Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Feb 2017, 20:56

Episode 50

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Eigentlich kann man als ambitionierter Regisseur bei „Found Footage“-Filmen ja nicht viel falsch machen und mit ein paar einfachen Ideen und der richtigen Umsetzung kann man trotz der Limitierungen des Genres und einem schmalen Budget einen passablen Genre-Hit landen. Dass man aber auch alles falsch machen kann, beweist „Episode 50“, der fast in allen Belangen unterdurchschnittlich ausgefallen ist und mit einem lächerlichen Finale aufwartet, dass dem ganzen dann noch den absoluten Rest gibt. In bester „Grave Encounters“-Manier bekommt man hier ein Ermittler-Team präsentiert, das im Auftrag eines Milliardärs paranormale Phänomene in einer verlassenen Nervenheilanstalt auf rationale Weise aufklären soll und weil das aber noch nicht reicht, gibt es noch ein zweites Team, das mit der Hilfe Gottes und religiösem Eifer dem Übersinnlichen auf die Spur kommen möchte. Am Ende gibt es erwartungsgemäß auf beiden Seiten Verluste und einen Zuschauer, der mit einer vollkommen wirren Story, nervigen Figuren und mit billigsten Taschenspielertricks bei Laune gehalten werden soll. Dabei fängt „Episode 50“ gar nicht so schlecht an, aber nach zehn Minuten kippt das Szenario in vollkommen fragwürdige Gefilde und es geht zu wie in der Rush-Hour einer Geisterbahn, während die Leutchen natürlich so agieren, als wäre das natürlich die normalste Sache der Welt. Daneben wird versucht, den paranormalen Phänomenen noch eine Krimi-Wendung und einen tieferen Sinn zu verpassen und herausgekommen ist ein überfrachteter Genre-Mischmasch mit unlogischen Momenten am laufenden Band und Billig-CGI am Ende, der selbst dem eingefleischtesten „Found-Footage“-Fan auf die falsche Weise das Fürchten lehrt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Feb 2017, 20:47

Can a Song save your Life?

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Im Grunde ist „Can a Song save your Life“ ja so etwas wie ein Remake von „Once“ und abermals bringt Regisseur John Carney zwei unterschiedliche Menschen mit gemeinsamer Liebe zur Musik zusammen, die sich einen Sommer lang in New York gemeinsam Kraft geben um sich gegenseitig in einer schlechten Phase ihres Lebens aus dem Dreck zu ziehen. Dan ist ein Musikproduzent, der sich Kreativität, Partnerschaft und Erfolg weggesoffen hat und Gretta die junge Singer-Songwriterin, die sich gerade von ihrem Partner getrennt hat und eher widerwillig auf der kleinen Bühne eines Pubs eines ihrer gefühlvollen Lieder zum Besten gibt. Nach dem eher zufälligen Aufeinandertreffen beschließen die Beiden mit weiteren Musikern auf den Straßen von New York eine CD aufzunehmen und ein kleines und berührendes Sommermärchen nimmt seinen Lauf. Obwohl „Can a Song save your Life“ dabei im Grunde auch etwas oberflächlicher, glattgebügelter und auch musikalisch mainstreamiger als „Once“ daherkommt, ist der Streifen nicht minder schön anzusehen und nach der Liebeserklärung an Dublin und seine Straßenmusiker, ist es dieses Mal die Stadt New York und sein unvergleichlich kreatives Flair, dass Musiker aus aller Welt zusammenbringt. Mit viel Musik und positiver Herangehensweise ist auch ein wunderbarer Streifen entstanden, der trotz (zu) bekannter Gesichter auch aufgrund seiner schön gezeichneten und interessanten Figuren begeistert und 104 Minuten lang urbane und positive Großstadt-Laune verbreitet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Feb 2017, 20:38

Domino sucht die Liebe

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Domino ist eine erfolgreiche und von Männern begehrte Videoclip-Regisseurin, die gerade dabei ist einen Film über die Sängerin Billie Holiday zu drehen. Privat läuft es für die dralle Blondine mit Hang zu extravaganten Kostümen jedoch weniger gut und ihre Affäre mit Viktor ist gerade dabei zu Ende zu gehen, als Domino eines Tages in ihrem modernen und spärlich eingerichteten Apartment einen mysteriösen Anruf erhält. Der Anrufer und seine Worte erwecken verloren geglaubte Leidenschaft in der unterkühlten Frau und Domino beginnt in einer Mischung aus Neugier und Abneigung nach dem ominösen Anrufer zu suchen und begegnet dabei dem verschiedenen Menschen und ihren unterschiedlichen Meinungen zum Thema Liebe und körperlichen Begehrens…

