondern der junge Regisseur sehr wohl weiß, was er da eigentlich tut. Dass er dabei mit expliziten Sex und Themen wie Inzest und Mord natürlich besondere Aufmerksamkeit erregt, sei ihm auch vergönnt, wenn dabei so ein interessantes Stück geschmacksspalterisches Kino herauskommt, dass beim Zuschauer auch extreme Reaktionen hervorrufen soll. Ablehnende Kommentare gehören da genauso dazu, wie das Rattern im Oberstübchen, wie die ganze Sache denn nun wirklich gemeint sein könnte, auch wenn ich an dieser Stelle mich wegen etwaiger Spoiler nicht in Mutmaßungen* ergehen möchte. Zwar reicht es noch nicht ganz für die Kiste von Pasolini, Jodorowsky und andere kontroverse Regisseure vergangener Jahrzehnte, aber Minter ist definitiv auf dem richtigen Weg und es ist schön zu sehen, dass derartig unkonventionelle Filme auch heutzutage noch gedreht werden.

*
es geht wohl irgendwie um die Erichtung einer neuen anarchistischen Gesellschaftsstruktur, die nicht auf Moral, Gesetzen oder Regeln, sondern animalischen Trieben und Instinkten basiert


The Neon Demon

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Ich hab ja zu Herrn Refn und seinen bisherigen nicht das beste Verhältnis und die Sichtung von „The Neon Demon“ auch etwas vor mir hergeschoben. Nun endlich gesehen sieht der Streifen optisch mit Werbeclip-Hochglanz-Ästhetik zwar zweifellos sehr schön aus und erinnert an bessere Genre-Tage - allerdings fand ich die Geschichte, die man als moderne Vampir-Variation oder ausufernde Hommage an die zelebrierte Oberflächlichkeit der Menschheit sehen kann, nicht sonderlich aufregend. Ich hätte den Streifen ja auch eher enden lassen und die letzten 10 Minuten hätten meines Erachtens auch nicht sein müssen, da der aufmerksame Zuschauer ja auch so ahnen dürfte, auf was die Sache hinausläuft. Außerdem wirkte der Film trotz seiner schönen Bilder wie schon „Only God forgives“ auf mich sehr seelenlos, was sich vor allem in der Club-Szene zu Beginn äußert. Diese wirkt in ihrer Sterilität vollkommen künstlich und die Toilette sieht doch tatsächlich so aus wie ein übrig gebliebenes Set-Piece von „Suspiria“, in der wichtigsten Darstellerinnen hübsch ausgeleuchtet und bedeutungsschwanger angeordnet werden. Ebenfalls auffällig wie oft der Name des Regisseurs und sein "NWR"-Logo im Vor- und Abspann zu lesen ist und der Versuch, sich selbst als Marke zu positionieren. Das wiederum passt ja sehr gut zur Thematik des Films, der scheinbar perfekt in die Zeit von Facebook und Instagram passt, in der so viele Menschen versuchen ein Bild von sich selbst zu kreieren, das nicht zwangsläufig mit der Realität übereinstimmen muss, nur um sich dann an ein bisschen Anerkennung, Neid und Aufmerksamkeit - oder eben wie im Falle von "Neon Demon" - kurzfristig an den betörend schönen Bildern berauschen zu können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Feb 2017, 20:17

The Resurrected

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Etwas unausgegorene Lovecraft-Adaption von Regisseur Dan O’Bannon, der sich sonst eher als Drehbuchschreiber von Werken wie „Alien“ und „Lifeforce“ einen Namen gemacht hat. Die Geschichte über die Wiederbelebung von Toten mittels Alchemie („Der Fall Charles Dexter Ward“) hat zwar im letzten Drittel ein paar schöne Szenen und Momente, krankt aber etwas daran, dass die Erzählweise generell nicht sonderlich packend ausgefallen ist und sich im Mittelteil auch ein paar Längen bemerkbar machen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass hier das Pferd von hinten aufgezäumt wird und statt sich der Re-Animations-Thematik auf direkten Weg zu nähern, wie es z.B. Stuart Gordon mit seinem gleichnamigen Klassiker gemacht hat, wird die Geschichte aus der Sichtweise eines smarten Privatdetektivs erzählt, der im Auftrag einer hübschen Klientin den schlimmen Dingen ihres Gatten auf die Spur kommt. Dabei wirkt „The Resurrected“ stets auch etwas gediegen und im besten Sinne „altbacken“ und erst am Ende gibt es ein paar nette und blutige Effekte zu bestaunen, die mir recht gut gefallen haben. Weniger gelungen erscheinen hingegen die lustlos erscheinende deutsche Synchro und das überschaubare Budget, das augenscheinlich nur zur Verfügung stand. Trotzdem soll hier keinesfalls der Eindruck entstehen, dass ich mich bei dem mittelprächtigen Streifen nicht unterhalten fühlte – man hätte halt nur auch einiges besser machen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Feb 2017, 19:10

