Dominik Graf über den aktuellen Deutschen Film

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Dominik Graf über den aktuellen Deutschen Film

Beitragvon Arkadin » 1. Mai 2012, 17:20

Anbei möchte ich einen, meiner Meinung nach, sehr treffenden Artikel empfehlen, den Dominik Graf in der “Zeit”, anlässlich des Deutschen Filmpreises, zum aktuellen Stand des deutschen Kinos geschrieben hat.

http://www.zeit.de/2012/18/Deutscher-Filmpreis/seite-1

Dominik Graf hat geschrieben:Der deutsche Film wirkt trotz seines stetig zunehmenden formalen Könnens in der überwiegenden Masse wie eine Palette von Besinnungsaufsätzen. Der Ton der Filme scheint sich anzugleichen. In der Inszenierung regieren der flach gehaltene Ball, möglichst wenig Filmmusik und das Diktat von (oft grandioser) Authentizität in Schauspiel und Kameraführung. Im Einzelnen ist das imponierend – doch in der Menge ergibt sich ein irritierend monotoner Eindruck. Zu viel Kunst, zu viel gute Absicht? Nicht unproblematisch für die notwendigen Alleinstellungsmerkmale all solcher Filme auf dem Markt. (…)

Es muss vielleicht sogar etwas wie eine neue »Vision« von möglicher Massenware her. Wo sind weltweit boomende Genres wie Fantasy im deutschen Film? Nicht existent. Trotz mindestens einem halben Dutzend erstklassiger hiesiger Romanautoren auf diesem Gebiet. Trotz einer deutschen Fantasy- und Horror-Tradition, die wie der Nibelungenschatz darauf wartet, gehoben zu werden. (…)

Der Verlust an Trivialität ist dramatisch. Die selbst gewählte Seriosität des deutschen Gegenwartsfilms widerspricht der Sehnsucht nach Spektakel, nach brüllendem Gelächter, nach Jahrmarkts-Schock – alles Grundwesenszüge des Kinos. Negiert wird der böse, kreischende Anteil filmischen Erzählens, jener kreativ explosive Todestrieb, der stets auch zu herrlich »schlechten« Filmen führte. (…)

Die heißeste, triefendste, nachgerade verzweifeltet-schönste Kinoleidenschaft findet sich bei uns heute in den Cinephilen-Blogs. Von deren Kenntnis und geschmacklichem Enthusiasmus können die deutschen Filmhochschulen nur träumen. Dort, im Web, tragen die deutschen Filmgötter allerdings ganz andere Namen als in der offiziellen Verlautbarungskultur: Es sind Regie-Ekstatiker wie Will Tremper, Alfred Vohrer, Rolf Olsen, Zbyněk Brynych, Eckhart Schmidt und Klaus Lemke. Hier ist das Reich des Verbotenen, das einst auch noch in Grünwalder Fernsehserien hausen durfte und das nun mit Stumpf und Stiel in der Förderkultur ausgerottet wird. (…)


Quelle: zeit.de
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Re: Dominik Graf über den aktuellen Deutschen Film

Beitragvon Adalmar » 1. Mai 2012, 17:27

Alles sehr wahre und treffende Aussagen, die ich trotz meiner hohen Meinung von Graf selbst von ihm so mutig nicht erwartet hätte!!

Chapeau, Maestro!
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Re: Dominik Graf über den aktuellen Deutschen Film

Beitragvon Onkel Joe » 1. Mai 2012, 17:42

Wo Er recht hat, hat Er recht und schön das Hr.Graf keine Blatt vor den Mund nimmt, Respekt.
Es regieren nur noch Schweiger, Schweighöfer, Herbig und Co. !!

Schande eine schande aber einer hält die Fahne oben, Uwe Boll :kicher: .

Quatsch, solche tollen Filme wie in den 60er und 70er wird es nicht mehr geben, leider :( .
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