Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

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Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon DrDjangoMD » 26. Mär 2012, 22:44

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Leben und Werk:
Eduardo Fajardo wurde 14.8.1924 in Spanien geboren. Als Double kam er zum Film und begann bald eine steile Karriere, welche ihren Höhepunkt in der Zeit der Italowestern fand. Ich sah ihn Hauptsächlich innerhalb dieses Genres, doch auch in Gialli, Abenteuerfilmen und anderem war Eddie fleißig dabei. In über 180 Filmen konnte man ihn bewundern, am Ende seiner aktiven Jahre waren dies jedoch eher nur noch Fernsehfilme. So viele Filmtode er dabei auch erleiden musste, er hat sich gut gehalten, ist mittlerweile 87 und wurde 2011 sogar für sein beeindruckendes Lebenswerk ganz offiziell geehrt.

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Was ist so toll an Eddie?
Nach Anthony Steffen ist Eduardo Fajardo sicher der Darsteller dessen Performance ich mit dem zweitgrößten Vergnügen verfolge. Zusammen mit Aldo Sambrell gehört er zu meinen absoluten Liebslingsnebendarstellern des Italowesterns. Dies verdankt er drei Umständen:
1. Er ist oft an der Seite von Anthony Steffen: Mal ein ganz profaner Grund: Man kann ihn und das Anthönchen immer wieder mal zusammen sehen und das freut, denn die beiden haben eine tolle Chemie zusammen. Ganz egal ob sie Freunde oder Gegenspieler verkörpern, sie ergänzen sich grandios, besonders dann, wenn Fajardo dem liebenswerten Underacting des Anthönchens ein ausgelassenes Overacting entgegensetzt. Wenn die beiden zusammen im Bild sind macht es einfach unsagbar viel Spaß ihnen zuzusehen.
Mir Franco Nero stand er sich übrigens auch ziemlich gut. Als sie zusammen Corbuccis „Mercenario“ drehten, soll Franco zu ihm gekommen sein und gesagt haben: „Nero…und Fajardo – der Film wird ein Erfolg!“
2. Fajardo hat eine Palette verschiedenster Figuren, die er alle meisterhaft beherrscht: Wen auch immer Eduardo Fajardo verkörpert, wir nehmen ihm die Performance 100% ab und dies erstaunt, denn einige seiner Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein: Mal gibt er einen kühlen Rassisten, welcher Mexikaner hasst und im nächsten Film spielt er selbst einen heiteren Mexikanischen Banditen und in beiden Rollen wirkt er natürlich. Wenn man ihn als komische Nebenfigur sieht, könnte man meinen, er hätte in seinem ganzen Leben nur in Komödien gewirkt, doch wenn er seriös sein soll, kann man sich nicht vorstellen, dass der Typ auch nur die kleinste Spur Humor besitzt.
3. Er versetzt sich in seine Rollen hinein und lässt sich manchmal gehen, dass es eine wahre Freude ist: Was immer Fajardo auch macht, er macht es natürlich und ausgelassen. Dies sieht man besonders, wenn er mit Tieren agieren soll. Völlig hemmungslos streichelt er Hunde ab oder knuddelt Hasen, sofern er eine Rolle spielt für die dies angemessen ist, und das zu sehen macht einfach gehörig Laune.
Dies sind die Gründe, warum Eduardo Fajardo einer der liebenswertesten spaßigsten und überzeugensten Darsteller aller Zeiten ist!!! :thup:
Das einzig dumme an seinen Rollen: So sympathisch sie auch sind, sie segnen fast immer das Zeitliche. Vollkommen egal, ob er einen fiesen Oberschurken oder einen witzigen Gefährten des Helden verkörpert, er muss fast immer ins Gras beißen. So traurig das auch sein mag, wenigstens legt er sich einerseits bei seinen Sterbeszenen immer besonders ins Zeug und zweitens freut man sich dann umso mehr, wenn er am Ende einmal überlebt.