Evidence - Auf der Spur des Killers

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Auf einer abgelegenen Tankstelle in der Nähe von Las Vegas ereignet sich ein bizarres Verbrechen mit mehreren Toten. Während die Lage vor Ort aufgrund einer Explosion und mehrerer verstümmelter Leichen vollkommen unklar scheint, erhalten die beiden Ermittler Burquez und Reese mehrere Stunden Filmmaterial, welches zufällig von den späteren Opfern aufgenommen wurde. Während man anhand der teils sehr mitgenommenen und rekonstruierten Aufnahmen versucht, dem oder die Täter auf die Spur zu kommen und die Geschehnisse lückenlos aufzurollen, erscheinen durch die Bilder der Kameras aber auch mehr und mehr Unstimmigkeiten, die das Verbrechen und seine Hintergründe schon bald in einem neuen Licht erscheinen lassen…

Found-Footage-Quatsch die Drünfzigste: Hier in einer neuerlich sehr netten Variation in dem ein Ermittler-Team aufgrund von Aufnahmen für eine Pseudo-Dokumentation und Handykamera-Bilder einem düsteren Verbrechen auf die Spur kommt. Dabei lebt „Evidence“ größtenteils davon, dass die Ermittler wie der Zuschauer mit erhöhter Aufmerksamkeit die teils sehr verrauschten Bilder betrachten um auch ja kein noch so kleines Detail zu verpassen, welches auf den Täter hinweisen könnte. Natürlich wird man von Regisseur Olatunde Osunsanmi und dem Drehbuch aber etwas an der Nase herumgeführt und es ist eigentlich auch von Beginn an klar, dass sich die Sachlage wohl wesentlich komplizierter präsentiert, als ursprünglich angenommen oder die Aufnahmen vermuten lassen. Dabei kombiniert der durchaus solide „Evidence“ seine teils sehr verwackelten und verkreischten Found-Footage-Bilder mit Bildern von Ermittlungen, die in ihrer TV-Optik etwas an „C.S.I.“ erinnern. Ich fand den Streifen aber durchaus interessant gemacht, die Idee dazu lustig und da ich für diese Art von Filmen auch sehr empfänglich bin, wurde ich 90 Minuten gut unterhalten. „Evidence“ zählt zwar sicher nicht zur Sperrspitze des Genres und wirft auch die üblichen Fragen auf wie z.B. warum noch immer gefilmt wird, wenn man sich schon längst in Todesgefahr befindet, aber als kleiner Found-Footage-Happen für Fans und Zwischendurch ist „Evidence“ trotz unlogischer Momente und arg verwackelten Bildern dank seinem turbulenten Finale schon irgendwie eine spaßige Sache.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Feb 2017, 20:46

Einsam, Zweisam, Dreisam

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Eddy ist Filmstudent, introvertiert, belesen und unschlüssig ob er sexuell eher auf Frauen oder Männer steht. Mit seinem draufgängerischen Mitbewohner Stuart teilt er sich am Campus ein WG-Zimmer und arrangiert sich auch mit dessen machohaften Lebensstil. Eines Tages wird ihre Welt aus Pizza, Chips und Alkohol aber empfindlich gestört, als durch einen EDV-Fehler das angrenzende Zimmer an die Filmstudentin Alex vergeben wird, die trotz aller Beteuerungen ihrerseits irrtümlicherweise als Mann registriert ist. Da sich die Situation nun aber nicht mehr ändern lässt, rauft man sich irgendwie zusammen und wenig später verliebt sich die forsche Alex auch noch in den schüchternen Eddy, der sich seinerseits eher zu Stuart hingezogen fühlt, der wiederum liebend gern bei Alex landen würde. Das unbeschwerte Zusammenleben verkompliziert sich zunehmend und obwohl alle drei versuchen aufgeschlossen und unbefangen an die Sache herangehen, bleibt das alles nicht ohne Folgen…

