Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Länderübergreifendes, allgemeines Forum zum Thema Film

Moderator: jogiwan

Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon resonator05 » 11. Apr 2014, 09:12

Habe die Fotos auf öffentlich geschalten, keine Ahnung ob man angemeldet sein muss, oder nicht... :kicher:
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon buxtebrawler » 11. Apr 2014, 10:33

Schöne Sammlung und willkommen an Board, resonatschi! :prost:

Woher das spezielle Interesse für gerade diesen Film? Oder gibt es auch andere Filme, die du derart sammelst?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon resonator05 » 11. Apr 2014, 11:52

Hallo! Wurde Zeit, dass ich mich hier anmelde. Endlich mal was seriöses :) buxtebrawler ich kenne viele reviews aus der ofdb von dir; guter geschmack, mein Lieber :)

Naja nach jahrzehntelangem Sammeln von allen möglichen Dingen wollte ich das ganze mal sein lassen, geht natürlich nicht ganz, da dachte ich mir, ich könnte ja alles von einem meiner Lieblingsfilme sammeln :) Es gibt mehrere Gründe, weshalb genau dieser Film. Meine Frau und ich haben eine Affinität zum Lungau, genauer gesagt zu Mauterndorf, wo die Filme ja auch großteils gedreht wurden, wir sind mehrmals im Jahr dort, wandern bzw schi fahren :) Einen Besuch im Schloss Moosham, wo die Folterszenen aus dem ersten Teil gedreht wurden, kann ich nur jedem empfehlen :)

Ja und außerdem ist der Film einfach super und einzigartig in allem! Die ganze Entstehungsgeschichte, die Schauspieler, die Musik.
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon resonator05 » 11. Apr 2014, 11:55

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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon DrDjangoMD » 11. Apr 2014, 11:59

Grüß dich! Schön, dich hier wiederzusehen und danke für die tollen Bilder! :prost:

Ich musste es mit meinem Fotoapparat natürlich wieder übertreiben, hier mein Reisebericht:


Hexen, Teufel, nette Leute


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Damit eure armen Computer nicht allzu viele Bilder auf einmal anzeigen müssen, habe ich den Bericht in fünf Teile geteilt:

Teil 1: Der Italiener im Lokalexpress (2.4.-3.4.)

