Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

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Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon firetrain » 18. Sep 2010, 04:09

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Foto: Deutsche Videokassette: DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA

Seit den frühen '80ern gehören viele Filme mit Paul Naschy (= Jacinto Molina) zu meinen liebsten Begleitern - direkt nach dem Giallogenre -, und es gibt nicht viele Ikonen des Horrorfilms, die eine so enorme Anzahl an Kultstreifen im Gepäck haben. Eigentlich fällt mir da nur noch der wunderbare Vincent Price (der Grösste!) ein, den man in erstaunlich vielen Klassikern entdecken kann.

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Foto: Vincent, der Grosse!

Die bekanntesten Film-Auftritte von Paul Naschy sind natürlich seine Rollen als Waldemar Daninski, dem Werwolf - doch es gibt noch viele, viele andere wundersame Streifen, die in Deutschland nahezu völlig unbekannt sind. Da gibt es jedenfalls noch eine Menge zu entdecken für den echten Naschy-Fan, denn den meisten dürften Trash-Klopper wie LA VENGANZA DE LA MOMIA, THE WEREWOLF AND THE YETI oder auch JACK EL DESTRIPADOR DE LONDRES nicht allzu viel sagen. Leider sind viele deutsche Bootlegs im Umlauf, die den Fan damit locken wollen, das es halt deutschen Ton gibt - die Original-DVDs sind oft spanische Scheiben, die keinen englischen Ton und auch keine englischen UT haben. Doch es gibt ja auch viele tolle US-DVDs, die eine grosse Anzahl an Naschy-Filmen im Angebot haben. Die BCI Eclipse/Deimos-DVDs zum Beispiel sind absolute Top-Scheiben!
Richtig dreist sind Leute, die Bootlegs damit anpreisen, das ihre Version die EINZIGE Möglichkeit ist, den Film XXX zu Gesicht zu bekommen. Da werden völlig abgenudelte VHS-Kassetten auf DVD gebrannt und ganz offiziell zum Kauf angeboten - das ist schon ein Unding.

Ohne Paul Naschy gäbe es den spanischen Horrorfilm der späten '60er und kompletten '70er Jahre eigentlich nicht, und auch wenn er besser Gewichte stemmen konnte als schauspielern, spürt man in allen seinen Streifen seine grosse Liebe zum Horrorgenre - vor allem die alten Universalmonster hatten es ihm wohl angetan. Ohne Paule wäre da ziemlich Ebbe - da gibt es zum Beispiel noch die kultige Serie um die reitenden Leichen, die ich auch liebe, besonders den grossartigen ersten Teil DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN, doch dann kommt schon nicht mehr viel Dolles ohne den Paule.
Interessant ist, das von den meisten seiner Filme zwei verschiedene Versionen gedreht und zurechtgeschnitten wurden, und zwar die sogenannte clothed-Fassung für den spanischen Markt und die unclothed-Fassung für das ausländische Kino. Das lag wohl daran, das Franco in Spanien regierte, und damit waren nackte Titten und Sex ganz einfach verboten (im Kino zumindest). Das kann man zum Beispiel wunderbar nachvollziehen, in dem man sich die Laser Paradise-DVD von BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL und dann direkt im Anschluss die US-DVD mit dem Titel HORROR RISES FROM THE TOMB anschaut. Haben die Ladies im ersterem Klamotten an, kann man sie in letzterem oft nackt bewundern! Auf der US-DVD des Films gibt es unter anderem ein cooles Extra mit einem Bildvergleich clothed - unclothed. Das ist schon 'ne witzige Sache, das mal so im Zusammenhang zu sehen.