„Domino sucht die Liebe“ ist ein Streifen, bei dem die die Vorzeichen für ein gelungenes Erotik-Drama ja gar nicht so schlecht gewesen wären: Brigitte Nielsen als Sexsymbol der Achtziger spielt unter der weiblichen Regie von Ivana Massetti eine unterkühlte Frau, deren Leidenschaft durch einen anonymen Anruf geweckt wird und sich dann in bester Achtziger-Manier durch neondurchflutete und kunstvoll arrangierte Bilder stöckelt, ihre körperlichen Reize zur Schau stellt und dabei auch noch Genre-Stars wie David Warbeck und Geretta Geretta begegnet. Irgendwas ist bei dem 1988 gedrehten Erotikdrama aber gründlich danebengegangen und „Domino“ langweilt den Zuschauer von der ersten Minute an mit einer Hauptdarstellerin, die sich wie betäubt durch die traumartige Handlung bewegt und auf Menschen trifft, die seltsame Dinge tun und gekünstelte Sätze von sich geben. Regisseurin Ivana Massetti hat ihrem Streifen neben vermeintlichem Anspruch auch noch einen sehr speziellen und entrückten "Neo-Noir"-Look verpasst, der sich irgendwo zwischen Videoclip-Ästhetik, Kostümdrama, Licht- und Schattenspielen und exklusivem Einrichtungskatalog mit Hang zu transparenten Plastikmöbeln einpendelt. Herausgekommen ist ein 90minütiger Streifen, der entgegen der Covergestaltung mit SM gleich gar nichts zu tun hat, weder sonderlich erotisch, noch interessant ausgefallen ist und bei dem die reduzierte Handlung so wenig greifbar ist wie die Figur der Hauptdarstellerin, deren Herausforderung wohl ebenfalls nur darin bestand, lasziv zu gucken und ihre beiden augenscheinlichen Vorzüge ausgiebig der Kamera zu präsentieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Feb 2017, 20:04

Suddenly in the Dark

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Seon-hee ist die glücklich verheiratete Frau des Biologen Kang Yu-jin, der sich die meiste Zeit entweder auf Forschungsreisen oder zum Unterricht auf der Uni befindet und die Mutter der gemeinsamen Tochter. Als er eines Tages von einer seiner Reisen nach Hause kommt, hat er die junge Mi-ok im Gepäck, die Seon-hee fortan etwas im Haushalt unterstützen soll. Zuerst ist Seon-hee begeistert und nimmt die junge, verschlossene und auch etwas naiv erscheinende Frau und Tochter einer verstorbenen Schamanen-Priesterin mit offenen Armen in ihrem Hause auf, obwohl diese auch ständig eine seltsame Holzpuppe mit sich führt. Als sich jedoch im Haus einige sonderbare Dinge zutragen, erliegt Seon-hee der fixen Idee, dass Mi-ok etwas Böses über ihr Haus gebracht hat und beginnt der jungen Frau zunehmend feindselig zu begegnen. Als sie auch noch vermutet, dass ihr Mi-ok den Mann ausspannen möchte um ihren Platz einzunehmen und ihre Umgebung darauf zunehmend ratlos reagiert, beschließt Seon-hee die Dinge selbst in die Hand zu nehmen…

