DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Nov 2011, 14:11

DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN

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Originaltitel: La notte che Evelyn uscli della tomba
Alternativtitel: Die Grotte der lebenden Leichen; Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam; Stumme Schreie
Land: Italien
Jahr: 1971
Genre: Horror
Regie: Emilio Miraglia

Handlung:
Lord Alan Cunningham (ANTHONY STEFFEN) trauert seiner verstorbenen Frau Evelyn nach. Um mit dem Verlust klarzukommen tut er das logisch erscheinende (Sarkasmus!) und bringt einige Prostituierte um. Doch als er die junge Gladys (Marina Malfatti) kennen lernt entdeckt er die Liebe wieder und heiratet sie kurzerhand. Damit stoppen seine Probleme jedoch nicht, denn furchtbare Visionen Evelyns plagen ihn und langsam beginnt er sich zu fragen, ob seine alte Flamme vielleicht dem Grab entstiegen ist…

Kritik:
„Die Grotte der vergessenen Leichen“ ist einer der wenigen Filme für westernhassende Anthony-Steffen-Liebhaber (sofern es welche geben sollte). Mein Anthönchen verlässt hier mal sein Stammgenre und findet sich in neuen Gefilden erstaunlich gut zurecht (aber keine Sorge, in einer Szene hat er zumindest einen Hut auf ;) ). Trotz seines wie immer versteinerten Gesichtes schafft er es, dass das Publikum sowohl Mitleid mit als auch Abscheu für den herummordenden Trauerklos fühlt.
Unterstützt wird er von einer kleinen Riege bekannter Frauen und Männer, die ihre Parts ebenfalls glaubhaft rüberbringen. Die weiblichen Darsteller zeichnen sich zudem in diesem Film durch ein besonders geringes Maß an Scham und ein daraus resultierendes größeres Maß an Freizügigkeit aus. :sabber:
Emilio Miraglia, dessen Werk als Regisseur sehr überschaubar blieb, inszeniert nicht mit großem Talent dafür aber mit umso mehr Mühe. Wir merken oft worauf seine filmischen Kunstgriffe ausgerichtet sind, auch wenn sie dieses nicht immer erreichen, aber allein die Tatsache, dass er sich doch einige Gedanken zu seinem Projekt gemacht hat sollte für ihn sprechen.
So setzt er ein paar Mal bavareske ( :? ist das ein Wort?) Lichteffekte ein, die aber eben nicht die Stimmung eines Mario Bava Filmes erzeugen. Die Flashbacks mit der nackten Evelyn erinnern mich persönlich an d’Amatos „Mörderbestien“, welches zwar nach „Die Grotte der vergessenen Leichen“ erschienen ist, bei dem die Flashbacks dafür aber umso atmosphärischer wirken. Wenigstens im letzten Drittel erzeugt Miraglia eine schöne Gruselstimmung.
Die Handlung funktioniert einerseits und hält das Publikum bei Laune ist aber auch nicht das Innovativste schlechthin. Von einer Frau, welche einen Mann heiratet, der seiner verschiedenen Erstgemahlin nachtrauert und möglicherweise ein paar Leichen im Keller hat, können wir in „Rebecca“ lesen und den Plottwist am Ende kannte ich schon aus einigen Roger Corman Filmen.
Ein wenig könnte ich bekritteln, dass der Film seine Zeit benötigt um mit der Figur Marina Malfattis die Haupthandlung einzuführen. Die erste halbe Stunde ist nur Einleitung mit einem prostituiertenmordenden Anthony Steffen. Aber, wie erwähnt, Steffens Performance ist nett anzusehen und deshalb macht es nichts aus, dass der Film auch ohne erstes Drittel funktioniert hätte.
Die Musik von Bruno Nicolai gemahnt mich, wie viele Nicolai-Scores, an die Werke Morricones, unter dem Nicolai ja einige Zeit tätig war; doch dies ist kein Problem, denn der Soundtrack passt stets zum Geschehen und ist dem Ohre wohlgefallen.
Abschließend ist noch zu sagen, dass ich den Film rein persönlich liebe. Ich liebe die schräge Performance die Steffen seiner irren Rolle gibt, ich liebe seine witzige Garderobe mit Hosen in allen Regenbogenfarben, ich liebe es dass man obwohl er ein Mörder unschuldiger Freudenmädchen ist nicht umhinkonnte ihn im Endeffekt doch zum Helden der ganzen Geschichte zu machen, und ich liebe den Film als Ganzes, weil er den geschätzten Zuseher stets mit Trasheinlagen hält. :D
Fazit: Regie, Drehbuch und Musik haben nicht wirklich was Neues erschaffen, aber etwas das hundertprozentig funktioniert und viel Unterhaltung bietet. Außerdem ist es erfrischend Anthony Steffen mal in einer Rolle zu sehen, deren Name nicht auf einem populären Corbucci-Charakter basiert. ;)
Filmtechnisch: 7/10
Trash: 6/10
Total subjektive Bewertung meinerseits: 10/10 :thup: :thup: :thup:
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 22. Nov 2011, 14:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Nov 2011, 14:13