Ich verließ den Schnellzug von Wien in Unzmarkt, um in eine kleine Lokalbahn einzusteigen, die mich nach Tamsweg bringen sollte. Auf meinen Reiseunterlagen war die Nummer der Bahn notiert, dummerweise aber nicht auf der Bahn selbst. So fragte ich den Fahrer sehr verunsichert, ob das tatsächlich die Bahn nach Tamsweg ist. Er bejahte, also stieg ich ein und setzte mich. Ich brauchte nicht lange zu warten, als ein Herr einstieg, der in seinem braunen Sakko etwas sehr Akademisches ausstrahlte. Als nun dieser Herr dem Fahrer mit der gleichen Unsicherheit die Frage stellte, die kurz zuvor über meine Lippen gekommen war, wusste ich: Der muss auch zu der gleichen Tagung wollen wie ich.
Ich spreche ihn darauf an (erst Deutsch, dann auf Englisch) und es stellt sich heraus, dass er tatsächlich das gleiche Ziel hat wie ich. Es handelte sich um Dr. Gianluigi Gugliermetto, einen extrem netten italienischen Theologen, der mittlerweile in Graz lebt. Er kannte den Veranstalter, Andreas Ehrenreich, und dieser hat ihn gebeten, in einem Vortrag „Hexen bis aufs Blut gequält“ von theologischer Seite zu untersuchen. Die Fahrt nach Tamsweg verbrachten wir in gebrochenem Englisch plaudernd.
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Bei Gianluigi handelt es sich um einen äußert netten Zeitgenossen, mit dem ich ein interessantes Gespräch führen konnte. Für unser Forum am relevantesten ist eine Überlegung, die er mir ausgerechnet zu „Horrorsex im Nachtexpress“ weitergegeben hat: Wir redeten über die Unterschiede zwischen den Originaltiteln und deutschen Titeln von italienischen Genrefilmen und ich brachte „La ragazza dell vagone leto“/ „Horrorsex…“ zur Sprache (verbunden mit meiner Anekdote, dass ich aufgrund des Filmes ziemlich lange in dem Irrglauben lebte, „ragazza“ wäre das italienische Wort für, nun ja, „Horror-Sex“). Gianluigi erklärte mir aber, dass das verschrobene Hirn eines Italieners der 70er sofort an sexuelle Anspielungen denken würde, wenn er von einem „jungen Mädchen in einem Nachtexpress“ hörte. Der „Horrorsex…“-Titel kann laut ihm also durchaus als sinngemäße Übersetzung geachtet werden.
Während unserer Fahrt bekam Gianluigi einen Anruf von Andreas. Nach allem was ich mitbekam, würde Andreas sich verspäten und er bat Gianluigi daher, Signora Blanc bei ihrer Ankunft in Empfang zu nehmen. Die Gute ist leider nur der italienischen und französischen Sprache mächtig (ich nebenbei bemerkt keiner von beiden) und so wurde Gianluigi kurzerhand zu ihrer Kontaktperson während der Tagung berufen. Netterweise hat er mir aber versprochen, sie mir vorzustellen, nachdem ich ihm mehrmals versichert habe, wie toll ich ihre Filme finde, von denen Gianluigi leider keinen gesehen hat.
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Wir kommen also in Tamsweg an und trennen uns fürs erste. Meine Pension beherbergte außer mir keinen Tagungsgast, was schade ist, da sie eine sehr nette und (bei den billigen Preisen) erstaunlich komfortable Unterkunft ist. Außerdem war sie nur zwei Minuten von der Tagungsstätte entfernt. Ich mache mich also am nächsten Tag (dem 3.4.) dorthin auf, finde einen leeren Seminarraum vor, setze mich hin und erwarte mit Spannung die Eintreffenden Leute.
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Die Partizipienten (ist das ein Wort?) der Tagung setzten sich zusammen aus: Zirka 20 Vortragenden (darunter solche Koryphäen wie Marcus Stiglegger); Uwe Huber, der plante Interviews mit den kommenden Gaststars zu machen; zwei nette Filmfans, die Teile ihrer beeindruckenden Sammlungen von Erika und Michael unterschrieben haben wollten; und halt ich. Was die Gaststars betrifft, so wird Erika Blanc zu Mittag erwartet, Michael Holm am Abend und Percy Hoven am nächsten Tag.
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Dann beginnen die Vorträge und ich merke schnell, dass mich hier eine interessante Mischung aus spezifischen Analysen von „Hexen bis aufs Blut gequält“ und weitreichenderen Auseinandersetzungen mit dem Thema, die durchaus auch andere Filme als Verweise heranziehen, erwartet. Ich sitze also da und höre mir fasziniert die ersten vier Vorträge an, als plötzlich die Tür nach draußen aufgeht und ich einen Blick ins Foyer erhasche: Da sitzen die beiden Filmfans und neben ihnen, fleißig Plakate signierend, Erika Blanc!
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Teil 2: Ein Kaffee für Signora Blanc (3.4.)

