Stars of Exploitation # 65 - Belinda Lee

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Stars of Exploitation # 65 - Belinda Lee

Beitragvon Prisma » 8. Okt 2014, 11:30



♦ BELINDA LEE ♦ (* 15. Juni 1935 in Budleigh Salterton † 12. März 1961 in San Bernardino)


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»Wie schön, dass man beim Film ein Ventil für alle versteckten Laster hat!«


Filmauswahl:

♦ Zwischen Hass und Liebe (1955)
♦ Kronzeuge gesucht (1956)
♦ Eine Braut in jeder Straße (1957)
♦ Helena, die Kurtisane von Athen (1957)
♦ Gnadenloser Dschungel (1958)
♦ Mädchen des Lasters (1959)
♦ Auf St. Pauli ist der Teufel los (1959)
♦ Die Wahrheit über Rosemarie (1959)
♦ Luxusweibchen (1960)
♦ Der Meuchelmörder (1961)
♦ Das Spukschloss in der Via Veneto (1961)




Die Veröffentlichung des Films "Die Wahrheit über Rosemarie" und das eilige Zusammensuchen ihrer Filme offenbarte mir eine der spektakulärsten Neuentdeckungen der letzten Jahre: Belinda Lee. Die Umschreibung Neuentdeckung hat bei einer Schauspielerin ihres damaligen Bekanntheitsgrades, der über die Jahrzehnte gesehen allerdings in recht paradoxer Weise sanft entschlummert ist, natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. Ich betrachte mir Belinda Lee und komme immer wieder zu dem gleichen Ergebnis.

Wie konnte es nur sein, dass sie quasi so spurlos an mir vorbeigehen konnte. Lag es schlicht und einfach an der mangelnden Verfügbarkeit ihrer Filme, oder ist es auf die hauptsächlich bedienten Genres zurückzuführen, vielleicht ihr früher Tod? Die Begeisterung ist bei einer Frau wie ihr jedenfalls schnell entfacht, doch sie zählt zu den ganz wenigen Schauspielerinnen, die etwas äußerst Seltenes mitbringen. Nachhaltigkeit. Belinda Lee wirkt nachhaltig faszinierend, überaus wandlungsfähig, begabt und vor allem zeitlos schön. Sicher könnte man berechtigterweise sagen, dass man diese Eigenschaften bei unzähligen Kolleginnen auch finden dürfte, doch diese Dame hat bei mir definitiv den richtigen Nerv getroffen.

Belinda Lee wirkte im europäischen Kino und vor allem bei ihren Ausflügen im angestaubten deutschen Film wie eine unbekannte, und daher verzweifelt erwartete Lichtgestalt. Eine Schauspielerin der perfekten Mischung, eine Aura, die sowohl Greifbares, als auch Geheimnisvolles aufwirft, eine Frau, die dem Empfinden nach jede Frau sein könnte und deren auffällige Optik ein interessantes Wechselspiel zwischen markanten und sanften Zügen eingeht. Ihre Karriere entwickelte sich so rasant, dass sie schon nach einem guten Dutzend Filme die Besetzungslisten anführte und meistens sogar noch prominenter in Szene gesetzt wurde, als die dazugehörigen Titel selbst. Es wurden buchstäblich Belinda-Lee-Filme inszeniert und die vielen unterschiedlichen Produktionen dokumentieren die hohe Nachfrage in Richtung der Interpretin.

Es ist seit Bestehen des Films so, dass man genau auf derartige Ausnahmeerscheinungen wartet, sie erkennt und resolut einsetzt. Ihre Karriere endete abrupt mit einem tödlichen Autounfall. Für einen Mythen-Status reicht der Fall Belinda Lee jedoch bei Weitem nicht aus, da bestimmte essentielle Grundvoraussetzungen fehlen: ein zwar prosaisches Ende, jedoch ohne einen geheimnisumwitterten Tod, die falschen, beziehungsweise belanglose Filme und ein Lebenswandel, den die Weltpresse zwar auszuschlachten versuchte, allerdings blieben keine allzu großen Geheimnisse zurück. Man kommt einfach nicht drum herum, sich immer einmal wieder auszumalen, was gewesen wäre wenn... Aber eines ist mit ziemlicher Sicherheit zu sagen: Belinda Lee wäre ohne jeden Zweifel zu einem der größten europäischen Kinostars geworden und ich hätte sie besonders gerne im Film der späten 60er und frühen 70er Jahre gesehen!

Abschließend ist noch der persönliche Eindruck zu Belinda Lee zu erwähnen. Wie gesagt, ist es dem Empfinden nach so, dass sie viele Frauen (und auch Kolleginnen) in ihrem Wesen zu vereinen scheint. So kam es mir nicht nur bei meiner ersten Begegnung als Rosemarie Nitribitt mit ihr vor, sondern auch in jedem folgenden Film. Ob Rosemarie, Messalina oder als Satan, der mit Liebe lockt, sie präsentiert so unzählig viele Facetten in Erscheinung und Darstellung, dass sich ihre Kolleginnen Vergleiche gefallen lassen müssen. Man sieht ein weiteres markantes, und doch so makelloses Gesicht, ihre grünen Augen deuten Temperament und Unergründlichkeit an. Ihre deutschen Synchronstimmen versuchen sie als Femme Fatale zu vermarkten, so dass ihre eigene Stimme umso erstaunlicher wirkt, die weich und melodisch, aber vergleichsweise unscheinbar anmutet.

