Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

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Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2018, 11:17

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Hört man den Namen Russ Meyer denkt man als einschlägig geprägter Filmfan wohl zuallererst an sehr üppige Oberweiten, die vor allem in seinen letzten Filmen augenscheinlich ähm… doch eine sehr große Rolle spielten. Das am 21. März 1922 in Kalifornien geborene und am 18. September in Los Angeles verstorbene Multitalent und Filmemacher liebte offensichtlich die Überzeichnung und egal, ob es Charaktere in seinen Filmen oder die Inszenierung seines eigenen Mythos betraf, war wohl immer alles etwas „larger than life“, auch wenn sein Schaffen bei näherer Betrachtung doch weit mehr zu bieten hat als lediglich große Brüste oder billig produzierte Drive-Inn-Schmuddelfilme, auf die sein Schaffen gerne reduziert wird. Klar ist der Name Russ Meyer untrennbar mit dem Sexploitation-Genre verbunden, doch Filme wie „The Seven Minutes“ oder auch „Beyond the Valley of the Dolls“ beweisen doch sehr eindrucksvoll, dass der Regisseur doch weit mehr liefern konnte, als vergleichbare Regisseure aus der Ecke.

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Schon der erste, mit seiner ersten Frau Eve produzierte Streifen „Der unmoralische Mr. Teas“ war mit seiner Mischung aus nackter Haut und verfilmter Herrenwitz der augenzwinkernden, aber niemals plumpen Sorte, ein großer Erfolg und gab die Richtung vor, in die die beispiellose Karriere des ehemaligen Kriegsreporters und Dokumentarfilmers gehen sollte. Später folgten Werke, die sich wahlweise einfachen Menschen, Stripperinnen, sadistischen Bösewichten oder einfach nur alles zusammen widmeten und dem sensationslüsternen Publikum das boten, was sie wollten und die Zensur der Staaten erlaubte. Beispielhaft dafür ist sein 1965 entstandene „Faster Pussycat! Kill! Kill!“, der mit seinen starken Frauenfiguren und seinem Szenario aus Sex und Gewalt andere Filmemacher maßgeblich beeinflusst hat und popkulturell große Spuren hinterlassen hat. Auch sein 1970 gedrehte „Beyond the Valley of the Dolls“ war am Puls der Zeit und ein Box-Office-Hit, der als große Studio-Produktion neben dem ungleich ernsthafteren Bestseller-Verfilmung „The Seven Minutes“ auch alle „Trademarks“ des Regisseurs vereinigte.

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(Russ Meyer mit Roger Ebert)

Nach diesem Erfolg widmete sich Meyer aber wieder dem Indie-Film, in denen er seine Visionen ohne Studio-Vorgaben und sonstigen Einschränkungen drehen konnte und es entstanden die Werke, für die Meyer in unseren Breiten dank Mitternachtsprogrammen von privaten Fernsehsendern bei uns bekannt wurde. Diese bisweilen überdrehten, bissigen und nicht immer geschmackvollen Sexploitation-Werke mit Titeln von Super- bis Mega-Vixens und sexhungrigen Frauen mit üppigen Brüsten und potenten Männern, die diesen hilflos ausgeliefert waren, brachten Meyer auch den Ruf des Tittenfilmers ein, mit dem er sich offensichtlich auch Zeit seines Lebens immer gerne schmückte. Dennoch sind seine Filme mehr als reine Männerfantasien, sondern zeugen gleichzeitig auch stets von einem guten Humor und Menschenkenntnis und sind auch von der technischen Seite stets sehr ansprechend gemacht.

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Langeweile, Zurückhaltung und Spießigkeit stand bei Russ Meyer, der Zeit seines Lebens Zensur, wie auch Pornographie ablehnte, ohnehin nie am Programm und dennoch drängte sich der Regisseur, der auch immer wieder mit seinen Darstellerinnen liiert war, nie selbst in den Vordergrund, sondern ließ wohl seinen geliebten Darstellerinnen und der Erotik seiner Filme den Vortritt. Laut Wikipedia beschrieb Russ Meyer im Jahr 1993 im Interview mit der Süddeutschen Zeitung seine Karriere mit den Worten: „Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden.“ Werter Russ, du bist meines Erachtens auch so ein großer Regisseur, der ein sympathisches, unterhaltsames und interessantes Schaffen hinterlassen hat, dass nur vordergründig den schlechten Geschmack bedient und man(n) daher keinesfalls nur auf Oberweiten und Körbchengröße reduzieren sollte. Leutchen, guckt mehr (frühe) Russ Meyer Filme! :opa:

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Filmografie:

Pandora Peaks / Pandora Peaks (Doku) - 2001
Im tiefen Tal der Superhexen / Beneath the Valley of the Ultra-Vixens - 1979
Drüber, drunter und drauf / Up! - 1976
Supervixens – Eruptions / Supervixens - 1975
Black Snakes / Black Snake - 1973
The Seven Minutes - 1971
Blumen ohne Duft / Beyond the Valley of the Dolls - 1970
Megavixens / Cherry, Harry & Raquel! - 1970
Ohne Gnade – Schätzchen / Vixen! - 1968
Null Null Sex / Finders Keepers, Lovers Weepers! - 1968
Good Morning... and Goodbye! - 1967
How Much Loving Does a Normal Couple Need? – 1967
Mondo Topless (Doku) - 1966
Skyscrapers and Brassieres (Kurzfilm) - 1966
Die Satansweiber von Tittfield / Faster, Pussycat! Kill! Kill! - 1965
Motor-Psycho – Wie wilde Hengste / Motorpsycho! - 1965
Im Garten der Lust / Mudhoney - 1965
Fanny Hill / Fanny Hill - 1964
Lorna - 1964
Heavenly Bodies! - 1963
Europe in the Raw (Doku) - 1963
Wilde Mädchen des nackten Westens / Wild Gals of the Naked West - 1962
Erotica - 1961
Eva und der Mann für alles / Eve and the Handyman - 1961
Der unmoralische Mr. Teas / The Immoral Mr. Teas - 1959
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2018, 11:30

Hier noch rasch und chronologisch zusammengefasst die Eindrücke meiner beschaulichen Russ Meyer Retrospektive. Einfach entspoilern:

The Immoral Mister Teas
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Mr. Teas ist ein durchschnittlicher Junggeselle von nebenan, der sich in unserer übersexualisierten Welt sein Geld als Lieferant für zahnärztliche Utensilien verdient. Wenn Mr. Teas mit seinem roten Overall und Fahrrad durch die Stadt fährt und sich zwischendurch einen freien Tag am Strand gönnt, ist er jedoch ständig erotischen Reizen ausgesetzt und er lässt sich auch gerne von den tiefen Ausschnitten und prallen Hintern von Kellnerinnen, Zahnarztgehilfinnen und Sekretärinnen von dem eher monotonen Alltagsereignissen ablenken. Als er sich immer mehr auf die Suche nach sexuellen Reizen begibt und sich in seinen Tagträumen voller diesbezüglicher Andeutungen verliert, sucht er Hilfe von psychiatrischer Seite, doch auch das ist keine große Hilfe, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als seine voyeuristischen Neigungen auf humorvolle Weise zu akzeptieren.

