Die Dead-Reihe von Romero

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Die Dead-Reihe von Romero

Beitragvon horror1966 » 4. Jun 2014, 18:33

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Horror - Mehrteiler gibt es zur Genüge und oft genug enthalten diese Reihen auch zumindest einen Teil, der nahezu prägend für das gesamte Genre war. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich dabei um "The Texas Chainsaw Massacre", "Halloween" oder auch "Nightmare on Elm Street" handelt, denn alle diese Mehrteiler bringen auch gleichzeitig eine Horror - Ikone mit sich, die tief in den Herzen der Fans verwurzelt ist. Etwas anders verhält es sich mit der "Dead - Reihe" von George A. Romero, denn hier steht kein einzelner Serienkiller im Vordergrund, es ist die Figur des Zombies allgemein, die gerade in den ersten beiden Filmen das Fundament für ein eigenes Sub-Genre legte, das mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. Natürlich gab es auch schon in früheren Zeiten Filme mit Untoten, doch war deren Darstellung doch vollkommen anders geraten. Vor allem in den frühen Jahren des Horrorfilmes präsentierten sich diese noch nicht einmal als wieder auferstandene Tote, zumeist handelte es sich nämlich vielmehr um normale Menschen, die durch irgendwelche Pülverchen zu einer Art seelenloser Kreaturen mutierte. Erst 1968 wendete sich das Blatt vollends, denn mit seinem unumstrittenen Meisterwerk "Night of the Living Dead" erschuf Romero den bösartigen Wiedergänger der nichts anderes zu tun hatte, als sich vom Fleisch und Blut der Lebenden zu ernähren. Mit dieser Entwicklung war der Regisseur eine Art Visionär und revolutionierte das Genre regelrecht, um gleichzeitig auch den Zuschauer mit der neuen Art eines Monster richtiggehend zu ängstigen-und zu bedrohen.

Auch wenn sich im ersten Teil der Reihe der visuelle Härtegrad noch nicht unbedingt zu erkennen gab, so präsentierte sich doch diese bisher eher verniedlichende Art des Horrorfilmes auf einmal mit eine Vehemenz, die man aus anderen Genre-Vertretern bisher nicht kannte. Zudem kam nun eine regelrechte Lawine in Gang, denn immer mehr Filmemacher folgten Romeros Beispiel und sprangen auf den Erfolgszug der Zombie-Welle auf. Dabei hielt sich das Ganze in den 70 er Jahren noch in einem durchaus überschaubaren Rahmen, bis 1978 ein Film Namens "Zombie - Dawn of the Dead" mit ungeheurer Wucht auf sich aufmerksam machte. Es handelte sich hier um den zweiten Film in einer eigentlich geplanten Trilogie und hier sollte nun auch die gefährliche Bedrohung durch die Untoten durch einen vor allem für die damalige Zeit extremen Härtegrad untermalt werden. Schon der europäische Klassiker "Invasion der Zombies von Jorge Grau aus dem Jahr 1974 wartete mit etlichen blutigen Effekten auf, aber "Zombie verschärfte die Brutalität noch einmal zusehends und trieb so manchen Kino - Besucher zwischendurch auf die Toilette, um mal kurz nebenbei den Magen zu entleeren. In der heutigen Zeit mag man sich das nicht mehr so recht vorstellen wollen, doch damals waren die gezeigten Passagen eine brutale Neuerung, die man bis dahin eher selten zu Gesicht bekommen hatte. Wie schon im Vorgänger war einmal mehr auffällig, das der Film sich keinesfalls nur durch die visuelle Härte definiert, sondern durch eine starke Portion Gesellschaftskritik angereichert wurde, was in der Folge ein absolutes Markenzeichen der Zombiefilme von Romero werden sollte. Ein weiterer Aspekt erschien dann 1985 im dritten Film "Day of the Dead", der lange Jahre als Abschluss einer Trilogie galt. War doch das erste Mal eine Art Evolution bei den Untoten zu erkennen, wurden hier doch erstmalig Tests durchgeführt, um ureigenste Instinkte des Menschen wieder wach zu rufen, was phasenweise im ersten Moment ein wenig skurril anmutet.