Faszinierend diese Frau, die ihre Filme spielend dominieren konnte! In ihren Filmen sieht man Belinda Lee an, dass sie das Auge der Kamera und der Zuschauer liebte, dass sie sich gerne inszenierte und mit den unterschiedlichsten Rollen in sich übergehen lassen konnte, was ihre Filmografie, die schließlich doch über dreißig Produktionen umfasst, dokumentiert. Sie wurde oftmals für große Frauenrollen der Weltgeschichte gebucht und baute dabei eine große Dominanz, und eine enorm hohe Präsenz auf. Naja, ich merke schon, dass ich ein Buch über sie schreiben könnte und daher belasse ich es zunächst mit dieser kleinen Hommage, die diese leider etwas in Vergessenheit geratene Schauspielerin durchaus verdient hat. Einige biografische Anteile werden noch folgen, weil die leider tragische Figur Belinda Lee hierbei doch Einiges hergibt. Vielleicht ist sie keine typische Kandidatin für die Stars of Exploitation, aber ich bin mir sicher, dass sie spätestens in den frühen Siebzigern einer von ihnen geworden wäre.
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Re: Stars of Exploitation # 65 - Belinda Lee

Beitragvon Prisma » 21. Okt 2014, 13:20



BELINDA LEE als MESSALINA


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Bei einem Film, der hauptsächlich von seiner Titelfigur getragen werden soll, kann wesentlich mehr schief gehen, als dass man zu einem gelungenen Gesamtergebnis kommt. Die Verpflichtung von Belinda Lee stellt bei "Messalina" weitaus mehr als einen Glücksgriff dar, weil sich die Schauspielerin hier in wirklich allen Bereichen nachhaltig profilieren konnte. Falls die historische Figur Valeria Messalina genau so, oder nur annähernd so schön und verführerisch wie die englische Schauspielerin gewesen ist, kann man nachvollziehen, dass ihr unzählige Männer zu Füßen gelegen haben müssen. Belinda Lee prägt die Titelfigur überaus klassisch, beim Agieren wirkt sie selbstsicher und transportiert alle Attribute dieser Frau in bestechender Manier. Im Vordergrund stehen ihr Kalkül und ein unstillbarer Machthunger, sie verfolgt höchste Ziele, die sie niemals aus den Augen zu verlieren scheint. Dabei heiligt der Zweck schließlich alle Mittel und mit ihren Waffen besitzt sie nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, ganze Heerscharen zu entmachten, um sie sich letztlich Untertan zu machen.

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Interessant bei dieser Vorgehensweise ist, dass sie ihre Opfer dazu bewegen kann, sich freiwillig zu ergeben, so dass sie schließlich mit Wonne in ihr eigenes Verderben laufen können. Messalina ist umgeben vom Atem des Todes, der für ihre Opfer allerdings nicht abschreckend wirkt, sondern in Verbindung mit ihrer Erscheinung augenscheinlich keine Bedrohung darstellt. Somit wird ihr Todeskuss quasi als Privileg angesehen. Ihr Hochmut zieht weite Kreise, ihr Stolz ist selbst bei tödlicher Gefahr nicht zu brechen, ihre Lebenslust ist nicht zu bändigen und niemals würde sie sich einem Mann unterwerfen, vorausgesetzt es passt in ihre Pläne. Belinda Lee kann und muss man in "Messalina" mit der Umschreibung Idealbesetzung in Verbindung bringen und es ist schon atemberaubend ihr dabei zuzusehen, wie sie mit ihrer Rollenfigur eins wird. Ich kann nur sagen, dass ich immer mehr von dem Komplettpaket Belinda Lee begeistert bin! Naja, Schönheit verpflichtet eben.
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Re: Stars of Exploitation # 65 - Belinda Lee