Paul Naschy wurde 1934 als Jacinto Molina geboren, und sein Pseudonym ist eine Mischung aus Papst Paul dem VI und Imre Nagy, einem ungarischen Gewichtheber. Nach einigen Winzrollen, kam dann 1968 mit DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA (LA MARCA DEL HOMBRE LOBO) der ganz grosse Durchbruch - für Paul Naschy UND dem spanischen Horrorfilm. Zu bekommen ist die deutsche Videokassette eigentlich ziemlich leicht - mit etwas Glück und genug Kohle kann man den Film sogar noch neu und verschweisst auftreiben!
Die Story erinnert an alte Europa-Hörspielplatten ala DUELL MIT DEM VAMPIR und besonders an DRACULA TRIFFT FRANKENSTEIN, und man merkt durchaus, das die Macher des Films wohl selbst noch nicht so genau wussten, wohin die Reise denn gehen sollte. Da schielte man halt zu den damals angesagten Horrorschockern aus den berühmten Hammerstudios - dazu noch eine Prise der alten Universalmonsterhelden und einen gewissen eigenen Touch, der sich in den Folgejahren zu einem typisch spanischen Horrorstil entwickeln sollte.
Jedenfalls geht die Geschichte ungefähr so: Paule wird von einem wiedererweckten Werwolf verletzt, was ihn beim nächsten Vollmond selbst zu einem "Meister Petz" mutieren lässt. Dann taucht aus dem Nichts ein Vampirpärchen auf, das Paule abmurksen will, um die alleinige Herrschaft des Bösen an sich zu reissen - und zum Schluss kloppt dann alles aufeinander ein bis der Putz von der Decke rieselt.
Erstaunlich ist, das die Szenen mit den Vampiren deutlich mehr Gruselstimmung in die Bude bringen als Paules putzige Auftritte als wildgewordener Teddybär. Nicht nur wegen seiner Statur nennen ihn manche Fans auch Paule Nasch(y)bär! Denn ausgerechnet der Kampf zwischen Paule und dem zweiten Werwolf, der ihm die ganze Sache ja erst eingebrockt hat, ist sagenhaft komisch anzusehen - und eben alles andere als erschreckend! Jedenfalls dürften gerade diese Szenen den Cineasten sämtliche Schuhe ausgezogen haben, und das inklusive Socken.
Ich find den Streifen schwer unterhaltsam, denn man spürt das Paule seine Universalmonster wirklich verehrt. Und wenn dann in der deutschen Synchro der Satz "Wir sollten den Oberförster um Rat fragen" fällt, ist wirklich alles aus...
Einen Dracula gibt es natürlich nicht, und zwar genauso wie es keine Draculas in Mario Bavas Meisterwerken DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT und DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA gibt. Die deutsche Titelschmiede ist schon ein Phänomen, das wohl für alle Zeiten Rätsel aufgibt. SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL, DAS BLUTIGE SCHLOSS DER LEBENDEN LEICHEN, TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER - die Liste ist nahezu endlos!


Schon ein Jahr danach kam dann eine völlig durchgeknallte deutsch/italienisch/spanische Koproduktion in die Kinos, die wirklich zu den grössten Knallschoten zählt, die jemals gedreht wurden: DRACULA JAGT FRANKENSTEIN (LOS MONSTRUOS DEL TERROR), den man ebenfalls leicht als Videokassette finden kann. Tja, und wer hat wohl das irre Drehbuch geschrieben? Na klar: Paule selbst! Einige Skripte soll er ja in einzelnen Nächten aufs Papier gekritzelt haben, und das sieht man zumindest DRACULA JAGT FRANKENSTEIN auch wirklich an...
Als Storybeschreibung reicht eigentlich ein Satz: 3 Ausgesandte eines um Lichtjahre entfernten Planeten, wollen die Mumie, Frankensteins Monster, Dracula und Naschy-Paul als Werwolf zum Leben erwecken, um somit die Weltherrschaft an sich zu reissen... Wie das mit dem Weltherrschafts-Dingens funktionieren soll, weiss jedoch niemand!
Die Handlung erinnert mehr denn je an das DRACULA TRIFFT FRANKENSTEIN-Hörspiel (das ich mir ab und zu immer noch reinziehe - ist übrigens mit Horst Frank!), doch das einzige wirklich grosse Manko des Filmes ist, das man ausgerechnet Paule viel zu selten vor die Linse bekommt - und seine Auftritte als Werwolf sind dann auch noch so zahm, das man den Streifen mit ruhigem Gewissen ab 12 Jahren freigeben könnte - ohne Jux! Naja, da wäre ja noch das grüne(!) Frankenstein-Monster, das in einem Blindenheim besser aufgehoben wäre, denn es stolpert mit geschlossenen Augen durch die Botanik! Und die Mumie, naja, die könnte nichtmal meine Omma erschrecken, so lahm wie die durch die Gegend schlurft. Und Dracula kann man dann völlig vergessen. Und weil zum Schluss mal wieder alle wild aufeinander einkloppen, erinnert das Ganze fast schon an Al Adamsons Kultknaller DRACULA VS. FRANKENSTEIN, den ich auch ganz ulkig finde.

