Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

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Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon Theoretiker » 1. Mai 2014, 17:36

Viele Filmschaffende/Studios verkaufen Ihre Werke gern als "Antikriegsfilme". Die Beweggründe dürften klar sein, das Leid von Menschen, sofern auf realen Geschehnissen beruhend, zu Unterhaltungszwecken zu nutzen, ist eine Gratwanderung, Kommerzgründe sollen dabei zumindest nicht in den Vordergrund gerückt werden. Den Filmen eine moralische Botschaft zu unterstellen, rechtfertigt den Film und den damit verbundenen Kommerz.

Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff Antikriegsfilm in der neueren filmwissenschaftlichen Diskussion kein eigenes Genre mehr, sondern wird nur noch als Prädikat für jene Kriegsfilme verwendet, die in bewusst zum Frieden mahnender Absicht die Schrecken des Krieges zeigen.

Was haltet ihr von dieser Definition? Habt ihr eine andere oder gar bessere? Ist die Kategorisierung eurer Meinung nach überhaupt sinnvoll?

Welche Filme zählt ihr zu den "Antikriegsfilmen" und warum?
Zuletzt geändert von Theoretiker am 1. Mai 2014, 18:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon karlAbundzu » 1. Mai 2014, 18:12

die wiki-definitionen ist mal ausnahmsweise nicht verkehrt.
das mit dem genre - begriff ist ja immer so eine sache, wann ist einer sinnvoll und wann nicht.
Kriegsfilm bezeichnet so mit Filme, die im Setting des Krieges spielen. Und das ist erst mal unabhängig von der interpretierten AUssage des FIlms (was ja eh immer nicht so einfach ist) Also jetzt mal wissenschaftlich gesehen ist eine Unterscheidung um Filme innerhalb eines Setting-Genre-Begriff zu vergleichen zwische Kriegs- und Anti-Kriegsfilm nicht sinnvoll.
Um kurz mal zu sagen, in welche Richtung das geht, oder ob man mit Bauchschmerzen nach Hause geht, wenn man sich den anguckt, ist der Begriff Antikriegsfilm durchaus angebracht, aber Vorsicht, viele der sogenannten Anti.Kriegsfilm sind mitnichten pazifistisch, sondern wenden sich nur gegen bestimmte Kriege (WW2, Vietnam, Korea etc)
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon purgatorio » 1. Mai 2014, 18:28

"Antikriegsfilm" ist wahrscheinlich eine ganz streng subjektive Definition. Das entscheidet mal bitte jeder für sich selbst - und zwar nach (!) dem Film, nicht davor!
Wenn ich zurückdenke wie aufgeputscht wir als Kinder nach jeder Art Kriegsfilm durch die heimischen Wälder gestürmt sind und uns mit Knüppeln gegenseitig über den Haufen geschossen haben... hehe, ich glaube, dass Kinder, speziell Jungen, für das "Anti" wenig empfänglich sind. Da fällt mir ein, ich sollte mir mal I DECLARE WAR besorgen, da geht es doch genau darum, oder? Und noch etwas fällt mir ein: seit über einem Jahr schlummert dieser Schmöker unberührt im Regal:
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon Seth_LCF » 11. Jul 2014, 11:38

Die Wiki - Definition geht für mich sehr in Ordnung.

Der für mich "beste" Antikriegsfilm ist Starship Troopers.
Warum? Wenn auch fiktiv, aber hier wird die Sinnlosigkeit des Krieges, sowie die Motivation junger Menschen "dabei zu sein" derart differenziert und auf den Punkt gebracht dargestellt, so dass es mich persönlich stark wundert wie man beim betrachten des Films die Antikriegsfilmthematik übersehen kann.
:opa:
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon Reinifilm » 11. Jul 2014, 12:10

Seth_LCF hat geschrieben:Die Wiki - Definition geht für mich sehr in Ordnung.