Ich muss wohl nicht betonen, dass, kaum erhaschte ich einen Blick auf Erika, die Vorträge für mich sämtliches Interesse verloren haben und mir nichts anderes übrig blieb, als den Saal zu verlassen und mich nervös und zögerlich, Signora Blanc zu nähern und sie auch um ein Autogramm zu bitten. Jene zögerliche Nervosität wurde sofort von Erikas heiterem Wesen vertrieben. Mit breitem Lächeln unterzeichnete sie alles, was wir ihr reichten und hatte bei jeder DVD und jedem Plakat eine nostalgische Erinnerung parat, die wir aber nicht verstanden, weil keiner von uns Italienisch sprach.
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Außer Erika und uns dreien war noch Gianluigi im Foyer, der sich um Erika kümmern sollte. Der arme Teufel wollte aber unbedingt die Vorträge hören, also boten wir ihm großzügig an, dass wir die Aufsicht über Signora Blanc übernehmen, was er dankend annimmt und sich in den Vortragssaal zurückzieht. Wir drei umkreisen derweil mit absoluter Begeisterung Erika und führen mit ihr angeregte Gespräche, die daraus bestehen, dass wir uns in diversen Sprachen Hauptwörter an die Köpfe werfen. Sie ist dabei bestens gelaunt und zeigt stets, wenn sie von uns einen Filmtitel hört, wie toll es für sie war, bei besagten Filmen mitzuspielen.
Irgendwann gibt sie uns zu verstehen, dass sie eine Zigarette rauchen möchte. Also verlassen wir das Gebäude. Wir stellen uns draußen auf, rauchen, da verdeutlicht sie uns plötzlich, dass ihr nach Spazierengehen zu Mute ist. Während wir noch überlegen, ob wir Gianluigi oder die anderen davon verständigen sollten, dass wir uns mit deren Gaststar entfernen wollen, marschiert sie schon in raschem Schritt los und uns drei bleibt nichts anderes übrig als ihr im Gänsemarsch zu folgen.
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So erkunden wir Tamsweg, machen am Hauptplatz noch eine kleine Foto-Session und dann weist Erika darauf hin, dass sie Lust auf einen Kaffee hat. Nun gut, beim Seminar gibt es Kaffee, doch Erika möchte unbedingt einen italienischen (!) Kaffee haben. Die diversen Kaffeehäuser am Hauptplatz werden von ihr abgewiesen mit dem Bedenken, dass diese wohl keinen italienischen Kaffee anbieten. So irren wir weiter auf der verzweifelten Suche in Tamsweg im Lungau einen echt italienischen Kaffee zu finden und treffen unterwegs Uwe, der sich unserer kleinen Gruppe um Signora Blanc anschließt.
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Vor einem Kaffeehaus führen wir mit ihr wieder die Diskussion, ob die Möglichkeit wohl besteht dort einen italienischen Kaffee zu bekommen, bis sich einer der beiden Filmfans erbarmt und reingeht um nachzufragen. Er kommt mit positiver Antwort wieder heraus, also führen wir Signora Blanc in das Kaffeehaus, wo wir von der Besitzerin schon erwartet werden. Es stellt sich heraus, dass diese nicht nur italienischen Kaffee anbietet und fließend italienisch spricht, sondern auch als deutsch-italienische Dolmetscherin gearbeitet hat, die Signora Blanc (wenn ich das richtig verstanden habe) irgendwann mal kennengelernt hat. Sofort sind die beiden Frauen ein Herz und eine Seele, setzen sich und beginnen über Gott und die Welt zu plaudern, während wir uns zu ihnen gesellen und kein Wort verstehend, Erika stumm anhimmeln.
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Uwe reicht Signora Blanc derweil an die 50 Plakate, Szenenfotos, usw. welche sie alle fleißig unterzeichnet, ohne Anzeichen von Müdigkeit zu zeigen. Überhaupt war sie extrem aufgeweckt. Irgendwann begann sie zu singen, dann hat sie mit theatralischen Gesten auf Deutsch bis dreißig gezählt (fragt mich nicht warum, aber uns hat’s gefallen) und dann hat sie den Hund der Kaffeehaus-Besitzerin entdeckt!