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Foto: Karin Dor (jamm!)

Dafür gibt es aber einige bekannte Nasen zu sehen: z.B. Karin Dor, die viel hübscher ist als die modrigen Mordgesellen - einfach zum ANBEISSEN sieht sie aus, wenn ich schon bei Vampiren bin. Dann wäre da als Boss der Ausserirdischen Michael Rennie, den Giallo-Freaks bestimmt aus SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL kennen dürften, wo er den ermittelnden Kommissar spielt. Übrigens ein fantastischer Giallo, den Antonio Margheriti da 1967 rausgezaubert hat. Die grossartige Fotografie des Films setzt diesem Krimi Italiana noch die Krone auf...
Sci-Fi-Fans kennen Michael Rennie vielleicht auch als Klaatu, den Ausserirdischen aus dem ebenfalls tollen DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND.
Schade, das das Budget von DRACULA JAGT FRANKENSTEIN nicht für die eingeplanten Raumschiffszenen reichte - das wäre bestimmt noch die absolute Krönung dieser depperten Kirmes-Veranstaltung gewesen... Man kann nicht alles haben!

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Foto: Paule als "Meister Petz" in DIE NACHT DER VAMPIRE

Doch schon 1970 kam dann einer der schönsten, wundervollsten Werwolf/Vampir-Streifen ins Kino, die ich jemals erblickt habe: DIE NACHT DER VAMPIRE (LA NOCHE DE WALPURGIS), denn in diesem Film stimmte einfach ALLES, und man bekommt genau das geboten, was man in einem trashig-kultigen Horrorfilm sehen möchte - wunderschöne, sexy Vampirinnen, die in Zeitlupe durch die Gegend hüpfen und Hälse anknabbern (die Zeitlupenszenen sind wirklich atemberaubend und mehr als ästhetisch), Paule als "Meister Petz", eine finstere Waldgegend, ein stimmiges unheimliches Haus, ein Friedhof auf dem die tote Gräfin Bathory zu neuem Leben erweckt wird, rollende Köpfe, eine knallbunte Farbfotografie, schöne Mucke, irre Klamotten, Titten... Was muss das für eine wirklich geile Zeit gewesen sein! Gib mir 'ne Zeitmaschine und ich düse direkt in ein Kino des Jahres 1970 - Vorstellung: DIE NACHT DER VAMPIRE!
Von dem Film gibt es eine deutsche DVD, die ganz ok ist - und eine coole US-Scheibe, die etwas mehr zu bieten hat...

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Foto: DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE

Zwei Jahre danach gab es dann einen weiteren Meilenstein in der seligen Trash-Historie des Bizarren und Naiven: DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE (DR. JEKYLL Y EL HOMBRE LOBO) - die Story ist wirklich SEHR ulkig...
Ein Pärchen (Walter und Justine) fährt durch den dunklen Wald, und als sie schliesslich aussteigen, treffen sie auf einen Dorfdeppen mit verschobenen Gesichtszügen, der sich jedoch als harmlos herausstellt. Nicht ganz so harmlos sind die bösen Dorfbewohner, die Walter prompt die Preiselbeeren aus der Plauze kloppen. Und dann taucht plötzlich Paule auf, der wenigstens noch Justine heldenhaft vor den Strolchen retten kann. Doch Paule hat ein Problem zu beichten: in Vollmondnächten verwandelt er sich in einen Werwolf! Da ist guter Rat teuer... Justine kennt jedoch rein zufällig einen gewissen Dr. Jekyll (der stets sympathische Jack Taylor, dessen alberne Dauerwelle in ORGIE DES TODES das Beste am ganzen Film war), der mit seinen verrückten Experimenten vielleicht auch Paule helfen könnte. Also machen sich die beiden aus dem Staub in Richtung London...

