Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

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Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon DrDjangoMD » 13. Mai 2015, 07:45

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Spontane Romreise gefällig? Nach der Erfolgskonferenz zu "Hexen bis aufs Blut gequält" läuft in einem knappen Monat das nächste Projekt von Andreas Ehrenreich an und - kaum zu glauben - es ist noch mundwässrig machender! Eine Konferenz, die ganz in Gelb erstrahlt, mit zahllosen extrem interessant klingenden wissenschaftlichen Beiträgen zum Giallo im allgemeinen, Sergio Martino im Speziellen und "Der Killer von Wien" im noch Spezielleren.
Unter den Vortragenden sind altbekannte Tamswegianer (ist das ein Wort? Es sollte ein Wort sein!) wie Ivo Ritzer, Marcus Stiglegger oder Xavier Mendik sowie absolute Giallo-Koryphäen wie Mikel J. Koven (Autor von "La Dolce Morte") oder Peter Scheinpflug. Und wenn ihr bei diesen Namen noch nicht sofort ins nächste Reisebüro gelaufen sein, es wird noch besser: Tamsweg stand noch im Zeichen der absolut bezaubernden Erika Blanc und des einmaligen Michael Holm, doch in einem Anflug größenwahnsinniger Philanthropie, gelang es, die Gaststars diesmal noch zu toppen! Nach Screenings von "Suspected Death of a Minor", "Your Vice is a Locked Room and only I have a Way to Long Title" und "Der Killer von Wien" sind Podiumsdiskussionen vermerkt mit (Trommelwirbel bitte): Ernesto Gastaldi, George Hilton, Sergio Martino, Nora Orlandi, Stelvio Cipriani, Luigi Cozzi, Romolo Guerrieri und Dagmar Lassander!!!
Das bedeutet, man kann all seine Zeit und sein Geld für eine Reise ausgeben um sich Autogramme von seinen Lieblingen zu beschaffen und muss nicht mal ein schlechtes Gewissen haben, weil das alles im hochwissenschaftlichen Rahmen stattfinden... Super!
:popcorn: :thup:

Hier das volle Programm und weitere Infos: https://www.jiscmail.ac.uk/cgi-bin/webadmin?A2=MECCSA;5ea9e49f.1505
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon DrDjangoMD » 4. Jun 2015, 17:04

Nur noch einmal übernachten, dann geht das Flugzeug! :popcorn: :popcorn: :popcorn:

Hoffentlich kann ich mich bis dahin entscheiden, welche Filme der anwesenden Künstler ich für Autogramme mitnehme...
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...ich brauche dringend einen größeren Koffer :(
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon jogiwan » 4. Jun 2015, 17:52

Ganz viel Spaß und Infos und ich hoffe, du berichtest hinterher ausführlich! :prost:
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon Ringo aka Angelface » 4. Jun 2015, 18:10

Verdammterst jetzt gelesen. Rom möchte ich schon seit 10 Jahren wieder besuchen und das wäre eine tolle Veranstaltung als bonus gewesen :( Schade Schade.......
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon buxtebrawler » 5. Jun 2015, 08:28

Viel Spaß, Doc2, ich freu mich schon auf deinen Bericht :popcorn:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon Nello Pazzafini » 5. Jun 2015, 11:50

hätte ja zuerst sogar in wien stattfinden sollen aber in rom ist das viel besser aufgehoben. du wirst das kino lieben djangschi vorausgesetzt du findest es ;) liegt nämlich extrem versteckt. gäste und programm liest sich top, leider geht sich mir das nicht aus, viel spass dir!
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon DrDjangoMD » 11. Jun 2015, 15:41

Bin zurück!
Es war unbeschreiblich (was mich natürlich nicht dran hindern wird, es zu beschreiben): Ich habe so viele interessante Leute getroffen, so viele faszinierende Orte besichtigt und so viele beeindruckende Vorträge gehört, dass ich jetzt noch Schwierigkeiten dabei habe, die geballte Großartigkeit dieser fünf Tage Rom zu kompensieren. Jetzt muss ich mich dransetzen, dass ich erst die aufgeschobenen Uni-Arbeiten angehe und dann die Eindrücke der Giallo-Konferenz in einem mehrbändigem Buch kurzem Bericht zusammenfassen. Bis ich das geschafft habe, hier einmal ein paar wenige Teaser-Bildchen:

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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon DrDjangoMD » 25. Jun 2015, 10:09

