Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon supervillain » 24. Mär 2014, 14:08

Adalmar hat geschrieben:Grundsätzlich finde ich Filme mit Weltuntergangs-Thematik verstörend, mit einem Unheil, dem man sich nicht entziehen kann. Zunächst möchte ich da Lars von Triers "Melancholia" nennen, aber auch Emmerichs "The Day after Tomorrow" und Proyas' "The Knowing" fand ich erschreckend in der Hinsicht, auch wenn letztere beide vergleichsweise kommerziell daherkommen. Die Japan-Horrorfilme "Ju-on - The Grudge" 1 und 2 finde ich wegen der Prämisse, dass das Böse einfach nicht aufzuhalten ist und sich wie eine Infektion ausbreitet, beunruhigend; das gilt noch mehr für "Kairo" ("Pulse"), der zudem auch eine Art apokalyptisches Szenario bereithält. Im Jugendalter hat mich "Das Omen" sehr verstört (kannte damals nicht viel Horror) und das hat sich auch bis heute erhalten, einfach ein verdammt gruseliger Film. Sicher gehören auch die Filme meines verehrten Shion Sono hierher, vor allem wohl "Suicide Circle" und "Strange Circus". "Ebola Syndrome" und "Untold Story" aus Hongkong sind nicht zuletzt durch das irre Schauspiel von Anthony Wong erschreckend, des Weiteren hat mich "Dream Home" aus Hongkong mit seiner eiskalt grausamen Protagonistin erschreckt.

Also generell bin ich auch auf der Suche nach solchen Filmen, die auf psychischer Ebene verstörend wirken. Allzu häufig klappt das nicht, z. B. Salò hat mich eher zum Schmunzeln gebracht, z. B. als da die Wurstplatten serviert wurden. Noé mit seinen Endlos-Sequenzen und seinen Stroboskop-Mätzchen finde ich auch eher nervig als verstörend.


Als sozialkritisches Statement kann ich verstehen, oder sagen wir akzeptieren, wenn du „The Day after Tomorrow“ mit rein nimmst. Doch als Film, ich weiß nicht?! Da könnte man auch viele Öko-Tierhorrorfilme oder Katastrophenfilme der 70er mit diesem Titel versehen (die waren damals auch kein Trash).
Suicide Circle kenne ich noch nicht, kann ich mir aber gut vorstellen. Bei Strange Circus würde ich ähnlich wie bei Miikes Audition trotz verstörender Elemente, mein Hauptaugenmerk nicht auf den Disturbing-Faktor lenken oder die Filme als außergewöhnlich verstörend bezeichnen.

Ich bin ja ganz froh das wir hier nicht 100% einer Meinung sind, ich wollte neulich, nach meinem 2. Versuch mit dem Film, etwas zu „I Saw the Devil“ schreiben, dann sah ich, dass ich mit Dir wieder gegen den Strom geschwommen wäre und hatte davon erstmal Abstand genommen (allein ok – doch man will sich ja in der Kennenlernphase an niemanden ranhängen oder den Eindruck erwecken). „Kick-Ass“ hat erstmal gereicht, für ein neues Mitglied. Die nahezu vernichtende Kritik kommt aber bestimmt noch. Hehe ;)

@All: Die Gesichter des Todes Reihe findet bei mir keine Erwähnung, die sind für mich einfach keine Filme im eigentlichen Sinn. Da gäbe es ja noch weitaus extremere Beispiele wie „Traces of Death“ oder am allerschlimmsten "Executions", In diesem Film werden reelle Hinrichtungen mit Death Metal Sound unterlegt, was wohl den größtmöglichen Beweis liefert, dass es sich einfach nur um übelste Gewalt Pornographie handelt. Sowas hat bei mir keinen Platz.