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Einige seiner Filme:

„Eine Bahre für den Sheriff“ (Mario Caiano – 1965)
In diesem frühen Italowestern ist Anthony Steffen auf der Suche nach dem Mörder seiner Gemahlin. Er weiß nur, dass sich dieser in der Bande des Banditen Lupe Rojo befindet. Und wer von den Mannen des Lupe hat Steffens Gattin auf dem Gewissen? Eduardo Fajardo natürlich!
Der Schurke, den Fajardo hier verkörpert, ist ausnahmsweise mal kein Bandenchef, dafür aber umso erinnerungswürdiger. Er wirkt äußerst schleimig und brutal, ein Mann der keine Skrupel hat Unbewaffnete niederzuschießen und dabei noch ein dreckiges Grinsen aufzusetzen. Der finale Showdown zwischen ihm und Steffen ist ebenfalls grandios. Man merkt Fajardos Verbissenheit in diesem Duell. Diverse Gliedmaßen von ihm sind schon durchlöchert, aber er gibt einfach nicht auf, vollkommen egal, ob er noch eine Chance hat oder nicht, er kämpft bis zum letzten Atemhauch. Ein Spitzenbösewicht des Italowesterns!
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„Django“ (Sergio Corbucci – 1966)
Altbekannte Geschichte: Franco Nero will als Django seine Braut rächen, die selbstverständlich niemand anderes als Eduardo Fajardos Major Jackson auf dem gewissen hat. Dies ist jedoch nicht so leicht, denn Jackson hat eine gewaltige Rotte wilder Pistoleros unter seinem Kommando!
Für mich ist Major Jackson der diabolischte, furchteinflößendste, faszinierendste, wiederwärtigste, kurz beste Schurke des gesamten Genres. Ja Angel Eyes und Loco mögen bedrohlich und fies sein, aber sie sind kein Major Jackson. Als Jackson hat Fajardo nicht seine typische Lache, höchstens ein kleines ekelhaftes Grinsen, wenn er im Stande ist zu töten. Sein Haupt ist ständig erhoben und er strahlt eine gewisse Majestät aus. Dies bewirkt, dass wir ihn als gleichwertigen Gegner Djangos akzeptieren. Im Drehbuch selbst legt Django Jackson zwar immer wieder rein, schießt ihm die Waffe aus der Hand oder vom Pferd, aber trotzdem bleibt Major Jackson bedrohlich. Warum? Weil Eduardo Fajardo ihn mit so einer selbstgefälligen Aura der Macht umgibt, dass wir ihm alles Zutrauen. Seine Mannen hat er bestens im Griff, er kann es sich selbst leisten zu erklären, wie bedeutungslos ihm die Leben seiner Gefolgsleute ist, während seine Gefolgsleute um ihm herumstehen. Warum? Weil er eine mächtige Person ist, die über den Dingen steht und das bringt Eduardo Fajardo mehr als gekonnt zum Ausdruck.
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„Gentleman Joe – Der Rächer bin ich“ aka. „Shamango“ (Giorgio Stegani – 1967)
Eine Gruppe mexikanischer Banditen um (erraten!) Eduardo Fajardo terrorisieren ein kleines Dorf und töten dort den Sheriff. Doch dieser war der Bruder von (erraten!) Anthony Steffen, welcher nun (erraten!) auf Rache aus ist.
Ich weiß nicht was in dieser Zeit mit Fajardo und Steffen los war, aber in „Shamango“ und dem gleich danach erschienen „Es geht um deinen Kopf, Amigo“, leisten sie zwei der denkwürdigsten Beiträge ihres Schaffens. Nicht weil die Filme selbst so sonderlich sind, sondern einzig weil die beiden Hauptdarsteller so viel Energie versprühen. Als der mexikanische Bandenchef Colonel Ferreres scheint Eddie die Zeit seines Lebens zu haben, was sich an seinem ununterbrochenen breiten Lachen manifestiert. Den Höhepunkt bildet eine Szene in der eine Saloontänzerin vor ihm und seiner Horde einen Cancan aufführt. Alle haben dabei wahnsinnig viel Spaß und Fajardo springt sogar plötzlich auf und versucht es der Tänzerin nachzumachen bis ihn seine Ungeschicktheit wieder zurückfallen lässt.
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„Es geht um deinen Kopf, Amigo“ (Mario Caiano – 1967)
