Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

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Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

Beitragvon ThomasGroh » 26. Jan 2014, 15:51

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Liebe Leute,

am 01. Februar zeigen wir in der mittlerweile schon zum 12. Mal stattfindenden "Nachtschicht" des Kino Babylon/Berlin-Mitte eine Ultra-Rarität des stylishen Euro-60s-Kinos: COVER GIRLS - DIE GANZ TEUREN MÄDCHEN von Maestro José Bénazéraf! Eine Entdeckung des letzten, geheimnisumwitterten Hofbauerkongresses - auf 35mm, in Scope und Farbe. Dazu gibt es einen Überraschungsvorfilm, der ebenfalls schon in klandestinen süddeutschen Kinovorführungen zu später Stunde auf seine Güte hin getestet und für bestens geeignet befunden wurde!

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... sowie der Programmtext:

Samstag, 1. Februar 2014, 22 Uhr, DIE NACHTSCHICHT im BABYLON
COVER GIRLS
(Frankreich/Italien 1964, Regie: José Bénazéraf, Darsteller: Georgia Moll, Claudio Gora, Maria Grazia Buccella, Heidi Balzer; 35mm, deutsche Fassung, 91 Minuten)

Mit Vorfilm!

Wenn einer als „Antonioni von Pigalle“, als „Bunuel der Erotik“ und „Godard des Porno“ bezeichnet wird, muss man sich wohl auf Einiges gefasst machen. Nicht auszuschließen, dass dieser Jemand gleichzeitig noch der „Schopenhauer des Schmuddelfilms“, der „Picasso der Siebten Kunst“ (man denkte nur ans Spätwerk!), der „Zimmerkellner Sigmund Freuds“ oder schlicht der „Doris Wishman Frankreichs“ ist.

All das reicht nicht aus, um die schillernde Persönlichkeit von José Bénazéraf zu beschreiben. Geboren 1922 in Casablanca, begann Bénazéraf Ende der 1950er Jahre erst als Produzent, wechselte dann auf den Regiestuhl und machte sich in den 1960er Jahren mit ausgesprochen merkwürdigen, sehr stilisierten wilden Fantasien einen Namen als Pionier des französischen Erotikfilms. In den 1970er Jahren fand der sich selbst als Rebell und Streiter wider den Konformismus sehende Regisseur dann im Pornofilm jene Form, die ihm die Realisierung seiner Vorstellungen von künstlerischer und sexueller Freiheit, Befreiung und Entgrenzung am Besten erlaubte. Die Cinémathèque Francaise würdigte den Provokateur 1997 mit einer Retrospektive. 2012 starb Bénazéraf im Alter von 90 Jahren in Spanien.

COVER GIRLS steht am Anfang von Bénazérafs Schaffen, ein Film, der einige Kritiker an Minnelli erinnerte und den Bénazéraf selbst zu seinen drei besten Arbeiten zählt (von insgesamt an die 60 Filmen). Die Story dreht sich um einen alternden Regisseur, der einen Film über Fotomodelle machen will und sich dafür die Unterstützung eines exzentrischen Starfotografen holt. (Oha, wer denkt da nicht an Antonionis BLOW UP.) In den Dialogen geht es dabei recht intellektuell zu: Marx, Engels, Freud – alle sind dabei (Woanders garnierte Bénazéraf mal eine Orgie mit Zitaten von Kierkegaard und Baudelaire...). Die Sache geht nicht gut aus: Am Schluss nimmt sich der Regisseur das Leben – stilgerecht auf einem Kostümball.

„COVER GIRLS ist Bénazérafs Version über die Schwierigkeit, heute Künstler zu sein, ist sein ACHTEINHALB. Es ist gleichzeitig der einzige Film, mit dem sich die Kritik ernsthaft auseinandersetzte, wenn auch meist nur, um den Film und seinen Regisseur besser verwerfen zu können. Man hat Bénazéraf wohl in jenem Augenblick mit bekannten Regisseuren wie Antonioni oder Fellini verglichen, auch mit Godard, aber im Grunde lag dort nicht das Problem. COVER GIRLS ist vor allem ein völlig mythischer Film, ein Film über die Lebensfreude, die sich aus dem Anblick schöner Mädchen ergibt, ein Film über das Metier von Bénazéraf, der seine Schauspielerinnen nach anderen Kriterien auswählt als andere. Es ist auch ein Film über die existenziellen Ängste und die Zweifel eines Filmregisseurs“, schreiben Rolf Thissen und Leo Phelix 1983 über COVER GIRLS, der nebenbei eine bezaubernde Sequenz enthält, die uns Berlin kurz nach dem Bau der Mauer zeigt.