Zur damaligen Zeit war auch „Nicht of the livind Dead“ verstörend und hat mit Konventionen gebrochen. Radikale 70er Filme sind schon auch mit dem Thema in Verbindung zu bringen („Texas Chainsaw Massacre“, „Last House on Left“ und der bereits genannte „I spit on you Grave“). Wenn psychologischer Terror so extrem forciert wird, wirkt das auf mich schon sehr verstörend. Ein aktuelles Beispiel wäre Eden Lake. In einer Top 30 hätte der aber nichts verloren.
PS: Am meisten verstört mich gerade wie oft ich das Wort hier schon geschrieben habe. :?
Und bevor das hier ein schlechtes Licht auf mich wirft, gebe ich folgendes zu Protokoll: Mein Profil sagt immer noch, am meisten aktiv bei dem Thema "Akte X". Also alles ist gut Mutter. 8-)
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon jogiwan » 24. Mär 2014, 14:21

supervillain hat geschrieben:@All: Die Gesichter des Todes Reihe findet bei mir keine Erwähnung, die sind für mich einfach keine Filme im eigentlichen Sinn. Da gäbe es ja noch weitaus extremere Beispiele wie „Traces of Death“ oder am allerschlimmsten "Executions", In diesem Film werden reelle Hinrichtungen mit Death Metal Sound unterlegt, was wohl den größtmöglichen Beweis liefert, dass es sich einfach nur um übelste Gewalt Pornographie handelt. Sowas hat bei mir keinen Platz.


Prinzipiell soll jeder gucken was er mag, aber über derartige Shockumentarys muss man wohl auch keine Worte verlieren und wer sich so etwas längerfristig zu Unterhaltungszwecken oder sonstigen Gründen antut und im fortgeschrittenen Alter vielleicht auch noch Spass daran findet (pubertäre Kommentare diesbezüglich liest man ja immer wieder mal) hat wohl auch nicht mehr viel im Leben zu verlieren... so etwas ist nicht verstörend, sondern schlichtweg entbehrlich!
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon karlAbundzu » 24. Mär 2014, 14:23

I SAW THE DEVIL kann man durchaus mitaufzählen, ich vermute da mal ein ganz tief sitzendes verstörendes Menschenbild. Bei den alten Filmen geh ich mit euch meist zusammen.
Für mich sind mehr als explizite Sachen genau auch immer Zusammenhänge wie der Doc² es auch erwähnte am Vergewaltigungsbeispiel verstörend im SInne von äußerst unangenehm. Das geht aufs GEmüt.
Da ist so etwas wie Eraserhead natürlich ganz anders verstörend. Das geht aufs Hirn.
Und bei Act of Killing erstaunlich verstörend und beeindruckend, aber da ist Verstörung im Bereich der Moral (nicht der Filmemacher, sondern der dargestellten echten Personen).
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon jogiwan » 24. Mär 2014, 14:26

"Leben und Tod einer Pornobande" ist auch heavy und ein ziemlicher Frontalangriff - aber defintiv sehenswert! Verstört, aber auch ratlos zurückgelassen hat mich auch Bigas Lunas "Lulu - Die Geschichte einer Frau".
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon Adalmar » 24. Mär 2014, 15:35

supervillain hat geschrieben:Als sozialkritisches Statement kann ich verstehen, oder sagen wir akzeptieren, wenn du „The Day after Tomorrow“ mit rein nimmst. Doch als Film, ich weiß nicht?! Da könnte man auch viele Öko-Tierhorrorfilme oder Katastrophenfilme der 70er mit diesem Titel versehen (die waren damals auch kein Trash).


Es geht mir da eigentlich generell um alle halbwegs überzeugend gemachten Filme, in denen die ganze Welt untergeht, oder sagen wir zumindest ganze Länder oder Kontinente. Diese Vorstellung einer vernichtenden Katastrophe, der man auch auf längere Distanz nicht entkommen kann, finde ich schon beunruhigend. Das kommt dann auch gar nicht mehr so auf den konkreten Film an, sondern die Vorstellung macht sich recht schnell in meinem Kopf selbständig.
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon Arkadin » 24. Mär 2014, 16:07

jogiwan hat geschrieben:Positiv verstört hoffentlich - positiv! Der ist doch super und John Waters so ein grundsympathischer Mensch... :nick:


Nein, leider nicht. John Waters finde ich ja auch super und seine Filme ab "Polyester" mag ich auch sehr, sehr gerne. Aber "Pink Flamingos" ist mir doch etwas zu ekelig. Das Geländer ablecken, das singende Arschloch, die Hundekacke-Szene... das war mir alles etwas zuviel. Da wurde mir auch echt ein wenig schlecht. "Female Trouble" und "Desperate Living" gehen da bei mir schon mehr, sind mir aber auch noch etwas zu "wild". Aber das ist meine private Empfindung und das heißt nicht, dass ich die Filme schlecht wären. Sind halt nur nicht mein Ding. Dann für mich doch lieber "Cry Baby" ;)
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon Reinifilm » 24. Mär 2014, 16:09

supervillain hat geschrieben:
Reinifilm hat geschrieben:Ansonsten gibt es so einige Filme, die mich echt runterziehen... "Graveyard of Honour" beispielsweise oder ein weiterer japanischer Titel (Name entfallen), bei dem Einige versuchen den Coup ihres Lebens zu landen und wirklich ALLES schief geht.


Aus welcher Zeit? Meinst du vielleicht "Unlucky Monkey" von Sabu?

Graveyard of Honour ist intensiv, lasse ich aber ebenfalls aus dem Spiel, da gibts gerade aus Japen sehr viele ähnlich gelagerte Filme.


Mir ist es wieder eingefallen - das war nicht "Unlucky Monkey" (den kenne ich nicht), sondern "Gonin".
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon Theoretiker » 24. Mär 2014, 18:13

Interessante Filme werden hier genannt, einige hatte ich gar nicht mehr auf dem Radar, wie zB "Leben und Tod einer Pornobande" oder "Requiem for a Dream".

Filme die mich auch noch nachdenklich gemacht haben, sind die Werke von Alejandro González Iñárritu. "Babel", "Amores Perros" und zuletzt "Biutiful" haben mich auf der emotionalen und intellektuellen Ebene angesprochen bzw. sehr berührt. Nach "Biutiful" habe ich mich ehrlich gesagt erst einmal nur geschämt, welche eigentlich lächerlichen Problemchen einen so beschäftigen.

Überrascht bin ich davon, dass nicht mehr "Irreversibel" nennen. Selten wurde die Vergänglichkeit von Glück so extrem desillusionierend auf Celluloid gebannt.

Schrott, der nur die sadistischen Triebe befriedigen will (HC2, MbtS, Shockumentarys, etc.) ist genau das Gegenteil von verstörend.
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon jogiwan » 24. Mär 2014, 18:30

Theoretiker hat geschrieben:Überrascht bin ich davon, dass nicht mehr "Irreversibel" nennen. Selten wurde die Vergänglichkeit von Glück so extrem desillusionierend auf Celluloid gebannt.


"Irreversible" ist sicher ein interessant gemachter und technisch brillanter Film, aber irgendwie war mir da alles zu viel des Guten bzw. Schlechten. Die manipulative Rückwärts-Erzählweise, die gar so ausufernde Brutalität bei der Feuerlöscher-Szene und dann noch den Falschen erwischen. Die unerträgliche Vergewaltigungsszene mit den psychischen und physischen Zerstörung der Frau, die noch dazu... ja eh schon wissen - ich mein, dass ist alles so extrem auf negativ und nihilistisch gebürstet und dann mit Wackelkamera und Strobo-Gewitter auch noch so anstrengend präsentiert - nö, mir war das dann nach erfolgter Zweitsichtung und zeitlichen Abstand alles einfach etwas "too much", dass mich das Geschehen noch nachhaltig hätte berühren können.
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Re: Die verstörendsten Werke der Filmgeschichte

Beitragvon Adalmar » 24. Mär 2014, 18:31

Theoretiker hat geschrieben:Schrott, der nur die sadistischen Triebe befriedigen will (HC2, MbtS


"Men behind the Sun" dient wohl eher der hier besonders drastisch verbildlichten Anklage gegen die Japaner bezüglich deren Vorgehen im Zweiten Weltkrieg. Gut finde ich den Film aber auch nicht.
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