DER LETZTE ZUG NACH DURANGO

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Originaltitel: Un treno per Durango
Land: Italien, Spanien
Jahr: 1967
Genre: Western
Regie: Mario Caiano

Hier eine Kritik, die vielleicht ein wenig merkwürdig formuliert ist (viele Wort wie witzig, lustig und meisterhaft kommen übertrieben oft vor), aber das liegt nur an meiner Euphorie, die ich nach Sichtung dieser Witzkanone hatte.

Handlung:
Die beiden Herumtreiber Gringo (ANTHONY STEFFEN) und Luca (Enrico Maria Salerno) kaufen mit ihrer letzten Habe zwei Fahrkarten nach Durango. Doch der Zug wird von mexikanischen Revolutionären überfallen, die einen Goldsafe sowie die hübsche Journalistin Elèn (Dominique Boschero) mitgehen lassen. Von dem Gold und wohl auch von Elèn mundwässrig gemacht, machen sich unsere Helden auf um beides aus den Händen der Mexikaner zu stibitzen…

Wenn man mich nach meinem liebsten Spaß-Western fragen würde, bekäme man keinen Terence-Hill-Film zur Antwort, sondern den herrlichen „Der letzte Zug nach Durango“!
Ich frage mich eh mindestens zweimal täglich, warum diesem Streifen bis dato nicht mehr Beachtung entgegengebracht wurde. Er veräppelt das sonst so ernsthafte Genre des Italowesterns meisterhaft und dies zu einer Zeit, als Enzo Barboni noch hinter der Kamera und nicht im Regiestuhl saß.
Die Regie übernahm Mario Caiano, der sich mit ernsten Western schon auskannte und offenbar auch einen Sinn fürs Komische hat. Er inszeniert die Gags mit wunderbarem Timing und leistet auch außerhalb der Witzelein eine gute Arbeit im Aufbau von Spannung.
Am Drehbuch war Duccio Tessari beteiligt, welcher mit „Sundance Cassidy und Butch the Kid“ einen weiteren, wenn auch schlechteren Frühklamaukwestern schuf. Für „Der letzte Zug nach Durango“ ließ er sich ein paar tolle Ideen einfallen. Zu nennen ist neben den Unmengen an überzeichnet lustigen Situationen das finale Duell, bei dem die Kontrahenten keine Kugeln mehr in den Revolvern haben, diese Tatsache aber nicht wissen. Der Humor in dieser Szene entsteht besonders dadurch, dass sie von Caiano wie ein typisches ernsthaftes Duell a la Leone angelegt wurde, eben nur mit 0 Risikofaktor.
Neben der Arbeit des Teams hinter der Kamera sind es in erster Linie die Haupt- und Nebendarsteller die diesen Streifen unvergesslich machen, allen voran Anthony Steffen. Mein Anthönchen ist mit viel Spaß bei der Sache und lockert sein Stoneface, auch wenn er in dieser Beziehung nicht an seinen Partner Salerno herankommt, ein wenig auf. Daneben ist es allein das Faktum Anthony Steffen, den Helden mit den tragischsten Rollen, in einer Persiflage zu sehen, was den Film einmalig komisch macht. Er müsste nicht mal was machen, ich lache mich auch so schon unter dem Tisch wenn in einem Steffen-Western ein Gag vorkommt.
Ich kann einfach nicht umhin hier die Pfefferoni-Szene zu erwähnen, sorry aber diese geniale Szene darf nicht unerwähnt bleiben. Steffen und Salerno gehen in eine Bar, wo Ihnen Pfefferoni offeriert werden. Salerno isst seinen sichtlich unbekümmert, warnt seinen Partner aber vor der Schärfe. Steffen, cool wie eh und je beist von dem Ding ab und…selten so gelacht! :kicher:
Salerno ist in Höchstform und strahlt eine verspielte Heiterkeit aus, wie sie nicht mal Hill, Hilton und Gemma zusammen hinbekämen. Mark Damon macht den übertrieben lässigen James Bond und Dominique Boschero parodiert mit viel Witz eine hinterlistige Femme Fatala (P.S. und sieht einfach atemberaubend aus, wenn sie sich im Korsett wäscht und dazu ein französisches Liedchen trällert :pfeif: :arrow: :sabber: ).
Die weiteren Nebendarsteller sind das Beste vom Besten. Roberto Camardiel als dümmlicher Revolutionsgeneral, Jose Bodalo als…ein anderer dümmlicher Revolutionsgeneral und Aldo Sambrell als patriotischer Soldat, der sein Land aber auch mal ganz gerne hinter die eigenen Interessen stellt. Jede einzelne dieser Rollen ist für zahllose Späße gut und beweist, dass Caiano seine Darsteller im Griff hatte und eine tolle Stimmung am Set erzeugt haben muss.
Fazit: Das Lustigste was der Italowestern je hervorgebracht hat. Lustige Regie von Caiano, lustiges Drehbuch von Tessari, Kamera geführt von Spaßwestern-Legende Barboni und das ganze mit einer Reihe hervorragender Darsteller in Höchstform. 10/10 (ich kenne sonst niemanden, der diesem Film die Höchstwertung geben würde, aber als das was er ist und was er sein will, ist er einfach perfekt. :thup:
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Nov 2011, 14:15