Das Dreamteam Steffen und Fajardo spielen zwei Rumtreiber, welche an einen Mann kommen, der den Weg zu einem verborgenen Schatz kennt. Zusammen mit diesem und einem hinterlistigen Frank Wolff beschließen die beiden den Reichtum aufzusuchen. Doch Wolff versucht die beiden Freunde gegeneinander auszuspielen.
Die Chemie zwischen Eddie und dem Anthönchen ist in diesem Film phänomenal. Sie spielen zwei alte Kumpanen, die schon allen möglichen Blödsinn zusammen erlebt haben und das zeigen sie auch. Angefangen von ihrem ersten Auftreten, in welchem Steffen Fajardo mit breitem Grinsen im Gesicht wach tritt, über den spektakulären Kampf die beiden gegen einen ganzen Saloon voller Raufbolde (sie gewinnen), bis hin zu der Szene in der ein Grinsender Fajardo das Essen von Steffen und Wolff an hungernde Kinder verteilen will, die beiden sich aber gar nicht dafür begeistern können, ist es einfach ein Spaß ihm und dem Anthönchen zuzusehen. Der Film ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber allein wie gut die beiden aufgelegt sind, macht ihn allemal eine Sichtung wert.
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„Mercenario – Der Gefürchtete“ (Sergio Corbucci – 1968)
Tony Musante spielt einen Revolutionär und Franco Nero einen Söldner, welche Mexiko aus den Klauen seiner Unterdrücker befreien wollen. Doch dies ist schwieriger als gedacht, denn der Gutsbesitzer der das große böse Establishment repräsentiert ist kein anderer als Eduardo Fajardo.
Das Script und die Regie von Sergio Corbucci machen diesen Film für mich zu einem der besten Italowestern überhaupt. Eduardo Fajardo teilt hier die Stellung des Oberschurken mit Jack Palance, der eine wesentlich erinnerungswürdigere Performance bekommt, doch im Nachhinein betrachtet ist das gut so: Palance ist der Filmbösewicht, eine übertriebene Figur, der wir mit viel Spaß zusehen können und Fajardo spielt den realen Schurken. Auch wenn seine Performance ein wenig an Major Jackson erinnert ist diesmal nichts übertrieben, er spielt die reichen Großgrundbesitzer gerade so diabolisch, wie viele von ihnen offenbar wirklich waren, nicht mehr. Dies zeigt wunderbar wie „Mercenario“ es schafft zu unterhalten und zu bewegen. Palance ist der Schurke des Unterhaltungs-Teiles, eine Figur die der Phantasie entsprungen ist, von der wir wissen, dass sie am Ende gegen unsere Helden verlieren muss, so wie es immer (na ja, bei Corbucci fast immer) ist. Fajardo hingegen spielt den Bösewicht des wirklichen Lebens und es ist wesentlich unsicherer ob sich unsere Helden auch gegen diese Bedrohung erwehren können.
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„Das Todeslied“ (Mario Caiano – 1968)
Eine Bande von Banditen um Eduardo Fajardo haben Craig Hills Charakter unschuldig ins Gefängnis gebracht. Endlich wieder draußen ist es selbstverständlich Zeit für Rache.
Sowohl die Regie als auch die darstellerischen Leistungen sind zwar keineswegs schlecht, aber auch nicht sonderlich besonders, weswegen der Film ziemlich schnell wieder aus dem Gedächtnis kommt. Bemerkenswert ist allerdings, dass hier solche grandiosen Schurken des Italowesterns wie Piero Lulli und Roberto Camardiel unterwürfig dem großen Eduardo Fajardo Tribut zollen müssen.
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„Einer nach dem anderen, ohne Erbarmen“ (Rafael Romero Marchent – 1968)
Peter Lee Lawrence und Guglielmo Spoletini spielen unsympathische Mistkerle, die hinter gestohlenem Geld her sind. Doch wenn man so ein Unterfangen startet kommt man früher oder später mit dem Sheriff in Konflikt und als dieser zeigt sich Eduardo Fajardo.