Ausführlich schreibt Lukas Foerster über COVER GIRLS am 7.1.2014 auf http://somedirtylaundry.blogspot.de/: „Benazerafs Scope-Monument ist ein Fetischfilm reinsten Wassers, ein Film über die Scope-Leinwand und den weiblichen Körper (LE MEPRIS, klar, aber Benazeraf macht keine halben Sachen). Schon die ersten Einstellungen: eine Gruppe Models, die gerade einem Flugzeug entsteigen, sich durch den Flughafen bewegen, in den Film hinein stolzieren. Die Kamera ist nicht aufdringlich, wie auch in Benazerafs St. Pauli-Film wartet sie geduldig, auf dass die Frauen ihr ihre Geheimnisse von selbst anvertrauen. (...) Besonders toll sind die Szenen mit dem Regisseur, der in seinem ultrabarock eingerichteten Anwesen, direkt neben seinem Bett einen Schaltkasten hat, mit dem er seine eigene erotische Fantasie kontrollieren kann: Hinter einem roten Vorhang und einem Aquarium liegt, halb aufgerichtet, eine Frau, eine Schauspielerin, Carlotta; mit einem Hebel hebt er den Vorgang, mit diversen Knöpfen beleuchtet er sie, ihr Gesicht, einzelne Körperpartien etc. Freilich kann er über sie nur als vom Aquarium gerahmtes Bild bestimmen. Carlotta bleibt umso unerreichbarer, je verfügbarer sie ist. Ein erotisches Dispositiv, das natürlich für Benazerafs Kino als Ganzes stehen kann - allerdings nur auf den ersten Blick. Denn später wechselt der Film auch auf die andere Seite des Aquariums, er macht sich nicht einfach nur mit dem Regisseur und dessen Kontrollblick, der doch nichts kontrollieren kann, gemein. Das Kino kann, hat Benazeraf erkannt, den Fetischblick multiplizieren, es muss ihn nicht auf einen einzigen, menschlichen Maßstab festlegen, kann ihn wieder und wieder aufspalten.“


Wir freuen uns über freundliche Weiterreichung der Informationen, noch mehr über zahlreiches Erscheinen und auf einen wunderbaren Kinoabend am 01. Februar :)
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Re: Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

Beitragvon Arkadin » 27. Jan 2014, 10:17

Wenn Berlin nicht so weit weg wäre... :(
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Re: Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

Beitragvon ugo-piazza » 27. Jan 2014, 10:28

Arkadin hat geschrieben:Wenn Berlin nicht so weit weg wäre... :(



http://www.bahn.de/p/view/angebot/bahn- ... rlin.shtml
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

Beitragvon Arkadin » 27. Jan 2014, 10:33

ugo-piazza hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:Wenn Berlin nicht so weit weg wäre... :(



http://www.bahn.de/p/view/angebot/bahn- ... rlin.shtml


Geht mehr um die Zeit, die man investieren muss. 6 Stunden hin- und zurück + Aufenthalt. Das ginge nur, wenn die Familie mal bei den Schwiegereltern weilt.
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Re: Nachtschicht/Berlin: José Bénazérafs COVER GIRLS

Beitragvon ugo-piazza » 27. Jan 2014, 10:35

Arkadin hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:Wenn Berlin nicht so weit weg wäre... :(



http://www.bahn.de/p/view/angebot/bahn- ... rlin.shtml


Geht mehr um die Zeit, die man investieren muss. 6 Stunden hin- und zurück + Aufenthalt. Das ginge nur, wenn die Familie mal bei den Schwiegereltern weilt.


http://www.bahn.de/p/view/angebot/inter ... polen_LZ01 :pfeif: :D ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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