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Erika ist sehr tierliebend – sie hat auch selbst eine halbe Arche Noah zu Hause – und sofort stand sie auf, ging zu dem Hund und begann mit dem Tier zu spielen. Hier sei angemerkt, dass meine Kamera auch eine Video-Funktion hat und ich mich nun im glücklichen Besitz eines kurzen Clips sehen darf, der die große Italo-Ikone Erika Blanc zeigt, wie sie einem Hund sein Gummispielzeug durchs ganze Kaffeehaus entgegenwirft.
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Sie hatte ihren Spaß, wir hatten unsren, es war ein wirklich wirklich grandioser Nachmittag. Nachdem wir uns also eine Weile unterhalten haben, gehen wir in einen Nebenraum, wo Uwe mit Erika ein Interview aufnehmen will. Die Kaffeehaus-Besitzerin hat er kurzerhand als Dolmetscherin rekrutiert. Und was das für ein Interview wurde: Geschätzte drei Stunden beantwortete Erika Fragen, unterzeichnete Fotos und erzählte Geschichten und das alles ohne das geringste Anzeichen von Müdigkeit. Im Gegenteil: Die ganze Zeit war sie bestens drauf, lachte viel und machte einfach spaßiges Zeugs. Höhepunkt war, als Uwe ihr ein Poster von „Die Toten Augen des Dr. Dracula“ reichte. Sie erzählt ziemlich lange über den Film und während die Übersetzerin diese Erzählung ins Deutsche überträgt beginnt Erika einfach so von sich aus mit dem Plakat herumzualbern. Sie hält es sich vors Gesicht, lugt spitzbübisch dahinter hervor und schneidet Grimassen. Großartig!
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Das Interview selbst war auch extrem faszinierend. Da es wahrscheinlich auf einen der nächsten Veröffentlichungen eines Blanc-Filmes sein wird, will ich gar nicht zu sehr ins Detail gehen, was sie alles erzählt hat, aber seid gewiss, es waren einige grandiose Geschichten dabei: Sie sprach von dem fleißigen Franco Nero, der in den Drehpausen immer Englisch lernte, von dem gutherzigen Reggie Nalder, dem angenehmen Antonio Margheriti und dem genialen Mario Bava, erzählte eine witzige Anekdote über sich und Gordon Mitchell, berichtete eine Geschichte über Siegfried Rauch (oder wie sie ihn nannte: „Siggi!!!“) und sprach über ihr inniges Verhältnis mit Peter Lee Lawrence. Selbst mein Anthony Steffen kam zur Sprache: Das gute Anthönchen war sehr auf sein Aussehen bedacht und verwendete vor jeder Szene gewisse Zeit mit einem kleinen Handspiegel, ein Verhalten, welches Erika in dieser Intensität eher nur von dem weiblichen Geschlecht kannte. Während sie das erzählte, tat sie so, als wäre sie das Anthönchen und ich muss wirklich sagen: Erika Blanc, die Anthony Steffen nachmacht, gehört zu den schönsten Dingen, die ein Mensch im Leben sehen kann!
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Auffallend war, dass sie über jeden ihrer Kollegen wirklich nur Positives zu berichten hatte. Das Schlimmste, was sie vielleicht über irgendwen gesagt hat war, dass Umberto Lenzi manchmal vielleicht ein kleinwenig cholerisch aber sonst ein echt toller wunderbarer Mensch war, negativer wurde sie nicht. Das war wirklich schön mit an zuhören, sie hat wirklich das Gefühl gegeben, dass sie auf den Filmsets der italienischen Genrefilme einfach eine wunderbare Zeit erlebt hat mit vielen extrem liebenswerten Menschen um sich herum.
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Teil 3: Der selbstkritische Herr Holm und die „nette“ Zungen-Szene (3.4.-4.4.)