Fajardos Figur kann man nicht als Schurken des Filmes bezeichnen, da er im Recht ist, dennoch hat man es versäumt ihn zum Protagonisten zu befördern, eine Stellung, welche Lawrence und Spoletini inne haben. Daraus resultiert, dass Fajardos Rolle diesmal weder gut noch böse ist, sondern einfach ein hart arbeitender Gesetzeshüter, welcher bestrebt ist, seinen Beruf gut zu machen. Freude bereiten die Szenen, in welchen er sich mit seinem ehemaligen Hilfssheriff, mittlerweile ebenfalls ein eigener Sheriff, verbissene Schachpartien liefert.
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„Ein Colt für hundert Särge“ (Umberto Lenzi – 1968)
Peter Lee Lawrence spielt einen Zeugen Jehovas, der sich aus irgendeinem Grund an irgendwem rächen will. Da seine Motivation nicht ausreicht um all seine Morde zu rechtfertigen ist der Film ziemlich schwer durchzustehen, bis eine Gruppe Verrückter auftaucht unter denen sich unser Liebling Eduardo Fajardo befindet.
Ich mag diesen Film nicht besonders, weil mir die Hauptperson so grenzenlos unsympathisch ist, aber jede Szene, in welcher Eduardo Fajardo vorkommt, ist es allemal wert. Der Typ benimmt sich schon wie ein lachender Irrsinniger, wenn er normale mexikanische Banditen spielt, hier bekommt er aber Gelegenheit einen lachenden Irrsinnigen zu spielen und er hat sichtlich Freude mit dieser Rolle. Immer mit aufgerissenen Augen und einem konstanten doofen Grinsen ist seine Performance ein gehöriger Spaß, wenn es das Drehbuch verlangt, kann er aber blitzschnell unberechenbar, brutal und furchteinflößend werden.
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„Der Fremde von Paso Bravo“ (Salvatore Rosso – 1969)
Nachdem sich die beiden im Filmjahr 1968 nicht begegnet sind und Fajardos Talent bei Lawrence-Filmen verschwendet wurde, ist man endlich zur Einsicht gekommen, mit wem Eddie am besten kann und Salvatore Rosso setzte ihn endlich wieder als Gegenspieler von Anthony Steffen ein. Diesmal ist Steffen bemüht (Überraschung!) seine Frau zu rechen, welche (Überraschung!) Eduardo Fajardo auf den Gewissen hat.
Diesmal porträtiert Eduardo Fajardo keinen kleinen Bandenchef oder eindeutig Kriminellen wie Major Jackson, sondern einen Gutsbesitzer, der sich nach außen hin sauber gibt, aber ganz schön viel Treck am Stecken hat. Man war bemüht ihn diesmal nicht in einen cartoonhaften Bösewicht zu verwandeln, er bleibt ein hier und da sympathischer Geschäftsmann, der aber keinen Skrupel kennt, wenn es darum geht sein Ziel zu erreichen. Schön in seiner ersten Szene kümmert er sich liebevoll um eine Stute, welche ein Kalb zur Welt bringt und als sein geliebter Sohn tragischerweise von den Helden getötet wird, kann Fajardo selbst als Schurke Mitleid beim Zuseher erregen. Sein brutales Ableben passt daher auch umso besser in den rauen und düsteren Ton des Filmes und nebenbei bemerkt leistet Eddie hervorragende Arbeit, wenn er inmitten einer brennenden Villa versucht sich zu retten.
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„Die wahre Geschichte des Frank Mannata“ (Javier Setó – 1969)
Frank Mannata will zusammen mit seinem Bruder, einem kleineren Mafiaboss, den amerikanischen Traum verwirklichen und durch die ehrenwerte Gesellschaft zu einem der reichsten und mächtigsten Mafiosi der vereinigten Staaten werden. Doch mittlerweile steht die amerikanische Mafia noch unter der Fuchtel von Eduardo Fajardo!
Als hochrangiges Mafiamitglied leistet Fajardo eine gute, jedoch nicht seine beste Arbeit. Er ist diabolisch und strahlt Macht aus, dies jedoch keineswegs so ergreifend und überzeugend, wie er es noch als Major Jackson tat, aber trotzdem bleibt seine Performance solide.
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„Lasst uns töten, Companeros“ Sergio Corbucci – 1970)