„The Immoral Mr. Teas“ ist der erste abendfüllende Film von Russ Meyer, der hier ein eher braves Sexploitation-Frühwerk über einen Mann abliefert, der sich – wohl als Alter Ego des Regisseurs – ganz begeistert von großen Brüsten seiner näheren Umgebung zeigt. Die Figur des Herrn Teas ist dabei als Durchschnittstyp von Nebenan angelegt, für den die hübschen Frauen die er begegnet auch eher unerreichbar scheinen, was ihn jedoch nicht davon abhält, sie in seinen blumigen Tagträumen zu entkleiden und ausgiebig ihren weiblichen Rundungen zu huldigen. Dabei ist der Dialog-freie Streifen neben Big-Band-Sound mit einem süffisanten Voice-Over-Kommentar unterlegt, der zu den Bildern einen pseudowissenschaftlichen Kommentar zur Lage der Gesellschaft abgibt, der durch die gezeigten Bilder aber dann stets ironisch gebrochen wird. Hauptdarsteller Bill Teas war laut IMDB ein Kriegsfotografen-Kollege des Regisseurs und Russ Meyer himself gibt sich als begeisterter Besucher einer Strip-Show ebenfalls die Ehre, während jedoch in dem sechzigminütigen Werk ohnehin die holde Weiblichkeit in ihrer körperlichen Form im Vordergrund steht. Dabei ist „The Immoral Mr. Teas“ aber angesichts seines Entstehungsjahrs eher züchtig ausgefallen, heutzutage wirkt das ganze Geschehen angesichts seiner präsentierten Rollenbilder auch auf sympathische Weise antiquiert und so wohl auch ein guter Einstieg in die Welt des Russ Meyer, die hoffentlich noch ein paar cineastische Überraschungen bereithält.

Eva and the Handyman
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Die dralle Eva folgt und beobachtet in bester Detektiv-Manier einen namenlosen Hausmeister, der sich während seines aufregenden Arbeitsalltags in allerlei abenteuerliche Moment manövriert um drallen Frauen in den Ausschnitt zu gucken. Eva wird Zeuge, wie dieser seinen alten Wagen zum Laufen bringt, Toiletten schrubbt, in scheinbar lichten Höhen Fenster reinigt und auf unorthodoxe Weise ein Bäumchen pflanzt. Doch während Eva ihre Gedanken zu den schier heldenhaften Taten des Hausmeisters formuliert wird klar, dass diese mit dem Mann noch etwas Besonderes im Schilde führt.

Auch der zweite Film von Russ Meyer handelt wie „The Immoral Mr. Teas“ von einem eher unscheinbaren Durchschnittstypen, der während seiner Tätigkeiten von einer mysteriösen Frau beobachtet wird und dazu ihren humorvollen Kommentar abgibt. Dabei wirken die Episoden im Leben des Mannes wie verfilmte Herrenwitze und das ganze Geschehen ist inklusive seinem eher kuriosen Finale auch stets sehr augenzwinkernd in Szene gesetzt. Natürlich bietet der harte Arbeitsalltag eines sogenannten „Mann für alles“ auch zahlreiche Möglichkeiten dem anderen Geschlecht näher zu kommen und der namenlose Mann lässt sich auch nur allzu gerne von weiblichen Reizen ablenken. Als mysteriöse Eva gibt es das ehemalige Pin-Up-Girl und damalige Gattin des Regisseurs zu sehen, die hier gleich mehrere Rollen übernimmt und von Herrn Meyer auch sehr verführerisch in Szene gesetzt wird. Insgesamt betrachtet ist der in San Francisco rasch heruntergekurbelte „Eva and the Handyman“ aber kein sonderlich auf- oder erregender Streifen, sondern eher ein kleiner Vorgeschmack auf spätere Werke und eine humorvolle Angelegenheit mit viel Zeit- und Lokalkolorit für Fans und für Zwischendurch.

Wild Gals of the Naked West
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Einst war der Westen der Vereinigten Staaten mit seinen Städten wie Las Vegas und San Francisco eine tatsächlich wilde Gegend, in der gleich eine Vielzahl von Gefahren auf die Bewohner von einer kleinen Stadt wartete, die so verrucht war, das sie nicht einmal einen Namen trägt. Diese Kleinstadt ist mittlerweile zur Geisterstadt verkommen und ein alternder Trinker erzählt neugierigen Fremden blumige Episoden auf vergangenen Jahrhunderten und von trinkfesten Bösewichten, schweigsamen Helden, drallen Mädchen, Indianern auf dem Kriegspfad und sonstigen Personen, die dem „Wilden Westen“ zu einer Gegend machten, das diesen Namen auch durchaus verdient getragen hat.

Russ Meyers „Wilde Mädchen des nackten Westens“ ist weniger Spielfilm, als eine turbulente Parodie auf amerikanische Westernfilme, die sich den Formen einer Dokumentation und gemalten Kulissen (!) bedient und dabei hoffnungslos überzeichnete Figuren und Episoden aus dem Wilden Westen zeigt. Eigentlich ist der Streifen für jemanden, der das gesamte Genre ohnehin mit kritischen Augen sieht, ja dann auch ein großer Joke und Russ Meyer und sein Ensemble hatten wohl ebenfalls großen Spaß sich über die Filme, das Genre und seine Fans lustig zu machen, auch wenn die normalerweise wenig Spaß verstehen. Lose zusammengehalten von einer Rahmenhandlung mit einem alternden Trinker wird hier nicht der völlig verklärte Geist vergangener Jahrhunderte beschwört, sondern allerlei aberwitzige Momente kreiert, die komplett über das eigentliche Ziel hinaus schießen. Die Westernhelden sind hier ja völlig überzeichnet und auch die Mädels im Saloon nicht nur optischer Aufputz, sondern mit vollen Eifer und ohne Oberteile vorne dabei, wenn es darum geht, mit Lasso einen Mann ins Bett zu bekommen. Natürlich gibt es auch den finsteren Bösewicht, einen schweigsamen Helden, zahlreiche andere Stereotypen und sogar ein Gorilla hat hier seinen Auftritt. Dabei werden sämtliche Western-Klischees augenzwinkernd, spaßig und auf frivole Weise durch den Kakao gezogen und ich fühlte mich tatsächlich nicht nur bestätigt, sondern auch verdammt gut unterhalten, auch wenn das ernsthafte Western-Freunde vermutlich anders sehen werden. Interessant ist aber sicherlich auch der ungewöhnliche Prolog, wo von Russ Meyer nur anhand von kunstvoll aneinander montierten Natur- und Stadtbildern und ungewöhnlicher Geräuschkulisse kurz die Geschichte der amerikanischen Zivilisation angerissen wird und sein Talent als Dokumentarfilmer und Cutter aufblitzen lässt.

Lorna
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Die junge und überaus attraktive Blondine Lorna lebt in einem Kuhdorf und ist gelangweilt von ihrem Leben, ihren schäbigen Haus, ihrem Gatten der tagsüber schwer schuftet und abends zu müde für partnerschaftliche Aktivitäten ist und zu allem Überfluss auch noch den Jahrestag der gemeinsamen Hochzeit vergisst. Als Lorna beim Sonnenbaden von einem ausgebrochenen Gewalttäter beobachtet wird, der sich wenig später wie ein Tier auf die Blondine stürzt, ergibt sich Lorna dem Geschehen und erlebt einen hemmungslosen und sexuell überaus befriedigenden Akt mit dem namenlosen Fremden. Später nimmt sie den Verbrecher mit nach Haus und kauft ihm sogar mit ihrem mühsam ersparten Geld Whiskey in der Stadt. Doch wenig später steht auch der reumütige Gatte zum Hochzeitstag verfrüht auf der Matte und Lorna und ihr Leben steuert geradewegs auf eine Tragödie zu.