EIN STOSSGEBET FÜR DREI KANONEN

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Originaltitel: Professionisti per un Massacro
Land: Italien
Jahr: 1967
Genre: Western
Regie: Nando Cicero

Inhalt:
Ein böser abtrünnige Offizier (Gérard Herter) hat eine Kiste Gold von seiner Armee mitgehen lassen. Drei Kriegsverbrecher – ein Prediger (George Hilton), ein Pferdedieb (George Martin) und ein Gentleman Gauner (Edd Byrnes) – entgehen dem Erschießungskommando mit dem Versprechen das Gold zurückzubringen. Doch dieses haben sich mittlerweile die Mexikaner (unter José Bódalo) unter die Nägel gerissen…

Kritik:
Selten wurde ein Italowestern von der deutschen Synchro so verunstaltet und selten kam die Synchro so gut mit ihren Verbrechen davon, denn dieses Mal passt die deutsche Idiotenversion verhältnismäßig gut zum Ton des Filmes.
Hilton, Byrnes und Martin spielen drei lustige Käuze im Stil von „Die Zwei“ und da macht es gar nichts, wenn man Byrnes’ Stimme ein wenig anschwult oder Sätze wie „Gib mir Scheuerfutz…äh…Feuerschutz“ in den Raum stellt. Und mal ehrlich, drei Helden bestehend aus einem pyromanischen Expriester, der orgastialische Jubelrufe ausstößt wenn etwas in die Luft geht, einem verlausten Mexikaner der sich immer wieder als Pferdeflüsterer versucht und einem gestylten Revolvermann laden wirklich dazu ein den Film spaßiger zu machen, als es wohl die eigentliche Intension war.
Da fast der gesamte Witz von den drei Hauptfiguren ausgeht, behalten die Schurken ihre Diabolik ohne albern zu wirken, was nicht zuletzt auf den bewehrten Leistungen von Herter und Bódalo beruht. Besonders letzter gibt uns einen brutalen Bösewicht, der selbst seinen General Hugo an Unberechenbarkeit überbieten würde.
Getadelt muss an diesem Film eigentlich nur die lahme Story werden. Das Drehbuch weist a) keine Überraschungen auf, alles was geschieht ist kilometerweise vorherzusehen b) beinhaltet Figuren und ganze Szenen die für die Handlung absolut irrelevant sind und c) schafft es drei Showdowns hintereinander langweilig herüberzubringen. Ja, wir bekommen DREI Showdowns mit drei super Bösewichtern und jedes Mal ist es das selbe: Irgendetwas explodiert irgendwo und schwups die Bösen sind tot – LAHM!!!!
Ob letzter Punkt wirklich eine Schwäche von Drehbuch und Regie ist kann ich nicht genau sagen, weil meine DVD arg beschnitten ist und es sich mancher Orts erahnen lässt, dass der Originalfilm mehr Gewalt beinhaltet hat als hier gezeigt wird. Trotzdem lege ich jedem den Kauf dieser Black-Hill-Veröffentlichung ans Herzen, denn das Bild ist erstaunlich gut und allein dass so ein unbekannter Spaghetti Western auch außerhalb Kochs veröffentlicht wird, ist des Lobes wert.
Fazit: Die drei fabelhaften Hauptdarsteller sind hier in bester Laune und zu allen möglichen Späßen aufgelegt, welche von der deutschen Synchronisation nochmals unterstrichen werden. Leider ist das Skript viel zu grottig um einen wirklich guten Film daraus zu machen. 7/10
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon purgatorio » 22. Nov 2011, 14:58

oha... :shock: Der Doc2 hat sich ein Filmtagebuch angelegt. Fiel mir erst jetzt auf :?
Naja, viel Vergnügen damit :thup: :prost:
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Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Nov 2011, 15:01

purgatorio hat geschrieben:oha... :shock: Der Doc2 hat sich ein Filmtagebuch angelegt. Fiel mir erst jetzt auf :?
Naja, viel Vergnügen damit :thup: :prost:


Man dankt :D :prost:
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Nov 2011, 14:39

DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES

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Originaltitel: Le notti del terrore
Alternativtitel: Zombie 3; Zombie Horror
Land: Italien
Jahr: 1981
Genre: Horror
Regie: Andrea Bianchi

Handlung:
Ein alter Professor erweckt in einer Gruft nahe seines Anwesend die Toten wieder zum Leben. Schlagartig wimmelt das ganze Gebiet von Zombies. Damit die lebenden Leichen nicht ohne Abendbrot ins Bett gehen müssen hat der Professor sicherheitshalber eine Reihe junger Pärchen auf einen kleinen Urlaub in seine Villa eingeladen. Eine Nacht des Terrors beginnt…

Kritik:
Ach welch herrliches Trashkino. Auch wenn es für mich nicht ganz an „Zombies unter Kannibalen“ herankommt ist und bleibt es trashige Perfektion, die von der ersten bis zur letzten Sekunde bestens zu unterhalten weiß.
Der offenbar betrunkene Kameramann wackelt in einigen Szenen so, dass einem das „Blair Witch Project“ schon fast wie ein Werner-Herzog-Film vorkommt. Die Regie weiß den amateurhaft wirkenden Kamerastil allerdings gut für sich zu nutzen und baut hier und da durchaus düstere Atmosphäre auf. Auch wenn ich den Regisseur jetzt nicht unbedingt als zweiten Fulci bezeichnen würde ist er nicht ganz talentfrei.
Anders die Rollen und ihre Darsteller. Das Drehbuch hat sich bei den Charakteren genauso wenig Mühe gegeben wie dabei, Logik in das ganze Geschehen zu bringen und die Schauspieler sind grottig genug um diesen unterentwickelten Gestalten würdig zu sein. Jede Person ist so uninteressant, dass man nie weiß für wen man jetzt eigentlich hoffen soll und nun, eine halbe Stunde nach dem ich mir den Film angesehen habe, sind sie alle schon wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden – natürlich bis auch Michael und seine Mutter.
Ah, Michael, dieses herrliche Kind, welches von einem kleinwüchsigen Erwachsenen (Peter Bark) gespielt wird. Wenn immer er ins Bild kommt schwappt plötzlich eine Welle absoluten Trashes über den Bildschirm und in meinem Herzen macht sich ein wohliges Gefühl breit. Dabei finde ich den Schauspieler nicht mal schlecht! Im Gegenteil, er benimmt sich viel kindlicher als jeder 0815 Kinderdarsteller, die einem sonst geboten werden. Er kann mitleiderregend aber auch sehr unheimlich rüberkommen.
Die Zombies fand ich auch super. Natürlich sind die Masken billig wie der Rest des Streifens und man hat wieder mal vergessen auch die Gliedmaßen der Untoten zu schminken, aber daran dass die Masken sehr individuell sind und verschiedenste Stadien der Verwesung aufzeigen kann man erkennen, dass sich der Maskenbildner trotz sichtlich fehlender Mittel viel Mühe gegeben hat.
Anfangs fürchtete ich noch, dass die Zombies wenig drauf haben werden und nur durch die Idiotie der Helden zu ein paar Leckerbissen kommen, aber spätestens wenn sie den Werkzeugschuppen plündern war ich beruhigt und ich konnte mich auf ein paar richtig schöne Szenen gefasst machen.
Das Titelthema klingt sehr jazzig. An sich nichts Schlimmes, aber zum Grundton passt es genauso gut wie die „Rhapsody in Blue“ zu „Halloween“ passen würde. Der restliche Soundtrack ist irgendwas zwischen Staubsauger und Fliegenklatsche-haut-mehrmals-auf-Holz.
Fazit: Kein guter Film, bei denen sich aber Regie und Maske sichtlich Mühe gegeben haben, was sich in der bedrückenden Atmosphäre zeigt, die hier und da aufkommt. Und der Erwachsene der das Kind spielt sorgt für Trash von edelster Sorte,
Filmtechnisch: 3/10
Trashige Unterhaltung: 10/10 (8 davon wegen Michael! :D )
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Nov 2011, 14:40

DER KILLER VON WIEN

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Originaltitel: Lo strano vizio della Signora Wardh
Land: Italien, Spanien
Jahr: 1971
Genre: Giallo
Regie: Sergio Martino

Handlung:
Mrs. Wardh (Edwige Fenech), die Frau eines einflussreichen Geschäftsmannes, reist nach Wien. Dabei macht ihr nicht nur ihre neue Affäre (George Hilton) und ihr alter, noch immer von ihr besessener Liebhaber (Ivan Rassimov) Kummer, sondern auch ein mysteriöser Killer, der sich in der Stadt des Walzers für die Morde an einigen jungen Mädchen verantwortlich zeigt.