Tomas Milian als Revolutionär und Franco Nero als Söldner haben es (ähnlich wie in „Mercenario“) im Namen der Revolution wieder mit einer ganzen Reihe Schurken zu tun, darunter Jose Bodalo als selbstgefälliger Revolutionsgeneral, Jack Palance als einarmiger Killer und die gesamte mexikanische Armee mit all ihren Offizieren, einer davon niemand anderer als Eduardo Fajardo.
Allzu lange bleibt uns die Magie von Fajardos Performance hier zwar nicht erhalten, aber obwohl sein Auftritt nur kurz wärt, ist er trotzdem absolut klasse. Bevor ihn Tomas Milian mit einem Säbel den gar ausmacht, gibt Fajardo als grausamer Offizier, eine wunderbare Vorstellung davon wie rau die Armee mit dem armen Volk umgeht.
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„Spiel dein Spiel und töte, Joe“ (Leopoldo Savona – 1970)
Anthony Steffen spielt einen fahrenden Schauspieler, der eines Tages eine Miene erbt. Allzu lange kann er sich jedoch nicht daran erfreuen, denn der geldgierige Berg (Eduardo Fajardo – wer sonst) hat sich den Grundbesitz mittlerweile unter den Nagel gerissen und hat genug Pistoleros um sich versammelt, um das gestohlene Gut gegen seinen rechtmäßigen Besitzer zu verteidigen.
Fajardos Berg wirkt zwar auf den ersten Blick wie der übliche Italowestern-Bösewicht, doch bei genauerer Betrachtung fallen dann doch ein paar Besonderheiten auf. Fajardo spielt die Figur nicht wie einen der üblichen Schurken, die böse sind, weil sie böse sind. Diesmal scheint es so, als wäre er ein armer Mann, der endlich die Chance hatte ein beträchtliches Vermögen einzuheimsen, auch wenn dies gegen das Gesetz ist. Nun, da sich der rechtmäßige Besitzer blicken lässt ist er selbstverständlich Bestrebt seinen liebgewonnenen Besitz mit allen noch so schmutzigen Mitteln zu verteidigen. Wenn er seine Mannen befehligt, scheint er nicht wie ein majestätischer Obermotz (wie es Major Jackson tat), er tritt wie einer von ihnen auf. Einer aus ihrem Stand, von ihrem Schlag, durch Zufall ist er einfach der Reichste und hat damit die Befehlsgewalt inne.
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„Sabata – Der Killer“ aka. „Galgenvögel sterben einsam“ (Tulio Demicheli – 1970)
Die glorreichen zwei Anthony Steffen und Eduardo Fajardo spielen zwei kleine Ganoven, die sich mit harmlosen Gesetzesbrüchen mehr schlecht als recht über Wasser halten können. Doch eines Tages treffen sie auf den hintertriebenen Peter Lee Lawrence, welcher sie zu einem größeren Coup verleitet. Doch die Präsenz des ganzen geraubten Geldes droht das Dreiergespann durch Neid auseinander zu bringen.
Fajardos Mangosta ist wieder eine Rolle, bei der man sehen kann, wie viel Spaß Eddie beim Drehen hatte. Er porträtiert hier einen kleinen mexikanischen Gelegenheitsganoven vom Schlage eines Tuco, nur nicht ganz so Ernst zu nehmen, hinterlistig aber harmlos. Der Film kann sich zwar nicht so recht entscheiden, ob er eine Tragödie oder Komödie sein will, wenn es aber zu spaßigen Momenten kommt, hat diese in erster Linie Eduardo Fajardo zu verantworten. Die Freude mit welcher der Schauspieler in einer albernen Perücke herumläuft und sich mit dem Gesicht voran in ein wenig Schlamm wirft, schläft sofort auf das Publikum über. Das Schöne an seiner Figur ist, dass sie, ähnlich wie der des Tim aus „Es geht um deinen Kopf, Amigo“, jenseits von gut und böse ist. Sie hat ihre schlechten Seiten, kann habgierig und gemein sein, bewahrt aber ein gutes Herz. Er erschleicht sich sein Geld zwar nicht mit rechten Mitteln, wenn er es aber einmal hat, teilt er es mit seinen Mitmenschen.
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„Shangos letzter Kampf“ (Edoardo Mulargia – 1970)
Eduardo Fajardo spielt Major Droster, einen Offizier der Südstaatler, der das Ende des Bürgerkrieges nicht akzeptieren will und daher zusammen mit seinen Soldaten und einer handvoll Banditen ein mexikanisches Dorf terrorisiert. Kann sie der geheimnisvolle Shango, selbstverständlich gespielt von Anthony Steffen, aus der misslichen Lage befreien?