„Einsam, zweisam, dreisam“ ist eine US-Dramödie aus den Neunzigern über das Thema Bisexualität und den Tücken des Studentenlebens, welches hier anhand drei sehr unterschiedlicher Charaktere nachgezeichnet wird. Die Menage à trois der drei Studenten ist aber als Mainstream-Ding eher oberflächlich gehalten und statt Drama rückt Regisseur Andrew Fleming auch eher die komischen Verwicklungen, die sich am Uni-Campus aus der Dreier-Konstellation ergeben, in den Vordergrund seines unbeschwerten Films. In den Neunzigern wirkte das Thema auch sicher noch irgendwie frischer, während man mit über 20 Jahren Abstand dem Film nicht absprechen kann, das er doch irgendwie verklemmt und glattgebügelt daherkommt. Außerdem zeigt der Streifen leider doch sehr eindrucksvoll, dass die Neunziger irgendwie doch nicht so cool waren, wie man das Jahrzehnt in Erinnerung hat. Die Klamotten sind hässlich, die Frisuren furchtbar und irgendwie wirkt der ganze Studenten-Lebensstil mit Pizza, Alkohol und Zigaretten auf mich mittlerweile irgendwie hoffnungslos „outdated“. Abgesehen davon macht der spaßige Streifen aber durchaus Laune und in jungen Jahren fand ich es auch als angenehme Abwechslung, dass Filme mit dieser Thematik auch mal für ein paar Lacher gut sind und nicht nur als hoffnungslos deprimierende „Coming-of-Age“-Filme um die Ecke biegen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Feb 2017, 19:43

Das St. Francisville Experiment

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Eine Gruppe von vier Leuten wird im Auftrag eines Produzenten mit Kameras und allerlei anderer Ausrüstung in ein verlassenes Haus nach St. Francisville geschickt, um dort etwaigen Geistererscheinungen auf die Spur zu kommen, die sich der Legende nach in der Gegend häufen sollen. Während das Medium Madison und die Geschichtsstudentin Ryan gleich einmal von der bösen Präsenz des Hauses etwas irritiert sind, sehen der Filmstudent Tim und Paul, der Leiter der Truppe, die ganze Sache von eher von der rationalen Seite und amüsieren sich über die beiden verängstigten Frauen. Das ändert sich aber rasch, als sich in dem geräumigen Haus ein paar sehr seltsame Dinge ereignen und sich das Haus und seine übernatürlichen Bewohner von der feindseligen Seite zeigen und als Madison versucht mit den Geistern Kontakt aufzunehmen, lässt die Antwort auch nicht lange auf sich warten.