Das Interview ist noch nicht ganz aus, da verlasse ich das Kaffeehaus, um zum Screening von „Hexen bis aufs Blut gequält“ zu gehen, das in einem Gebäude gleich nebenan stattfindet. Auf den Weg war ich immer noch begeistert, ich konnte es gar nicht fassen, was für ein freundlicher, offener und lebenslustiger Mensch Signora Blanc ist. Der einzige der mir bei der ganzen Geschichte leid tat war der arme Michael Holm. Ich hatte mich schon SOOO darauf gefreut ihn kennenzulernen, doch irgendwie hatte ich jetzt das Gefühl, sofern er nicht singt, bis dreißig zählt und dann mit einem Hund herumtollt, wird er Erika einfach nicht toppen können.
Tatsächlich trafen wir Herrn Holm im Vorraum des Kinosaals an. Er hat zwar wirklich mit keinem Hund gespielt, aber sonst ist auch er ein extrem netter Zeitgenosse. Sofort hat er sich uns zugewandt, unterzeichnete mit einem freudigen Lächeln meine bescheidene DVD von „Hexen…“ und die Plakate, welche die beiden Filmfans für ihn mitgenommen hatten. Freundlich plauderte er dann noch ein wenig über seine Karriere, bis wir in den Saal gingen, um den Film anzusehen.
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Vor „Hexen bis aufs Blut gequält“ zeigte Martin noch einen Ausschnitt aus der Doku, die er gerade zu diesem Film macht. Zu sehen war eine behind the scenes Stelle, die zeigte wie der große Adrian Hoven (mit cooler Sonnenbrille) Johannes Buzalski gerade erklärt, wie er Udo Kier zu killen hätte. Zum zweiten Mal an diesem Tag war ich überglücklich, dass ich mit meiner Kamera auch Videos aufnehmen kann. Nach diesen faszinierenden Einblick folgte das Screening von Hovens Meisterwerk.
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Nach dem Film interviewten Andreas Ehrenreich und Uwe Huber Michael Holm dazu, der sehr gut von Adrian Hoven sprach (er sei ein echtes „Schatzi“) und überraschend kritisch mit seinem Soundtrack umging. Ich war ja immer der Meinung, Holms Musik zu „Hexen bis aufs Blut gequält“ sei so schön, dass sie Beethoven und Mozart unheilbare Minderwertigkeitskomplexe verpassen könnte, aber Michael selbst meinte, er hätte sie wirklich besser machen können. Danach luden uns die Sponsoren in einen Heurigen auf ein gratis Abendessen ein und so fand dieser aufregende Tag dann einen gemütlichen Ausklang.
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Am nächsten Tag waren wieder Vorträge angesetzt und da ich Erika diesmal nirgendwo entdecken konnte, war ich sogar im Stande sie mir alle anzuhören. Gianluigi machte die Einleitung mit seiner theologischen Betrachtung und danach folgte eine ganze Stange faszinierender Betrachtungsweisen von „Hexen bis aufs Blut gequält“ von den verschiedensten namhaften Wissenschaftlern.
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Highlight war für mich der Beitrag von Xavier Mendik, einem Engländer, der eine beachtliche Reihe Publikationen aufzuweisen hat, die sich alle um das Thema Kultfilm drehen. Auf „Hexen…“ kam er bei seinem Vortrag nur am Rande zu sprechen, gab aber eine faszinierende Ausführung darüber, dass sich die von linksradikalen Anschlägen dominierte Zeitgeschichte Italiens und Deutschlands in ihren Genre-Filmen widerspiegelt, besonders in den italienischen Possession-Streifen. Der Vortrag hat mich so fasziniert, dass ich ihn danach um seine Mail-Adresse bat. Ich hab ihn schon eine Anfrage gesendet, mir die niedergeschriebene Version seiner Rede zuzuschicken.
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Die vertraute Stimmung die Herrschte, kombiniert mit den Tücken der englischen Sprache sorgte während der Vorträge für einige Lacher. Beispielsweise wurde „Ich denke, die Zungen-Szenen veranschaulicht meine Theorien sehr gut.“ Kurzerhand mit „I think, the tongue-scene was very NICE!“ übersetzt oder ein Highlight war noch während des letzten Vortrages – einige extrem tolle Überlegungen zum Exploitation-Kino von Daniel Illger – da zeigte er eine Szene aus Francos „Der Hexentöter von Blackmoor“: Maria Rohm sitzt nackt in ihrer Zelle, Howard Vernon zerrt sie in eine andere Zelle, wo eine blutige Nackte hängt, sagt „Schau sie dir gut an so kann es dir auch mal ergehen.“ (oder etwas sinngemäßes), worauf romantische Musik einsetzt und Rohm die andere für drei Minuten ableckt (eine Szene, die mich in meiner Kindheit einmal sehr verwirrt hat). Nachdem das zu Ende ist, tritt Illger wieder hervor und meint so ungefähr „Sorry, I thought the movie would have subtitles. For our English speaking guests I will explain, what you just saw.“ – schallendes Gelächter, an dem man merkt was für eine tolle Stimmung während der Vorträge herrschte.


