KARACHO – 2. Festival des Actionfilms (11.-13.11.2016)

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KARACHO – 2. Festival des Actionfilms (11.-13.11.2016)

Beitragvon ugo-piazza » 12. Okt 2016, 20:05

Soeben bei DP veröffentlicht:


KommKino hat geschrieben:
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KARACHO – 2. Festival des Actionfilms

11.-13.11.2016 im KommKino Nürnberg



Zum zweiten Mal widmet sich KARACHO ein Wochenende lang dem Actionfilm. Ähnlich wie bei der ersten Festivalausgabe im November 2015 steht eine bunte Mischung unterschiedlicher Subgenres auf dem Programm. Klingenduelle, Kung-Fu-Tritte, Schusswechsel, Verfolgungsjagden, Schlägereien, Explosionen und halsbrecherische Stunts machen die Leinwand unsicher und entfalten erst dort ihre volle Wucht. Auch wenn sich in nur drei Tagen bei weitem nicht der ganze Facettenreichtum eines Genres, das so langlebig wie das Kino selbst ist, abbilden lässt, versuchen wir mit dem Festivalprogramm einen möglichst breit gefächerten und abwechslungsreichen Streifzug zu unternehmen: Die diesjährige Auswahl reicht von den 1960er bis in die 2000er Jahre, von den USA über Mexiko, Italien und Hongkong bis nach Japan, von Weltstars wie Charles Bronson und großen Regisseuren wie Paul Verhoeven bis zu kleinen B-Movies und Low-Budget-Produktionen. Bei uns geben sich asiatische Schwertkämpfer, gnadenlose Auftragskiller, marodierende Biker, muskelbepackte Barbaren, kampfeslustige Studenten, rachedurstige Frauen, akrobatische Ninjas, schwarze Kopfgeldjäger und fanatisierte Soldaten ein Stelldichein. Die spektakuläre Bewegungsdynamik des Actionfilms schreit wie kaum ein anderes Genre nach der großen Leinwand. Für uns Motivation genug, Klassiker und Wiederentdeckungen des Actionfilms auszugraben und dorthin zurückzubringen: In durchweg farbenprächtigen 35mm-Filmkopien ist bei KARACHO echtes Kinofeeling garantiert, das von originalen Kinotrailern und fachkundigen Einführungen noch abgerundet wird. Viele der Filme waren lange nicht mehr im Kino zu sehen, mit DANGEROUS MEN ist sogar eine eigens aus den USA importierte deutsche Erstaufführung im Programm. Wir wünschen adrenalingeschwängerte, aufregende und mitreißende Unterhaltung!



Zeitplan

Freitag 11.11.

15:30 Lone Wolf and Cub 1+2 (OmU)

21:15 Der Tanz des Drachen
23:30 Der Liquidator


Samstag 12.11.

13:30 Die Cadillac-Bande von San Francisco
15:30 Ator - Herr des Feuers

21:15 Der Ninja
23:30 Chikago Poker


Sonntag 13.11.

13:30 Mad Angels
15:30 Dangerous Men (OV)
17:30 Starship Troopers (OV)


Veranstaltungsort

KommKino im Filmhaus
(direkt am Hauptbahnhof)
Königstr. 93, 90402 Nürnberg
http://www.kommkino.de


Ticketinfos

Einzelticket: 6 Euro (Lone Wolf and Cub 1+2 = 9 Euro)
Dauerkarte: 45 Euro
Reservierungen an: reservierung(at)kommkino.de




Double Feature: Lone Wolf and Cub 1 & 2

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Okami - Das Schwert der Rache
(Kozure Ôkami: Kowokashi udekashi tsukamatsuru) Japan 1972, 83 Min., OmU, 35mm,
R.: Kenji Misumi, D.: Tomisaburô Wakayama, Fumio Watanabe, Akihiro Tomikawa, Tomoko Mayama

