Der Horrorfilm - Mehr als nur Zombies und Innereien: Teil 2

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Der Horrorfilm - Mehr als nur Zombies und Innereien: Teil 2

Beitragvon horror1966 » 25. Aug 2012, 17:22

Teil 2 :
Der klassische Horrorfilm
- Eine Übersicht -


Viele mögen jetzt denken, das der klassische Horrorfilm mit den berühmten Werken Anfang der 30er Jahre begonnen hat, als Filme wie Frankenstein mit Boris Karloff, oder auch Dracula mit Bela Lugosi erschienen. Doch weit gefehlt, denn die Anfänge liegen noch einige Jahre weiter zurück in der Stummfilmzeit.

So wurde die Thematik des Monsters von Frankenstein nach der Romanvorlage von Mary Shelley schon 1910 das erste Mal verfilmt. Allerdings handelt es sich hier um einen Kurzilm, mit einer Laufzeit von gerade mal 13 Minuten. Diese Version galt viele Jahre als verschollen, ehe ein amerikanische Sammler in den 50 er Jahren eine Kopie dieser ersten Frankenstein – Verfilmung erwarb, ohne sich überhaupt darüber bewust zu sein, welch eine Rarität er da erworben hat. Die Existenz dieses Films wurde erst in den 70 er Jahren bekannt.

Auch der wohl bekannteste aller Vampire, Graf Dracula, kam schon einmal 1922 zu Filmehren und zwar in dem Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens. In diesem Meilenstein des Genres, bei dem Friedrich Murnau Regie führte, musste allerdings aus rechtlichen Gründen der Name des Vampirs in Graf Orlok umgeändert werden. Murnaus Stummfilm – Werk ist wie gesagt die erste Verfilmung der Romanvorlage von Bram Stoker und gilt nicht zuletzt wegen seiner expressionischtischen Atmosphäre als Meilenstein und Meisterwerk des Genres. Die Titelrolle spielte hier übrigens der unvergessene Max Schreck, der hier in seiner absoluten Paraderolle zu bewundern ist. Weitere prägende Filme der Stummfilmzeit sind auch noch Das Kabinett des Dr. Caligari von Robert Wiene aus dem Jahr 1920, oder Der Golem von Paul Wegener und Carl Boese aus dem gleichen Jahr. Man kann hier also auch ganz klar den deutschen Einfluss gerade auf die Anfangszeit des Horrorfilms beobachten, denn die meisten hier aufgezählten Klassiker sind aus deutschen Landen. Aber auch Klassiker wie Das Phantom der Oper ( 1925 ) wurden in dieser Zeit – Dekade das erste Mal verfilmt, bevor, wie zum Beispiel bei diesem Film erst 1943 die wohl bekannteste und auch pöpulärste Version erschien.

In den 30 er Jahren Jahren setzte sich dann sehr zügig der Tonfilm durch und es entstanden so die wohl mit bekanntesten Klassiker des Genres. 1931 wurden dann 2 der wohl bekanntesten Geschöpfe des Horrorfilms neu kreiert und auf Zelluloid verewigt. Zum einen ist die Rede von Frankenstein’s Monster, in dessen Rolle der Brite Boris Karloff schlüpfte, der durch diese Rolle weltberühmt wurde, zum anderen erschien Graf Dracula, diesmal auch unter selbigem Namen. In dessen Rolle der Ungar Bela Lugosi schlüpfte. Mit diesen 2 Darstellern haben wir hier auch gleichzeitig 2 der absoluten Stars dieser zeit, die für diese Rollen einfach wie geschaffen waren. Karloff zum Beispiel kann man auch in dem 1932 erschienenen Meisterwerk Die Mumie sehen, in dem er allein durch seine unglaublich starke Präsenz und seine diabolische Ausstrahlung zu überzeugen weiss. Ein dritter Star der frühen Klassiker ist auch sicherlich Lon Chaney Jr., der mit dem 1941 erschienenen Der Wolfsmensch für Furore sorgte. Hier muß man allerdings anmerken, das schon 6 Jahre vorher, also 1935 ein Werwolffilm mit dem Namen Der Werwolf von London erschien, doch dieser Film hatte nicht annähernd die Klasse des Films von 1941 und ist in der heutigen Zeit auch eher in Vergessenheit geraten.