Found-Footage die Drünfzigste, Teil 2: Nach dem überraschenden Erfolg des ebenso überraschend simplen „Blair Witch Project“ im Jahr 1999 hat es natürlich nicht lange gedauert, bis findige Produzenten und Filmemacher ebenfalls auf diesen Zug aufsprangen und „Das St. Francisville Experiment“ war im Jahr 2000 wohl einer der ersten Filme, die versuchten im Fahrwasser auch ein paar Dollar zu verdienen und dem Zuschauer ihre Bilder als authentisch verkaufen wollen. Im Grunde bedient sich und folgt der Streifen von Anfang bis Schluss auch haargenau dem gleichen Konzept und die wenigen Unterschiede zur ungleich erfolgreicheren Vorlage sind, dass der Handlungsort vom Wald in ein Haus verlegt wird, aus der Hexe eine sadistische Plantagenbesitzerin wird und die Charaktere noch eine Spur nerviger ausgefallen sind. Das Erschreckendste an dem ganzen Film ist ja eigentlich die Vorgeschichte der ominösen Delphine LaLaurie, die zu Beginn des Streifens in einer Art Interview erzählt wird und der Aufhänger des ganzen Streifens ist. Das geräumige Haus als Handlungsort hingegen ist wenig gruselig und gibt kaum etwas her und warum man für so einen Auftrag ausgerechnet die vier größten Angsthasen vor dem Herrn hernimmt, lässt sich wohl auch nicht vollumfassend und befriedigend beantworten. Jedenfalls dauert es von der anfänglichen Partystimmung bis zur Todesangst nur ein paar Minuten und jeder Windhauch und jedes Türknarren reicht aus, um unsere vier hoffnungsfrohen Protagonisten weiter an den Rand des Wahnsinns zu treiben, während natürlich weiter wild drauf los gefilmt wird. Dazu gibt es Diskont-Esoterik-Weisheiten von unserem Medium Madison, ein paar „Jump-Scares“ und ein halbwegs funktionales Finale und fertig ist der innovationsfreie und found-flutschige Rip-Off-Billighorror von der Stange, den wohl trotzdem niemand so wirklich braucht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Feb 2017, 20:00

Phantom of Paradise

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Noch immer ganz großartiger und visionärer Streifen von Brian de Palma über die Abgründe des Musikbusiness bzw. einem kreativen Komponisten, der von einem dubiosen Produzenten abgezockt wird. Die Mischung aus „Phantom der Oper“, der Geschichte von Faust und der größenwahnsinnigen Eröffnung eines Musikclubs ist aber immer herrlich überzeichnet und an erster Stelle steht neben dem grellen Look und der allgemein vorherrschenden Hysterie ja ohnehin die Musik. Die steht der interessanten Handlung ebenfalls um nichts nach und nimmt allerlei Musiktrends hübsch aufs Korn, ohne dabei jedoch verächtlich ans Werk zu gehen. Herausgekommen ist ein Musikfilm, der originell, grell, bunt und hoffnungslos über das Ziel hinausschießt und das ausgelutschte Prädikat „Kultfilm“ zur Abwechslung auch mal wirklich verdient. Schön auch zu sehen, dass der Streifen zwar seinerzeit gefloppt ist und erst über die Jahre die Wertschätzung erfahren hat, die man ihm eigentlich schon 1974 vergönnt hätte und popkulturell ebenfalls seine Spuren hinterlassen hat. Zwar kann man heutzutage vielleicht ein paar der damaligen Casting-Entscheidungen bemängeln und manchmal wird es auch etwas viel für den unbedarften Zuschauer, aber ansonsten gibt es hier wenig zu bemängeln und besser, bunter und vor allem beschwingter ist der beständige Kampf von Kreativität gegen Kommerz ja nie mehr auf die große Leinwand gezaubert worden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Feb 2017, 19:19

Die Insel der besonderen Kinder

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Schon von Kindheit an ist der eher schüchterne und introvertierte Jacob von den fantasievollen Geschichten seines Großvaters Abe begeistert. Dieser erzählt von seinen Reisen durch die Welt und von seltsamen Plätzen, an denen sich Kinder mit besonderen Begabungen in sogenannten Zeitschleifen aufhalten und dadurch auch nicht altern. Obwohl sich der Wahrheitsgehalt dieser Geschichten im Teenager-Alter relativiert, bleibt Abe jedoch bei seiner Version der Geschichte. Als Jacob eines Tages seinen Opa besuchen möchte, ist dessen Haus verwüstet und er findet Abe tot im Vorgarten in einem furchtbaren Zustand. Um dieses schreckliche Erlebnis zu verarbeiten fährt Jacob mit seinem Vater nach Wales auf eine Insel, von der Abe immer erzählt hat und findet dort tatsächlich den Ort, den ihn sein Großvater immer beschrieben hat und trifft auf Miss Peregrine, die diesen Platz geschaffen hat um die Kinder vor einer bösen Macht zu beschützen, die sich mit dem Auftauchen von Jacob ebenfalls Zutritt verschafft hat…