Beitragvon Prisma » 6. Nov 2014, 18:11



BELINDA LEE als EILEEN


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Belinda Lee hat es in den letzten Monaten quasi möglich gemacht, dass ich wieder einmal zu unterschiedlichen Genres gefunden habe, die mein Interesse sonst vielleicht nicht unbedingt geweckt hätten. Diese Filme jedoch nur auf die Beteiligung von Belinda Lee zu reduzieren wäre ungerechtfertigt, was ganz insbesondere für "Das Spukschloss in der Via Veneto" gilt, denn hier ist die schöne Britin zwar überaus nett anzusehen, zeigt sich in guter Spiellaune und erfreut auch einmal mit ihrer komödiantischen Seite, aber es ist und bleibt dieser bemerkenswert leichtfüßige Film, der die Hauptattraktion darstellt. Belinda Lee fällt hier zunächst durch optische Veränderungen auf, so dass man nach Rollen wie beispielsweise der feuerroten Messalina oder der blonden Rosemarie schon zweimal hinschauen muss, um sie zu erkennen. Die schwarzhaarige Eileen ist hier also ein gewolltes Abziehbild der modernen Frau dieser Zeit, resolut, selbstbewusst und schlagfertig. Auch wird sie in der "Via Veneto" als erotischer Blickfang eingesetzt, die nicht gerade sparsam mit ihren Reizen umgeht, und die Kunst des Verführens ihr Eigen nennt. Im Film hat sie beispielsweise eine Szene in der Badewanne (die allerdings von unten bis oben voll mit Schaum, also Fantasie ist), sie ist häufig in knappen Ensembles zu betrachten und man darf einen Blick auf ihren nackten, vom Schaumbad glänzenden Rücken werfen. Das klingt für heutige Verhältnisse nach einem Hauch von Nichts, doch es ist zu bedenken, dass der Film im Jahre 1961 entstanden ist.

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Die Rolle von Belinda Lee ist insgesamt schon sehr stark auf einen gewissen Star-Bonus angelegt. Sie wird im Vorspann an zweiter Stelle, und noch vor dem Filmtitel genannt, bereichert das Geschehen überhaupt erst ziemlich spät, und hat auch recht wenig Screentime. Auch zu ihrer Kollegin Sandra Milo sieht man sie in deutlichem Kontrast, was die Sympathie des Zuschauers, und die Wichtigkeit der Rolle anbelangt. Dennoch zieht sie mit allen anderen an einem Strang und sorgt für aufrichtiges Schmunzeln und einige Lacher. Mir persönlich ist die deutsche Synchronstimme weniger gut bekommen, da es sich um einen schwerwiegenden, und einfach nicht auszublendenden Fall der Assoziation mit einer anderen Rolle handelt. Belinda Lee wurde nämlich von Marianne Wischmann gesprochen, so dass ich permanent an Raquel Ochmonek aus "Alf" denken musste. Wie dem auch sei, es handelt sich insgesamt um eine weitere schöne Rolle der Engländerin und es ist absolut sicher, dass die Sammlung in nächster Zeit noch wachsen wird. Außerdem bin ich wieder einmal begeistert von ihrer Wandlungsfähigkeit und Spiellaune!
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Re: Stars of Exploitation # 65 - Belinda Lee

Beitragvon Prisma » 26. Mär 2015, 00:12



♦ BELINDA LEE als FAUSTA ♦

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Als Fausta sieht man Belinda Lee in einer ihrer letzten Rollen vor ihrem tödlichen Autounfall im Jahr 1961. Bekannt aus derartigen Filmen und häufig betraut mit großen Frauenrollen, war die Engländerin wie geschaffen für solche Auftritte. Sie hatte die richtige Aura und vor allem die Gabe, sich flexibel in jede Rolle hineinzudenken, ihr Aushängeschild war dabei ihr atemberaubendes Erscheinungsbild, welches es dem Zuschauer letztlich ermöglichen konnte, sich in Epochen und Strukturen hineinzudenken, in denen starke, und für ihre Attraktivität bekannte Frauen sich Männer zu Untertanen machen konnten. Aus persönlicher Sicht, und nach mehreren gleichartigen Filmen mit ihr, wirkt Belinda Lee beinahe wie ein Gestalt annehmender Prototyp für die Verkörperung von Frauen der Weltgeschichte. Erneut kommt es hier zu einer sehr eigenständig gefärbten Interpretation, obwohl sie im Filmgeschehen recht untergeordnet wirkt. Selbstverständlich sieht man aufgrund der überlieferten Anlegung der Rolle keine brutalen Machenschaften einer "Messalina", sondern das Temperament und die Weitsicht einer, im Sinne des Films milden, weitsichtigen und gefühlsbetonten Frau.

Ihre weiblichen Attribute spielt sie dabei nicht rücksichtslos zu ihrem Vorteil aus. Darstellerisch gesehen sieht man schließlich eine sehr dosierte, wenn auch obligatorische Interpretation, die der Titelrolle komplett untergeordnet ist, die Kamera interessiert sich für Belinda Lee im Ganzen und wartet noch nicht einmal mit Strecken von Großaufnahmen auf, im optischen Sinne wurden markante Akzente gesetzt, so dass Belinda Lee auch nach über fünfzig Jahren noch erhaben durch die Kulissen schweben kann. Im Endeffekt sage auch ich, dass mir bei der Betrachtung ihres Gesamtwerkes weitaus bedeutsamere Arbeiten im Gedächtnis geblieben sind, und auch wenn es sich bei "Konstantin der Große" um einen sehr passablen Film handelt, spielte sie wichtigere Rollen in ihrer so kurzen Karriere. Was allerdings stets in Erinnerung bleiben wird, ist das interessante Wechselspiel ihrer markanten und sanften Züge, dem Feuer in ihren Augen und einem Temperament, das jeder zu interpretierenden Frauenrolle alle Ehre macht.
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