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Foto: Jack Taylor (mit Dauerwelle auf'm Kopp) und Fabio Testi in ORGIE DES TODES

Und in London geht's dann richtig rund: Paule verwandelt sich nach einem Experiment von Dr. Jekyll (das auf eine unglaublich putzig-naive Art und Weise "wissenschaftlich" erklärt wird) in den besagten Mr. Hyde und legt richtig los!

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Foto: Jack Taylor (Stets sympathisch!)


Hui, das macht Spass! Selbst für seine sonstigen abgedrehten Filmrollen ist DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE (wieso eigentlich Wölfe - es gibt ja nur EINEN) noch eine grandiose Steigerung. Die Naivität der Story hat einen knallbunten Trash-Charme, der Paule-Fans in die Hände klatschen lässt vor Vergnügen. Und doch spürt man wieder auch seine Hingabe und Liebe für diese horriblen Stoffe - ganz egal ob die Vorbilder nun aus Klassikern des Films oder der Literatur kommen mögen. Da wird einfach eine klassische Geschichte erzählt - nur eben im etwas kleineren Paule-Format, sprich: leicht modernisiert (hust) und mit ein paar Titten und Splatterszenen aufgemöbelt. Man nehme einen Werwolf und eine fette Prise Mad-Scientist-Unfug in Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Manier (nur 1000mal naiver) und mixe das Ganze mit ein bisschen Sex, Blut und ein paar Gruselmumpitz-Einlagen, und schon hat man einen Film, den Paule-Fans lieben und Leute, die sich sonst nur Hollywoodschund anschauen, in die Irrenanstalt treibt, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen dürfen. Ich finds jedenfalls toll.
Gibt es als deutsche Videokassette. Vorsicht vor dem bösen DVD-Bootleg!

Kurz danach kam dann schon der sagenumwobene DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (EL JOROBADO DE LA MORGUE), den man in einer toll aufgemachten Anolis-DVD kaufen kann - das Ding ist wirklich irre und wird eines Tages ein geschätztes Sammlerstück sein. Auch mein Lieblings-Filmgelehrter Christian Kessler (wer sonst???) hat einen schön informativen Text ins dicke Booklet geschrieben - amüsant wie immer! Sein Audiokommentar zu SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL ist übrigens auch ein Hit...
Zu meinen Favoriten zählt DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN jedoch nicht, weil mir die Geschichte und Atmosphäre zu sehr auf Tragödie ala DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME getrimmt ist (Paule spielt einen Buckligen, den alle verspotten) - und weil etliche Ratten bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Nee, das muss nicht sein... Für Fans ist der Film natürlich dennoch Pflicht, denn allein das fiese Monster, das man am Ende des Films bestaunen kann, ist das Eintrittsgeld wert. Auch wenn es mit meinem Lieblingsmonster aus FRANKENSTEINS HORRORKLINIK nicht ganz mithalten kann... Dazu kommen dann einige heftige Splatterszenen, die man so noch nicht gewohnt war - zumindest nicht in einem Streifen mit Paul Naschy...