Mit „Lorna“ widmet sich Sexploitation-Regisseur Russ Meyer abermals den „einfachen“ Menschen bzw. ihren Problemen und zeigt den tristen Alltag einer hübschen Frau in einer amerikanischen Kleinstadt der Sechzigerjahre. Während ein bärtiger Prediger zu Beginn voller religiösem Eifer von Moral und Anstand erzählt, wird der Zuschauer aber wenig später Zeuge einer versuchten Vergewaltigung ohne Konsequenz und auch danach verhalten sich die Protagonisten natürlich so, wie man es eigentlich nicht machen sollte. Lorna stürzt sich in ein außereheliches und sexuelles Abenteuer mit einem ausgebrochenen Gewalttäter, während der treusorgende Gatte sie vor seinen Kollegen verteidigt und am Ende gibt es natürlich einen Sieg der Moral über die Sünde mit bitteren Konsequenzen für alle Beteiligten. Dabei ist „Lorna“ eigentlich eher dramatisch erzählt und nackte Haut rückt hier auch eher in den Hintergrund. Den Humor und Herrenwitz früherer Werke sucht man hier ebenfalls vergeblich und die Richtung geht insgesamt schon eher in „Faster Pussycat. Kill! Kill!“ der ein Jahr darauf entstand. Insgesamt betrachtet schon ein kurioses Werk irgendwo zwischen spekulativer Sexploitation und Kleinstadt-Beziehungs-Drama mit moralischem Einschlag, das aber durchaus interessant und kurzweilig ausgefallen ist und am Ende für den Zuschauer sogar noch eine kleine surreale Szene mit Bibelbezug bereithält.

Fanny Hill
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Das junge und hoffnungslos naive Landei Fanny kommt im 18. Jahrhundert in das sündige London um dort nach Arbeit zu suchen. Dort landet die hübsche Blondine auch rasch im Etablissement von Mrs. Brown, in der sich eine Vielzahl von jungen Damen um das Wohl der männlichen Oberschicht kümmert. Doch Fanny ist viel zu gutgläubig um die Realität um sie herum zu erkennen und die listige Mrs. Brown ist ebenfalls nie um eine haarsträubende Geschichte verlegen, wenn es Ausflüchte und Rechtfertigungen geht, warum sich männliche Kundschaft so seltsam verhält. Als jedoch immer mehr Männer der jungen Fanny an die Wäsche wollen und sich diese ausgerechnet in einen jungen Seemann verliebt, droht der Puff aufzufliegen und Mrs. Brown muss zu drastischeren Mitteln greifen um Fanny und ihren Laden zu beschützen.

Die bekannte Geschichte des englischen Freudenmädchens Fanny Hill in der gleichnamigen deutsch-amerikanischen Koproduktion ist leider eine ziemlich lahme Angelegenheit, in der weder Witz noch Erotik überzeugen können. Laut IMDB wollte Russ Meyer die ganze Sache ernsthafter inszenieren, während Co-Regisseur die ganze Sause eher in Richtung Slaptstick drücken wollte und herausgekommen ist letzten Ende ein eher unlustiger Film ohne Höhepunkte, der das naive Landei Fanny von einer skurrilen Situation in die nächste schickt. Dabei ist das Schema immer das Gleiche und während die Männer die hübsche Blondine ins Bett bekommen möchte, wähnt sich diese aufgrund ihrer Gutgläubigkeit in einer anderen Situation. Was vielleicht beim ersten Mal noch witzig ist, wird spätestens in der x-ten Wiederholung eher mühsam und auch das Fistelstimmchen von Fr. Roman entpuppt sich auf Dauer mehr als nervig. Natürlich gibt es dann auch noch eine obligatorische Love-Story mit einem sehr jungen Ulli Lommel, doch auch das kommt nie so richtig in Fahrt und irgendwann ist der Film dann auch gottseidank zu Ende. Arkschi hat in einem anderen Fred schon gemeint, dass man diese Auftragsarbeit Meyer auslassen kann und da hat er vermutlich recht. Bislang hatte jeder von mir gesichtete Meyer-Film seine Momente oder war auf die ein- oder andere Weise interessant, spannend und unterhaltsam. „Fanny Hill“ ist irgendwie nichts von alledem, weder "fanny" noch sexy, sondern einfach nur eine völlig lahme, langweilige und biedere Sechziger-Kostüm-Klamotte für Leutchen mit zu viel Freizeit.

Mudhoney
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Der mit der hübschen Hannah verheiratete Trunkenbold Sidney ist ein ortsbekannter Unruhestifter, der nur darauf wartet, dass der Onkel seiner Frau verstirbt um dessen Farm zu verkaufen, auf der er selbst lebt. Doch dieser erfreut sich noch seiner Gesundheit und stellt eines Tages den herzensguten Calif als Hilfsarbeiter ein, der sich eigentlich nur auf der Durchreise befindet. Obwohl Calif eine dunkle Vergangenheit hat, freunden sich die Männer an und der fleißige Mann verliebt sich auch noch in Hannah, was Sidney natürlich nicht verborgen bleibt. Dieser nutzt die Gutgläubigkeit und das religiöse Empfinden der Ortsbevölkerung um alle gegen die drei aufzuhetzen und schon bald bleiben diese Intrigen auch nicht ohne böse Folgen.

Wie schon „Lorna“ ist „Mudhoney“ ein für Russ Meyer-Verhältnisse überraschend ernster und dramatisch gehaltener Streifen, der größtenteils auf plakative Elemente wie Sex und Gewalt verzichtet, auch wenn beides natürlich auch in diesem Low-Budget-Reißer aus dem Jahr 1965 vertreten ist. Dennoch steht in der Geschichte neben dem einfachen Leben der Landbevölkerung eher Bigotterie, Doppelmoral und die Manipulierbarkeit von Menschen am Programm. Über weite Strecken ist der etwas zu lang erscheinende „Mudhoney“ aber auch mit seinen Figuren fast schon etwas zu soapig ausgefallen und eingangs war mir der Streifen auch etwas zu hysterisch. Gegen Ende dreht „Mudhoney“ dann aber ziemlich auf und ehe man sich versieht, rottet sich der wütende und gewaltbereite Dorfmob zusammen und führt natürlich nichts Gutes im Schilde. Das Finale ist dann auch sehr gelungen und entschädigt über den etwas anstrengenden Anfang, bei dem man sich durch das ständige Nuscheln und Kreischen der Darsteller auch beim Verständnis der amerikanischen Originalfassung etwas schwer tut. Insgesamt betrachtet sicherlich nicht Meyers bester Streifen und Freunde von Softsex kommen nur beschränkt auf ihre Kosten, doch am Ende steht einem dann als Zuschauer ja doch wieder der Mund offen.

Motorpsycho
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Die hübsche Gattin des Tierarztes Cory wird eines Tages von zwei Halbstarken und einem Ex-Vietnam-Veteranen auf ihren Mopeds belästigt und als ihr Mann beherzt das Treiben beendet, heften sich die drei Männer auf die Fersen des Paares. Wenig später wird die Frau im gemeinsamen Haus überfallen, vergewaltigt und schwer verletzt zurückgelassen und Cory schwört bittere Rache an den Tätern. Als er daraufhin mit seinem Pickup den drei Rockern in die Wüste verfolgt trifft er auf die leicht verletzte Ruby, deren Ehemann ebenfalls von dem Anführer Brahmin getötet wurde. Als sich diese Cory anschließt, führt der Weg immer weiter in die abgelegene Wüste, wo Veteren Brahmin mittlerweile endgültig dem Wahn und einem Blutrausch verfallen ist, der sich seinen Verfolgern wie auch den aufkeimenden Spannungen innerhalb der Gruppe mit Waffengewalt entgegenstellt.