MEINE KRIMIGELBE ROMREISE

1. FÜNF GRÜNDE, ROM ZU LIEBEN (5.6. – 6.6.)

Ich war mir lange unsicher, ob ich Zeit und Geld für die Reise zum Giallo-Symposium nach Rom würde aufbringen können, durch eine Reihe günstiger Schicksalsfügungen kam sie dann aber doch zustande: Seit ich meiner Mutter nämlich nach meiner ersten und zweiten Romreise (zuerst mit der Schule, dann mit Freunden) vorgeschwärmt habe, wollte sie unbedingt mal mit mir dort Urlaub machen. Ein guter Vorsatz, zu dem uns de facto dann jahrelang die Muße fehlte. Als es Zeit wurde, Vorbereitungen für eine potentielle Teilnahme am Symposium zu treffen, erinnerte ich mich an diesen Plan unsererseits. Zudem fiel mein Geburtstag kalendermäßig in die Nähe und da ich sowieso nie weiß, was ich mir wünschen soll, schlug ich meiner Mutter vor, dass wir endlich die geplante Romreise unternehmen und ich halt zweieinhalb der fünf Tage bei der Giallo-Konferenz verbringe. Glücklicherweise fanden wir trotz spontanem Entschluss noch ein günstiges Hotel und einen akzeptablen Flug und die Reise konnte losgehen.
Da ich euch natürlich nicht so lange auf den Konferenzbericht warten lassen will, wollte ich unser Sightseeing die ersten beiden Tage nicht wirklich ausführlich schildern. Die Stadt ist allerdings zu umwerfend, als dass ich nicht über sie schwärmen könnte, weswegen ich in aller Kürze über meine fünf größten Gründe, warum Rom die großartigste Stadt aller Zeiten ist, berichten will:
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5. Antike Sehenswürdigkeiten
Damit meine Top-5-Liste nicht ganz ohne Reiseführermaterial auskommen muss, sei darauf hingewiesen, dass Rom für Fans Antiker Geschichte natürlich etwas absolut Traumhaftes ist. Spuren des einstigen Großreiches haben sich in der ganzen Innenstadt erhalten und stehen nun nach Ausgrabungsbemühungen emsiger Archäologen einfach überall in der Gegend herum. Als so ein Geschichtsnarr habe ich mich natürlich an all die Paläste und Tempel aus meinen beiden vergangenen Romreisen erinnert und hatte einige Hintergrundinformationen zu ihnen. Dem war es zu verdanken, dass ich stets mit einem wissenden Lächeln vor vereinzelten Säulen oder Mauerresten stand und Gedanklich abrufen konnte, was das mal war, wozu es diente und – besonders wichtig – mit welcher Szene aus „Caligula“ es in Verbindung steht. ;)
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4. Abendessen
Bei einem Romurlaub ist es ratsam auf das Mittagessen zu verzichten, da die Abendmahlzeiten einfach phänomenal sind und mit einem hungrigen Magen genossen werden sollten. An meinem ersten Abend verschlang ich schon mit Begeisterung ein Zwei-Gänge-Menü, etwas, das ich mir in meiner Heimat nur sehr selten gönne. Das letzte Mal, dass ich mit meiner Mutter essen war, feierten wir in einem Fischrestaurant, wo sie (verhältnismäßig!) günstige zusammengestellte Menüs anboten und zwar aus sage und schreibe vier Gängen. Nach diesem Erlebnis dachte ich, es könne nicht noch großartiger werden, doch ich dachte falsch: Den Abschluss des Giallo-Symposiums – von dem an späterer Stelle noch die Rede sein wird – bot ein Besuch bei einem charmanten Restaurant, bei dem man sich zwar nur zwischen Fisch oder Fleisch entscheiden konnte, nach dieser Entscheidung allerdings im Laufe des Abends sechs ganze Gänge (plus Unmengen an köstlichem Brot) vorgesetzt bekam.
Apropos Brot: Das wird in Italien immer dazu gereicht und ist auch nötig, um die köstlichen Saucen aufzusaugen. Pastas sind stets so al dente, dass sie beinahe noch knusprig sind und von der Köstlichkeit der italienischen Meeresfrüchte, schreib ich jetzt gar nicht mal, da sowieso schon der Sabber auf meine Tastatur tropft.
Einen Abend habe ich mir ein Eis gegönnt, das nicht nur köstlich und günstig war, sondern zu meiner Verwunderung auch Schlagobers mit auf die Tüte gepackt hat. Gebraucht hätte ich das zwar nicht, aber ich schätze diese zusätzliche Mühe. Eine weitere kulinarische Entdeckung bot sich am Tag der Abreise, wo wir nicht für ein kommendes Abendessen hungern mussten und uns daher bei einem Fleischhauer Paninis mit Schweinefüllung kauften, die erstens überall angeboten werden und zweitens absolut großartig schmecken. Wenn ich mir in Wien einen Imbiss kaufen muss, hungere ich meistens, da mir immer, wenn ich mich einer Pizza- oder Döner-Bude nähere, bei dem Anblick der fettigen Dinger sofort sämtlicher Appetit vergeht, aber diese Schweinefleisch-Paninis sind einfach nur lecker. Außerdem spart man sich tausende von Euros für essensbegleitende Getränke, da es in Rom nahezu überall Brunnen mit fließendem Trinkwasser gibt!
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3. Filmdrehorte
Da die meisten berühmten Werke der Filmgeschichte in Rom gedreht wurden – „Verdammte, heilige Stadt“, „Das Syndikat“, „Racket“ oder „Das zehnte Opfer“, um nur einige Beispiele zu nennen – stößt man bei Stadtspaziergängen unweigerlich auf Drehorte. Neben den populären Gebäuden, die gerngesehene Kulissen abgeben, wie das Kolosseum, erkennt man auch die ein oder andere unbekanntere Örtlichkeit wieder.
Bei einem Spaziergang die Tieberpromenade entlang, blickte ich beispielsweise eine Stufe hinunter und entdeckte zufällig einen Haken, der mir bekannt vorkam. Ich lief natürlich sofort hinunter, sah mir die Gegend an und stellte fest: Es war tatsächlich die Stelle am Tieberufer, an der in „Das Syndikat“ der eine Verbrecher an den Haken gebunden wird, bevor ihn die Mitglieder des Syndikats erschießen, woraufhin sowohl Enrico Maria Salerno als auch Mario Adorf am Tatort Ermittlungen anstellen! :geek:
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2. Chino
Italien ist die Heimat meines liebsten Getränks auf der Welt, nämlich dem unvergleichlichem Chino. „Unvergleichlich“ trifft es auch ziemlich gut, denn der Softdrink in der markanten schwarzen Dose mit dem roten Stern bietet ein einmaliges Geschmackserlebnis. Aufgrund der äußeren Form des Behälters und der bräunlichen Färbung der Flüssigkeit, wird gerne die Frage gestellt, ob es wie Cola schmeckt. Tatsächlich ist Chino (das seinen Geschmack der Frucht des Chinotto-Baums verdankt) allerdings wesentlich bitterer. Daher kann es leicht passieren, dass der erste Schluck etwas befremdlich wirkt, sobald man sich aber eingetrunken hat, wird man Chino mehr als alle anderen Getränke lieben.
Das einzige Problem an der Chino-Sucht ist: Es ist in Österreich praktisch nicht aufzutreiben. Daher decke ich mich bei jedem Italien-Aufenthalt immer mit Chino ein, das in dem Land erstaunlich billig ist (55 Cent die Dose – viele Wassermarken sind teurer), trinke es täglich und fülle potentielle Leerstellen in meinem Koffer mit Dosen und Flaschen für den Heimgebrauch aus. Bei meiner diesjährigen Romreise, konnte ich auch „Chino Neri“ kosten, das etwas zitroniger schmeckt. Nicht schlecht, aber ich bleibe doch bei meinem klassischen Chino.
Wie sagte ich nicht schon, als ich diesen belebenden Nektar zum ersten Mal kosten durfte: „Der einzige Durst, den Chino nicht stillen kann… ist der Durst nach Chino!“