1973 kam dann BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL (EL ESPANTO SURGE DE LA TUMBA aka HORROR RISES FROM THE TOMB) in die Kinos, den ich für den besten Streifen halte, den Carlos Aured jemals inszenierte.
Paule spielt ausnahmsweise mal keinen "Meister Petz", sondern Alaric de Marnac, dessen Charakter deutlich an den von Gilles de Rais angelehnt ist, dem grössten französischen Massenmörder, der es besonders auf Kinder abgesehen hatte und zusammen mit Gräfin Bathory bestimmt ein hübsches Paar abgegeben hätte. Marnacs Geliebte im Film ist jedoch die mehr als entzückende Helga Line, die vielen Freunden des europäischen Exploitation-Films bekannt sein dürfte. Leckere Dame, muss ich sagen. Am Anfang des Films wird Marnac jedenfalls die Rübe abgesäbelt und Helga kopfüber an einem Baum aufgehängt, wo man sie so lange abmurkst bis sie schliesslich hin ist ( :oops: )! Doch in der Gegenwart von 1972 beschwört Marnacs Geist seinem Nachkommen (auch Paule!) und dessen Freunden (u.a. Vic Winner und zwei heisse Schnecken, die man in den '70ern wohl als "dufte Typen" bezeichnet hätte), ihn, also Marnac, zu neuem Leben zu erwecken. Nach einigen kleineren Rangeleien (wie Mord und Todschlag zum Beispiel) pappt die muntere Bande einfach Marnacs abgetrennten Schädel an den offenen Hals - und schon gibt der wieder Gummi!

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Foto: Helga wird so lange abgemurkst bis sie tot ist!

Die getricksten Szenen mit seinem abgetrennten Schädel sind so genial, das man vor Freude in die Hände klatschen möchte - besonders die Szenen, in denen Paule mit weit aufgerissenen Augen ganz böse starrt, während sein Kopp durch die Gegend getragen wird, sind wirklich zu komisch! Das erinnert dann auch an den 10 Jahre später entstandenen PANIC BEATS (aka HEARTBEAT), in dem Paule zu Beginn des Films in einer Ritterrüstung steckt und eine nackte Frau totschlägt - und ebenfalls ziemlich böse aus der Wäsche beziehungsweise Rüstung schaut.
Als man auch Helga wieder auf die Beine geholfen hat (Marnac besteigt ihr Skelett im Sarg, und schwups sieht man Helga, wie man(n) sie sehen will: nackt - und zum Anbeissen schön), machen sich die beiden auch schon auf, um neue Schandtaten zu begehen. Und von da ab geht's richtig zur Sache: lebende Leichen, rollende Köpfe, rausgerissene Herzen...

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Foto: Helga und Paule mit rausgerissenem Herz!

Das ist wirklich ein grandioses, knallbuntes Trash-Feuerwerk, das man sich nicht entgehen lassen solte als Fan des Eurohorrors! Und auch wenn Paule das Drehbuch in 36 Stunden geschrieben haben soll - ist doch egal!

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Foto: Die leckere Helga Line!

Von BCI Eclipse/Deimos gibt es eine tolle DVD, die den Streifen bestens restauriert und in satten Farben zeigt - dazu gibt es massenhaft Extras und ein cooles Booklet. Mehr kann man nicht erwarten. Schade, das auch dieses kultige Label den Bach runtergegangen ist. Solche Restaurationen kosten nämlich einiges...

Dann kam TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER (LA ORGIA DE LOS MUERTOS), der wirklich einen der unglaublichsten deutschen Titel hat. Einen Totenchor gibt es in dem Film natürlich nicht - das Wort "Knochenmänner" finde ich dagegen richtig ulkig, denn darauf muss man erstmal kommen!
Paule spielt diesmal einen nekrophilen Wurzelsepp und hat keine wirkliche Hauptrolle ( :cry:)! Die erste Rolle spielt nämlich ein blonder Hanswurst mit Pornobalken, der sowas wie den Helden darstellen soll. Sein Haarschnitt sieht selbst für 1973 noch absurd aus. Er dackelt jedenfalls in ein finsteres Dorf um seinem verstorbenen Onkel die letzte Ehre zu erweisen und um die Penunze abzustauben. Doch mitten des Weges entdeckt er eine erhängte Frau (US-DVD-Titel von Troma: THE HANGING WOMAN), die wirklich horribel ausschaut und mich mit ihrem Toten-Make-up an das von Erica Blanc (lechz!) in MURDER MANSION erinnert. Übrigens auch ein ziemlich spannender Spanien-Grusler mit unzähligen Plot-Twists...