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist ja nicht der erste Superhelden-Film von Tim Burton, nur habe ich „Batman“ ja bislang dezent ausgelassen und auch das neuere Output des Regisseurs war ja nicht mehr unbedingt so nach meinen persönlichen Geschmack. Sein neuester Streich ist ja nicht nur die Verfilmung eines erfolgreichen Buchs, sondern nach „Alice im Wunderland“ auch wieder ein Schritt in die richtige Richtung und kreuzt „Coming-of-Age“ mit „X-Men“, sowie den schelmischen Humor des Regisseurs mit viktorianischen Horror, etwas Lovecraft und einer etwas komplizierten Zeitreise-Zeitschleifen-Thematik. Dabei mutet der Streifen handlungstechnisch dem Zuschauer doch einiges zu und natürlich entpuppen sich die bisweilen etwas seltsamen Fähigkeiten der Kinder als natürlich genau die richtigen Waffen im Kampf gegen die dunkle Bedrohung, die hier aber wirklich düster und wenig kindgerecht daherkommt. Nach der ersten Stunde war ich auch etwas skeptisch, dafür fand ich die zweite Hälfte inklusive kurzem Regisseur-Cameo richtig klasse und spannend gemacht und „Die Insel der besonderen Kinder“ dreht im Finale am North Pier in Blackpool ja mal so richtig auf. Zwar sind mir diese effektüberladenen Big-Budget-Superhelden-Actionfilme immer noch etwas suspekt und der Streifen erscheint trotz nach vorne gepeitschter Handlung auch etwas zu lang, aber Tim Burton macht mit diesem kruden Genre-Mix aus allerlei Zutaten einem kurzweiligen Blockbuster, in dem auch immer wieder sehr schräge Ideen aufblitzen und sich als Fans seiner früheren Filme auch gut gucken lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Feb 2017, 19:09

Momoe's Lips

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Toru ist ein skrupelloser Klatschreporter, der sein Geld mit reißerischen Berichten verdient und sich ansonsten die Zeit mit hübschen Frauen vertreibt. Das neueste Ziel seiner verunglimpfenden Artikel ist Miki Yoko, eine aufstrebende Sängerin, die von ihrem Management und Leibwächter vor Torus zweifelhaften Praktiken geschützt wird. Trotz Prügel lässt sich Toru jedoch nicht davon abbringen die Sängerin weiter zu stalken und wird dadurch Zeuge, wie Miki eines Abends vor ihrem Apartment von drei Männern entführt wird. Statt jedoch die Polizei zu verständigen, verfolgt er die Entführer, die mit der Sängerin auch nichts Gutes im Schilde und als durch die Entführung auch noch zweifelhafte Praktiken der Plattenfirma ans Tageslicht kommen, sieht der gewissenlose Toru die einmalige Chance auf die ganz große Titelstory gekommen.

In „Momoe’s Lips“ kommt ja wieder mal so einiges zusammen und neben jeder Menge Softcore-Sex gibt es hier auch noch jede Menge plakative Gewalt und ein paar sonstige Geschmacklosigkeiten, die den Zuschauer für knapp 68 Minuten mühelos bei Laune halten. Die Geschichte über den skrupel- und gewissenlosen Paparazzi, der sich auf der Suche nach einer Story auf die Fersen einer jungen Sängerin heftet und dabei Grenzen der Moral und des Anstands hinter sich lässt, ist ja leider nicht weit hergeholt und was nach der geglückten Entführung so alles passiert, dürfte FrauenrechlerInnen ja ebenfalls auf die Barrikaden treiben. Doch selbst dann ist es mit den Überraschungen noch nicht zu Ende und Regisseur Katsuhiko Fuji dreht im Finale ja auch erst so richtig auf. „Momoe’s Lips“ ist auch eindeutig kein Film für zugeknöpfte Menschen, die sich leicht schockieren lassen, sondern ein typischer Nikkatsu-Streifen, den auch heutzutage noch mühelos zu schocken vermag und eine heruntergekommene Welt auf Seiten der Plattenindustrie, der Klatschpresse und Fans präsentiert, die für ihre Zwecke auch vor nichts zurückschrecken. Für den Zuschauer bedeutet das jedenfalls jede Menge nackte Haut und abgeschmackte Ideen am laufenden Band, die „Momoe’s Lips“ auch zu einer höchst zweifelhaften, aber durchaus unterhaltsamen Sache machen, wenn man auch als Zuschauer ebenfalls bereits sämtliche Grenzen hinter sich gelassen hat.