1. Wasserpedale
Die Art und Weise, wie die Wasserhähne in Österreich bedient werden, ist mit einigen Makeln verbunden: Zuhause hat man meistens Waschtische mit Rädchen oder Hebeln. Diese sind ja gut und schön, können verhältnismäßig einfach Wasserwärme und –menge regeln, das einzige Problem: Wenn ich zu einem Waschtisch gehe, tue ich das, weil meine Hände schmutzig sind und bevor ich sie Waschen kann, muss ich mit eben diesen Händen die Rädchen drehen, was diese schmutzig macht – ein Teufelskreis!
In öffentlichen Gebäuden hat man dieses System durch Laserschranken ersetzt. Wenn man die Hände darunter hält, fließt automatisch Wasser heraus. Klingt anfangs wie die Lösung sämtlicher Probleme, doch bei genauerer Betrachtung stellt sich dieses System als wesentlich fataler heraus: Wassermenge und –wärme sind erstens nicht mehr zu regulieren und zweitens funktioniert das dumme Ding sowieso meistens nicht und man gerät in Panik, weil man nicht weiß, wie man die Seife wieder von den Händen bekommt.
Da hätten die Österreicher viel von den Römern lernen können. Dort gibt es nämlich unter den meisten öffentlichen Waschtischen Fußpedale. Umso mehr man das Pedal herunterdrückt, umso stärker fließt das Wasser. Manche Einrichtungen haben sogar zwei Pedale, eines für Kalt- und eines für Warmwasser. Ein absolut lückenloses System. Viva Italia!
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2. VON DER KINOSTADT INS STADTKINO (6.6. – 7.6.)