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Foto: Erica Blanc in THE DEVIL'S NIGHTMARE

Im Hause des verstorbenen Onkels erfährt er dann bei der Testamentsverlesung, das die meisten Klunker in seinen Besitz übergehen. Als dann einige Morde an seinen Verwandten begangen werden, glauben natürlich alle, das Hanswurst der Butzemann ist, der auf diesem Wege die gesamten Piepen einkassieren möchte. Da ist guter Rat teuer! Doch dann tauchen auf einmal die Ermordeten als lebende Leichen auf...

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Foto: Hanswurst (rechts)

Regisseur Jose Merino setzt vermehrt auf Gruselspannung ala Edgar Wallace und die Frage, ob die lebenden Leichen "echt" sind oder ob Hanswurst reingelegt werden soll.
Ich finde den Streifen ziemlich gelungen, denn die Story ist wirklich mal was anderes (zumindest damals ist's noch neu gewesen), und auch sonst zieht sich der Film mehr als achtbar aus der Affäre...

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Foto: Die alte VMP-Kassette

Zum Abschluss nochmal einen richtigen Knaller, und zwar THE BLUE EYES OF THE BROKEN DOLL (aka HOUSE OF PSYCHOTIC WOMEN), einem waschechten Giallo - nur eben nicht aus italienischen, sondern aus spanischen Händen. Aus Spanien gabs ja nicht allzu viele gialloeske Sachen - TODESKREIS LIBELLE (auch mit Naschy - gibts auf DVD) und DIE HEISSE NACHT DER KILLER von Juan Bosch fällt mir auf Anhieb noch ein. DIE HEISSE NACHT DER KILLER gibt es übrigens als tolle deutsche Videokassette...
In BROKEN DOLL sehen wir Paul Naschy eine französische Landstrasse entlanglaufen - auf der Suche nach Arbeit, denn er hat eine Zeitlang im Bau gehockt, weil er seiner Exfrau beinahe den Hals umgedreht hätte. Dann stoppt eine Autofahrerin, die Paule dann Arbeit rund ums grosse Familienhaus anbietet. Das lässt sich Paule natürlich nicht 2mal sagen und steigt ein. In dem Haus der Lady wohnen noch ihre beiden Schwestern - eine ist nymphoman, die andere sitzt im Rollstuhl, sprich: ein Haus ganz nach meinem Geschmack!

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Foto: Paule und die 3 heissen Schwestern

Doch Paule hat dann irre Träume, in denen er Frauen erdrosselt, während in der Umgebung des Hauses mehrere Morde an jungen Dingern begangen werden. Hat Paule selbst seine Hände im Spiel???
Regisseur Carlos Aured und Paul Naschy scheinen sich ziemlich genau mit dem Thema Giallo beschäftigt zu haben, denn speziell Paules mörderische Träume scheinen direkt aus einem Film wie THE BIRD WITH THE CRYSTAL PLUMAGE zu kommen. Diese Szenen gehören auch zu den Höhepunkten des Films, wenn Naschy den Frauen die Hände um die hübschen Hälse legt - und das alles in einer knallbunten, psychadelischen Farbfotografie, was diese Szenen noch unheimlicher aussehen lässt. Im Giallo sind die Täter ja oft psychisch gestört, impotent usw. Und diese Anspielungen gibt es in THE BLUE EYES OF THE BROKEN DOLL ebenfalls reichlich.
Und die drei Schwestern sind eine Augenweide, einfach wundervoll... Was sahen die Ladies in den '70ern noch heiss aus! Die heutigen Filmstars dagegen...