Gleichzeitig war die Entwicklung jedoch auch im Bezug auf die generelle Situation in der Welt zu erkennen, denn spielten die beiden ersten Filme noch in Gegenden die ziemlich belebt waren, so wurde das Geschehen hier in eine unterirdische Militärbasis verlegt, die an der Oberfläche von unzähligen Zombies umstellt war. So vermittelte man dem Zuschauer eine wunderbar beklemmende Endzeit - Atmosphäre, die sich dann auch 2005 in "Land of the Dead" einmal mehr breit machen sollte. Dieser Teil war eine echte Überraschung, denn eigentlich hatte niemand mit einer Fortsetzung der Reihe gerechnet. So ist es dann auch sicherlich am besten zu erklären, das sämtliche Teile nach "Day of the Dead" bei vielen Fans einen eher schwierigen Stand haben und meiner Meinung nach oft zu Unrecht äußerst schlecht bewertet werden. Dabei bekommt man gerade in diesem Teil eine wunderbar trostlose-und düstere Grundstimmung geboten, zudem gibt es auch die logische Weiterentwicklung der Untoten zu sehen, die im dritten Teil schon angedeutet wurde. Auch im Bezug auf die visuelle Härte gibt es wieder eine Menge zu bestaunen, war man doch mittlerweile in einer Zeit angelangt, wo diese Dinge längst der Normalität angehörten, was man auch in unzähligen weiteren Genre-Vertretern sehen kann. Nur 2 Jahre später erfolgte dann der nächste Streich und "Diary of the Dead" sollte nun die Meinungen der Fan-Gemeinde erst richtig in verschiedene Lager teilen. Der dokumentarische Anstrich des Szenarios gefiel längst nicht jedem, doch nun war Romero auf den Erfolgszug anderer aufgesprungen, indem er seine Geschichte in einem Stil drehte, bei dem größtenteils die berüchtigte Wackelkamera zum Einsatz kam. Filme wie der spanische Beitrag "[REC]" hatten bewiesen, das dieses Konzept durchaus die Massen begeistert und so ist es eigentlich nicht wirklich verwunderlich, das diese zu der Zeit noch recht neue Art auch hier eingesetzt wurde.

Der bisherige und höchstwahrscheinlich auch letzte Teil der Dead - Reihe hebt sich dann wirklich in Sachen Qualität von seinen Vorgängern ab, wobei dies allerdings leider in leicht negativer Form der Fall ist. Beim 2009 erschienenen "Survival of the Dead" handelt es sich nämlich um eine fast waschechte Horror-Komödie, was ja eigentlich generell nichts Negatives ist. Doch stellt sich einem hier die Frage, ob man eine solche von George A. Romero unbedingt sehen möchte, oder ob der bis dahin eher äußerst ernste Anstrich der gesamten Reihe nicht unnötig etwas ins Lächerliche gezogen wird. Nun verhält es sich ja so, das der Regisseur auch in allen anderen Filmen der Reihe durchaus witzige Momente eingebaut hat und auch phasenweise skurril anmutende Situationskomik in den Fokus gerückt wird, doch hielt sich das immer in Maßen und schadete dem Gesamteindruck des jeweiligen Filmes in keinster Weise. Hier jedoch wird kein Zweifel daran gelassen, das man diesen Film nicht so ernst nehmen sollte und das ist genau der Aspekt, der meiner Meinung nach ganz einfach nicht in ein Zombie-Werk von Romero hineinpasst. Dennoch kann man abschließend definitiv sagen, das wohl kaum eine andere Horror-Reihe dem Genre so viele revolutionäre Momente verliehen hat, zudem beinhaltet sie mit "Night of the Living Dead" und "Zombie - Dawn of the Dead" mindestens zwei absolute Meisterwerke, die auch von sonst dem Genre kritisch gegenüber stehenden Experten anerkannt werden.


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