Am Ende der beiden ersten – sonst den Touristenhochburgen gewidmeten – Tage stand ein Besuch im Profondo Rosso Shop. Cozzi war leider nicht da, aber erstens sollte er ja am 9.6. bei der Konferenz dabei sein und zweitens war es trotzdem faszinierend, diese Institution auch mal live erleben zu können. Sicher, das Argento-Museum ist klein und die Verkaufsartikel überteuert, aber allein die Tatsachen, dass dieses Geschäft existiert und was es dort gibt, sind mundwässrig machende Wunder: Trotz dem kleinen Raum des Museums ist es wirklich vollgestopft mit in allen Ecken und Enden stehenden Artefakten und im Shop bekommt man so ausgefallene Großartigkeiten wie eine Kaffeetasse mit Motiven aus Cozzi-Filmen. Wie geil ist das denn!?
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Nach (sehr) langer Überlegung, welche Kapitalanlage ich mir in dem Geschäft besorgen könnte, entschied ich mich für ein Shirt mit Motiven aus „Die Neunschwänzige Katze“ – die Entscheidung viel etwas leichter, als ich feststellte, dass dies eines der wenigen Produkte ist, auf denen keine halbnackten und/oder toten Frauen abgebildet sind. Mit anderen Worten: Die Tatsache, dass Cristina Galbó in „The Dark is Death’s Friend“ ihren Peiniger letzten Endes besiegt, macht den Film zwar ziemlich cool, aber trotzdem will ich nicht täglich ihren geknebelten Körper vor Augen haben, wenn ich meinen morgendlichen Kaffee trinke. :|
Während des Tages bekam ich übrigens eine SMS von Andreas Ehrenreich, dass er und einige andere ebenso frühzeitig angekommen sind und sich schon am 6.6. zu einem gemeinsamen Abendessen treffen. In sehr kleiner Runde konnte ich daher schon die ersten Symposiumsteilnehmer kennen lernen, unter anderem den hochgeschätzten Peter Scheinpflug, der mit seinem „Formelkino. Medienwissenschaftliche Perspektiven auf die Genre-Theorie und den Giallo“, einen tollen Beitrag zur Giallo-Forschung geleistet hat.
Das offizielle Symposiums-Programm sollte am 7.6. erst spät mit – wie sollte es anders sein – einem Abendessen beginnen. Den vorangehenden Tag wollte ich nutzen, um mir endlich mal die Cinecittà-Studios anzusehen. Davor ging es aber erst einmal darum, Uwe Huber vom Bahnhof abzuholen, der für Interviews nach Rom gereist ist, und mich am Tag meiner Abreise von Wien spontan kontaktierte, ob wir an seinem Ankunftstag nicht schon irgendwas touristisches unternehmen könnten (quasi als Gegenleistung hat er mich herzlichst eingeladen, bei den geplanten Interviews mit Dagmar Lassander und Paul Muller am 8.6. dabei zu sein).
Cinecittà war ganz nett, leider stehen alle Filmmuseen, die ich seit meinem Turin-Urlaub vor ein paar Jahren besichtige, eindeutig im Schatten der dortigen Ausstellungen. Es gibt auf dem Studio-Areal einen Touristen-Bereich mit malerischen Grünflächen und ein paar Pavillons mit kleineren Ausstellungen. Zu sehen waren einige Fellini-Kostüme, Zeitungsartikel über die Entstehung des Studios, ein paar Räume, die das Making-Off eines Cinecittà-Filmes dokumentierten, einige Infos zum Sandalenfilm, eine U-Boot-Attrappe und ein Western-Raum, der zwar nicht viel mehr war, als eine Leinwand mit Clips, aber mich trotzdem erfreut hat, da mich Italowesternclips immer erfreuen. Als wir das Areal, in dem das Betreten nicht verboten war, durch hatten, fanden ich und Uwe noch einen prinzipiell gesperrten Bereich, den wir dank der offenen Tür aber trotzdem klamm und heimlich betreten konnten. So kamen wir zu einer ziemlich coolen Kulissenstadt, für die man die Fronten von zwei Häuserreihen nachgebaut hatte. Die Nachbauten von antik-römischen Gebäuden, die man glaube ich im Zuge von bezahlten Touren zu sehen bekommt, ließen sich im Hintergrund erkennen.
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Nach Cinecittà und einer kurzen Mittagsruhe machte ich mich auf den Weg zu dem Restaurant, wo die allgemeine Begrüßung stattfinden sollte. Nach Peter Scheinpflug und Ivo Ritzer war ich der dritte und so erlebte ich mit, wie all die hochgeschätzten Akademiker tröpfchenweise eintrafen. Unter ihnen befanden sich auch solche bewunderten Koryphäen wie Mikel J. Koven, der uns allen als Autor von „La Dolce Morte. Vernacular Cinema and the Italian Giallo“ ein Begriff sein sollte. Doch die Aufmerksamkeit glitt schlagartig von den hochintelektuellen Gesprächen ab, sobald George Hilton eintraf, der uns beim ersten offiziellen Abendessen Gesellschaft leistete. Seine 80 Jahre merkt man dem guten George in keinster Weise an. Er ist ein richtiger Filmstar geblieben, der eine absolut einnehmende Erscheinung bietet.
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Das Essen mussten wir de facto dann aber ziemlich rasch in Angriff nehmen, da nicht mehr viel Zeit blieb, um ins Cinema Trevi zu gehen, wo nach einem Interview mit Hilton, Sergio Martino und Ernesto Gastaldi (Nora Orlandi wäre angekündigt gewesen, würde aber erst zwei Tage später in Erscheinung treten), ein Screening von „Der Killer von Wien“ stattfand. Durch allerlei versteckte Seitengassen kamen wir zum Kino, bei dem es sich um ein extrem nettes, kleines Lichtspielhaus handelt. Die Wände schmücken Bilder von Weltklasse-Megastars wie Barbara Bouchet oder Stefania Sandrelli und diesen Monat haben sie dort eine Horror-Retrospektive, zu der u. A. Barbara Steele als Gaststar geladen ist.
Die Podiumsdiskussion war sehr interessant, es war großartig diese drei Großmeister des italienischen Genrekinos, deren Kollaboration uns „Der Killer von Wien" bescherte, live zu erleben und sie schienen auch Spaß an ihrem Erinnerungs-Schwelgen zu haben. Als der Film danach anlief, beschlossen ich und Uwe Huber uns doch lieber ins Foyer zurückzuziehen, um die Stars, die unter Umständen früher gehen würden, mit unseren Autogrammwünschen zu belästigen (wobei ich mich im Verhältnis zu Uwe mit seinen hunderten von Plakaten und obskuren Filmartefakten mit meinem max. zwei Lieblingsfilm-DVDs pro Person wahrscheinlich noch mit Bescheidenheit rühmen darf).
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Sehr unterhaltsam gestaltete sich die Wartezeit: Uwe führte mir seine Mitbringsel vor und das sind sehr beeindruckende Gegenstände: Seltene Plakate, Fotoromane und anderes aus aller Welt, die schon über und über mit Namen der Leute, die er persönlich getroffen und/oder interviewt hat, sind. Bis zu diesen Abend war ich mir auch nicht bewusst, dass ausgerechnet Uwe der Interviewer ist, über den Udo Kier in seinem legendären Interview für die „Hexen bis aufs Blut gequält“-DVD von XT-Video (meine ziert mittlerweile der Namenszug Michael Holms) so herzieht.
Um den Film tut es mir nicht leid. Den „Killer von Wien“ auf großer Leinwand zu sehen ist ein Vergnügen, das ich schon hatte und dank der wundervollen Filmauswahl beim diesjährigen Forentreffen auch bald wieder haben werde. :thup: Wie ich ihn allerdings noch nie gesehen habe, war über einen kleinen Schwarzweißbildschirm in einem Kino-Foyer auf dem man den Saal und die Leinwand erkennen kann. Den Film kenn ich sowieso in- und auswendig und es hat Spaß gemacht, ihn mal auf diese Weise zu erleben.
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Tatsächlich kamen die Gaststars nacheinander aus der Vorführung. Sergio Martino gab mir ein Autogramm mit Widmung auf meine DVD von „Fireflash“, George Hilton signierte einen Einlegezettel von „Das Geheimnis der blutigen Lilie“ (meinen liebsten seiner Filme) und meine DVD von „Dinner with a Vampire“ (in dem er sichtlich Spaß in der Rolle des Vampirs hat) und Ernesto Gastaldi setzte seinen Namen auf meine DVDs von „Der Berserker“ und dem zu Unrecht unbekannten „Secrets of a Call Girl“ (ehrlich, ich muss mir dringend auch die anderen Zusammenarbeiten von Carnimeo und Fenech besorgen, die beiden, die ich kenne sind absolut Spitzenmäßig! :D ).
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Nach diesem geballten Adrenalinausstoß der Autogrammstunde ging’s zurück im die Hotels, um sich für das frühe Aufstehen am nächsten Tag auszuschlafen. Ich wollte ja rechtzeitig zu den Interviews mit Lassander und Muller kommen…


