Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

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Moderator: jogiwan

Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Prisma » 21. Okt 2014, 22:50



MARISA MELL als BEDELIA KELLERMAN


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»Oh là là!« Genau mit diesen Worten wird der erste Auftritt von Marisa Mell eingeleitet, als sie die Hotelhalle betritt. Schnelle Schnittfolgen lassen sie konsequent und unausweichlich näher kommen, eine faszinierende Nähe die es in den folgenden Jahren kaum mehr geben sollte. Es ist, als wolle die Kamera das gesamte Spektrum ihrer, über die späten Jahre weniger exponiert in Erscheinung getretenen Makellosigkeit und Schönheit, nochmals im vollen Umfang in Erinnerung rufen. Sie wirkt exklusiv und begehrenswert, ihr Gang ist aufrecht und geschmeidig, sie forciert den Eindruck, als sei sie gerade dabei, einen Laufsteg zu erobern. Ihr stolzer Blick ist ausschließlich nach vorne gerichtet, es gibt kein links und kein rechts, obwohl sie dennoch über alles um sich herum orientiert ist, denn Bedelia (was so viel bedeutet wie "Die Erhabene") ist sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst. Sie genießt die begeisterten und verfolgenden Blicke von ihnen, aber sie erwartet ebenso die diskrete Zurkenntnisnahme der Frauen und gibt sich genau so unnahbar wie unbeeindruckt, wenn sie ihr Ziel erreicht. In der Geschichte wird sich diese Dame noch häufiger geheimnisvoll geben, sie verdreht den Herren der Schöpfung die Köpfe, kann aber gegebenenfalls auch ihre Krallen ausfahren. Was besonders erfreulich bei dieser zweiten Episode der Serie werden wird ist, dass Marisa Mell das Episodenfinale gehören wird. Ein Fest für Fans in jeder Hinsicht!

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Mit diesem Auftritt - ohne Serien-Format könnte man ja schon von einer Star-Gastrolle sprechen - bekam Marisa Mell noch einmal die Möglichkeit, in einer großen Selbstinszenierung zu überzeugen. Beinahe alles was sie nach "Sam et Sally" noch fabrizieren sollte, hatte nicht mehr sehr viel mit Würde oder Karriere zu tun, denn bald schon sollten die berüchtigten sexy comedies wie "Das Urlaubsflittchen", "Sündige Matratzenhäschen aus Venedig" oder "Flotte Teens - Runter mit den Jeans" folgen, um nur einige zu nennen, bis sie schließlich mit "Apokalyptischer Sexwahn frühreifer Nacktluder" sogar noch eine Etage tiefer landete. Umso schöner, dass mir diese lange nicht bekannt gewesene Rolle in "Sam et Sally" eine so positive Überraschung liefern konnte. Marisa Mell wirkt nochmals unbändig, hochkonzentriert und wandlungsfähig. In jeder Szene trägt sie unterschiedliche, sehr geschmackvoll zusammen gestellte, edle Arrangements und Accessoires, die sie in altem, glanzvollem Licht erstrahlen lassen. So schön und elegant würde man die Österreicherin, zumindest im Film, nicht mehr oft zu Gesicht bekommen. Beeindruckend nicht nur in optischer, sondern auch in darstellerischer Hinsicht, ein wirklich umwerfender Eindruck, der für damalige Verhältnisse tatsächlich mit Seltenheitscharakter zu bezeichnen ist. Leider wurde Marisa Mell nachsynchronisiert, was wirklich schade ist, denn ihre eigene Stimme hätte Madame Kellerman eine noch überzeugendere Note verliehen.
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Prisma » 21. Dez 2014, 22:00



MARISA MELL als JUANITA


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"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" war damals meine erst dritte Begegnung mit Marisa Mell im Film, nachdem die Sichtungen der zwei Edgar Wallace-Filme "Das Rätsel der roten Orchidee" und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" auch bereits ein paar Jahre zurücklagen. Auch wenn ich Olsens Film nicht als den großen Wurf einstufe, so ist dieser Beitrag trotzdem eigentlich der Grundsteinin für meine hochtourige Marisa Mell-Affinität gewesen. Aber Juanita hinterlässt ja auch einen bleibenden Eindruck. Bereits ihre erste Szene im Saloon, wo sie plötzlich in ihrem feuerroten Kleid aus dem Nichts auftaucht, zeigt sie von ihrer besten Seite. Sie hat die Kundschaft im Griff und man kann ihr so schnell nichts vormachen. Feuer in ihren Augen sieht man, als Pedro auftaucht, der für sie die personifizierte Garantie darstellt, sich bald in ein besseres Leben zu verabschieden, und die bürgerlichen Konventionen hinter sich zu lassen. Marisa Mell gibt ihrer Figur einen Aufsehen erregenden Schliff, welcher zusammen mit der Optik eine bestechende Allianz eingeht. Die Regie inszenierte sie zwar immer wieder als Blickfang, aber die Rolle der Juanita wirkt zugunsten der Hauptrollen deutlich untergeordnet. So sieht man nicht die üblichen Strecken der berüchtigten Mell-Großaufnahmen und auch nicht die übliche Exposition.