Ich wusste ja bis gestern gar nicht, dass auch Südkorea neben Japan ebenfalls auf eine sehr lange Tradition von Horrorfilmen zurückblicken kann und schon in den Sechzigern und Siebzigern zahlreiche Genre-Filme entstanden, die hierzulange aber eher unbekannt sein dürften. „Suddenly in the Dark“ ist ein Streifen aus dem Jahr 1981, der eigentlich recht hübsch ausgefallen ist und als grundsolide Mischung aus Horrorfilm und Psychodrama auch durchaus überzeugen kann. Der Streifen verfügt über einen ansprechenden Look mit netten optischen Ideen und präsentiert neben einer kleinen Prise Erotik die Geschichte einer gutsituierten Familie, deren heile Welt durch das Auftauchen einer jungen Frau und Tochter einer Schamanen-Priesterin bedroht wird. Dabei wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, ob die Ängste nun realer Natur oder sich nur im Kopf der Hausfrau am Rande des Nervenzusammenbruchs abspielen, aber im Finale geht es schon hübsch zur Sache. Allzu plakative Effekte sollte man sich aber nicht erwarten und „Suddenly in the Dark“ kommt auch schon eher in bewährter K-Horror-Manier daher, der auf Schmodder und dergleichen verzichtet und auf Atmosphäre setzt. In dem durchaus interessanten Streifen geht es auch mehr um das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten und dem allseits beliebten Konflikt zwischen Tradition und Moderne, als um blutiges Gekröse. Vielleicht kein absoluter Burner, aber alles sehr hübsch eingefangen und erzählt in einem Streifen, der vor allem Leute ansprechen dürfte, die sich für ungewöhnliche Filme aus aller Welt begeistern können und von „Mondo Macabro“ dankenswerterweise nun erstmals in hübscher Qualität auf einer Regionalcode-freien Blu-Ray einer breiteren Masse zugänglich gemacht wird.

Terror in Tiny Town

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Buck ist der Sohn der Familie Lawson, die sich seit Jahren in tiefer Feindschaft mit dem Farmbesitzer Preston befindet. Was jedoch beide Familien nicht wissen ist die Tatsache, dass im Grunde der zwielichtige Bat Haines für den Streit verantwortlich ist, der von beiden Farmen Tiere abzweigt und auch vielfältige Weise Unfrieden in Tiny Town stiftet. Als Haines eines Tages mit seinen Männern auch die Postkutsche überfällt, in der sich die hübsche Nancy befindet, wird diese von Buck gerettet und die beiden verlieben sich an Ort und Stelle ineinander. Doch der strenge Preston verbietet seiner Nichte den Umgang mit Buck, der trotz dem Widerstand seines Vaters ebenfalls an dieser Liebe festhalten will. Wenig später geschieht ein heimtückischer Mord, der Buck in die Schuhe geschoben wird und während Nancy von der Unschuld des heldenhaften Mannes überzeugt wird, werden die Dorfbewohner von Haines so lange aufgewiegelt, bis diese zu drastischen Maßnahmen greifen…

„Terror in Tiny Town“ ist inhaltlich vermutlich ein ganz normaler Western seiner Zeit und bietet neben Postkutschen-Überfälle, zwielichtigen Gestalten, Besäufnissen im Saloon und eine Liebesgeschichte zwischen den Mitgliedern verfeindeter Farmen auch jede Menge Reiter-Action und Pistolen-Duelle. Doch etwas ist grundlegend anders im 1938 von Sam Newfield inszenierte Streifen, das den Zuschauer auch von der ersten Sekunde an ziemlich ins Auge springt: hier handelt es sich tatsächlich um einen Western in dem sich abgesehen von der kurzen Anmoderation ausnahmslos kleinwüchsige Darsteller tummeln, die auf Ponys reiten und auch mühelos unter (!) der Saloon-Schwingtüre durchgehen können. Während man mit Spannung die handelsübliche Geschichte verfolgt, hat man als Zuschauer aber trotzdem unweigerlich immer die Frage im Kopf, wie man so etwas nur bringen kann und amüsiert sich über die Tatsache, dass die Pony-Reiter mit erhöhter Geschwindigkeit gezeigt werden, um etwas mehr Dynamik in die ganze Sache zu bringen. Und ja, der Streifen ist natürlich total einzigartig, durchaus ernstgemeint und daher auch ein grundsympathisches Vergnügen mit kleinwüchsigen Darstellern, die ebenfalls sichtlich Spaß an der ganzen Sache haben und zwischendurch auch die ein- oder andere Gesangsnummer und deutschen Sätze (!) von sich geben. Der erste und einzige Western mit kleinwüchsigen Darstellern, den man dann auch nur noch abfeiern kann und der mich trotz Western-Aversion durchwegs begeistert hat, ohne dass man dafür das Wort „Trash“ in den Mund nehmen muss. Wer so wie ich ein Herz für abseitige und auch etwas unterschlagene Unterhaltung mit ungewöhnlichen, aber umso liebenswerteren Helden hat, wird mit „Terror in Tiny Town“ reichlich belohnt werden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Feb 2017, 21:07