Okami - Der unbesiegbare Samurai
(Kozure Ôkami: Sanzu no kawa no ubaguruma) Japan 1972, 81 Min., OmU, 35mm,
R.: Kenji Misumi, D.: Tomisaburô Wakayama, Kayo Matsuo, Akiji Kobayashi, Tomoko Mayama

Als Scharfrichter und Auftragsmörder des Shōgunat ist Ittō Ogami ein Mann für besondere Fälle. Dank einer Intrige - bei der man seine Ehefrau eliminiert und ihn aufgrund falscher Anschuldigungen des Amtes enthebt - wird er zum Rōnin, einem herrenlosen Samurai. Zusammen mit seinem Sohn Daigorō muss er die Flucht ergreifen und streift fortan als einsamer Wolf mit einem hölzernen Kinderwagen durchs Land, um die tatsächlichen Mörder seiner Frau aufzuspüren...

„Die besondere Ästhetik des Films, die starken, von einmaliger Kraft zeugenden Bilder mögen aus der Comicvorlage resultieren, liegen aber auch sicher an Regisseur Misumi, der grüne, japanische Wälder, eher langsame Kamerafahrten wählt, die dann durch eruptive, mit stark schwankender Handkamera verwirklichte Kampfszenen unterbrochen werden. Die Technik des Schwertkampfes wird hier auf ungewöhnliche Weise gezeigt. In fast schon graziösen, ballet-artigen Schritten werden die blutigen Kämpfe vollführt. Es wirkt nie plump, oder dumm-brutal. Sondern immer edel und schön choreographiert. Dazu setzt Regisseut Misumi ein Minimum an Soundeffekten - auf Musik verzichtet er bei den Actionszenen ganz - beim Schwertkampf. Lediglich das Geräusch der durch die Luft zischenden Schwerter ist auszumachen - der Rest bleibt unterdrückt.“ (Björn Last, OFDb)

„Was an dem Film immer wieder besticht, ist die der Grausamkeit benachbarte Zartheit, mit der der riesige und finstere Schwertkämpfer das Kind umsorgt. Auch die brillante Fotografie fesselt im virtuosen Umgang mit Licht und Schatten.“ (Katholischer Filmdienst, 1974)

Einführung: Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt)


Freitag, 11. November 2016 um 15:30 Uhr




Der Tanz des Drachen

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(The Last Dragon) USA 1985, 108 Min., dF, 35mm,
R.: Michael Schultz, D.: Taimak, Vanity, Christopher Murney, Ernie Reyes Jr.

Leroy ist ein riesiger Fan von Bruce Lee und widmet sein Leben mit größter Passion dem Kampfsport. Um endlich die höchste Ebene zu erreichen, sucht er einen neuen Meister, der ihm den nötigen Feinschliff verpassen soll. Dabei verliebt er sich in die Sängerin Laura, die von dem verbitterten Produzenten Arkadian bedrängt wird. Dieser schließt sich kurzerhand mit dem fiesen Sho'nuff zusammen, der sowieso noch eine Rechnung mit Leroy offen hat und läßt Laura, sowie Leroys jüngeren Bruder Richie entführen – allerdings haben sie die Rechnung ohne den letzten Drachen gemacht...