So wie „Lorna“ und „Mudhoney“ im Grunde die gleichen Themen behandeln stehen auch „Motorpsycho“ und „Faster Pussycat… Kill! Kill!“ in einem ähnlichen Verhältnis zueinander. Beide Filme handeln von drei gewaltbereiten Menschen und Eskalation, auch wenn es hier PS-technisch ein paar Nummern kleiner geht. Statt Varla und ihre Go-Go-Tänzerinnen mit röhrenden Sportwagen, verbreiten hier Jungs auf dem Moped (!) Angst und Schrecken, fahren mordend und vergewaltigend durch die Gegend und treffen dann auf den beherzten Tierarzt, der sich dem sinnlosen Treiben in den Weg stellt. Dabei wirkt „Motorpsycho“ wie eine frühe Mischung auch „Clockwork Orange“ und „Ein Mann sieht rot“, auch wenn Russ Meyer seinen Streifen natürlich rasch und kostengünstig realisiert hat und ein Großteil des Streifens ohne sonstige Kulissen in der Wüste realisiert wurde. Inhaltlich lässt der werte Russ aber wenig aus und der Freund ruppiger Werke bekommt hier ja auch einen interessanten Vertreter des frühen Exploitation-Films präsentiert, der überraschend wild zur Sache geht. Zum packenden Herzschlag-Finale gibt es ja auch noch Alex Rocco in seiner ersten Rolle, Haji (Gesundheit!) als toughe Begleiterin und einen schmissigen Soundtrack, der sich perfekt zur wüsten Story gesellt. Wer „Pussycat“ mag, kommt an „Motorpsycho“ eigentlich auch nicht vorbei und irgendwie ist es für mich fast verwunderlich, dass der Streifen nicht öfters auftaucht, wenn es um ungewöhnliche Genre-Filme geht.

Faster Pussycat... Kill! Kill!
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Die drei Tänzerinnen Varla, Billie und Rosie fahren nach getaner Arbeit in der Go-Go-Bar in die Wüste um mit ihren Sportautos ein paar Runden zu drehen. Als ihnen das junge Pärchen Tommy und Linda begegnet kippt jedoch rasch die Szenerie und nach einem Autorennen und gegenseitigen Provokationen tötet Varla den jungen Mann mit ihren bloßen Händen, setzt Linda unter Drogen und entführt das junge Mädchen. Als die Frauen an einer Tankstelle halten, erfahren sie vom redseligen Tankwart vom Schicksal eines alten und an den Rollstuhl gefesselten Mannes, der mit seinen zwei Söhnen auf einer abgelegenen Farm lebt und eine große Menge Geld von der Versicherung zuhause gebunkert haben soll. Als Varla den Mann sieht, wittert sie leichte Beute und fasst den teuflischen Plan, sich das Vertrauen des Mannes zu erschleichen um ihn anschließend das Geld zu rauben.

„Die Satansweiber von Tittfield“ zählt hierzulande wohl aus vielerlei Gründen zu den bekanntesten Werken des US-amerikanischen Regisseurs Russ Meyer, der weltweit auch popkulturell viele Spuren hinterlassen hat und ein Frauenbild präsentiert, dass seinerzeit wohl viele Zuschauer völlig auf dem falschen Fuß erwischt hat. Mit den drei Tänzerinnen, insbesondere Varla präsentiert Meyer ja durchtriebene, gewaltbereite und moralisch degenerierte Figuren, die ohne mit der künstlichen Wimper zu zucken über Leichen gehen und dabei auch vor nichts zurückschrecken. Das passte wohl wenig in die Zeit, in der Frauen eher als brave Hausmütterchen positioniert waren, die dem Ernährer der Familie abends die Patschen, das Essen richten und den Nacken kraulen, anstatt ihn zu brechen. Doch als feministischer Kommentar ist das Exploitation-Werk „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ ja aber nicht geeignet und Meyer überzeichnet seine Figuren auf beiden Seiten und kreiert in der Abgelegenheit der staubigen Wüste mit hübschen Schwarz-Weiß-Bildern und tiefen Ausschnitten einen Mikrokosmos auf verkommenen Figuren, dass letzten Endes fast nur Verlierer kennt. Ebenfalls hübsch zu sehen, wie Meyer hier dem American-Lifestyle mit seine Stereotypen einen vor den Latz knallt und mit vergleichsweise einfachen Mitteln ein so subversives Statement geschaffen hat, dass auch noch knapp 50 Jahre nach Erscheinen wenig eingebüßt hat. So eine ruppige Demontage bestehender Gesellschaftsnormen hat danach imho eigentlich nur noch „Natural Born Killers“ auf ähnliche Weise geschafft.

Good Morning... and Goodbye!
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Burt Boland ist zwar ein reicher und angesehener Mann, doch in seiner Hose tut sich leider nichts mehr und so sucht sich seine jüngere Ehefrau Angel ihre sexuelle Erfüllung in den Armen anderer Männer, insbesondere dem potenten Bauarbeiter Stone, der ohnehin mit jeder Frau im Ort in die Kiste steigt. Burt nimmt die Schmähungen seiner Ehefrau traurig zur Kenntnis und muss auch mit ansehen, wie seine heranwachsende Tochter ebenfalls in dieselbe Kerbe schlägt. Doch dann ändert eine mystische Begegnung im Wald mit einer Zauberin alles und Burt erhält nach einem magischen Ritual nicht nur seine Manneskraft, sondern auch seinen Stolz zurück und findet endlich den Mut, ein paar Dinge in seinem Leben zu regeln.

„Good Morning… and Goodbye“ ist ein weiterer, typischer Russ Meyer Streifen mit den üblichen Zutaten aus hübschen Frauen, etwas Softsex und Gewalt, dass mit überzeichneten Charakteren und bösen Wortgefechten ein groteskes Bild amerikanischer Sittenverhältnisse zeigt und in seinem Verlauf sogar etwas ins Surreale abgleitet. Die beiden entfremdeten Eheleute schenken sich ja wenig, wenn es darum geht sich gegenseitig zu demütigen und „Good Morning… and Goodbye“ ist dabei mit seinen Figuren auch immer eine böse Parodie sogenannter Soap-Operas, nur dass es in diesem Fall für damalige Verhältnisse wohl eher wenig TV-tauglich zugeht. Zwar wirkt der Streifen in Punkto nackter Haut für heutige Verhältnisse eher brav, aber thematisch geht es schon ordentlich zur Sache. Doch anstatt das Ganze dramatisch zu inszenieren, macht Russ Meyer aus der bisweilen doch sehr seltsam anmutenden Geschichte auch dank einer wunderbaren Haji als mystische Zauberin und den originellen Title-Credits ein trashig-unterhaltsames und poppig-buntes Exploitation-Werk, dass seine eigentlich sehr ernsten Themen auf augenzwinkernde Weise abhandelt, manch unerwarteten Schwenk beinhaltet und so dem abgeklärten Zuschauer auch sicherlich viel Freude bereitet.

Common Law Cabin
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Hoople’s Haven ist eine heruntergekommene Bar irgendwo im Nirgendwo von Colorado, dass mit einer etwas seltsamen Geschäftsidee am Leben erhalten wird. Mit einem kleinen Boot werden vom Trunkenbold Cracker angeworbene und reiche Städter in die Einöde gebracht, wo ihnen alkoholische Getränke und ein Showprogramm versprochen werden. Und so finden sich eines heißen Tages auch ein Ärzte-Ehepaar und ein etwas zwielichtiger Geschäftsmann an dem lasterhaften Ort ein, der von Dewey, seiner drallen französischen Hausbesorgerin Babette und seiner Tochter Coral geführt wird. Doch anstatt Party und Besäufnis stehen bald ganz andere Dinge am Programm und ein Strudel aus Sex, Lügen und Verrat erschüttert den beschaulichen Ort, bei dem es neben der Wahrheit auch bald weitere Opfer zu beklagen gibt.

