Clortho spricht das Nachtgebet

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Moderator: jogiwan

Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 25. Jun 2013, 10:53

FRENZY

Gestern auf arte. Lief so nebenher. Kupferkopf Barry Foster erinnert mich irgendwie an SLADEs Noddy Holder, oder bilde ich mir das ein? Jedenfalls wollte es der olle Hitch hier noch mal so richtig wissen: enervierende Strangulations-Szenen, entblößte Brüste und groteske Grimassen des Todes. Willkommen in den 70ern. FRENZY wird für mich wohl für alle Zeit der Film mit der raushängenden Zunge sein. Als Kind verstörend, heute eher unfreiwillig komisch in seiner Wirkung. Seltsamerweise haben etliche von Hitchs frühen Filmen die Zeit besser überdauert, als dieser hier - sein vorletzter. Ganz passabel und mitunter recht spannend, aber am Ende des Tages würde ich die eleganten, stylishen Thriller des Altmeisters aus den 50ern und 60ern doch immer wieder vorziehen.

7/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 30. Jun 2013, 11:42

BOUDU - Ein liebenswerter Schnorrer

Ich bin nun wirklich kein ausgesprochener Depardieu-Fan und als sonderlich frankophil würde ich mich auch nicht unbedingt bezeichnen. Den hier habe ich spontan für 2 EUR vom Trödelmarkt mitgenommen, da ich mal wieder Lust auf eine kurzweilige Komödie verspürte und mich der Covertext irgendwie an den Plot von ZOFF IN BEVERLY HILLS erinnerte. Und siehe da: Die amerikanische Kultkomödie mit Nick Nolte war ihrerseits bereits ein Remake des französischen BOUDU - AUS DEN WASSERN GERETTET aus den frühen 30ern. Somit hätten wir es hier also mit dem Remake des Remakes zu tun. Hammer wieder was dazugelernt, Herr Jauch! Wie dem auch sei, irgendwie kommt dieser Neuaufguss nicht richtig in die Gänge. Stattdessen folgt nach einem einigermaßen unterhaltsamen Auftakt ein Kammerspiel der Gehässigkeiten, leidlich amüsant und schon gar nicht flott oder witzig, wie einige andere Frankreich-Exporte der letzten Zeit. Depardieus bulliger Leib schleppt sich behäbig und schnaufend durch die Szenerie und der Film passt sich seinem Tempo (und seiner Körperfülle) an. Nein, eine enorme physische Präsenz mag man dem französischen Hansdampf auch gar nicht absprechen, das Problem ist nur, dass er damit jedwede aufkommende Leichtigkeit gleich wieder im Keim erstickt, indem er wie der unglaubliche Hulk (wahlweise auch Obelix) durch die Kulissen stampft und alles und jeden mit seinen mürrischen Bauernweisheiten niederblafft. Mehr als sonst präsentiert sich Depardieu hier als Heimsuchung par excellence, dem die Frauen dennoch scharenweise zu Füßen liegen. Klar - wie im richtigen Leben halt. Für viele mag so was einer Offenbarung gleichkommen, ich für meinen Teil empfand den Film (gerade während des letzten Drittels) als quälende Geduldsprobe und letzten Endes als relativ belanglose Neuaufbereitung eines hinlänglich bekannten Themas. Fazit: kann nicht und muss auch nicht.

3/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 6. Jul 2013, 22:32

FEMINA RIDENS

Perfides Psycho-Kammerspiel mit zwei überragenden Hauptdarstellern, das sich vom anfänglichen Katz & Maus-Spiel mit sadistischer Komponente zum gleichwertigen Geschlechterduell entwickelt. Ein Bilderrausch von einem Film: extrem stylishe, retro-futuristische 70er Jahre-Optik, knisternde Erotik, ein kongenial groovender Soundtrack von Stelvio Cipriani und jede Menge absurde Komik mit teils surrealem Touch, dabei immer wunderbar selbstironisch. Was will man mehr? Irgendwo zwischen La Belle de Jour und Barbarella und doch wieder gaaanz anders. Vor allem aber: extrem außergewöhnlich!