„In THE LAST DRAGON hingegen sieht man vor allem die alles gleichmachende Kraft der Reaganomics am Werk, die alle störenden Ecken und Kanten abschleift, um alles und jeden für den Markt verfügbar zu machen und der Maschine überantworten zu können. [...] All dieser ideologiekritische Sermon sollte aber nicht verhüllen, dass THE LAST DRAGON ein wahres Fest ist. Die Szene, in der ein mit begeisterten Kids vollbesetztes Kino zu Bruce Lees ENTER THE DRAGON abgeht und Breakdancer im Mittelgang ihre eigene Interpretation der Kung-Fu-Moves vorführen, ist eine der schönsten Würdigungen des Martial-Arts-Kinos, die ich kenne. [...] THE LAST DRAGON ist Eighties-Pop-Art vom allerfeinsten, auch wenn das bedeutet, dass er auch die hässlichen Seiten dieses Jahrzehnts, die wir eigentlich alle vergessen wollten, gnadenlos ans Licht zerrt: Wer den Motown-Soul der Sechziger- und Siebzigerjahre in sein Herz geschlossen hat, für den ist dieser Film nicht weniger als ein bad trip, der zeigt, wie sehr die Gegenkultur hier durch den Synthesizer assimiliert wurde. THE LAST DRAGON hat alles und mehr, ein Piranhabecken, hässliche Klamotten, Glückskekse, eine idiotische „Glaub‘ an dich selbst“-Botschaft, eine quäkige Cyndi-Lauper-Verarsche, bemackte Kung-Fu-Esoterik, stulligen Wortwitz und William H. Macy im Jogginganzug, ist purer, manipulativer Eskapismus, aber solcher der dümmsten, grellsten, lautesten, naivsten, lustigsten, lebendigsten und ja, auch der schönsten Sorte. Wer hier keinen Spaß hat, der hat echte Probleme, bei denen ihm auch glattgebügelter Synthiesoul nicht helfen kann.“ (Oliver Nöding, Remember It For Later)

Einführung: Kai Krick (Besonders wertlos – Festival des deutschen psychotronischen Films)


Freitag, 11. November 2016 um 21:15 Uhr




Der Liquidator

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(The Evil That Men Do) USA 1984, 89 Min., dF, 35mm,
R.: J. Lee Thompson, D.: Charles Bronson, Theresa Saldana, José Ferrer, Antoinette Bower

Profikiller Holland erfährt durch seinen Kumpel Hector, dass ihr gemeinsamer Freund George in Südamerika auf grausame Weise getötet wurde. Verantwortlich dafür ist ein gewisser Dr. Moloch, ein walisischer Arzt, welcher als Fachmann für Tortur und Exekution der Regierung seine speziellen Dienste anbietet. Unliebsame Personen räumt er für sie aus dem Weg, was Holland aber keinesfalls abschreckt, denn für ihn ist die Liquidierung des Folterdoktors und seiner Handlanger - nach Georges Ermordung - beschlossene Sache...

„Thompsons Film ist in seiner Eiseskälte, seiner Darstellung menschlicher Grausamkeit, seiner nur wenig Hoffnung zulassenden Perspektive einer der radikalsten Actionfilme der Achtzigerjahre.“ (Oliver Nöding, Remember It For Later)

„Ein nervenaufreibender, in Wort und Bild auffällig schonungsloser Selbstjustizfilm, der konventionelle Gut-Böse-Muster radikal unterläuft, indem er Gewalt und Gegengewalt als natürliche, allgegenwärtige und unvermeidliche Erscheinungen ausweist, die unablässig an der Lauterkeit des Menschen nagen, bis er entweder verzagt einknickt oder standhaft untergeht. Die überraschend großzügige Folge ist, dass der Film das Böse im Menschen kritisieren kann, ohne den bösen Menschen kritisieren zu müssen. Die flüssige, mit kleinen Hintergründigkeiten verfeinerte Inszenierung und das souveräne Spiel der beiden Kontrahenten rufen in beklemmender Weise den alten, im Kino der Helden und Problemlöser gerne unterschlagenen Grundsatz ins Gedächtnis, dass der Kampf mit dem Drachen den Kämpfer selbst in einen Drachen verwandelt.“ (Adam Kesher, OFDb)

Einführung: Christian Schulze (KommKino Nürnberg)


Freitag, 11. November 2016 23:15 Uhr




Die Cadillac-Bande von San Francisco

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(The Young Animals) USA 1968, 97 Min., dF, 35mm,
R.: Maury Dexter, D.: Tom Nardini, Patty McCormack, Joanna Frank, David Macklin

Ein mexikanischer Schüler wird auf offener Strasse verprügelt und seine Freundin vergewaltigt. Nachdem ihm die Täter obendrein noch Drogen unterjubeln, rufen sie daraufhin die Polizei, die den unschuldigen Jungen - ohne näher auf die Vorfälle einzugehen - unter Anklage stellt. Daraufhin entbrennt im Zuge der Diskriminierung ein gewalttätiger Kampf zwischen den weißen und farbigen Mitschülern an einem kalifornischen College, der in einer blutigen Eskalation zu enden droht...