Ein weiteres, herrlich überzeichnetes Werk von Russ Meyer und was wie ein harmloser Tagesausflug beginnt, wird für seine Protagonisten rasch zu einem triebgesteuerten Desaster, bei dem kein Stein auf den anderen bleibt. Die Geschichte ist hier ja herrlich überzogen und beginnt bei dem durchschnittlichen Wirt mit seiner weniger durchschnittlichen Hausbesorgerin, einem Ehepaar mit unausgesprochenen Konflikten und einem Geschäftsmann mit dunklem Geheimnis, dem nebenher auch noch ständig die Hormone durchgehen. Eigentlich klar, dass sich diese explosive Mischung mit jeder Menge Alkohol und Laster auch irgendwann entzündet und das Finale ist dann auf fast schon Comic-hafte Weise herrlich „campy“ und völlig überzogen, dass man sich eigentlich nur noch verwundert die Augen reiben kann. Hier wird ja im ohnehin schon haarsträubenden Verlauf der Geschichte immer noch ein kleines Scheibchen draufgelegt und trotzdem ist die sommerliche Sause so inszeniert, als wäre es die normalste Sache der Welt. Lustiger und unterhaltsamer kann der Blick in menschliche Abgründe ja kaum sein und was bei anderen Regisseuren zum handfesten Kriminaldrama verkommt, geht hier in den Händen von Russ Meyer zum Glück für den Zuschauer auch in Richtung sexuell aufgeladener „Shake-a-delic-Beach-Party“ mit viel augenzwinkernden Fragezeichen und noch mehr wogenden Brüsten.

Mondo Topless
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Die wunderbare Welt der Unterhaltungselektronik macht jährlich Fortschritte und im Jahre 1966 ist man nicht mehr auf Big-Band oder sperrige Jukebox angewiesen: mit tragbaren Radio- und Bandgeräten nimmt man die Musik einfach mit und kann so jeden belieben Ort der Welt – egal ob Strand, Schlammloch, Wald, Wiese oder einfach nur am Hochspannungsmasten - in seine private Disco oder Tanzsalon zu verwandeln. Dokumentar-Filmer und Technik-Fan Russ Meyer macht sich in Amerika und Europa auf die Suche um diese neueste Unterhaltungselektronik zu finden und präsentiert diese kleinen Geräte und ihren Einsatz anhand zahlreicher und bewegungsfreudiger Damen.

Etwas biedere, einstündige aber für den geneigten Fans durchaus interessante Vintage-Dokumentation über das Wunder Technik bzw. über kleine, tragbare Wiedergabegeräte, die hier in Form einer einstündigen Dokumentation mit viel schmissiger Musik und Tanzakrobatik präsentiert werden. Die kleinen Geräte eignen sich auch hervorragend für den Einsatz in der freien Natur und die zahlreichen Damen erfreuen sich auch sichtlich an diesen mobilen Geräten, sodass sie ihrer Freude spontan großen Ausdruck verleihen. Neben den Freudentänzen in der Nähe dieser Geräte erläutern die Damen mit ihrem blumigen Namen mittels Voice-Over-Kommentar ihre Befindlichkeiten und präsentieren so ein durchaus vielschichtiges Bild unterschiedlicher Einsatzmöglichkeiten moderner und kabelloser Unterhaltungstechnologie. Alles durchaus eindrucksvolle Geräte - doch Bilder sagen mehr als tausend Worte…

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Vixen
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Die dralle Vixen ist die junge Gattin eines vielbeschäftigten Piloten Tom, die in der Provinz Kanadas ein Rückzugsgebiet für reiche Touristen führt. Doch Vixen kümmert sich nicht nur hingebungsvoll und mit vollem Körpereinsatz um ihre Kunden, sondern wirft sich während der Abwesenheit ihres Mannes auch jeglichen Männern in der Umgebung an den Hals. Nur mit Schwarzen kann die offene Rassistin nicht und so gibt es auch immer wieder heftige Wortgefechte mit Niles, dem Freund ihres jüngeren Bruders, der in den Staaten vom Wehrdienst desertiert ist, um nicht in Vietnam zu dienen. Die Streitigkeiten zwischen den Beiden schaukeln sich jedoch immer weiter auf und als auch noch ein gewaltbereiter Kommunist auf der Bildfläche erscheint, der Toms Maschine nach Kuba entführen möchte und Niles unter Vorspiegelung falscher Tatsachen als Komplize anheuert, eskaliert die Lage völlig.

Russ Meyers 1968 gedrehter Streifen „Vixen“ ist ein bisweilen doch sehr seltsam anmutendes Werk, dass einerseits die üblichen Zutaten wie Softsex und etwas Gewalt beinhaltet, aber im letzten Drittel in seltsame Gefilde abdriftet und dabei überraschend politisch wird. Mit Themen wie Rassismus und die Bedrohung der Demokratie durch gewaltbereite Kommunisten packt Meyer ja gleich zwei heiße Eisen an und die Aufmerksamkeit des Publikums war dem provokanten Werk im Jahr 1968 wohl so ziemlich gesichert. Heutzutage wirkt der offen ausgelebte und scheinbar von Umfeld tolerierte Rassismus der Hauptfigur aber doch arg erschreckend, während kommunistisch motivierter Terrorismus ja heutzutage kein großes Thema mehr ist. Die deutsche Synchronfassung scheint aber ebenfalls von der Originalversion abzuweichen und ersetzt die Sache mit dem Kommunisten – wie man liest - anscheinend durch Drogenschmuggel. Nichts gegen politisch unkorrekte Filme, aber als Sympathieträgerin taugt die moralisch verkommene Vixen ohnehin nicht und dass ihr Bruder mit nationalsozialistischen Symbolen durch die Gegend fährt und sich von seiner Schwester unter der Dusche verführen lässt, macht die ganze Sache auch nicht gerade sympathischer. Als augenzwinkernder, überzeichneter und offensichtlich auf Provokation gebürsteter Unterhaltungsfilm aus der Exploitation-Ecke bleiben für mich persönlich dann auch zu viele Fragenzeichen und Diskussionsbedarf zurück und ich hoffe, dass die Intention des Machers tatsächlich darin lag, gesellschaftliche Problematiken auf sehr plakative Weise aufzuzeigen.

Finders Keepers, Lovers Weepers
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Bar-Besitzer Paul ist zwar mit der hübschen Kelly verheiratet, seine sexuelle Befriedigung holt er sich aber bei Puffmutter Claire und ihren drallen Personal, das sich auf allerlei exotische Spielarten der käuflichen Liebe verlegt hat. Als es deswegen unter den Eheleuten wieder einmal zum Streit kommt, beschließt die beleidigte Kelly zur Bestätigung ihrer Weiblichkeit kurzerhand in Bar ihres Mannes vor den zahlreichen Besuchern zu strippen, wo eine Tänzerin kurzfristig ausgefallen ist und der Barkeeper Ray ohnehin ein Auge auf sie geworfen. Doch das außereheliche Techtelmechtel von Kelly und Ray wird unsanft beendet, da in derselben Nacht auch noch ein paar gewaltbereite und brunftige Gangster in die Bar gekommen sind, um die Tageslosung aus dem Safe zu stehlen und als dann auch noch Paul auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos ohnehin perfekt.

„Finders Keepers, Lovers Weepers“ ist nach den zahlreichen und schwer unterhaltsamen Filmen der letzten Tage doch ein arg unterdurchschnittliches Vergnügen, was wohl in erster Linie an der lahmen Geschichte und den nicht sonderlich spannenden Figuren liegt. Die Geschichte zu dem episodenhaft angelegten Sexploitation-Reißer „Null Null Sex“ wurde wohl in ein paar Minuten erdacht und die Ereignisse um einen umtriebigen Bar-Besitzer, dessen Ehe-Probleme und den Einbruch wirken lieblos umgesetzt und auch die Hauptdarstellerin Anne Chapman im Vergleich zu den sonstigen Darstellerinnen aus dem Russ Meyer-Stall ebenfalls etwas farblos, viel zu brav und eher deplatziert. Die Höhepunkte in dem ohnehin kurzen Werk sind jedenfalls rar gesät und abgesehen von dem spaßigen Auftakt, bei dem die Title-Credits auf Flaschenetiketten gedruckt wurde, der groovigen Musik und eine etwas seltsam anmutende Unterwasser-Kopulation-Szene, zu denen Stockcar-Zusammenstöße montiert wurde, gibt es in dem Streifen kaum nennenswerte Momente, an die man sich ein paar Tage danach noch erinnern könnte. Insgesamt betrachtet doch eine rasch und Höhepunkts-los heruntergekurbelte Mischung aus zahmen Softsex und lahmen Krimi, der – angesichts der anderen Werke Meyers – eher keinen Hund hintern Ofen hervorlocken dürfte.