8,5 wenn nicht sogar 9/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 28. Jul 2013, 13:45

DAS GRAB DER BLUTIGEN MUMIE aka BLOOD FROM THE MUMMY'S TOMB

Der böse Geist der ägyptischen Königin Tera bemächtigt sich der unschuldigen Seele von Margaret, der Tochter des Expeditionsleiters, der sie einst nach London brachte. Von Rachegelüsten beflügelt, zieht Papas Sonnenschein von dannen, um die restlichen Expeditionsteilnehmer ins Jenseits zu befördern ...

Ein Hammer-Film. Das ist aber auch schon der einzige USP dieses unsäglich lahmen Okkult-Schnarchers von 1971. Hier wurde wirklich an allem gespart: Beleuchtung, Requisite, Ausstattung, Atmosphäre etc.pp. Hammers Versuch, den Spirit der 70er einzufangen und dem Ganzen etwas modernere Akzente zu verleihen, kulminiert in einem preisgünstig runtergekurbelten und gänzlich spannungsarmen Machwerk, das vor allem optisch an eine Mischung aus Das Haus am Eaton Place und Ist ja irre - Cäsar liebt Kleopatra gemahnt. Wo Letzterer gezielt auf Klamauk setzt, glänzt Das Grab der blutigen Mumie zumindest hinsichtlich der unfreiwilligen Komik, die sich 94 Minuten lang nicht nur in unfassbar albernen Dialogen äußert, sondern auch sonst die gesamte Szenerie beherrscht. Eigentlicher Star dieses komplett vermurksten (Grusel-)Kabinettstückchens ist und bleibt die üppige Oberweite von "Hauptdarstellerin" ( ..äh?) Valerie Leon, die sich wirklich sehen lassen kann. Wer also nach zwanzig Minuten bereits geistig abgeschaltet hat, kann sich zumindest weitere siebzig mit Valeries Hupen ver-
bzw. begnügen. Ansonsten besteht die größte Herausforderung darin, wachzubleiben. Weitere Höhepunkte: Fehlanzeige.

Nach Trash-Gesichtspunkten mag der Film ja seine Berechtigung haben (immerhin genießt er in einschlägigen Kreisen einen gewissen Kultstatus), gemessen am restlichen Hammer-Kanon jedoch ein ziemliches Debakel. Dass Regisseur Seth Holt noch während der Dreaharbeiten das Zeitliche segnete, passt da fast schon wieder ins Gesamtbild ...

4/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 28. Jul 2013, 19:49

SNOW WHITE & THE HUNTSMAN

Eine wirklich bemerkenswerte Adaption des Grimm'schen Klassikers. Bemerkenswert scheiße. Und deshalb auch nicht mehr als drei Zeilen wert. Immerhin gibt's einen Punkt für Kristen Stewarts ausdruckslose und konstant dösige Tranquilizer-Mimik sowie fürs recht gelungene Charlize-Getrickse. Ansonsten dringend zu (ver)meiden, das!

2/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 31. Jul 2013, 20:45

DIE FARBEN DER NACHT aka TUTTI I COLORI DEL BUIO

Unsere rehäugige Busenfreundin Hedwig stolpert durch ein Szenario, welches nur allzu offensichtlich von ROSEMARY’S BABY und schwarzmagischen Hammer-Vertretern wie DEVIL RIDES OUT oder THE WITCHES inspiriert scheint. Durch den Unfalltod ihres Kindes traumatisiert und von bösen Visionen geplagt, sieht sich La Fenech zunehmend von einem fies dreinblickenden Fremden bedrängt, der ihr nicht nur in ihren Träumen nachstellt. Natürlich tut der zuständige Psycho-Onkel das Ganze als hysterische Wahnvorstellung ab (wie man es halt von kompetenten Seelenklempnern gewöhnt ist) und treibt sie damit geradewegs in die Fänge einer diabolischen Sekte, die dem kollektiven Geschnacksel frönt und alles andere als ihr Seelenheil im Sinn hat … Wenn da mal nicht die MANSON FAMILY Pate stand.