Eine bislang weltweit nicht auf DVD/BD erschiene Rarität aus der AIP-Produktionsschmiede. Wüstes Halbstarken-Rabaukentum, schmissig inszeniert und eingängig mit Les-Baxter-Soundtrack untermalt. „Immer wieder dominieren Szenen sportlich-tollkühner Autojagden "mit 300 PS" zwischen Mitgliedern der "Cadillac-Bande" des jungen Bösewichts Bruce und Tony, dem unerschrockenen Anführer der mexikanischen Schülerstreikgruppe mit grünen Hemden, sowie dem Selbstjustiz übenden "Mex"-Rivalen Paco. Dazu gibt es halbfröhlich gespielte Massenkeilereien, ketchupblutige Schlägereien, auch einige wie echt inszenierte Grausamkeiten, und dazwischen die Klischeefiguren des rückständig-autoritären College-Direktors, des reaktionär aufwiegelnden Klassenlehrers und Football-Trainers, der berechtigte Forderungen der farbigen Schüler als Zeichen radikalen Geistes abstempeln möchte, und allzuoft fades Demonstrationsgeplänkel mit Parolenschildchen vor der Schultür. [...] Und auch die "Rocker" und "Lederjacken", denen die Reklame einen harten "Drive" verspricht, dürften für einen solchen Edelreißer nur ein müdes Lächeln übrig haben.“ (Katholischer Filmdienst, 1969)

Einführung: Marian Meidel (Autor und Filmemacher)


Samstag, 12. November 2016 um 13:30 Uhr




Ator - Herr des Feuers

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(Ator l'invincibile) Italien 1982, 97 Min., dF, 35mm,
R.: Joe D'Amato, D.: Miles O'Keeffe, Sabrina Siani, Laura Gemser, Nello Pazzafini

Nachdem seine Mutter bei dessen Geburt verstirbt und der fiese Spinnenkult im Zuge einer Weissagung sein Heimatdorf niedermetzelt, wird der junge Ator vom Krieger Griba aufgezogen. Denn laut Prophezeiung wird Ator den mächtigen Hohepriester irgendwann stürzen, woraufhin Griba den Jungen zum Kämpfer ausbildet. Als sein Ziehvater jedoch gemeuchelt und seine Stiefschwester von den Truppen des finsteren Magiers Dakkar verschleppt wird, stürzt sich der Recke mit Schild und Schwert bewaffnet in den Kampf gegen den Tyrann und seine Schergen...

Kaum ein halbes Jahr nach CONAN erschienen, stellt ATOR den Startschuss für eine ganze Welle italienischer Fantasy- und Barbarenfilme dar, die sich mit spärlichen Mitteln im Fahrwasser des John-Milius-Klassikers bewegten und sich für keine Geschmacksentgleisung zu schade waren. Nachdem für aufwändige Kulissen kein Geld war, dienten Wälder, Lichtungen, Höhlen, ein paar Strohhütten und ein altes römisches Amphitheater als Schauplatz, vor dem sich der ungeheuer hölzerne Miles O’Keeffe als halbnackter Muskelmann unterschiedlichsten Kontrahenten gegenüber sieht. ATOR vermengt dabei ein buntes Figurenarsenal von Schwert-schwingenden Barbaren, bösem Hohepriester, Hexen, Untoten, Schattenkriegern, Tyrannen, Göttern und Amazonen zu einem ebenso haarsträubenden wie unbekümmert-vergnüglichen Potpourri, das im berüchtigten Finale schließlich eine nur halbfertig gewordene und daher nie zur Gänze zu sehende Riesenspinne als besonders kruden Spezialeffekt aus dem Hut zaubert. Trotz des sogar für Italo-Verhältnisse besonders minimal wirkenden Budgets war ATOR der kommerziell erfolgreichste unter den zahlreichen italienischen CONAN-Rip-Offs und zog auch noch eine Fortsetzung nach sich.