Beyond the Valley of the Dolls
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Die junge wie talentierte Kelly fährt mit ihrer Girl-Band „The Kelly Affair“ und ihrem Manager nach Los Angeles um dort ihre Tante zu besuchen, die erfolgreich als Designerin arbeitet. Als sie dadurch bei einer Party den exzentrischen Musikproduzenten Ronnie kennenlernt, tauft dieser die Band in „The Carrie Nation“ um und wenig später geht die Erfolgskurve bereits steil nach oben. Doch mit dem Erfolg kommen auch die Probleme und Sex, Drogen und Alkohol, sowie Eifersucht und falsche Freunde sorgen im Umfeld der Band für allerlei Turbulenzen und auch dafür, dass nach dem kometenhaften Aufstieg auch irgendwann unweigerlich ein Abstieg folgt, der für einige Bandmitglieder auch mit drastischen Konsequenzen verbunden ist.

Russ Meyer hat ja in seiner Karriere ein paar bemerkenswerte Filme abgeliefert, die zur Zeit ihrer Entstehung ja oftmals noch nicht die Wertschätzung entgegen gebracht wurde, die sie Jahrzehnte später erfahren sollte. „Beyond the Valley of the Dolls“ war jedoch schon bei Erscheinen ein großer Erfolg, das wohl daran lag, dass Meyer mit diesem unautorisierten Sequel den Finger am Puls der Zeit hatte, bzw. dieser wieder einmal voraus war. Gemeinsam mit Drehbuchautor Roger Ebert liefert Meyer hier eine grell überzeichnete Satire auf den Musikbetrieb in Los Angeles ab und lässt dabei auch kein Klischee aus, welche damals von der Klatschpresse aufgegriffen wurde. Dabei gibt es neben viel herausragender Musik auch viele soapige Momente und ein völlig jenseitiges Finale, das den fassungslosen Zuschauer auch nur noch staunen lässt. Dabei ist „Blumen ohne Duft“ aber nicht irgendwie billig oder trashig, sondern ausnehmend hübsch gemacht und versprüht dabei zu jeder Sekunde den hedonistischen Lebensstil einer Generation auf der Suche nach persönlicher Entfaltung, künstlerischer und sexueller Freiheit. „Musical-Horror-Sex-Comedy“ beschreibt ja noch am besten, was Russ Meyer und Roger Ebert hier auf den Zuschauer loslassen und auch wenn sich Meyer wenig später wieder vom großen Studio-System verabschiedet hat um seine Visionen im Indie-Film weiter zu verwirklichen, hat er sich hier zweifelsfrei ein sehr würdiges und herausragendes Denkmal geschaffen.

The Seven Minutes
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Der junge Anwalt Mike aus Kalifornien wird eines Tages von einem New Yorker Verlagshaus engagiert um einen Buchverkäufer zu verteidigen, der mit dem Verkauf des Buches „The Seven Minutes“ gegen ein Gesetz gegen Verbreitung von Pornografie verstoßen hat. In der Verhandlung soll nicht nur der Verkäufer wieder als freier Mann das Haus verlassen, sondern auch der Ruf des Verlagshauses und das konfiszierte Werk wieder rehabilitiert werden. Als „The Seven Minutes“ jedoch auch bei einem jungen Mann gefunden wird, dem eine Vergewaltigung zur Last gelegt wird, wittern der Staatsanwaltschaft und konservative Mächte im Hintergrund politisches Kleingeld und schieben die Schuld des eigentlich unschuldigen Mannes auf den vermeintlichen Schundroman um so in einen aufsehenerregenden Prozess Schund, Schmutz und Pornografie endgültig aus dem Staate Kalifornien zu verbannen und die nächste Senatorenwahl zu gewinnen.

Eigentlich ein hochinteressantes Zeitdokument, was Regisseur Russ Meyer im Jahre 1971 mit der Verfilmung des Bestsellers „The Seven Minutes“ abgeliefert hat. In Zeiten, in denen die Verbreitung von erotischen Werken noch unter Strafe stand, liefert das Buch die Vorlage um konservative Kräfte zu entzaubern und auch in gleichnamigen Film geht es bald gar nicht mehr um das Verbrechen selbst, sondern um den Kampf gegen Bevormundung und Zensur unter dem Deckmantel des Jugendschutzes, dass ja auch heutzutage noch immer aktuell ist. In dem starbesetzten Streifen mit einem jungen Tom Selleck werden die üblichen Meyer-Themen wie Sex und Gewalt daher eher im Gerichtssaal abgehandelt und das knapp zweistündige Werk entpuppt sich dabei als durchaus spannende Angelegenheit mit einer hübschen Überraschung am Ende, das jedoch weitestgehend ohne viel nackte Haut auskommen muss. Natürlich gibt es ab und an einen nackten Rücken, aber größtenteils wird die Geschichte dazu genutzt um die konservative Scheinheiligkeit anzuprangern und wie diese versuchen auf manipulative Weise ihre durchschaubaren Interessen durchzusetzen. Dabei ist „The Seven Minutes“ zur Hälfte anwaltliche Schnitzeljagd und Gerichtssaaldrama gleichermaßen und ein Streifen, den zumindest ich mir in der Form nicht von Russ Meyer erwartet habe. „The Seven Minutes“ nimmt dann als einer seiner beiden großen Studiofilme in seinem Schaffen auch eine Ausnahmestellung ein und herausgekommen ist ein Streifen, der mir ausnehmend gut gefallen hat und auch die Arthouse-Filmfans ansprechen sollte, die ansonsten mit dem ebenfalls nur vermeintlichen Russ Meyer Schmuddel wenig anzufangen wissen.

Cherry, Harry & Raquel
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Harry ist ein korrupter Bulle irgendwo an der Grenze zu Mexiko und bessert sich sein staatliches Gehalt mit Marihuana auf, das er gemeinsam mit seinem Kumpel Enrique im Auftrag von Mr. Franklin über die Grenze schmuggelt. Als ihnen dabei jedoch immer wieder ein anderer Gangster namens Apache in die Quere kommt, bekommt Harry von Franklin den unmissverständlichen Auftrag, den Indianer ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen. Doch der Polizist hat Skrupel und beschäftigt sich in seiner Freizeit ohnehin lieber mit seiner drallen Freundin Cherry, die im örtlichen Krankenhaus jobbt und der nicht minder erotischen Raquel, die ebenfalls an keinem Mann vorbei kommt. Der Auftragsmord geht schief und als der Apache verletzt flüchten kann, ist das der Auftakt zu weiteren Ereignissen die das Grenzgebiet noch nachhaltig erschüttern werden…

„Megavixens“ ist ein Russ Meyer-Werk genau nach meinen Geschmack und bietet neben drallen Schauspielerinnen, harten Männern, jede Menge Sex, Action und Gewalt auch noch herrlich entrückt wirkende Szenen mit der halb- oder ganz nackten Uschi Digard, die kurzerhand – und warum auch immer – in die spärliche Kriminalhandlung integriert wurden. Diese springt dann im Indianerkostüm durch die Wüste, räkelt sich am Pool und spricht in der Originalversion schwedische, französische und deutsche Worte in ein Telefon, die man auch gar nicht verstehen muss, um die ganze Sause toll zu finden. Charles Napier gibt den toughen Polizisten, der sexuell und kriminell nichts anbrennen lässt und einen kleinen Schocker gibt es auch noch, den ich so ebenfalls nicht erwartet habe. Im Jahr 1970 ist auch endlich „full frontal nudity“ erlaubt, was hier auch mit Männlein und Weiblein gefeiert wird. Insgesamt zwar vielleicht nicht durchgängig unterhaltsam und irgendwie handlungstechnisch immer etwas neben der Spur, aber insgesamt betrachtet schon ein herrlich schräger, lustig doofer, poppig-bunter und bes(ch)wingter Sexploitation-Reißer aus den Untiefen des schlechten Geschmacks, wie geschaffen für ein sensationslüsternes Publikum, Mitternachtsvorstellungen und das Nachtprogramm privater TV-Sender der Neunzigerjahre.