Kritik:
Zunächst Mal, was mir an diesem Film besonders gut gefallen hat:…Er spielt in WIEN! Yeah, George Hilton ist mal durch meine Heimatstadt gelaufen, hurra und Edwige Fenech hat ein Bad in meiner Heimatstadt genommen, jippie! Auch wenn mir als echten Wiener ein paar Fehler aufgefallen sind (wenn sie zum Beispiel gerade eine Straße in der Innenstadt entlang fahren, die sie theoretisch soeben verlassen hatten), war es ein Erlebnis für mich sondergleichen.
Und nun was mir gar nicht gefallen hat: Gegen Ende verlegen sie die Handlung nach Spanien, was zum Teufel haben sie sich dabei gedacht? Ich kaufe keinen Film namens „Der Killer von Wien“ um Spanien zu sehen.
Naja, um von meinem Trip runter zu kommen und den Film ein wenig objektiver zu betrachten muss man Sergio Martino für seine Arbeit hier wirklich loben. Die Spannung wird aufrecht erhalten, die Mordszenen sind zwar nicht so over the top wie sagen wir in einem Fulci Werk aber trotzdem sehr effektiv durch schnelle Schnitttechnik in Szene gesetzt.
Die Massen von Plottwists am Ende haben mich jetzt auch nicht so gestört, anders als bei schlechteren Genrebeiträgen haben wir hier stets das aufregende Gefühl, dass noch etwas geschehen wird, und dieses Gefühl lässt uns erst wieder los, wenn der Abspann rollt.
Die Musik muss sich keinesfalls hinter Morricones Giallo-Soundtracks verstecken (hinter Goblin schon, aber wer muss das nicht) und die Darsteller sind wunderbar besetzt und spielen allesamt die Rollen in denen sie am besten sind.
Edwige Fenechs Rolle allen voran ist, mal abgesehen von ihrem phänomenalen Aussehen, welches uns Martino in seiner vollen Pracht vor die Kamera rückt, ein sympathischer Charakter, den wir, trotz ihrer Laster und ihrer Untreue doch in Sicherheit wissen wollen und mit dem wir mitfühlen können.
George Hilton ist der perfekte zwielichtige Playboy und obwohl der Typ unsagbar sympathisch ist schafft er es jedes Mal auch unheimliche Figuren hier unter Beweis stellt. Das Gleiche gilt für Bruno Corazzari, der zwar nur eine Minirolle übernimmt, aber man freut sich doch immer wenn man ihn in einem Film sieht.
Fazit: Ich denke alles in allem ist der Film eine 9/10 wert. Er ist ein idealer Vertreter seines Genres, an Spannung kaum zu überbieten und der eine Punkt zur vollen Punkteanzahl fehlt ihm nur weil er nicht die stilistische Perfektion eines Profondo Rosso aufweist (aber wer tut das schon). Und außerdem hat mir der Spanien-Teil nicht gefallen. Ich mein wirklich, Wien war doch eine perfekte Lokation, warum habt ihr einen Teil in Spanien gefilmt, das geht mir einfach nicht in den…
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Nov 2011, 14:41

CAMP BLOOD

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Originaltitel: Camp Blood
Land: USA
Jahr: 1999
Genre: Horror
Regie: Brad Sykes

Handlung:
Vier Freunde – ein Finalgirl, ihr charakterloser Freund, eine blonde Schlampe und ihr Arsch von Freund – unternehmen eine Campingtour in die Wildnis. Ihre Führerin erzählt ihnen eine unheimliche Geschichte von einem Killer mit Clownsmaske, der in den Wäldern angeblich sein Unwesen treibt…am nächsten Morgen finden sie die erste Leiche.