Teil 4: Ein amüsantes Interview (4.4.)

Nach den Vorträgen gab es eine mehrstündige Pause und danach überraschender Weise ein Screening von „Hexen – Geschändet und zu Tode gequält“. Darauf war ich schon besonders gespannt, denn immerhin musste ich zu meiner Schande gestehen, dass ich diesen zweiten Hexen-Film von Adrian Hoven noch nie gesehen habe. Er hatte auch einige sehr starke Momente, leider war der Schluss extrem abrupt und wenn schon einen ganzen Film lang das gemacht wird, was der Titel andeutet, so erwartet man sich doch gegen Ende wenigstens ein wenig Gerechtigkeit. Nicht dass alle Bösewichter draufzahlen müssen, aber die Satisfaktion, dass dem einen oder anderen Doofkopf seine Rechnung präsentiert wird, könnte man dem Publikum schon gönnen, so wie der erste Teil, der das in meinen Augen perfekt gemacht hat.
Gleich im Anschluss an das Screening interviewen Andreas Ehrenreich und Uwe Huber Erika und Percy Hoven – die sich den Film mit angesehen haben – wobei Gianluigi Signora Blanc als Übersetzer zur Seite steht. Und dieses Interview war einfach großartig! Erika und Percy, die in dem Film ja Mutter und Sohn spielen, feierten auf dem Podium rührendes Wiedersehen, lagen sich viel in den Armen und waren einfach spaßig miteinander. Außerdem war ich nicht der einzige, der diesen Film an dem Abend zum ersten Mal sah, denn, wenn man ihr glauben will, so hat ihn Erika auch nie gesehen, da sie immer auf einen Film mit „Hexen“ im Titel wartete, der Film in Italien allerdings einen Alternativtitel bekam.
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Erika und Percy wussten auch sehr viele interessante wie amüsante Anekdoten zu erzählen. So war Percys Gage für den Film ein gelbes Fahrrad (wenn er einen Tag nicht zum Dreh kommen würde, so würde das Fahrrad ohne Vorderrat kommen) und obwohl er nichts von den harten Szenen mit ansehen musste, konnte er sich doch noch genau daran erinnern, dass es am Set immer penetrant nach Kunstblut roch.
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Widersprochen haben sich die beiden nur im Bezug auf Adrian. Als Erika nach ihm gefragt wurde, erzählte sie gleich – wie über all ihre Bekannten – dass er der liebste Mensch auf der Welt sei und niemals zornig wurde, immer ruhig entgegenkommen und besonnen war, was vom guten Percy mit einem „Naja“ kommentiert wurde. Davon abgesehen konnte der sympathische Percy sehr viel vom Leben seines Vaters berichten, was seine Inspirationen zu den Hexen-Filmen war, wie er zu ihnen stand usw.
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Mich hat sehr gefreut, dass auch einer nach dem abrupten Ende gefragt hat, welches ja auch mir aufgefallen war. Laut Percy lag der plötzliche Abbruch nicht am fehlenden Budget sondern war eine bewusst desillusionierende Taktik seines Vaters… Kann natürlich sein, aber das Ende war schon sehr plötzlich da.
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Teil 5: Erika, das Burgfräulein von Moosham (5.4.)

Das Abendessen an diesem Tag musste ich vor Kopfweh ausfallen lassen, erholte mich aber wieder vollständig um am 5.4. wieder frisch und munter zu sein. Und das war gut, denn dieser Tag war auch wunderbar: Wir fuhren – Herr Stieglegger bot sich mir dabei als Taxi an – zu einem Berg bei Tamsweg, der in der frühen Neuzeit wirklich als Hinrichtungsstätte von Hexen und Werwölfen diente. Wie ich einem Flyer in meiner Pension entnehmen konnte, fanden in Tamsweg damals nämlich tatsächlich eine ganze Reihe solcher Prozesse statt.
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Danach ging’s weiter zur Burg Moosham, wo die beiden Hexen-Filme gedreht wurden. Und ich meine nicht nur die Burg-Szenen der beiden Filme sondern fast die ganzen Streifen. Selbst für die Szenen im Gasthaus dienten die sogenannte „Trinkstube“ und die Schlossküche. Dass letztere wesentlich kleiner war, als nach dem Film zu vermuten, zeigt die Kunstfertigkeit die Hoven, Armstrong und ihr Kammeramann und Beleuchter beim Dreh an den Tag legten.
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Leider durfte innerhalb der Burgmauern nicht fotografiert werden, was ein Jammer ist, denn nicht nur die Drehorte waren wiederzuerkennen, auch die meisten Requisiten waren gar keine. Folterinstrumente wie die Streckbank oder die Zungenzange wurden uns gezeigt und es waren tatsächlich die Instrumente, die auch bei den Dreharbeiten verwendet worden sind.
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Während der Führung stieß Erika zu uns, die anfangs noch nicht dabei war. Sie benahm sich erstaunlich zurückhaltend, bis wir in den Burghof kamen: Im Burghof steht nämlich noch der Brunnen, bei dem sie in „Hexen – Geschändet und zu Tode gequält“ mit Percy Hoven spielt und den Brunnen hat sie wiedererkannt. Sie kommt gerade ins Freie, da erspäht sie den Brunnen, rennt los, lässt ihre Dolmetscherin des Tages hinter sich, rennt vorbei an all den herumstehenden Menschen und ist beim Brunnen.
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Kaum dort angelangt beginnt sie schon wieder zu schauspielern und hatte sichtlichen Spaß dabei, wiedermal diesen Drehort zu besuchen. Es war ein gleichsam rührender und amüsanter Anblick. Kein Wunder, dass Erika so eine großartige Schauspielerin ist, denn – ganz abgesehen davon, dass sie eine schier endlose Energie hat – wenn sie mal an etwas Spaß hat, dann zieht sie alle, die ihr zusehen in einen Bann und ist gleich der unterhaltsam-sympathische Mittelpunkt des Geschehens. Sie live zu erleben war einfach fantastisch!
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Mit diesem Highlight endete so ziemlich das Seminar. Ich schlug die Zeit bis mein Zug ging noch mit dem Besuch einer wunderschönen Kirche tot, dann traf ich am Bahnhof einige der Vortragende mit denen ich eine kurzweilige Rückreise hatte und dann war ich schon wieder in Wien und begann gleich meinen Mitmenschen zu erzählen, was für eine wunderbare Zeit ist erlebt hatte.
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Und wirklich war es einfach ein grandioses Wochenende. Alle waren so vertraut, es war einfach so nett und jedem ist es wirklich zu verdanken, dass es so grandiose Tage wurden: Ganz besonders natürlich dem wunderbaren Andreas Ehrenreich, der alles organisierte, den gebefreudigen Sponsoren (immerhin, Essen gratis, Getränke gratis, ich glücklich), Blanc, Holm und Hoven, die einfach extrem gut drauf waren und sämtlichen Beteiligten, den Vortragenden wie den Zuhörenden, dass sie einfach für eine so liebenswerte Stimmung gesorgt haben. Es war ein Erlebnis!
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Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 11. Apr 2014, 12:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon karlAbundzu » 11. Apr 2014, 12:01