Einführung: Sven Safarow (Eskalierende Träume)


Samstag, 12. November 2016 um 15:30 Uhr




Der Ninja

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(Ninja Thunderbolt) Hongkong 1984, 87 Min., dF, 35mm,
R.: Godfrey Ho, D.: Richard Harrison, Wang Tao, Jackie Chan, Anna Lewis

Um von einem Versicherungsbetrug zu profitieren, beauftragen der mächtige Jackal Chan und seine durchtriebene Tochter einen Ninja. Dieser soll ein wertvolles Jade-Pferdchen aus Chans gesichertem Besitz entwenden, was ihm auch ohne Mühe gelingt. Inspektor Wong wittert allerdings die Täuschung und versucht den Schwindel mithilfe einer Versicherungsagentin aufzudecken. Um im Kampf gegen Chans Schergen bestehen zu können, erhalten die beiden schlagkräftige Unterstützung von Wongs Kollegen Richard, der bisher als einziger Weißer in die geheimen Ninja-Kampfkünste eingeweiht wurde...

„DER NINJA, wie er bei uns hieß, ist der erste von rund 20 Ninjafilmen Godfrey Hos (die Angaben variieren), in denen Richard Harrison auftrat. Und wenn man Harrison Glauben schenken mag, war es auch der einzige, den er mit ihm zusammen drehte und für den er bezahlt wurde. [...] Die Fights sind hyperkinetisch und ultradynamisch, wahnwitzig schnell und überdies brillant geschnitten, gleiches gilt für die diversen Verfolgungsjagden. Selbst, wenn es mal ruhiger zugeht, sprich: nicht geschossen oder gefightet wird, wird man da in einem Tempo mit Attraktionen beworfen, dass man kaum Zeit hat, in Deckung zu gehen. [...] Der ellenlange, sich in eine wahre Prügelorgie hineinsteigernde Finalkampf raubte mir fast den Atem und hätte von mir aus ewig weitergehen dürfen, der bizarre Schluss lässt einen von einem Universum träumen, in dem Ho ein großes, krawalliges Harrison-Ninja-Franchise begründet und so Aberhunderte von japanischen Mittelklassewagen auf fantasievolle Art und Weise geschrottet hätte, die Fotografie fängt herrlich abgerissene Ecken Hongkongs in spannungsreichen Kompositionen ein und findet immer den perfekten Background für die nächste Keilerei. Geiler geht es nicht. DER NINJA? Die Offenbarung.“ (Oliver Nöding, Remeber It For Later)

Einführung: Sano Cestnik (Filmwissenschaftler)


Samstag, 12. November 2016 um 21:15 Uhr




Chikago Poker

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(Truck Turner) USA 1974, 80 Min., dF, 35mm,
R.: Jonathan Kaplan, D.: Isaac Hayes, Yaphet Kotto, Alan Weeks, Nichelle Nichols

Truck und Jerry sind Kopfgeldjäger für ein Kautionsunternehmen und spüren dessen flüchtige Freigänger auf, damit diese den anstehenden Gerichtstermin nicht versäumen. Ihr neuester Fall - der Zuhälter und Drogenbaron Gator - scheint allerdings eine Nummer zu groß für die beiden, denn nach einer halsbrecherischen Hetzjagd wird dieser in Notwehr getötet. Von Rachegefühlen geplagt, heuert Gators Geschäfstpartnerin den Zuhälter Harvard Blue an, der prompt ein professionelles Killerkommando zusammentrommelt und damit die Jagd auf Truck Turner eröffnet...