Die BCI Eclipse/Deimos-DVD von THE BLUE EYES OF THE BROKEN DOLL ist eine Schau! Denn der Film wurde perfekt restauriert und besticht durch eine sensationelle Bildschärfe und satteste Farben. Es gibt kein vergleichbares Label, das sich so viel Mühe mit seinen Veröffentlichungen macht (zumindest was die Paul-Naschy-Streifen betrifft). Naschy-Experte Mark Lipinski, der auch für die grossartige THE NASCHY MARK- Seite im Netz verantwortlich ist, schreibt dann noch die informativen Texte in die jeweiligen Booklets der DVDs. Sehr interessant!

Auch empfehlenswert sind noch THE LORELEY'S GRASP (mit Helga Line als Meerjungfrau und Tony Kendall als Helden), der nicht nur für die damalige Zeit (1970) extrem blutig war, sondern auch noch in Deutschland am Rhein spielt! Paule taucht jedoch nicht auf. Helga Line kann man übrigens im HORROR EXPRESS neben Peter Cushing und Christopher Lee bewundern... Auch ein mehr als amüsanter Spanien-Horror-Mumpitz von Eugenio Martino...

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Foto: Helga Line als Nymphe des Rheins!





Zuletzt geändert von firetrain am 24. Sep 2010, 15:50, insgesamt 20-mal geändert.
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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon jogiwan » 18. Sep 2010, 10:50

wow! Danke für den ausführlichen Text über Onkel Paule. Der wäre mit ein paar Bildchen ja eigentlich was für die "Stars of Exploitation"-Reihe :)
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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon buxtebrawler » 18. Sep 2010, 14:01

Aber hallo, sehr schöner, ausführlicher und informativer Text, der sich sehr gut liest - vielen Dank! Lediglich den Vergleicht mit Vincent Price muss ich als Naschy-Kritiker und Price-Fan zurückweisen ;) :lol:

Hättest du, firetrain, evtl. Lust, den Beitrag noch mit ein paar Bildern anzureichern? Wie jogiwan bereits sagte, wäre das dann ein ganz wunderbarer Beitrag zu unserer "Stars Of Exploitation"-Reihe!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon Blap » 18. Sep 2010, 18:50

Vielen Dank für diesen sehr lesenswerten Artikel. Bilder vermisse ich nicht. Der Beitrag ist gehaltvoll genug, um ohne SchnickSchnack zu funktionieren.
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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon firetrain » 18. Sep 2010, 19:39

Danke für die netten Worte! Ich habe jetzt ein paar Fotos reingestellt...
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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon firetrain » 18. Sep 2010, 19:46

buxtebrawler hat geschrieben:Aber hallo, sehr schöner, ausführlicher und informativer Text, der sich sehr gut liest - vielen Dank! Lediglich den Vergleicht mit Vincent Price muss ich als Naschy-Kritiker und Price-Fan zurückweisen ;) :lol:

:D Ja, Gentleman Vincent Price war der Grösste! Natürlich kann man seine hohe Schauspiel-Kunst nicht mit Naschys etwas kleinerem Talent vergleichen... Hihi. Es sollte eher mehr ein Kult-FILM-Vergleich sein!
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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon buxtebrawler » 18. Sep 2010, 20:43

firetrain hat geschrieben:Danke für die netten Worte! Ich habe jetzt ein paar Fotos reingestellt...


Klasse, danke!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon jogiwan » 24. Nov 2011, 20:08

hier ein paar größere Shots von meinem Paule aus seinem 83er-Schocker "Heart Beat"

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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon jogiwan » 7. Jun 2012, 11:16

Paul Naschy und sein sehr, sehr kurzer Auftritt mit anschließendem Abgang in "State of Mind" aus dem Jahre 1992

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Re: Stars of Exploitation # 8 - Paul Naschy

Beitragvon Blap » 7. Jun 2012, 11:20

jogiwan hat geschrieben:hier ein paar größere Shots von meinem Paule aus seinem 83er-Schocker "Heart Beat"


Ich liebe dieses Teil. IMHO ein sträflich unterbewerteter Film des Meisters!
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