3. FÜNF STERNE FÜR LASSANDER UND MULLER (8.6.)

Auf die Empfehlung der Frau Lassander sollten wir sie im Restaurant eines Fünf-Sterne-Hotels treffen, einer Kategorie von Gaststätten, die ich bislang höchstens von außen gesehen hatte. Ich und Martin, der die Kamera führen sollte, trafen uns vor dem Hotel (allein hab ich mich nicht rein getraut) und im Zuge des langwierigen Nach-dem-Weg-Fragens änderte sich die Haltung der Angestellten uns gegenüber immer mehr von misstrauisch (meine ausgewaschenen Hemden und Second-Hand-Sakkos passen wirklich nicht in diese Gegend und der andere trug ein T-Shirt) zu – nachdem sie die Richtigkeit unserer Anwesenheit begriffen hatten – unterwürfigster Dienstbereitschaft.
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Nach einer Weile fand dann auch Uwe Huber zu uns. Dagmar Lassander sollte in zirka einer Stunde kommen und Paul Muller wiederum eine Stunde nach ihr. Dass mit letzterem alles glatt laufen würde, hofften wir alle. Uwe hatte lediglich mit ihm telefoniert und dass sich der über 90 jährige Muller so mir nichts dir nichts dazu bereit erklärt hatte, in sein Auto zu steigen und extra wegen uns nach Rom zu düsen, erschien uns zwar großartig, aber doch auch etwas zu schön um wahr zu sein.
Während wir warteten, bestellte sich Uwe einen Kaffee, der so teuer war, dass es die Croissants gratis dazu gab, während Martin sein Vorhaben, ein kleines (!) Bier zu bestellen verwarf, nachdem er gesehen hat, dass sich der Preis hierfür im zweistelligen Bereich befunden hätte. Dann tauchte Lassander mit ihrem Sekretär auf. Die alte Dame passte nicht nur besser in das Ambiente als wir verwahrloste Gesellen, sondern erwies sich zudem als ausgesprochen freundlich und gesprächig.
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Während des Interviews schwelgte sie in Erinnerungen, hatte für viele Regisseure (u.A. Mario Bava und Riccardo Freda) Lob und für uns eine Anekdote um eine tote Katze für einen Filmdreh, die sich einst ohne ihres Wissens in ihrem Fluggepäck befunden hatte, übrig. Dieses Interview mit anzusehen war auch insofern ein Glück, da Lassander ihre geplante Anwesenheit beim Symposium am Folgetag abgesagt hatte. Wie wir von ihr erfuhren, verbindet sie auch eine Freundschaft mit Muller, den ich kurz vor Ende des Interviews suchen ging.
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Ich kam mir etwas komisch dabei vor, tatenlos in der Eingangshalle unter all den Hoteliers in ihren Uniformen und den Gästen in ihren millionenteuren Designeranzügen zu stehen. Ich blickte eine Weile wartend auf die Eingangstüre, bis ich auf die Idee kam mich umzudrehen und so auf Anhieb Muller fand, der schon verfrüht gekommen war und es sich auf einem Sofa im Foyer gemütlich gemacht hatte. Sein Gehör ist leider nicht mehr das Beste und es war nicht einfach, ihn zu überreden mit mir in das Restaurant im sechsten Stock zu fahren, aber schließlich gelang es und es kam zum Wiedersehen zwischen Muller und der herzlichen Dagmar Lassander. Leider musste sie gleich danach schon wieder fort und Paul nahm derweil für das Interview Platz.
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Während Lassander ein Filmstar durch und durch geblieben ist, hat Muller eine etwas bodenständigere Sicht auf die Dinge: Er mag es gar nicht Fans oder Bewunderer zu haben, ist misstrauisch gegen Autogramme (man könnte ja Schuldscheine daraus machen) und erfuhr nachdem das halbe Interview schon um war, mit Entsetzen, dass die auf ihn gerichtete Kamera mit gefilmt hatte.
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Obwohl er augenscheinlich kein Lob mag, komme ich aber nicht umhin ihn eins auszusprechen: Der faszinierende und liebenswerte Mensch ist extra wegen uns nach Rom gefahren (er hätte auch angeboten direkt zu unseren Hotels zu kommen) und sprach über eine Stunde lang auf vertraute, plaudernde Weise über sein Leben, seine Philosophie und seine Erfahrungen in der Filmwelt. Obgleich er sich mit Kritik nicht zurückhielt (die Franco-Filme seien schlecht, weil sich Jess zu wenig Vorbereitungszeit nehme…) war er voller Respekt für seine Kollegen (…aber dies ausklammernd wäre Jess ein sehr fähiger Regisseur gewesen) und wenn er dann mal einen Film gelobt hat (u.A. Caianos „Nightmare Castle“) konnte man davon ausgehen, dass er ihn wirklich für gelungen hielt. Trotz seiner vertraulichen Redseligkeit, hatte er gleichsam so viel Zurückhaltung, dass er uns für eine etwas pikante Anekdote, Gustav Gründgens betreffend, die Kamera abdrehen ließ (weswegen ich sie hier auch nicht wiedergeben werde).
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Etwas vor Beendigung des Interviews, musste ich aufbrechen, da ich schon den ersten Block der Vorträge im gleichzeitig stattfindenden Symposium verpasst hatte, und noch rechtzeitig zum zweiten kommen wollte. Eine kurze Verzögerung ereignete sich an der Eingangstüre des Hotels: Ich steuerte diese gerade an, als auf der anderen Seite eine Frau am Handy (gefolgt von einem Dutzend Leibwächtern) im Begriff war, das Gebäude zu betreten. Ich dachte mir nichts dabei („Alle Menschen haben die gleichen Rechte. Nieder mit dem Klassensystem. Viva la Revolution!“ :| ) und wollte gleichzeitig mit ihr die riesenhafte Doppeltüre benutzen, als mich jedoch ein bulliger Leibwächter im Foyer packte und mit den Worten „You have to wait!“ zurückhielt. Erst als Mrs. Handytelefon durch die Türe gegangen war, hätte ich gehen dürfen. Kurz war ich mir noch unsicher, da fünf ihrer zurückgelassenen Bodyguards den Eingangsbereich versperrten, doch von einem freundlicheren „You can go now.“ des Typen, der mich zurückgehalten hatte, ermutigt, drückte ich mich durch die menschliche Mauer und war auf meinem Weg in das österreichische Institut von Rom, wo das Symposium stattfand.