„[Ein] räudiger Gewaltfilm, der sich in Bildern urbaner Verkommenheit und Ausweglosigkeit suhlt und von der deutschen Synchro, die einen wahren Sprücheholocaust abfeiert, beherzt über die Kante gestoßen wird. [...] Während andere Blaxploiter bemüht sind, ihre Helden als gewiefte Stilikonen darzustellen, wartet TRUCK TURNER mit einem Protagonisten auf, der nur einen Schritt vor dem Absturz in die Gosse steht. Wenn er aufwacht, türmen sich die Bierdosen neben ihm auf dem Nachttisch und das von der Katze als Klo missbrauchte Hemd muss er mangels Alternativen trotzdem tragen. Wolfgang Hess, einer der Stamm-Synchronsprecher von Bud Spencer, verleiht Turner sein unverwechselbares Organ, macht ihn zum stöhnenden, ächzenden Brummbären, der nie um einen vulgären Spruch verlegen ist. Aber er kann auch einstecken: Rassistische Verunglimpfungen wie „Baumwollblüten-Pflücker“ muss er sich in schöner Regelmäßigkeit anhören, „normale“ Konversation ist in Turners Welt der halbseidenen Gestalten, der verkrachten Existenzen, Säufer, Gammler, Wiederholungsstraftäter gar nicht mehr möglich. TRUCK TURNER ist ein sehr geradliniger, action- und gewaltlastiger Blaxploiter, ohne irgendwelche erzählerischen Finessen, aber dafür mit genau jener Unverdrossenheit, die auch seine Hauptfigur auszeichnet.“ (Oliver Nöding, Remember It For Later)

Einführung: Kai Krick (Besonders wertlos – Festival des deutschen psychotronischen Films)


Samstag, 12. November 2016 um 23:30 Uhr




Mad Angels

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(Mil caminos tiene la muerte) Mexiko 1977, 84 Min., dF, 35mm,
R.: Rafael Villaseñor Kuri, D.: Ana Martín, Arsenio Campos, Emmanuel Oléa, Noé Murayama

Mike ist Chef einer brutalen Motorradgang und führt seine Bande von Überfall zu Überfall, wobei seine Kumpanen vor keiner Untat zurückschrecken. Egal ob Raub, Vergewaltigung oder Mord – kein Verbrechen ist ihnen zu schmutzig und kein Menschenleben zu wertvoll. Einzig Mike und seine Freundin Joan bewahren sich einen Rest an Humanität, denn ihre Liebe steht total konträr zum Verhalten der restlichen Mitglieder. Als Joan aber von einer verfeindeten Gang ermordet wird, sinnt Mike auf erbarmungslose Rache...

Unverdünntes Grindhouse-Flair bietet dieser selten gezeigter Bikerfilm der besonders ungehobelten und rücksichtslosen Art. „Sie haben einfach Spaß an der Gewalt, die teils gar nicht mehr so jungen Burschen und Mädchen einer mexikanischen Motorradbande, die von Geschäftsleuten "Schutzgebühren" erpressen und Kindern Rauschgift verkaufen. [...] Die Reklame beruft sich auf "Mad Max" und "Warriors" - eine Hochstapelei, da diese Filme zumindest formal überlegen sind. Gemeinsam haben sie allerdings, daß sie die soziologischen Hintergründe des Gewaltrausches weitgehend ausklammern. Sporadisch auftauchende Eltern werden hier mit verächtlichen Phrasen abgespeist, auch den Ordnungsmächten versagt das schwache Drehbuch jegliche Profilierung. So fallen auch Momente der Besinnung und Erschütterung unter den Tisch. Übrig bleibt eine dramaturgisch mangelhaft verklammerte, oft selbstzweckhafte Aneinanderreihung von abstoßenden Roheiten.“ (Katholischer Filmdienst, 1980)

Einführung: Christoph Huber (Österreichisches Filmmuseum)


Sonntag, 13. November 2016 um 13:30 Uhr




Dangerous Men

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USA 2005, 80 Min., OV, 35mm,
R.: John S. Rad, D.: Melody Wiggins, Michael Gradilone, Coti Cook, Bryan Jenkins

Nachdem sie Zeuge der brutalen Ermordung ihres Verlobten wird und dabei selbst nur knapp einer Vergewaltigung entgeht, sinnt Mina auf Rache. Bewaffnet mit Messer, Schusswaffe und einer unstillbaren Wut im Bauch, zieht sie fortan eine blutige Spur durch die männliche Bevölkerungshälfte. Unterdessen heftet sich ein abtrünniger Polizist an ihre Fersen, welcher sich als ihr eigener Schwager entpuppt und ebenfalls noch eine Rechnung mit einigen bösen Buben offen hat...