Der für mich "beste" Antikriegsfilm ist Starship Troopers.
Warum? Wenn auch fiktiv, aber hier wird die Sinnlosigkeit des Krieges, sowie die Motivation junger Menschen "dabei zu sein" derart differenziert und auf den Punkt gebracht dargestellt, so dass es mich persönlich stark wundert wie man beim betrachten des Films die Antikriegsfilmthematik übersehen kann.
:opa:


Scheinbar kann man das - im Berliner Stadtmagazin "030" hatte seinerzeit ein Kritiker dem Streifen Null Punkte gegeben und als üble Nazipropaganda beschimpft....
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon jogiwan » 11. Jul 2014, 12:19

Der Grad zwischen "überzeichnet (abschreckend)" und "glorifizierend" ist auch manchmal sehr schmal. "Starship Troopers" ist da sicher das Paradebeispiel und ich kann jeden verstehen, der davon irritiert ist. Verhoeven entlarvt diesen "Hurra-Patriotismus" ja auch auf eine bitterböse Art und Weise.

"Iwans Kindheit" von Andrei Tarkovsky aus dem Jahr 1962 ist übrigens auch ein sehr eindrucksvoller Antikriegsfilm!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon Seth_LCF » 11. Jul 2014, 12:47

Reinifilm hat geschrieben:
Seth_LCF hat geschrieben:Die Wiki - Definition geht für mich sehr in Ordnung.

Der für mich "beste" Antikriegsfilm ist Starship Troopers.
Warum? Wenn auch fiktiv, aber hier wird die Sinnlosigkeit des Krieges, sowie die Motivation junger Menschen "dabei zu sein" derart differenziert und auf den Punkt gebracht dargestellt, so dass es mich persönlich stark wundert wie man beim betrachten des Films die Antikriegsfilmthematik übersehen kann.
:opa:


Scheinbar kann man das - im Berliner Stadtmagazin "030" hatte seinerzeit ein Kritiker dem Streifen Null Punkte gegeben und als üble Nazipropaganda beschimpft....


Oha! Lebt dieser Mensch noch? Kann man die Rezension dieses Herren im www finden? Meine bisherige Suche war erfolglos.
Die Argumentation der "Nazipropaganda" kann ich so schwerlich verstehen.
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon Seth_LCF » 11. Jul 2014, 13:02

jogiwan hat geschrieben:Der Grad zwischen "überzeichnet (abschreckend)" und "glorifizierend" ist auch manchmal sehr schmal. "Starship Troopers" ist da sicher das Paradebeispiel und ich kann jeden verstehen, der davon irritiert ist. Verhoeven entlarvt diesen "Hurra-Patriotismus" ja auch auf eine bitterböse Art und Weise.


Sehr richtig was du da schreibst! Genau das zeichnet (imo) einen guten, Film aus! Egal welches Genre. Das für & wider, sprich geschehenes, im Auge des entsprechenden Charakters dieses Films argumentationsstark darzustellen. Und das ist bei ST (imo again) sehr gut gelungen.
Das der Film von unterschiedlichen Leuten unterschiedlich betrachtet werden kann spricht für, und nicht gegen den Film, wie ich finde.
Zuletzt geändert von Seth_LCF am 11. Jul 2014, 13:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon dr. freudstein » 11. Jul 2014, 13:05

Klasse Einschätzungen, empfinde ich genauso :thup: aber Nazipropaganda hab ich nicht gesehen, da es schon sehr stark überzeichnet war, um dieses als solche zu empfinden. Da hat wohl einer nur sehr oberflächlich geguckt :?

aber für & wieder, lieber Seth, wäre ja beides das gleiche mit gemeint. für & wider wäre korrekt :opa: (Bux ist ja nicht da :kicher: )
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Re: Kriegsfilm, Antikriegsfilm oder keines von beidem?

Beitragvon karlAbundzu » 11. Jul 2014, 13:15

DIe Szenen, die ich im Kino bei diesem Film erleben durfte, sprechen dafür, dass man den Film durchaus anders verstehen kann.
Da wurde geklatscht und gejohlt und angefeuert bei jedem getöteten Bug, zB. Äußerst unangenehm, so dass es mir auch den FIlm bei der Erstsichtung verleidete.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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