Starship Troopers

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(Anti-)Kriegs-Actionfilme mit militärischer Komponente sind ja nicht gerade meine Baustelle bzw. ein Genre, dass ich sonderlich ernstnehmen kann und wenn ich irgendwas eigentlich so gar nicht mag ist das diese Art von Hurra-Patriotismus, die unterschwellige Aufrüstungs-Propaganda und heldenhafte Figuren(über)zeichnung, die dem Zuschauer bei dieser Art von Filmen auf eher unreflektierte Weise nahegebracht werden. Daher tue ich mir auch mit „Starship Troopers“ etwas schwer, auch wenn Verhoeven mit einer comichaften Art, Sci-Fi-Szenario und seinen Figuren mit dieser Art von Filmen abrechnet und in bester Propagandamanier auf eigentlich bitterböse Weise der imho ohnehin sehr offensichtlichen Lächerlichkeit preisgibt. Ich war seinerzeit im Kino schon nicht sonderlich begeistert und auch die gestrige Sichtung im englischen Original hat bewiesen, dass mir dieser Film mit seiner Thematik einfach nicht liegt und in Zeiten wie diesen, in denen von Populisten bewiesen wird, wie einfach doch ein bestimmtes Feindbild kreiert werden kann, habe ich ehrlich gesagt auch wenig Lust auf derartige Filme. Schon allein die Tatsache, dass es hier Sequels und sogar eine Serie gibt, zeigt doch eigentlich, dass der Kern der Sache bei vielen nicht so wirklich angekommen zu sein scheint, bzw. mancher sich hier ohnehin nur das herausnimmt, was er möchte…
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Feb 2017, 20:26

Weisse Sklavin der grünen Hölle

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Ein fast in allen Belangen unterdurchschnittliches Abenteuerfilmchen mit einem heldenhaften Bo Svenson als ehrenhafter Forscher, der sich mit einem Kumpel aufmacht um im Amazons Gold zu suchen und dabei in die Hände eines weiblichen Kriegerstammes unter der forschen Leitung von Anita Ekberg gerät. Mark L. Lesters Frühwerk „Gold of the Amazon Women“ ist wohl auch als TV-Film entstanden und nach dem turbulenten und leicht ruppigen Auftakt in New York geht es auch rasch in den Diskont-Urwald von Trinidad, der allerlei Gefahren unterschiedlichster Natur für die Abenteurer bereithält. Dabei ist es dramaturgisch natürlich wenig vorteilhaft, wenn im Vorfeld lang und breit über die tierischen Bedrohungen gesprochen wird, die prompt wenige Minuten später passieren und auch der relativ späte Kontakt mit den Amazonen wirkt aufgrund der arg billigen Settings ebenfalls wenig glaubhaft. Zwar sorgt Bösewicht Donald Pleasence als goldgeiler Drogenhändler Blasco dafür, dass immer etwas passiert und auch der Bodycount nicht zu kurz kommt, aber so richtig will die Mischung in „Weiße Sklavin der grünen Hölle“ nicht funktionieren und rangiert auch aufgrund seiner Harmlosigkeit an der Grenze zur Genre-technischen Belanglosikeit. Außerdem kommen einem die vorhersehbare Geschichte mit seinen lahmen Sprüchen, die Figuren und auch die Suche nach dem legendären Goldschatz sehr bekannt vor und aus der Kiste gibt es auch wesentlich unterhaltsamere Filme, als dieser lahme Vertreter, in dem neben den Amazonenkriegerinnen auch nur Bo Svenson eine gute Figur macht. Von der furchtbaren Qualität der omiösen deutschen DVD rede ich an dieser Stelle ja erst besser gar nicht...
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Feb 2017, 20:43