Kritik:
Mein erster Eindruck war, dass der Film etwas Ähnliches versucht wie das Blair Witch Project. Wir bekommen nämlich eine Kamera in Camcorderqualität, doch nach den ersten paar Schnitten fiel mir dann auf, dass dem Regisseur/ Drehbuchautor Brad Sykes wohl einfach keine professionelle Kamera zur Verfügung stand…ja, wir haben mit „Camp Blood“ offensichtlich einen Hobbyfilm vorliegen, den ein horrorbegeisterter Filmfan mit ein paar Bekannten in den lauschigen Wäldern von nebenan gedreht hat, und der es aus mir unerfindlichen Gründen bis zu einer DVD-Veröffentlichung geschafft hat (haben Astro und Laser Paradise nichts Besseres zu tun).
Wenn das wirklich der Fall ist muss jedoch dazu gesagt werden, dass allein die Regie und der Schnitt unerwartet professionell wirken. Oft gelingt es ihm Spannung aufzubauen und eine mulmige Stimmung zu erzeugen obwohl noch gar kein Killer aufgetaucht ist. Filmische Kunstgriffe wie eine Verfolgungsjagd ohne Geräusche nur mit Hintergrundmusik tragen stets zur Gruselstimmung bei. Lob ist hierfür auch dem Soundtrack zuzusprechen, der sich auf ein paar Instrumentengeräusche beschränkt diese aber richtig einsetzt.
Was mir am Drehbuch gefällt ist, dass es nicht versucht irgendetwas Besonderes zu sein und daran kläglich scheitert (wie viele Horrorkomödien heutzutage) sondern eine gute altmodische Slasherhandlung vorgibt, inklusive allen denkbaren Klischees (wir bekommen sogar einen Crazy Ralph Verschnitt), die bis heute wunderbar funktionierten. Dass sich Sykes bestens in seinem Genre auskennt, beweisen die Anspielungen auf Horrorgrößen wie den Killer Cunningham zu nennen oder einen Dr. West (Re-Animator) auftreten zu lassen. Die ulkigen Dialoge sorgen zusätzlich für einen gewissen Trash-Faktor. „Das (der Killerclown) ist eine Geschichte, die sich die Bewohner ausgedacht haben um die Touristen fernzuhalten.“ – Ja ja diese bösen Touristen, die massenweise in unser Drei-Mann-Dörflein strömen und ihr Geld in unseren Einrichtungen ausgeben wollen, zur Hölle mit ihnen!
Der Film stinkt nur bei den Rollen und ihren Darstellern gehörig ab. Wie aus der Inhaltsangabe ersichtlich ist haben wir es mit Stereotypen aus dem Bilderbuch zu tun. Ich mag ja Klischees aber bei so 08/15 Personen vergeht einem richtig die Lust, da man ja sowieso im Vorhinein schon weiß wer überlebt und wer nicht. Mit den Sterbenden haben wir auch überhaupt kein Mitleid, wenn es sich um Charaktere wie die nervige blonde Standart-Schlampe handelt, die auf den Campingausflug einen gigantischen Reisekoffer mitnehmen muss. Um ehrlich zu sein, das Pärchen, welches am Anfang vor dem Vorspann umgebracht wurde war um einiges sympathischer attraktiver interessanter und besser gespielt als unsere Hauptpersonen.
Zu den Darstellern lässt sich wenig sagen, es sind halt alles Amateure, grottenschlecht, aber was erwartet man denn? (Auch wenn die Hauptdarstellerin am Ende offenbar schon einiges dazugelernt hat und ziemlich ergreifend rüberkommt.) Dass die Synchronisation sich den miesen schauspielerischen Leistungen angepasst hat und ziemlich grottig daherkommt ist allerdings des Tadels wert.
Die Mordszenen sind wiederum sehr nett inszeniert. Es scheinen bei den Special Effects kleine Tom Savinis (na ja, sagen wir sehr kleine) am Werk gewesen zu sein, denn einige Stichverletzungen kommen ziemlich gut rüber und auch eine Überfahrung ist so gekonnt gefilmt, dass man nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, dass da eine Puppe unter die Räder gekommen ist.
Am Ende gibt es dann doch noch einige Plottwists, die nicht unbedingt nötig gewesen wären, aber auch nicht sonderlich stören. Im Großen und Ganzen verging die Zeit bis dato sehr schnell. Der Streifen dauert grade mal gute 70 Minuten und weist daher keine Längen auf.
Fazit: Offenbar von Hobbyfilmern gedrehter Slasher, der es irgendwie auf DVD geschafft hat. Was dem Regisseur/ Drehbuchautor aber an Originalität und Erfahrung fehlt macht er durch sichtliches Talent wieder wett.
Filmtechnisch: 4/10
Trash: 6/10
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Nov 2011, 14:42

CAMP BLOOD 2 - THE REVENGE

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CAMP BLOOD 2 - THE REVENGE

Originaltitel: Camp Blood 2
Alternativtitel: Zombie 3; Zombie Horror
Land: USA
Jahr: 2000
Genre: Horror
Regie: Brad Sykes

Handlung:
Trisha, welche die Ereignisse des ersten Teils lebend überstanden hat, wird von einem Regisseur augagiert, der Verfilmung der tragischen Geschehnisse aus dem ersten Teil beizuwohnen. Doch bevor die erste Szene im Kasten ist beginnt ein Killer mit Clownsmaske schon ein Crewmitglied nach dem anderen zu meucheln.