Fajardo sollte öfters Majors spielen, denn sein Major Droster kommt, was diabolische Majestät betrifft, ziemlich nah an Major Jackson aus „Django“ heran. Wie Jackson von rassischen Idealen besessen war, ist Droster von politischen besessen. Beide geben in erster Linie befehle, begegnen uns aber auch als gute Schützen, was für unseren Helden einen bedrohlichen Gegenspieler kreiert.
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„Knie nieder und friss Staub“ (Aldo Florio – 1971)
Wieder mal eine Rachegeschichte, diesmal mit Fabio Testi als Rächender und als Objekt seiner Rache, wie sollte es anders sein, Eduardo Fajardo, in dessen Bande sich Testi einschleicht.
Fajardos Redfielt, kommt genauso schmierig und erhaben wie seine besten Schurken rüber. Allerdings kaufen wir ihm den talentierten Schützen ab. Sobald er seine Mannen an Testi verloren hat, stellt sich nicht mehr die Frage, wie die Konfrontation zwischen den beiden ausgehen wird. Doch bevor dieser Punkt erreicht ist wirkt Fajardo, auf seine zahlreichen Helfershelfer gestützt, so mächtig und bedrohlich wie eh und je.
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„Matalo – Bad Man’s River“ (Eugenio Martin – 1971)
Eine Gruppe Revolverhelden, darunter Lee Van Cleef und Gianni Garko, sind bemüht einer Gruppe Revolutionären gegen den mächtigen General Duate (Fajardo – who else) zu helfen, da ihnen eine saftige Belohnung winkt.
In diesem Spaßwestern spielt Fajardo einmal mehr den mexikanischen Offizier vom selben Schlag, wie er ihn auch schon in „Lasst und töten, Companeros“ verkörpert hat und dies macht er gewohnt gut. Sein ganzes Auftreten, streng und elegant, demonstriert seine Macht, bestehend aus unzähligen kampferprobten Soldaten. Trotz der Armee unter seinem Befehl, hilft ihm auch ein mexikanischer Bandit, welcher von Aldo Sambrell gespielt wird, bei seinen üblen Vorhaben. So sehr ich Fajardo liebe muss hier fairer weise angemerkt werden, dass Sambrell ihm hier und da die Show stielt. Sicher beide sind gleich grandios in ihren Rollen, doch der durchtriebene aber feige Bandit ist in einem Spaßwestern doch der dankenswerterer Part als der ernste seriöse General.
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„Die rote Sonne der Rache“ (Sergio Corbucci – 1972)
Dem von Tomas Milian gespielten Banditen Jed schließt sich Susan George als Sonny an. Gemeinsam bestreiten sie allerlei verbrecherischer Abenteuer, darunter auch die Entführung der Gattin des wohlhabenden Garcia. Dieser versucht erstens seine Braut mit allen Mitteln wiederzubekommen und er wird zweitens von Eduardo Fajardo verkörpert.
Wie man von Corbucci erwarten kann ist dieser Western äußerst originell und einmalig. Mein Problem damit war nur immer, dass ich für Eduardo Fajardos Charakter, welcher hier wie meistens den Gegenspieler unserer Helden mimt, wesentlich sympathischer fand als die Protagonisten selbst. Zugegeben ich finde Fajardo immer sympathischer als die Protagonisten sofern diese nicht von Anthony Steffen oder Franco Nero verkörpert werden, aber hier sind selbst seine Ziele und sein Charakter nobler als die von Sonny und Jed. Er legt seinen Garcia zwar als versnobte Witzfigur an, doch es wird glaubhaft vermittelt, dass er seine Gemahlin wirklich von ganzem Herzen liebt und nachdem ihm diese geraubt wird, kann man seine brutalen Mittel um die Herzensdame aus den schmierigen Klauen unserer „Helden“ zu befreien, durchaus nachvollziehen.
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„Zwei wilde Companeros“ (Duccio Tessari – 1972)