Eating Raoul

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Der konservative Weinverkäufer Paul und die nicht minder spießige Krankenschwester Mary träumen davon ein Restaurant am Lande zu eröffnen und so auch ihrem tristen Alltag in einem heruntergekommenen Wohnbau in Los Angeles zu entfliehen. Leider sind die Eheleute jedoch ziemlich blank und als Paul auch noch von einem Betrüger abgezockt wird und der Traum vom Kredit auch für Mary zerplatzt, scheint es das auch mit den Plänen gewesen zu sein. Als Paul im Affekt einen notgeilen Swinger mit der Bratpfanne erschlägt, der sich eigentlich nur im Apartment geirrt hat, kommen die Beiden jedoch auf die Idee, sich das Startkapital auf eher zweifelhafte Weise zu besorgen. Mary und Paul beschließen eine Annonce zu schalten um triebgesteuerte Menschen unter dem Vorwand sexueller Leistungen in die Wohnung zu locken und anschließend zu ermorden, um mit den Scheinen in ihren Geldbörsen doch noch das dringend benötigte Geld für eine Anzahlung zu bekommen, während die toten Körper im Müllschlucker landen. Das geht auch eine Zeit lang gut, bis ihnen der nicht minder durchtriebene Raoul auf die Schliche kommt und den beiden ein Angebot macht, dass sie ebenfalls nicht ablehnen können…

Schwarze Komödie über ein spießiges Pärchen im Kampf gegen triebgesteuerte Menschen und anderen Widrigkeiten des Lebens, die dabei auch etwas über die Stränge schlagen, als sich ihnen auf einmal auf unerwartete Weise die Chance dazu bietet. Dabei ist Paul Bartel ein sympathisches, kleines Filmchen gelungen, dass zwar abseits seines Inhalts etwas harmlos ausgefallen ist und humor-technisch nicht sein gesamtes Potential ausnützt, aber man kann sich schon gut vorstellen, dass im Jahr 1982 die Abrechnung mit dem biederen Mittelstand und seiner Neigung zu Habgier sehr gut angekommen ist. Die Figuren sind ja witzig und das Szenario über wilde Swinger-Partys im Plattenbau und andere Abartigkeiten im Escort-Gewerbe machen ebenfalls Laune, auch wenn der Streifen dabei sicher keine Schenkelklopfer-Komödie geworden ist. Es dauert auch etwas bis der Streifen in Fahrt kommt und der Titel verrät eigentlich auch das Ende, aber "Eating Raoul" macht Spaß und hat bei eher kurzer Laufzeit von knapp 79 Minunten auch ein paar sehr witzige Momente und unerwartete Überraschungen. Paul Bartels Streifen erinnert in seiner Bösartigkeit auch etwas an europäische, insbesondere österreichische Komödien neueren Datums und wer nichts gegen eine eher kostengünstige Machart, Achtziger-Flair und trockenen Humor hat, ist bei diesem hierzulande unterschätzten Streifen durchaus an der richtigen Adresse.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Feb 2017, 20:38

In my Skin

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Ziemlich herber Schocker irgendwo zwischen Arthouse-Psychodrama und Body-Horror über eine junge, attraktive und eigentlich erfolgreiche Frau, die beginnt sich in bestimmten Situationen ihres Lebens selbst zu verletzen und immer mehr dieser äußerst zweifelhaften Obsession verfällt. Dabei ist „In my Skin“ eine Geschichte über den Verlust des körperlichen und seelischen Gleichgewichts und Esther scheint sich und ihren Körper auch nur noch fühlen zu können, in dem sie in auf immer wildere Weise malträtiert, während ihr Umfeld zunehmend ratlos auf ihr irrationales Verhalten und ihre Erklärungsversuche reagiert. Regisseurin Marina de Van verzichtet größtenteils auf Erklärungsversuche und ein Unfall auf einer Party ist der Auslöser für ein Verhalten, dass die Hauptfigur immer mehr aus der Bahn wirft und sie in emotional belastenden Momenten zum Messer und sonstigen spitzen Dingen greifen lässt. Dabei zeigt schon das Splitscreen-Intro des Streifens zwei Seiten einer Situation, die einmal normal und einmal in umgekehrten Farben wiedergegeben wird und symbolisiert so wohl auch die Zerrissenheit der Figur, die sich mit Selbstverstümmelung vom erfolgreichen Job und nur scheinbar glücklichen Beziehung immer weiter selbst ins soziale Abseits manövriert. „In my Skin“ ist dann auch sicherlich kein einfacher Film für die breite Masse und teils auch kaum zu ertragen und so man kann sich gut die entsetzten Blicke des Programmkino-Publikums vorstellen, während hier Messer und sonstige Dinge im wahrsten Sinne des Worte immer weiter unter die Haut gehen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Feb 2017, 20:18