Kritik:
Der Film beginnt mit einem Pärchen im Wald, welches von dem Killer umgebracht wird. Wir realisieren, dass wir versehentlich den ersten Teil eingelegt haben, wechseln die DVD und können nun endlich „Camp Blood 2“ ansehen, der mit einem Pärchen im Wald beginnt, welches von dem Killer umgebracht wird.
Diese Anfangssequenz lässt schon befürchten, dass Brad Sykes für seine Fortsetzung einfach aus den Klischees die er schon im ersten Teil ausgeschlachtet hat, noch den letzten Saft rauspressen will. Weit gefehlt, „Camp Blood 2“ ist in gewisser Weise das genaue Gegenteil des Vorgängers.
Durch die Handlung um den Filmdreh bietet sich Sykes die Möglichkeit mit sehr viel Selbstironie ans Werk zu gehen. Szenen wie die, in welcher ein Schauspieler den Regisseur überredet den Killer ohne Machete angreifen zu lassen, weil ihm das zu gefährlich sei, liefern mir zumindest einige Erklärungen für Ungereimtheiten im ersten Teil.
Nett ist auch die Stelle an welcher der Regisseur einer Darstellerin erklärt, dass sie eine Nacktszene hinlegen muss, weil zumindest eine Nacktszene für einen erfolgreichen Film notwendig ist und wir als Zuseher gleich in der nächsten Einstellung eine Nacktszene zu sehen bekommen.
Natürlich ließ sich Sykes diesmal wieder nicht lumpen eine Horrorreferenz nach der anderen (nicht nur auf „Blood Camp 1“) einzufügen. So trägt der geplante Film des Regisseurs den Titel „Within the Woods“ (Get it? Get it?) und wir bekommen erklärt, dass der Killerclown das Potential hätte der neue Freddy Krueger zu werden (ja klar, der Killer aus „Prom Night“ hatte mehr Potential dazu als dieser hier).
Sonst haben Regie und Drehbuch ein wenig nachgelassen. Die unheimliche Atmosphäre musste plumpen Jumpscares weichen. Es wird zwar versucht mit bunter Beleuchtung hier und da ein wenig Stimmung reinzubringen (offenbar hat Sykes mittlerweile ein paar Mario Bava Filme ansehen können), die will nur diesmal nicht so richtig kommen.
Was für mich diesmal die größte Schwäche war, ist, dass die gesamte erste Hälfte praktisch nur aus Filler besteht. Uns werden lange Dialogpassagen geboten, die ins Nirgendwo führen und wir bekommen geschätzte zwanzig Mal die Ereignisse des ersten Teiles Revue passiert, meistens mit visueller Unterstützung.
Wenigstens ist die zweite Hälfte dann unterhaltsamer, denn wir haben mehr Leute zum killen und weniger Zeit dafür, denn dieser Film ist (Gott sei Dank) wieder nach guten 70 Minuten beim Abspann angelangt.
An dieser Stelle müssen wir dann mit einigen Löchern in der Geschichte fertig werden, die nicht wirklich gefüllt werden. Warum ist der Psychiater plötzlich für das Filmprojekt? Wer hat die beiden am Anfang getötet???
Kleiner Trost: Darsteller und Rollen sind diesmal besser! Jennifer Ritchkoff hat in dem Jahr, das seit dem ersten Teil vergangen ist, viel dazugelernt und bietet uns eine überzeugende psychisch Labile. Der „Regisseur“ spielt zwar gnadenlos übertrieben, da seine Rolle aber mehr einer Karikatur gleicht als einer seriösen Gestalt ist das durchaus gutzuheißen. Die „Schauspieler“ im Film spielen die Personen aus dem ersten Teil. Das Schöne dabei ist, dass die Charaktere der Akteure überhaupt nicht mit den Charakteren dieser Rollen überein stimmen. Sie sind immer noch flach, aber all die Stereotypen sind wenigstens ein bisschen anders verteilt (die Schlampe vom Dienst ist diesmal brünett und nicht blond!), was sie interessanter macht.
Bevor ich’s vergesse: Die Mordszenen sind hier wieder erste Sahne und können sich inzwischen schon mit einem professionellen Horrorfilm (na ja, sagen wir halbwegs professionellen) messen.
Fazit: Mit mehr Ironie gedrehte Fortsetzung, welche zwar origineller daherkommt, aber einiges an Atmosphäre eingebüßt hat und ihre 70 Minuten nur durch gewagten Einsatz von Filler hinbekommt.
Filmtechnisch: 3/10
Trash: 5/10
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Nov 2011, 14:44

DR. JEKYLLS UNHEIMLICHER HORRORTRIP

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Originaltitel: Dr. Jekyll e gentile Signora
Alternativtitel: Jekyll Junior.; Dr. Jekylls`s unheimlicher Horrortrip (der stand auf meiner DVD :doof: )
Land: Italien
Jahr: 1979
Genre: Komödie
Regie: Steno („Der Größte Lustspielregisseur der Welt“ – stand auf der DVD)

Handlung:
Vor hundert Jahren lebte ein netter Kerl namens Mr. Hyde, der sich nach Einnahme eines selbstgebrauten Elixiers in den bösen Dr. Jekyll verwandelt hatte. Er richtete sich selbst, doch da er unsterblich ist (hinterfragt die Handlung nicht) lebt er noch heute und arbeitet für das skrupellose Unternehmen Pantak. Eines Tages findet er im Keller seiner Villa seinen Großvater der irgendwie auch Mr. Hyde ist. Der zeigt vor seinem Ableben seinem bösen Neffen die Tränke mit denen man Menschen besser oder schlechter machen kann. Durch einen Trick bringt er Jekyll dazu vom Nettigkeitstrank zu kosten worauf dieser zum philanthropischen Mr. Hyde wird…