Franco Nero und Eli Wallach spielen zwei Halunken, die sich selbst noch nicht ganz im Klaren darüber sind, ob sie lieber die Revolution oder ihren eigenen Wohlstand unterstützen wollen. So oder so steht zwischen ihnen und ihrem idealistischen oder finanziellen Ziel eine mexikanische Armee unter dem Befehl von General Huerta, welcher wie anzunehmen von Eduardo Fajardo gespielt wird.
„Mercenario“ hatte seinerzeit die perfekte Mischung von Humor und Tragik, bei „Lasst uns töten, Companeros“ findet man ebenfalls beides, der Humor erhält aber schon leicht zu überhand und schließlich wird in „Zwei wilde Companeros“, einem Film der den anderen beiden sonst sehr ähnlich ist, die Tragik gänzlich weggelassen. Wie die Filme verändert sich auch Fajardos Figur, stets der Widersacher der Revolution, anfangs noch ein glaubhafter Großgrundbesitzer, danach ein furchteinflößender Offizier und nun letztlich eine Parodie seiner selbst, was aber durchaus zum Ton des Filmes passt. Den ganzen Film soll man nicht ernst nehmen, aber er unterhält und Fajardos Charakter soll man ebenfalls nicht ernst nehmen, dafür unterhält auch er umso mehr. Wieder mit sichtlichen Spaß bei der Sache porträtiert Eddie den eitlen aber ungeschickten General Huerta, der sich gerne mächtig gibt, in Wahrheit aber ein lachhafter Möchtegern-Casanova ist.
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„Das Geheimnis des magischen Kreises“ aka. „Blutige Magie“ (Mario Siciliano – 1975)
Geister zwingen einen reichen Playboy dazu Morde für sie zu begehen. Dies geht solange gut bis ihm Inspektor Anthony Steffen ein wenig auf den Zahn fühlt und Butler Eduardo Fajardo versucht ihn zu erpressen.
Fajardos Performance ist sicherlich einer der Höhepunkte dieses mittelmäßigen Gruselfilmes. Mit sichtlicher Freude macht er sich daran als alternder Butler die splitternackten Orgiengäste seines Auftraggebers aus ihrem After-Koitus-Schlummer aufzuwecken und er schafft es wie immer, dass der Spaß mit dem er die Rolle angeht, auf das Publikum überschwappt.
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„Grossangriff der Zombies“ (Umberto Lenzi – 1980)
Ein Heer verseuchter Menschen fällt plötzlich mordgierig über eine friedliche Stadt her. Inmitten des Chaos macht sich Hugo Stiglitz auf die Suche nach seiner Göttergattin, welche in einem Krankenhaus arbeitet. Und wisst ihr wer dort noch tätig ist? Richtig, Eduardo Fajardo!
„Grossangriff der Zombies“ bietet ein wunderbares Beispiel dafür, dass Eddie selbst aus den kleinsten Rollen noch großes rausholen kann. Hier hat er nur eine Kurzauftritt als ein Chirurg, der während einer Operation von ein paar Zombies überrascht wird. Er hätte theoretisch nichts zu tun als sich einfach von den Zombies umbringen zu lassen und seinen Gehaltscheck zu kassieren, aber es ist Eduardo Fajardo, also musste er die Rolle cool machen. Deswegen greift er sich sein Skalpell und zeigt den Zombies in seiner kurzen Screentime noch gehörig, wer hier der Boss ist.
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„Executor – Der Vollstrecker“ (Giuliano Carnimeo – 1983)
Um eine kleine Sippschaft postapokalyptischer Überlebender vor dem Verdursten zu retten machen sich ein kleiner Junge begleitet von Mr. und Mrs. Cooler-Endzeitkrieger auf um Wasser zu finden. Doch lohnt es sich überhaupt dieses kleine Volk zu retten? Ja, denn ihr Anführer wird von Eduardo Fajardo gespielt.
In diesem Film ist Fajardos Performance gewohnt solide, nur leider bietet ihm seine Rolle nicht die Möglichkeit besonders hervorzustechen.
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So, das war’s :winke:
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Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 28. Mär 2012, 07:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon buxtebrawler » 26. Mär 2012, 23:02