Moonwalker

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„Moonwalker“ präsentiert Michael Jackson am Höhepunkt seines Erfolges und beginnt mit einer Mischung aus Konzertfilm und Dokumentation, die den Werdegang des Superstars in einer Collage aus Momentaufnahmen, Statements und Videoclips Revue passieren lässt. Danach zeigt der Streifen die turbulente und augenzwinkernde Flucht vor Fans und Presse, ehe Michael im dritten und längsten Teil des Streifens seine drei Freunde Katie, Sean und Zeke vor einem Bösewicht retten muss und dabei heldenhafte und ungeahnte Transformationsmöglichkeiten an den Tag legt. Eingebettet in die Handlung finden sich dabei zahlreiche Videoclips und Live-Performances aus dem millionenfach verkauften „Bad“-Album und beeindruckende Special-Effects.

Zur Figur des Michael Jackson kann man ja stehen wie man will, aber seine Rolle im Pop-Olymp ist unbestritten und auch seine Musik auch irgendwie untrennbar mit meiner eigenen Jugend verbunden. Bei „Moonwalker“ habe ich mir eigentlich einen Musikfilm mit Handlung erwartet, doch leider enttäuscht der 1988 entstandene Streifen mit seiner Anthologie-Machart, die Videoclips, Spielfilmsequenzen und Doku-Schnipsel zu einem unausgegorenen Machwerk zusammenfügt, dass so als Spielfilm mit Musik auch nicht mehr so richtig funktionieren mag. Der Streifen beginnt auch schon etwas seltsam mit einem Konzertauftritt, dass massenhaft kreischende und kollabierende Leute zur Live-Darbietung von „Man in the Mirror“ montiert, ehe im Schnelldurchlauf die Karriere und das gesteigerte Interesse an der Person Michael Jackson präsentiert wird. Danach folgen weitere Auftritte und der Clip zum mir bislang unbekannten „Speed Demon“ sowie die augenzwinkernde Kiddie-Version von „Bad“, ehe der eigentlich Spielfilm-Teil mit den Kinder-Darstellern und Special-Effekt-Reigen beginnt. Herzstück hier der wohl ausreichend bekannte Clip zu „Smooth Criminal“ und eine Verwandlung Jacksons in Roboter, High-Tech-Auto und Raumschiff (!) um drei Freunde aus der Hand eines gewaltbereiten Gangsters zu retten. Alles fraglos gut gemacht und auf die Leinwand gezaubert ist es aber trotzdem schade, dass man hier keine bessere und vor allem durchgehende Rahmenhandlung finden konnte um die Musik etwas harmonischer unterzubringen. So ist „Moonwalker“ wohl auch nur für Fans interessant, die hier ausreichend ihrem Idol oder Jugenderinnerungen huldigen möchten, während alle anderen Zuschauer eher weniger bis gar nicht auf ihre Kosten kommen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Feb 2017, 20:22

Eko Eko Azarak: Wizard of Darkness

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Rund um eine japanische Schule ereignen sich seltsame Morde, die offensichtlich durch schwarze Magie ausgelöst werden und auch einigen aufmerksamen Schülern nicht verborgen bleiben. Wenig später erscheint mit Misa Kuroi eine neue Schülerin auf der Bildfläche, die sich mit schwarzer Magie und Hexerei auszukennen scheint und rasch mit der Klassensprecherin Freundschaft schließt, die sich auch als Expertin für Klatsch und Tratsch entpuppt und sie mit den Eigenheiten der Schule vertraut macht. Als Misa mit schwarzer Magie einen ungeliebten Lehrer kurzfristig außer Gefecht setzt, der wenig später jedoch einen weiteren Unfall erleidet gerät sie jedoch unter Verdacht, dass sie hinter der ganzen Sache steckt. Doch irgendjemand anderes hat es auf die Schüler abgesehen und treibt auch mit Misa ein böses Spiel, die ab diesem Zeitpunkt auch nur hilflos mit ansehen kann, wie eine böse Macht ihren Klassenkameraden nach dem Leben trachtet und auf brutale Weise ins Jenseits befördert.