Auch der erst viel später richtig populär gewordene Zombiefilm hat seine eigentlichen Ursprünge in dieser Zeit, so erschien 1932 der Klassiker White Zombie, der auch schon damals eine richtiggehende Welle auslöste. Ein weiteres, sehr bekanntes Werk dieser Zeit ist auch der 1942 erschienene Film I walked with a Zombie. Allerdings wurden die Zombies hier noch nicht als die mordlüsternen und menschenfressenden Kreaturen der heutigen Zeit dargestellt, vielmehr wurde hier alles noch unter dem Einfluss der Voodoo – Thematik in Szene gesetzt.

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, nachdem mittlerweile der Farbfilm Einzug gehalten hatte, bestimmten Die Hammer Studios zum größten teil des Geschehen im Sektor des Horrorfilms. Die Stars der Szene waren Schauspieler wie Peter Cushing, Vincent Price, oder ein gewisser Christopher Lee, der der Figur des Grafen Dracula neues Leben einhauchte und ihr eine extrem charismatische Präsenz verlieh. Zu dieser Zeit gab es auch sehr viele Verfilmungen zu literarischen Vorlagen von Edgar Allen Poe, wie beispielsweise Der Rabe, oder Das Pendel des Todes. Allerdings gingen die Produktionen der Hammer Films später teilweise zu sehr ins Lächerliche und wussten den Zuschauer nicht mehr vollends zu begeistern.

Ein junger polnischer Regisseur namens Roman Polanski schuf mit seiner Vampir – Persiflage Tanz der Vampire einen Meilenstein und im Bezug auf Horror – Komödien ein absolut zeitloses Meisterwerk. Hinzu kamen auch Filme mit einem okkulten Hintergrund, in denen es um Dämonen oder den Teufel ging. So entstanden einige der zeitlosesten Klassiker überhaupt, als bekannteste Werke kann man hier sicherlich Rosemary' s Baby, Das Omen, oder das Meisterwerk von William Friedkin Der Exorzist nennen.

Aber auch ein neuer Aspekt des Horrorfilms begann sich richtig zu entwickeln, der Haunted House Film. Häuser, die ein gespenstisches und sehr gruseliges Eigenleben entwickeln, in denen rast – und ruhelose Seelen ihr Unwesen treiben. Der wohl bekannteste und vielleicht sogar beste dieser Filme ist Bis das Blut gefriert aus dem Jahre 1963, der ein Paradebeispiel dafür ist, was man allein mit einer ausgeprägten und unheilvollen Atmosphäre bewirken kann. Diese Art Filme zieht sich auch wie ein roter Faden bis in die heutige Zeit hin, Filme wie Haunted Hill, The Return to Haunted Hill, oder auch The Amityville Horror sind die besten Beispiele dafür, das subtiler Horror die Menschen noch immer fasziniert.

Auch in unserem neuen Jahrtausend gibt es immer wieder Horrorfilme, die auf die klassischen Stilmittel wie Atmosphäre und Grusel – Effekte zurückgreifen und auf Härte und großes Blutvergießen verzichten, das beweisen auch durchaus einige Filme aus der letzten Zeit. So gibt es Werke wie Der eisige Tod, oder Dead Silence, wo der klassische Horror immer wieder durchscheint. Man sieht also, das die Anfänge des Horrorfilms sich bis in unsere Zeit hin immer wieder durchgesetzt haben und das nicht nur die harte Welle den Zuschauer fasziniert. Denn eines sollte man auch niemals außer acht lassen, ohne die hier aufgezählten Klassiker wäre der Horrorfilm sicherlich nicht das, was er heute ist.
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