Regisseur Sergio Martino schickt seine Heroine (und zeitweilige Schwägerin) durch eine stilistische Tour de Force, die alles aufbietet, was das Genrekino der frühen 70er so reizvoll macht: Psycho-Thriller mit Stalker-Elementen, Sektendrama, Okkult-Hokuspokus, Giallo, Psychedelia … und das alles schön schrill, hysterisch, fiebrig und durchgeknallt. Auch wenn sich das letzte Drittel mitunter etwas in die Länge zieht, die deutsche Synchro eher zum Abgewöhnen ist und die Auflösung nicht wirklich aus den Socken haut, kommt der geneigte Freund italienischer Genrekost hier vollends auf seine Kosten. Trotz Abzügen in der B-Note eine wilde Achterbahnfahrt exploitativer Ekstase.

7,5/10 (mit Luft nach oben)
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 3. Aug 2013, 14:00

SOURCE CODE

Jake Gyllenhaal, du Traum aller Schwiegermütter! Hier mal als Elitesoldat und Versuchskaninchen wider Willen, der als Debütant einer Versuchsreihe mit Namen "Source Code" in die Vergangenheit reist, um den Verursacher eines Bombenattentats ausfindig zu machen und Schlimmeres zu verhindern. Doch die Zeit drängt, denn im Hier und Jetzt tickt die Uhr unbarmherzig weiter - und der Bombenleger droht erneut zuzuschlagen ...

Irgendwo zwischen "12 Monkeys" und "Täglich grüßt das Murmeltier" schickt Regisseur Duncan Jones (David Bowies Sohn) seinen Protagonisten per Mind Travel durch einen repetitiven Alptraum, dessen Puzzleteile sich erst nach und nach zusammenfügen, denn unser Held hat pro Abstecher lediglich ein Zeitfenster von 8 Minuten zur Verfügung. Wie schon in seinem Debüt "Moon" gelingt es Jones erneut, Handlung und Figuren auf das Wesentliche zu reduzieren und dennoch die Spannungsschraube kontinuierlich anzuziehen. Erfreulicherweise bewegen sich auch die Spezialeffekte in einem erträglichen Rahmen, ohne mit hollywoodtypischem Rambazamba die Story zu überlagern. Sehr lobenswert, das!

Fazit: Ein anspruchsvoller Sci-Fi-Thriller mit Nachhaltigkeitsgarantie. Oder besser: Nachhall. Von diesem Regisseur dürfte noch Einiges zu erwarten sein.

Und danke für die Dalton Trumbo-Reminiszenz.

8/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 16. Aug 2013, 18:12

M*A*S*H

Anarchy rules? Das mobile Feldlazarett als Tummelplatz für große Jungs mit infantilem Gemüt und Beule in der Hose. Hawkeye (Donald Sutherland) und Trapper (Elliott Gould) gelten als Koryphäen auf dem Gebiet der Feldchirurgie und genießen Narrenfreiheit, wenn es darum geht, Chaos und Unruhe zu stiften. Kein Spaß ist ihnen zu billig, kein Schabernack zu plump, wen es darum geht, sich die Zeit im Mobile Army Surgical Hospital so angenehm wie möglich zu gestalten. Es wird gegolft, geprügelt, diffamiert, geschnackselt, gefeiert und gesoffen bis der .. äh .. Arzt kommt. Party on, dude. Ein Sammellager für Platzhirsche, denen nichts und niemand heilig ist - schon gar nicht die blutigen Fleischklumpen auf ihrem OP-Tisch (die hier schnell mal zur lästigen Nebensache geraten). Regisseur Altmann inszenierte M*A*S*H als bitterböse, zynische Abrechnung mit der US-Intervention in Südostasien. Ob Korea oder Vietnam ist dabei eher zweitrangig: Ignoranz, Respektlosigkeit, Größenwahn und Machismo sind auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt seit jeher allgegenwärtig. Bis heute. Dass Altman den Film als lässige Buddy-Komödie tarnt, ist dabei umso perfider, zumal sich der durchschnittliche US-Bürger den Krieg wohl genau so vorstellen dürfte. Die Charaktere sind im Prinzip vollkommen austauschbar - mit anderen Schauplätzen und einer leicht modifizierten Rahmenhandlung könnte das Ganze auch locker als frivole College-Komödie à la "Class" durchgehen.