Black Snake
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Im Jahre 1835 reist der englische Adelige Charles Walker unter falschen Namen auf eine karibische Insel, wo er seinen verschwundenen Bruder Jonathan vermutet. Dort angekommen findet Charles jedoch nicht seinen Bruder, sondern lediglich dessen Gattin Lady Susan, die mit Lederpeitsche, ihrer Privatarmee und jeder Menge Sadismus auf der Insel ein Schreckensregiment aufgezogen hat. So lässt sie unterdrückte Sklaven auf ihrer Zuckerrohrplantage schuften und hat Spaß dabei, wenn sie diese für kleinere und größere Verfehlungen bestrafen kann. Doch unter den Sklaven regt sich Widerstand und vor allem Joshua, der Sohn eines schwarzen Predigers ist nicht mehr gewillt, ein Leben in Gefangenschaft zu führen. Als sein Mordanschlag auf Lady Susan jedoch fehlschlägt und sich diese eine besonders drastische Bestrafung einfallen lässt, ist auch dessen Vater zum Aufstand bereit und in einer Welle der Gewalt werden die bisherigen Machtverhältnisse blutig auf den Kopf gestellt.

Nach „Vixen“ widmet sich Russ Meyer mit dem Sklaven-Drama „Black Snake“ abermals dem Thema Rassismus, auch wenn die beiden Streifen kaum miteinander zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu dem kostengünstig heruntergekurbelten Werk einer mannstollen Rassistin im neuzeitlichen Kanada, handelt es sich bei „Black Snake“ um ein Exploitation-Drama mit historischem Bezug über einen Sklavenaufstand auf einer britischen Kolonialinsel im neunzehnten Jahrhundert. Dabei überrascht nicht nur die grimmige und düstere Geschichte, sondern auch die Tatsache, dass es hier überraschend wenig nackte Haut und Humor – wenn - nur von der (haha) schwarzen Sorte gibt. Die unterhaltsame und frivole Leichtigkeit sucht man hier eher vergeblich und als Delirianer ist man durch die Mitwirkung von David Warbeck, dem erhöhten Gewaltpegel, bizarren Einfällen und exotischen Schauplatz irgendwie ohnehin geneigt, den sehr plakativ ausgefallenen „Black Snake“ in die italienische Genre-Ecke zu stellen. Große Brüste und Herrenwitze gibt es ja nicht zu bestaunen, dafür ein eher heftiges Finales, bei dem man sich dann auch nicht mehr wundert, warum in der deutschen Fassung gleich ein paar Minuten fehlen. „Black Snake“ ist dann auch nicht der übliche Meyer-Film mit Herrenwitz und Brüsten, sondern ein überraschend ernster, düsterer und geradliniger Blaxploitation-Reißer, der im Schaffen von Meyer auch aufgrund der Produktionsbedingungen eine Ausnahmestellung einnimmt.

Supervixens
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Der gutherzige Mec haniker Clint versucht eigentlich nur seiner geregelten Arbeit in der Garage von Martin Bormann nachzugehen, was aufgrund ständiger Avancen draller Damen und seiner chronisch eifersüchtigen, wie nymphomanischen Freundin Angel gar nicht so einfach ist. In einem Anflug heftiger Eifersucht setzt Angel ihren Freund vor die Türe und stürzt sich in eine Affäre mit dem impotenten Polizisten Harry, der sich als sadistischer Mörder entpuppt. Den Mord an der drallen Frau bekommt aber Clint in die Schuhe geschoben, der daraufhin die Flucht nach Vorne antritt. Doch auch die Reise ins Ungewisse ist geprägt von drallen Damen, die Clint an die Wäsche wollen und als er bei der Tankstelle von Supervixen nach seinen turbulenten Abenteuern endlich einen Platz findet, wo er länger bleiben könnte, steht auch Harry wieder vor der Tür um die sexuelle Idylle nachhaltig zu torpedieren.

Spätestens mit „Supervixens – Eruption“ ist Russ Meyer wohl endgültig dort angekommen, wo er von vielen Filmfans verortet wird: als Titten-fixierter Schundfilmer! Der 1975 entstandene Streifen ist ein trashiges, überdrehtes und Comic-haftes Road-Movie voller Sex und Gewalt und drallen Frauen, die sich hemmungslos ihren dauergeilen Gefühlen ergeben und überforderten Männern, die da nicht mehr ansatzweise mithalten können. Dabei ist „Supervixens“ schon zu Beginn ein großer Spaß, der aber immer wieder in Richtung Thriller kippt und den Zuschauer ständig mit vollkommen überzeichneten Wendungen konfrontiert. Hier ist alles völlig over-the-Top ausgefallen und das Highlight ist sicherlich die deutschsprechende Uschi Digard als Supersoul, die von ihrem dauergeilen Mann als „Frau mit österreichischen Namen, den man nicht aussprechen kann“ vorgestellt wird. Vielleicht ist das Finale, dass an „Motorpsycho“ erinnert etwas zu lange geraten und am Ende wird es irgendwie arg hysterisch, aber irgendwie kann man von diesem schrägen Wahnsinn ja ohnehin nicht genug bekommen. „Supervixens“ ist ein völlig überdrehter, niemals ernstgemeinter und herrlich unterhaltsames, politisch völlig unkorrektes Werk ohne Rücksicht auf Verluste, dass man mit seinen ganzen Verweisen, Menschenbild und Entwicklungen so wohl auch gar nicht mehr bringen könnte, ohne dass gleich die Moral-Polizei und sonstige Spaßbremsen auf die Barrikaden steigen würden.

Up!
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In einem Schloss-ähnlichen Anwesen in einem kleinen amerikanischen Ort wohnt der Altnazi Adolph Schwartz, der sich vor allem für SM-Sex und sonstige Sex-Praktiken interessiert, für die ihm die örtliche Bevölkerung zu Diensten steht. Als dieser in seinem Badezimmer einem bizarren Mordanschlag zum Opfer fällt, kehrt wieder etwas Ruhe ein und Alice und Paul können sich wieder mehr um ihr Diner kümmern, dass mehr schlecht als recht läuft. Als jedoch die mysteriöse Margo Winchester auf der Bildfläche erscheint ist es mit der Ruhe auch schon wieder vorbei und nachdem sie einen ortsbekannten Vergewaltiger ermordet wird sie nicht nur die Geliebte des Sheriffs, sondern sorgt als Kellnerin mit ihren körperlichen Reizen auch für einen Umsatzsprung. Doch auch diese Idylle hält natürlich nicht lange und die hormongesteuerten Männer, nymphomanische Frauen und der noch immer freilaufende Mörder sorgen im Finale für ein ordentliches Chaos.