Heavy Metal

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Eine böse Macht in Form einer grün-leuchtenden Kugel sorgt seit Ewigkeiten für Unfrieden in entfernten Galaxien und auf der Erde. Ein junges Mädchen erhält besagte Kugel von ihrem Vater, als dieser von einer Forschungsreise zurückkehrt und ehe sich die junge Dame versieht, ist der Vater in seine molekularen Bestandteile aufgelöst und die Kugel erklärt auch ohne Umschweife, dass das Mädchen als Nächtes von ihr verschlungen wird. Vorher gibt die pulsierende Kugel aber noch einen kurzen Einblick in die bewegte Vergangenheit und Zukunft dieser bösen Macht in Form von sechs von Heavy Metal-Musik begleiteten Episoden, in denen von düsteren Zukunftsvisionen, Untoten bis hin zu seltsamen Anarcho-Welten jenseits menschlicher Vorstellungskraft auch alles Platz findet.

Der kanadische Animationsfilm „Heavy Metal“ aus dem Jahr 1981 ist ja eine Ansammlung unterschiedlichster Geschichten für Erwachsene, die aus der gleichnamigen und mir unbekannten Heft-Serie stammen, die wohl zu dieser Zeit recht populär gewesen zu sein scheint. Dabei sind die qualitätstechnisch etwas durchwachsenen Episoden mit Sex, Gewalt und einer Prise schwarzen Humor natürlich voll und ganz auf ein bestimmtes Zielpublikum zugeschnitten und wohl einer der früheren Versuche in westlichen Breiten, Animationsfilme für ein erwachsenes Publikum zu etablieren. Manche Episoden, wie die des Taxifahrers Harry Canyan, oder die letzte namens „Taarna“ sind auch recht gelungen, während andere Beiträge doch eher etwas lahm um die Ecke biegen und auch zeichnerisch sind ganz gelungen umgesetzt sind. Irgendwie finde ich es auch schade, dass die Episoden so bunt zusammengewürfelt wirken, der Metal-Soundtrack eher untergeordnet wirkt und man sich hier auch nicht etwas mehr Mühe gegeben hat um etwas Runderes zu schaffen. Trotzdem ist „Heavy Metal“ mit viel nackter Haut, düsterem Sci-Fi und jeder Menge Gewalt eine mit kleineren Abstrichen durchaus sympathische Angelegenheit von und für große Kinder, die sich von dicken Möpsen, Gewalt und sonstigen Männerphantasien begeistern lassen.

Horny Diver: Tight Shellfish

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Das beschauliche Leben in einem kleinen Küstenort wird erheblich gestört, als der zwielichtige Matsunaga auf der Bildfläche erscheint, der den ruhigen Ort insgeheim in eine Touristenmetropole verwandeln möchte. Dazu besticht er den naiven Bürgermeisterkandidaten und vermittelt ihm eine neue Beziehung und führt auch den Rest der einfachen Fischersleute und Krustentier-Taucherinnen an der Nase herum, in dem er diese mit windigen Verträgen und der Vortäuschung falscher Tatsachen zu günstigen Konditionen ihre Grundstücke abluchst. Wenig später bekommt einer seiner Handlanger jedoch ein schlechtes Gewissen und auch die Tochter des künftigen Bürgermeisters glaubt nicht so recht an das selbstlose Verhalten des Geschäftsmannes, während wenig später auch das Auftauchen eines unbekannten jungen Mannes und schwelende Konflikte unter den Taucherinnen zu weiteren Spannungen führen.