Aaah, herrlich! Das les ich mir die Tage mal ganz in Ruhe bei 'nem guten Bierchen durch :thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon dr. freudstein » 26. Mär 2012, 23:09

Meine Hochachtung vor deinem 2000. Beitrag, das ist wirklich klasse und ich kenn den Kerl auch, durch dich sogar noch besser :thup: :knutsch:
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon jogiwan » 27. Mär 2012, 05:50

jupp... ganz große Klasse! :popcorn:
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon purgatorio » 27. Mär 2012, 06:49

:shock: das hast du doch unmöglich mal eben aus dem Hut gezaubert, oder? Klasse Beitrag, alles Jute zum 2000 Beitrag :D :prost:
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon Arkadin » 27. Mär 2012, 08:17

Na, da hast du ja wirklich alles gegeben, um die No. 2000 denkwürdig zu machen.
Respekt. :thup:
Früher war mehr Lametta
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon reggie » 27. Mär 2012, 20:00

Sehr schön Doc2 Fajardo ist ein toller Darsteller, ich liebe ihn :D

Mein liebster Film mit ihm ist der als er diesen Alibaba spielt, glaub Arriva Garringo wenn ich mich jetzt nicht vertue :? :lol:
Dann natürlich Django!


:thup:
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon DrDjangoMD » 27. Mär 2012, 20:53

reggie hat geschrieben:Mein liebster Film mit ihm ist der als er diesen Alibaba spielt, glaub Arriva Garringo wenn ich mich jetzt nicht vertue :? :lol:

Hm, in der ofdb zumindest ist er nirgendwo als Alibaba eingezeichnet, vielleicht verwechselst du die Namen einfach, denn in "Arriva Garringo" heißt er Mangosta und hat wirklich eine grenzgeniale Performance. Das ist da, wo er diese alberne Perücke und den riesigen Schnurrbart hat und ständig an einer Wolldecke herumstrickt :D

reggie hat geschrieben:Dann natürlich Django!

:mrgreen: :prost: :prost: :prost:
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon Nello Pazzafini » 27. Mär 2012, 22:28

Imposant Dr. Dschangi! Muss ich mir in aller ruhe durchlesen wenn wieder daheim....
Letztes Jahr wurde er in Almeria geehrt, ich hoffe es geht ihm gut und er bleibt uns noch lange erhalten, ein ganz grosser von den alten Helden!!!

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p.s.: der Mann mit dem Stock für alle die ihn nicht erkennen.
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Re: Stars of Exploitation # 40 - Eduardo Fajardo

Beitragvon reggie » 30. Mär 2012, 19:56

DrDjangoMD hat geschrieben:
reggie hat geschrieben:Mein liebster Film mit ihm ist der als er diesen Alibaba spielt, glaub Arriva Garringo wenn ich mich jetzt nicht vertue :? :lol:

Hm, in der ofdb zumindest ist er nirgendwo als Alibaba eingezeichnet, vielleicht verwechselst du die Namen einfach, denn in "Arriva Garringo" heißt er Mangosta und hat wirklich eine grenzgeniale Performance. Das ist da, wo er diese alberne Perücke und den riesigen Schnurrbart hat und ständig an einer Wolldecke herumstrickt :D

reggie hat geschrieben:Dann natürlich Django!

:mrgreen: :prost: :prost: :prost:


Schrieb ja diesen Alibaba, so als überbegriff, genau Mangosta diese Rolle meinte ich :lol:
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