Mit „Up!“ hat Russ Meyer wohl meiner Meinung nach sein persönliches Meisterwerk geschaffen. Weit weg von den dramatischen Tönen vorangegangener Werke steht hier Sex, Sex und nochmals Sex am Programm. Dazu gibt es einen Altnazi, dauergeile Dorfbewohner und merkwürdige Ereignisse am laufenden Band, bis in dem beschaulichen Ort kein Stein auf dem anderen mehr bleibt. Die Überzeichnung und parodistischen Elemente, gepaart mit viel Sex und etwas Gewalt muss man dabei schon mögen und was ja anfangs recht bizarr und dann wieder etwas leichtfüßiger entwickelt, endet ja in einem völlig jenseitigen Finale, dass einem den Mund offen stehen lässt. So eine Mischung kann man wohl nur von Russ Meyer erwarten, der es hier auch in alle Richtungen hemmungslos übertreibt und Sex, Gewalt und zotige Herrenwitze auf unterhaltsame Weise miteinander kombiniert. Wo früher noch mit subtiler Bildsprache und Schnitt gearbeitet wurde, wird mittlerweile voll draufgehalten und am Ende wird sogar die ratternde Kettensäge ausgepackt und wieder für etwas Ordnung im Chaos zu sorgen. Alles stets herrlich überdreht, spaßig und vollkommen neben der Spur muss man sich dann als Zuschauer auch nicht wundern, wenn einem danach der Kopf dröhnt, oder die Ohren glühen.

Beneath the Valley of the Ultra-Vixens
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In einer amerikanischen Kleinstadt in der Wüste erzählt ein Einheimischer von seinen durchschnittlichen Nachbarn, wie sie wohl auch in jeder anderen Stadt dieser Größe zu finden sind. Doch ein näherer Blick offenbart, dass hinter der gutbürgerlichen Fassade doch so einige Abgründe lauern. Da wäre einmal Lamar, der am Schrottplatz bei seiner Chefin seinen Mann stehen muss und seine nymphomanische Gattin Lavonia nur von hinten beglücken kann, die damit jedoch nicht einverstanden ist und sich ihre körperlichen Freuden überall dort holt, wo sich auch nur die kleinste Gelegenheit dazu bietet. Auch der zu Rate gezogene Zahnarzt und Paar-Therapeut bietet keine Hilfe, sodass Lamar seine Hilfe bei der drallen Moderatorin einer christlichen Senders holt, die ebenfalls so ihre kleinen Geheimnisse hat. Doch das sind nur einige Beispiele der tolldreisten und dauergeilen Bewohner dieser ach so durchschnittlichen Kleinstadt, die am Finale von Russ Meyer höchstpersönlich und süffisant durch den Kakao gezogen werden.

Bei seinem letzten Werk aus den Siebzigern (das Nachfolgewerk „Pandora Peaks“ kam ja erst 20 Jahre später) dreht Russ Meyer nochmals so richtig auf und präsentiert die Bewohner eine durchschnittlichen Kleinstadt, wie sie so durchschnittlich dann auch überhaupt nicht sind. Wie zu erwarten sind die Dorfbewohner eine illustre Mischung aus nymphomanischen Frauen, die ihre Männer mehr als nur überfordern, sodass diese ihren Rat bei Therapeuten, Predigern und in sonstigen Dingen suchen, denen allesamt eher ein zweifelhafter Erfolg beschienen ist. Dabei geht es in dem hysterisch überdrehten Werk voller Zoten vor allem um Sex und Russ Meyer hat auch sichtlich Spaß beim Präsentieren von nackter Haut und der süffisanten Demontage einer etwaigen, gutbürgerlichen Fassade. Der „Lebenstrieb“ nach Freud ist hier ja auch der Motor für die ganze, sexuell mehr als aufgeladene Geschichte und jenseits jeglicher Moral oder sonstigen Gefahren von schnellen Sex wird hier ohne Ende geknattert, gevögelt und begattet und Meyers sexuelles Kaleidoskop kleinstädtischer Befindlichkeiten hat auch immer die Lacher auf seiner Seite. Zwar muss man dieser Art von zotigen Herrenwitzen schon etwas aufgeschlossen sein und manchmal übertreibt es der werte Russ auch etwas, aber dem Herrn Meyer und seinem Faible für dralle Weiblichkeit kann man ja ohnehin nicht böse sein. Vielleicht ist „Beneath the Valley of the Ultra-Vixens“ dabei nicht ganz so unterhaltsam wie der Vorgänger „Up!“, aber immer noch ein unterhaltsamer und vor allem eine schräge Mischung aus Sexploitation und gesellschaftlicher Satire, wie sie heutzutage gar nicht mehr entstehen könnten.

Pandora Peaks
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Busenfetischist Russ Meyer setzt in seinem letzten Film aus dem Jahr 2001 das Erotik-Starlet Pandora Peaks und ihre immense Oberweite ins rechte Licht und verknüpft dieses in bewährter „Mondo Topless“-Manier mit weiteren Erzählsträngen und schnellen Schnitten in deinem dokumentarisch anmutenden Werk. Dieses führt Meyer nicht nur zurück in die Mojave-Wüste zu den Drehorten von „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“, sondern auch nach Deutschland, wo er sich neben deutschen Ortsnamen und Straßenbezeichnungen auf über deutsche Befindlichkeiten lustig macht. Zu den Bildern von drallen Brüsten und nackten Frauen, Ortstafeln, Unterhaltungselektronik und deutschen Joghurt-Produkten (!) erzählen Russ Meyer, Pandora Peaks und Uschi Digard von ihren aufregenden Erlebnissen und Befindlichkeiten.

Das letzte Regie-Werk von Russ Meyer ist voll und ganz auf die künstliche Oberweite von Pandora Peaks zugeschnitten, die in dem gleichnamigen Werk auch ausgiebig ihre Brüste in die Kamera des selbsternannten Busenfetischisten hält. Dabei ist der Streifen als Abschluss seines Lebenswerks die logische Fortsetzung von „Mondo Topless“ aus dem Jahr 1966 und verbindet abermals schnell geschnittene Bilder, Strip-Einlagen und viel nackte Haut von drallen Busenmodels, deren Bilder mit einem überzeichneten und nicht ernstgemeinten Kommentar von Russ Meyer und Uschi Digard unterlegt sind, die im englischen Original auch immer wieder deutsche Wörter in ihren Ausführungen einfließen lässt, während Russ Meyer vom Fischen und Drehorten in der Mojave-Wüste erzählt. Generell hat „Pandora Peaks“ zwar keine Spielfilm-Handlung, aber dafür einen überraschend großen Deutschland-Bezug und Russ Meyer scheint zu Lebzeiten neben einer von mir bislang nicht gänzlich durchschauten Hitler-Affinität wohl auch das deutsche Publikum besonders ins Herz geschlossen zu haben. Wer an dem Dokutainment-Striptease-Streifen „Mondo Topless“ schon seine Freude hatte, wird auch an „Pandora Peaks“ seine Freude haben und es ist irgendwie lustig zu sehen, wie dieses durchschaubare Konzept aus vermeintlicher Doku und Erotik auch noch 35 Jahre eigentlich noch ganz gut funktioniert. Wer sich an übergroßen Brüsten, die in Stretch-Kleider gequetscht werden nicht sattsehen kann, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten, mindestens genauso wie Russ Meyer, der mit seiner unvergleichlichen und augenzwinkernden Art den Zuschauer an seinem sehr offensichtlichen Fetisch teilhaben lässt.
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Re: Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

Beitragvon buxtebrawler » 12. Feb 2018, 14:36

Danke für diese schöne Übersicht, Jogschi! :thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2018, 16:00

Bitte - gerne! Eine kleine Retrospektive wollte ich ja immer schon machen und jetzt sind glatt 21 Filme daraus geworden. Hoffentlich kommt irgendwann auch im deutschsprachigen Raum mal eine Box mit den ungekürzten Filmen, die nicht so lieblos ausgefallen ist, wie die bisher verfügbaren Editionen...
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Re: Stars of Exploitation # 73 - Russ Meyer

Beitragvon ugo-piazza » 12. Feb 2018, 22:10

In den 80ern wurde immer wieder berichtet, Meyer würde an einem 8(?)-stündigen Mammutwerk namens "The breast of Russ Meyer" arbeiten. Weiß jemand, warum der nie fertiggestellt wurde?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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