Als Kontrast zu Marianne Koch, deren Elizabeth alles Gute dieser Erde zu vereinen scheint, funktioniert Juanita recht gut, sie wirkt hin- und hergerissen zwischen Gut und Böse, Zuneigung und Verachtung. Aber sie besitzt ihren eigenen Kopf mit dem sie in bestimmten Situationen am liebsten durch die Wand möchte, Stolz und Temperament sind nicht zu bändigen. Juanita ist im Endeffekt eine der wenigen Personen der anderen Seite, bei der man etwas Aufrichtigkeit sehen kann, jedoch wird der Gerechtigkeitssinn durch die blühenden Träume einer jungen Frau überlagert, die den Alltag einfach nur satt zu haben scheint. Unterm Strich bleibt eine sehr schöne 60er-Jahre Rolle von Marisa Mell, die vor allem in den Bereichen Attraktivität und Schönheit sehr erfreuliche Akzente setzen kann. Der Charakter Juanita wird zwar leider nicht übermäßig gut reflektiert, allerdings nimmt man dem letztlich sympathischen Ganoven-Liebchen mit gutem Kern den Hauch von Nachhaltigkeit und Tragik ganz gerne ab. Außerdem ist es immer wieder sehr schön einen Auftritt mit Marisa Mell zu haben, in dem man sie mit ihrer einprägsamen Originalstimme hören kann!
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2015, 18:02

seit heute bei mir an der Wand:

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hat geschrieben:Sg. Herr K.!

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen über MM. Leider gibt es nicht nur schöne Erinnerungen an MM. sondern auch sehr traurige. Das Autogramm habe ich von Marisa bekommen, zu einer Zeit, wo es ihr eigentlich schon ziemlich schlecht ging. Damals wohnte sie in einem Wohnwagen bei Zeltweg oder Knittelfeld. Die Aussichten auf ein Autogramm von ihr, standen ganz ganz schlecht. Ich erinnere mich noch, dass ich Marisa mehrmals angeschrieben hatte und es sehr lange dauerte, bis sie mir antwortete. Nun bin ich dankbar, dass Marisa symbolisch bei einem ihrer Fans weiterleben darf.

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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon purgatorio » 7. Jan 2015, 18:38

jogiwan hat geschrieben:seit heute bei mir an der Wand:

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hat geschrieben:Sg. Herr K.!

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen über MM. Leider gibt es nicht nur schöne Erinnerungen an MM. sondern auch sehr traurige. Das Autogramm habe ich von Marisa bekommen, zu einer Zeit, wo es ihr eigentlich schon ziemlich schlecht ging. Damals wohnte sie in einem Wohnwagen bei Zeltweg oder Knittelfeld. Die Aussichten auf ein Autogramm von ihr, standen ganz ganz schlecht. Ich erinnere mich noch, dass ich Marisa mehrmals angeschrieben hatte und es sehr lange dauerte, bis sie mir antwortete. Nun bin ich dankbar, dass Marisa symbolisch bei einem ihrer Fans weiterleben darf.

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:o toll :thup:
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Onkel Joe » 7. Jan 2015, 20:15

Unglaublich was aus Ihr geworden ist :( und umso schöner das dieses Autogramm nun bei dir hängt :nick: .
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon buxtebrawler » 7. Jan 2015, 20:49

jogiwan hat geschrieben:seit heute bei mir an der Wand:

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hat geschrieben:Sg. Herr K.!

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen über MM. Leider gibt es nicht nur schöne Erinnerungen an MM. sondern auch sehr traurige. Das Autogramm habe ich von Marisa bekommen, zu einer Zeit, wo es ihr eigentlich schon ziemlich schlecht ging. Damals wohnte sie in einem Wohnwagen bei Zeltweg oder Knittelfeld. Die Aussichten auf ein Autogramm von ihr, standen ganz ganz schlecht. Ich erinnere mich noch, dass ich Marisa mehrmals angeschrieben hatte und es sehr lange dauerte, bis sie mir antwortete. Nun bin ich dankbar, dass Marisa symbolisch bei einem ihrer Fans weiterleben darf.