wow, dass war ja mal eine richtig amtliche veranstaltung, alle achtung.
Danke euch für die Bilder und die Berichte!!!!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon Adalmar » 11. Apr 2014, 12:13

Was für ein toller Bericht, jetzt ist mir fast, als sei ich dabeigewesen. Klingt überaus spaßig und die Teilnehmenden scheinen auch sehr sympathische Zeitgenossen zu sein.

Weiß eigentlich jemand, ob es ein Buch mit den Vortragstexten geben wird?
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon resonator05 » 11. Apr 2014, 12:15

Wow, genialer, detaillierter Bericht, Thomas!!!! Und die ganzen Details, wie wir mit Blanc mehr oder weniger abgehauen sind haha! Super war das!!! Uwe war so nervös, hat gleich angerufen wo wir sind! :D
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon DrDjangoMD » 11. Apr 2014, 12:29

resonator05 hat geschrieben:Wow, genialer, detaillierter Bericht, Thomas!!!! Und die ganzen Details, wie wir mit Blanc mehr oder weniger abgehauen sind haha! Super war das!!! Uwe war so nervös, hat gleich angerufen wo wir sind! :D


Oh ja, einmaliges Erlebnis! Und ich war die ganze Anreise über so nervös, ob ich es überhaupt schaffen würde, Erika so lange in Anspruch zu nehmen, um meine DVD und ein Plakat von unserem Forums-Nello unterschreiben zu lassen... und dann passiert sowas :mrgreen:

Adalmar hat geschrieben:Weiß eigentlich jemand, ob es ein Buch mit den Vortragstexten geben wird?

Sicher weiß ich es nicht, aber ich vermute mal nein. Wenn aber wirklich keines kommt, könnte ich ja versuchen einige von den Vortragenden anzuschreiben und sie zu fragen, ob sie mir ihren Text schicken können und ich ihn an dich weiter schicken darf. Zumindest den Herrn Mendik habe ich ja schon nach seinem gefragt.
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Re: Mark of the Devil - Tamsweg, Austria 03.-05.04.2014

Beitragvon buxtebrawler » 11. Apr 2014, 13:51

resonator05 hat geschrieben:Hallo! Wurde Zeit, dass ich mich hier anmelde. Endlich mal was seriöses :) buxtebrawler ich kenne viele reviews aus der ofdb von dir; guter geschmack, mein Lieber :)


Vielen Dank! :)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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