Kritik:
Die Grundidee fand ich gar nicht mal so schlecht! Zu zeigen, dass in der heutigen Welt, die von skrupellosen Geschäftsleuten regiert wird, nicht mehr der gute Jekyll zum abnormalen bösen Hyde mutiert, sondern der böse Jekyll zum guten Hyde und als solcher ein unerwünschter Fremdkörper ist, ist ein intelligentes Unterfangen, das genug Raum für Sozialkritik bietet. Daraus hätte man durchaus ein nettes Gesellschaftsdrama machen können. Oder man augagiert den klamaukerfahrenen Steno „Den Größten Lustspiel Regisseur der Welt“ und macht eine billige Komödie aus dieser Idee - yeah! :D :) :| :x
Spätestens wenn der üble Verbrecherboss aller Bosse an der Bedienung seines elektrischen Rollstuhles scheitert wissen wir mit welcher Art Humor wir es in „Dr. Jekylls unheimlicher Horrortrip“ zu tun haben. Flache Witze, hier und da ein paar Anspielungen und sonst so gut wie gar nichts.
Außerdem ist die Handlung vollkommen absurd. Wir erfahren, dass vor hundert Jahren dieser Mr. Hyde lebte, der sich mal in diesen Dr. Jekyll verwandet hat (jeder der die Originalstory kennt wird hier schon verwirrt sein, weil man die Namen getauscht hat). Angeblich hat der Typ Selbstmord begangen. Aber er lebt noch weil er unsterblich ist oder so. Dann findet dieser im Keller einen alten Mann, der wohl der Mr. Hyde von damals war. Wer ist also unser Hauptcharakter? Dass in Alternativtiteln von einem Jekyll Junior gesprochen wird macht die ganze Sache auch nicht wirklich einfacher.
Den gespaltenen Doc spielt Paolo Villaggio und als bösen Jekyll find ich ihn eigentlich recht super. Mit seinen fettigen Haaren, seiner fülligen Gestalt, seinem Kinnbart und seinen haarigen Händen liefert er das perfekte Aussehen für seinen Charakter voll Menschenhass, Geilheit und Gewaltbereitschaft. Dieser Jekyll/ Hyde ist finde ich sehr nachvollziehbar, er ist ein Monster wie es uns tagtäglich auf der Straße begegnen könnte und das ist meiner Meinung nach um einiges besser als wenn man Jekyll/ Hyde einfach zu einer unmenschlichen Kreatur machen würde.
Sobald er sich aber in den gütigen Hyde verwandelt geht’s abwärts – sehr sehr steil abwärts. Er legt die Rolle wie einen stereotypen Schwulen an. Was soll uns das bitte sagen? Gute Menschen sind Menschen die sich wie homosexuelle aufführen? Noch dazu wirkt seine Blondhaarperücke einfach albern.
Um Edwige Fenech tut’s mir leid. Sie ist so eine wunderbare Schauspielerin, findet sich in ihrer Rolle aber nicht zurecht. Die erste Stunde hat sie ein und denselben Gesichtsausdruck und warum sich ihr Charakter einer kühlen diabolischen Karrierefrau in den tuntigen Hyde verliebt ist mir auch ein Rätsel. Die beiden vollkommen sinnlosen Nacktszenen die sie bekommt freuen den Zuseher natürlich, machen die Tatsache, dass man sich bei ihrer Charakterzeichnung überhaupt nichts überlegt hat aber bei weitem nicht wett.
Und zu den restlichen Darstellern…Sagen wir so: von allen Mitwirkenden wirkt die Performance Gordon Mitchells mit Abstand am professionellsten. Ja Gordon Mitchell hat mehr schauspielerisches Können als alle anderen, die in diesem Film auftreten zusammen.
Was soll man noch sagen? Die Musik nervt, der Schnitt ist lachhaft (wir sehen eine Einstellung zweimal direkt hintereinander!) und 1 Stunde 40 Minuten sind eindeutig zu lang für diesen Erguss. Dabei hätte man es so leicht kürzen können. Fünfzehn Minuten vor dem Abspann wäre nämlich so eine gute Schlussszene gekommen, aber nein, der Film geht weiter, denn Steno will noch schnell mal eine Moral reinbringen für die es überhaupt keinen Aufbau gab und schließlich hat er noch ein paar Archivaufnahmen die er nicht verstauben lassen will.
Fazit: Lahmer Klamauk ohne einen einzigen guten Witz, der die interessante Grundidee vollkommen zu Nichte macht. 3/10
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