„Eko Eko Azarak“ ist ja anscheinend eine der beliebtesten und langlebigsten Anime-Reihen aus Japan und die Abenteuer der jugendlichen Geister- und Dämonen-Jägerin entsprechend beliebt, sodass es neben der mehrteiligen Kinoreihe auch noch eine Serie und sonstige Ableger gibt. Die Verfilmung des ersten Kinofilms fällt aber eher unter die Kategorie „Geisterbahnfahrt“ und cineastischer „Junk Food“ und ist auch voll und ganz auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnitten. Statt den Figuren einen Background oder irgendeine Tiefe zu verleihen, konzentriert sich „Eko Eko Azarak: Wizard of Darkness“ auch eher auf blutigen Hokuspokus und eine Prise Lesben-Sex und ist dabei durchaus zeigefreudiger und unterhaltsamer Natur. Dabei gibt es die in Japan so beliebten Blutfontänen genauso wie sonstiges Gekröse aus dem Rechner, während sich die Handlung eher bescheiden gibt und neben „Hui Bui“ und „Whodunnit“ für den etwas älteren Zuschauer kaum irgendwelchen nennenswerte Dinge bereithält. Obwohl der Streifen sehr einfach und oberflächlich gehalten ist, macht er wiederum auch Spaß und beschert dem Zuschauer achtzig vergnüglich-blutige Momente, die eine Woche später aber vermutlich schon wieder gänzlich vergessen sind.

Black Emanuelle - Die nymphomanische Landärztin

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In einem kleinen italienischen Dorf hängt der Landsegen schief, da sich die beiden verfeindeten Familienoberhäupter Remo und Romolo der Wahl zum Bürgermeister stellen und keine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig anzuschwärzen. Dass die Tochter vom Remo eine Affäre mit dem Sohn von Romolo hat und eines Tages auch noch die attraktive Fatima erscheint um ihren Job als Landärztin anzutreten und dabei allen männlichen Dorfbewohnern gründlich den Kopf verdreht, macht die Sache ebenfalls nicht gerade einfacher. Während Fatima eher amüsiert die Verwicklungen und den Konkurrenzkampf der beiden Alpha-Männchen zur Kenntnis nimmt und ihrerseits eine Affäre mit Gastone hat, steht bald das halbe Dorf mit vermeintlichen Krankheitssymptomen und Hintergedanken in der Praxis, während auch der Wahlkampf immer mehr an Fahrt auf nimmt und nicht ohne entsprechende Opfer bleibt.

Italienische Erotik-Komödien und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr und ich konnte „Black Emanuelle – Die nymphomanische Landärztin“ auch noch weit weniger als die beiden Herrschaften vor mir abgewinnen. Der Streifen von Mario Bianchi ist ja auch lediglich eine billig und lieblos heruntergekurbelte Aneinanderreihung von halblustigen Momenten und ausgedehnten Fummel-Sequenzen, die auch weder Herz oder Hose berühren, sondern im Gegenzug sogar eher langweilen und sich mit zunehmender Laufzeit als äußerst nervig entpuppen. Mit etwas mehr Engagement hätte man mit dem Cast ja durchaus die Doppelmoral der Landbevölkerung aufs Korn nehmen und/oder einen augenzwinkernden Konkurrenzkampf zweier Alphamännchen um das Bürgermeisteramt machen können, aber das Ergebnis hier kommt nie so richtig in die Puschen und auch Laura Gemser und ihre Rolle als nymphomanische Landärztin ist auch nur eher lose die ohnehin sehr lahme Handlung integriert. Ein richtiges Drehbuch scheint es ja nicht gegeben zu haben, sondern lediglich eine Handvoll Ideen, die dann umgesetzt wurde und im italienischen Schnitt-Mixer wahllos aneinandergereiht wurden. Nö, so macht das alles keinen Spaß und das Laura Gemser hier auch noch eine völlig unpassend erscheinende Synchron-Stimme hat und auch ihre Figur eher unsympathisch erscheint, setzt dem ganzen Desaster von einem Film dann noch die Krone auf. Danke, aber nein danke!
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