4. COMICS, FEMINISMUS UND HYSTERISCHE GIALLI (8.6. – 9.6.)

Verschwitzt kam ich eine Dreiviertelstunde später im Instituto Storico Austriaco an, einem palastartigen Anwesen, das herrschaftlich erhoben auf einem Berg thront und über einen riesigen Prunkgarten verfügt (because that’s just how we rule 8-) ). In einem holzgetäfelten Saal voller alter Bücher wurden die Vorträge unter den wachsamen Augen eines Bundespräsidentenbildes gehalten. Zwei Tage lang wurde eine breite Palette von äußerst interessanten Themen abgedeckt.
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Es gab Untersuchungen zu möglichen Inspirationsquellen des Giallo (beispielsweise wurden wir über die fumetti neri, brutale und feministisch nicht sonderlich akzeptable Kriminal-Comics aus den 60ern informiert); Untergruppierungen wurden untersucht (Mikel J. Koven definierte den sogenannten „Hysterical Giallo“ als eine Reihe von Filmen, in denen eine Figur in den Wahnsinn getrieben wird); es gab Analysen von einzelnen Filmen (Peter Scheinpflug tat sein Bestes, um das Handlungschaos von „In the Folds of Flesh“ zu entwirren), diverse Theorien wurden auf den Giallo angesetzt (so nahm sie Stiglegger als Beispiele für das „Cinema of Seduction“); Distribution und Rezeption der Gialli wurden erforscht und einiges mehr.
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Durch dieses breit gefächerte Programm, bot sich eine unbeschreibliche Fülle an Informationen. Den erscheinenden Sammelband zu dem Symposium kann ich nur wärmstens empfehlen. Ich zumindest habe an den beiden Tagen so viele Hintergründe zu dem Genre, so viele historische Kontexte und so viele differenzierte Ansatzpunkte gehört, dass ich wahrscheinlich meinen künftigen Giallo-Konsum mit anderen Augen betreiben werde.
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Allfällige Unklarheiten der Vorträge wurden in folgenden Diskussionsrunden abgehandelt und diverse Streitpunkte boten auch in den Pausen noch Gesprächsstoff. Ein Ansatz, den ich besonders interessant fand, betrifft die feministische Problematik des Giallos und eine alternative Herangehensweise von Janet Robinson: Es wurde wieder mal behauptet, dass die Darstellung von verängstigten oder bedrohten Frauen im Giallo die sadistischen Tendenzen des männlichen Publikums anspricht. Mit dieser Meinung hatte ich immer meine Probleme, da ich zwar gerne Gialli ansehe, allerdings dazu tendiere Filme, die ich als sexistisch einstufe, aus diesem Grund nicht zu mögen („Oh Hallo, Andrea Bianchi, welch ein Zufall, wir reden gerade von dir.“), auch kam mir bei einigen chauvinistischen Sachen, die ich am selben Tag über die fumetti neri hörte, alles hoch. Mir aus der Seele sprechend meldete sich Janet Robinson da zu Wort und erklärte, dass Horrorfans nach ihrer Erfahrung meist sehr freundliche Menschen seien und sie daher vermute, dass solche Filme weniger sadistische Gemüter ansprechen und vielleicht eher so etwas wie einen Beschützerinstinkt stimulieren könnten. Ich will nicht behaupten, dass der Beschützerinstinkt aus einer Gender-Sicht absolut akzeptabel ist, allerdings bleibt er doch ein wesentlich charmanterer und ritterlicherer Trieb als, nun ja, Sadismus. In anderen Worten: Wenn ich mir „Das Geheimnis der blutigen Lilie“ ansehe, will ich kein doofer Mann in Schwarz sein, der die nette Edwige umbringen mag, ich will wie George Hilton in letzter Minute aus dem Aufzug stürmen und sie retten! Komischerweise fand Janets Ansatzpunkt dann doch weniger Zuspruch als erwartet, offenbar bieten sich „doofe Männer in Schwarz“ doch auch stark als Identifikationsfiguren an…
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Sicher ein Thema, über das man noch länger hätte diskutieren können, doch zum Diskutieren blieb keine Zeit mehr, denn es war soweit, dass die Gaststars eintreffen würden…