Besondere Erwähnung gebührt ganz klar Elliott Gould, der hier als Trapper John McIntyre mit Pornobalken
-> :jogi: zu Hochform aufläuft und dem Rest des hochkarätigen Ensembles glatt die Schau stiehlt. Zweite Sichtung nicht ausgeschlossen!

Alles in allem kultverdächtige 8/10
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Onkel Joe » 18. Aug 2013, 18:58

Vinz Clortho hat geschrieben:M*A*S*H

Anarchy rules? Das mobile Feldlazarett als Tummelplatz für große Jungs mit infantilem Gemüt und Beule in der Hose. Hawkeye (Donald Sutherland) und Trapper (Elliott Gould) gelten als Koryphäen auf dem Gebiet der Feldchirurgie und genießen Narrenfreiheit, wenn es darum geht, Chaos und Unruhe zu stiften. Kein Spaß ist ihnen zu billig, kein Schabernack zu plump, wen es darum geht, sich die Zeit im Mobile Army Surgical Hospital so angenehm wie möglich zu gestalten. Es wird gegolft, geprügelt, diffamiert, geschnackselt, gefeiert und gesoffen bis der .. äh .. Arzt kommt. Party on, dude. Ein Sammellager für Platzhirsche, denen nichts und niemand heilig ist - schon gar nicht die blutigen Fleischklumpen auf ihrem OP-Tisch (die hier schnell mal zur lästigen Nebensache geraten). Regisseur Altmann inszenierte M*A*S*H als bitterböse, zynische Abrechnung mit der US-Intervention in Südostasien. Ob Korea oder Vietnam ist dabei eher zweitrangig: Ignoranz, Respektlosigkeit, Größenwahn und Machismo sind auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt seit jeher allgegenwärtig. Bis heute. Dass Altman den Film als lässige Buddy-Komödie tarnt, ist dabei umso perfider, zumal sich der durchschnittliche US-Bürger den Krieg wohl genau so vorstellen dürfte. Die Charaktere sind im Prinzip vollkommen austauschbar - mit anderen Schauplätzen und einer leicht modifizierten Rahmenhandlung könnte das Ganze auch locker als frivole College-Komödie à la "Class" durchgehen.

Besondere Erwähnung gebührt ganz klar Elliott Gould, der hier als Trapper John McIntyre mit Pornobalken
-> :jogi: zu Hochform aufläuft und dem Rest des hochkarätigen Ensembles glatt die Schau stiehlt. Zweite Sichtung nicht ausgeschlossen!

Alles in allem kultverdächtige 8/10


Da habe ich auch mal wieder lust drauf ;). Kann die Serie eigentlich noch was ???
Lief ja mal bei Kabel 1 rauf und runter, über Jahre.
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Re: Clortho spricht das Nachtgebet

Beitragvon Vinz Clortho » 18. Aug 2013, 20:14

Onkel Joe hat geschrieben:Da habe ich auch mal wieder lust drauf ;). Kann die Serie eigentlich noch was ???
Lief ja mal bei Kabel 1 rauf und runter, über Jahre.

Ja - und ich hab sie über Jahre gemieden. :lol: Nee, keine Ahnung, kann Dir zu der Serie überhaupt nichts sagen. Befürchte aber, aus dem ursprünglichen Film ist niemand mehr dabei, oder? :?

Elliott Gould fand ich schon ziemlich grandios in der Rolle. Gibt's von dem Mann noch irgendwas Sehenswertes?
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