Die deutsche Erstaufführung eines Films, der mindestens so unglaublich ist wie seine Entstehungsgeschichte: Hinter dem Pseudonym John S. Rad verbirgt sich der Iraner Jahangir Salehi Yeganehrad, der einst als persönlicher Kameramann des Schahs zu Einfluss gelangte und mit Import/Export-Geschäften ein Millionenvermögen machte. Nach der Islamischen Revolution 1979 setzte er sich in die USA ab, begann ein neues Leben und werkelte nebenbei an einem Actionfilm, dessen Dreharbeiten und Postproduktion über 20 Jahre dauerten. Als „total filmmaker“ wollte er einen wahrhaftigen Independentfilm realisieren und übernahm kurzerhand fast alle Posten hinter der Kamera: Regie, Drehbuch, Produktion, Schnitt, Musik, Setdesign und Locationscouting. Das Ergebnis ist ein Projekt voller Herzblut, aber auch voller haarsträubendem Dilettantismus, randvoll mit bizarren Einfällen, unerwarteten Schlenkern und dabei grandios unterhaltsam!

„I have found religion. Dangerous Men has filled the hole in my soul. This is the sort of absurdist film that would be praised beyond all belief if only it were the director's true intention to make the film that Dangerous Men actually turned out to be. No matter how much you hear about this film, nothing can compare to the actual experience. Even if I tell you that mountains explode, people grow beards in 3 seconds, men read from scripts that are plainly visible in the shot, bad guys get knocked out by scalp massages, women transport knives in the cracks of their buttocks, plots are abandoned ten minutes after being formed, title sequences contain no other name than "John S. Rad," nude men dance with cedar leaves in the desert, or that the same "punch...ah!" sound effect is used 24 times in a 30 second period, NOTHING will compare to seeing it all on the big screen.” (Fritz the Cat, IMDb)

Einführung: Christoph Huber (Österreichisches Filmmuseum)


Sonntag, 13. November 2016 um 15:30 Uhr




Starship Troopers

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USA 1997, 129 Min., OV, 35mm,
R.: Paul Verhoeven, D.: Casper Van Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Jake Busey

In ferner Zukunft haben monströse Killer-Insekten der Erde den Krieg erklärt, woraufhin eine Armee junger Soldaten auf den feindlichen Planeten Klendathu geschickt wird, um die Riesenkäfer auszurotten und die Menschheit vor ihrer Vernichtung zu bewahren. Ein schier aussichtsloser Kampf steht der Truppe bevor, denn auf Klendathu müssen die Streitkräfte schmerzhaft feststellen, dass sie ihren Gegner mehr als unterschätzt haben...

„Verhoevens böse Revision von Heinleins reaktionärem Roman ist ein Schlüsselfilm des modernen Kinos sowie das letzte Wort zu Hollywoods Sci-Fi-Großproduktion. In der faschistischen Utopie der Zukunft lechzt die Jugend nach dem Armeedienst, um am intergalaktischen Feldzug gegen außerirdische Riesenkäfer teilzunehmen, deren Wüstenplanet verdächtig an Szenarien des ersten Golfkriegs erinnert. Makellose Model-Krieger gehen durch die gnadenlose Grundausbildung zum Schlachtfeld-Gemetzel, gerahmt als Rekrutierungswerbespot. Das Bilderarsenal von Science Fiction und Kriegsfilm gebündelt zum Pop-Spektakel der Propaganda-Geschichte, zugleich vollendeter Ausdruck der zunehmenden Unwirklichkeit des American way of life.“ (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum)

Einführung: Daniel Manns (Filmemacher)


Sonntag, 13. November 2016 um 17:30 Uhr
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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