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Welch schöne Geste! :thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Nello Pazzafini » 7. Jan 2015, 21:11

tolle Sache jogschi, musst mal alle Details erzählen.

ich beiss mich jetzt noch in meinen hintern das ich mir nicht ihren letzten Bühnenauftritt angesehen habe in einem Theater welches im Nebenhaus meiner damaligen Wohnung täglich stattfand. habe sie auch das eine oder andere mal rein. bzw rausgehen sehen aber sie nicht angesprochen....... bald darauf ging es ihr ja wirklich schnell sehr schlecht.....
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Arkadin » 7. Jan 2015, 23:56

jogiwan hat geschrieben:seit heute bei mir an der Wand:


Schön. Wirklich schön.
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Prisma » 8. Jan 2015, 22:42

jogiwan hat geschrieben:seit heute bei mir an der Wand:

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hat geschrieben:Sg. Herr K.!

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen über MM. Leider gibt es nicht nur schöne Erinnerungen an MM. sondern auch sehr traurige. Das Autogramm habe ich von Marisa bekommen, zu einer Zeit, wo es ihr eigentlich schon ziemlich schlecht ging. Damals wohnte sie in einem Wohnwagen bei Zeltweg oder Knittelfeld. Die Aussichten auf ein Autogramm von ihr, standen ganz ganz schlecht. Ich erinnere mich noch, dass ich Marisa mehrmals angeschrieben hatte und es sehr lange dauerte, bis sie mir antwortete. Nun bin ich dankbar, dass Marisa symbolisch bei einem ihrer Fans weiterleben darf.

Viel Freude wünscht
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Das sind doch kleine, ganz große Momente.
Sieht einfach wunderbar aus, das freut mich für dich!
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Re: Stars of Exploitation # 6 - Marisa Mell

Beitragvon Prisma » 11. Jan 2015, 23:07



MARISA MELL als SOPHIE

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In "Agenten lassen bitten" von 1965, sieht man Marisa Mell in ihrer kurzen britischen Phase und nach dem zuvor entstandenen Film "Versuch's mal auf Französisch" erneut in der Rolle einer Französin. Es ist erstaunlich wie selbstverständlich die Österreicherin auf internationalem Parkett vermarktet werden konnte, und man konnte sie spielend in jedem Genre unterbringen. Anhand ihrer Sophie sieht man zunächst einmal die verpasste Chance, ihr eine bedeutende Frauenrolle bei James Bond zugetragen zu haben, denn genau das geben die auf optischen und charakterlichen Similaritäten basierende Geschichte und Rahmenbedingungen her. So findet sich im Gedankenspiel unweigerlich eine Empfehlung als Bond-Girl wieder, die jedoch leider nie zu Stande gekommen ist. Bill Dearden setzt Marisa Mell hier betont, außerdem auch sehr bewusst ein und erneut zeigt sich die interessante Tatsache, dass seine Hauptdarstellerin offensichtlich auch die Komödie im Blut gehabt zu haben schien. Ihre mit Humor versehenen Auftritte sind innerhalb der Karriere zwar eher rar gesät, aber es kam immer wieder einmal zu dieser, für meine Begriffe schwierigen Anforderung, die ihrerseits stets erstaunlich gut gelöst wurde. Sophie taucht hier aus dem Nichts aus und es scheint, als erwarte sie David Frazer wie eine Spinne, der dann auch selbstverständlich von ihr angezogen wird, wie die Motte vom Licht.

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Da innerhalb der Dialoge und Konversationen ein großer Teil der Situationskomik aufgebaut, und durch überspitzte Bilder in der Regel verstärkt wird, beobachtet man die Kompetenzen der Protagonisten umso genauer. Marisa Mell funktioniert in dieser Beziehung wie ein Uhrwerk und verleitet immer wieder zum Schmunzeln und zum Lachen. Sophie wirkt nicht nur verführerisch und charmant, sondern im Rahmen des trockenen Humors auch verspielt-einfältig. Es bleibt nicht aus, dass man als Zuschauer dazu neigt, sie zu unterschätzen, doch immer wieder stellt sie ihre Kompetenzen unter Beweis, sei es als patente Gehilfin oder eben als Frau. Insgesamt bekommt man eine begeisternde Mixtur geboten, in einer Szene setzt es sogar eine saftige Ohrfeige, die Sophie später allerdings mit einem Kinnhaken quittiert bekommt und ins Reich der Träume geschickt wird. Alles in allem bekommt man eine von Marisa Mells besten Darbietungen auf internationaler Basis geboten, darüber hinaus in einem ihrer sehenswerteren Filme und wenn die turbulente Geschichte beendet ist, sieht man sie noch einmal in Gedanken vor sich und denkt, dass es niemand zuvor und danach mehr geschafft hat, so unglaublich verführerisch mit einer Coca-Cola auszusehen.
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