5. IL GRANDE FINALE (9.6.)

Der arme Andreas tat mir etwas leid: Durch unzählige Telefonate musste er sich quälen, um Romulo Guerrieri zu bekommen, der im Endeffekt nicht aufgetaucht ist; und Stelvio Cipriani, der im Endeffekt nicht aufgetaucht ist; und Enzo G. Castellari, der im Endeffekt nicht aufgetaucht ist; und Dagmar Lassander, die beim Symposium auch nicht dabei war; und Luigi Cozzi, den ich schon im Profondo Rosso Shop verpasst hatte und der auch nicht beim Symposium nicht aufgekreuzt ist. Vielleicht war dieses Ausbleiben aber ein Glück im Unglück, denn wer weiß ob mein Herz die geballte Großartigkeit der ausgebliebenen Gaststars zusammen mit denen, die letzten Endes erschienen sind, überhaupt verkraftet hätte:
Es kamen: Ruggero Deodato, Antonio Bido, Nora Orlandi und weil’s das letzte Mal so schön war auch gleich nochmal Sergio Martino und George Hilton. Wie zu erwarten hatten alle diese tollen Leute bei der Podiumsdiskussion so manche interessante Sachen zu berichten, sei es zu dem Phänomen des Giallo im Speziellen oder zur Produktionskultur des 70er Kinos Italiens im Allgemeinen.
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Vor und nach dem Interview standen sie im ausladenden Garten für ihre Bewunderer bereit. Da Ruggero sofort nach seinem Ankommen natürlich gleich von einer Traube von Menschen umringt war, näherte ich mich – schüchtern wie ich bin – erst vorsichtig dem geschätzten Antonio Bido. Da Antonio leider fast so schlecht Englisch spricht wie ich Italienisch und es offensichtlich nicht so häufig mit Fans und Autogrammjägern zu tun bekommt, schien er anfangs etwas verwirrt, warum ich nun seinen Namen auf der DVD von „Die Stimme des Todes“ haben wollte, aber nachdem diese Verständigungsschwierigkeiten überwunden waren, erwies sich der (im Verhältnis) junge Mann als extrem entgegenkommender und lieber Mensch.
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Ebenso lieb ist Ruggero Deodato, wobei man es ihm, was seine Filmographie betrifft, nur schwer recht machen kann: Mühsam quälte ich mich durch die Menschenmasse, um auch mein Mitbringsel unter die zahllosen Plakate und DVDs, die man ihm reichte, zu schmuggeln. Was war das? Nun, ich habe von mehreren Seiten gehört, dass Ruggero (aus verständlichem Grund) vor allem wegen „Cannibal Holocaust“ gelobt wird und es nicht sonderlich mag, auf diesen Film reduziert zu werden. Da ich jedoch auch einen Großteil seiner restlichen Werke im Regal stehen habe, wollte ich ihm etwas anderes mitbringen, etwas, das mir sehr gut gefällt, allgemein aber wenig gekannt wird. Selbstredend fiel die Wahl auf „Zenabel – Die Jungfrau mit der scharfen Klinge“. Was ich nicht wusste: Im deutschsprachigen Raum wurde der Film für Ruggeros Geschmack zu sehr als Porno beworben, weswegen sich der Meister nicht sonderlich erfreut darüber zeigte.
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Ganz anders reagierte die bezaubernde Nora Orlandi, eine nette kleine Dame, die sicher eine großartige Miss Marple Darstellerin abgegeben hätte und die Veranstaltung mit ihren beiden bildhübschen Enkeltöchtern besuchte. Ihre Fangemeinde war – im Vergleich zu Ruggeros – recht mager, allerdings ging sie bald und so habe ich sie im letzten Moment noch erwischt um ihr pantomimisch (auch bei ihr ist es mit Englisch etwas schwer) meine Bewunderung auszudrücken. Ich reichte ihr noch eine DVD von „Das Gesicht im Dunkeln“, da ihr Titelthema dazu mitunter das Coolste Ding ist, das ich je gehört habe, was ich ihr in meinem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch, Italienisch und Latein mitzuteilen versuchte (offenbar hat sie es verstanden, denn sie sah geschmeichelt aus). Als ich dann noch die Erklärung „A doppia faccia“ abgab, zeigte sie mit breitem Lächeln auf das Cover und meinte voller Freude „Ohhh, ahhh, Klaus Kinski!“ und hat mir dann ihren Namen, inklusive Smiley daraufgeschrieben. :D :mrgreen:
Leider musste sie dann jedoch gehen. Die vier Herren auf der anderen Seite blieben noch und schlossen sich den Symposiumsteilnehmern an, als diese, von einer Mitarbeiterin des österreichischen Instituts zu einem Restaurant in der Nähe geführt wurden. Auf der gemütlichen Terrasse des Lokals war dort eine riesige Tafel zusammengesetzt worden. Ich saß zwar weit ab von Sergio, George, Antonio und Ruggero, aber das machte nichts, weil ich erstens dort wahrscheinlich nicht viel mehr zur Konversation hätte beitragen können als „Gialli e bene; doofe uomi in nero e male!“ und außerdem war ich von mindestens ebenso interessanten Persönlichkeiten umringt. Um mich herum saßen neben der charmanten Institutsmitarbeiterin, der vom Sigi Götz Magazin bekannte Ulrich Mannes, der großartige Peter Scheinpflug, der großartige Mikel J. Koven und der großartige Richard Dyer.