„Horny Diver: Tight Shellfish“ aus dem Jahr 1985 ist eigentlich eher ein gemäßigter Vertreter aus der Nikkatsu-Kiste, der zwar gewohnt viel nackte Haut bietet, aber ansonsten eher soapig und auch etwas unspektakulär daherkommt. Die zahlreichen Verwicklungen in einem beschaulichen Küstenort dienen ja eher nur als loser Aufhänger, jede Menge barbusiger Taucherinnen zu zeigen, die sich dann manchmal aus mehr oder weniger plausiblen Gründen gegenseitig an die Wäsche gehen. Dazu kommt noch eine kleine und etwas banale Immobilienspekulations-Geschichte, die aber auch mehr schlecht als recht aufgelöst wird und im Grunde nicht wirklich nennenswert ist. Als "besonderes" Highlight gibt es in dem Streifen aber eine Strip-Szene mit einem Tintenfisch, der dann aber die Kinnladen nach unten klappen lässt und für erstaunte Gesichter sorgen dürfte. Zum Glück stehen ja aber sowieso keine Weichtiere bei mir am Speisenzettel und die Sache ist zum Glück auch nur angedeutet und wenig explizit umgesetzt, sodass man sich auch als Tierfreund nicht darüber aufregen muss. Ansonsten ist „Horny Divers: Tight Shellfish“ aber eher etwas für den Erotik, als für den Exploitaton-Fan und zählt meines Erachtens auf letztere Skala auch nicht zu den Highlights der Serie.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Feb 2017, 19:27

Freitag, der 13.

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Auch die wiederholte Sichtung zeigt, dass ich mit diesem Teil einfach nicht so richtig war werde. Klar hat „Freitag der 13.“ seinen unbestrittenen Platz im Horror-Olymp, hat Slasher-Geschichte geschrieben und die Szene am Schluss ist ebenfalls unbestritten einer der bester Schocker aller Zeiten, aber davor ist Cunninghams Überraschungserfolg einfach ein etwas lahmes Filmchen, dass sich von „Kill“ zu „Kill“ handelt und die Zeit dazwischen mit oberflächlichen Momenten und platten Charakteren füllt. Mit „mittelprächtig“ ist die ganze Sache wohl am besten beschrieben und irgendwie hätte man für meinen Geschmack etwas mehr in die Figuren und das Drehbuch investieren können, anstatt nur etwas unbedarfte Figuren zu präsentieren, die in einem Camp mit unrühmlicher Vorgeschichte nach der Reihe einem Killer über den Weg laufen. Der ist ja im ersten Teil ja noch das Originellste und nicht auszudenken, wenn statt der verklemmten Spießer-Braut ein sexuell aufgeschlosseneres Mädchen als „Final Girl“ ausgewählt worden wäre. Ansonsten ist hier alles etwas lieblos aufbereitete Genre-Ware und außer Tom Savini und seine hübsch funktionalen Effekte hat sich hier auch niemand so richtig mit Ruhm bekleckert, aber dafür umso mehr Ruhm eingefahren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Feb 2017, 19:54

Freitag der 13. - Teil II

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Der zweite Teil der beliebten „Freitag der 13.“-Serie ist eigentlich eine Kopie des Erstlings und vom Auftakts-Mord bis hin zum finalen Schocker in Zeitlupe werden hier eigentlich alle Trademarks vom Vorgänger nochmals von A - Z durchexerziert. Dafür gibt es dieses Mal mehr nackte Haut, mehr Morde und erstmals Jason, der hier aber noch ohne seine prägnante Hockey-Maske seinem mörderischen Treiben nachgeht. Ansonsten tut sich aber nicht viel Neues in Slasherhausen und auch der Versuch dem Ganzen gegen Ende einem psychologischen Anstrich zu geben, ist im Grunde eher zu vernachlässigen. Die Hauptdarstellerin ist sympathisch und müht sich mit dem Killer ab, die restlichen Figuren eher oberflächlich gehalten bzw. nebensächlich und auch wenn man bei den Kills ein, zwei Gänge zurückschaltet, so verfehlen diese ihre Wirkung nicht. In Steven Miners zweiten Ausflug ins Camp Crystal Lake ist also alles hübsch funktional und routiniert und wer daher den ersten Teil mag, wird auch am zweiten Teil wenig auszusetzen haben. Dass dieses simple Konzept ja auch ganz gut funktioniert zeigt uns ja die die Filmgeschichte der letzten vier Jahrzehnte und wenn man als Slasher-Fan die F13-Serie in den Player schiebt, dann will man statt Anspruch und Innovation auch lieber schnörkellose Unterhaltung und blutige Tatsachen.
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