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Dann kamen Kellner und brachten Essen und sie hörten nicht mehr wirklich damit auf. Spätestens bei der zweiten Pasta (die beiden Pasti folgten den beiden Antipasti, die es davor gab :ugeek: ), begann die Sorge in mir hoch zu keimen, ob die sechzig Euro, die ich mithatte, wirklich für dieses feudale Mahl und die Unmengen an konsumierten Wein ausreichen würden. Doch stellt euch vor, wir waren eingeladen! Ich weiß nicht genau, ob von der Uni oder vom österreichischen Institut, aber wir waren eingeladen. Es gab sechs Gänge, plus Brot, plus Getränke und wir waren eingeladen! Ich habe nicht mal einen Vortrag gehalten und war trotzdem eingeladen! Es war eine Rechnung, die wahrscheinlich so hoch ist, dass ich mit meiner strikten Hofer/Aldi-Ernährung wahrscheinlich zwei Jahre davon hätte leben können und wir waren eingeladen! Es tut mir leid, dass ich so lange auf diesen Punkt herum kaue (haha „kaue“ :) ) aber bei aller Liebe zum Giallo und zur Wissenschaft, rücken diese Bereiche für arme Studenten wie mich schon mal hinter gratis Shrimps in den Schatten. Ja, richtig gehört, es gab Shrimps und wir waren eingeladen! Es war so toll!!! :mrgreen:
Doch wahrscheinlich hätte ich das Essen (u.A. gratis Shrimps!) nicht so genossen, wenn die Tischgesellschaft nicht so nett gewesen wäre. Mit Peter Scheinpflug und Mikel J. Koven über Filme zu plaudern war eine faszinierende und unterhaltsame Erfahrung. Beide finden übrigens, dass Kenneth Branaghs „Hamlet“ zu lang ist und gekürzt hätte werden sollen – daran sieht man, dass die beiden eher Filmwissenschaftler sind und nicht wie ich Theater-, Film- und Medienwissenschaftler 8-) :ugeek: . Koven ist überhaupt ein sehr amüsanter Mensch, der kaum einen Satz über die Lippen bringt ohne einen Witz darin zu verstecken. Irgendwann haben ich und Peter aufgehört darüber zu lachen, was er zum Anlass nahm über die deutsche Humorlosigkeit zu philosophieren. Sein Hauptargument – unsere Obsession mit „Dinner for one“ – nahm Peter wiederum zum Anlass seinen Zitate-Schatz auszupacken. Wollte ich von den englischsprachigen Unterhaltungen, die von Giallo bis Anime bis hin zu griechischen Tragödien reichten, eine kurze Pause machen, konnte ich mich an Ulrichs großem Wissen über deutsche Genrefilme erfreuen.
Es war ein rundum gelungener Abend und das denke nicht nur ich, sonder mindestens auch Ruggero Deodato. Der trottete nämlich irgendwann mal kurz an unser Tischende nur um der Institutsmitarbeiterin auf das Charmanteste zu der hervorragenden Restaurantwahl zu gratulieren, bevor er dann wieder zurück trottete. :D
Mein Fazit wäre ja gewesen, dass Ehrenreichs Giallo-Symposium in Rom genauso glorreich war, wie sein Hexen-Symposium in Tamsweg, doch wenn ich nachträglich darüber nachdenke, war es einfach so viel glorreicher: Ganz davon abgesehen, dass es mir einen wunderbaren Grund gab, wieder mal die Stadt mit den coolen Wasserbecken-Pedalen und Chino-Dosen zu besuchen, habe ich so viel Interessantes und Neues zu meinem geliebten italienischen Genrekino erfahren, so viele faszinierende und nette Leute kennen lernen dürfen und so viele gratis Gänge verdrückt, dass ich einfach nur meinen Hut ziehen und allen Beteiligten für diese einmalige Erfahrung danken kann!
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon Adalmar » 25. Jun 2015, 13:16

Vielen Dank, dass du diese wunderbaren Impressionen mit uns teilst! :verbeug:
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シリアルエクスペリメンツレイン
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Re: Der Killer von Wien von Rom - Giallo-Konferenz 7.-9. Juni

Beitragvon Paco » 25. Jun 2015, 14:05

Lieber Dottore.

das ist ein ganz ganz toller Bericht - herzlichen Dank dafür! Damit hast du es (zumindest bei mir) geschafft, dass man als Delirianer ein kleines bisschen mit dabei sein durfte bei dieser hochinteressanten Veranstaltung :prost:
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